Montag, 31. Dezember 2007

Was der ORF kann...

..kann ich schon lange.


Dinner for One - in der Bernd das Brot-Fassung!

Ich wünsche schönes Feiern und gutes Rutschen!

Teil 1:



Teil 2:

Sonntag, 30. Dezember 2007

Neujahrsvorsätze eines Bloggers

Neinnein, keine Sorge. Ich werde euch an dieser Stelle jetzt nicht mit meinen persönlichen Neujahrsvorsätzen für das nächste Jahr behelligen und euch etwa erzählen, dass ich wieder mehr Sport betreiben oder meine Fikusse (den großen Johnny Rotten und den kleinen Sid Vicious) wieder öfter gießen möchte. Vielmehr soll es hier darum gehen, wie ich mir das nächste Jahr auf diesen Seiten so vorstelle, d.h. was für bloggereitechnische Projekte in meinem Kopf umgehen, die ich ihn nächster Zeit umzusetzen gedenke.

Wie ihr sicher festgestellt habt, hat sich die allseits beliebte (Albert ausgenommen) Rubrik "Ein Winzer im Reich der Mitte" am Freitag ein für alle Mal erledigt. Aber, nicht verzagen, es gibt noch andere Perioden meines Lebens, die es wert sind, nacherzählt zu werden! Ich möchte hier noch nicht allzu viel verraten, ausser das das neue Projekt unter dem Arbeitstitel Meine Linzer Jahre - Aufstieg und Fall eines Winzers im Land des exzessiven Mostkonsums steht. Achtung, das ist nur ein Arbeitstitel! Etwaige Hoffnungen oder Befürchtungen, die aufgrund dieses Titels wach werden könnten, sind ABSOLUT unbegründet! Es ist ja noch gar nicht sicher, was daraus wird! Also, am besten gleich wieder vergessen..

Schon viel konkreter sind da andere Pläne für 2008. In diesem Jahr findet ja bekanntlich die Fußball-Europameisterschaft in Hicke-Sticksi-Land statt. Mit hochnotpeinlichen Auftritten unserer Polit- wie Fußballprominenz ist ebenso zu rechnen wie mit einer gebührenden Antwort dieses Blogs. In 16 Folgen der Rubrik Anspiel - Freund bei Gästen widme ich mich nämlich den teilnehmenden Nationen in jeder erdenklichen Hinsicht - von der Länderkunde bis hin zum Fußballerischen, natürlich. Damit hoffe ich, uns auf die Ankunft der Gastfans und -mannschaften hinreichend vorzubereiten, schließlich sollten wir das Ausüben der Gastfreundlichkeit nicht nur unseren Fußballern überlassen! Den Anfang wird Frankreich machen, das ist ein reiner Zufall, der sich daraus ergibt, dass ich die Gruppen im Rückwärtsgang durcharbeite.

Lesen. Mehr lesen, verdammt, wie lange nehme ich mir das jetzt schon vor! Damit ich einen weiteren motivierenden Faktor gewinne, kündige ich jetzt hier einfach mal eine neue Rubrik an, die Lektürismus oder so ähnlich heißen soll und sich mit dem auseinandersetzt, was ich so gelesen habe. Die erste Folge wird sich jedenfalls definitiv mit dem sehr lesenswerten Werk "Es muss was geben - Die Anfänge der alternativen Musikszene in Linz" von Andreas Kump beschäftigen.

Dann gibt es ja auch noch ein Projekt, das schon längst angekündigt wurde, das da nämlich - ich habe nicht darauf vergessen, aber es bedarf einer würdevollen Vorbereitung! Flankiert werden soll es übrigens von einer ähnlich gelagerten Rubrik, Das grooooße Stück Musik geheißen, welche sich mit der im Vergleich zum Album kleineren Form auseinandersetzen wird.

Natürlich wird auch Bewährtes und Guteingeführtes weitergeführt, so etwa "Ohrenfälliges", "Aufgelesen..", der "schöne Moment" oder die Jahresrückblicke, die sich diesmal auch bestimmt nicht bis in den Sommer hineinziehen werden (auch wenn es neue Kategorien geben wird)..Und selbstverfreilich werde ich auch 2008 wieder alles druntermischen, was mir sonst so unterkommt und bloggenswert erscheint!

Dies wäre übrigens durchaus auch der Moment, Wünsche, Anregungen und Beschwerden zu äußern. Per Kommentar geht das natürlich ganz gut. Aber ihr könnt euch auch des ultimativen Umfragetools gleich unter dem Profil bedienen (traut sich wahrscheinlich wieder keiner..)

Freitag, 28. Dezember 2007

Ein Winzer im Reich der Mitte # 12

2005 fuhr ich nach Shanghai. Der Grund war Neugierde und die ideale Gelegenheit, die sich darbot, als J. ihren dort arbeitenden Bruder M. besuchen wollte und ich der auserwählte Reisepartner war. Das Tagebuch dieser Reise konnte man in den letzten Monaten auf diesem Blog nachlesen. Dies sind die letzten Einträge meines Tagebuches.


12.8.2005

Der Ausflug nach Hangzhou kann nun endlich stattfinden. M´s Kollege W. ist dabei. Wir haben einen Chauffeur geordert, der uns den ganzen Ausflug-Tag herumkutschieren soll (er zeigt am Nachmittag aber vorübergehend einmal das Gelüst, dies nicht mehr zu tun und lieber heimzufahren). Wir besuchen den berühmten Westsee und machen dort eine (allerdings recht kurze) Bootstour. Danach schauen wir uns die Leifeng-Pagode an, zu der – typisch chinesisch – eine Rolltreppe hinaufführt. Wir sind auch selbst wieder Sehenswürdigkeit, eine chinesische Familie will sich unbedingt mit uns fotografieren lassen.

Am Abend gehen wir im „Plaza 66“, einem Einkaufszentrum an der Nanjing Lu, japanisch essen. Es ist Teppanaki, der Koch bereitet das Essen unmittelbar vor uns auf heißer Platte zu. Meine Steaks sind ein Gedicht, wenn auch für Shanghaier Verhältnisse eine sehr kostspielige Angelegenheit. Hernach steigen wir ins Taxi, ahnungslos, was uns dort erwartet.

Der Fahrer begrüßt mich mit einem merkwürdigen Grinsen. „Komisch“, denke ich, „normalerweise wird man in diesem Land doch nicht einfach so von Fremden angelacht?!“ Wahrscheinlich hat er deswegen so gegrinst, weil er sich schon auf ein baldiges Wiedersehen mit seinen Ahnen gefreut hat. Zumindest fährt er dann dementsprechend. Bei unserem Taxler handelt es sich offensichtlich um den verschollenen chinesischen Zwillingsbruder von Michael Schumacher auf Amphetaminen. Ich erlebe die Gnade, vorne sitzen zu dürfen und beschließe, es zu genießen.


Westsee vor Hangzhou.


Stairway to Leifeng-Pagode.


Familienanschluss in Hangzhou.

13.8.2005

Wir machen letzte Besorgungen. M. muss wieder auf Geschäftsreise und wir begleiten ihn zum Flughafen – mit der Magnetschwebebahn Maglev, die mit einer Höchstgeschwindigkeit von 430 km/h vermutlich sogar geringfügig schneller unterwegs ist, als der Taxifahrer vom Vorabend, mit Sicherheit aber weniger lebensgefährlich. Zuvor war J. noch beim Friseur – Haareschneiden + Massage in einem schicken Salon um wohlfeile € 7.

Abendessen gibt’s in dem schon vom 5.8. bekannten Restaurant, wo ich eindeutig zu viel esse.


Teppanyaki!


Im Höllentaxi. Bitte Nummer merken und bei Sichtung ums Leben rennen.


Noch so ein lebensmüder Chinese (das ist so ca. im 9. Stock).


So schnell wirds zu ebener Erd´ nimmer so bald..

14.8.2005

Heimflug.


China von oben. Ein Abschied.

Mittwoch, 26. Dezember 2007

Ein Winzer im Reich der Mitte # 11

2005 fuhr ich nach Shanghai. Der Grund war Neugierde und die ideale Gelegenheit, die sich darbot, als J. ihren dort arbeitenden Bruder M. besuchen wollte und ich der auserwählte Reisepartner war. Das Tagebuch dieser Reise kann man jetzt auf diesem Blog nachlesen.

11.8.2005


Alles ist ruhig geblieben. Obwohl ich schon etwas mit dem Gedanken gespielt habe zu verschwinden und einen Zettel zu hinterlassen, lautend auf: "Bin in der Gewahrsame der Volksbefreiungsarmee. Leb wohl! PS: Endlich frei!!"

Statt zum Verhör sind wir dann zu einer Bootsfahrt aufgebrochen. Sie dauerte ca. eine Stunde und führte uns den Strom des Huangpu entlang, den Bund auf der einen Seite, die Skyline von Pudong auf der anderen, bis zur Nanpu-Brücke. Wir sassen die meiste Zeit auf dem Deck und erwischten so einiges an Sonne. Dort waren wir dann auch ziemlich alleine, denn die Chinesen zogen, wie meist, den klimatisierten Innenraum vor. Kein Wunder eigentlich, denn abgesehen davon, dass dies die noble Blässe erhält (Schönheitsideal!), gab es dort auch noch einen großen Flachbild-Fernseher, der zwar den Blick auf draußen verstellte, aber dafür wunderbare Alpenlandschaften zeigte.

Am Abend wurde mit M. und Kollegen dinniert, und zwar in der "Super Brand Mall" in Pudong, an einem Tisch auf der Terrasse des Lokals mit Blick auf den Huangpu und den Bund bei Nacht.

M. wurde übrigens gefragt, was der rote Knopf nun bedeute. Resultat: Es handelt sich tatsächlich um den Alarmknopf! Letztes Mal als M. den Knopf irrtümlich gedrückt hat, ist im übrigen auch tatsächlich die Hausverwaltung aufgekreuzt. Dies allerdings erst drei Wochen später..


Art Déco und Moderne am Bund.


Pudong.


Wende vor der Nanpu-Brücke.

Montag, 24. Dezember 2007

Adventkalender, letztes Kastl

Und schon wieder ist der Vierundzwanzigste. In Kindheitstagen hat man ja immer das Gefühl gehabt, dass der Dezember endlos lange, geradezu nichtendenwollend ist, so groß war die Sehnsucht nach dem Fest und außerdem ahnte man ja noch nichts von der bewusstseinsverzerrenden Macht der Nostalgie. Mittlerweile fliegt die Zeit dahin, so scheints, und man fragt sich doch tatsächlich "Schon wieder Weihnachten?"

Wie dem auch sei, gewisse Dinge ändern sich nicht: Salzkammergut, Familie. Wie jedes Jahr werde ich heute die von meinem Großvater geschnitzte Krippe aufstellen. Danach werden die Geschenke verpackt, dann wird gefeiert, dann wird mein Onkel in die evangelische Weihnachtsmesse gehen, weil er dort die Orgel spielt. Dann folgen die zwei gemächlichsten Tage des Jahres - zumindest meinem Anspruch nach, hoffentlich erfüllt er sich auch, denn ich muss auch Bewerbungsschreiben verfassen.

Ich habe lange überlegt, mit welcher Musik ich mein Blog zu diesem Anlass bedenken soll. Als respektvoller Agnostiker wollte ich es nicht zu frömmlerisch, aber auch nicht zynisch oder herabwürdigend (daher habe ich den Bryan Adams schon früher rausgeschossen ;) ).

Von unerwarteter Seite kam mir dann eine Eingebung. Es war kurz vor meiner Abfahrt ins Oberösterreichische, ich packte gerade zusammen und hatte gerade Steve Earles klassisches Album "Copperhead Road" aufgelegt, als mir - erstmalig - auffiel, dass der letzte Song auf der Scheibe ein Weihnachtslied ist. Und ein schlaues noch dazu, das mein Dilemma wunderbar löst!

Da ich auf YouTube keine Version des Meisters selbst gefunden habe, poste ich nun die gleichwohl gelungene eines YouTube-Gesellen aus Kanada. Home-recording-style - und das passt ja auch zu Weihnachten!

Frohes Fest!

Donnerstag, 20. Dezember 2007

Der schöne Moment # 2

Ich kann bei jedem großen Fußballendspiel noch heute sagen, wo ich zu jenem Zeitpunkt war, mit wem ich das Spiel verfolgt und in welcher Stimmung ich mich damals befunden habe. Wenn ich die Finali der vergangenen Jahre so im Kopf Revue passieren lasse, entsteht mithin ein regelrechtes Panorama meines Seelen- und sonstigen -lebens vergangener Jahre. Vielleicht ist das bei einem Fan nichts wirklich Außergewöhnliches (siehe in gewisser Weise auch "Fever Pitch" von Nick Hornby, natürlich, das ich aber ehrlich gesagt für überbewertet halte), aber es macht einen schönen Einstieg in diesen Beitrag. Jedenfalls haben sich mir von jedem dieser Ereignisse starke Bilder in den Kopf geprägt, von jenem WM-Finale zwischen Brasilien und Deutschland in einem toskanischen Dorf etwa, das ich zwischen grummelnden Italienern verfolgte, oder vom Champions League-Triumph des FC Barcelona im letzten Jahr, den ich im Krankenhaus kurz nach einer OP wie durch einen Schleier mehr erahnte als wirklich sah, schließlich etwa auch von jenem Endspiel eben jener europäischen Königsklasse, von dem ich ebenfalls nahezu nichts mitbekam, was aber dazumals (es war 2 Jahre zuvor) mit einer anwesenden Frau zu tun hatte (es gibt schon Dinge, die großartiger sind als Fußball).

Am 26.5.1999 war ich in jenem Studentenheim, in dem ich den Großteil meiner Linzer Jahre verbracht habe. Die Champions League-Finalpaarung lautete Manchester United gegen Bayern München. Meine Sympathien waren da klar verteilt (damals spielte noch kein Ribéry bei den Bayern). Am Nachmittag des Matchtages war ich gerade auf dem Weg zum Einkauf in dem meinem Heim gegenüberliegenden Supermarkt, als mir plötzlich das Lied "Rule Britannia" in den Kopf schoss. Und, als es geendet hatte, folgte "God Save The Queen". Und da capo. Die beiden hurrapatriotischen Hadern sollten mich noch den ganzen Abend verfolgen. Ich erzählte einem Mitbewohner davon und wir nahmen es als großartiges Omen.

So kam es, dass ich auch dann nicht die Nerven verlor, als Bayern nach 90 Spielminuten mit 1:0 in Front lag und sich die Münchner Spieler bereits händchenhaltend an der Outlinie auf den baldigen Schlusspfiff freuten. Tatsächlich folgte eine Sternstunde des europäischen Klubfußballs - ManU drehte die Begegnung in der Nachspielzeit noch um.

Der Jubel im Fernsehraum war unbeschreiblich, niemand war an jenem Abend auf der Seite des Bayern. Wir schrien, knieten am Boden, konnten es nicht fassen (auch ich nicht, Bauchgefühl hin oder her). In diesem Augenblick entstand für mich zum ersten Mal so etwas wie ein Heimatgefühl zu jenem Ort, an dem ich mich gerade befand und zu der Gemeinschaft, die ihn mit verkörperte. Es war dies nur ein Augenblick und es sollte noch Jahre dauern, bis sich dies wirklich deutlich herauskehren und manifestieren sollte. Aber es war ein schöner Moment.

Die Bilder sind etwas verschwommen, aber die Atmosphäre kommt rüber - so wie in der Erinnerung:

Dienstag, 18. Dezember 2007

Ein Winzer im Reich der Mitte # 10

2005 fuhr ich nach Shanghai. Der Grund war Neugierde und die ideale Gelegenheit, die sich darbot, als J. ihren dort arbeitenden Bruder M. besuchen wollte und ich der auserwählte Reisepartner war. Das Tagebuch dieser Reise kann man jetzt auf diesem Blog nachlesen.

10.8.2005

Heute haben wir das "Art Museum" von Shanghai besucht. Es befindet sich in einem Art-Déco-Gebäude, dass die englischen Kolonialherren einst im Zusammenhang mit der Pferderennbahn benutzt haben. Die Pferderennbahn hat sich mittlerweile in den netten Renmin (= Volks-)Park verwandelt (und die Pferdchen sind vermutlich längst auf irgendeinem chinesischen Teller gelandet). Im "Art Museum" sieht man durchaus sehenswerte Gemälde chinesischer Künstler und wundert sich ein wenig über eine Tafel, auf der sinngemäß zu lesen ist, dass die chinesische Malerei seit den Zeiten der alten Meister einen schweren Niedergang erlebt hat und die ausgestellten (zeitgenössischen) Stücke sowas wie einen netten Versuch darstellen.

Nach dem Museum stärken wir uns in einem Starbuck´s, wo dann aber ein Fernsehteam mit unmenschlich gestylten jungen Moderatoren einfällt.

Wir wollen nun zum Antiquitätenmarkt, aber ein chinesisches Pärchen verwickelt uns in ein Gespräch. Sie sind aus Qingdao (da, wo das gute Bier hersprudelt) und ebenfalls auf Besuch in der Stadt, sagen sie. Wir tauschen e-Mail-Adressen, müssen dann aber weiter. Aber wir verabreden uns für den späteren Nachmittag 1/2 6 Uhr an selber Stelle.

Nachdem wir am Markt Einkäufe getätigt haben, sind wir früher als erwartet wieder im Renmin Park. Wir sitzen die Zeit auf einer Bank ab, wobei wir erneut angesprochen werden, zuerst von einem Pärchen aus Beijing. Sie möchten uns unbedingt in ein Teehaus mitnehmen. Kurz danach folgt ein israelischer Backpacker, der sich verlaufen hat und uns nach dem Weg fragt. Schließlich spricht uns noch ein chinesisches Pärchen an, diesmal sind sie aus Hunan. Sie wünschen sich, dass wir mit ihnen ein Teehaus besuchen. Die Sache fängt schön langsam an, verdächtig zu werden.

Nach einiger Zeit treffen wir dann auch wieder unsere Bekannten vom früheren Nachmittag. Sie wollen unbedingt, dass wir mit ihnen in ein Teehaus gehen und teilen uns auch mit, dass der Tee dort dieser Tage im Sonderangebot ist. Es klingt schon ein bißchen sehr wie eine Werbeveranstaltung. Wir haben aber nach dem Besuch des Antiquitätenmarktes fast kein Geld mehr und bieten an, uns auf einer Bank zusammenzusetzen oder im Starbuck´s etwas zu trinken. Das wollen unsere Widerparts aber anscheinend überhaupt nicht. Sie erklären uns, dass wir nach dem langen Tag in der Stadt wohl ohnehin viel zu müde seien und verabscheiden sich jetzt ohne Umschweife.

Essen gibts dann beim westlich orientierten Lokal ums Eck.

Ah ja, ehe ichs vergesse: vor kurzem hat J. einen roten Knopf hinter ihrem Bett gedrückt, der ganz offensichtlich kein Lichtschalter war und jetzt mysteriöserweise feststeckt. Wir erwarten jeden Augenblick, dass die Volksbefreiungsarmee, die Polizei, der Geheimdienst oder gar die Hausverwaltung das Appartement stürmt. Bis dato ist noch alles ruhig.


Netter Versuch.

Montag, 17. Dezember 2007

1984

MTV, 1984..

Wenn der Schrecken nachlässt, isses ganz lustig.


Bryan Adams - Reggae Christmas:

Die Schrecken des Eises und der Finsternis


Es war kalt im Hanappistadion zu Hütteldorf und der Wind kam aus Norden. Das Quecksilber stand bei Null Grad. Wir saßen inmitten einer Horde Rapid-Abokarten-Besitzer. Vor uns verfolgte ein grünweißer Choleriker die Partie, der bei jeder mißglückten Aktion seiner Kirche (und deren gab es viele) aufstampfte und den metallenen Klappsessel mit wütendem Schwung gegen seine Halterung knallen ließ, begleitet von lautstarken Flüchen und den obligatorischen "Linzer Schweine"-Ausrufen (während die LASK-Anhänger, dass sei fairerweise angemerkt, mit Knallkörpern Zielübungen auf zum Eckball schreitende Rapid-Spieler abhielten). Der Tee mit Rum in der Pause war eine trübe Suppe. Und dann auch noch der verhängnisvolle Pressball, in dessen Gefolge der zuvor von den Abokartenbesitzern beschimpfte Mario Bazina den entscheidenden Treffer zugunsten der Heimmannschaft erzielte. Das 0:2, das empty-net-goal, eine belanglose Angelegenheit, sei nur der Form halber vermerkt. Schließlich waren wir zu Beginn der Rapid-Viertelstunde noch gezwungen, gemeinsam mit den Wiener Fans von unseren Sitzen aufzustehen. Wir hätten sonst nichts mehr vom Spiel gesehen.

Erstaunlich, was man sich alles antut, um sagen zu können, man war dabei bzw. in der Hoffnung, etwas Großes zu erleben. Letzteres blieb aber aus. Aber, je regrette rien. Wobei ich eigentlich nicht genau weiß, warum das so ist. Ist es etwa deswegen, weil man stellvertretend für eine große Idee da war, die Idee der Loyalität? Oder, macht es auch manchmal einfach Spass, etwas im Ergebnis scheinbar Zweckloses zu tun, weil ja sonst ohnehin immer alles irgendeinen Zweck haben soll und muss, in unserem Leben?

Sonntag, 16. Dezember 2007

Orte, an denen man gewesen sein muss # 1

Kirchdorf a. d. Krems (letztes WE)




Gestatten: Kirchdorf, die pulsierende Metropole des Kremstales!



Der imposante Hauptplatz.


Das Museum für Moderne Kunst (im Vordergrund).



Das Bankenviertel.



Die "Spanische Treppe".



Das Raiffeisen-Building.



Das Postamt - Kirchdorfs Tor zur Welt.



Die öffentliche Toilettanlage - eine mehr als in New York!



Der "Volkschu".



Das Villenviertel.



Malerische Kanäle - nicht zu Unrecht gilt Kirchdorf als das Venedig des Traunviertels!



Der Kirchdorfer "Wissensturm" - auch hier stellt Kirchdorf die ferne Hauptstadt ganz klar in den Schatten!



Das Zementwerk!



Und als krönender Abschluss: die Bezirksbauernkammer (neoneoklassizistisch)!

Donnerstag, 13. Dezember 2007

Ein Winzer im Reich der Mitte # 9

2005 fuhr ich nach Shanghai. Der Grund war Neugierde und die ideale Gelegenheit, die sich darbot, als J. ihren dort arbeitenden Bruder M. besuchen wollte und ich der auserwählte Reisepartner war. Das Tagebuch dieser Reise kann man jetzt auf diesem Blog nachlesen.

9.8.2005

Das war gestern. Ich habe mir eine neue Kamera gekauft, um 3650 RMB auf der Nanjing Lu. Wir haben auch gleich eifrig damit in der Gegend herumgeschossen. So haben wir etwa den Jadebuddha-Tempel fotografiert. Diese buddhistische Stätte bietet (wie der Name schon sagt) eine Buddhafigur aus (purer?) Jade, welche durch wundersame Umstände die Kulturrevolution überstanden hat (wahrscheinlich ist er der Partei beigetreten). Außerdem gibt es dort ein teures Restaurant, in dem buddhistische Fastenspeisen kredenzt werden, teure Getränkeautomaten und einen riesigen, teuren Souvenirshop mit Atem beraubend kitschigem Tand, unter anderem ein weiterer großer Buddha - aus Jade oder aus weißem Kunststoff? - um stolze 80.000 RMB. J. sagt, dass ihr die ewige Geschäftemacherei hier auf die Nerven geht. Und da das von ihr kommt, heißt das schon was. Dann möchte sie aber doch einen "kleinen buddhistischen Mönch" käuflich erwerben und mit nach Hause nehmen. Noch zu erwähnen ist die Gruppe von derlei niedlichen Klerikern, die im Hof des Tempels eine zünftige Beatmusi veranstaltet.

Dann ein schönes Erlebnis auf dem Rückweg vom Tempel: hier in China gibt es Vanilla Coke in 0,5l-Flaschen und ich genehmige mir ein solches.

Wir essen im "Grape", einem Lokal, das sich in einer ehemaligen russisch-orthodoxen Kirche befindet. Und das recht gut. Nach dem Abendessen gehts endlich auf den Jinmao Tower. Das vierthöchste Bauwerk der Erde (nach dem 101 in Taipeh [ein Stachel im Fleisch der Volksrepublik], dem Petronas Tower in Kuala Lumpur und dem Sears Tower in Chicago) ist in der (aufgrund der für ganz China verbindlichen Beijinger Zeitrechnung) früh hereinbrechenden Nacht hell erleuchtet und ein eindrucksvoller Anblick. Noch stärker der Eindruck, den man hat, wenn man dann oben steht: Shanghai bei Nacht, ein gigantisches Lichtermeer. Die Fahrt mit dem Lift hinunter beinhaltet einen jener skurrilen Momente, für die China immer wieder gut ist. Ich stehe in der Mitte des Raumes eingeklemmt zwischen lauter Chinesen, die mich neugierig mustern und komme mir fast ein bisschen vor wie der Jinmao zwischen all den anderen Hochhäusern von Shanghai-Pudong.

Aber auch auf der Rückfahrt mit der U-Bahn gibts nochmal was Skurriles. J. will nach dem langen Tagwerk unbedingt einen Sitzplatz. Sie stürmt in das Abteil, fliegt förmlich zur Bank, wie es scheint. Aber da sind ja auch noch die Chinesen. Mit einem unfassbaren Tempo, das wohl noch knapp unter Schallgeschwindigkeit liegt, denn es geschieht fast lautlos, ohne großen Knall, sichern sich chinesische Rentner, Geschäftsleute und Studenten die Sitzplätze. Ein Pensionisten-Ehepaar, das sich unmittelbar vor der heranlaufenden J. scheinbar aus dem Nichts heraus materialisiert hat, amüsiert sich noch die halbe U-Bahn-Fahrt lang köstlich über unsere verdatterten Gesichter.

Ach ja: Wir waren auch erstmals in einem CD-Laden. Ich habe das Paradies gesehen. CDs um 1-2 Euro das Stück. Irgendwer sollte mich vielleicht festbinden.

A propos "festbinden". Auf dem Weg in die Stadt hat uns eine Gruppe chinesischer Kunststudentinnen aufgelauert und in ihre Verkaufsräumlichkeiten verschleppt. Aus irgendwelchen Gründen bin ich ihnen - im Gegensatz zum sinisteren Antiquitätenhändler vor einigen Tagen - gefolgt. Und habe zwei Kalligraphien erworben, die ich bei mir zu Hause an die Wand zu hängen gedenke. Als die KS allerdings dann private Dinge wissen wollten und mich gefragt haben, ob ich denn in Österreich eine Freundin hätte, hab ich mich dann doch aus dem Staub gemacht.


Buddhistische Jam-Session im Jadebuddha-Tempel


Wächter des Tempels.


Shiny!


Abendlicher Blick vom Jinmao.

Dienstag, 11. Dezember 2007

Asylgerichtshof

Wenn daran gegangen wird, die Dauer der in diesem Land durchgeführten Asylverfahren zu verkürzen, so ist das an sich ein richtiges Ansinnen (siehe auch meinen Kommentar auf einem befreundeten Blog). Wenn dies aber dadurch geschieht, dass den Asylsuchenden rechtsstaatliche Garantien weggenommen werden, konkret: der Weg zum Vewaltungsgerichtshof versperrt wird, so ist das eine mißbräuchliche "Lösung" der Problematik. Anstatt den Asylbehörden die entsprechenden personellen Mittel zur Durchführung der Verfahren in angemessener Zeit und in angemessener Qualiät (und - vergessen wir das nicht - hier geht es unter Umständen um Leben und Tod) zu gewähren, wird einfach eine Instanz gestrichen, die
(aus der Sicht der politisch Verantwortlichen oftmals unbequemen) Entscheidungen des Höchstgerichtes werden verunmöglicht. Eine "Lösung" auf Kosten der Rechtsschutzsuchenden.

Zu diesem brisanten Thema veranstaltet die jus.gras übermorgen eine stark besetzte Podiumsdiskussion. Mit dabei:

Univ.Prof. Bernd-Christian Funk (Institut für Staats und Verwaltungsrecht)
Anny Knapp (Obfrau Asylkoordination)
Dr. Josef Rohrböck (Experte für Asylrecht)
NR Abg. Mag Albert Steinhauser (Justizsprecher der Grünen)
BzR Mag. Markus Benesch (Referent für Integration der ÖVP)

Moderation: Flora Eder (Journalistin)

Wann: 13.12.2007, 19:00
Wo: JURIDICUM, Schottenbastei 10-16, Hörsaal U13 (Hörsaal), 1010 Wien

Sonntag, 9. Dezember 2007

Ein Winzer im Reich der Mitte # 8

2005 fuhr ich nach Shanghai. Der Grund war Neugierde und die ideale Gelegenheit, die sich darbot, als J. ihren dort arbeitenden Bruder M. besuchen wollte und ich der auserwählte Reisepartner war. Das Tagebuch dieser Reise kann man jetzt auf diesem Blog nachlesen.


8.8.2005

Das war gestern. Ich bin dazumals nicht zum Tagebuchschreiben gekommen, weil ich an diesem Abend mit 17 Postkarten genug zu tun hatte. Schließlich ist es bei mir natürlich mit "Liebe Grüsse etc." nicht getan, jede Karte muss ein literarischer Genuss sein, Pullitzer-Preis-würdig.

Scherz beiseite. Gestern stand das "Shanghai Museum" auf dem Plan, weiters die "Shanghai Urban Planning Hall". Letztere zeigt "des, wos jetzt vorhabn, in der nächsten Zeit" (Zitat J., eben jetzt gemacht). Sie zeigt aber auch, was sie vorgehabt haben und natürlich ohne Umschweife und Rücksichtnahmen in die Tat umgesetzt haben. Zum Beispiel den Flughafen, an dieser Stelle wird von den Ausstellungsmachern auch auf andere bedeutende Flughäfen hingewiesen wird, so etwa auf "Wienna" und "St. Peterburg" (was auch immer das sein soll). Dann gehts weiter zum "Shanghai Museum", wo uns eine eindrucksvolle Sammlung alter chinesischer Kunstgegenstände erwartet. Zu sehen sind Keramiken, Malereien, Bronzen, Trachten der ethnischen Minderheiten, Kalligraphien, Jadeobjekte, Siegel und Möbel der Quing- und Ming-Zeiten. J. ist vor allem von den Trachten angetan, aber auch von den Möbeln. Sie beschliesst, ihre künftige eigene Steuerberatungskanzlei in den Räumlichkeiten der Möbel-Ausstellung einzurichten.

In einem kleinen Lokal in der Nähe unserer Wohnung essen wir zu Abend. Danach beginnt mein Kampf mit den Postkarten.


"Ham die Chinesen scho wieda eine Strasse weggesprengt??!" (Bild einige Tage später aufgenommen)

Freitag, 7. Dezember 2007

Ohrenfälliges # 11

Auch wenn er sich derzeit noch vornehm zurückhält, der Winter ist da. Und mit ihm die Kälte und die Dunkelheit. Da ist es manchmal schön, wenn man sich einen Raum von Behaglichkeit schaffen kann, in den man sich zurückziehen kann. Ein warme Decke kann das schon sein, oder auch eine Tasse Tee. Oder auch Musik, natürlich.

Die Musik der Winterpills - welch ein treffender Name - kann dieser Raum sein. Die Winterpills, das ist persönlicher, intimer, nachdenklicher Folk mit einem Pop-Zuckerguss und der Verve zeitgenössischer Indie-Musik. Ihre Musik passt wie ihr Name zur Jahreszeit, man könnte vielleicht sagen, sie sublimiert den Winter und weist auf die positiven Seiten, die er auch hat: Intimiät, Innigkeit, Geborgenheit, die Schönheit einer verschneiten Winterlandschaft. Und schön, das ist sie, die Musik der Truppe aus Northampton, Massachusetts, und - ganz groß.

Hier, gut verborgen auf der Seite des Winterpills-Sängers Philipp Rice, kann man den Schatz heben. Und da und vor allem da und da sollte man auch vorbeischauen.

Donnerstag, 6. Dezember 2007

Vibrations

Eigentlich haben mich Konzentrationsstörungen und Müdigkeitsanfälle heute schon genug bestraft, dennoch möchte ich für den (völlig unvernünftigen, aber lustigen) gestrig-nächtlichen Ausflug in Wiens führenden Reggae-Schuppen noch weitere Abbitte leisten.

Was wäre dafür besser geeignet als ein themenbezogenes Post, und zwar ein YouTube-Spassetterl, welches mir der Ganjeh-man freundlicher Weise zukommen hat lassen!


Mittwoch, 5. Dezember 2007

Akte Justiztower



Der dreizehneinhalbte Stock? Area 51? Endlagerstätte für ungehorsame Rechtspraktikanten?

Und, nein, man kommt auch über das Stiegenhaus nicht hin, der Stock ist versperrt.

Dienstag, 4. Dezember 2007

Ein Winzer im Reich der Mitte # 7

2005 fuhr ich nach Shanghai. Der Grund war Neugierde und die ideale Gelegenheit, die sich darbot, als J. ihren dort arbeitenden Bruder M. besuchen wollte und ich der auserwählte Reisepartner war. Das Tagebuch dieser Reise kann man jetzt auf diesem Blog nachlesen.


6.8.2005

Der Tag als die Sintflut kam. J. und M. wollten eigentlich heute auf dem fake-market und in Geschäften auf Beutejagd gehen, aber der immer stärker werdende Taifun hat alles zunichte gemacht. Auch ich bin am Nachmittag einmal vor die Tür gegangen und mir danach vorgekommen, als wäre ich in den Huangpu gefallen - nur sauberer.

Am Ende kämpften wir uns trotz der widrigen Umstände mit Hilfe eines Taxifahrers (Shanghaier Taxifahrer zeichnen sich durch Todesverachtung aus) in ein argentinisches Restaurant durch, wo wir R., einen Studienkollegen von M. trafen. Auf unserer Fahrt dorthin sahen wir ausgerissene Bäume sowie Wasserlachen in der Größe von Baggerseen. Danach waren wir noch im "Face", einer schicken Bar, dem bevorzugten Treffpunkt der Shanghaier "Langnasen" (Westler). Dort gelang es J. trotz hartnäckiger Bemühungen nicht einen "Moskito" zu bekommen. Am Ende stand doch nur ein "Moquito" am Tisch.

7.8.2005

Heute wäre eigentlich ein Ausflug nach Hangzhou auf dem Programm gestanden. Das Taxi war schon bestellt und auch gekommen, an die Durchführung des Vorhabens war aufgrund der anhaltenden Wetterkapriolen aber nicht zu denken, zudem hatte M. überraschend noch beruflich zu tun.

Schlechtwetterprogramm war der Besuch des "Shanghai Science & Technology Museum", architektonisch eindrucksvoll (um nicht zu sagen: monumental), aber inhaltlich nach einhelliger Meinung nicht übermäßig spannend.

Nach einer nachmittäglichen Pause waren wir gegen 6 zum Zwecke des Einkaufens wieder in der Stadt, u.a. auch am fake-market. J. und R. waren dabei erfolgreich. Danach gabs ein Essen in einem Restaurant in einem der imposanten Einkaufszentren der Stadt. Auf der Rückfahrt mit dem Taxi erfuhr ich durch die Lektüre eines an der Hinterseite des Fahrersessels angebrachten Schriebs, dass es gestattet ist, dem Fahrer u.a. dann das Fahrgeld vorzuenthalten, wenn er während der Fahrt aus dem Fenster spuckt. Die Chinesen spucken ja für ihr Leben gern, aber die KPCh hat diesem schönen Brauch den Kampf angesagt. Ein weiteres öffentlich diskutiertes Problem ist das noch sehr bescheidene Umweltbewußtsein der Chinesen, aber an dieser Front gibt es Fortschritte zu vermelden - am Airport konnte J. zu ihrer Freude einen Chinesen beobachten, der sich seiner Speichelflüssigkeit in die Biotonne entledigte!

Montag, 3. Dezember 2007

Rule Britannia

Die Lose sind gefallen. Österreich bekommt es bei der Fußball-Europameisterschaft im eigenen Land mit Deutschland, Kroatien und Polen zu tun (und alle freuen sich). England, das wissen wir alle, ist nicht mit von der Partie. Nach der Wembley-Schmach der Mannen unter dem Georgskreuz gegen Kroatien und dem Ausscheiden der Schotten, Nordiren (welche sich allerdings beide sehr wacker schlugen) und Waliser (welche sich weniger wacker schlugen) sind sämtliche Völker des UK nur Zuschauer.

Egal. Fußball ist nicht alles im Leben (diesen Satz wird man von mir im nächsten Jahr vermutlich nicht mehr so leicht zu hören bekommen). Auch wenn man sich einbildet, dass man ihn erfunden hat (und Hand aufs Herz: englische Gentlemen sind natürlich herzeigbarere Gründerväter als chinesische Söldner, die mit den Köpfen erschlagener Feinde kicken).

Die Briten sollen sich halt wieder auf das konzentrieren, was sie wirklich gut können, und das ist nicht Fußball oder Rugby oder sonst irgendein Sport, sondern:

schwarzer, skurriler, respektloser Humor.


Rowan Atkinson vs. John Cleese




John Cleese vs. "The Germans"




Rowan Atkinson vs. Kirche




John Cleese & Freunde vs. Geschichte




Rowan Atkinson & Hugh Laurie vs. William Shakespeare




Scott Carson vs. Kroatien



Dank an Christoph M. für die Rowan Atkinson-Links!


PS: Meine Sicht der einzelnen (wahrhaftigen) EM-Teilnehmer - demnächst auf diesen Seiten!

Freitag, 30. November 2007

Ein Winzer im Reich der Mitte # 6

2005 fuhr ich nach Shanghai. Der Grund war Neugierde und die ideale Gelegenheit, die sich darbot, als J. ihren dort arbeitenden Bruder M. besuchen wollte und ich der auserwählte Reisepartner war. Das Tagebuch dieser Reise kann man jetzt auf diesem Blog nachlesen.

5.8.2005

Erneut French Concession. Wieder ein längerer Marsch, obwohl ursprünglich ein Erholungstag eingeplant war. Der Rekord von Mao und Genossen muss und wird in den nächsten Tagen fallen..

Wir besuchen das bekannte Garden Hotel samt Park, wo uns ein junger Shanghaier weiterhilft und uns seine Visitenkarte gibt (Visitenkarten sind bei jungen Chinesen ein Muss, wer keine hat, existiert nicht). Meine Digitalkamera haucht ebenda ihr Leben aus. Made in China. Wir passieren das Lyceum-Theater und gelangen zur Villa des alten Schweden Eric Moller, dem einstigen Eigner der Moller-Linie. In dieser Gegend befindet sich auch das englischsprachige Buchgeschäft "Garden Books". Dort kommen wir mit einem perfekt englisch sprechenden, smart wirkenden jungen Verkäufer ins Gespräch, der aus Beijing zugewandert ist. Er tröstet uns ob unserer Unfähigkeit, das Chinesisch der Shanghaier zu verstehen - er habe es auch erst lernen müssen. Dann fragt er uns, wo wir denn herkämen. Darauhin enstpinnt sich folgender Dialog:

Ich: "We are from Austria!"
Er: "Ah, Austria is a beautiful country! Where in Austria do you come from? Vienna?"
Ich: "No, we are from Linz.."
Er: "Ah..Linz!"
Ich: "You know Linz???"
Er: "Yes, this is were Hitler went to school!"
Ich: "Ehm....yes....and Wittgenstein!"
Er: "Of course, Wittgenstein."

Weil wir gerade auf dem Weg durch die French Concession sind: interessant auch die verschiedenen Erklärungsansätze bei Verlaufen! Befindet sich der Plan in meinen Händen: "Na, hamma wieder verträumt eine Abzweigung übersehen?" Ist der Plan bei J.: "Die Chinesen ham schon wieder eine Straße/ein Gebäude/einen Park weggerissen. Des is nimma da!"

Auf dem weiteren Weg schmeisse ich mit meinem Rucksack beinahe zwei der allgegenwärtig am Wegrand geparkten Fahrräder um. Aber eigentlich wär mit das ja auch egal gewesen, ob da jetzt in China ein Radl umfällt.

Hernach sehen wir die russisch-orthodoxe Missionskirche, wo sich nun ein Restaurant befindet, wiewohl man ja sagen muss, dass das für einen Chinesen die wahrhaft religiöse Stätte ist, sowie das Haus des einstigen inoffiziellen Herrschers der Stadt in den 20ern und 30er Jahren, des Anführers der berüchtigten "Grünen Bande" (nicht mit der Partei um Alexander Van der Bellen zu verwechseln ;) ) Du Yuesheng. Dann gehts noch weiter zu einer Präsentation von "Chinese Blue Nankeen", erlesenen Shanghaier Stoffen. Den Sightseeing-Rundgang beschließt das Wohnhaus des Gelehrten, Reformers und Demokraten Cai Yuanpei, des einstigen Bildungsministers und Rektors der Beijinger Universität in der Zeit der Chinesischen Republik.

Danach gehen wir essen, ich esse wieder Ente, diesmal "roasted", J.´s Frühlingsrollen werden unterschlagen (trotz des Brauchs, einen Zettel mit sämtlichen Bestellungen auf den Tisch zu legen und beim Servieren dann abzuhaken). Zuvor hatten wir noch eine Stätte der Chinesischen Volksreligion besucht, den Jing´an-Tempel. Auffällig, dass es vor allem junge Menschen sind, die hier für Glück und Wohlstand beten, nicht Maos alte Garden.

Schon relativ erschöpft kommen wir schliesslich nach Hause, aber wir haben nur einen kurzen Aufenthalt, sind wir doch schon um 8 Uhr wieder mit M., der von seiner Geschäftsreise zurück ist, samt Kollegen verabredet. Ich werde vo J. noch schnell in den gigantischen Metro-Markt beordert, um den Kühlschrank aufzufüllen. Ich verbringe das olympische Wunder und schaffe es in der knapp bemessenen Zeit, werde aber gerügt, weil ich in der Hast nicht immer die richtigen Produkte aus den Regalen gegrapscht habe.

Das Essen ist das beste, dass wir bisher hier in China konsumiert haben. Tofu, die großartige Peking-Ente, der göttliche Mandarin-Fisch, Schweinefleisch-Bällchen, alles vom Allerfeinsten. Sattheit und Müdigkeit verfliegen angesichts der Köstlichkeiten (diesmal unironisch gebraucht) schnell. Nur die Ciampi lassen J. und ich unangetastet.

Nachher erwartet uns draussen der Taifun. Und ein Taxifahrer, der uns nicht versteht und auch aufgeschriebene Adressen nicht lesen kann. Schliesslich kommen wir aber dann doch gut nachhause. Wir haben ja keine Ahnung, was mit dem nächsten Tag auf uns zukommt.


Weil es von diesem Tag keine Bilder gibt..etwas Makaber-Komisches aus der Shanghaier U-Bahn!

Donnerstag, 29. November 2007

Aufgelesen.. # 3

"Ansonsten dokumentiert dieses im Cut-Up-Statement-Stil gehaltene Buch (siehe auch Jürgen Teipel und Verschwende deine Jugend) die Geschichte der Jugendkultur/en in Linz, der einzigen österreichischen Stadt neben Wien, die sowas aufzuweisen hat.
Für Graz und Innsbruck, bei allem Respekt, würde ein Heft reichen, für Salzburg ein Löschblatt." (Martin Blumenau über "Es muss was geben - Die Anfänge der alternativen Musikszene in Linz" von Andy Kump)

Hehe..

Mittwoch, 28. November 2007

Dienstag, 27. November 2007

WikiAIDia


Wenn man Alexa glauben darf, dann benutzen am Tag 9% aller globalen Internetz-User die Wikipedia. Die Seite liegt damit auf Platz acht der Web-Beliebtheitsskala. Vor ihr rangieren nur mehr Facebook (7.), Myspace (6.), Microsoft Network (5.), Windows Live (4.), Youtube (3.), Google (2.) und Yahoo (1.). Dabei geht der Siegeszug von Wikipedia weiter, die Tendenz geht nachwievor stetig nach oben. Das Online-Nachschlagewerk ist damit die erfolgreichste nicht-kommerzielle Internetz-Seite. Die Wikimedia-Foundation in St. Petersburg, Florida, jene Non-Profit-Organisation, die als Trägerin der Wikipedia fungiert, finanziert sich ausschließlich aus Spenden.

Wenn man bedenkt, wie viele Menschen diese Seite täglich nutzen - darunter mit Sicherheit auch viele von jenen, die sich gerne als Wikipedia-Kritiker profilieren - ist es schon erstaunlich, wie wenig dafür gespendet wird. Die Wikimedia-Foundation benötigt dringend Geld, und dass nicht nur für den reinen Serverberieb, sondern auch für die von ihr betriebenen gemeinnützigen Projekte, mit denen Menschen in Entwicklungsländern der Zugang zu der Seite ermöglicht werden soll.

Für jemanden wie mich dem - Encyclopaedia Britannica-Qualität hin oder her - die Wikipedia bereits unersetzliche Dienste geleistet hat, ist es nunmehr an der Zeit, auch ein wenig zurückzugeben.

Ich spende.

Sonntag, 25. November 2007

Der schöne Moment # 1

Es war ein Unfall. Gut, dass ich am Donnerstag an ihrer Kassaschlange angestellt war, das war schon intentional, aber ich wollte eigentlich nur ihre mürrische Kollegin an der anderen Kassa vermeiden. Oder sagen wir es so: das war der Hauptgrund, natürlich wollte ich ihr aber auch über den Weg laufen.

Sie ist vermutlich die einzige Supermarktkassiererin der Stadt, die schicke Designerbrillen trägt. Das hebt sie hervor, aber sie hat auch sonst eine recht spezielle Ausstrahlung. Ich mag das. Man könnte sagen, sie gefällt mir. Wenn ich an der Reihe bin, stehe ich immer etwas neben mir und komme mir selbst recht unkonzentriert vor.

Donnerstag war das anders. Als gerade die Kundin vor mir an die Reihe kam und ich somit unvermittelt schräg vor meiner Kassiererin stand, schossen mir unschuldige Gedankenspiele durch den Kopf. Aufgrund der Brillen musste ich plötzlich an eine jüngst sehr bekannt gewordene Richterin, Frau Mag. B.-O., eines berühmten Prozesses am Wiener Straflandesgericht denken. Diese war mir dort auch ab und zu über den Weg gelaufen. Nun habe ich zu dieser Richterin natürlich deswegen noch lange keine wie auch immer geartete Affinität, anders als zu der Frau, die meine Strichcodes einliest. Dennoch machte mir dieses Zusammendenken Spass, vor allem als ich mir dann sagte: "Sie ist eigentlich die B.O. der Wiener Supermarktkassiererinnen!" Natürlich nur wegen der Brillen. Vielleicht auch ein bisschen, weil sie auch sonst hervorsticht. Darob musste ich grinsen. Das sah sie aber. Und lachte mich an.

Sowas passiert mir wirklich nicht oft.

Es mag nur ein Unfall gewesen sein. Und ein Reflex. Aber es war trotzdem ein schöner Moment.

Nächstes Mal: Das Champions-League-Finale 1999 zwischen Manchester United und FC Bayern München.

Samstag, 24. November 2007

Matt Damon

Habe gestern wieder einmal die schauspielerische Versiertheit des Matt Damon bewundern dürfen, und zwar in dem Film "Das Bourne Ultimatum" (inoffizieller Subtitel "Ob London, New York oder Berlin - 3-Wetter-Damon, der Gesichtsausdruck hält!").

Dazu passt der quintessentielle Glanz-Damon:



Übrigens: Daniel Brühl ist der deutsche Matt Damon.

Donnerstag, 22. November 2007

Ein Winzer im Reich der Mitte # 5

2005 fuhr ich nach Shanghai. Der Grund war Neugierde und die ideale Gelegenheit, die sich darbot, als J. ihren dort arbeitenden Bruder M. besuchen wollte und ich der auserwählte Reisepartner war. Das Tagebuch dieser Reise kann man jetzt auf diesem Blog nachlesen.


4.8.2005


Die Schranktür ist herausgegangen. In diesem Land geht alles kaputt, was nicht mit Samthandschuhen angefasst wird (vermutlich mussten sie auch die Große Mauer jedes Mal wieder aufbauen, wenn sich ein Mongole dagegen gelehnt hat..).

Touristisch hat es uns heute wieder in die Altstadt verschlagen und wir haben wieder in dem Buffet "Shanghai Designated Tourist Restaurant" gegessen. Passabel. Aber wir waren kaum hungrig. Überhaupt verspürt man hier weniger oft ein Hungergefühl, es scheint, als ginge in dieser schwülen Hitze der ganze Stoffwechsel langsamer von Statten. Umso erstaunlicher, was dennoch die Chinesen verdrücken und dabei relativ schlank bleiben (aber, damit werden angelsächsische Fast-Food-Ketten vermutlich bald aufgeräumt haben).

Zuvor haben wir einen Rundgang durch die Altstadt unternommen. Wir haben einen großen daoistischen Tempel gesucht und schliesslich, umzingelt von in Bau befindlichen Riesenhochhäusern und chinesischen Bauarbeitern gefunden. Die Freude währte nicht lange, denn wir wurden alsbald von einem besorgt dreinblickenden Volkspolizisten vertrieben. Man hat übrigens in Shanghai tatsächlich das Gefühl, dass an jeder Ecke einer von denen auf einem Schemel sitzt und die Gegend anstarrt. So sehr das in anderer Hinsicht auch nachdenklich stimmt, man kann nicht leugnen, dass es dem Devisen-bringenden Touristen ein Gefühl von Sicherheit vermittelt.

In besserem Zustand als der fast schon weggebaute daoistische präsentierte sich der konfuzianische Tempel ein Stück weiter. Danach haben wir noch den Tier- (wo es wirklich alles zu kaufen gibt, was kreucht und fleucht) und den Antiquitätenmarkt besucht. Am Ausgang des letzteren wollte uns ein Mann dann mit Versprechung von fantastischem China-Porzellan in einen Hinterhof locken, aber wir wurden vor sowas gewarnt und haben ihn folglich abgewiesen. Die Preisverhandlungen gestalten sich nämlich in solchen Fällen oftmals sehr einseitig, wenn man sich plötztlich von sämtlichen männlichen Verwandten des Händlers umringt sieht.


Im konfuzianischen Tempel.


Straßenszene.

Mittwoch, 21. November 2007

Animationskunst, extraterrestrisch

Viele werden das schon kennen, speziell jene, die den Film "Ratatouille" im Kino gesehen haben.

Aber, Wiedersehen macht ja auch Freude.

Dank an Markus!


Pixar - Lifted - The best bloopers are here

Montag, 19. November 2007

Täuschen und Tarnen

Der EU-Kommissionspräsident José Manuel Durao Barroso hat in einem Zeitungsinterview eingeräumt, dass er sich durch Falschinformationen der USA in Bezug auf die angeblichen Massenvernichtungswaffen des Irak täuschen hat lassen.

Dies ist an sich gar nicht so bemerkenswert, ist es doch bekanntlich vielen so ergangen.

Was wirklich auffällt, und zwar unangenehm, sind die weiteren Ausführungen des Portugiesen. Er meint nämlich: "Heute ist es leicht, Bush die Schuld zu geben. Aber man darf nicht vergessen, dass die Entscheidung zu einem Angriff auf den Irak in den USA fast einstimmig getroffen wurde, und zwar von den Republikanern wie auch von den Demokraten." Auch der frühere US-Präsident Bill Clinton habe ihm in einem Gespräch nach dem Azoren-Gipfel versichert, dass er von der Existenz von Massenvernichtungswaffen im Irak "völlig überzeugt" sei.

Diese Argumentationslogik des obersten EU-Beamten zur Rechtfertigung des US-Präsidenten ist natürlich zum Kübeln. Denn gerade darin liegt ja die immense Perfidie des Handelns des US-Regierung: dass man es geschafft hat, unter Einsatz sämtlicher zur Verfügung stehender Mittel alle hinters Licht zu führen und dem eigenen Land, Republikanern wie Demokraten, sowie der ganzen Welt Glauben zu machen, Saddam Hussein könnte tatsächlich Massenvernichtungswaffen besitzen. Darin kommt eine enorme kriminelle Energie zum Ausdruck. Dass Bush von all dem nichts gewusst haben soll, dass er selbst ein Hinterslichtgeführter gewesen sein soll, ändert nur wenig. Denn ein US-Präsident der derart naiv seinen Hintermännern folgt und auf einer solchen Grundlage enorm folgenschwere Entscheidungen trifft, der handelt grob fahrlässig und ist seines Amtes nicht würdig.

In welchem Licht die von ihm getätigten Äusserungen die Amtswürdigkeit des Herrn Barroso erscheinen lassen, steht auf einem anderen Blatt. Wenn man es sehr diplomatisch formulieren möchte und zugleich nicht annehmen möchte, dass Barroso nicht der Hellste oder nicht ganz redlich ist, kann man sie diplomatisch nennen.

Eines aber unterscheidet die Position des US-Präsidenten von jener des EU-Kommissionspräsidenten jedenfalls ganz erheblich: Der US-Präsident - oder, für den Fall dass er nicht mehr kandidieren darf, zumindest sein politisches Lager - kann vom Volk direkt abgewählt werden. Der EU-Kommissionspräsident nicht.

Sonntag, 18. November 2007

Ein Winzer im Reich der Mitte # 4

2005 fuhr ich nach Shanghai. Der Grund war Neugierde und die ideale Gelegenheit, die sich darbot, als J. ihren dort arbeitenden Bruder M. besuchen wollte und ich der auserwählte Reisepartner war. Das Tagebuch dieser Reise kann man jetzt auf diesem Blog nachlesen.


3.8.2005

Ich lebe in einem totalitären System. Jeder meiner Schritte wird gelenkt und überwacht. Bei jeder meiner Handlungen muss mir klar sein, dass diese gravierende Konsequenzen haben kann. Es gibt einen Plan, eine Ordnung, eine Bestimmung, und ich habe zu folgen. Man versucht mich zu erziehen, mich zu einem besseren, saubereren, ordnungsliebenderen Menschen zu machen. Mein Wille soll gebrochen werden. Ich lebe in einem totalitären System.

Ich spreche nicht von China.

Heute hat mich J. um 9 Uhr in lautem Kommandoton geweckt. Unser Marschbefehl sah die Durchwanderung der "French Concession" vor. Wir besichtigten ein Shikumen, ein typisches Shanghaier Bürgerwohnhaus der 20er und 30er Jahre. Danach besuchten wir jene Räumlichkeiten, in denen 1921 wichtige Beschlüsse zur Gründung der Kommunistischen Partei Chinas gesetzt wurden. Sie haben Tee getrunken. Ich wollte Propagandaplakate der Kommunistischen Partei kaufen, aber die waren weit überteuert. In dem teuren Souvenirshop fand sich neben Parteiemblemen und Mao-Büsten ein Pepsi-Automat.

Danach wechselten wir das ideologische Ufer. Wir nahmen an einer Führung durch jenes Haus teil, in dem Sun Yat-Sen, der Gründer der chinesischen Republik von 1911, mehrere Jahre gelebt hat. Ein sympathischer Mensch, wenn man sich sein Haus so ansieht. Aber, ich muss erst genauer in den Geschichtsbüchern nachlesen..

Wir wurden dann noch diverser anderer Sights ansichtig, u.a. eines Puschkin-Denkmales, das in der Kulturrevolution niedergerissen wurde und in den Achtziger Jahren wieder errichtet worden ist. Ausserdem sahen wir eine orthodoxe und eine protestantische Kirche (letztere durfte weder betreten noch fotografiert werden). Kurz darauf wurden wir dann von einem gefährlich ausschauenden Typen mit dunkler Sonnenbrille und schwarzem Anzug, der einem James-Bond-Film entsprungen schien, böse angefunkelt. Er bewachte ein "Shanghai Technology Center". Die organisierte Kriminalität hat offensichtlich ihr Betätigungsfeld gewechselt.

Schließlich gingen wir essen. Ich verzehrte eine knsuprige Ente, die ihrem Namen gerecht wurde und in krassem Gegensatz zu jenen Traurigkeiten stand, die einem allzu oft in heimischen Chinarestaurants auf den Tisch gestellt werden.

Das "Wiener Café" haben wir an diesem Tag übrigens auch besucht. Die Atmosphäre war nett, die Preise für Shanghaier Verhältnisse enorm hoch, J.´s Kaffee anscheinend hervorragend, der Marmortisch war auf der Unterseite aus Kunststoff und es hingen Skier an der Wand. Alles fast ganz wie in Wien.



Hier fühlt man sich irgendwie richtig groß: in der Shanghaier U-Bahn.

Samstag, 17. November 2007

Orakeln für Österreich

Thomas König, gestern, sinngemäß:

"Aber dieses Spiel ist eine gute Vorbereitung...Gut möglich, dass wir bei der WM eine Gruppe mit spielerisch besseren Gegnern bekommen.."

Aber geh. Ich glaube, das Orakel von Delphi sucht noch junge, motivierte Mitarbeiter. Da wäre der Thomas König vielleicht ganz gut aufgehoben! Andererseits, wenn er geht, dann darf vielleicht der Oliver Polzer noch mehr wichtige Spiele kommentieren..

Mittwoch, 14. November 2007

Ein Winzer im Reich der Mitte # 3

2005 fuhr ich nach Shanghai. Der Grund war Neugierde und die ideale Gelegenheit, die sich darbot, als J. ihren dort arbeitenden Bruder M. besuchen wollte und ich der auserwählte Reisepartner war. Das Tagebuch dieser Reise kann man jetzt auf diesem Blog nachlesen.


2.8.2005

Wieder eher spätes Aufstehen (kurz nach 10). Dann ab zum Oriental Pearl Tower und hinauf das Ding. Es bietet sich ein prächtiger Ausblick auf das wuchernde Stadtmonster. Große Hochhäuser erscheinen von dem Giganten aus wie kleine Häuslein. Die Suche nach dem Aufgang zu einer weiteren Plattform droht zu einer Odyssee ohne Happy-End zu werden, bis sich eine freundliche Putzfrau unserer annimmt.

Unter dem Tower gibts im schön gestalteten Museum für Stadtgeschichte einiges zu sehen. Wir halten allerdings im ersten Raum mangels ersichtlicher Beschreibungen die dort ausgestellten mittelalterlichen Arbeitsgeräte für Produkte der Fitnessgeräteindustrie aus dem Homeshopping-Kanal. Sodann suchen wir ein Restaurant aus unserem Reiseführer, das aber, wie sich herausstellt, mittlerweile in Schutt und Asche liegt, da es dem nächsten Großprojekt weichen muss.

Stattdessen landen wir in der "Super Brand Shopping Mall", einem Konsumtempel von Petersdomartiger Gigantomanie, der auch eine ganze Etage mit Gastronomieeinrichtungen enthält. Als Konsequenz unseres mutigen Ansinnens, einmal "richtig" chinesisch essen zu gehen (das Buffet am Vortag mal nicht mitgerechnet) verschlägt es uns in jenes wohl "gute" Restaurant, das meinen Magennerven das Waterloo ihrer bisherigen Existenz zufügt. Wir bestellen in völliger Ahnungslosigkeit aufgrund der Fotografien auf der (rein chinesischen) Speisekarte. J. weigert sich von vornherein, das von ihr Georderte in größerem Umfang zu verdrücken und vor meinen Bestellungen graut ihr noch mehr. Also bleibt der Verzehr der Köstlichkeiten an mir hängen. Es ist ein harter Kampf und mithilfe von gut 3/4-Liter Tsingtao-Bier und der Anfeuerungsrufe von J. ("Mir wird schon schlecht, wenn ich mir das anschaue!", "Da schauen noch die Haxn ´raus, aus dem Huhn!") gelingt es mir, einen beträchtlichen Teil der aufgetürmten Nahrungsmittelarmee zu vernichten. Nachher schwöre ich einen heiligen Eid, fortan in Indien als Hungerasket zu leben.

Das Essen bestand aus:

1.) Tee, der laut J. wie das Wasser schmeckt, das bei uns aus der Dusche kommt,
2.) Reis, der allerdings ausgezeichnet ist (Reis ist in China immer ausgezeichnet),
3.) etwas akzeptablem Vegetarischem mit unbekanntem Namen (Speisen 2. und 3. wurden von J. verzehrt!),
4.) in Sojasauce ertränktem Rindfleisch,
5.) Fleischbällchen unbekannter Herkunft mit fettsoßigen Ananasstückchen,
6.) furchtbaren "Chicken" (so bezeichnete es zumindest der Kellner),
7.) Ekel erregenden, grauenvollen grauen Bällchen (Spitzname "Panda-Bällchen") + geleeartigem Zeug mit süsslichem Geschmack (Spitzname: "Ratten-Embryos").

Ich habe schließlich vor den letzten grauen Bällchen und einem Großteil des so genannten "chicken" kapituliert. J. hat mir zugeschaut und Tränen gelacht, zeitweise unterbrochen von dem dringenden Bedürfnis, rasch den Tisch zu verlassen.

Doch damit nicht genug. Am Heimweg packt J. das Gelüst, noch ein ganz bestimmtes Gericht mit einem mir nicht mehr geläufigen chinesischen Namen zu verspeisen (Gott weiss warum, eben war ihr noch übel - andererseits hat sie an dem Tag ja praktisch noch nichts gegessen). Nach langwieriger Verhandlung mit einer Kellnerin vor einem Lokal in der Nähe unserer Wohnung stellt sich heraus, dass es dort angeblich so etwas ähnlich Lautendes gibt (komischerweise mit dem Zusatz "japanisches"..). J. bestellt es, ich ordere eine Kiwisaft. Ich weiss aber noch nicht, dass ich eine Kiwisaft bestellt habe, da ich zu dem Zeitpunkt die englische Bezeichnung dafür nicht kenne und auf gut Glück gewählt habe. Was der Kellner dann bringt, ist nicht das, was J. erwartet hat, es handelt sich um Törtchen, diese sind aber okay. In der Folge stellt der Kellner plötzlich eine heiße Misosuppe auf den Tisch, darin schwimmen Teigtäschchen. J. behauptet steif und fest, es handele sich hier um meinen Drink. Für mich sieht es verdammt nach Suppe aus, da ich aber keine Ahnung habe, dass man mir eigentlich einen Kiwisaft bringen sollte, füge ich mich. In Wahrheit ist es natürlich J´s Hauptspeise, die Törtchen wären die Vorspeise gewesen. Da der Misosuppengeschmack nach all dem bereits Hinuntergewürgtem meinem Magen nicht ganz wohl erscheint, schmeisse ich im Affekt ein Päckchen Zucker hinein. Dies lässt den Brechreiz beim Genuss allerdings tatsächlich abklingen.

Dann kommt der Kiwisaft.

Man kann die Ereignisse dieses tages in meinem Magen vielleicht am besten in einem Witz fassen:
"Trifft der Ratten-Embryo die gezuckerte Misosuppe: ´Was machst du denn hier?´ Antwortet die gezuckerte Misosuppe: ´Ich weiss es nicht, frag doch den Kiwisaft, der da grad kommt..´"

Ach ja, im tollen Shanghaier Aquarium waren wir auch. Das war zwischen dem Stadtmuseum und dem lukullischen Festmahl. Dort haben wir die - Achtung Kalauer!- Shanghaie bewundert, die über unseren Köpfen schwammen und ich habe eine Fischspezies entdeckt, die das Gesicht von Marlon Brando trägt. Cool!

Am Abend haben wir uns dann die "Rocky Horror Picture - Show" auf DVD angeschaut. Die hat mich nach den Begegnungen mit der chinesischen Küche dieses Tages nicht mehr schrecken können.



Der Oriental Pearl Tower.

Montag, 12. November 2007

Über den Dächern von Wien

Der Blick aus dem Fenster meiner neuen Arbeitsstätte - hoch über Wien-Landstraße..

Sonntag, 11. November 2007

Krankenstandsvorteile


Showdown am Strand von Middelkerke (Flandern, Belgien) - Lucky Luke vs. Joe Dalton

Einer der Vorteile eines am alten Familiensitz verbrachten etwas längeren Krankenstandes ist die Möglichkeit, in den Keller der eigenen Kindheit hinabzusteigen und Altes, Verborgenes zu heben.

Nein, ich habe mich keiner psychotherapeutischen Selbstbehandlung unterzogen. Ich habe vielmehr damit begonnen, meine sehr umfangreiche Comicsammlung wieder in Augenschein zu nehmen. Das Ziel lautete dabei ursprünglich, die Abenteuer des guten, alten "Asterix" wieder zu entdecken, des gewitzten kleinen Galliers mit der machtvollen Feldflasche. Aber es kam anders.

Die Asterix-Hefte waren im Nachteil. Erstens waren sie, so musste ich nicht zum ersten Mal feststellen, gezeichnet - im wahrsten Sinne des Wortes - von den kreativen Ausbrüchen meiner Kindheit. Ich hatte mich damals mit großer Begeisterung über die Alben hergemacht und in diese mit Bleistift oder - schlimmer noch - mit Kugelschreiber so manches hineingekritzelt, vornehmlich Kraftlinien und -felder, mit denen ich das turbulente Geschehen rund um Gallier und Römer nachzuvollziehen trachtete. Dieses infantile Kunstschaffen hatte mir in späteren Zeiten schon desöfteren den Genuß dieser Werke verleidet und irritierte mich auch jetzt. Zweitens gingen sie in den einschlägigen Fächern des Kellers in einer Flut anderer Hefte geradezu unter, die solche Verunzierungen nicht aufwiesen: den Abenteuern des einsamen, zugleich edelmütigen Cowboys Lucky Luke, des Mannes, der schneller schießt als sein Schatten (und trotzdem immer ins Schwarze trifft)!

Mein Konsum der LL-Bände setzte zeitlich nach dem der Asterix-Hefte ein, was auch das Fehlen der genannten Zeichnungen erklärt. Der Begeisterung des sich im Familienverbund geborgen fühlenden kleinen Buben für den kleinen Gallier Asterix, der mithilfe seines Zaubertrankes und seiner Freunde aus dem gallischen Dorf vermeintlich größere und stärkere Gegner mühelos in ihre Schranken weist, war die Faszination für den das Land nachdenklich und (von der Begleitung seines getreuen Pferdes abgesehen) einsam durchstreifenden Individualisten Lucky Luke gewichen. Diese Figur entsprach mir nun mehr, dem eigensinnigen, grüblerischen und oft einsamen Heranwachsenden, der ich war. Natürlich gab es auch einen banaleren Grund für den Wandel: die Asterix-Bände waren schlicht "ausgegangen" und der nunmehr alleinverantwortliche Albert Uderzo brachte nichts Nennenswertes mehr zustande. Die LL-Hefe boten da hingegen ein scheinbar unerschöpfliches Reservoir, denn ihr Zeichner, der Vater des Lucky Luke, Morris, hatte bereits ein beträchtliches Oeuvre vorgelegt und machte zu jenem Zeitpunkt auch keine Anstalten, seine Geschäftigkeit einzustellen (sein Zeichenstift ruhte erst 2002, als er selbst in die Ewigen Jagdgründe abberufen wurde).

Die Abenteuer des Mr. Luke haben offenkundig nie jenen Status erreicht, wie andere berühmte Comicserien. Sie wurden, meines Wissens, nie Gegenstand ausgiebigere Betrachtungen durch das Feuilleton, filmische Umsetzungen blieben eher auf einem bescheidenen Niveau und eine allzu blühende Sekundärliteratur hat sich auch nicht aufgetan (wie dies etwa zu den Werken von Carl Barks der Fall war).

Ein Grund dafür mag in der Hauptfigur selbst liegen. Lucky Luke ist ein tadelloser Geselle, manch einer mag ihn als etwas zu glatt, zu sauber empfinden, seine relativ gesehen unangenehmsten Eigenschaften liegen in einer gewissen Einsilbigkeit, die manchmal ins leicht Unhöfliche kippt und in seiner völligen Ablehnung irgendwelcher Bindungen, die über die Dauer eines Abenteuers hinausreichen.In seinen Fähigkeiten ähnelt er den amerikanischen Superhelden, denn er verfügt über übernatürlich zu nennende Schuss-Künste, aber es ermangelt ihm die zweite Identiät, die ihn doch wieder zu vermenschlichen im Stande ist. Wie gesagt, manchen ist diese Heldenfigur zu sauber. Selbst das Rauchen hat er schließlich aufgegeben.

Mich hat das nicht gestört, Lucky Luke war mir eine willkommene Identifikationsfigur. Ich schätzte seine einwandfreien moralischen Eigenschaften, sein Eintreten für die Schwachen in den Weiten des Westens . Ich mochte auch die originellen Plots, die Morris gemeinsam mit seinen Szenaristen entwarf (die meisten mit René Goscinny, dem Vater von Asterix) , die satirische, aber gewissenhafte Beschreibung der Ära der amerikanischen Pioniere und Kolonisten. Ich schätzte insbesondere die running gags, wie etwa die herrlich schwarzhumorigen Ortsschilder (ja, ich gebe es zu, Ortsschilder haben mich schon immer fasziniert) à la "Fremder, hier suchten viele Gold und fanden nur Blei!" (Golden Glow, Band 25) oder "Letzte Gross-Stadt vor der Wüste - Fremder, wir sind nicht schnell, aber dafür sind es unsere Kugeln!" (Pocopoco Pueblo, Band 60) sowie die immer wieder auftretenden archetypischen Figuren: die Barkeeper, die Desperados, insbesondere natürlich die großartigen Daltons, die Saloontänzerinnen, die Richter, die oft überforderten Sheriffs und - natürlich - die stets geschäftstüchtigen und wohlhabenden Totengräber. Sie alle tragen dazu bei, dass man sich in dieser rauen Welt des Westens bald irgendwie zuhause fühlt.

Ich hoffe, dass ich einmal die Zeit finde, auf diesen Seiten einige Bände aufzulisten, die es verdient haben, als Klassiker der Comicliteratur angesehen zu werden. Bei einem derart großen Output wie jenem, welches Morris über Jahrzehnte (die "Lucky-Luke"-Saga begann bereits 1946) zu Wege gebracht hat, ist natürlich nicht jedes Heft ein Meisterwerk. Aber die Qualität war immer da, durch all die Jahrzehnte.

Derweil noch ein Fundstück aus dem Netz: Der Lucky Luke - Song "I´m a Poor, Lonesome Cowboy" - auf isländisch..gelungen!

Freitag, 9. November 2007

Ein Winzer im Reich der Mitte # 2

2005 fuhr ich nach Shanghai. Der Grund war Neugierde und die ideale Gelegenheit, die sich darbot, als J. ihren zu jenem Zeitpunkt dort arbeitenden Bruder M. besuchen wollte und ich der auserwählte Reisepartner war. Das Tagebuch dieser Reise kann man jetzt auf diesem Blog nachlesen.


1.8.2005

Es ist 10 Uhr und noch keine Spur von J.

11.15 Uhr: Jetzt schon, nachdem ich an die Tür geklopft habe.

In der Folge begeben wir uns unter Umwegen (die Altstadt ist verwinkelt und beinhaltet viele Einkaufsgelegenheiten) zum Yuyuan-Garden. Dieser Garten ist eine etwas düstere, aber doch reizvolle Angelegenheit. Danach essen wir in einem Restaurant in der unmittelbaren Nähe des Garden zu Mittag und zu Abend. Wir haben keine Ahnung, was wir da essen. J. vermutet in meinem Grillspiess eine Kombination aus Ratten- und Hundefleisch. Ich kann es zumindest nicht widerlegen. Danach gehen wir noch zu Häagen-Dazs, könne aber wegen Überfüllung (unserer selbst) kein Eis mehr essen.

Diverse Einrichtungsgegenstände, alles Produkte Made in China for China, gehen unter unserer rücksichts- und zunächst ahnungslosen europäischen Einwirkung zu Grunde.



Im Garden.


Die Nanjing-Donglu (Nanking-Straße) am Abend.

Mittwoch, 7. November 2007

Amerikaner und andere

Deswegen denken die also immer, dass wir aus Australien kommen. Sie halten Österreich für Australien und wissen gar nicht, dass Australien existiert..


Man muss aber jetzt fairerweise festhalten, dass man sowas überall auf der Welt machen kann, das beweist ja auch jeden Morgen ein von mir an sich nicht gehörter Radiosender (mein letzter Richter hat mir das immer vorgespielt..).

Dienstag, 6. November 2007

Die Aktuelle Platte # 2

Feine E aus DK




People Press Play - dto. (Morr Music, 2007)

Da sitzen sie nun also auf dem Albumcover des selbstbetitelten Erstlings ihrer Neugründung People Press Play: Anders Remmer, Jesper Skaaning, Sara Savery und Thomas Knak. Zwischen ihnen: ein - scheinbar - langer schwarzer Tisch. Um sie herum: ein durch und durch weißer Raum. Sie wirken im Großen und Ganzen gelassen, entspannt, mit etwas Phantasie ist aber vielleicht ein leichter Anflug von Unruhe zu erkennen. Alles in allem aber kein Bild, das übermäßig aufwühlen würde. Assoziationen, die einem kommen können: Unaufgeregheit, Stylishness, Modernität, Sachlichkeit, Kühle. Vielleicht ein Arbeitstreffen kreativer Menschen?

"Worin wir hier wirklich gut sind, dass ist Langeweile", sagte der Kopenhagener Anders Remmer dieses Jahr einmal in einer einschlägigen Postille (De:Bug 114070807). Und weiters: Ja, die Musik, die er mache, höre sich vielleicht nach überhitztem Wohnzimmer und Wohlfahrtsstaat an, na und? So lebe man halt in Dänemark. Schließlich wird er noch mit dem Satz zitiert: "Und im Übrigen: Langeweile muss man können."

Ob nun das, was sich einem erschließt, wenn man den Albumdeckel mit den vier sitzenden Dänen hochklappt, wirklich als langweilig zu bezeichnen ist, sei jetzt einmal dahingestellt. Das hängt wahrscheinlich davon ab, was man unter Langeweile versteht und mit welcher Erwartungshaltung man an die Musik herantritt. Tatsache ist, dass es gekonnt ist. People Press Play entfalten ein zutiefst stimmiges und stimmendes elektronisches Sounduniversum, das sich einem bei jedem bewußten Hören mehr öffnet. Hinter dem scheinbar gleichförmigen Dahinziehen des Elektronikflusses und dem zeitweise einsetzenden, leicht sphärischen Gesang von Sara Savery verbergen sich erforschungswürdige Weiten, das offenbart schon das erste Reinhören. Allerdings: auf dem Weg dorthin lauern jene Momente, in denen man sich ertappt, wie man zu sich selbst sagt: "Laaangweilig". Da muss man durch. Aber es geht ja hier, frei nach Anders Remmer, um schöne, meisterhaft inszenierte Langeweile, die man in seinem Sinne als etwas recht Dänisches ansehen kann.

Im Ergebnis gibt es zwei Wege, "People Press Play" zu hören. Der eine ist die intensive Auseinandersetzung mit den beschriebenen Höhen und Tiefen. Der andere ist es, die Musik dieses Albums wie besagten schwarzen Tisch als stylishes Möbelstück in den Raum zu stellen, als Hintergund-Ambiente für andere Tätigkeiten. Beide Wege, so weit auseinander sie auch scheinen, lohnen.

Anspieltipps: "These Days", "Hanging On", "Studio"
Bewertung: 7 von 10 elektronischen Schwingungen.

Zum Gratis-Download von "Hanging On".

Zur MySpace-Seite der Band mit weiterer Musik zum Anhören (unter anderem das starke "These Days"!).

Samstag, 3. November 2007

Schickt die Schweden nach Hause!

Freund Alfr..äh..Albert W., der genialste Mehrfachmagister der gesamten Werbebranche, hat für eine große Möbelhauskette Regie geführt.

Das Ergebnis solltest du dir anschauen. Du wirst es nicht bereuen.







Freitag, 2. November 2007

Ein Winzer im Reich der Mitte # 1

2005 fuhr ich nach Shanghai. Der Grund war Neugierde und die ideale Gelegenheit, die sich darbot, als J. ihren zu jenem Zeitpunkt dort arbeitenden Bruder M. besuchen wollte und ich der auserwählte Reisepartner war. Das Tagebuch dieser Reise kann man ab jetzt auf diesem Blog nachlesen.


30.7./31.7.2005

Ein gaaaanz langer Tag. Abflug am 31.7. um ca. 14.30 von Wien Schwechat. Zuvor gibts Ärger, da die Flugtickets von einer vorgeblich hilfsbereiten Austrian-Airlines-Blondine vorübergehend entwendet werden. Ein von den Austrian-Airlines gut dressierter, freundlicher Gorilla macht sie aber per Telefon wieder ausfindig (J. fragt sinngemäß, ob die Chinesen den auch essen würden). Da befinden wir uns bereits in die Flughafenwartehalle und J. hat sich derweil durch eine Überdosis Dr. Bach-Notfalltropfen in einen anderen Bewusstseinszustand befördert. Der Flug selbst ist dann eher anstrengend, da ein ausgesprochenes Ölsardinen-Feeling herrscht. Wir sind von einer exzessiv Computer spielenden chinesischen Pensionistin und insbesondere zwei unglaublich entzückenden chinesischen Kleinkindern umgeben, die meine Rückenlehne zeitweise als Trimmdich-Parcours benützen und in unersättlichem Forscherdrang blondierte Haare von J. ausreißen. J. erwähnt mehrmals, dass sie das Mädchen (mit einem unglaublich entzückenden chinesischen Zopf) „adoptieren“ will. Wir warten auf einen unbeobachteten Moment, aber der Vater passt auf. An Schlaf ist unter diesen Umständen nicht wirklich zu denken. Irgendwo über der Mongolei trinken wir stattdessen Ottakringer-Bier. Mein Nachbar, ebenfalls ein Chinese, zeigt sich von den Abbildungen in meinem Buch über chinesische Geschichte dermaßen begeistert, dass er beim Durchblättern fast die Seiten herausreißt. Er ist aus Shanghai, wo auch seine gesamte Familie inklusive seiner Ehefrau lebt, arbeitet aber fast das ganze Jahr über in einem China-Restaurant in Italien. Abgesehen von dem Anschlag auf mein Buch ist er sehr freundlich, sagt unter anderem „Aódili beautiful country!“. Daraufhin ich: „China too!“ Na bitte! Über Nordostchina gibt es Turbulenzen. Eine Stewardess stürmt das WC und teilt dem dort befindlichen Herren mit, er möge sich gefälligst hinsetzen. Wir landen um 7.10 Uhr Chinesischer Zeit in Shanghai. Ich bin einer Austro-Chinesin, die weder Englisch noch Chinesisch kann, beim Ausfüllen der Entry-Card behilflich. Ich erhalte einen schweren Tadel von J., weil ich meinen Reisekoffer nicht auf Anhieb wieder erkenne. Wir werden von M. abgeholt. Mein erster Eindruck von Shanghai ist das Gefühl, in einer Großaum-Sauna gelandet zu sein. Wir fahren mit dem Taxi nach Pudong in die Baiyang Lu, wo sich die Wohnung von M. befindet. In der Folge erkunden wir- dem Jetlag trotzend – erstmals die City, und zwar per U-Bahn (derzeit gibt es zwei Linien, Tendenz sehr stark steigend) und pedes. Ich hebe unter der strengen Anleitung eines chinesischen Polizisten in einer Bank Geld ab. Allerdings erweist sich das Geldabheben an diesem Tag als ziemlich sinnlose Aktion, da wir von M. mit einem so genannten „Shanghai Stipendium“ bedacht werden (Einladung zu Essen, U-Bahn-Ticket, alles Mögliche). Wir sehen die Nanjing Donglu, den Bund, gehen in ein Café. Als wir heimkehren, gibt es eine kurze Rast. Ich schlafe kurz auf einem Sofa, aber J. weckt mich, weil ich dies nicht geräuschlos tue.

Danach geht es wieder in die Stadt. Wir erleben den trubeligen Wahnsinn des „Fake-Market“, erwehren uns der unzähligen „divideesidee“- und „Lady, want handbag?“ – Leute. M. ersteht drei „Burlington“-Hemden um 150 RMB und zeigt uns dabei, wie lustig es mit den Händlern zugeht. Hernach essen wir im Café Montmartre, einem französischen Café in der French Connection inklusive mürrischem französischem Kellner. Wir treffen uns dort mit einem Kollegen von M., der am „Fake-Market“ Uhren für eine halbe Fußballmannschaft erstanden hat.

Auf dem Heimweg mit dem Taxi gibt es gigantische Brücken zu sehen. Zuhause stoßen wir noch mit Champagner und Nussschnaps auf M.´s neuen Job an. J. verabschiedet sich um ca. 10 Uhr. Bei der „dividee“ von „Catch Me, If You Can“ nimmt auch mich der Schlaf. Ich schleppe mich aufs Sofa und schlafe bis ca. 6, halb 7, nur kurz unterbrochen von J., die sich um ca. 1 Uhr über die Hitze in ihrem Zimmer beklagt und Betten tauschen möchte, aber da bin ich zu keiner Bewegung mehr fähig.


In derlei Türmen wohnen die Shanghainesen und ein solcher beherbergte auch uns.