Mittwoch, 27. Juni 2007

Der Herr aus Ouagadougou


Am besten gefällt mir ja das "when i prayed to god or allah about you". Der Typ geht auf Nummer sicher. Der wäre fast was für die Kirche der Heiligen der Drei-Tage-Woche. Wenn er nur nicht so verdammt gierig wäre.


FROM: MR Usen Ibro
BANK OF AFRICA (BOA)
OUAGADOUGOU-BURKINA FASO.a

ATTN: SIR,
THIS MESSAGE MIGHT MEET YOU IN UTMOST SURPRISE. HOWEVER,IT'S JUST MY
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SHARED BETWEEN US IN THE RATIO OF 60/40 IF YOU AGREE TO MY BUSINESS PROPOSAL. FURTHER DETAILS OF THE TRANSFER WILL BE FORWARDED TO YOU AS SOON AS I RECEIVE YOUR RETURN MAIL IMMEDIATELY AS SOON AS YOU RECEIVE THIS LETTER.

TRUSTING TO HEAR FROM YOU IMMEDIATELY.
HAVE A GREAT DAY.

YOURS,
MR Usen Ibro.

Montag, 25. Juni 2007

An der schönen lauten Donau


Einige Impressionen vom diesjährigen Donauinselfest.. (Ich spreche bewusst von "Impressionen", denn mehr lässt meine Kamera nicht zu)- genauer gesagt vom gestrigen Sonntag.



Liquido: Wie mein Begleiter und ich festgestellt haben in etwa das, was rauskommen muss, wenn man Scooter auf einen Sommer-Fortbildungskurs bei Rick Rubin im Kalifornien der 90er schickt..Immerhin, ein wirklich und wahrhaftig brauchbares Lied is dabei raus gekommen, und das spielen sie hier gerade, daher auch die unrepräsentative Begeisterung im Publikum! Es handelt sich natürlich um "Narcotic", den Konsenshit von 1998.



Anajo: Während auf der (in Relation zum Publikumsansturm grauenhaft unterdimensionerten und mit einer entsprechend mickrigen Anlage ausgestatteten) FM4-Bühne die Iwan Rebroff-musikantenstadlmäßige Parodie auf echten Russen-Ska namens Russkaja ihr Unwesen trieb, zog es uns zur SJ-Bühne, wo man in sehr entspanntem Rahmen das Konzert der großen Nachwuchshoffnung des Deutschrock erleben durfte: Anajo. Die spielten vor einer klaren Minderzahl von Publikum in zwei Stunden mehr Hits als sämtliche Bands auf der FM4-Bühne zusammen. Es waren diese kleinen, großen Hits, für die man Anajo so schätzt, Songs wie "Ich hol dich hier raus", "Monika Tanzband", "Vorhang" et cetera.

Anajo - "Streuner"


Wir winken, Anajo spielen.



Herr Gottwald genießt sein obligatorisches Bier-zwischen-den-Liedern. Insgesamt gingen auf diese Weise eineinhalb Biere weg ("Gratis-Biere", wie er nicht versäumte zu betonen).



Viele Leute natürlich bei Silbermond auf der Ö3-Bühne. Diese entpuppten sich leider als fürchterliche Poser. Ein Erlebnis zwischen oberflächlichem Ich-hau-in-die-Gitarren-Angebertum und Klubanimation.



Wie man hier dezent erahnen kann, waren auch bei Gogol Bordello auf der FM4-Bühne sehr, sehr viele Menschen. Der Osteuropa-Gypsy-Klezmer-Punk-Ska-Wahnsinn ist endgültig gelandet.

Gogol Bordello - "Not A Crime"

Samstag, 23. Juni 2007

Verfolger






Seit gut einer Woche steht er jetzt schon da, dieser Leberkäse-Pepi-Lieferwagen, exakt vor meinem neuen Domizil in Wien 13.

Warum tut er das? Was will mir Linz damit sagen? Oder, was will mir der Leberkäse-Pepi damit sagen? War ich wirklich ein so wichtiger Kunde, dass man hier versucht, auf suggestive Weise auf mich einzuwirken und mich in die Donaumetropole (Wien liegt nicht an der Donau..) zurück zu lotsen??

Linz fehlt mir natürlich schon. Als ich dort meine Sachen packte, war ich ganz überzeugt davon, das Richtige zu tun. Acht Jahre schienen wahrlich genug, ich hatte das Gefühl, auf der Stelle zu treten und eine Luftveränderung dringend zu benötigen. Da dieses Bedürfnis nun einmal so stark war, war es auch richtig, weg zu ziehen. Aber, natürlich, in dem Moment, wo man etwas nicht mehr hat, wird einem vor allem bewußt, was man daran gehabt hat.

In diesem Sinne vermisse ich das erhebende Gefühl, wenn man via Nibelungenbrücke über die Donau geht, die so majestätisch durch die Stadt zieht. Ich vermisse es, durch die Altstadt zu gehen, mit dem Gefühl, jeden Pflasterstein zu kennen. Ich vermisse es, am Abend genau zu wissen, in welche Lokale man gehen möchte und zu wissen, dass man sich dort zuhause fühlen wird. Ich vermisse die ständigen "zufäligen" Begegnungen mit Menschen, die in einer Kleinstadt an der Tagesordnung stehen. Ich vermisse überhaupt die gewisse Übersichtlichkeit der sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen und sonstigen Netze und Kreisläufe, das Gefühl, eine Chance zu kriegen, das zu überschauen. Mir geht natürlich auch die gelassene Freundlichkeit der oberösterreichischen Bevölkerung ab (und das darf ich als einer, der in Wien aufgewachsen ist, wohl so sagen, ohne, dass es als Regionalchauvinismus ausgelegt wird). Und, ja, ganz klar, mir fehlen auch meine Freunde drüben in Linz, der eine Teil meines Freundeskreises musste zwangsläufig leider dort zurückbleiben.

Ich wäre gerne am nächsten Wochenende wieder nach OÖ gefahren, die Anlässe wären da (eine Geburtstagsfeier, ein Filmabend), aber eine wichtige Einladung am Samstag hier im Osten verhindert das.

Wer weiss, was passiert, sollten sich in Linz wieder einmal neue, interessante Perspektiven auftun.

Derweil bleibt mir nur, das Gesehene zu würdigen. Ich habe nicht vergessen, dass ich einmal - unter anderem - eine Fotostrecke über Linz versprochen habe. Diese ist natürlich schon seit langem fertig und dank Picasa ganz easy und kundenfreundlich zu präsentieren. HIER gehts lang!

Mittwoch, 20. Juni 2007

Noch so ein alter Hut

Laut dieser Meldung war Nicolas Sarkozy also nicht betrunken, als er nach dem "dialogue" mit dem russischen Präsidenten seine spassige Pressekonferenz beim G8-Gipfel gab.

Schön zu wissen. Er dürfte also gewissermaßen naturfett sein. Das würde auch einige seiner Aussagen in der Vergangenheit erklären!

Seine Rechtfertigung ist auch nicht schlecht: Er sei einfach außer Atem gewesen, weil er beinahe zu spät gekommen wäre (hoffentlich erfährt das nicht sein Arbeitgeber..). Und: "Ich hatte nichts Spezielles zu sagen und also gefragt, ob jemand Fragen hat." Oui, Monsieur le Président!

Das Video dazu ist zwar auch schon ein alter Hut, aber immer noch ganz witzig.

Die Uhr des Präsidenten

Nachdem ich erstaunt vernommen habe, dass das noch nicht jeder gesehen hat, also nun dieses Post.

Und die Fragestellung:

Ein sehr reicher Mann geht im ärmsten Land Europas auf einen großen Platz. An seinem Handgelenk prangt eine goldene Uhr. Auf diesem Platz sind tausende Menschen, die ihn umringen und betatschen.

Wie geht die Geschichte weiter?

Was hat er eigentlich erwartet??

Ich glaube übrigens die amerikanische Theorie nicht, dass die Uhr von einem Sicherheitsmann des Präsidenten vom Boden aufgehoben wurde. Und auch nicht die albanische, dass sie von einem albanischen Polizisten gefunden wurde.

Dienstag, 19. Juni 2007

Ohrenfälliges # 7

Zeit, "Altlasten" abzubauen. Wobei, "Altlasten", das ist eigentlich ein unschönes Wort für zwei Stücke Musik, die mich schon seit circa Ende des letzten Jahres treu begleiten. Die gewählte Diktion meint eher die Tatsache, dass diese beiden Nummern schon seit Anbeginn dieses Blogs in meinen hochsubjektiven "Top 25" sind, und dass ich es aufgrund meiner selbstgewählten Vorgehensweise, das Beste an legalen Downloads aus meinem Ranking zum Schluss vorzustellen, nur bisher nicht geschafft habe, dies bezüglich dieser zu tun, da "Different" und "Doctor Monroe" sich so beharrlich geweigert haben, in meiner Gunst zu sinken. Bekanntlich sind aber alle wirklich guten Dinge sieben, und daher tue ich es jetzt.

Casey Dienel - Doctor Monroe

Frau+Klavier, das ist in der Popmusik eine verführerische Kombination (siehe auch Regina Spektor oder natürlich Joni Mitchell). Casey Dienel spielt ihren jazzigen Pianopop mit einer derartigen Lust, dass man sich einfach anstecken lassen muss. Dazu noch ihre inspirierte Fabulierfreude und fertig ist das swingend-luftige Potpourri. Wirklich bezaubernd.

Auf last.fm gibt es diesen Song zum Download.

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New London Fire - Different


Ich weiss nicht genau, was diese Nummer hat, dass sie derart lange die Nummer 1 in meiner Hitparade war, sich monatelang nicht und nicht abnutzen lassen wollte und immer noch einen prominenten Platz einnimmt. Erst langsam, ganz langsam beginnt für mich ihr Stern zu sinken.

Natürlich, es liegt sicherlich daran, dass sie einen Nerv traf und trifft. Synthie-Pop, lange Zeit für mich eine üble Ausgeburt der 80er-Jahre, ist derzeit eine meiner Lieblingsmusikrichtungen, das Revival hat auch mich voll erfasst, ich stehe dazu. Und, ja, "Different", das ist für mich Synthie-Pop so wie er sein soll, in Vollendung, wenn man so will. Natürlich haben wir es hier mit einer irgendwie recht..hm.. glatten Angelegenheit zu tun. Aber: diese glatte Oberfläche, die gänzt und strahlt in einer fast übernatürlichen Weise! Hach, ist das verführerisch!

"Different" findet sich neben weiteren Songs von New London Fire genau hier.

Freitag, 15. Juni 2007

Praha 2007

Hier die erste Ladung Praha-Fotos. Der Rest folgt dann, sobald ich aus Linz zurück bin. Muss jetzt zum Bahnhof.

Dienstag, 12. Juni 2007

"Heute"-Blog # 2

"DIE VERBRECHENSRATE STEIGT WEITER AN

Wieder mehr Straftaten in Österreich: 249.054 Fälle wurden zwischen Jänner und Mai angezeigt, im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 235.425 (plus 5,8 Prozent). Rein rechnerisch passieren bei uns täglich 1649 Verbrechen.
Eine Steigerung der Krimi-Fälle gab es auch in der Bundeshauptstadt Wien. 89.201 Straftaten weist die Statistik für Jänner bis Mai 2007 auf, im Vorjahr waren es 89.201 (plus 0,9 Prozent)..."

Das mit dem Rechnen, das haben unsere bepelzten Freunde noch nicht so ganz heraußen. Aber, ist das wirklich ein Hoffnungsschimmer?

Mittwoch, 6. Juni 2007

Ex Cathedra

FEIERLICHE PROKLAMATION...

...der Gründung der

KIRCHE DER HEILIGEN DER DREI-TAGE-WOCHE
!


Im Angesicht der ersten Drei-Tage-Arbeitswoche meines Lebens verkünde ich hiermit, vom heiligen Geist der Arbeitsniederlegung erfüllt, die Gründung der obgenannten Gemeinschaft. Sie soll den Menschen Erlösung bringen!

Theologische Begründung:

Die Christen halten den Sonntag für den Tag des Herrn. Für die Juden ist der Samstag geheiligt und darf nicht durch Arbeit entehrt werden. Der Islam wiederum erklärt den Freitag zum Tag des Gebets und der Einkehr. Für die Drusen schließlich ist der Donnerstag geweiht.

Aus all dem wird ersichtlich: Gott zürnt uns vermutlich unendlich! Denn, wer kann schon sagen, wer von den Genannten seinen Willen in diesem Punkt richtig zu interpretieren weiss!? In unseren Breiten wird am Sonntag die Arbeit niedergelegt. Wer gibt uns die Gewissheit, dass dies nicht eine ungeheuerliche Blasphemie darstellt!?

Die Kirche der Heiligen der Drei-Tage-Woche bietet die Lösung für dieses Dilemma: Arbeitsniederlegung an den letzten 4 Tagen der Woche! Nur so können wir sicherstellen, dass der Herr uns nicht wegen unserer Geschäftigkeit verdammt!

Durch die Bekehrung des gesamten Erdenkreises zur KdHdDTW stellen wir letztlich das Wohlwollen des Allmächtigen wieder her. Frieden und Freude werden die Folge sein!

Unser strategisches Naheziel soll darin bestehen, hier in Österreich als Kirche anerkannt zu werden und unseren Mitgliedern die ungestörte Ausübung ihres Glaubens zu ermöglichen (zB durch spezielle arbeitsrechtliche Schutzgesetze)!

Massentaufen werden ab sofort am Gänsehäufel vorgenommen (gegen Voranmeldung)!

Gez. Der Verkünder

PS: Weitere arbeitsfreie Tage in anderen Religionen bitte posten!

PS2: Beitrittserklärungen bitte an den Verkünder unter einwinzer@yahoo.de schicken!

Dienstag, 5. Juni 2007

Viva La Wühlkiste!

Eigentlich wollte ich mit dem CD-Kauf ja zuwarten, bis ich die monatliche Eingaben-Ausgaben-Rechnung meines Kontos in den neuen Lebensumständen überblicke. Aber, wenn dann eine Platte, die auf meiner Must-Have-Liste steht, beim Libro für € 5,00 rausgeschleudert wird, kann ich nicht tatenlos danebenstehen.



Steve Earle - "Copperhead Road" (1988)

Montag, 4. Juni 2007

Ohrenfälliges # 6

TempEau - Mädchen aus Greifswald

Im Jahr 2006, als die Elite des vermeintlich intellektualisierten deutschsprachigen Poprock dem Eskapismus frönte und sich bevorzugt mit der Pflanzenwelt, der Tierwelt oder dem Landleben beschäftigte, sich selbst Tocotronic in ihrem Parolengeschleudere anschickten, sich aus dem Staub zu machen ("Aber hier leben, nein Danke!"), man im besten Fall noch mit kuschelweicher Wohlfühl- Zeitkritik (Wir Sind Helden) und im schlimmsten Fall mit durch diverse Engagements nur notdürftig kaschiertem Zeitgeist-Hedonismus-Pop (Mia) konfrontiert wurde, in diesem Jahr 2006, da tat es gut, auf eine Nummer wie "Mädchen aus Greifswald" zu stoßen. Eine Nummer, die ganz unaufgeregt, aber eindringlich, den Finger auf offene Wunden im Osten des nun wieder in Schwung kommenden Deutschland legt.

Die Nummer ist auf der HP der Band ladbar. Man klicke auf "Free Newsletter & MP3" und gehe dann mit etwas Phantasie (außer, man will den Newsletter wirklich bekommen!) durch das Nadelör der Newsletter-Anmeldung. Es lohnt sich jedenfalls auch musikalisch!

Sonntag, 3. Juni 2007

"Österreich"-Blog # 1

Gestern brachte ein Freund die aktuelle Ausgabe von "Österreich" mit in die Wohnung.

Die Schlagzeile auf der Titelseite lässt aufhorchen: "ELSNER TRIEB MITHÄFTLING FAST IN DEN SELBSTMORD!" Unglaublich, der Elsner. Eine dämonische Gestalt, die da in der Justizvollzugsanstalt Josefstadt einsitzt. So einer könnte auch als Bösewicht in Gotham City reüssieren, ein wahrer Finsterling.

"Österreich" kennt da keine Gnade, gibt den Rächer: "Nichts ist so ehrlich erworben, wie ein schlechter Ruf. Ex-Bawag-Chef Helmut Elsner (72) beweist es sogar hinter Gittern..."

Wer weiterliest, wird irgendwann einmal erfahren, dass sich der Mithäftling einmal darüber beschwert hat, dass Elsner in arrogant behandle. Den wahren Grund für dessen Depressionen erfährt man nebenbei aber auch: "Die Justiz ging davon aus, dass der Ex-Banker mit dem früheren PR-Profi eine Gesprächsbasis auf Augenhöhe und gleichem Niveau finden würde - was nicht unwichtig ist, wenn man 23 Stunden täglich gemeinsam auf zehn Quadratmetern verbringt. Die Rechnung ging nicht auf. Denn schon als Elsner einzog - und damit auch sein Zellengenosse ins Interesse der Berichterstattung geriet - verfiel Mörder Martin W. in tiefe Depressionen. Der Grund: Obwohl zu 15 Jahren Haft verurteilt, versucht W. (wie fast alle Gewaltverbrecher) seine Tat zu verdrängen. Plötzlich wieder in den Schlagzeilen zu stehen weckte Erinnerungen und die Verzweiflung an sich selbst. Die Folge: Martin W. bekam jeden Tag in rauen Mengen Antidepressiva (Praxagen) verordnet, weil Gefahr bestand, dass er Selbstmord begeht."

Fassen wir zusammen: Ein U-Häftling, für den die Unschuldsvermutung gilt, wird auf 10 Quadratmetern mit einem verurteilten Mörder zusammengepfercht. Er ist nicht gerade bester Laune, ein schwieriger Charakter ist er auch noch, mag sein. Seit geraumer Zeit steht er im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses, die Boulevardmedien des Landes verfolgen ihn auf Schritt und Tritt, selbst während einer Reha, die er wegen einer Herzoperation machen muss, sind sie hinter ihm her. Die Tatsache, dass man ihn medizinisch behandelt und nicht einfach krepieren lässt wird von den Medien und auch führenden Politikern des Landes hinterfragt und mit Hohn bedacht. Der U-Häftling ist sauer, sein Mithäftling bekommt das zu spüren. Was der Mithäftling aber noch mehr zu spüren bekommt, ist etwas anderes: Die gnadenlose Gier der Boulevardmedien nach Storys und Schlagzeilen, die über komplexe menschliche Schicksale ohne mit der Wimper zu zucken hinweg marschieren. Er hat Flashbacks von damals, als er selbst im Fadenkreuz der Aufdecker und Schlagzeilenschmiede stand. Das verkraftet er nicht. Aber, Hauptsache, "Österreich" weiss über die Schuldfrage genau Bescheid. Der "arrogante" und "menschenverachtende " Ex-BAWAG-Chef wars: "ELSNER TRIEB MITHÄFTLING FAST IN DEN SELBSTMORD!"

Gut, dass "Österreich" Standards setzt und uns klarmacht, was "Menschenverachtung" bedeutet.

Samstag, 2. Juni 2007

Pfingst-Open-Air 2007, der Rest

Das war gut:

Das Hauzenberger Pfingst-Open-Air ist ein verhältnismäßig kleines Festival. Kein ganz kleines - es kommen dem Vernehmen nach ca. 5.000 Leute - aber ein Festival das klein genug ist, dass es insbesondere durch kurze Wege besticht. Soll heißen: Man ist gleich bei den Bands, man ist aber auch gleich draußen und abseits des ganzen Rummels (sehr wichtig..). Am Ende eines Festivalwochenendes ist man somit auch nicht (zusätzlich zu anderen Stressfaktoren) von kilometerlangen Wanderungen über das Gelände gezeichnet. Es gibt auch nur eine Bühne, was Entscheidungsschwierigkeiten und wiederum Herumgerenne erspart.

Dadurch, dass hier nicht ganz so viele Leute unterwegs sind, bleiben einem meist auch unangenehme Massenaufläufe und Dränglereien erspart.

Das Publikum ist grundsätzlich von sympathischer Art, der altersmäßige Schwerpunkt liegt bei den 18-25jährigen. Natürlich sind die Leute betrunken, aber was erwartet man auch anderes. Man muss halt selber einen gewissen Promillespiegel aufrecht erhalten, um seinen Humor nicht zu verlieren. Geht nicht anders.

Das Musikprogramm ist von der ausgewogenen Sorte: Rock, Punk, Hip-Hop, Reggae, alles da. Dieses Jahr nicht unbedingt viel Pop und Elektronisches. Zur Qualität der Bands siehe mein letztes Post.

Das Bier ist aus Österreich, weil selbst die Bayern genötigt sind, ihre Dosen in Österreich zu kaufen.

Das Festival ist eine nicht-kommerzielle Angelegenheit, wird von einem Kulturverein mit freiwilligen Helfern auf die Beine gestellt.

Am Pfingst-Open-Air gibt es alljährlich einen gut besuchten Infostand der Passauer amnesty-Hochschulgruppe mit netten Aktivistinnen.

Das war nicht so gut:

Auf dem kleinen, überschaubaren Zeltgelände wird viel "organisiert", d.h. es werden reichlich fremde Sachen entwendet. Ein Auge auf das eigene Zelt zu haben, schadet nie.

Die Toilettanlagen sind hier keine Dixi-Klos, sondern gemauerte Häuschen inklusive Fliesswasser, Spülung und elektrischem Licht. Das mutet zunächst luxuriös und erfreulich an, ist es aber keineswegs. Binnen kürzester Zeit versagt die Spülung und auch sonst ist alles völlig verdreckt. Sehnsucht nach halbdunklen Dixi-Klos (am Eingang stehen welche!)..

Die Leute kommen hier eher nicht wegen der Musik her. Das schlägt sich auch ein wenig in der Stimmung vor der Bühne nieder.

Die Parkmöglichkeiten sind auf einem Krautacker, der doch ziemlich abseits gelegen ist.


Was man am häufigsten gehört hat:

1.) "Habt ihr Papers?"
2.) "Ruby-Ruuby-Ruuby!!!" (aus allen möglichen Zelten gegrölt)
3.) "Heeeelga!!" (..ist nicht umzubringen)
4.) "Hey, da sind Ösis, da gehen wir hin, da ist es lustiger als bei uns!" (..und schon hat man die "lustigsten" Deutschen da sitzen. Wenigsten lassen sie sich von unsereins wunderbar beleidigen, weil sie das für unseren Humor halten!)