Mittwoch, 29. August 2007

Bock Ma´s - Bilder

Anbei eine Selektion aus meinen Bildern aus dem wunderbaren Lande Bock Ma´s!

ACHTUNG: Die Kombination Firefox und Picasa (da führt der Link hin) ist derzeit auf manchen Rechnern ein No-Go! Aus Gründen, die bestenfalls die Datenhexer verstehen, klemmt das dort momentan. An der Behebung wird hoffentlich gearbeitet, derweil ersuche ich, zum Betrachten der Bilder auf den Internet Explorer oder andere Browser umzusteigen!

Dienstag, 28. August 2007

Die Aktuelle Platte # 1

Vorrede

Meine Musik-Erwerbsgewohnheiten orientieren sich derzeit ja nicht so sehr am Zeitgeist. Aufgrund der Tatsache, dass ich Alben meist noch
kaufe , Neuerscheinungen aber in der Regel einen sehr stolzen Preis haben, greife ich im Plattenladen gerne zu schon seit längerem erschienenen Scheiben. Nimmt man nun noch die Einkäufe in Second-Hand-Plattengeschäften und die Übernahme aufgelöster Plattensammlungen hinzu, zu deren Erbe ich mich bereitwillgst erklären lasse, so wird verständlich, wieso auf meiner "Heavy Rotation"-Liste Musik älterer Provenienz eine so starke Rolle spielt. Dennoch, ab und zu greife ich natürlich auch zum sozusagen frisch gepressten Silberling. Da ist es freilich dann auch nicht ausgeschlossen, dass mir diese Platte gefällt und ich eine Empfehlung aussprechen möchte. Oder, dass sie mir nicht gefällt und ich auch darüber nicht schweigen möchte. Dazu mag diese Rubrik dienen.




Gene Vincent - Race With The Devil (Delta Music, 2007)

So gesehen ist mein erster Kandidat natürlich einigermaßen paradox. Dies weniger deshalb, weil die Platte nicht brandneu ist, sondern genaugenommen am 1. März 2007 herauskam und mittlerweile schon wieder so gut wie aus den Regalen verschwunden ist - dies wäre ja noch eine lässliche Sünde - sondern vor allem weil ihr Protagonist Gene Vincent nun wahrlich kein Zeitgenosse ist.

Schon seit 1971 weilt Gene Vincent nicht mehr auf Erden und seine ganz große Zeit beschränkte sich eigentlich auf ein Jahr: 1956. Damals zündete gerade die Rock´n´Roll-Rakete. Ein Jahr zuvor hatte das Ghetto-Schulen-Filmdrama "Blackboard Jungle" (dt. "Saat der Gewalt") den Fanfarenstoß der neuen Ära, den Titel "Rock Around the Clock" von Bill Haley & His Comets, in die Weiten Amerikas und der Welt hinausgetragen. Im Jahr 1956 schließlich vollzog sich der kometenhafte Aufstieg von Elvis Presley zum "King Of Rock´n´Roll". Rock´n´ Roll war da und er würde bleiben. Die Gene Vincent zugedachte Rolle war dabei die des Herausforderers des "King". Capitol Records hatte ihn verpflichtet um Elvis, der bei RCA unter Vertrag stand, das Wasser abzugraben. Es war ein Duell, dass Vincent schwerlich gewinnen konnte. Auf der einen Seite war da Elvis "the pelvis", der Mann mit dem lasziven Hüftschwung, der Kerl, der das unanständige Versprechen in die Mainstream-Popularmusik gebracht hatte, auf der anderen Gene Vincent, seit einem üblen Motorradunfall in seiner Zeit als Soldat der Navy in Korea mit einem lahmen Bein gestraft und entsprechend unbeweglich, mit Schmerzen kämpfend. Er sah keine andere Wahl als sie mit Alkohol und Medikamenten zu bekämpfen. Ein Hank Williams-Schicksal.

Dass, was Gene Vincent und seine Band, die Blue Caps, in die Waagschale zu werfen hatten, das war ihr Sound: rauer, verhallter, ultracooler Rockabilly, düsterer, gefährlicher als bei einem Presley oder einem Haley. Hier lag die Laszivität im Sound, aber wie! Wesentlichen Anteil daran hatte neben dem eindringlichen Gesang Vincents vor allem sein Leadgitarrist, Cliff Gallup, wohl der beste seiner Zunft in der Zeit des ganz frühen R´n´R (sieht man vielleicht von dem phänomenalen Link Wray ab). Bereits im Dezember 1956 jedoch hängte dieser, des Tourens müde, die Rockgitarre an den Nagel. Das war der Anfang vom Ende für die Blue Caps. Ihre Kunst erreichte nie wieder die Tiefe des Jahres 1956. Und Gene Vincent selbst? Angesichts eines geschickt zur Mainstream-Ikone gemodelten Elvis und Heerscharen von von der Industrie gepushten sauberen neuen Rock- und Pophelden, wirkte der hinkende Ex-Soldat in seiner Rockerkluft nur allzu bald wie eine Relikt aus einer vergangenen Zeit. R´n´R wurde Mainstream, wurde weichgespült. Gene Vincent kam in den USA nie wieder richtig auf die Beine. Nur in Großbritannien und Frankreich erfreute er sich noch größerer Beliebtheit, 1960 war er gerade mit seinem Kumpel Eddie Cochran in England auf Tour, als ihr Wagen an einen Baum krachte und Chochran dabei ums Leben kam. 1963 schließlich wanderte Vincent ganz ins UK aus, wo eine Generation junger britischer Musiker seine Aktivitäten aufmerksam beobachtete. Dennoch, seine große Zeit ging nun endgültig zu Ende. Als eben jene jungen Briten das Ruder der Popmusikgeschichte übernahmen, war Vincent erneut
out-of-date. Nach einer Reihe wenig erfolgreicher Comeback-Versuche starb Gene Vincent 1971 im Alter von nur 36 Jahren an einer Magenblutung.

"Race With The Devil" erfasst Gene, Cliff und die Blue Caps in ihrem ganz großen Jahr, Anno 1956. Man höre den intensiven, beschwörenden Gesang von Gene Vincent und das fulminante Spiel von Cliff Gallup. Und man staune darüber, wie Musik aus der Frühzeit des Rock sich noch so frisch, so - fast möchte man sagen: zeitgemäß anhören kann. Und damit hätte sich der Kreis auch schon wieder geschlossen.

Bewertung: 7.5 von 10 Pomadedosen


Mittwoch, 22. August 2007

Beamtenleid

Wie eben ausgeführt, kann das Leben eines Staatsbediensteten also durchaus mühselig sein.

Und darüber hinaus ist es auch noch gefährlich!

Dank an meinen Richter!

Der Akt


Da hat doch tatsächlich während meiner urlaubsbedingten Abwesenheit mein Richter das da auf meinen Tisch gewuchtet. Ein Akt. 17 Bände. 11.500 Seiten. 8 Angeklagte.

"Schauen sie sich das einmal an," sagte er. Aha. "Das ist gar nicht so viel, wenn man einmal herausgefunden hat, was wichtig ist." Aha. Trotzdem, der Normalsterbliche, mit so etwas noch nie konfrontiert, schluckt erstmal . Wie geht man das jetzt an? Systematisch, eh klar. Zuerst eine Chronologie der wichtigsten Ereignisse erstellen. Dann ein Verzeichnis der wichtigsten Personen (unerwähnt blieb bisher noch, dass es noch ca. 20 Nebenpersonen gibt, die auch in den Fall verwickelt sind). Aber, kann man hier wirklich alles in den Kopf reinkriegen, was für die Entscheidungsfindung Relevanz besitzt?

Immerhin, ich muss die Geschichte am Ende ja nicht entscheiden, nur dem Richter zuarbeiten. Der Richter muss sie entscheiden. Respekt dafür.

Montag, 20. August 2007

Le Roi est mort, vive le Roi!

Bild aus urheberrechtlichen Gründen entfernt


Es ist ja fast schon als Blasphemie zu werten, wenn gerade von mir die folgende Feststellung gemacht wird: Zinèdine Zidane ist eben abgetreten, aber schon gibt es einen würdigen Nachfolger!

Aber, er lässt mir eben keine Wahl, der Franck Ribéry! Er zwingt mich dazu, diese Erkenntnis auszusprechen und er nötigt mich zu einem weiteren Fußball-Posting binnen Tagesfrist (keine Angst, dies wird kein reines Fussball-Blog!).

Zu unübersehbar famos war die Vorstellung des flinken Franzosen am Samstag bei der Zerlegung des SV Werder Bremen durch die von ihm eben erst enorm verstärkten Bayern. Natürlich wird man bei der Bewertung und Beurteilung des 4:0-Gesamtresultates berechtigterweise auch über einen Toni, einen Altintop, einen Schweinsteiger oder einen Zé Roberto sprechen müssen, aber der Zuckerguß auf diesem Bayern-Gesamtkunstwerk (das man neidlos anerkennen muss, auch wenn man die Münchner vielleicht eher nicht so sympathisch finden sollte)war eben der Ribéry.

Dass wir es hier nicht mit einem x-beliebigen 08/15-Ballesterer zu tun haben, erhellt schon aus seiner Biographie:

1.4.1983 Franck Ribéry wird im ganz im Norden Frankreichs nächst
dem Ärmelkanal gelegenen Boulogne-sur-Mer geboren, einer
Arbeiterstadt mit zeitweise bis zu 45 Prozent Arbeitslosigkeit.
1985 Bei einem schweren Autounfall durchschlägt Franck Ribéry eine
Fensterscheibe, sein Gesicht ist seitdem von Narben gezeichnet.
Als Heranwachsender ist er deswegen zahlreichen Anfeindungen
ausgesetzt, er setzt sich mit den Fäusten zur Wehr.
1999 Wegen seines Lebenswandels, insbesondere seines Hanges zu
Schlägereien, fliegt er, obwohl fußballerisch hochbegabt, vom
Fußballinternat des OSC Lille.
2000 Franck Ribéry führt die Mannschaft von Boulogne in die
dritte Leistungsklasse Frankreichs.
2001 Ribéry wechselt zu Alès. Der Klub macht Pleite, Ribéry fliegt
aus seiner Wohnung.
2002 Franck Ribéry konvertiert zum Islam.
2003 Ribéry arbeitet vorübergehend als Bauarbeiter, sein Vater hat
ihm den Job verschafft. Er gelangt schließlich zu Stade Brest.
2004 Der FC Metz nimmt Franck Ribéry unter Vertrag. Eine Disco-
Schlägerei beendet das Engagement.
2005 Ribéry spielt für Galatasaray Istanbul und wird zu einer Art
Volksheld, bis er den Klub mit der Behauptung verlässt, er würde
nicht bezahlt. Der Internationale Sportgerichtshof gibt ihm
Recht.
2005 Ribéry wechselt zu Olympique Marseille und schafft dort den
endgültigen Durchbruch, 2006 steht er bei der WM in Deutschland
in der Stammformation der stärksten Mannschaft des Turnieres.
2007 Franck Ribéry wechselt für kolportierte € 26 Mio. zum FC Bayern
München. Er ist damit der teuerste Transfer in der Geschichte
der deutschen Fußball-Bundesliga.


Was der Bursche wirklich drauf hat, zeigt sich jetzt im Gefüge der Weltklasse-Mannschaft des FC Bayern von Spiel zu Spiel mehr. Die Vorstellung gegen Bremen (man beachte die Coolness an 2:28 und natürlich die zidaneske Wahnsinns-Aktion an 4:15) war phasenweise schon eine Zidane-artige Demonstration. Nur, dass Zidane nie so schnell war..aber jetzt reichts auch schon wieder.. ;)

OK, die Deutsche Fußball-Liga hat offensichtlich keine Ahnung, was eine wirklich gute PR ist. Für die Highlights des Spiels begebe man sich daher nunmehr hierher. Inklusive holländischem Kommentar. Die Zeitangaben sind auf 1:13 bzw. 2:30 zu korrigieren.

Noch nicht genug von Ribéry? Hier gibts noch mehr..

PS: Allez les bleus 2008!!

Sonntag, 19. August 2007

Kochen mit Ivo

Bild aus urheberrechtlichen Gründen entfernt
Wiener, paniert (12.8.).


Bild aus urheberrechtlichen Gründen entfernt
Tiroler Gröstel (18.8.).


Bild aus urheberrechtlichen Gründen entfernt
Le Chef.

Tabellenführung, Mahlzeit!

Samstag, 18. August 2007

Kaiser-Geburtstags-Posting


Ihm bleibt auch nichts erspart!

Ischl ist im Internetz!

Erst gestern hat es mit der Anbindung meines Sommerfrischedomizils an das weltweite Netz hingehaut, daher nur dieser eine Beitrag aus dem gerade (noch mehr als sonst) im Kaiserwahn befindlichen Kurstädtchen. Aber dafür ist es eben eine Premiere!

Freitag, 10. August 2007

Arbeit los



Zeit, die Arbeit einmal sein zu lassen (auch wenn es zur Zeit durchaus Spass macht), die nächste Woche ist dem (Fast-)Nichtstun geweiht!

Da es mich in diesem Augenblick wieder ins obere Österreich zieht, wird dieses Blog theoretisch für etwas mehr als eine Woche stillgelegt. Theoretisch. Denn wer weiß, was dort passiert..Dranbleiben könnte sich durchaus lohnen!

Inside Landl

Mittwoch, 8. August 2007

Lee Hazlewood 1929-2007

Lee Hazlewood ist am Samstag 78-jährig verstorben. Mit ihm ist einer der ganz großen Songschreiber des 20. Jahrhunderts für immer gegangen.

Zwei Hazlewood-Songs, die wirklich jeder kennt, jeweils mit der kongenialen Nancy Sinatra (was für eine Frau, nebenbei bemerkt!):

Nancy Sinatra & Lee Hazlewood: "Summer Wine"

Nancy Sinatra: "These Boots Are Made For Walking"

R.I.P.!

Samstag, 4. August 2007

Jahresrückblick, Teil 2


Mein Kinojahr 2006- Die Plätze 12-1

Es hat mich Zeit, Mühe und Überwindung gekostet, mein Projekt des Bewertens und Rezensierens sämtlicher von mir im Jahr 2006 gesehener Kinofilme doch noch zu Ende zu führen. Aber für meine LeserInnen ist mir natürlich kein Berg zu steil! ;)

Somit darf ich stolz präsentieren: die zwölf Filme auf meinem Bewertungs-Olymp!

Da ich jetzt also schon dabei bin, soll im Übrigen die dem Jahr 2006 gewidmete Serie dann doch noch würdig zu Ende geführt werden. In diesem Sinne wird man auf diesen Seiten bald auch noch meine besten Bilder 2006 sowie einen kurzen allgemeinen Rückblick auf das vergangene Jahr finden.


12 - Mel Brooks: "The Producers", USA 2006
Bewertung: ***1/2
Gesehen: 12.5., Apollo, Wien

Musicalklamauk der heftig-schrägen Sorte, durchaus mit einigen humoristischen Highlights. Schauspielerisch toll.

11- Aki Kaurismäki: "Lichter der Vorstadt", SF 2006
Bewertung: ***1/2
Gesehen: 14.11., City-Kino, Linz

Nichts Neues unter der fahlen finnischen Sonne des Aki Kaurismäki. Aber auch Routinearbeiten wie diese wissen noch die ihnen eigene Kraft zu entfalten. Für Fans sowieso zu empfehlen.

10- Levan Zagareishvili: "Tbilisi, Tbilisi", GEO 2005
Bewertung: ***1/2
Gesehen: 28.4., City-Kino, Linz

Authentisch-triste Schilderung der derzeitigen Gegebenheiten in Georgien. Hauptfigur: ein recht misanthropischer und zynisch-sarkastischer Filmemacher, offensichtlich eine autobiographische Gestalt. Das zeigte sich, als man nach der Vorführung des im Rahmen des "Crossing Europe"-Festivals vorgeführten Streifens den Regisseur kennen lernen durfte.

9- Maria Blom: "Zurück nach Dalarna!", S 2004
Bewertung: ***1/2
Gesehen: 22.4., City-Kino, Linz

Sehr skandinavisch: Bei Familientreffen brechen die hinter freundlich-friedvoller Kulisse gelegenen Abgründe auf, dieses garniert mit trockenem Humor. Das Ganze, Skandal und Komik, fein abgemischt.

8- Michel Gondry: "La science des rêves", F 2006
Bewertung: ****
Gesehen: 28.10., Actors Studio, Wien

Trotz (oder auch wegen?) der durch die Wahnvorstellungen des Hauptprotagonisten bewirkten surrealen Verwerfungen ein Film, der schmerzhaft nahe an einer scharf beobachteten (Beziehungs-)Wirklichkeit entlang balanciert. Durchaus sehr französisches Kino in einer gelungenen Ausprägung.

7- Fernando Meirelles: "The Constant Gardener", D/UK 2005
Bewertung: ****
Gesehen: 11.2., De France, Wien

Thriller nach John LeCarré-Vorlage. Spannend, politisch, hochaktuell und schauspielerisch souverän umgesetzt, Ralph Fiennes muss man sowieso mögen.

6- Bennett Miller: "Capote", USA 2006
Bewertung: ****
Gesehen: 13.5., Votiv, Wien

Sehr bedachte, sehr unaufgeregte Umsetzung des Reportage-Meisterstücks "Kaltblütig" von Truman Capote. Im Mittelpunkt steht dabei nicht das Verbrechen, dessentwegen der Reporter-Literat ins abgelegene Kansas gereist ist, sondern die fragile Persönlichkeit desselbigen in der Konfrontation mit dem Verbrechen. Der Film lässt sich Zeit und lotet in aller Ruhe Tiefen aus. Nichts für Leute, die es straight-into-the-face haben wollen.

5- Gavin Hood: "Tsotsi", UK/RSA 2005
Bewertung: ****
Gesehen: 3.6., Votiv, Wien

"Tsotsi" bezeichnet in Xhosa, der unter den Schwarzen Südafrikas nach Zulu am zweithäufigsten gesprochenen Sprache, einen kleinen Strassengauner. Gespielt wird der hier vom Filmtitel Gemeinte von Presley Chweneyagae. Der 23-jährige Schauspieler ist selbst ein Abkömmling der Townships, ebenso wie der in einer Nebenrolle agierende Zola, Südafrikas größter Musik- und Filmstar, ein Mann, der ein Ansehen genießt wie sonst nur Desmond Tutu oder Nelson Mandela. Chweneyagae und Zola sind zwei, die es geschafft haben. Und auch "Tsotsi" weist schließlich leise, ganz leise, in Richtung des Ausgangs aus dem Ghetto, aus den Untiefen südafrikanischer Alltagsgewalt und -kriminalität. Das gelingt hier aber ohne dass ein Zeigefinger erhoben wird oder es zu sozialem Kitsch kommt. Ein feines, kleines Meisterwerk, das zu Recht mit dem Auslandsoscar 2006 ausgezeichnet wurde.

4- Neil Jordan: "Breakfast On Pluto", IRL/UK 2005
Bewertung: ****
Gesehen: 25.11., City-Kino, Linz

Neil Jordan wußte schon immer wie es geht: Die tragischen Momente, die komischen, die schönen, die skurrilen, die erschütternden, die atemberaubenden, die erhabenen, die triumphialen, die erniedrigenden in einen Film zu stecken, so dass alles da ist, alles seinen Platz hat, ganz wie im richtigen Leben. "Breakfast on Pluto", die Geschichte eines Transgender-Mannes, Sohn eines katholischen Priesters, der in der Zeit des IRA-Terrors von Irland nach London geht, um seine Mutter zu suchen, ist ein weiteres Beispiel für diese Kunst. Ein origineller Plot, genauso komisch wie tragisch umgesetzt. Neil Jordan ist Ire. Was einen unwillkürlich daran denken lässt, dass auch die irischen Folksänger in ihren Pubs über die Fähgkeit verfügen, unterschiedlichste Gefühlswelten und daher auch Genres gleichermaßen zu meistern - vom Trinklied über das politische Kampflied bis hin zum Trauerlied. Ein cineastisches Pendant zu dieser Gabe lässt sich - wenn man so will - bei Neil Jordan und in diesem Film finden.

3- Martin Scorsese: "Departed - Unter Feinden" (DF), USA 2006
Bewertung: ****
Gesehen: 10.12., Cineplexx Wien Auhof

Wahrlich: Martin Scorsese hat hier, sehr, sehr viel richtig gemacht. Zunächst einmal hat er die richtigen Leute in den richtigen Rolleb platziert. Über Jack Nicholson als schäbig-böser Gangsterboss braucht man nicht viel reden, Mark Wahlberg gibt frenetisch einen aufbrausenden Polizeiofficer und Matt Damons Standard-Minenspiel passt auch ganz gut zu der ihm angedachten Rolle als eiskalter Doppelagent. Und dann ist da auch noch Leonardo DiCaprio, der alle anderen (sic!) an die Wand spielt. Wer in ihm, einem der begabtesten Leinwanddarsteller der Gegenwart, immer noch nur den milchgesichtigen Hauptakteur des Schmachtfetzens "Titanic" sieht, ist zu bedauern. Dazu kommt, dass Regisseur Scorsese die Genannten in einer gut getimeten, ausgesprochen spannenden und exzellent konstruierten Geschichte agieren lässt. Das einzige, das dem Film zum absoluten Klassiker fehlt: die Brechung dieses ihm eigenen Perfektionismus! Martin Scorsese hat einen fast lehrbuchhaft souveränen und allen bestehenden Regeln der Hollywood-Kunst entsprechenden Gangster- und Polizeithriller geschaffen. Er hat, so hat man den Eindruck, geradezu mit kramphaftem Bemühen dieses Ziel angestrebt, damit er endlich nicht mehr von der Oscar-Academy übersehen werden kann. Freiräume für wirklich unerwartete Brechungen dieses Monolithen waren da keine mehr. Gerade das fehlt hier aber zum echten Meisterwerk.

2- Woody Allen: "Match Point", UK/USA/LUX 2005
Bewertung: ****1/2
Gesehen: 6.1., City-Kino, Linz

Eine geradezu klassische Parabel auf das irdische Glück, die Woody Allen da vorgelegt hat. Klassisch sowohl in der Thematik wie auch in der Ausführung. "Match Point" ist die griechische Tragödie unter den großen Filmen des Woody Allen. Natürlich blitzt aber auch hier immer wieder das Augenzwinkern des Vielfilmers (siehe Platz 17) auf, nicht zuletzt im schwarzhumorigen Ende. Ein Film, von dem zudem auch viele Bilder im Kopf hängen geblieben sind, wenngleich man(n) zugeben muss, dass darin meistens Scarlett Johansson vorkommt.

1- Florian Henckel von Donnersmarck: "Das Leben der Anderen", D 2006
Bewertung: ****1/2
Gesehen: 26.8., Apollo, Wien

Wer hätte das gedacht: Der beste Film des Jahres (und das betrifft, da lehne ich mich jetzt einmal aus dem Fenstern, nicht nur die von mir gesehenen), stammt von einem Österreicher! Ein Österreicher freilich, der in Deutschland geboren ist, dort auch schaffte (jetzt in Hollywood) und Doppelstaatsbürger ist. "Das Leben der Anderen", Gewinner des Auslandsoscars 2007, ist die schon längst fällige breitenwirksame Auseinandersetzung mit dem unterdrückerischen System der DDR. In einer Manier, die nie einen Moment Langeweile aufkommen lässt, gleichzeitig aber auch nie plakativ wird, werden hier die Menschen korrumpierenden und zerstörenden Mechanismen eines Überwachungsstaates analysiert und bloßgestellt. Ein Film, der nicht nur mit Blick auf das Verhältnis zur Vergangenheit enorm wichtig ist, weil er den lange grassierenden DDR-Verklärungen die nackte Wahrheit eines paranoiden, die Würde seiner Bürger missachtenden Systems entgegenhält, sondern auch von höchster Aktualität ist, in einer Zeit, in der die Angst vor "den Anderen" in der Mitte der Gesellschaft wieder umgeht und über umfassendere Überwachunsgmittel nachgedacht wird. Im Übrigen ist da natürlich auch noch Ulrich Mühe, mit ihm ist einer der allergrößten deutschsprachigen Mimen der Gegenwart von uns gegangen.

Mittwoch, 1. August 2007

Nuke 2007, die Musik

Mit leichter Verzögerung präsentiere ich meine subjektive Ordnung der Auftritte beim diesjährigen Nuke-Festival.

1. Amadou & Mariam (Moon Stage, 14.7.)

Mein unbestrittenes Nuke-Highlight 2007. Das blinde Ehepaar aus Mali (Amadou: g, Mariam: voc) mit dem Trommler und dem französischen Bluesrock-Onkel an der Seite schlug sogar Calexico. Eine Liveband, wie sie sein soll, die sich und das Publikum mit jeder Nummer mehr in Trance spielt, die afrikanische Rhythmen virtuos mit westlicher (Blues-)Rocktradition zusammenpappt und nebenbei auch noch musikalische Einflüsse aus allen weiteren Himmelsrichtungen einfließen läßt. Ein Schweiß treibendes und Katharsis bringendes Erlebnis!

Einen, wenn auch leicht verschwommenen, Eindruck von der Live- Meisterschaft der Band kann man hier gewinnen.

Übrigens: Mariam und Amadou, die sich einst im Blindeninstitut von Bamako, Mali, kennengelernt haben und deren Ruhm sich zunächst mit Hilfe der MP3s der "Dritten Welt", der Tonbänder, über Westafrika und in der Folge dann über die ganze Welt ausgebreitet hat, sind Ende Juli in England gemeinsam mit einer Band namens Scissor Sisters unterwegs. Was für eine Karriere.

2. Calexico (Sun Stage, 13.7.)

Der logische Erste auf dieser Liste vor dem Nuke und dem Auftritt von Amadou & Mariam. Es war auch wirklich ein sehr schönes Konzert. Den psychedelisch-mindblowenden abendlichen Auftritt am letztjährigen Frequency (damals als vorletzte Band vor dem Mainact der kleinen Bühne, Belle & Sebastian) konnten sie zwar nicht toppen, aber das mag an der Hitze, der Bühne, der Uhrzeit, der Atmosphäre gelegen haben. Denn sie geigten wieder mit all ihrem Können und ihrer Verve auf: eine Band aus musikalischen Perfektionisten, die aber auch fähig sind, die notwendigen Showelemente in ein Livekonzert einzubringen. Da wurde plötzlich "Love Will Tear Us Apart" zitiert, da wurde "Guns Of Brixton" angestimmt, da kam zum Abschluss die ganze lärmende, feiernde Truppe von Babylon Circus (die an jenem Tag als undankbare erste auf der Sun Stage aufgetreten waren) auf die Bühne - und den Herren von Calexico machte es sichtlich Spass. Toll!

3. Alpha Blondy (Sun Stage, 14.7.)

Reggae ist wie Hip Hop, ist..richtig: Livemusik! Und die haben live schön gewummert, die Bässe von Alpha Blondy! Sehr inspirierend!

4. The Prodigy (Sun Stage, 13.7.)

Liebe "Prodigy"-Fans der Neunziger, hier die Wahrheit: Ihr wart jung, sie waren neu, sie waren laut, sie waren wild! Aber: Sie haben auch immer diesselbe Nummer gespielt und die war nicht der Weisheit letzter Schluss! "The Prodigy" waren ein Zeitphänomen, dass heute noch gut davon lebt, dass ihr jung wart und sie neu, laut und wild waren. Keine Band für die Ewigkeit. So gesehen muss man als jemand, der vom Prodigy-Rave-Rock-Fieber damals nicht erfasst war, Prodigy heute eigentlich nicht unbedingt gesehen haben, Rave-Revival hin oder her.

Andererseits können Prodigy auch heute eines noch verdammt gut: Party machen! Die Mittel der Wahl sind vielleicht einigermaßen beschränkt und auch nicht mehr ganz zeitgemäß, aber das Resultat eines mittellangen Liveacts der Briten ist immer noch das Gefühl, dass einem hier sehr ordentlich eingeheizt worden ist und dass das vielleicht auch alles ist, was man hat verlangen können. So gesehen schadet es auch 2007 nicht, Prodigy live zu erleben.

5. Attwenger (Sun Stage, 13.7.)

Die Upper Austrian-Local Heroes. Man fühlt sich ihnen ja schon wegen ihrer Stadtwerkstatt-Vergangenheit irgendwie verbunden. Respektable Vorstellung, wenngleich es zum Zeitpunkt des Auftritts schon noch unangenehm heiss war. Ausserdem dürften Attwenger deutlich mehr Spass machen, wenn man nicht mehr so ganz nüchtern ist (wodurch auch immer..) und das repetitive Element ihrer Musik infolgedessen besser zu Paß ist. Sag ich jetzt halt mal so.

6. Kosheen (Sun Stage, 13.7.)

Ja, die Kosheen haben ein paar nette Liedchen. Ja, die Sängerin hat eine gute Stimme. Ja, laut sind sie auch (ich war im Wavebreaker und ich sage euch..). Ja, der Drummer ist ein beeindruckendes Urvieh und macht sich gut hinter seiner Plexiglasscheibe. Aber: Muss das immer sein, bei Elektro-Rock-Bands, dieses Gehabe? Dieses gönnerhaft-herablassende, mit dem das Publikum behandelt wird, dieses gerüttelte Maß pathetischer Arroganz, das manchmal die Sphären der Abgehobenheit von Parteitagsrednern (was für Parteitage??!) erreicht? Und: Müssen die Betrunkenen unter den Hardcore-Elektro-Rock-Fans immer so dazu passen, wie die Faust aufs Auge?

7. Joy Denalane (Moon Stage, 14.7.)

Solide Soul-Sister singt in St. Pölten. Tolle Stimme, Lieder, die beim einen Ohr reingehen und beim anderen wieder raus.

8. Beastie Boys (Sun Stage, 14.7.)

Hip-Hop sei Live-Musik, haben wir gehört. Right, bei Dendemann am Pfingst-Open-Air war das auch so. Aber hier, auf der riesigen Sun Stage: verschenkt! Wenn man nicht gerade im Wavebreaker war (Vermutung), wars einfach nur ein Krampf, wenn man diese kleinen Maxeln da auf der fernen Bühne herumhüpfen sah. Die elektrischen Entladungen eines echten Beastie Boys-Auftrittes waren hier nicht einmal zu erahnen.

9. Die Fantastischen Vier (Sun Stage, 13.7.)

Dito. Nur, dass Die Fantastischen Vier eben nicht die Beastie Boys sind. Was sie aber beinahe durch einen geringfügig besser funktionierenden Sound wettgemacht hätten, wenn da nicht die völlig überflüssigen Ansagen des Thomas D. gewesen wären. Die eher unkomischen Kalauer hätte man ihm ja noch durchgehen lassen und einem kulturbedingten Humordefizit zuschreiben können, aber das ständige belobhudeln des Nuke-Festival (an dem er dem Vernehmen nach auf irgendeine Weise wirtschaftlich beteiligt ist) in Mallorca-Animateurs-Qualität war dann doch des Üblen zuviel.