Donnerstag, 31. Januar 2008

Ohrenfälliges # 13

Wenn jetzt in diesem Augenblick mein Klon auf mich zutreten und mir die Band Brockdorff Klang Labor erklären würde, und zwar mit den Worten: "Irgendwas zwischen Deichkind und Wolfsheim", würde ich wohl schreiend davonlaufen und nie etwas mit den Leipzigern zu tun haben wollen. Wenngleich diese sonderbar scheinende Beschreibung durchaus ihre Berechtigung hat, hat glücklicherweise gleich die erste Begegnung mit diesem Trio vermittels der Nummer "Grenzenlos war" alle Bedenken angesichts solcher (vagen) Assoziationen vom Tisch gefegt, zu sehr hat mich die selbstbewußte Coolness dieses Stückes überzeugt.

Brockdorff Klang Labor mischen in ihrer Musik das sphärische Schimmern von Electro, Wave und Synthie mit der Knackigkeit von Breakbeats. Und das Ganze funktioniert so vorzüglich, dass man sich wünscht, in Zukunft noch recht viel von ihnen zu hören.

Der hier präsentierte Appetizer "Grenzenlos war" ist wie ein starker Moment in deinem Lieblingsklub: entspannt und zugleich voll von satter Coolness und Dynamik, ohne gänzlich an der Oberfläche zu dümpeln und die melancholischen Momente und Fragwürdigkeiten des Augenblicks auszublenden. Da heißt es dann auch so schön: "Wir lieben den 4/4 Takt - denn er lässt uns nicht mehr im Stich". Ist doch mal eine Alternative zum Opernball-3/4 Takt! Und Nadja von Brockdorff ist sowieso interessanter als Dita von Teese.

Mittwoch, 30. Januar 2008

Die Videohitparade # 1

Fußballmenschen sehen rot

Das Verhältnis zwischen Fußballtrainern und -spielern auf der einen und den ihnen auf die Beine schauenden Medienleuten auf der anderen Seite ist zuweilen ein etwas Angespanntes. Manchmal brechen da plötzlich die Dämme der sozialen Umgangsformen. Dank für die Inspiration und das Neukirchner-Video an Georg Z.


  • fünf

Der allbekannte Klassiker. Immer noch ganz nett.

  • vier


Das leidige Sich-abputzen-und-in-die-Opferrolle-flüchten zelebrierte bereits der Vorgänger von Josef Hickersberger, Hans Krankl - in der ihm eigenen Egomanie. Zeit, daß die Cordoba-Generation endlich abtritt.

  • drei



Zlatan Ibrahimovic mag einer der besten Fußballer Europas sein. Als Interviewpartner ist er aber nicht gerade beliebt. Man beachte das Grinsen.

  • zwei



Günther Neukirchner: 60% gewonnene Zweikämpfe - und einer.

  • eins




Rudi Völler, der Standfußball der Vergangenheit und das Weizenbier (Günther = Günther Netzer, Fußballstar der Siebziger Jahre und scharfzüngiger Kritiker).


Nächstes Mal in der Videohitparade: ein Blick in die tiefsten Abgründe meiner Seele - meine 5 peinlichsten Lieblingssongs!

Montag, 28. Januar 2008

Aus dem Bauch heraus

Humor war immer ein essenzielles Mittel zur Bewältigung kollektiver Ängste und Traumata. Über 28 Millionen Aufrufe von Jeff Dunhams "Ahmed the Dead Terrorist" sprechen für sich.

Etwas für Freunde des wahrhaft schwarzen Humors..

Dank an Stefan R. für den Tip!

Donnerstag, 24. Januar 2008

Lektürismus - Reisen durch die Welt des Bücherregals # 1


Es muss was geben - Die Anfänge der alternativen Musikszene in Linz
von Andreas Kump, publication PN°1 Bibliothek der Provinz, 300 S.


Ich gebe zu, hier kann ich nicht wirklich objektiv sein. In diesem Buch geht es einerseits um Linz, eine Stadt, zu der ich gewisse heimatliche Gefühle hege, andererseits um Musik und deren ProtagonistInnen in den Szenen der Jugendkulturen und der Kulturschaffenden. Vom Thematischen her musste mich dieses Buch faszinieren.

Trotzdem war ich anfangs etwas skeptisch. Das Werk des Shy-Sängers Andreas Kump über das stetige Werden, Sein und Vergehen alternativer Musik und ihres Nährbodens in Linz im Zeitraum 1977-1995 ist im so genannten Cut-Up-Statement-Stil gehalten, bei dem schlicht Aussagen von Zeitzeugen aneinandergereiht werden, ohne dass der Autor eigenen Text (mit Ausnahme einiger knapper Fußnoten) beisteuert, vergleichbar jenen Dokumentarfilmen, in denen gänzlich auf einen Off-Sprecher verzichtet wird. Schon nach kurzer Lektüre war mir aber klar, dass dieses Konzept hier funktioniert. Die Statements der überschaubar bleibenden Zahl der ProtagonistInnen sind geschickt ausgewählt, gereiht und inhaltlich-thematisch verknüpft und es entsteht geradezu eine Art Flow, wie in einem guten Gespräch. Interessant auch, wenn gelegentlich Widersprüche zwischen den Aussagen einzelner Personen auftreten und einem damit die Relativität subjektiver Erinnerungen vor Augen geführt wird.

Divergierende Aussagen findet man in dem Buch auch zu der Frage, warum Linz in den letzten Jahrzehnten ein derart gutes Substrat für alternative Musik und vitale Jugendkulturen gewesen ist. Die Erklärungsversuche reichen von der angeblichen tristen Fadesse der Industrie- und Chemiestadt Linz (analog dem "was sollen sie denn in Skandinavien machen, außer Musik?"), über das gänzliche Fehlen einer hochkulturellen Vorbelastung, zu der Prägung der Stadt durch Technik und Techniker sowie einige KunsthochschülerInnen anstatt durch Geistes- und Kulturwissenschaftler, bis zu den spezifischen, engmaschigen Netzen der Linzer Musik- und Kulturszene. Die Antwort bringt vermutlich eine Zusammenschau dieser verschiedenen Perspektiven.

Es ist für den unbedarften Leser jedenfalls erstaunlich zu erfahren, welche Vitalität sich die Linzer Musik- und Jugendkulturszene in den letzten Jahrzehnten bewahrt hat, beginnend mit jener Mischung aus übriggebliebenen Hippies, frühen Punks und Musikfreaks, die sich Ende der 70er Jahre ein Lokal als Ort für Veranstaltungen und Selbstinszenierung eroberten, das heute nicht mehr wiederzuerkennen ist: das Café Landgraf in der Rudolfstraße. Dort brodelte mit Bands wie Willi Warma oder Miss Molly´s Favourites die Subkultur und dort wurde der Grundstein gelegt für eine Szene, die bald österreichweit (und bis nach Passau, natürlich) einen gewissen Kultstatus erlangte. Weitere im Buch geschilderte Etappen dieser Entwicklung waren neben mittlerweile vergessenen Locations wie dem E-Schmid oder dem Badcafé die Stadtwerkstatt, ein von Kunstschaffenden besetztes Haus, und die kapu, eine von Punks Schritt für Schritt übernommene SJ-Einrichtung. Diese sind auch heute noch, allen Widrigkeiten des Kulturvereinslebens zum Trotz, Garanten für das Weiterleben einer alternativen Musikkultur in Oberösterreichs Hauptstadt.




Attwenger (Stadtwerkstatt) & Texta (Kapu)- (so schnö kaust gor net) schaun
(gedreht in der ehemaligen Derflinger-Filiale zwischen Taubenmarkt und Hauptplatz, für Linzer besonders interessant, schaut, ob ihr zufällig jemanden erkennt.. ;) )


Nirvana@kapu, 20.11.1989

Mittwoch, 23. Januar 2008

Aufgelesen.. # 4

Der Mensch Josef Hickersberger ist mir sympathisch. Er ist jemand, der über einen guten Humor verfügt und eine umgängliche Art hat, jemand, mit dem ich durchaus gerne auf ein Bier gehen würde. Er ist aber niemand, dem ich meine Nationalmannschaft anvertrauen würde, wenn ich denn eine anzuvertrauen hätte. Schon gar nicht, wenn es die österreichische wäre, dieses schwer dahinsiechende Pflänzchen.

Woran es bei der rot-weiß-roten Auswahl derzeit (auch) krankt, bzw. an wem, das offenbart wieder einmal schonungslos ein Interview, das unser Teamchef gegeben hat, diesmal einem der Vorschau auf die Euro 2008 gewidmedeten Printprodukt.

Hickersberger zur (sehr schlechten) Länderspielbilanz 2007:

Natürlich bin ich mit den Resultaten nicht zufrieden, es ist eine schlechte Bilanz. Das Abwehrverhalten klappte im Großen und Ganzen. Das kann man als Trainer ja eher beeinflussen als die individuelle Klasse eines Stürmers..
Hier zeigt sich Hickersberger als unseliger Zwilling seines Präsidenten, dessen dumpfes Roland Linz-bashing anlässlich einer völlig verkorksten Partie uns noch gut in Erinnerung ist. Keiner verlangt von den beiden, dass sie eigene Fehler öffentlich bekennen. Aber, dass hier mit schöner Regelmäßigkeit die eigene Weste auf Kosten derer, die es letztendlich richten sollen (hier, konkret: der Stürmer), weißgewaschen wird, ist unterträglich. Teambuilding und Mitarbeitermotivation sehen anders aus!

Hickersberger über die (berechtigte) öffentliche Kritik an seiner Person und der Nationalmannschaft:

Das Wunschdenken bei den Fußballfans ist eben sehr ausgeprägt, sie wollen, dass die Bundesliga-Klubs im Europacup mitspielen, manche erwarten, dass Salzburg die Champions League gewinnt und Rapid den UEFA-Pokal...Da fehlt der Realitätssinn, was die Leistungsstärke der heimischen Liga und Spieler betrifft.

Der österreichische Teamchef ist es, dem hier offensichtlich der Realitätssinn abhanden gekommen ist. Keiner kann ernsthaft behaupten, die österreichischen Fußballfans erwarteten wirklich Champions League-Siege oder Europameistertitel. Alles was sie erwarten, ist ein ehrliches Bemühen ihrer Mannschaften und das Gefühl zu bekommen, dass die vorhandenen Potentiale auch wirklich genutzt werden. Als Salzburg und Sturm (hervorragend gecoacht von Baric und Osim) dazumals im Europacup reüssierten, genügten bereits wenige gut durchgekämpfte Partien um eine regelrechte Fußballeuphorie loszutreten. Es mag sein, dass das österreichische Fußballvolk zu einer leicht manisch-depressiven Haltung gegenüber seiner Nationalelf neigt, indem schnell in den Himmel gehoben und dann wieder in den Boden verdammt wird. Das bedeutet aber keineswegs, dass der Nationaltrainer mit überzogenen Erwartungen konfrontiert wäre, eher im Gegenteil. Niemand im Lande fordert den Europameistertitel, dafür sind die Ansprüche viel zu gering.

Allerdings spricht aus den Worten Hickersbergers nicht nur, dass es ihm an eben jenen Ansprüche selbst genauso mangelt, sondern auch, schlimmer noch, seine tiefe Mißachtung gegenüber dem ihm zur Verfügung stehenden Spielermaterial. Dieses wird, wie schon zuvor festgestellt, von seiner Seite permanent abgewertet und mithin demoralisiert. Dieser Teamchef stellt sich nicht schützend und motivierend vor seine Mannschaft, er ist immerzu nur darum bemüht, schon im vorhinein Ausflüchte für das von ihm selbst erwartete Scheitern zu finden. Und er findet sie auf eine Weise, in der er seinen Spielern zugleich signalisiert, dass er überhaupt nicht an sie glaubt. So und nicht anders ist das zu interpretieren, wenn Hickersberger (wie auch Stickler oder Ruttenstorfer) vor wichtigen Testspielen Statements abgibt à la "ein 0:0 ist schon ein großer Erfolg" oder "der Gegner ist sehr, sehr stark und es wird sehr, sehr schwer". Aus diesem Grund wird andauernd der Gegner stark, die eigene Mannschaft aber schwach geredet. Auf diese Weise manövriert der Trainer sich in einer teuflischen Kreisbewegung von Versagensangst zu Zweckpessimismus, zu vorauseilender Exkulpierung, zu Demotivation und zur Versagensangst zurück immer tiefer in den Sumpf seiner selbsterfüllenden Prophezeiung hinein. Das Trauma von Landskrona, wohl die Ursache für diesen Zustand, muss tief sitzen. Teambuilding und Mitarbeitermotivation sehen anders aus.

Bleibt aus fußballösterreichischer Sicht zu hoffen, dass die rot-weiß-roten Kicker eine Euphorie jenseits von Hickersberger finden. Eine Heim-EM bietet zumindest eine Chance dafür.



Sonntag, 20. Januar 2008

Vox Populi, Vox Dei

15 Tage lang bestand für die LeserInnen dieses Blogs im Zuge einer Umfrage die Möglichkeit, kundzutun, was sie in diesem Jahr gerne auf diesen Seiten sehen würden. Überraschender- und erfreulicherweise wurde davon auch durchaus Gebrauch gemacht. Da sich dieses Blog gerne als kundenorientiert präsentieren möchte, habe ich nun keine Kosten und Mühen gescheut und einen echten Experten zum Gespräch in meine Residenz in den Weinbergen gebeten, der die Ergebnis für uns deuten wird.

Vorweg aber noch einmal die Facts der Umfrage:

Fragestellung: "Im neuen Jahr ersehne ich besonders..." (mehrere Antworten möglich)
abgegebene Stimmen: 8

Resultat:

  • 1. Meine Linzer Jahre - Aufstieg und Fall eines Winzers im Land des exzessiven Mostkonsums 75%
  • 2. Mehr Aufgelesenes 37%
  • 3. Allfälliges 25%
  • Mehr Ohrenfälliges 25%
  • Mehr schöne Momente 25%
  • Meine Klassiker - Die besten Alben meiner Sammlung 25%
  • 7. Anspiel - Freund bei Gästen 12%
  • Das groooße Stück Musik 12%
  • Die Jahresrückblicke 12%
  • Lektürismus - Die Literaturrubrik 12%
  • Mehr Aktuelle Platten 12%


Ein Winzer: Sehr geehrter Herr Professor Milzfeier, Sie sind Leiter des Institutes für Politische Verwirrung und Meinungsverfälschung. Ich freue mich sehr, dass sie Zeit für uns gefunden haben!
Professor M.: Danke für die Einladung! Ich muss aber darauf hinweisen, dass ich in 20 Minuten bereits wieder einen Termin am Küniglberg habe!
Ein Winzer: Ok, halten wir es kurz. Was sind die zentralen Erkenntnisse dieser Umfrage?
Professor M.: Zunächst zeigt sich wieder einmal, dass sich Menschen im Allgemeinen freuen, wenn sie ernst genommen und nach ihrer Meinung gefragt werden und wenn es ihnen möglich gemacht wird, im Netz selbst Einfluß auf das Geschehen zu nehmen. Das ist ja im Grunde das Faszinosum an diesen Phänomenen, die man unter dem Begriff Web 2.0 zusammenfassen kann. Der bloße User wird zum Akteur. Das zeigt ja die Beteiligung an dieser Umfrage. Viel mehr als 7 Stammleser kann dieses Blog ja nicht haben..Einer hat wahrscheinlich an der Umfrage sogar zweimal teilgenommen..
Ein Winzer: Also, so würd ich das aber jetzt nicht sagen..
Professor M.: Jaja, kommen wir zu den Erkenntnissen aus der Fragebeantwortung..ich habe in 45 Minuten einen Termin beim Radio..also, hier fällt natürlich zuerst einmal die hohe Zustimmungsrate für die vom Blogverfasser angekündigte neue Rubrik "Meine Linzer Jahre..." auf. Nun, hier erkennen wir einen allgemeinen Trend wieder: die Boulevardisierung, den Kult des Trash, denn um viel anderes kann es sich bei den angekündigten Beiträgen ja nicht handeln, was schon der durchaus reißerische Titel andeutet..Hier steckt ja alles drinnen: wilde persönliche Dramen und Egozentrismums, Exzess und eine "Lebe schnell"-Ideologie. Dazu kommt die Herz-Schmerz-Komponente, das Schicksal dieses armen Weinbauern..Popliteratur trifft Rosamunde Pilcher, würde ich sagen. Trash as trash can!
Ein Winzer: Ähmm..also eigentlich..
Professor M.: Jaja, aber das Interessante ist, dass damit unser Bild noch nicht ganz komplett ist! Denn die RezipientInnen Ihres Mediums wünschen sich offensichtlich auch "Mehr Aufgelesenes", eine Rubrik die sich vornehmlich mit politischen Themen beschäftigt, gewissermaßen der Räsonnierstammtisch des Verfassers..
Ein Winzer: Also, Herr Professor..
Professor M.: Nunja, das ist eine interessante Kombination, nicht wahr? Trash und Klatsch, Lifestyle und Pop auf der einen Seite, aber ein gewisses politisches Interesse auf der anderen, nicht wahr? Ich würde sagen wir haben es bei den LeserInnen dieses Blogs mit typischen linksliberalen Bobos zu tun, diese eigenartige Mischung aus hedonistischer Spaßkultur und Engagement, nicht wahr?
Ein Winzer: Also, Herr Professor, da muß ich jetzt aber schon widersprechen..Meine Leser sind sich.."
Professor M.: Jaja..ham Sie noch Fragen? Ich habe in 55 Minuten eine Podiumsdiskussion, wo ich Professor Pelikan, diesem...
Ein Winzer: Nein, momentan nicht.
Professor M.: Gut, ich bin sowieso schon zu spät..meine Kotonummer haben sie?

Donnerstag, 17. Januar 2008

Ohrenfälliges # 12

Federico Aubele ist ein Musiker aus der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires, der zwischenzeitlich auch schon mal in Berlin und Barcelona seine Zelte aufgeschlagen hatte. Sein aktuelles Album, das im September auf dem in Washington, D.C. beheimateten Label ESL (ua Thievery Corporation) erschienen ist, hat er "Panamericana" getauft. Damit bringt er auf den Punkt, warum es ihm in seiner Musik geht, nämlich, wie das gleichnamige System von Schnellstraßen, den gesamten Doppelkontinent zwischen Atlantik und Pazifik zu ergründen und erfahrbar zu machen und in seiner ganzen Vielfältigkeit zu zeigen. So vereint "Panamericana" unterschiedliche musikalische Stile aus unterschiedlichen Ecken Amerikas, vom Tango (selbstredend) über den Bolero, den Hip-Hop, bis zu den Rhythmen Jamaikas.

Und dass das durchaus sehr gut klingen kann, beweist der Track "En El Desierto", ein angenehm dahingroovender Latin-Dub-Pop, der es schon einmal zur MP3 of the Day auf spinner.com gebracht hat!

Dienstag, 15. Januar 2008

Zurück in die Dreißigerzone

Ich möchte nicht allzu viele Worte über irgendwelche Provinzpolitiker und mit dem Feuer der Hetze spielende Zahnarztgattinnen verlieren, weil man solchen Leuten wohl eigentlich gar kein Forum für ihren Wahnsinn geben sollte. Daher nur soviel: Wer muslimische Männer pauschal verdächtigt, Kinderschänder zu sein, begibt sich auf dasselbe Niveau wie jemand, der Juden pauschal der Hostienschändung bezichtigt! Nicht mehr und nicht weniger.

Ich habe die alte Haider-FP-Partie ja - hört, hört - in einem Punkt immer verteidigt: Obgleich sie zweifellos einige weit rechts stehende Elemente beherbergte und sich nur allzu gerne zu einer Schwimmpartie in den braunen Sumpf begab, um den dortigen Bodensatz wahlwirksam aufzusammeln, war sie doch alles in allem eine rechtspopulistische politische Bewegung und in ihrer Gesamtheit keineswegs rechtsextrem zu nennen (dies war eine verbale Entgleisung mancher Linken, damals), zu diversifiziert war da noch das Personal, zu wendig der Filou an ihrer Spitze (dem man ja im Übrigen wahrlich einiges vorhalten kann, aber übermäßige Berührungsängste mit Moslems sicher nicht).

Bei der gegenwärtigen Zahnarztgehilfen-Truppe kann und will ich diese Einschränkung nicht mehr machen.

Montag, 14. Januar 2008

Der Jahresrückblick 2007 - Die Rankings # 2


Das Jahr 2007 war ein Jahr, in dem endlich (gut?) wurde, was lange währte. Ein Jahr, in dem ein gewisser Ernst die Klinke zum Leben herunterdrückte. Ein Jahr, in dem aus der Rückkehr zurückgekehrt wurde. Ein Jahr, das viel versprach und das dann doch viele Fragen offenliess. Ein Jahr, das die Stagnation von 2006 zwar wieder in Energie verwandelte, Energie freilich, die mehrheitlich Potential blieb und nicht kinetisch wurde. Wem das jetzt nicht klar genug war, der sei getröstet: es wird gleich konkreter!

Mit den Jahresrankings kommt System und Wertung in den Nebel der verlaufenen Zeit.


Meine am liebsten gewonnenen Alben des Jahres 2007 - Ränge 8 + 7


  • 8




Social Distortion - White Light, White Heat, White Trash
Label: Epic/Sony BMG
Jahr: 1996
Genre: Punk Rock

Die Genrebezeichnung "Punk Rock" wird dem hier Gebotene eigentlich nur bedingt gerecht. Mike Ness, Frontmann, Gitarrist, Sänger, sowie Herz und Hirn der Band "Social Distortion" vereinigt in der Interpretation seiner Texte und Noten die Wut des Punk mit der coolen Gefährlichkeit des Rockabilly, der verzweifelten Verlorenheit des Grunge, der geradlinigen Härte von Metal und Hard Rock und der tiefgeprüften Seele eines Country-Storytellers. Mit "White Light, White Heat, White Trash" ist ihm zusammen mit der damaligen (jetzt nicht mehr bestehenden) Besetzung seiner Truppe wohl sein Meisterstück gelungen, hier bündeln sich auf dem Boden des Punk in überzeugender Manier die bestimmenden und die vitalen Kräfte des Alternative Rock der 90er Jahre, von Cowpunk bis Grunge, und reichen fruchtbringend in die Vergangenheit zurück, zu Rock´n´Roll, Rockabilly, Countrymusik, Blues. Am Ende dieser Straßen, die dieser Punkrocker aus Orange County, Kalifornien, abgewandert ist, steht es dann: dieses große Rockalbum, vielleicht einer der heimlichen Höhepunkte seiner Dekade.

Social Distortion - I Was Wrong (Cut 4 von "White Light, White Heat, White Trash", Link führt zu YouTube)

"White Light, White Heat, White Trash" auf amazon

socialdistortion.com


  • 7


Randy Newman - Sail Away
Label: Reprise/Rhino
Jahr: 1972
Genre: Pop

Er eröffnet mit einer bitterbösen Parodie auf den "American Dream", jenes wolkige Gebilde, das so wunderbar verschleiert, wieviele unter die Räder der Maschinerie geraten. "Sail Away", der Titeltrack, handelt von einem Sklavenhändler, der in Afrika zukünftigen Sklaven Amerika als das gelobte Land ihrer Träume anpreist:

In America you´ll get food to eat
Won´t have to run to the jungle
And scuff up your feet
You´ll just sing about Jesus and
drink wine all day
It´s great to be an American


Und in diesem zynischen Zungenschlag fährt Randy Newman fort, knöpft sich der Reihe nach die anderen großen Themen der amerikanischen Seele vor: Gott ("He Gives Us All His Love" und "God´s Song", in dem sich Gott höchstpersönlich über die Menschen als eine Art skurriles Unterhaltungsprogramm mokiert, eine Witzfigur der Schöpfung, die trotz der ihr zugefügten Übel in der Verehrung des Allerhöchsten fortfährt), Erlösung ("Old Man"), das Streben nach Ruhm und Reichtum und seine Konsequenzen ("Lonely At The Top", "Burn On" über die Umweltkatastrophen am Cuyahoga River), Sex und Heuchelei ("You Can Leave Your Hat On", jedem in der missinterpretierenden Fassung von Joe Cocker aus dem Soundtrack zu "9 1/2 Wochen" bekannt), sowie Macht und nationale Größe ("Political Science"). Das löst beim Hörer amüsiertes Schmunzeln aus und setzt Nachdenken in Gang.

Musikalisch ist das Ganze, wie es bei einem versierten Songwriter vom Format eines Randy Newman (der später für seine Filmmusiken Oscar, Grammy und Emmy gewann) nicht anders zu erwarten ist, ziemlich vielschichtig geraten. Nachdem er bei seinen ersten drei - nicht sonderlich erfolgreichen - Soloalben jeweils eine bestimmte Herangehensweise ausprobiert hatte, zunächst mit Orchester, dann mit Band spielte, sich schließlich alleine ans Klavier setzte, packte er diese drei Konzepte in "Sail Away" schließlich in eines zusammen, wobei er selbstredend aus dem gesamten Repertoire der amerikanischen Populärmusik, von Jazz, Blues und Gospel bis zum Musical und den Unterhaltungsmusiken der 20er und 30er Jahre, wie auch aus klassischem Liedgut seine Inspiration bezog. Das was der Musik von "Sail Away" dabei dieses gewisse Etwas, diesen ganz besonderen Charme verleiht, das ist dieses leicht altmodische Wesen, dieser Vorkriegstouch, der immer wieder zu spüren ist und der den beißenden, stets aktuellen Spott der Texte wunderbar konterkariert und damit nur noch stärker hervortreten lässt.

"Sail Away" ist vielleicht keine Platte, die einen beim ersten Anhören aus den Socken kippt. Aber es eine Platte, bei der man auf Anhieb spürt, dass ihr etwas überaus Vertrautes innewohnt, wie einem guten alten Bekannten, und dass man sie immer wieder hören wird wollen - und sie nie wirklich unzeitgemäß werden kann. Den amerikanischen Plattenkäufern dürfte es da in gewisser Weise ähnlich ergangen sein wie mir. 1972 kam "Sail Away" über Platz 163 in den Billboard Charts nicht hinaus, aber das Album wurde zu einem Longseller, der auch heute noch in absolut jedem Plattengeschäft zu finden ist.


Randy Newman - Sail Away (Cut 1, Liveversion ohne Streicher)


Randy Newman - Political Science (Cut 7)


Randy Newman - God´s Song (Cut 12, leicht editierte Livefassung)

"Sail Away" (letztes Reissue mit Bonustracks) auf amazon

randynewman.com

Samstag, 12. Januar 2008

Amnesty und Fouad

Mittlerweile gibt es auch eine amnesty-urgent action zum Fall Fouad Al-Farhan.

Bitte unterstützt auch die anderen urgent actions und auch weiterhin diese Petition!

Katzenmusik

Wenn wir schon bei unernsten Katzen-Videos auf YouTube sind, dann darf natürlich Nora nicht fehlen. Diese Katze spielt Klavier. Allerdings frage ich mich, ob die vorher die Klaviatur mit Katzenminze eingestrichen haben..Ist aber auf alle Fälle nett anzuschauen.



Und eine gewisse Berühmtheit hat ihr das natürlich auch beschert..




Unsere Katze präferiert übrigens Wagner und die Komponisten der Romantik und frühen Moderne (im Ernst, jetzt)!


Ah ja, und dann ist da noch Chris..


Donnerstag, 10. Januar 2008

Free Fouad Update

Free Fouad auf CNN..



Felidisch


Wie erwähnt bin ich derzeit Beaufsichtigungs - und Unterhaltungsperson für unsere Katze (ich sage unsere Katze, dabei ist sie de facto die Katze meiner Eltern, da sie in deren Haus lebt, aber so eine Katze ist ja fast so etwas wie ein Familienmitglied..). Da ich nun der einzige Mensch bin, der sich momentan in ihrem Domizil aufhält, fokussiert sich ihr ganzer Drang nach Aufmerksamkeit und Kommunikation auf mich.

Unsere Katze verfügt über ein erstaunliches Repertoire an Ausdrucksformen. Man kann bei ihr sicher mindestens ein Dutzend unterschiedlicher Lautäußerungen unterscheiden, und in Verbindung mit ihrer Mimik, ihrer Körpersprache und dem jeweiligen Kontext kann man schon sehr genau erkennen, was sie einem eigentlich sagen will (zB: "Ich will, dass du mir jetzt diese Schranktür aufmachst, ich will!!, "Setz dich jetzt aufs Sofa, ich will Streicheleinheiten!", "Ich will, dass du jetzt diese Decke da hochhebst und mir daraus eine Höhle machst, weil ich kann das nicht, aber ich will das haben!", "Draussen ist es naßkalt und die Nachbarskatze streunt herum, ich will, dass das aufhört!"). Es ist schon sehr verlockend, darin eine eigene Art der Sprache zu erblicken.

Aber, wer weiß, vielleicht ist das alles ja auch nur Täuschung..

Mittwoch, 9. Januar 2008

Musikgenuss aus Hawei


Meine Eltern sind diese Woche in Cambridge, UK. Das ist der Grund, warum ich zur Zeit in Hawei weile und die Katze unterhalte (momentan schläft sie, siehe "Aktuelle Kamera"). Das ist auch der Grund dafür, dass ich am Sonntag voraussichtlich in ein Konzert im Konzerthaus gehen werde, denn meine Eltern kehren erst am Sonntag zurück und werden dieses Abonnement-Konzert bleiben lassen. Da ich aber folglich über eine zweite Karte verfüge, hier der Aufruf: Wer mitgehen möchte, möge sich melden! Kostenpunkt: Null.

Am Programm steht (Copy+Paste von der Konzerthaus-HP):


Widmann / Isserlis / Várjon
Sonntag, 13. Jänner 2008, 19:30 - ca. 21:30 Uhr


Interpreten
Jörg Widmann, Klarinette
Steven Isserlis, Violoncello
Dénes Várjon, Klavier

Programm
Ludwig van Beethoven


Klaviertrio B-Dur op. 11 «Gassenhauer-Trio» (1798)

Robert Schumann


Drei Fantasiestücke op. 73 für Klarinette und Klavier (1849)



Sonate für Violine und Klavier Nr. 3 a-moll



(Bearbeitung für Violoncello und Klavier: Steven Isserlis)

***

Jörg Widmann


Nachtstück

Johannes Brahms


Trio a-moll op. 114 für Klarinette, Violoncello und Klavier (1891)

Dienstag, 8. Januar 2008

Der Jahresrückblick 2007 - Die Rankings # 1


Das Jahr 2007 war ein Jahr, in dem endlich (gut?) wurde, was lange währte. Ein Jahr, in dem ein gewisser Ernst die Klinke zum Leben herunterdrückte. Ein Jahr, in dem aus der Rückkehr zurückgekehrt wurde. Ein Jahr, das viel versprach und das dann doch viele Fragen offenliess. Ein Jahr, das die Stagnation von 2006 zwar wieder in Energie verwandelte, Energie freilich, die mehrheitlich Potential blieb und nicht kinetisch wurde. Wem das jetzt nicht klar genug war, der sei getröstet: es wird gleich konkreter!

Mit den Jahresrankings kommt System und Wertung in den Nebel der verlaufenen Zeit.


Meine am liebsten gewonnenen Alben des Jahres 2007 - Ränge 10 + 9


Es ist nicht so, dass ich hier jetzt eine Rangliste der besten Alben des Jahres 2007 erstellen möchte. Das wäre anmaßend. Ich habe nur einen winzigen Bruchteil der veröffentlichten Tonträger zur Gänze gehört, ich bin kein Musikjournalist und meine Zeit würde auch keinesfalls ausreichen, um mir all diese Musik zu Gemüte zu führen. Derartige Jahresbestenlisten überlasse ich somit getrost eben jenen Presseleuten bzw. meinen geschätzten Kollegen, den nerdigen Musikbloggern, für die dieser Listenfuror zum Jahreswechsel dazugehört wie für die Skispringer die Vierschanzentournee (übrigens: Janne, bitte weitermachen und die jungen Österreicher fordern, die werden eh noch oft genug gewinnen!).

Wenn man sich diese Listen nun anschaut, so kommt man nicht gerade zu dem Schluss, dass das Jahr 2007 ein überragender Populärmusikjahrgang gewesen ist. Hier finden wir Werke wie "Sound of Silver" von LCD Soundsystem, "Kala" von M.I.A., "Neon Bible" von Arcade Fire oder auch "In Rainbows" von Radiohead. Nein, bei allem gebotenen Respekt vor diesen Acts, aber das Musikrad wurde, so scheint es mir, 2007 nicht wirklich neu erfunden. Und mit dieser Einschätzung stehe ich keinesfalls alleine da.

Aber das ficht mich ja auch nicht an. Denn ich lebe ja sowieso in der ganzen Musikgeschichte - von Anno irgendwann bis zum aktuellen Wahnsinn. Daher geht es in diesem Ranking auch schlicht darum, welche Platten mich im abgelaufenen Jahr begleitet und besonders erfreut haben - unabhängig vom Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung.


  • 10

Johnny Cash - American V: A Hundred Highways
Label: American Recordings/Island Def Jam
Jahr: 2006
Genre: Alt Country

Sein letztes Album. "A Hundred Highways" liess mich Anfang des Jahres desöfteren begeistert und berührt zurück. Nach dem rundum euphorisch gefeierten, düster-schönen „American IV – A Man Comes Around“ („Hurt“, „Personal Jesus“), das sehr viele, auch ich, schon als sein musikalisches Vermächtnis angesehen haben, war man ein bisschen skeptisch in Hinblick auf den posthum erscheinenden Nachfolger. Wieviel von wahrhaftigem Johnny Cash steckt da drinnen, inwieweit hat man es hier vielleicht doch mit einer Art musikalischer „Resteverwertung“ zu tun? Das Ergebnis wischt alle Bedenken vom Tisch. Leichtfüßig-hochmusikalisch kommt die Platte daher, es fehlen vielleicht diese massiven „Hits“, wie sie zumindest auf den beiden Vorgängeralben zu finden sind, aber die einzelnen Nummern sind durchgängig so, wie man es sich nur wünschen kann, ohne Aussetzer. Und: Da ist dieser angenehm leichte, versöhnliche, fast beschwingte Tonfall in den Songs und in Cashs Stimme. Zwar unterliegt diese abhängig vom jeweiligen Gesundheitszustand des Interpreten bereits hörbaren Schwankungen, ein „einheitliches“ Produzieren war nicht mehr möglich – aber auch keinesfalls notwendig. Denn am vorher geäußerten Befund ändert das natürlich gar nichts, ganz im Gegenteil, möglicherweise ist es gerade ein Grund dafür, warum das alles so (scheinbar) unangestrengt daher kommt. Es wäre nun verlockend, in diesem Tonfall eine Art Friedenfinden und Sich-ins-Unvermeidliche-mit-Gelassenheit-fügen zu erblicken, aber der von Rick Rubin verfasste Beipackzettel verrät uns anderes. Offensichtlich fühlte sich Cash gerade 2003, in seinem letzten Lebensjahr, gesundheitlich besser und verspürte gesteigerten Elan, an seiner Musik zu feilen. Wie auch immer, ein würdiger Abschied. Danke, Johnny Cash!


Johnny Cash - God´s Gonna Cut You Down (Cut 2 von "American V: A Hundred Highways")


Johnny Cash - Further On Up The Road (Cut 5)


Johnny Cash - I´m Free From The Chain Gang Now (Cut 12, der letzte)

johnnycash.com

"A Hundred Highways" auf amazon.



  • 9
Arvo Pärt - Tabula Rasa
Label: ECM
Jahr: 1985
Genre: Moderne religiöse Musik


Der Este Arvo Pärt, 1935 in der damaligen Sowjetunion geboren, 1980 zur Emigration nach Berlin genötigt, ist nicht nur der bedeutendste Komponist von Kirchenmusik und spiritueller Musik der Gegenwart, sein Einfluß strahlt weit über diesen Bereich hinaus, in die Avantgarde, die Filmmusik und in avantgardistischere Spielarten der Populärmusik, wie den Postrock. Die Kraft seiner Musik liegt in der Ruhe. Zum Minimalismus hingeneigt, spinnt er schwebend-klingende Klangteppiche von berückender Schönheit, die zwar meist ruhig dahintreiben, aber stets eine innere Spannung und schimmernde Kraft bewahren, die den Hörer im Bann halten. Dabei schöpft Pärt aus seiner profunden Kenntnis und oftmalig kompositorisch erprobten meisterhaften Beherrschung der Musikgeschichte, von der mittelalterlichen Gregorianik und der alten slawischen Kirchenmusik über die Musik der Renaissance zur Romantik und schließlich zu den musikalischen Erneuerern des 20. Jahrhunderts. Somit ist eine Reise in die Klangwelten des Arvo Pärt auch eine Reise durch faszinierende und die Erforschung lohnende Musikwelten.

Uneingeschränkt für jeden zu empfehlen, der offene Ohren und ein großes Herz sein eigen nennt.



Arvo Pärt - Fratres I

www.arvopart.info

Die gegenständliche CD auf amazon.



Für Leute, denen das jetzt ein bißchen zu spirituell war: Nächstes Mal gehts dann in einer ganz anderen Richtung weiter - mit Punkrock und zynischem, großem Pop!

Samstag, 5. Januar 2008

DVD-Player-Einweihung

Am Montag werden der Herr Mitbewohner und ich den neuen DVD-Player einweihen.

Am Spielplan steht:



You are invited!

ab: 20 Uhr
keine Abendkleidung erforderlich

Freitag, 4. Januar 2008

Eine Petition für Fouad

Mittlerweile gibt es auch eine Online-Petition für Fouad Al-Farhan (siehe Post von vorgestern), die eure Unterstützung verdient.

Tuben über Tuben

Das Internetz bringt die Menschen zusammen. Sagt man. Das stimmt sicher, allein deshalb, weil es die Gelegenheit schafft, mit Individuen rund um den Globus jederzeit und mühelos Kontakt zu haben. YouTube ist ein Instrument, das so eine virtuelle Weltgemeinschaft kreiert. Es bildet ab, was die mit Internetzzugang versehene Menschheit beschäftigt und ermöglicht ihr den Austausch darüber. Das Ergebnis mag durchaus auch erschreckend sein, aber man kommt nicht umhin festzustellen, dass es sich hier um Ansätze einer Art globalen Plebiszites handelt (das große Wort von der "Demokratie" möchte ich in diesem Zusammenhang dann doch noch nicht in den Mund nehmen), wenngleich hier natürlich meist reine Banalitäten verhandelt werden.

Es ist insoferne schon verständlich, dass die Machthaber in China Angst haben.

Andererseits wird mit dem Wachstum des Internetz das Bild einer globalen Vereinheitlichung, das Megaseiten wie YouTube vermitteln, auch schon wieder gestört. Ein schönes Beispiel dafür sind die diversen YouTube-Ableger, die, mit adäquaten Inhalten gefüttert, einzelne, sich durch Betonung von Herkunft, Religion, Anschauungen oder Lebensweise abgrenzende soziale Gruppen bedienen. Das Web ermöglicht somit auch wieder die über Kontinente hinausreichende Vernetzung von Individuen mit bestimmten, auch extremen Überzeugungen und somit die Stärkung derselbigen und kann also in weiterer Folge auch zur Verfestigung von Vorurteilen und von Radikalismen und zur Intensivierung von Abgrenzung führen. Dennoch scheint mir das verbindende Element des weltweiten Netzes zu überwiegen. Denn eine andere Welt, eine andere Anschauung, eine andere Kultur ist - das Fehlen von Zensur vorausgesetzt - nur ein, zwei Klicks entfernt!


Es gibt nicht nur GodTube! Auch für die andern gibt es eine eigene Tube:

für World-Of-Warcraft-Fans: wowtube
für Katholiken: kathtube
für Moslems: islamictube
für Juden: jewtube
für Fußballfans: footytube
für Pokerspieler: pokertube
für Jazzer: jazztube
für Perser: farsitube

Und das ist natürlich nur der Anfang.

Mittwoch, 2. Januar 2008

Fouad Al-Farhan

Wenn unsereins eine Liste mit den unangenehmsten Gestalten des Landes erstellt, dann hätte man selbst dann nicht allzu viel zu befürchten, wenn man seinen richtigen Namen drunterschriebe und wenn ein hoher Vertreter des Staates draufstünde (achja, mittlerweile wäre das wohl im übrigen auch der Fall..). In Saudi-Arabien, jenem Staat der unter dem Vorwand der Bekämpfung des islamisch-extremistischen Terrorismus islamisch-extremistische Repression übt, ist das eine andere Sache. Fouad Al-Farhan, jener IT-Unternehmer aus Jiddah, der sein mit seinem richtigen Namen gezeichnetes Blog unter das Motto "Auf der Suche nach Freiheit, Würde, Gerechtigkeit, Gleichberechtigung, öffentlicher Partizipation (shoura) und all den anderen verloren gegangenen islamischen Werten, sowie für Raghad und Khetab" (Raghad und Khetab sind Farhads kleine Kinder) gestellt hat, hat eine solche Liste erstellt und unter anderem einen Prinz und einen hohen Geistlichen daraufgesetzt. Und er hat auch sonst seine Meinung gesagt, etwa zu jener Gruppe saudischer Intellektueller, die wegen angeblicher Verbindungen zu terroristischen Gruppen inhaftiert wurden. Ein Vorwand, wie Fouad Al-Farhan meint, der sich stets zur Gegnerschaft gegen jedweden islamischen Extremismus bekannt hat.

Seit 10. Dezember sitzt Fouad Al-Farhan nun in Haft. In klarem Widerspruch zum saudischen Recht und zu den Menschenrechten wurde er und wurden seine Angehörigen dabei offensichtlich bis heute nicht darüber in Kenntnis gesetzt, was man ihm eigentlich vorwirft. Er werde "befragt", heißt es. Der Verdacht steht im Raum, dass hier ein Exempel statuiert werden soll, um Saudi-Arabiens kritischen Bloggern ein Menetekel an die Wand zu malen.

Freunde von Fouad haben nun eine Website eingerichtet, die mit "Free Fouad" betitelt ist und damit unmissverständlich klar macht, worum es ihr geht. Möge ihnen Erfolg beschieden sein! Dieses Blog wird die Geschichte jedenfalls weiter verfolgen.

Dienstag, 1. Januar 2008