Donnerstag, 28. Februar 2008

Alles Obama, oder was?

Barack Obama befindet sich auf der Siegerstraße. Bevor es nun dienstags in die vermutlich endgültig entscheidenden Vorwahlen in Ohio und Texas geht, hat er eine Serie von 11 gewonnenen primary elections vorzuweisen. Seine Sympathiewerte befinden sich im Höhenflug, keinem/r der im Rennen verbleibenden KandidatInnen fliegen zur Zeit derart die Herzen zu. Laut einer in den "New York Times" veröffentlichten Umfrage haben 45% der wahlberechtigten Amerikaner eine gute Meinung von Obama, bei seiner innerparteilichen Widersacherin Hillary Clinton sind es lediglich 35%, der republikanische frontrunner John McCain erreicht derzeit 36%. Politiker, ja superdelegates, die bisher Clinton offen unterstützt haben, hängen nun ihr Fähnlein in den neuen Wind und wechseln in das Lager ihres Herausforderers. Auch immer mehr Prominente sammlen sich hinter Obama, wie das mittlerweile mehr als 5 Millionen mal aufgerufene YouTube-Musikvideo "Yes We Can" beweist. Als Faktor der Wählerbeeinflussung mag dies zwar eher vernachlässigbar sein, wie die von Bruce Springsteen im Vorfeld der letzen Präsidentschaftswahlen initiierte "Rock for Change"-Tour eindrucksvoll bewiesen hat ("preaching to the converted" nennt man das im US-Jargon), Ausdruck einer Stimmung und einer Dynamik ist es aber auf jeden Fall. "Yes We Can" ist die musikalische Bearbeitung jener Rede, die Barack Obama nach der Vorwahlniederlage in New Hampshire (als Hillary Clinton mit einem Weinanfall noch einmal WählerInnen mobilisieren konnte) hielt und die unter seinen Anhängern Kultstatus erlangte. Überhaupt ist es Obamas rhetorische Brillianz und sein Charisma als Redner, die die Grundlage für seine Erfolge darstellen.

In seinen gefeierten, in wohleingeführter amerikanischer Tradition im Stile von Erweckungspredigten gehaltenen Reden wiederholt Obama zwei Begriffe mantraartig immer wieder: change und unity. Er inszeniert sich selbst als eine Art Retter der Nation, der nach Jahren der Dunkelheit den dringend benötigten Wandel bringen wird und insbesondere eines bewirken wird: die tief gespaltene amerikanische Nation zu einen, das wie in einer Kontinentaldrift auseinandertreibende Amerika wieder zusammenzuführen, sodass alle friedlich vereint an einem Tisch sitzen: der lateinamerikanische Wanderarbeiter neben dem Investmentbanker, der Ku-Klux-Klan-Bruder neben dem Ghetto-Bruder aus der Bronx, der hellfire-and-damnation-Prediger vom Land neben dem WoW-spielende Computer-Nerd aus der City. Diese großartig aufgezogenen Selbstinszenierungen verschaffen Obama auch die Aufmerksamkeit vieler Medien, die ihn schätzen und hätscheln, weil er den gewissen excitement - Effekt mitbringt und die Auflage und die Quoten antreibt.

Man vergleicht Obama folglich schon mit John F. Kennedy und Martin Luther King jr., den beiden großen nationalen Erweckungspredigern der jüngeren Vergangenheit, ein Ausdruck größter Begeisterung und Bewunderung. Für manche scheinen diesem Barack Hussein Obama tatsächlich geradezu messianische Züge anzuhaften.

Hillary Clinton sieht das naturgemäß anders. Aus der schmeichelhaften Position der klaren Favoritin für die demokratische Nominierung, ja der ersten Anwärterin auf den Einzug ins Weiße Haus, hat sie dieser Senator aus dem Bundesstaat Illinois geworfen, nun droht ihr gar der Super-GAU, das Ende aller präsidentschaftlichen Hoffnungen und Träume. Man sieht es ihr an, in ihren öffentlichen Auftritten. Clinton wirkt angespannt, frustriert, grantig. Sieger sehen ganz anders aus. In ihrer Not schlägt sie wütend auf den immer souverän und höflich bleibenden Obama ein und ihr Kernargument lautet dabei: Du, Obama, spuckst große Töne, aber du hast im Grunde keine Ahnung!

Leider hat sie damit nicht ganz unrecht. In der jugendlichen Frische Obamas, die er so gekonnt für seine Zwecke einsetzt, liegt auch seine entscheidende Schwäche. Während etwa Hillary Clinton über lange Jahre bis zur Selbstverleugnung im Politdschungel Washingtons ihre Frau gestanden und in ihrer Zeit im Weißen Haus wie im Kongress die dortige soziopolitische Geographie intensiv studiert hat, sitzt Obama gerade einmal 4 Jahre im Senat. Es scheint kaum vorstellbar, dass er in dieser Zeit bereits ausreichend Seilschaften gebildet und Kenntnisse gesammelt hat, um als Präsident erstens nicht von Einflüsterern abhängig zu sein und zweitens alle seine Vorstellungen auch durchsetzen zu können. Denn eines ist klar: Die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten mag das mächtigste Amt der Welt sein, alleine gegen den Kongress, die pressure groups und die Medien kann auch ein US-Präsident nicht regieren. Schon gar nicht einer, der doch eigentlich gar nicht im Sinne einer "imperialen Präsidentschaft" agieren möchte! Obamas im Wahlkampf immer wieder gepredigte Vision vom nationalen Massenknuddeln allein taugt als Fundament einer starken Präsidentschaft sicherlich nicht. Gleichzeitig ist der Senator Obama aber eben auch nicht der völlig unbelastete "Außenseiter", als der er sich in geschickter Umkehrung seines größten Mankos gerne darstellt.

Sollte Barack Obama das Ticket zu den general elections lösen, wovon derzeit fast auszugehen ist, so wird er es in diesen mit John McCain zu tun bekommen, einem alten Politfuchs und Vietnam-Kriegshelden mit langjähriger Washington-Erfahrung. Dieser Wahlkampf wird von ganz anderen Voraussetzungen ausgehen, als die Vorwahlauseinandersetzung mit Hillary Clinton, die von der Obamaschen Emo-Welle geradezu Tsunami-mäßig überrumpelt und hinweggespült wurde und nur allzu bald die Nerven wegwarf. McCain und die Republikaner werden gewappnet sein und sie werden vor nichts zurückschrecken. In der grimmigen Entschlossenheit, einen (zur Hälfte) afrikanischstämmigen ("afro-amerikanisch" kann man bei Obama eigentlich nicht sagen) "left-liberal" aus dem Norden zu verhindern, werden sie die ganze Maschinerie ihrer wirtschaftlichen und medialen Macht in die Waagschale werfen. Ihre Hassprediger in Funk und Fernseher werden den demokratischen Kandidaten mit Wonne ins Visier nehmen. Da wird wird man dann immer wieder davon reden, dass Barack Obama aus einem säkulär-atheistischen Elternhaus stammt und keine christlich geprägte Erziehung genossen hat. Dass sein Vater ein zum Atheismus gewendeter Moslem war. Dass Obama seine ersten Schuljahre in einem islamischen Land verbacht hat (in Indonesien). Dass sein zweiter (islamischer) Vorname "Hussein" lautet und es deswegen kein Wunder ist, dass er sich derart gegen den Irak-Krieg ausgesprochen hat. Und so weiter. Insgesamt werden die Reps bestrebt sein, das Bild eines politisch völlig unerfahrenen Linksradikalen von fragwürdiger Herkunft zu zeichnen. Der stets um den Anschein der Integrität und der Anständigkeit bemühte McCain wird sich da freilich eher zurückhalten, die Drecksarbeit werden andere für ihn erledigen.

Die Geschichte spricht nicht gerade für einen Wahlsieg Obamas bei den general elections. Seit Kennedy hat kein Nordstaaten-Demokrat mehr eine amerikanische Präsidentschaftswahl gewinnen können, zuviele Stimmen gingen da stets in den reaktionären Sümpfen des Südens und des Mittelwestens verschütt. McCain ist nicht ungefährlich, weil er kein Hardcore-Republikaner ist, sondern ein Pragmatiker mit Hang zum Populismus, der durchaus in der politischen Mitte Stimmen sammeln kann. Gleichzeit spielt auch er - wie Obama - auf der Klaviatur der secular religion, des Amerikanismus. Auf eine andere Weise. McCain beschwört ohne Unterlass die herausragende Großartigkeit der amerikanischen Nation und ihre göttlich-historische Sendung, der Welt ihre Werte zu bringen. Was uns angesichts der Machenschaften der letzten Administration kalte Angstschauer den Rücken hinunterjagt, aber bei vielen Amerikanern immer noch auf fruchtbaren Boden fallen mag. Zudem spricht auch die Entwicklung in der Landschaft der third-party candidates momentan wieder eher für den republikanischen Kandidaten: Michael Bloomberg wird nicht antreten, Ralph Nader und Cynthia McKinney schon.

Die Geschichte lehrt aber auch, dass dieselbige stets im Fluss ist und sich plötzlich historische Fenster öffnen können, durch die jemand, der die Gunst der Stunde zu nutzen weiss, gehen kann. Wer weiss, vielleicht ist Barack Obama eine solche Persönlichkeit. Fest steht aber auch, dass die Siegerstrasse auf der er derzeit wandelt noch lange nicht der Weg ins Weiße Haus oder gar zu einer erfolgreichen Präsidentschaft ist.

Mittwoch, 27. Februar 2008

Aus aktuellem Anlaß..

Das hat sich vermutlich wirklich so zugetragen..



PS1: Dieses Post beinhaltet keine Parteinahme!
PS2: Dies wird kein reines Fußball-Blog! Morgen ist wieder Politik dran (und beim nächsten Mal dann nochmal Fußball)!

Dienstag, 26. Februar 2008

Videohitparade # 3, Teil 1

Sie rollt unaufhaltsam auf uns zu, die Euro. Schon am Opernball wurde sie uns vorgetanzt und jetzt sollen auch noch etliche Kunststoff-Hans Krankls in Wien aufgestellt werden. Angesichts solcher Auswüchse wird es selbst für einen eingefleischten Fußballfreund wie mich Momente geben, in denen das ganze Treiben auf die Nerven fällt (und sich schon eine gewisse Paranoia gegenüber Fix und Fertig - oder wie diese EM-Maskottchen auch immer heissen - einstellt). Ich gelobe in diesem Sinne hiermit, dieses Blog keinesfalls zum reinen Fußball- und EM-Blog werden zu lassen! Nichtsdestotrotz wird mich das Thema freilich beschäftigen. So ist nachwievor die Rubrik "Freund bei Gästen" angedacht, eine nicht ganz ernst gemeinte Auseinandersetzung mit den teilnehmenden Fußballnationen, die hoffentlich auch für erklärte Fußballverweigerer Unterhaltungwert birgt.

Beginnen tue ich aber heute mit Teil 1 eines nostalgischen Rückblickes auf die vergangenen Euro-Championate in Gestalt der elf (jau ;) ) schönsten (mir erinnerlichen) EM-Tore. Enjoy!

  • elf

Euro 2004, 15. Juni 2004, Deutschland vs. Niederlande, Gruppenphase, Estadio do Dragao in Porto, 1:1 Ausgleichstreffer durch Ruud van Nistelrooy in der 81. Spielminute

Van Nistelrooy ist so ein Spieler, den du zuweilen 80 Minuten mit der Lupe suchen musst, der dann aber im entscheidenden Moment doch nicht zu stoppen ist. Das artistische Element dieses Treffers offenbart sich voll und ganz in der letzten Verlangsamung.

  • zehn

Euro 2000, 17. Juni 2000, Portugal vs. England, Gruppenphase, Gelredome in Arnheim, 1:2 durch Luis Figo in der 22. Spielminute

Irgendeiner der englischen Spieler wird sich da in der 22. Minute dieser klassischen EM-Begegnung zwischen Portugal und England schon gedacht haben: "Den sollte man aber jetzt nicht so rennen lassen...." Wer zuviel denkt, der kann schon einmal das Entscheidende verpassen, im Fußball. Figo hatte dieses Problem nicht, er hämmerte den Ball hier einfach ins Netz. Und die Frisur hielt. Portugal gewann übrigens noch mit 3:2.

  • neun


Euro 2004, 14. Juni 2004, Schweden vs. Bulgarien, Gruppenphase, José Alvalade-Stadion in Lissabon, 2:0 durch Henrik Larsson in der 57. Spielminute

Wenn in der warmen Jahreszeit die Zugvögel nach Schweden zurückkehren, feiert man in Schweden traditionell ein Fest, das "Henrik Larsson-Wörfling". Dabei werden kleine Männer mit Glatzen so in der Luft geworfen, dass sie möglichst lange horizontal in derselbigen verharren. Die Sieger dieser fröhlichen Volksbelustigungen erhalten eine Einbauküche und eine E-Gitarre von Gibson.

  • acht

Euro 2000, 21. Juni 2000, Frankreich vs. Niederlande, Gruppenphase, Amsterdam ArenA in Amsterdam, 2:2 Ausgleichstreffer durch Frank de Boer in der 51. Spielminute

Die Franzosen beratschlagten vermutlich gerade noch, wie die Menüfolge beim nachfolgenden Abendessen aussehen sollte, da schnappte sich Frank de Boer die Kugel und machte ihr Feuer unter den Nähten. Da blieb Bernard Lama im Kasten der bleus wie uns allen gehörig die Spucke weg. Die Holländer gewannen die Partie noch mit 3:2. Am Ende des Turniers waren es aber dann freilich die Franzosen und nicht die Oranje, die lachten und Champagner tranken.

  • sieben

Euro 1996, 23. Juni 1996, Tschechische Republik vs. Portugal, Viertelfinale, Villa Park in Birmingham , 1:0 Siegtreffer durch Karel Poborsky in der 53. Spielminute

Ein Eurosport-Kommentator nannte ihn gerne den "böhmischen Schweijk". Das passte, denn ein Pfiffikus das war er, der Karel Poborsky, und ein Ballzauberer darüberhinaus. Hier stolpert er zunächst durch die portugiesische Abwehr und schickt sich in weiterer Folge an, den ersten tschechischen Satelliten in die Erdumlaufbahn zu senden. Der Ball kommt aber wieder runter und fällt hinter dem völligen verdutzten Vitor Baia ins Tor. Es wurde eine dieser tragischen Niederlagen, für die die "Goldene Generation" Fußball-Portugals letztlich auch bekannt geworden ist und die man wohl dereinst in Fados besingen wird. Die Tschechen aber marschierten bis ins Finale, wo dann die gefühls- und gnadenlose Fußballdampfwalze Deutschland der Schweijkiade leider ein Ende bereitete. Poborsky ist jetzt technischer Direktor der tschechischen Fußballnationalmannschaft.

Die zweite Halbzeit wird demnächst angepfiffen.

Freitag, 22. Februar 2008

Jubel, Trubel, Selbstgebranntes


Heute vor einem Jahr begann die Existenz dieses Weblogs. Den Anfang machte dieses Post. Ihm folgten über die letzten zwölf Monate 203 weitere. Dazu wurden (wenn ich richtig gezählt habe) 68 Kommentare verfasst, die meisten zu diesem Beitrag, nämlich 8 an der Zahl. Der von mir am häufigsten gesetzte Tag war "Musik" (50x), gefolgt von "Sport" (26x), "Fußball" (24x), sowie "Comedy" und "Menschenrechte" (je 15x). Wien wurde übrigens 8x getaggt, Linz 7x, ein knappes Rennen.

Diese Site hat laut alexa.com eine globale Reichweite von 0, 000004% (vielleicht bestell ich mir doch einmal ein T-Shirt). Nachdem sie anfangs in diesem Webranking einen steilen Aufstieg hingelegt hat, hat sie zuletzt wieder an Boden verloren und ist aus den 5 000 000 meistbesuchten Seiten gerutscht. Dieses Phänomen ist leicht zu erklären. Anfangs wurde diese Seite mit zunehmendem Geblogge meinerseits auch immer häufiger an unterschiedlichsten Orten verlinkt, sodass sie im für die Reihung der Webpages maßgeblichen Ranking des Suchgiganten Google stieg und folglich auch immer häufiger besucht wurde. Durch die nachdrängende Flut neuer Seiten aus der ganzen Welt musste ein kleines, persönliches Blog wie einwinzer.blogspot.com dann natürlich wieder Plätze einbüßen.

Sei´s wie´s sei, es geht und ging hier ja nie darum, eine besonders große Öffentlichkeit zu erreichen, sondern zunächst einmal um den Reiz des Ausprobierens und des Gestaltens eines höchstpersönlichen Mediums. Nachdem ich mit der Zeit erstaunlich viel Feedback aus dem Freundes- und Bekanntenkreis erhielt, stellte ich zudem fest, dass es auch einen weiteren Zweck erfüllen kann, der am Anfang nur vage angedacht war: eine neue Ebene der Kommunikation mit dem eigenen sozialen Umfeld zu schaffen.

Im Zuge dieses Ausprobierens und Kommunizierens habe ich mich eingehend mit Themen beschäftigt, die ich andernfalls mit mir selbst nicht so intensiv abgehandelt hätte. So habe ich meinen Aufenthalt in China vor gut 3 Jahren noch einmal Revue passieren lassen, ich habe über Musikfestivals berichtet, die ich besucht habe, ich habe Fotostrecken produziert und präsentiert, habe mich mit dem Schicksal eines saudischen Bloggers beschäftigt, habe allerhand Rubriken eingeführt und habe immer wieder persönliche Reflexionen über verschiedenste Themen verfasst. All dies wäre ohne den Anreiz, im Blog regelmäßig veröffentlichen zu wollen, nicht geschehen. So ein Blog fördert mithin auch den Willen zur kreativen Weiterentwicklung der eigenen Interessen und Ausdrucksformen. Als medial tätiger Mensch sieht man die einen umgebende Welt eben mit anderen Augen, der Blick schärft sich, man ist auf der Suche, denn man will ja "darüber" schreiben!

Genug von mir, kommen wir zu dir, werte(r) LeserIn. Anlässlich des einjährigen Jubiläums dieses Weblogs würde mich auch deine Meinung sehr interessieren. Was war bzw. ist gut an diesem Blog? Was war nicht so gut, was wäre zu verbessern? Insbesondere würde mich auch interessieren, welches Post dir in diesem ersten Jahr am besten gefallen hat!?

Nachdem ich weiß, dass Feedback-Geben nicht jedem Spaß macht (mir auch nicht besonders), versuche ich es mit einem Anreiz: wer mir antwortet (per Kommentar, per e-Mail, persönlich, wieauchimmer) erhält die von mir selbstgebrannte "Ohrenfälliges"-Compilation 2007 pressfrisch serviert! Na, das ist doch was!

In diesem Sinne wünsche ich uns ein weiteres interessantes Blog-Jahr und mir, dass Freude und Motivation an diesem Tun auch weiterhin so wie jetzt bestehen bleiben - Faktoren, die insbesondere immer wieder durch Rückmeldungen der RezipientInnen (oder gar einer breiteren Öffentlichkeit) genährt werden. Daher an dieser Stelle vor allem auch eines: ein "Danke" an alle, die diese Seiten wohlwollend aufgenommen haben!

Donnerstag, 21. Februar 2008

Videohitparade # 2, Teil 3

Wer schon gedacht hat, "Wind of Change" ist ein übler Lieblingssong, der sollte sich jetzt besser festhalten. Hier kommen meine 2 peinlichsten (diesmal ohne Anführungszeichen) Lieblingsmusikstücke!



  • zwei



Al Bano & Romina Power - Libertá

Wenn „Wind Of Change“ für mich so etwas wie der Ausdruck der Freude über den (scheinbaren) Triumph einer Gesinnung war, so war „Libertá“ eine emotional-bildhafte Grundlage für diese Gesinnung. Ja, so furchtbar es klingt, aber diese Italo-Schlager-Ballade des Ehegatten-Duos Al Bano & Romina Power hat mich an der Schwelle von der Kindheit zur Pubertät tief beeindruckt und wenn ich zurückdenke, so ist sie für mich eng mit dem Aufkeimen der Bejahung der Freiheit und der Ablehnung jedweder Diktatur verbunden. Genauer gesagt war es das Video zu dem Song. Es wurde damals – zu meinem großen Frohlocken – in der von mir wegen ihrer reizvollen Unberechenbarkeit geliebten ORF-Wunschclip-Sendung „Wurlitzer“ immer wieder gespielt. In dem Clip sitzen Al Bano und die schöne Romina auf einer Burgruine und schmachten ins weite Land, zwischendrein hat ein krankes Genie von „Filmregisseur“ Szenen von Krieg und Unterdrückung, von Stalin, Hitler und Mussolini, gefolgt von Volksaufständen, J.F. Kennedy, Martin Luther King, Gandhi und Mutter Theresa geschnitten. Das fand ich damals mit 11 oder 12 Jahren sehr bewegend. Ich fand es ganz einfach toll, dass da jemand herging, diese wichtigen Dinge in seiner Musik thematisierte und Stellung bezog, während bei anderen Künstlern nur dumm herumgehopst und das für mich damals eher unverständliche Thema Liebe abgehandelt wurde (was war ich nur für ein Kind). Ich beredete damals meine eher widerstrebenden Eltern so lange, bis sie mir doch eine CD der beiden Italiener kauften, nur um dann schwer enttäuscht festzustellen, dass alle ihre restlichen Lieder unerträglicher Schlager-Stumpfsinn waren. Lediglich „Libertá“ blieb mir mit positiven Gefühlen verhaftet. Die Nummer funktioniert für mich immer noch auf irgendeiner Ebene - vorausgesetzt ich höre nicht zu genau hin!


  • eins



Der Erdinger Weißbier - Jingle (hier quatscht zwar Franz Beckenbauer dazwischen, aber dafür kommt das einem Musikvideo noch am nächsten)

Ah, der Erdinger Weißbier-Jingle, der erfrischendste Werbe-Jingle des deutschen Sprachraums! Mich begeistert einfach das Potential dieses Bavaro-Folkrockers! Ich warte begierig auf eine Remix-CD mit Neuinterpretationen der bedeutendsten Remix-Künstler (der "Erdinger Weißbier-Jingle" im LCD Soundsystem-Remix, das wär doch was)!

Einige wichtige Fakten zum Thema Weißbier:

Das älteste historische Zeugnis des Weißbierkonsums, ja des Bierkonsums überhaupt stammt aus dem alten Mesopotamien des 4. Jahrtausends v. Chr. Es handelt sich hiebei um ein bemaltes Tongefäß, das zwei Frauen (!!!) beim Genuß von Bier darstellt. Da man Bier damals aus Weizen machte, muss es sich um eine Art Weißbier gehandelt haben.

Im 16. Jht. wurde die Kunst des Weißbierbrauens von Böhmen nach Bayern importiert. 1548 erhielt der Graf von Degenberg das Privileg, in den bayerischen Besitzungen nördlich der Donau Weißbier herzustellen. Südlich der Donau war das Brauen von Weißbier durch herzoglichen Erlaß jedoch verboten - angeblich, um die Grundversorgung der Bevölkerung mit Weizen nicht zu gefährden..

Nach dem Aussterben der Degenberger Dynastie übernahm der bayerische Landesfürst Maximilian I. (das war der, der die Katholische Liga in den Dreißigjährigen Krieg führte) höchstselbst das Monopol zur Herstellung von Weißbier. Die Grundversorgung der Bevölkerung war nun nicht mehr so wichtig, der Herzog ließ fortan überall brauen. Er belegte das von ihm selbst hergestellte Weißbier mit einer Sondersteuer, zwang aber gleichzeitig sämtliche Schankwirte des Landes dieses auszuschenken, widrigenfalls ihnen die Schankberechtigung entzogen würde..Der Herzog hatte damit eine munter spudelnde Einnahmequelle entdeckt und bald darauf war der marode Staatshaushalt saniert.

Im 18. Jahrhundert ging die Popularität des Weißbieres stark zurück und am 6. August 1798 wurde das Weißbiermonopol der Fürstenfamilie aufgehoben.

Im Jahr 1886 wird erstmals eine Weißbierbrauerei im nördlich von München gelegenen Erding urkundlich erwähnt. Aus dieser Weißbierbrauerei enwickelte sich der Erdinger Weißbräu, der zum größten Weißbierhersteller der Welt avancierte und im Jahr 1990 erstmals die Schallmauer von 1 Mio hl durchbrach (das ist viiiiel Bier...). Überhaupt stammen 90% des weltweit gebrauten Weißbieres aus Bayern. Auch in Österreich gibt es Weißbierbrauereien, und zwar 6 an der Zahl. Diese befinden sich alle in Salzburg oder Oberösterreich.

Erdinger braut ausschließlich Weißbier, dieses aber in 10 verschiedenen Sorten. Unter Weißbier versteht man heutzutage brautechnisch gesehen ein obergäriges Bier, das mit obergäriger Hefe aus Weizen- und Gerstenmalz gebraut wird. In Deutschland muss ein Bier zur Hälfte aus Weizenmalz hergestellt sein, damit es sich ein "Weißbier" nennen darf. Nördlich des Weißwurst-Äquators kennt man diese Biergattung unter der Bezeichnung "Weizenbier".

Das Erdinger Weißbier hat einen eigenen Fanclub, der mehr als 80.000 Mitglieder zählt, darunter Franz Beckenbauer (der auch gut dafür bezahlt wird), Mario Basler oder Lothar Matthäus.

Dem Erdinger Weißbräu ist es gelungen, die Umbenennung der "Erdinger Therme" in "Therme Erding" und der "Erdinger Jazz Tage" in "Jazz Tage Erding" durchzusetzen. Eine Klage des Erdinger Weißbräu gegen den Verlag der Süddeutschen Zeitung wegen des Herausgebens der "Erdinger SZ", einer Regionalausgabe der Süddeutschen Zeitung, wurde aber vom Landgericht München I abgewiesen.

Mittwoch, 20. Februar 2008

Traumtor reloaded

Da haben wir damals gedacht, das Rennen um das NHL-Tor des Jahres sei vorzeitig schon entschieden. Wir haben die Rechnung ohne Rick Nash gemacht (17.1.2008):

Samstag, 16. Februar 2008

Darfs ein bisserl Mehr sein?

Josef Pröll spricht sich in der Tageszeitung "Die Presse" dafür aus, über die Einführung eines "echten" Mehrheitswahlrechtes (d.h. dem angelsächsischen Vorbild folgend je ein persönlich gewählter Mandatar pro Wahlkreis nach dem Prinzip "the winner takes it all" ) nachzudenken. Derartige Überlegungen scheinen auf den ersten Blick duchaus legitim, wenn man sich die von Gezänk, Obstruktion und gegenseitigem Misstrauen geprägte Realität der derzeitigen Koalitionsregierung ansieht. Prölls Intervention kommt aber zu einem auffallend schlechten Zeitpunkt.

Der Volkspartei, das ist jene Partei, als deren zukünftiger Leader Umweltminister Pröll bekanntlich gehandelt wird, fliegt derzeit die vom ehemaligen BKA-Chef Haidinger gezündete Polit-Bombe um die Ohren. Dieser und sein Mitarbeiter Schneider zeichneten zuletzt das Bild einer Regierungspartei ÖVP, die sich der im Innenministerium angesiedelten Ermittlungsbehörden rechtswidrig als einer Art Partei-Geheimdienst bedient, um einerseits belastende Material gegen politischen Gegner zu sammeln und anererseits die eigene Weste rein zu halten. Diese Enthüllungen werfen ein überaus schlechtes Licht auf den Umgang dieser österreichischen Großpartei mit der Macht. Und ausgerechnet ein führender Repräsentant dieser öVP fordert nun also ein Wahlsystem, dass es ihr einmal ermöglichen könnte, in alleiniger Machtfülle zu regieren und dass die im politischen System Österreichs etablierten kleineren Oppositionsparteien an den Rande der Vernichtung bringen würde? Keine gute Optik, fürwahr.

Das Mehrheitswahlrecht mag durchaus seine Vorzüge haben, so ermöglicht es in der Regel klare(re) Mehrheiten und macht Zeit und Energien frei, die sonst bei mühsamen Verhandlungsrunden zwischen ideologisch unterschiedlich ausgerichteten und stets um die Schärfung ihres eigenen Profiles bemühten Partnern/Gegnern gebunden werden. Es ermöglicht weiters das konsequente Umsetzen neuer Konzepte, ohne dass diese bei der Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner verwässert werden. Das Mehrheitswahlrecht nach angelsächsischem Vorbild, wie von Pröll vorgeschlagen, hat aber auch einen ganz wesentlichen Nachteil: es ist bedeutend weniger demokratisch als ein Verhältniswahlrecht, weil es den Wähler oder die Wählerin meist de facto nur mehr vor die Alternative stellt, für einen oder eine der (beiden) aussichtsreichen KandidatInnen zu stimmen, weil die eigene Stimme andernfalls wertlos wird und in dem Falle der Stimmabgabe für einen "Dritten" letztlich nur der oder die weniger gewünscht(e) KandidatIn profitiert. Auf diese Weise werden aber Minderheitenpositionen systematisch ausgeschaltet. Selbst andere Varianten des Mehrheitswahlrechtes bzw. des gemischten Mehrheits- und Verhältniswahlrechtes, wie jene von mir persönlich für äußerst charmant befundene, wonach die stärkste Partei gerade so viele Mandate erhält, dass sie sich unter den anderen im Parlament (nach Verhältniswahl) vertretenen Parteien einen beliebigen Koalitionspartner aussuchen kann, setzten aber nun zumindest eines voraus: eine gewisse politische Kultur und einen verantwortungsvollen Umgang mit der Macht.

Es ist sehr fraglich, ob das in Österreich gegeben ist, wo die politischen Akteure (und hier sind jetzt ausnahmslos Vertreter aller Couleurs gemeint) traditionell mehr Energie in das Eintunken und Schlechtmachen des Gegners investieren als in den Wettbewerb der Ideen oder in sachliches Argumentieren.

Sollte es aber tatsächlich eines Tages zur Einführung eines Mehrheitswahlrechtes kommen, so müsste zumindest eines auf jeden Fall passieren: eine spürbare Stärkung der Rechte der parlamentarischen Opposition. So müsste etwa für die Minderheit im Nationalrat die Möglichkeit geschaffen werden, jedes Jahr eine bestimmte Zahl von Untersuchungsausschüssen in Gang setzen zu können, ohne das dies von der mit der Regierung verbandelten Parlamentsmehrheit niedergestimmt werden kann.

Es wäre interessant zu wissen, ob sich die Pröll-ÖVP dafür dann auch begeistern könnte.

Donnerstag, 14. Februar 2008

Mittwoch, 13. Februar 2008

Videohitparade # 2, Teil 2

Dies ist die Fortsetzung der gestern angefangenen Videohitparade meiner 5 "peinlichsten" Lieblingssongs..

  • vier

Madonna - La Isla Bonita

Der Titel dieser Madonna-Nummer aus dem Jahr 1987 klingt ein bisschen wie ein süßer Cocktail und genauso ist sie auch. Das Stil- und Klangbewusstsein der zweiten Hälfte der Achtziger Jahre verbindet sich hier mit der populären Musik Mittelamerikas. Die spanische Gitarre klimpert vor sich hin, die Trommeln schlagen einen karibischen Rhythmus und alles fühlt sich irgendwie sehr nach dem sonnigen Traumurlaub an, wie er im Reiseprospekt verheissen ist. Kitschig? Mag sein, aber trotzdem irgendwie entzückend. Popmusik darf manchmal durchaus so sein, nämlich dann, wenn sie derart den Nagel auf den Kopf trifft wie hier. Und einen Ohrwurm gebiert, der gerade noch nicht so knallig ist, dass er unangenehm im Gehör picken bleibt. Alles in allem ein süßes Stück Eskapismus, das die so genannte Queen of Pop da geschaffen hat, nachdem der so genannte King of Pop, Michael Jackson, diesen Track abgelehnt hatte. Dazu passt auch dieses sehr 80er-mäßige (Stichwort: komisch tanzender, bunter Menschenhaufen) und doch stimmige Video, in dem die noch junge Hauptprotagonistin trotz der zeitbedingten Kurzhaarfrisur in einem sehr roten Kleid sehr gute Figur macht (Stichwort Stilikone) und übrigens der junge Benicio del Toro einen Auftritt hat.

Solch einen süßen Eskapismus braucht der Mensch ab und zu wirklich.


  • drei
Scorpions - Wind Of Change

Ende der 80er Jahre war auch die Zeit großer weltpolitischer Umbrüche. Der kommunistische Block geriet ins Wanken und fiel schließlich, gemeinsam mit dem Eisernen Vorhang und der Berliner Mauer, in Trümmer. Sehr zu meiner Freude im Übrigen, denn ich habe für den Kommunismus - eine kurze, wenig reflektierende Phase in der Pubertät einmal abgesehen - nie irgendwelche Sympathien gehabt. Das fing schon in der Kindheit an, als ich bei Olympischen Spielen und anderen großen Sportereignissen immer vor dem Fernseher klebte und die Wettkämpfe verfolgte. Schon beim Einmarsch der Nationen waren mir die Vertreter der Oststaaten da suspekt, wenn sie hinter ihren in aggressivem Rot gehaltenen und mit den nüchtern-strengen Symbolen körperlicher Arbeit verzierten Fahnen in relativer militärischer Strenge und mit finsteren Mienen einmarschierten. Vielleicht übertreibe ich ja jetzt ein bisschen, aber zumindest in meiner Erinnerung haben sie sich auf diese Weise von den restlichen Teilnehmern abgehoben. Dazu kamen dann auch noch die ständigen Gerüchte, die Ostathleten würden zwangsweise mit allerlei illegalen Mitteln manipuliert, um sie zum funktionieren zu bringen (dass auch die Amerikaner bis zur Schädeldecke mit verbotenen Substanzen vollgepumpt waren, das wusste man damals noch nicht). Alles war bei ihnen in strenger, grauer Monotonie gehalten und ich hatte das Gefühl, dass das dahinterstehende politische und gesellschaftliche System dem entsprechen musste: grau, harsch, trübsinnig und gängelnd!

Das war es wohl auch, denn Ende der 80er Jahre schließlich entledigten sich die Menschen des diktatorisch-sozialistischen Korsetts, ein gewisser Gorbatschow machte den Anfang, wohl ohne zu ahnen, wie schnell das nun gehen könnte, und die Menschen in den osteuropäischen Ländern nahmen diesen Impetus dankbar und begierig auf.

Als es dann vollbracht war, war es für mich und viele andere so, als ob Schatten von der Erdkugel genommen worden wären, und zwar der Schatten der feindseligen Abgeschlossenheit eines Teiles der Welt, aber auch der Schatten eines drohenden nuklearen Winters nach einem großen Krieg mit Kernwaffen. Der amerikanische Philosoph Francis Fukuyama postulierte gar das "Ende der Geschichte".

Der Track "Wind Of Change" der an sich sehr mäßig begabten Metal-Popper Scorpions war 1991 der Song der Stunde, er brachte den naiven Optimismus jener Jahre auf den Punkt. Da heißt es unter anderem so schön:

The world closing in
Did you ever think
That we could be so close, like brothers
The future's in the air
I can feel it everywhere
Blowing with the wind of change

und:


The wind of change blows straight
Into the face of time
Like a stormwind that will ring
The freedom bell for peace of mind
Let your balalaika sing
What my guitar wants to say



Naive Zukunftshoffnungen, wie gesagt, aus der Euphorie des Augenblickes heraus entstanden, die böse an den weiteren Verlauf der Zeitgeschichte prallten. Deutschland wurde durch die überhastete Durchführung der Wiedervereinigung in eine wirtschaftliche und soziale Krise gestürzt, in Russland führte der Weg über die postkommunistische Oligarchie wieder zurück in eine sich Großmachtsfantasien hingebende und Drohgebärden setzende autoritäre Herrschaft. Eine neue Bedrohung entstand aus dem Vakuum, das der Kalte Krieg hinterließ, Menschen, die sich immer mehr als Verlierer der Geschichte empfanden und in ihren religiösen Werten von der um sich greifenden "westlichen" Dominanz angegriffen fühlten, die einst Verbündete der Großmächte gewesen waren und sich nun den in ihren Augen dekadenten Westen zum Feindbild erkoren. Dies führte zu 9/11 und dem Wiedererstarken einer populistisch-religiösen Rechten im Iran, was wiederum den Missbrauch dieser neuen Situation durch eine skrupellose Clique an der Spitze Amerikas zur Folge hatte. Einer, der lange mit besagter Clique mitmarschierte, war dabei bezeichnenderweise eben jener Francis Fukuyama, der nach dem Fall des Kommunismus vorlaut das "Ende der Geschichte" verkündet hatte. Nun setzte er sich dafür ein, im Irak und im Krieg gegen den Terror hart durchzugreifen. Fukuyama sah wohl plötzlich seine theoretischen Felle davonschwimmen, wiewohl er mittlerweile wieder entsetzt den Rückwärtsgang eingeschlagen hat. In Südamerika wiederum, dem über Jahrzehnte weidlich ausgenutzten "Hinterhof" der USA, erhoben sich große soziale Bewegungen, die heftig mit dem eben erst gescheiterten Kommunismus zu flirten begannen. In China schließlich konnte sich die alte kommunistische Elite an der Macht halten, in dem sie einfach rechtzeitig daranging, ihre linke Diktatur in eine rechte Wirtschaftsdiktatur umzumodeln. Und Europa? Auch hier stellen wir mit großem Unbehagen fest, dass Machthabende, auf die wir in Wahrheit nicht den geringsten Einfluß haben, munter daran arbeiten, immer mehr in unsere Freiheit einzugreifen.

Wie sagte die von den Neokonservativen gesteuerte Marionette von einem US-Präsidenten einmal in einem jener Augenblick völlig unfreiwilliger Weisheit und/oder Witzigkeit: "I believe we are on an irreversible trend towards more freedom and democracy, but that could change!"

Der "Wind of Change" weht, aber wir wissen nicht so genau wohin. Immerhin, jedesmal wenn ich dieses, musikalisch zweifellos durchaus fragwürdige, Lied höre, kommt ein Moment jener damaligen Hoffnung als Erinnerungsfetzen zurück. Und die Hoffnung, die stirbt ja bekanntlich zuletzt.


Das nächste Mal geht es dann mit den wirklich, wirklich argen Nummern eins und zwei weiter und zu Ende..

Dienstag, 12. Februar 2008

Videohitparade # 2, Teil 1

Ein Outing

Jeder kennt sie. Diese Musikstücke, die Freude bereiten, wenn man sie hört, zu denen man aber - aus welchen Gründen auch immer - irgendwie nicht wirklich stehen will. Die Gründe hierfür können unterschiedlich sein, meist liegt es aber daran, dass man ganz genau weiß, dass sie einem eigentlich nicht gefallen sollten, dies, weil sie in irgendeiner Hinsicht - sei es nun in originär musikalischer oder auch in sonstiger ästhetischer oder aufgrund von ihrem Kontext - Ingredienzien enthalten, die einem sonst (zumindest heutzutage) gegen den Strich gehen und bei denen man annimmt, dass dies mit gutem Grund geschieht. Und dennoch, diese "heimlich-peinlichen" Nummern sagen vielleicht oft mehr über uns aus, als die durch soziale Zugehörigkeit und Selbstverortung mitgeprägten sonstigen Faibles. Hier kommen meine 5 "peinlichsten" Lieblingssongs:

  • fünf
Bryan Adams-(Everything I Do) I Do It For You

Meine erste Begegnung mit diesem Lied erfolgte im Jahr seines Entstehens, 1991, in einem Haus in dem Londoner Stadtteil Richmond, wo wir uns mit einer befreundeten Familie aufhielten. Wir hatten gerade stundenlang weiß gekleideten Männern dabei zugesehen, einem sonderbaren Sport zu frönen, der entfernt dem amerikanischen Baseball ähnelte, jedoch überhaupt keinen Sinn zu ergeben schien, als wir schließlich entnervt umschalteten und uns plötzlich in einem mittelalterlichen Wald wiederfanden, in dem ein junger Rockbarde ein wundersames Lied vor sich hin schmachtete. Einer der Söhne der befreundeten Familie meinte sogleich, dass das nicht schlecht sei, aber ich war skeptisch eingestellt. Schließlich hatten wir gerade erst einen Tag zuvor eine recht lebhafte Diskussion geführt, in der ich allen Ernstes die Auffassung vertreten hatte, dass die Popmusik seit den 60er Jahren und den Beatles nichts wirklich Nennenswertes mehr hervorgebracht hätte und insbesondere gewisse gegenwärtig groß im Gespräch befindlichen Bands namens R.E.M., U2 und Nirvana nichts anderes wären als düstere Langeweiler, die das Erbe der großen Pop-Vergangenheit in kläglicher Weise auswaideten. Diese kleine Kontroverse beschreibt meinen damaligen Status betreffend populärer Musik ganz gut. Im Grunde hatte ich in den Jahren zuvor klassische Musik und alte Countrymusik gehört, sowie jene Popmusik, die sich in der Plattensammlung meiner Eltern befand, also hauptsächlich die heilige Dreifaltigkeit der British Invasion: Beatles-Stones-Kinks. Die Pop- und Rockmusik der Zeitgenossen hingegen war mir ein Buch mit sieben Siegeln. Sie war für mich die Musik düster dreinblickender, sonderbar gekleideter Adoleszenter, auf deren T-Shirts unfassbare Dinge abgebildet waren. Damit wollte ich nichts zu tun haben. Immerhin, so sah dieses Balladenbubi nicht aus, und außerdem hatte er sich mit Kevin Costner alias Robin Hood verbündet, dem Beschützer der Witwen und Waisen, den ich erst kurz zuvor in einer Schultheateraufführung gespielt hatte (Robin Hood, nicht Kevin Costner). Trotzdem blieb ich zunächst misstrauisch.

Ich fuhr zurück nach Österreich und das sonderbare Lied blieb in meinem Kopf hängen. Ich hatte gerade erst seit kurzer Zeit wieder den Kontinent unter den Füßen, da tauchte der blasse Typ samt Wald auch schon wieder auf, diesmal im heimischen TV und den heimischen Charts. Und er blieb dort und in den Hitparaden aller anderen bekannten Länder und Territorien, wie auf dem ersten Platz festgenagelt, Woche für Woche und wieder Woche für Woche. Es gab kein Entrinnen. Schließlich resignierte ich und beschaffte mir eine dieser BRAVO-Jahrescompilations, auf denen 95% Schrott waren, die man aber dann doch wegen dem einen Lied gekauft hat. Auf dieser Compilation war auch eine Nummer dieser amerikanischen Band mit dem seltsamen Namen, R.E.M. Ich fand es natürlich zunächst richtig schlecht, aber in der Folge begann sich das langsam, ganz langsam zu ändern.

Derweil rutschte ich aber immer tiefer in das Bryan Adams-Ding hinein. Ich hielt ihm tatsächlich über eine ganze Reihe von Platten die Treue. Als erstes erwarb ich "So Far So Good", eine Anthologie seines Frühwerks und stellte mit Überraschung und leichtem Gruseln fest, dass dieser Kanadier nicht nur folkig-poppig vor sich hinschmachtete, sondern auch eine ganz andere Seite hatte, ein dunkle: Er machte die Musik der finsteren T-Shirt-Träger - ROCK! Die Scheibe bretterte gleich mit "Summer of 69" los (eine Nummer, die ich schon allein wegen der Anekdote immer lieben werde, wonach der US-amerikanische Roots-Rocker Ryan Adams, der regelmäßig von betrunkenen Konzertbesuchern lautstark aufgefordert wird, diesen Song zu spielen, einmal von der Bühne gesprungen ist und sich mit einem dieser Scherzbolde eine wilde Schlägerei geliefert hat) und mir war klar: wenn dieser Schnulzenbursche ein wilder Rocker sein kann, dann kann ich das auch. So leistete dieser kanadische Romanticrocker einen nicht zu verachtenden Beitrag zu meiner musikalischen Sozialisation. Als Mister Adams 1996 mit "18 Till I Die" sein (neben der MTV Unplugged-Session) bestes Album ablieferte und dabei angestrengt versuchte, sich den Hauch eines zeitgemäßen 90er-Jahre AltRock-Anstriches zu geben (er machte diesen Richtungswechsel im Übrigen nachher wieder rückgängig, offensichtlich waren seine Fans nicht mitgezogen), war ich bereits im Begriff, in eine ganz andere Richtung zu driften.

to be continued...


Der Minister und das Almosen

Die christlich-soziale ÖVP ist also strikt dagegen, die Armen mit "Almosen abzuspeisen" Ein sehr lesenswerter Kommentar dazu findet sich im heutigen Standard (unter Meinung > Kommentar
der anderen)!

Sonntag, 10. Februar 2008

Diese Osamas

Ein Nachtrag zum da erstmals angeschnittenen Themenkreis "Bewältigung von Ängsten durch Humor". Diesmal aus Deutschland (läuft auf Comedy Central).

Samstag, 9. Februar 2008

Ghanaisches Fußballwetter

Die sind so eiskalt, da fällt bald Schnee in Ghana!

Der Kommentator der donnerstäglichen Afrika-Cup-Halbfinal-Partie Elfenbeinküste-Ägypten auf Eurosport über die ägyptische Fußballnationalmannschaft


Meine bisherigen Begegnungen mit dem Africa Cup Of Nations waren - vorsichtig ausgedrückt - von der eher durchwachsenen Sorte. Ob das jetzt repräsentativ ist oder nicht, aber in meiner Erinnerung waren das bisher torarme Spiele in sengender Hitze auf rumpeligem Geläuf und vor geisterhafter Kulisse. Dazu kam auch noch die meist schauderhafter Qualität der gebotenen Fernsehübertragung - düster, verwackelt und monoton.

Dieses Jahr ist alles anders. Der Africa Cup Of Nations erfreut durch Fussballübertragungen in bester Qualität, spannende und torreiche Begegnungen auf hohem Niveau und eine freundlich-fröhliche Stimmung in einem Ausmaß, wie man es selten geboten bekommt. Auf dem Spielfeld geht es dabei im übrigen durchwegs hart und körperbetont zur Sache, echte Gehässigkeiten, wie man sie bei den letzten großen Championaten gerade auch bei den Begegnungen der großen europäischen Fußballnationen zu Gesicht bekam, suchte zumindest ich bisher aber (von dem eher skurrilen Angriff des Kameruners Bikey auf einen Sanitäter abgesehen) vergeblich. Was möglicherweise auch damit zu tun hat, dass die souverän agierenden Schiedsrichter von allzu großer Kleinlichkeit von vornherein Abstand nehmen. Auch in taktischer Hinsicht, in Belangen der Spieldisziplin und teilweise auch bei den Torhüterleistungen (man nehme etwa Ägyptens El Hadari) scheint der afrikanische Fußball seinen Klischees immer mehr davonzulaufen. Was Wunder, wenn man bedenkt, wieviele Kräfte unseres südlichen Nachbarkontinents mittlerweile in den größten Mannschaften Europas tragende Rollen einnehmen.

Natürlich ist (noch) nicht alles ohne Makel: Die Trainer schimpfen über den Zustand des Rasens im Stadion und fluchen über die zahlreichen organisatorischen Pannen im Umfeld der Matches (komischerweise dürfte insbesondere Kamerun im Vorfeld der Halbfinalpartie gegen die Hausherren Ghana davon betroffen gewesen sein..). Dennoch: diese Veranstaltung kann sich sehen lassen und der hier gebotene Kick sowieso! Afrikas Fußball scheint für die nächsten Weltmeisterschaften "zuhause" in Südafrika im Jahr 2010 gewappnet zu sein.

Derzeit liefern sich Ghana und die Elfenbeinküste eine äußerst unterhaltsame Begegnung um Platz 3. Morgen, um 18.00 (live auf Eurosport) steht dann das große Finale zwischen den coolen Äyptern, die eine Großmacht des Weltfußballs sein könnten, wenn sie ihre WM-Qualifikationen nicht immer auf fremden Plätzen versemmeln würden, und den alten afrikanischen Helden aus Kamerun an. In der Gruppenphase trafen diese beiden Teams bereits einmal aufeinander, Endstand damals: 4:2 für die "Pharaonen". Die Vorhersage für das morgige Endspiel: wärmstens zu empfehlen!

Donnerstag, 7. Februar 2008

Neues Tönen

Als S. und ich unlängst den Pakt schlossen, in zwei Jahren eine Band zu gründen, erschien mir dies reichlich absurd. Absurd deswegen, weil eigentlich keiner von uns ein Instrument beherrscht. Aber, andererseits, wenn sich die Revolution dieser beiden Herren durchsetzt (die im Übrigen hervorragende Musiker sind), dann ist das vielleicht nicht mehr so ein großes Problem:



Dank an Christoph M.!

Mittwoch, 6. Februar 2008

Trotzdem

Ja, so zeigt man Moral! Die österreichische Fußballnationalmannschaft hat im Ernst Happel-Stadion im EM-Vorbereitungsspiel gegen Deutschland eine aufopferungsvolle Partie gegeben! Trotz der sonderbaren Aussagen des Teamchefs vom Vortag, ja, vielmehr wohl gerade deswegen, wie das Statement von Roland Linz nach der ersten Hälfte zeigte, der meinte, man wolle ja schließlich wirklich gewinnen.. Hickersberger hat das Fass zum Überlaufen gebracht und seine Mannschaft hat mit erstaunlicher Charakterhaftigkeit darauf reagiert. Eine geniale psychologische Finte des Nationaltrainers? Ich zweifle erheblich daran, zu gut passt dieses Verhalten in das bisherige klägliche Muster. Also eher ein Zufallstreffer. Bleibt abzuwarten, ob dieser neugefundene Stolz auch vorhält, wenn es nicht gegen den gefühlten Lieblingsgegner geht.

Trotz unbändigen Einsatzes und einer vor Motivation geradezu glühenden österreichischen Elf hat es eine 0:3 Schlappe gegeben. Dies nur auf Pech zurückzuführen, wie dies Hickersbergers Cordoba-Kumpel Prohaska in der Analyse versuchte, greift zu kurz. Pech im Fußball kann allenfalls in einer schlechten, benachteiligenden Schiedsrichterleistung oder einem äußerst unglücklichen Spielverlauf bestehen, niemals, aber, niemals, sorry, in der Unfähigkeit, vorhanden Torchancen in Tore umzumünzen! Dies ist ja gerade die Königsdisziplin im Fußball. Die Unsitte, von einer unglücklichen Niederlage zu sprechen, wenn die eigenen Spieler mangels Konzentration, Entschlossenheit, Präzision und Schnelligkeit nicht in der Lage waren, den Ball ins Tor zu bugsieren, ist aus dem zutiefst menschlichen Gefühl heraus verständlich und nachvollziehbar, dass man vom Schicksal ungerecht behandelt wurde. Diese Sichtweise hat aber niente, null, nada mit der Realität zu tun! Noch unsinniger natürlich Prohaskas Behauptung, Österreich "hätte zur Pause 5:0 führen müssen". So als ob irgendjemand auch nur ansatzweise sagen könnte, wie Deutschland und Österreich im Falle einer Führung der Gastgeber reagiert hätten, wie sich das auf den Spielverlauf ausgewirkt hätte (Österreich ermauert ein 1:0? Deutschland schaltet einen Gang höher und gewinnt 7:1?).

Dennoch, diese österreichische Selektion hat Potenzial, das hat sie heute durchaus bewiesen, auch wenn die gefühls- und gnadenlose Fußballdampfwalze Deutschland wieder einmal gezeigt hat, wie man Effizienz schreibt. In Hickersbergers Truppe da gibt es Spieler, die in den Ligen Englands (Pogatetz, der Pardonnierte, der einst von Hickersberger verbannt wurde, weil er die Wahrheit sagte), Italiens (Manninger, Garics), Hollands (Prager), Portugals (Linz!), Griechenlands (Ivanschitz, Macho) und Russlands (Stranzl) ihren Mann stehen, da gibt es Riesentalente wie Harnik, Prödl und Kavlak. Das hat auch Deutschlands für Sachlichkeit bekannter Coach Jogi Löw erkannt, der im ORF-Interview verlauten ließ: "Die Österreicher haben gute Spieler, das haben wir gewusst. Auch wenn die Österreicher oft selbst nicht dran glauben. " Touché, Hicke! Vielleicht ist der rot-weiß-rote Coach aber von der heutigen Vorstellung doch so beeindruckt, daß er jetzt eine zeitlang davon abläßt, seine eigenen Spieler und den österreichischen Fußball im Allgemeinen herunterzureden. Anlass dazu hätten ihm seine Akteure heute gegeben. Schlecht, nein schlecht ist dieses Spielermaterial sicherlich nicht. Hoffentlich wird es in Zukunft auch nicht mehr dermaßen vercoacht.

Dienstag, 5. Februar 2008

Immer das gleiche Leid

Der Meister der Demotivation ist wieder umtriebig und stellt wieder Persilscheine für allfälliges späteres Versagen aus. Unfassbar.

Salzkammerguttut

Leicht überspitzt könnte man ja sagen, dass das Salzkammergut im Grunde genommen nur zwei Aggregatszustände kennt: entweder es ist finster und trist oder es ist so strahlend schön, dass einem das Herz aufgeht. Was gar nicht einmal so schlecht ist, denn damit gibt es einem einen klaren Lebensrhythmus vor.

Gestern war wieder einer jener Tage, an denen man in Bad Ischl über eine der Traunbrücken geht und plötzlich für einen Augenblick den Atem anhält, weil es so schön ist. So klar. So friedlich. So erfrischend.

Natürlich ist meine Wahrnehmung subjektiv gefärbt, denn dieser Ort bedeutet mir einfach einiges. Als Kind hatte ich nichts besseres zu tun, als in den Ferien jedes Mal hierher zu fahren und dann auch bis zum Ferienende zu bleiben. Etwas anderes kam für mich gar nicht in Frage.

Auch heute noch benötige ich die immer wiederkehrende Verbindung mit diesem Ort, auch, weil er so etwas wie eine Konstante in meinem Leben darstellt, eine gefühlte Heimat. Wenn es mir eines Tages nicht mehr möglich sein sollte, hierher zu kommen, wäre das mit dem Verlust eines wesentlichen Teiles meiner selbst gleichbedeutend. Es ist jener Teil meiner Seele, der sich aus dem Wiedererleben schöner Augenblicke heraus erneuert. Hierher komme ich, um meine Seele durchzulüften.

Nicht immer stellt sich dieser Effekt dermaßen rasch und zugleich eindrücklich ein wie am gestrigen Tag, an diesem wunderschönen, klaren Sonnentag, an dem man hier zeitweise im kurzärmeligen Leibchen in der Sonne stehen konnte, ohne zu frieren.

Ich bin ja kein besonders versierter Fotograf, aber ich hoffe, meine an diesem Tag gemachten Bilder können trotzdem etwas von dieser Stimmung vermitteln.


Über Bad Ischl thront die majestätische Zimnitz.



An der Traun.




Wenn Reinhold Messner einmal mit dem Kailash und dem Fujiyama fertig ist, kann er mit mir den Siriuskogel erklimmen. Das ist so etwas wie mein heiliger Berg.



Rechterhand der "Einsiedlerstein", ein magisch anmutender Felsbrocken im Wald des Siriuskogel, in Wahrheit ein Findling aus der Eiszeit.

Ein Lieblingsplatz.


Manche mögen so eine Gegend nicht, weil ihnen hier die Weite fehlt. Dabei ist sie ja da, sie ist eben nur nicht immer horizontal angeordnet.

Alle Bilder.

Sonntag, 3. Februar 2008

Große Performances

Da ich an diesem schönen Tag gerade bei der Abreise in das Salzkammergut bin (was diesem Blog natürlich keinen Abbruch tun wird), diesmal nur ein schneller Zwischenhappen in Gestalt von drei Videos, die veranschaulichen sollen, was eine große Performance ist.


Stell dir vor, da spielt eine Truppe mit der Energie einer Punk-Band, aber sie beherrschen ihre Instrumente wie ein Haufen perfektionistischer Jazzer! Der überirdische Drummer dieser Ventures in dem Video heißt übrigens Mel Taylor und so mancher berühmter Schlagzeuger der 60er Jahre bekam den Granitblock mit der Inschrift "leider kein neuer Mel Taylor" umgehängt (Ringo Starr zB..). Da soll noch jemand allen Ernstes behaupten, die Rockmusik hätte sich Anfang der 60er Jahre - vor der "British Invasion" - in einem Tal befunden..


The Ventures - Wipe Out (das Original dieses Surfrockers stammt von den Surfaris)


Auch eine ziemlich inspirierte Darbietung. Diesmal Zeitgenossen mit langen Bärten.


Band of Horses-Is There A Ghost (@Letterman Show, 18.10.2007)


Gegen Ende wirkt es phasenweise so, als hätte hier jemand auf schnellen Vorlauf gestellt - Jewgeni Kissin spielt "La Campanella" (Dank an Markus).


Jewgeni Kissin - La Campanella (Liszt nach einem Thema von Paganini)

Freitag, 1. Februar 2008

Von der Wahrnehmung zur Falschnehmung

Die menschliche Wahrnehmung ist ein fieses Ding. Wenn wir etwas nicht verstehen, nicht erklären, nicht zuordnen können, dann verzerrt sie sich gerne mal einfach so, dass wir meinen etwas Bestimmtes zu erkennen. Denn nichts erscheint uns bedrohlicher als die Ungewissheit über das uns umgebenden Universum. In uns steckt nämlich das Bewußtsein, dass, wenn wir nicht in der Lage sind zu erkennen, was rund um uns geschieht, wir nicht fähig sind, adäquat zu handeln und damit letztlich unser Überleben zu sichern. Aus dieser urmenschlichen Problematik heraus entstehen Ideologien, Religionen, Verschwörungstheorien und Marsmännchen. Die menschlichen Sinnesorgane funktionieren entsprechend, sie versuchen stets Strukturen, Sinn in das uns umgebende Teilchengewitter zu bringen.

Wenn wir nun einen fremdsprachigen Song hören, den wir nicht verstehen, so nimmt es nicht Wunder, wenn wir glauben, Dinge herauszuhören, die gar nicht da sind.

Eine Wissenschaftlergruppe des Berliner Radiosenders 104,6 RTL nähert sich diesem Phänomen derzeit auf empirischem Wege. Die Resultate sind teilweise durchaus sehr unterhaltsam - wußtet ihr zum Beispiel, dass Bruce Springsteen über kleine Dackel singt oder Gianna Nannini zum Drogenkonsum aufruft?

Dank an Markus!