Montag, 31. März 2008

Wer regiert Österreich in einem Jahr? Die Wahltagsanalyse

"Wer reagiert Österreich in einem Jahr?" lautete die Frage. Keine leicht zu beantwortende, in der Tat. Politik in Österreich vermittelt immer mehr den Eindruck eines Jeder-gegen-Jeden-Selbstdarstellungs und -verwirklichungs - Wirrwarrs. Die politischen Lager sind sich im Laufe der letzten 50 Jahren in Wahrheit derart nahe gerückt, dass man in der politischen Kaste nun das Gefühl hat, man müsse sich auf Biegen und Brechen und mit allen Mitteln der medialen Selbstinszenierung gegenüber der Mitbewerberschaft herausstellen. Dazu mische man noch die typisch österreichische Eigenart, tendenziell immer lieber über die Verfehlungen der anderen zu sprechen, als den eigenen Wert herauszustellen und in positives Handeln zu übersetzen. Vertrauen geht zu Bruch und wohin sich der Wind morgen wendet, weiß man nicht.

Auf Interesse stößt die republikanische Königsfrage aber schon noch. Von Politikverdrossenheit war in diesem Blog nichts zu spüren. 16 User gaben ihre Stimme ab, soviele wie bei keiner anderen Umfrage auf diesen Seiten zuvor. Auch wenn man vielleicht der Ansicht sein könnte, dass ein Teil der Votes nicht ganz ernst gemeint war..

Die Daten:

Frage: Wer regiert Österreich in einem Jahr?

1. Schwarz-Rot 7 (43%)
2. Wladimir Putin 3 (18%)
3. Die Chinesen 1 (6%)
Invasoren aus dem Weltall 1 (6%)
Markus Rogan 1 (6%)
Pinky und Brain 1 (6%)
Schwarz-Blau 1 (6%)
Schwarz-Grün 1 (6%)

keine Votes für: Blau-Rot, Die Fliegenden Yogis, Die Illuminaten, Die Kommunistische Partei, Jesus, Josef Hickersberger, Robert Heinrich I., Rot-Blau, Rot-Blau-Orange, Rot-Grün, Rot-Schwarz und Schwarz-Blau-Orange


Auffällig: Dass Österreich auch in einem Jahr noch von einer Regierung unter der Leitung des Ybbser Önologie-Fachmannes geführt wird, kann sich anscheinend niemand vorstellen. Oder ist die Präferenz für "Schwarz-Rot" hier gar trügerisch und es ist gar nichts anderes gemeint als der Status Quo? Hier zeigen sich wieder einmal beinhart die Tücken der Umfrageinterpretation! Jedenfalls scheint es so zu sein, dass sich keine(r) der UmfrageteilnehmerInnen in näherer Zukunft eine wirklich und de facto SPÖ-geführte-Regierung vorstellen kann. Da haben etwa der omnipenetrante Markus Rogan oder die Ausserirdischen schon bessere Karten. Und natürlich Wladimir Putin. Interessant, wie schnell alte Ängste wieder hochkommen, wenn der mächtigste Mann Russlands seine Hände an den Gashahn legt.. Da können die Chinesen momentan nicht mithalten. Ebensowenig Jesus, die Weltrevolution oder das BZÖ.

Freitag, 28. März 2008

They Killed Copyright, Bastards!!

Als "South Park" Anno 1997 auf der Bildfläche der Fernsehunterhaltung erschien, war auch ich etwas irritiert. Zweidimensionale Volksschüler, bei denen das Ritalin offensichtlich zu wirken aufgehört hatte, scharwenzelten da durch eine Kleinstadt in Colorado, sagten und taten unanständige Dinge und kannten vor allem eines nicht: Tabus.

Die television focus groups, jene Menschen also, die Versuchskaninchen für das neue Produkt des Hauses Comedy Central spielten, reagierten beim Erstkontakt ähnlich konsterniert. "South Park" fiel durch. Comedy Central nahm das Risiko dennoch und ließ 6 Folgen produzieren.

Elf Jahre, elf Staffeln und drei Emmys später sind die Abenteuer der Grundschüler Stan, Kyle, Cartman und Kenny und der illustren Schar ihrer Schulkollegen, Lehrer, Angehörigen und Nachbarn längst zu Klassikern der Fernsehgeschichte geworden und haben neben einer Flut von erfolgreichen Merchandising-Produkten auch einen Kinofilm hervorgebracht. Die anfänglichen Irritationen haben sich bei vielen (wenn auch nicht bei allen) gelegt. Und man muss konstatieren, dass die Serie in all den Jahren
nichts an Witz, Biss und Einfallsreichtum verloren hat (etwas, was etwa den "Simpsons" in dieser Kontinuität nicht gelungen ist), ja, dass sie gerade in den letzten Staffeln einige wahrhafte Klassiker hervorgebracht hat. Wie etwa die mit einem Emmy ausgezeichnete, wunderbare, teilweise in der "World of Warcraft" spielende, Episode "Make Love, Not Warcraft", die das Universum der MMORPG-Nerds auf die Schaufel nimmt.

Überhaupt, das ist das Grundkonzept von "South Park": keine Gnade für irgendjemand oder irgendetwas! Political correctness kennt man im "South Park" nicht, kein Glaube, keine politische Ideologie, kein Lebensentwurf, kein Mythos, kein Idol wird verschont. Diese Grundhaltung wird ohne Wenn und Aber durchgezogen. Das macht die Welt von "South Park" zwar keineswegs zu einer besseren als die unsrige, das ist sie in ihrer satirischen Verzerrtheit natürlich nicht, aber sie wird dadurch auf eine sonderbare Art zu einer gerechteren. Im "South Park"-Spott sind alle gleich - bedauernswert!

Und bei all dem Hohn, der hier über die Welt ergossen wird, ist doch nicht zu leugnen: Unter der grellen Oberfläche der wüsten Witze fließen Ströme genauer und kluger Weltbeobachtung, geistreicher Gedankengänge und pointierter Gesellschaftskritik.

Mag die Qualität der Serie über die Jahre auch gleich geblieben sein, die reale Welt, in die sie ausgestrahlt wird, hat sich verändert. Filesharing war nicht aufzuhalten und gerade "South Park" vom unbeschränkten und unkontrollierten Austausch kreativer Produkte im Netz betroffen. Aber es wären nicht Trey Parker und Matt Stone, die Schöpfer von "South Park" (deren Alter Egos Stan und Kyle wir in der Serie beobachten), wenn sie nicht auch mit diesem Problem offensiv umgehen und festgefahrene Denkstrukturen ganz einfach ignorieren würden. Deshalb gibt es jetzt auf http://www.southparkstudios.com/ sämtliche 11 Staffeln, sowie die jeweils aktuellesten Episoden aus der gerade laufenden 12. Staffel zum Ansehen. In bester Qualität. Kostenlos. Ein User meinte dazu in einem Online-Forum: "One little step for South Park, one giant step for the internet". Das ist wie Ostern und Weihnachten zusammen, meine ich!

A propos Weihnachten: Die Ursprünge der Erfolgsserie hängen, man möchte es gar nicht für möglich halten, eng mit dem "Fest der Liebe" zusammen. Im Jahr 1992 war´s, da schufen Trey Parker und Matt Stone, zu jener Zeit Filmstudenten an der University of Colorado, mit Hilfe von Papier, Klebstoff und einer alten 8mm-Kamera den Streifen "The Spirit of Christmas - Jesus vs. Frosty", bei dem Jesus gegen einen mörderischen Schneemann kämpft und das Geheimnis um den Sinn von Weihnachten gelüftet wird:


Man beachte, dass Cartman hier noch Kenny heisst und folglich auch als erster draufgeht!

1995 erhielten Parker und Stone - sie hatten gerade ihren Uniabschluss versemmelt, weil sie es vorgezogen hatten, ein Musical über einen Kannibalen zu drehen - von Brian Graden, damals bei FOX, heute Programmdirektor von MTV und VH1, den Auftrag, eine neue Version des "Spirit of Christmas" zu drehen, um diese als animierte Weihnachtskarte an dessen Freunde zu verschicken. Der Film machte rasch in Hollywood die Runde und seine Schöpfer bekannt, sodass sie in weiterer Folge die Möglichkeit erhielten, "South Park" zu realisieren. "Spirit of Christmas II" war stark an seinen Vorgänger angelehnt, nur aufwändiger produziert und ausserdem bekommt es Jesus hier mit dem Weihnachtsmann höchstselbst zu tun:



Wem nun diese Mortal-Kombat-artigen "South Park"-Konfrontationen gefallen haben, dem sei der "South Park Ass Kicker" wärmstens ans Herz gelegt. Mit Jesus Satan verkloppen? Als Kyle den Antisemiten Cartman vermöbeln? Kein Problem, der "South Park Ass Kicker" machts möglich! Hier gibts dann noch eine ganze Reihe anderer "South Park"-Spiele..

Donnerstag, 27. März 2008

Vercoacht


Erwartungsfrohe 40.500 vor dem Spiel Österreich-Niederlande


"Wir haben nicht Pech gehabt, wir haben Fehler gemacht, und die sind bestraft worden", sprach unser Teamchef nach dem gestrigen 3:4 (zur Pause 3:1) gegen die Niederlande im Ernst-Happel-Stadion. Wo er recht hat, hat er recht.

Natürlich ist die niederländische Fußballnationalmannschaft gut und gerne eineinhalb Klassen über die österreichische zu stellen. Natürlich wäre alles andere als ein Sieg des Oranje-Teams in der Abendkälte von Wien eine Sensation gewesen. Dennoch, eine 3:0-Führung gibt man vor eigenem Publikum (40.500 waren bei nicht gerade frühlingshafter Witterung ins Ernst-Happel-Stadion gekommen - auf die Stimmung in der alpenländischen Fußball-Öffentlichkeit kann sich wirklich keiner rausreden) einfach nicht mehr aus der Hand. Egal gegen wen.

Dabei war der Beginn wieder wahrlich eindrucksvoll. Hickersberger hatte, so schien es zumindest von außen, auf ein Revival der Deutschland-Taktik gesetzt. "Gehts aussi, Buaschn, und reissts ois nieda!", so oder so ähnlich. Vielleicht stürmten die jungen Rot-Weiß-Roten aber auch aufgrund selbst geschaffener Übermotivation derart manisch die gegnerische Spielhälfte. Um es allen zu zeigen, inklusive dem eigenen Trainer. Wie auch immer, im Unterschied zum Deutschland-Spiel trafen sie diesmal auch! Man hatte in den ersten 35 Minuten förmlich das Gefühl, dass die Austro-Kicker den Ball regelrecht ins Tor zwingen wollten. Freilich kam ihnen dabei auch eine teilweise amateurhaft agierende holländische Hintermannschaft zu Hilfe, allen hintan der Mann im Gehäuse, Timmer, der 3er-Tormann, der eher wirkte, wie ein Nationalmannschafts-Praktikant, den Trainer Van Basten eben irgendwo auf der Prater-Hauptallee aufgelesen hatte. So stand es dann nach 35 Minuten sensationell 3:0 für Österreich.

Doch dann geschah etwas aus österreichischer Sicht Fatales. Die Holländer entdeckten ihren Stolz im richtigen Moment wieder und brachten sich dank Huntelaar-Kopfball wieder ins Spiel zurück - in der 37. Spielminute, nur gut 120 Sekunden nach dem 3:0. In diesem Augenblick wusste man, dass diese Begegnung noch lange nicht entschieden war. Man ahnte, was da kommen würde: zunehmend selbstbewusster werdende, wütend anrennende Niederländer auf der einen, nach dem Parforce-Ritt zu Beginn körperlich in sich zusammenfallende Österreicher auf der anderen Seite.

Das 3:4 am Ende kam somit eigentlich nicht wirklich unerwartet. Was aber schon erstaunte, war die Art und Weise, wie sich der rot-weiß-rote Teamchef dagegen stemmte. Nämlich gar nicht. In der 64. Spielminute war es, es stand 3:1 für Österreich, da ließ Josef Hickersberger erstmals austauschen. Er nahm zwei Offensivleute aus dem Spiel, Linz und Harnik. Zum allgemeinen Erstaunen brachte er aber keinen echten Defensivmann, sondern mit Janko einen vom ostersonntäglichen 0:7 demoralisierten Stürmer und mit Standfest einen Mittelfeldmann mit zugegeben auch defensiven Qualitäten. Neun Minuten später wechselte er nocheinmal. Der offensive Mittelfeld-Akteur Fuchs verließ das Feld, der offensive Mittelfeld-Akteur Weissenberger kam ins Spiel. Irgendwie hatte man das Gefühl, dass der Teamchef gar nicht daran dachte, die Führung über die Runden zu bringen. Oder, dass es schlicht keinen Plan B für den Fall gab, dass eine Führung zu verteidigen wäre. Dabei wäre sie an jenem Abend unter anderen Umständen und mit etwas Glück sehr wohl zu verteidigen gewesen.

Vielleicht sind Hickersberger ja auch nur seine Aussagen wieder in den Sinn gekommen, die er vor dem Deutschland-Spiel getätigt hat. Ein Sieg gegen einen Gegner wie Deutschland oder Holland wäre gar nicht so gut, hatte er da gemeint. Bloß nicht zuviel Euphorie. Das Letzte, was eine junge, talentierte Mannschaft schließlich braucht, ist Selbstvertrauen.

Armer Hickersberger. Er hat anscheinend derzeit vor dem Erfolg gleichermaßen Angst wie vor dem Scheitern.




Halbzeitanalyse von Holland-Experte MMag. Waaijenberg (bitte Kopf wenden). Für die zweite Halbzeit diese Analyse bitte einfach auf Österreich ummünzen!

Und noch zwei Postskripta an die Adresse des ÖFB, der Stadionverwaltung und des Stadionsprechers:

1. Der "Radetzkymarsch" als Anheiznummer ist eher unglücklich. Wir befinden uns nicht im Krieg. Könnte vor allem gegen Italien zu Verstimmungen führen.

2. Es erscheint ein bisschen scheinheilig, wenn der Stadionsprecher einerseits vor dem Spiel an die Fairness der österreichischen Zuschauer appelliert und diese auffordert, bei der niederländischen Hymne nicht zu pfeifen, andererseits aber dann jedes Tor der Holländer mit einem Tonfall verkündet, der darauf hindeutet, dass gerade gestern beide Großmütter des Ansagers verstorben sind.. Das für die Euro bitte noch üben!

Montag, 24. März 2008

0:7

Gestern nachmittag. Es ist 17.28 und ich bin seit 14.36 mit dem Zug unterwegs, um von Bad Ischl nach Wien zu gelangen. Mir dämmert, dass das Bundesliga-Spitzenspiel Red Bull Salzburg - Rapid Wien gerade beendet worden sein könnte und ich will mich über dessen Ausgang informieren. Schließlich ist dieser auch für den LASK von großer Bedeutung. Sollten die Dosen siegreich sein, sind unsere Chancen auf den Gewinn der Meisterschaft nämlich nicht mehr sehr berauschend. Ich greife zum Handy und es entspinnt sich folgender SMS-Dialog:

Ich: Salzburg-Rapid?
F.: Tja, 0:7. Völlig verrückt.
Ich: Keine Scherze, bitte!
F.: Ganz ehrlich. Jeder Schuss ein Treffer. Da wird der Mateschitz schauen.
Ich: Herr F., hochnehmen kann ich mich selber!
F.: Wo bist du? Hast du keinen Fernseher oder Internet in der Nähe?

Samstag, 22. März 2008

Positives Kranksein mit Rudolf Steiner

Was wir daraus lernen können: Sollten wir jemals neben einer Waldorfschule wohnen, keinesfalls unsere und die Schutzimpfungen unserer Kinder vergessen!

Ausser natürlich, wir sind für ein "positives Erleben der Erkrankung", wie es der anthroposophische Schularzt (Hippokrates, hm?) der Salzburger Waldorfschule in einem Gespräch mit der Regionalbeilage "Salzburg aktuell" der SN vom 22.3. (online nicht verfügbar) so schön formuliert hat..

Eine Karfreitagsbegebenheit

Gestern vormittag. Ich erwarte einen wichtigen Anruf. Ich stelle fest, dass mein Handy-Akku fast leer ist und hänge das Gerät ans Stromnetz. Ich gehe kurz ins Erdgeschoss. Als ich zurückkomme teilt mir das Mobiltelefon mit, dass ich in meiner Abwesenheit zwei Anrufe erhalten habe. Einer der beiden Anrufe stammt von einem unbekannten Teilnehmer, der andere von einer, meinem Kontaktdatenverzeichnis unbekannten, 0699er-Nummer. Ich beschliesse auf Nummer sicher zu gehen und rufe letztere zurück (etwas, was ich sonst bei mir unbekannten Anrufern eher nicht tue).

Telefon läutet

Stimme (piepsig-kindlich): Hallo?
Ich: Ja, hallo! Mit wem sprech ich denn bitte?
Stimme: Mit dem Maxi..
Ich: Hallo, Maxi. Hast du mich vorher angerufen?
Maxi: Ja!
Ich: Hast du dich da in der Nummer geirrt?
Maxi: Ja.
Ich: Kein Problem. Ich wollte nur wissen, wer mich angerufen hat. Hätte ja etwas Wichtiges sein können.
Maxi: Okay.
Ich: Ciao.

Eine Minute später. Mein Telefon läutet.

Ich: Ja, hallo?!
Maxi: Hier ist noch einmal der Maxi!
Ich: Ja?
Maxi: Sind Sie mein Taufpate?
Ich: Äh..nein. Ich bin von niemandem der Taufpate, soweit ich weiss..
Maxi (traurig): Aha.

Maxi legt auf.


Freitag, 21. März 2008

"Österreich"- Blog # 3

Bitter! LASK fängt sich in 93 Minute Ausgleich ein 3:3 im dichten Schneetreiben am Innsbrucker Tivoli. Vastic & Co bleiben vier Punkte hinter Leader Salzburg. S. 46

"Österreich", Oberösterreich-Ausgabe vom 20.3.2008, Seite 1 (Rechtschreibfehler beibehalten)


Doppelt bitter, das Spiel war im Linzer Stadion.

Heimat, bist du mieser Blätter.

Donnerstag, 20. März 2008

Über einen Boykott nachdenken


In 4 Tagen ist es soweit. Dann wird im altehrwürdigen Zeus-Heiligtum Olympia auf dem Peloponnes wieder einmal das Olympische Feuer entzündet. Dieses Symbol des olympischen Gedankens wird sich von dort aus auf eine gut 8.000 Kilometer weite und 137 Tage währende Reise begeben, ehe es am 8. August im Nationalstadion von Beijing feierlicher Mittelpunkt der Eröffnungsfeier der XXIX. Olympischen Sommerspiele sein wird.

An jenem 24. März, dem Tag des olympischen Feuermachens, wird es, davon ist auszugehen, auch in Tibet nachwievor brennen. Und in Xinjiang sowieso. Und die chinesische Führung wird darauf so reagieren, wie sie immer reagiert hat, wenn sich wieder einmal plötzlich der Zorn des Volkes angesichts der Unterdrückung Bahn gebrochen hat: mit brutaler Gewalt. "Wir befinden uns mitten in einem heftigen Kampf aus Blut und Feuer, einem Kampf auf Leben und Tod mit der Clique des Dalai". (KP-Tibet-Chef Zhang Quingli). Wahrhaft ein dämonischer Gegner, dieser Dalai Lama (ein "Wolf in Mönchsrobe", "Teufel mit dem Antlitz eines Menschen" - wieder Herr Zhang)! Versteckt sich da in seinem indischen Exil und schwafelt pausenlos etwas von Dialog und gewaltlosem Widerstand! Dagegen die chinesische Regierung: seit Jahrzehnte bemüht sie sich redlich darum, den tiefen Süden ihres Reiches, der ihr 1950 mal irgendwie "zugefallen" ist, zu zivilisieren! Weg mit der rückständigen tibetischen Kultur, her mit dem fleißigen, gleichgeschalteten Han-Chinesentum! Ja, es ist fürwahr ein Kampf auf Leben und Tod. Und zwar für die Tibeter.

Irgendwelche Gutmenschen sind dann doch tatsächlich auf die Idee gekommen, angesichts der Situation in Tibet (und anderswo im Reich der Mitte) und der nachwievor beharrlichen Weigerung der Beijinger Regierung, die Existenz von so etwas wie Menschenrechten auch nur ansatzweise anzuerkennen, ein ganz böses Wort in den Mund zu nehmen. Plötzlich war es da, das schlimme Wort, und rauschte durch den Blätterwald, und keiner wollte es so recht gewesen sein. Das Wort war "Boykott".

Rasch beeilte man sich, das böse Wort zu bannen. Staatskanzleien setzten sich in Bewegung, Experten von Menschenrechtsorganisationen eilten herbei, der Feuilleton raschelte erregt, Sportverbände feuerten Presseaussendungen hinaus. Ein Boykott der Spieles sei der völlig falsche Weg, hiess es da, er sei "kontraproduktiv". Der Sport habe mit der Politik doch gar nichts zu tun. Es sei falsch, die "unschuldigen Athleten" für das Betragen der chinesischen Führungsclique abzustrafen (Jacques Rogge, IOC-Präsident).

Bevor das passiert, feiern wir natürlich lieber ein Fest des Friedens, der Freundschaft, der Humanität und der Einheit, während rundherum Menschen in Lager gesteckt und abgeschlachtet, Dissidenten eingesperrt, Volksgruppen durch systematische Siedlungspolitik ausgelöscht, religiöse Bewegungen verfolgt und Millionen von Wanderarbeitern für einen Hungerlohn und ohne jede soziale Absicherung ausgebeutet werden!




Im Juli 2001, als die Spiele auf Betreiben des alten Franco-Faschisten Samaranch an seine Kumpels in Beijing vergeben wurden, machte man sich noch berechtigte Hoffnung, dass das China des Jahres 2008 ein anderes, ein besseres sein würde. Weniger weil die politisch Verantwortlichen dies damals scheinheilig versprachen oder weil man einer Olympiade derartige magische Kräfte zubilligen würde (bei Hitler, Mussolini, Breschnew und Diaz Ordaz hats ja auch eher nicht funktioniert), sondern weil man einfach an eine rasche gesellschaftliche Verwandlung des Riesenreiches im Gefolge des wirtschaftlichen Wandels glaubte. Wenn nun manchmal behauptet wird, dass dieser Wandel zum Besseren tatsächlich eingetreten sei, und das insbesondere aufgrund der Spiele, so ist das blanker Euphemismus. Es ist vielmehr so, wie die "Reporter ohne Grenzen" unlängst bitter feststellten, dass die Spiele vom Regime letztlich sogar als Vorwand benutzt wurden, um noch härter gegen seine Gegner vorzugehen. Denn alles, was das reibungslose Funktionieren der größten Sportveranstaltung der Welt zu gefährden im Stande ist, wird in China zum Staatsfeind erklärt und ergo bekämpft.

Schließlich sind die Olympischen Spiele eine einmalige Gelegenheit für die Machthaber in Beijing, sich selbst, ihre Partei und ihren Staat zu feiern. Und zu beweisen, dass man im Reich der Mitte tun und lassen kann was man will: die Demokratiebewegung niederdrücken, die Hinrichtungszahlen auf neue Rekordhöhen schrauben und dann auch noch gewinnbringend die Organe der Exekutierten verkaufen, die olympischen Wettkampfstätten von dem Verhungern nahen, aber dennoch rund um die Uhr schuftenden, Arbeitern errichten lassen, die mit Glück einen Bruchteil des versprochenen Lohnes zu Gesicht bekommen, Kirchen und Religionsgemeinschaften zu verfolgen und ihre Mitglieder einzukerken, wenn sich diese weigern, Weisungen von der KPCh anzunehmen, die eigene Bevölkerung von Teilen des Internets abzuschneiden, die mörderischsten Regimes des Planeten (Burma, Nordkorea und den Sudan) zu stützen, Taiwan mit der Vernichtung zu bedrohen. Und dabei immer noch von aller Welt hofiert zu werden. China ist schließlich groß und mächtig, und auf den chinesischen Markt wollen wir doch alle! Mit denen verscherzt man es sich nicht. Das wird auch der Grund sein, warum manche olympische Komitees ihre Athleten vertraglich verpflichtet haben, sich nicht zur Menschenrechtslage in China zu äussern..

In diese Richtung gehen wohl auch die witzigen Argumente des Kommentators der liberalen ZEIT, wenn er etwa meint, dass man die Großmacht China doch brauche, um Krisen wie in Nordkorea oder Darfur (Burma fehlt noch) zu bewältigen. Na klar! Wenn einer selber ständig Probleme produziert, dann muss er auch der Schlüssel zur Lösung dieser Probleme sein!!



Ist es angesichts von all dem nicht eine verlockende Vorstellung, dass da einer aufsteht und in Richtung der chinesischen Bonzen zumindest die folgende Botschaft übermittelt: "Gut, wir haben euch eine Vertrauensvorschuss gegeben. Aber, wir sind mit dem Ergebnis nicht ganz zufrieden. Wir empfinden es als nicht angemessen, jetzt bei euch ein fröhliches Sportfest zu veranstalten, während ihr dem tibetischen Volk einen ´Kampf auf Leben und Tod´ antragt ! Bitte zeigt uns, das ihr es nicht zur Eskalation kommen lassen werdet !" Wäre alles andere in Wahrheit nicht äusserst unappetitlich?

Ich sage keineswegs, dass der Zeitpunkt für explizite Boykottdrohungen unbedingt schon jetzt gekommen ist. Wir wissen vielleicht noch zu wenig über die Situation in Tibet (was auch daran liegt, dass China dort offensichtlich keine unabhängige Berichterstattung schätzt..). Wir wissen auch nicht, in welche Richtung sie sich bewegen wird.

Dies aber schon jetzt für die Zukunft auszuschließen und somit auf dieses Atout im Ärmel zu verzichten, erscheint in der gegebenen Situation als reichlich töricht. Das es überdies moralisch ausgesprochen fragwürdig ist, versteht sich von selbst.

Samstag, 15. März 2008

Linz bringt´s..

Erkenntnisse über die österreichische Popkultur, nämlich. Der Grund: die Kleinräumigkeit der "Szene". Zwei Abende in Krebs und KAPU reichten, um zu folgenden Erkenntnissen zu gelangen:

Grissemann & Stermann schätzen den Rothen Krebs genauso wie unsereins. Nach der Vorstellung im Posthof kommen sie gerne hierher um ein, zwei, drei, vier...Bier zu trinken und sich von Kunststudenten anquatschen zu lassen. Vor allem Stermann scheint das zu taugen, denn jenen traf ich hier schon zum zweiten Mal an. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass seine Frau Oberösterreicherin ist und er Linz mag. Stermann mag auch den "Warmen Hans", wie man in der darauffolgenden Nacht feststellen konnte ("jetzt ist der noch immer da!?"). Grissemanns private e-mail Adresse lautet übrigens...aber, nein, das geht jetzt zu weit.

Die KAPU ist eigentlich schon längst nicht mehr der versiffte Punk-Schuppen, als den man sie sich vielleicht vorstellt. Es sieht dort im Grunde ähnlich aus wie in meinem Wohnzimmer - inklusive Wandfarbe. Nur aufgeräumter. Ausserdem lebe nicht ich in der KAPU, sondern die Herren von Texta, die vermutlich für den halben Jahresumsatz des Lokales verantwortlich sind und ausserdem noch als DJs, Konzert-Claquere und vermutlich auch Klofrauen tätig sind. Kaum zu glauben, aber anscheinend muss man selbst als über die Landesgrenzen hinaus geschätzter Musikact vier bis fünf Nebenjobs ausüben, um halbwegs über die Runden zu kommen (und wir reden hier nicht von dem, was sie im Kulturverein tun)!

Garish spielen feine Live-Konzerte, aber sie weigern sich standhaft meinen "Warmer Hans"- Gutschein als Bezahlung für die danach angebotene Platte anzunehmen. Es wurde übrigens ein Bootleg aufgenommen. Vielleicht getrau ich mich und veröffentliche es demnächst hier.

Freitag, 14. März 2008

Tool Time # 1

Man kennt das ja. Man hat sich weggestöpselt. Der MP3-Player gibt den Takt an, die Außenwelt bleibt außen vor. Aus der Reizüberflutung des Alltags wird ein selbstgeschustertes Radioprogramm. Versunken geht man seiner Wege und die WWF-Keilerin auf der Mariahilfer- oder Landstraße kann noch so verzweifelt mit den Händen fuchteln und auf die eigenen Ohren deuten, sie weiss doch, sie kämpft auf verlorenem Posten.

Blöd ist nur, dass der so in den eigenen sonischen Kosmos eingehüllte Fußgänger auch taub wird für ihm auflauernde echte Gefahren. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Verkehrsunfälle auf das Konto dieses homo mp3playerensis gehen, wie vielen Taschendieben er ein Bonanza beschert hat.

Doch es naht Rettung, zumindest was die Abwehr von lauernden Bösewichten betrifft. Die aufrechten Männer und Frauen (Galanterie ist hier keineswegs vonnöten) von TASER haben ein Gerät entwickelt, das beides kann: MP3s abspielen und in den plötzlich auftauchenden Bedroher nur-selten-tödliche Elektroschocks hineinjagen!

Stellt sich nur noch die Frage, was als nächstes kommt: das TASERbook? Die Digitalkamera mit eingebautem TASER? Der Rasierapparat mit TASER-Funktion? Menschen, die für den WWF oder Greenpeace Strassenwerbung machen müssen, sollten jedenfalls in Zukunft aufpassen, welchem MP3-Hörer sie sich plötzlich in den Weg stellen..

Sonntag, 9. März 2008

Samstag, 8. März 2008

Videohitparade # 3, Teil 2

Die Euro-Tore zum Zungenschnalzen, der zweite Teil, bitteschön!

  • sechs

Euro 1976, 20.6.1976, Tschechoslowakei vs. BR Deutschland, Finale, Crvena Zvezda - Stadion in Belgrad, 7:5 im Elfmeterschießen durch Antonín Panenka

Wenn wir Karel Poborsky zuletzt als fußballerischen Schweijk geehrt haben, so müssen wir nun natürlich auch den Urahn aller Fußball-Schweijks, Antonín Panenka, würdigen, und seinen legendären Heber im Europameisterschaftsendspiel des Jahres 1976 in diese Liste aufnehmen. Kaum zu glauben, mit welcher pfiffigen Coolness der "Mann mit den Radaraugen" (wie er auch genannt wurde) da zu Werke ging und den spielentscheidenden Elfmeter verwertete. Uli Hoeneß war es zuvor gewesen, der seinen Elfer in den Nachthimmel von Belgrad geschossen und somit den Tschechoslowaken die Gelegenheit zum entscheidenden Punch gegeben hatte. Panenka machte es viel besser. Und schrieb sich auch wegen der Art und Weise, wie er diesem Turnier den Schlusspunkt setzte, in die Geschichtsbücher des Sports ein. Seit jener Nacht tragen derartige Strafstöße im Jargon der Sportjournalisten die Bezeichnung "Panenka". Der Europameister Antonín Panenka wechselte übrigens 1981 von seinem Stammverein Bohemians, den Grün-Weißen aus Prag, nach Österreich zu Rapid Wien, wo er zu einer Klublegende wurde. Seine Karriere beendete der vom Fußball Besessene nach Stationen bei St. Pölten, Slovan Wien und dem ASV Hohenau 1993 als 45-jähriger beim niederösterreichischen Dorfverein Kleinwiesendorf. Derzeit ist er der Klubpräsident der "echten" Bohemians.

Ein lesenswertes Panenka-Interview druckte Anfang Dezember der Standard.

  • fünf



Euro 2000, 11.6.2000, Türkei vs. Italien, Gruppenphase, Gelredome in Arnheim, 0:1 durch Antonio Conte in der 52. Spielminute

Was machst du, wenn du im Strafraum läufst, der Ball fliegt in deine Richtung, aber über dich hinweg, weil du zu klein für einen Kopfball bist? Richtig, du machst in affenartiger Geschwindigkeit auf dem Absatz kehrt, hebst ab und drischst das Leder mit einem Fallrückzieher in die Maschen! So geschehen bei der Euro 2000 in der Vorrundenbegegnung zwischen der Türkei und Italien, in der Antonio Conte dieses Kunststück vollführte und seine Azzurri damit 1:0 in Führung brachte (die Partie endete dank eines geschenkten Elfmeters mit 2:1 zu Gunsten Italiens). Der Treffer zeigt die Spielerpersönlichkeit Conte auf einem Höhepunkt, ein offensiver Mittelfeldspieler, der größte balltechnische Versiertheit mit dem unbedingten Willen, nach vorne zu drängen verband. Conte, der als Führungsspieler von Juventus Turin 5 italienische Meisterschaften und eine Champions League gewann, ist derzeit Trainer des Serie B- Vereines AS Bari.

  • vier



Euro 1996, 15.6.1996, Schottland vs. England, Gruppenphase, Wembley Stadion in London, 0:2 durch Paul Gascoigne in der 79. Spielminute

Die Grenze zwischen Genie und Wahnsinn. Im einen Moment malst du noch ein Gemälde, über das die Menschheit noch Jahrhunderte schwärmen wird, im nächsten ist das Ohr ab. Bei Paul Gascoigne verlief diese Grenze meist entlang der weißen Umrandung des Spielfeldes im Fußballstadion. Am Platz war er ein Genie, außerhalb ein Opfer seiner unbeherrschten Persönlichkeit. Kein Wunder also, dass es nach dem Ende seiner Fußballkarriere mit "Gazza" nicht wirklich bergauf ging und die Alkohol- und Gewaltexzesse, die bereits seine aktive Laufbahn begleiteten, nicht zur Vergangenheit wurden. Letztes Lebenszeichen: Einweisung in die Psychiatrie wegen des Angriffes auf einen Hotelportier. Dem Bericht zufolge verspricht sein alter Trainer Kevin Keegan, dass er ihm zur Seite stehen wird.

Was bleibt: Traumtore wie jenes am 15.6.1996 im altehrwürdigen Wembley gegen Schottland, als dem braveheart Colin Hendry, selbst ein ganz Guter jener Zeit, eine Lehrstunde erteilt wurde, von der er sein Leben lang (alp)träumen wird. Und die Hoffnung, dass Paul Gascoigne vielleicht doch eines Tages geholfen werden kann. Sei es auch von Kevin Keegan.

  • drei



Euro 2004, 30.6.2004, Portugal vs. Niederlande, Halbfinale, José Alvalade-Stadion in Lissabon, 2:0 durch Maniche in der 58. Spielminute

Wie sagt der Kommentator so schön: "You could line up all three of the Dutch goalkeepers in this squad and it would still be nestling in the back of the net!" Wie wahr. Dies ist eines jener Tore, bei denen man jedesmal unwillkürlich ein bisschen den Atem anhalten muss, wenn man dem Flug des Balles folgt. Die Portugiesen gewannen am Ende mit 2:1 und zogen ins Endspiel ein. Dort warteten allerdings Otto Rehhagels Griechen, der Alptraum jeder offensiv-spielerischen Mannschaft. Der Rest dürfte bekannt sein.


So, damit wären die 11 schönsten Tore der Euro-Geschichte fast abgeschlossen. Fast, denn es fehlen natürlich noch die zwei großartigsten Treffer, die ich aber sobald als möglich präsentieren werde. Da ich augenblicklich ziemlich damit beschäftigt bin, mich auf einen wichtigen Termin nächste Woche vorzubereiten, stockt das Blog derzeit ein bisschen. Bleibt mir bitte trotzdem gewogen.

Donnerstag, 6. März 2008

Zwischen den Orten - ein Selbstversuch

Die letzten 5 Tage war ich in Linz und - mangels eines festen Wohnsitzes - stets unterwegs. Die Nächte verbrachte ich auf diversen Sofas, Notbetten und Isomatten - und zwar jede Nacht woanders. Tagsüber zog ich mit meinem Schlaf- und meinem Rucksack durch die Stadt, vom Nachtlager ins Kaffeehaus und von dort weiter zur nächsten Unterkunft. Bei solch einer Lebensweise legt man über mehre Tage gerechnet ganz schöne Strecken zurück und irgendwann beginnen die Beine und der Rücken zu schmerzen. Dass man nicht im eigenen, bequemen Bett schlafen kann, ist der Regeneration dann auch nicht gerade zuträglich.

Das ist aber nicht das Unangenehmste an dieser Lebensweise. Die wirkliche Härte liegt darin, dass man keinen privaten Ort hat, an den man sich zurückziehen kann. Man ist immer im öffentlichen Raum oder bei jemandem zu Gast und verfügt somit über keinen eigenen Freiraum, in dem man einmal für sich sein kann, in dem man unbeobachtet ist und in dem man sich in der Folge effektiv entspannen kann.

Dabei hatte ich es noch wirklich gut. Zwar glich sich mein äußeres Erscheinungsbild mit der Zeit immer mehr dem eines Stadtstreichers an (man kommt nicht zum Rasieren und macht zuweilen doch schon einen etwas ermatteten Eindruck) , aber ich hatte genug Geld in der Tasche, um mir meinen Aufenthalt in den Kaffeehäusern zu bezahlen und ich hatte freundliche Gastgeber, bei denen ich nächtigen, duschen und sogar etwas essen und trinken konnte. Ich hatte Freunde, mit denen ich die Zeit verbringen konnte.

Als am Montag also bei einem meiner Aufenthalte im Café Meier (kaum zu glauben, die haben jetzt eine Internetpräsenz) ein "Kupfermuckn"-Verkäufer bei der Tür hereinkam, wusste ich sogleich, dass ich ihm die Zeitung abkaufen würde, auch wenn ich dieser Verkaufspraktik (angesprochen zu werden, wenn man im Kaffehaus sitzt) sonst eher skeptisch gegenüber stehe.

Sonntag, 2. März 2008

Telemedial genial

Eigentlich sollte ja nun der zweite Teil der elf schönsten Euro-Tore auf dem Programm stehen, aber das geht sich erstens zeitlich nicht aus (ich bin derzeit in Linz) und zweitens muss ich unbedingt von meinem neuen Lieblings-TV-Programm berichten: Kanal Telemedial!!

F. hat mich am Donnerstag dankenswerter Weise mit der wundersamen Welt dieses "ersten europäischen spirituellen Senders" (Copyright Kanal Telemedial) bekanntgemacht. Kanal Telemedial bietet esoterische Lebensberatung in schrottigster Kulisse und mit der unprofessionellsten Chaos-Truppe, die das deutschsprachige Fernsehen je gesehen hat. Das Ganze ist aber irgendwo doch sehr ernst gemeint, auch wenn manchmal doch eine gewisse Ironie von den Akteuren Besitz ergreift. Der Sender-Chef und Ober-Guru dieses Vereines (er nennt sich selbst auch gerne "die fünfte Dimension des Fernsehens") ist als Porno-Produzent reich geworden und macht jetzt in Esoterik - und in Mehrwertnummern. Kanal Telemedial TV ist nämlich "Free Pay-TV" (Copyright Kanal Telemedial). Das bedeutet, wenn man durch das Ansehen der Sendungen "bereichert" worden ist, kann und soll man durch das Anrufen von Mehrwertnummern, Senden von SMS und Überweisen von Geld auf die Konten des Senders "Energieausgleich" (Copyright Kanal Telemedial) leisten. Ein ähnliches Konzept hat der Gründer auch schon in seiner Heimat Baden-Württemberg umzusetzen versucht, wo ihm laut Wikipedia aber wegen verschiedener Skandälchen (ein Pornovideo, der Verstoß gegen Auflagen und die Nähe zu einer obskuren Sekten-Kommune) rasch die Sendeberechtigung entzogen wurde. Mittlerweile sendet der Kanal Telemedial von der Dornbacher Straße in Wien aus.

Und wie wurde ich bei meiner ersten Begegnung mit dem Kanal nun bereichert? Nun, der Senderboss selbst war leider nicht zugegen. Er steht zwar meist im Mittelpunkt des Programmes, weilt aber derzeit laut F. auf Urlaub in Thailand. Was schade ist, denn angeblich neigt er zu cholerischen Wutanfällen und lässt sich in diesen gerne über die esoterischen Mehrwertanrufer aus, die ins Studio durchgeschaltet werden. Der Martin Blumenau des Esoterik-Fernsehers, sozusagen. Aber auch so bot mir das Programm einiges. So wurden wir staunende Zeugen der Errichtung einer "Lichtburg" aus Schuhschachteln. Ausserdem wurde ich endlich über die wahre Natur Gottes aufgeklärt, der anscheinend in einer "Zentralsonne" im Mittelpunkt des Universums wohnt. Interessant war auch die Ansicht einer der Eso-Beraterinnen, wonach es im Leben im Grunde darum ginge, dass jeder das mache, was er oder sie gerade nicht könne. Ja, das könnte eigentlich das Motto des Senders Kanal Telemedial sein, das bringt dieses Phänomen elegant auf den Punkt!

Aber man kann die Wirkung von Kanal Telemedial in Wahrheit nur schlecht beschreiben, man muss es erlebt haben. Kanal Telemedial gibt es in Kabelnetzen und über Satellit, wo es sich anscheinend zuweilen eine Frequenz mit dem Kinderkanal teilt, was bereits die Jugendschützer auf den Plan gerufen hat. Falls man aber zu den unglückseligen Kreaturen zählt, die dieses Erleuchtungs-TV nicht ins eigene Wohnzimmer geliefert bekommen, so hilft immer noch YouTube, wo sich bereits eine erkleckliche Zahl von Highlights des Programmes, wie umstürzende Studiodekorationen und mystische Lichttänze angesammelt hat!

Vergesst Harald Schmidt und die "Donnerstag-Nacht", jetzt regiert Kanal Telemedial!!