Mittwoch, 30. Juli 2008

Drei Träume

Die heutige Nacht war wieder einmal eine jener Nächte, wo man am nächsten Tag kein Kino braucht.

Erster Traum: Ich befinde mich im Garten des großelterlichen Hauses in Bad Ischl. Da sehe ich Thomas G. Hornauer in der Wiese sitzen. Er hat sein schiefes Grinsen aufgesetzt, seinen Kopf zusätzlich noch schiefgelegt und schaut eher unmotiviert nach oben, genauer gesagt in Richtung Dach des Geräteschuppens. Ich gehe zu ihm hin, spreche ihn an und gebe mich als telemedialer Freund zu erkennen. Er fällt darauf herein und wirkt glücklich.

Zweiter Traum: Ich finde mich in einer obskuren Justizvollzugsanstalt wieder. Ich habe an einem Tisch Platz genommen, mir gegenüber sitzt ein Häftling, dem offensichtlich mein Besuch gilt. Sein Gesicht ist nicht deutlich zu erkennen, in der Physiognomie erinnert er aber an Peter Westenthaler. Er wirkt allerdings auch ruhig und beherrscht. Ich stelle fest, dass ich in einem meiner Ärmel eine Feile versteckt habe, offensichtlich in der Absicht, sie dem Kriminellen zukommen zu lassen. Ich bin verdammt nervös, ganz in unsere Nähe befindet sich ein Justizwachebeamter, der allerdings nicht allzu genau herschaut. Mir wird siedendheiß bewußt, dass die Beihilfe zur Flucht aus einer Strafanstalt eine gravierende Straftat darstellt. Irgendwie schaffe ich es unter ungeschicktem Gefummele das Ausbruchswerkzeug an mein Gegenüber weiterzugeben, ohne dass der Aufpasser Wind davon bekommt. Dann will ich hastig gehen. Doch der Beamte scheint jetzt Verdacht geschöpft zu haben. Er tritt auf uns zu und murmelt irgendetwas davon, dass er sich etwas genauer anschauen müsse. Ich schwitze Blut und Wasser. Dann beschließt er aber doch, lieber auf einen Kaffee zu gehen. Ich habe das Gefühl, irgendwie davon gekommen zu sein und verlasse den Raum, tauche ein in ein endloses Geflecht von Räumen, Treppen und Gängen.

Dritter Traum: Plötzlich befinde ich mich im "Sacred Heart Hospital". Ich bin eindeutig Dr. "J.D." Dorian. Ich werde von meinem Chefarzt, Dr. Bob Kelso, zusammengeschrien. Warum, weiss ich nicht. Ende.


Also gut, ich habe gestern ein Thomas G. Hornauer-Posting verfasst. Und ich habe mich natürlich mit dem Showdown zwischen meinem Richter und Peter Westenthaler beschäftigt. Aber, ich schwöre bei den abgelegten Tretern von Zinédine Zidane, ich habe schon länger keine Folge von "Scrubs" mehr gesehen! Verdammt mysteriös.

Montag, 28. Juli 2008

Mittwoch, 23. Juli 2008

Expect Emos!

Es ist der gestrige Vormittag, ich sitze am Linzer Bahnhof am Bahnsteig und erwarte den Zug Richtung Westen. Ein Jugendlicher in hauptsächlich schwarzer Kleidung, mit einer schwarzen Kappe und einer schwarzen Kapuze angetan, setzt sich neben mich. Von seiner Brust hängt ein stylischer Totenkopf. Sein Gesicht wird von einer perfekt hereinfallenden schwarzen Emo-Haarwelle verdeckt. Er rührt sich minutenlang nicht, starrt unverwandt auf den Gleiskörper.

Eine ältere Dame erscheint. Sie hat einen Gehstock und ist eher betulich-bieder gekleidet. Als sie den jungen Emo erblickt, wird sie stutzig, bleibt stehen, stützt sich auf ihren Gehstock auf. Der Emo starrt unverwandt vor sich hin.

Die ältere Dame beginnt den Emo zu mustern und beugt sich leicht vor, um einen Blick unter die dunkle Haarwelle ihres Gegenübers zu erhaschen. Der Emo starrt, ohne irgendeine Reaktion zu zeigen, Richtung Gleiskörper.

Plötzlich wendet sich die ältere Dame hastig ab. Im Weggehen äußert sie:
"Tut mir leid. Ich dachte, Sie wären mein Neffe!"


O tempores, o mores! Was sind das für Zeiten, in denen man den eigenen Neffen vor lauter Emos nicht mehr sieht!

Dienstag, 22. Juli 2008

BuLi# 2: LASK vs. Austria Wien

Es ist ein interessantes Phänomen, das sich immer wieder beobachten lässt:

Da erleidet man die schwerstmögliche Niederlage, ist niedergeschmettert, am untersten Boden angekommen. Es scheint, als gäbe es aus der Abwärtsspirale kein Entrinnen. Doch genau da passiert es: von der lähmenden Unsicherheit, ob der drohende totale Absturz eintreten wird oder nicht, durch eben diesen befreit, ist da plötzlich ein neuer, trotziger Stolz. Die Ärmel werden hochgekrempelt, man besinnt sich auf vorhandene Stärken und es wird an die Wiedererrichtung des niedergeworfenen Selbstvertrauens gegangen. Das funktioniert natürlich insbesondere dann gut, wenn man, um nun die hier interessierende Bühne des Fußballsports zu betreten, einen Gegner hat, der diesen Effekt sträflich unterschätzt.

Die Wiener Austria war nach der Europacup-Blamage von Kostanaj (Kasachstan) am Boden. Nichts geht mehr bei den Veilchen, so schien es. Doch dann kam das vorgestrige Spiel gegen den LASK auf der Linzer Gugl und der tat den Gästen diesen entscheidenden Gefallen: Es nicht hinreichend auf der Rechnung zu haben, dass ein Gegner, der zweifellos seine Qualitäten und Mittel hat, grimmig entschlossen sein muss, sich nach einem derartigen Waterloo seinen Stolz wiederzuerobern.

Von der ersten Minute an machte die Austria entschlossen Druck, betrieb energisch Forechecking. Die spielerischen Akzente, die die Wiener setzten, waren dabei keineswegs berauschend, aber der Wille war es. Zudem waren die Austrianer von ihrem Trainer Karl Daxbacher gut aufgestellt. Mit Sun Xiang hatte er den bisherigen Unsicherheitsfaktor aus dem Defensivverbund genommen, auf der linken Mittelfeldseite machte der elegante Chinese eine deutlich bessere Figur. Auf der frei gewordenen Verteidigerposition spielte Mario Majstorovic stark und wurde schließlich sogar zum Siegtorschützen. Vorne wiederum zog ein stets brandgefährlicher Rubin Okotie weit mehr defensive Aufmerksamkeit der Athletiker auf sich, als denen lieb war.

Der LASK, der nach zwei Auswärtssiegen gegen klare Abstiegskandidaten von den Medien verfrüht in den Himmel gehoben und zum Favoriten erklärt worden war, reagierte auf die starke Austria zunächst mit Überraschtheit, dann mit Frust bis an die Grenze zur Arbeitsverweigerung. Pampiger Trotz wegen nicht eingetretener Erwartungen war das, was da zu sehen war. Die Schwarz-Weißen schlugen hart gegen den Boden der Realität und hatten da kein Mittel parat. Beim LASK lief im Grunde genommen gar nichts zusammen. Spielmacher Ivica Vastic kam nie wirklich in die Begegnung, was aber wohl weniger an seiner eigenen Verfassung, als vielmehr daran lag, dass er im Mittelfeld seiner Mannschaft hoffnungslos alleine gelassen wurde. Seine Nebenspieler erwiesen sich als völlige Vorgabe, nur der altgediente Panis rackerte halbwegs brav im defensiven Mittelfeld - und stand dennoch auf verlorenem Posten. Hinten markierten die Aussenverteidigerpositionen veritable Bruchstellen im LASK-Gefüge, durch die die Austrianer immer wieder mit Freuden marschierten, und als dann schließlich auch noch Keeper Silvije Cavlina (wieder) einmal auf der Linie kleben blieb, stand es 1:0 für Violett. Der Vorsprung hielt und führte zum gleichlautenden Austria-Erfolg.

Die Austria hat zweifellos davon profitiert, dass ihr Trainer den Gegner aus dem Effeff kennt (womit sich der Überlauf wieder einmal bezahlt gemacht hat). Sie hat aber auch den eigenen Stolz mobilisiert und es gleichzeitig mit einem Gegner zu tun gehabt, der dies auch zugelassen hat. Weil der in der gegenteiligen Verfassung war als die Austria, indem er sich einen Status zuschrieb, der mehr war, als es der nüchternen Realität entsprach. Und mit Selbstüberschätzung ist gegen neu erwachendes Selbstvertrauen kein Staat zu machen.


Die Austria im kleidsamen BZÖ-Orange von rechts nach links, der LASK in Schwarz-Weiß im Rückwärtsgang.

Donnerstag, 17. Juli 2008

In Concert # 4: Yeasayer/Sigur Rós, 9.7.2008, Arena (Wien)

Yeasayer sind eine sehr interessante neue Band aus Brooklyn, New York. Die Musik, die sie machen, würde ich als PsychedelicGospelFolk bezeichnen, und ich wollte immer schon einmal wissen, wie sie live wirkt. Eindrucksvoll, war die Mutmaßung. Letzte Woche am Mittwoch haben diese vier Herren nun in Wien in der Arena gastiert. Ich hatte für dieses Konzert eine Eintrittskarte à 30 Euronen.

Ich habe das Konzert verpasst.

Der Grund lag darin, dass Yeasayer als Vorband für eine isländische Post-Rock-Kapelle namens Sigur Rós auftraten. Weil die Arena-Veranstalter aus irgendwelchen Gründen nicht rechtzeitig mitbekommen hatten, dass diese elegischen Isländer geschlagene zwei Stunden zu spielen beabsichtigten, musste das Konzert früher als geplant beginnen. So hat es mir zumindest ein freundlicher, bärtiger T-Shirt-Standler erzählt. Als die beiden Vorbands, The Kissaway Trail (bei denen man mit Sicherheit nichts, absolut gar nichts, verpasst hat, wenn man sie nicht gehört hat) und eben Yeasayer (bei denen man alles verpasst hat) nun ihr Set spielten, befand sich meine Eintrittskarte noch im Anfahrtsstau. Als ich endlich drinnen war, legte die Haupattraktion des Abends gerade die Instrumente weg.

Dann kamen noch Sigur Rós.


Sigur Rós heben an und ab.


Die Isländer taten das, was ihr Metier ist. Das Metier von SR ist es, Musik für sensible Bobos und deren LebensabschnittspartnerInnen, wahlweise des einen oder des anderen Geschlechts, zu produzieren. "Ja klar, das ist Pärchenmusik", meinte nachher ein Bekannter, der das Konzert gemeinsam mit seiner Freundin verfolgt hatte. Mir war es ein typisches SR-Erlebnis: Da waren gelegentlich mal großartige, wahnwitzige Momente und dann folgten wieder Dekaden der Langeweile, geprägt durch eine Maschinerie, die darauf ausgelegt ist, ein bewährtes Konzept des Evozierens einer bestimmten Gefühlslage bei einer genau ausgemachten und ins Visier genommenen Zielgruppe durchzuführen. Ein bisschen zu kalkuliert, wie der letzte Wes Anderson-Film. Da fehlte das Abgründige, das Unvorhergesehene, das echte Genialität entfacht. Die zwischendurch eingestreuten zirzensischen und clownesken Einlagen, wie vorbeimarschierende Blasmusikapellen und Ähnliches, machten das nicht besser, im Gegenteil. Hier wurde nur pseudo-avantgardistischer Bobo-Humor aus einer unteren Schublade hindrapiert.


Menschen, Celli und ein Feuerball an Emotionen!


Unangenehm war das alles in allem freilich auch wieder nicht, dieses Dahintreiben im Sigur Rós´schen Brei, aber eben auch nicht wirklich prickelnd. Vielleicht wäre es wirkunsgvoller gewesen, wenn wir näher an der Bühne gestanden wären, nicht relativ weit hinten und schräg dazu positioniert. Aber dafür waren wir ja zu spät eingetroffen. Nach einiger Zeit beschloss ich daher, mich aus dem Sog des nordischen Klangkörpers zu entwinden und ließ die in liebevoller Seligkeit neben mir dahinschunkelnden zwei schwulen Pärchen sowie T., der mir inzwischen zwei Bier gekauft hatte, weil es ihm doch irgendwie unangenehm war, dass ich das Yeasayer-Konzert (wegen seiner staubedingt verspäteten Ankunft, wie er irrig annahm) verpasst hatte, zurück. Ich ging zum T-Shirt-Stand und kaufte bei dem bärtigen Typen ein Yeasayer-Teil.


Das Yeasayer-Shirt.


Ich kehrte zur Bühne zurück und wenig später war das Konzert beendet.

Ein FM4-Redakteur fiel mich hinterrücks mit einem Mikrophon an, fragte, wie mir SR gefallen hätten und ich sagte ihm meine Meinung. Ich glaube nicht, dass sie das gesendet haben.

Eine Schulkollegin erblickte mich, sah mich erstaunt an und fragte: "Duu auf einem Sigur Rós-Konzert?!"

Nein, auf einem Yeasayer-Konzert, da war ich. Und es hat Spaß gemacht.

Mittwoch, 16. Juli 2008

Der Cup der Anderen - ein Resumée

Vor einer Woche und einem Tag habe ich auf diesen Seiten über den vom NF-Board veranstalteten II. VIVA World Cup in Gällivare und Malmberget/Lappland (schwedischer Teil) berichtet, der damals einen Tag alt war und heute seit drei Tagen Vergangenheit ist. Es ist also an der Zeit, auf die Ereignisse dieses bemerkenswerten Turnieres zurückzublicken.

Dabei stellt sich ein Problem: die Veranstaltung ist eher unzureichend dokumentiert. Wir verfügen zwar über eine Reihe von Spielberichten, welche vom Generalsekretär des NF-Boards, Jean-Luc Kit (in den Kreisen seiner Organisation auch hintersinnig-selbstironischer Weise unter dem Namen des Möchtegern-Schlumpfbändigers "Gargamel" bekannt), höchstselbst verfasst wurden. Leider sind diese samt und sonders in französischer Sprache geschrieben und brechen außerdem in der Mitte des Bewerbes, wo es erst so richtig spannend wird, ab. Wir hoffen, Gargamel geht es gut und sind also in weitere Folge auf die nackten Resultate und unsere Fantasie angewiesen. Falls jemand kurdisch, samisch oder aramäisch (in diesen Sprachen wurde noch am ehesten über das Turnier berichtet) beherrscht, möge sie/er sich bei mir melden und wir sehen dann weiter..

Zum Glück ist mein Englisch halbwegs in Ordnung, den so konnte ich zumindest diesen schrägen, aber liebenswerten Kollegen (der sich ansonsten anscheinend bevorzugt mit den Fussballligen Usbekistans, Botswanas und San Marinos beschäftigt..) entdecken, auch wenn der auch nicht viel mehr tut, als die Ergebnisse zu interpretieren (und etwas gefundenes Bild- und Tonmaterial beizusteuern)!

Die Resultate:

Herren

Vorrunde:

Land der Samen vs. Kurdistan 2:2
Provence vs. Padanien 1:6
Provence vs. Kurdistan 0:3
Aramäisch-Syrien vs. Land der Samen 1:0
Aramäisch-Syrien vs. Provence 5:0
Padanien vs. Kurdistan 2:1
Land der Samen vs. Padanien 0:2
Kurdistan vs. Aramäisch-Syrien 0:0
Padanien vs. Aramäisch-Syrien 4:1
Land der Samen vs. Provence 4:2


Abschlusstabelle der Vorrunde:




Spiel um Platz 3: Land der Samen vs. Kurdistan 3:1

FINALE: Padanien vs. Aramäisch-Syrien 2:0


Damen:

Land der Samen vs. Kurdistan 4:0, 12:1 (Gesamt: 16:1)


Das Turnier verlief bei den Herren also doch recht überraschend, insbesondere da die favorisierten Gastgeber aus dem Land der Samen schon bald die Hoffnungen auf die Titelverteidigung unterm Permafrost begraben mussten. Schon nach dem 0:1 gegen Aramäisch-Syrien war diesbezüglich sozusagen das Rentier aus dem Sack und Feuer am Zeltdach. Am Ende reichte es gerade einmal für den dritten Platz. Dafür gab es im erstmals ausgetragenen Damenbewerb den Titel für die Saminnen - und das mit einem Gesamtscore von 16:1 gegen die kurdische Auswahl. Auch im Männerbewerb hatten die hochmotivierten Kurden letzten Endes im Kampf um den Titel nichts mitzureden. Sie brachten zwar das fanatischste Publikum mit (siehe Video weiter unten) und hatten auch zahlenmäßig mit Sicherheit die stärkste Unterstützung im Rücken (die Spiele wurden im Kurdisch-Irakischen Fernsehen übertragen!), letztlich setzte es aber dann doch ein paar knappe Niederlagen zuviel und man wurde Vierter. Immerhin, 5 Punkte konnte die laut den Spielberichten sehr kampfstarke kurdische Mannschaft erringen. Weit weniger gut erging es da den Provenzalen, die vermutlich der mangelnden Breite in ihrem Kader zum Opfer fielen - sämtliche Spieler stammten von ein und demselben Provinzklub. Für sie setzte es einige gut gewürzte Niederlagen und null Punkte. Die positive Überraschung des Turnieres lieferte hingegen die Auswahl von Aramäisch-Syrien, die Wundersames bewirkte und bis ins Finale vorstieß, wo dann Padanien doch zu stark war. Der Triumph der Norditaliener überrascht bei näherer Betrachtung des aufgebotenen Kaders dann doch eher weniger, finden sich hier doch zwei Spieler von Treviso, einer von Vicenza und gar einer von Chievo Verona (nämlich Federico Cossato, 48 Treffer in den beiden obersten italienischen Spielklassen, noch Fragen?). Außerdem sind sie eben doch Italiener und da gehört das Fußballtalent einfach dazu! Falls ihr nach diesem Posting nichts mehr von mir hört, wurde ich Opfer eines wütenden padanischen Mobs mit Fackeln und Gucci-Handtaschen..


Ein bildlicher Eindruck gefällig? In Zeiten von YouTube kein Problem..

Dienstag, 15. Juli 2008

Die Idolwirkung

Das Eisgelüst kam sehr überfallsartig, als ich vorgestern Abend gerade die Landstraße zu Linz entlang ging und beim Eissalon "Dolce" (der mit dem besten Eis von Linz) einen Mann sah, der trotz kühlen Regenwetters zwei Kugeln orderte.

Ich war im Zwiespalt. Ich hatte an diesem Tag noch nicht allzuviel gegessen und ein Eis schien mir irgendwie ein guter Abschluss eines arbeitsintensiven Wochenendes zu sein. Aber ich wusste auch, dass ich damit gegen innere Prinzipien verstoßen würde. Ich unterziehe mich derzeit nämlich einer relativ strengen Selbstkasteiuung, die darin besteht, dass ich weniger, gesünder und bewusster esse, gesünder und bewusster trinke und - der Teil des Planes geht derzeit nur bedingt auf - viel mehr Sport betreibe. Das hat mir bisher einen nicht unbeträchtlichen Energieaufschwung beschert und ich betrachtete das Eis nun als Stolperstein auf diesem guten Weg.

Ich ging daher grimmig entschlossen weiter und ließ das "Dolce" rechts liegen. Meine Schritte führten mich zum Hauptplatz. Und da sah ich ihn dann.

Ivica Vastic höchstpersönlich. Er stand mitten am Hauptplatz und verspeiste gerade genüsslich...ein EIS! Mit drei Kugeln!! Jener Ivo Vastic, der mit seinen geschätzten 72 Jahren noch immer einer Gazelle gleich durch die Strafräume des Landes springt, der Freistöße ins Tor hineinzaubert wie Michelangelo den Adam in die Sixtinische. Jener Vastic, der Österreich im Alleingang zum Europameisterschafts-Vorletzten geschossen hat.

Ich drehte um und ging zum "Dolce" zurück. Schokolade und Stracciatella, beinhart.

Sonntag, 13. Juli 2008

BuLi # 1: Kapfenberg vs. Austria Wien

Er hat uns also wieder, der Bundesligaalltag. Und natürlich ist es nicht ohne Härte, so kurz nach Ende der besten Euro aller Zeiten schon wieder mit dieser anderen Art von Fußball konfrontiert zu werden.

Die erste Runde hat allerdings ihn vielerlei Hinsicht durchaus viel versprechende Ansätze gezeigt, zumindest soweit ich das den Zusammenfassungen entnehmen konnte. So scheint sich der offensive Geist der Euro auch in hiesig-nationale Fußball-Gefilde herübergerettet zu haben. Symbolhaft steht dafür der Wechsel am Trainerstuhl der Dosenstädter, wo nach Trapattoni nun der Holländer Co Adriaanse sitzt und offensichtlich einen wahrhaft begeisternden Hang zum angriffslustigen Spiel auslebt. Neu-Holland statt Alt-Italien, das macht im Sinne des Fußballs auch dem Nicht-Dosen-Freund Freude! Zudem ist der Anteil junger österreichischer Spieler merklich gestiegen und, oh Wunder, sogar in der Dosen-Truppe laufen sie rudimentär auf.

Bei Ansicht meines ersten Liga-Live-Spieles nach dem Euro-Marathon fallen aber dann doch auch die vergleichsweise weniger schönen Seiten des Ligageschehens in den Blick.

Zum Beispiel, dass hier - bei aller Sympathie für die Gemeinde, die Region, die durchaus forsch nach vorne spielende junge Mannschaft und Werner Gregoritsch - Holzhackertruppen wie Kapfenberg mitmischen dürfen (Qualtinger schau oba), gegen die Otto Rehhagels Griechen aussehen wie eine Galavorstellung der brasilianischen Fußballnationalmannschaft. Und, dass sich die Schiedsrichter diesem Niveau nur allzuoft anpassen.

Und, dass den österreichischen Klub- und somit Ligaverantwortlichen anscheinend ein paar Tausend Euro mehr im Börserl immer noch mehr zählen, als für die Zuschauer optisch ansprechenden Sport zu bieten. Anders ist es ja wohl nicht zu erklären, dass die Spieler wie laufende Litfasssäulen daherkommen. Die sich liebevoll an das Hinterteil schmiegende "Kleine Zeitung" ist ja schon sattsam bekannt, die Werbung am verlängerten Rücken ist schließlich eine originär österreichische Erfindung. Dass aber der bei der Euro eingeübte Blick unter den rückseitigen Kragen des Trikots zwecks Feststellung der Identität eines noch nicht hinreichend bekannten Spielers hier auf einen dicken, fetten Sponsorennamen prallt, scheint mir eine jüngere Entwicklung zu sein.

Mit solchen Aktionen verspielt man sich auf Dauer die Gunst der Fußballfans. Ein gemeinsamer Ausflug der österreichischen Klubpräsidenten und der Ligaoffiziellen zu hochprofessionell geführten US-amerikanischen Profiligen (wo man, unter anderem, erkannt hat, dass der eigene Name die wichtigste Marke ist..) wäre anzuraten.


Haareraufen bei Austrias Unglücks-Chinesen Sun.


PS: Die Yeasayer/Sigur Rós - Kritik hab ich nicht vergessen, die kommt in den nächsten Tagen noch!

Donnerstag, 10. Juli 2008

Hicke strikes back

Gestern stehe ich nichts Böses ahnend an der Bushaltestelle, da kommt auf der Straße ein Auto angefahren und ich blicke, noch immer nichts Böses ahnend, Richtung Lenker. Da trifft es mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel (es war wolkenlos schön): Hicke!!

Mag sein, dass ich nicht immer nett zu ihm war, aber muss er mich denn jetzt dermaßen erschrecken? Nichts deutete auf diese erneute, plötzliche Promi-Attacke hin! Hickes Gefährt war unauffällig, es war kein Golfwagen und er trat auch nicht pausenlos auf die Bremse. Wie hätte man ahnen können, was sich hinter der leicht getönten Windschutzscheibe verbirgt?

Danach war ich verstört. Wie es manchmal nach völlig überraschenden, aber auch rasch vorbeigezogenen, Begegnungen vorkommt, begann ich jetzt das Gesicht des Erkannten - ein erstaunliches Phänomen menschlicher Wahrnehmung - überall zu sehen. Hicke mit Gehstock, Hicke mit Kinderwagen, Hicke im Hawaii-Hemd, Hicke mit Kopftuch. Überall Hicke. Vielleicht war es ja auch nur eine Widerspiegelung der letzten Monate und der hemmungslosen Hickefizierung der österreichischen Gesellschaft, aber es war beängstigend. Ich hatte so etwas Ähnliches schon einmal erlebt, vor drei Sommern, mit Markus Rogan, nur das sein Konterfei mit dem stechend-feixenden Blick damals WIRKLICH an jedem Laternenpfahl angebracht war..

Sollte mich Hicke weiter peinigen, werde ich einen Ort aufsuchen, an den er mir nicht folgen kann.

Ich spreche von der Färöer-Inseln. Soll sehr schön sein dort. Ich bin ja fest davon überzeugt, dass Hicke nur deswegen vom Amt des österreichischen Teamchefs zurückgetreten ist, weil er Angst davor hat, dorthin fahren zu müssen. Er ist halt noch nicht soweit, dass er sich seinem Trauma stellen kann. Schade für ihn.

Mittwoch, 9. Juli 2008

Linz09 # 1: Die Skepsis

Normalerweise ist es ja so, dass in den letzten Monaten vor einem Großereignis die Vorfreude und die positive Neugierde wächst. Im Fall von Linz09 ist es eher so, dass die Skepsis wächst und wächst und wächst..

Ein interessantes Interview zu dem Thema findet sich im Standard. Stefan Haslinger spricht hier im Namen der "Freien Szene", und es hört sich nicht so sehr nach Selbstüberschätzung an als nach durchaus fundierter Kritik, die zur Seite geschoben werden soll.


PS: Den Bericht über das gestrige Yeasayer/Sigur Rós-Konzert in der ARENA muss ich aus zeitlichen Gründen noch schuldig bleiben, am Wochenende sollte der aber dann nachgereicht werden!

Dienstag, 8. Juli 2008

Ehre, wem Ehre gebührt

Zum eben behandelten Thema Humor und Politik (man merke: die österreichische kommt in diesem Zusammenhang nicht vor), noch ein schöner SPIEGEL-Artikel..

So, jetzt reichts aber endgültig für heute..

Jenseits von Dumm und Böse

Normalerweise ist ja der Silvio selber für solche Fehltritte gut. Man erinnere sich nur etwa an seinen legendären Auftritt aus Anlaß der Einrichtung der Europäischen Lebensmittelagentur in Parma. Damals plauderte er bei einer Pressekonferenz im finnischen Helsinki frei von der Leber weg darüber, dass es gut sei, dass jene Agentur nicht an Mitkonkurrent Finnland gegangen sei, da man das, was man hier vorgesetzt bekomme ("hier bekommt man nur geräucherten Fisch"), nicht als Essen bezeichnen könne. Außerdem habe er seine "romantischen Qualitäten" erfolgreich eingesetzt, um die zuständige finnische Ministerin zu überzeugen. Der finnische Ministerpräsident und EU-Kommissionspräsident Barroso saßen damals neben ihm und wurden immer bleicher und bleicher..

Jetzt ist er selbst Opfer eines solchen diplomatischen Mißgeschicks geworden. Die Bushleute haben es in ihrer Pressemappe zum G8-Gipfel geschafft, unabsichtlich die Wahrheit zu sagen. Normalerweise sind die ja eher für das exakte Gegenteil bekannt. Vermutlich handelt es sich hier aber auch nur um einen "Copy-And-Paste"-Unfall..

Der Cup der Anderen

Die Euro ist vorbei und es dauert wieder zwei Jahre bis zum nächsten ernstzunehmenden internationalen Fußall-Kräftemessen. Falsch.

Einerseits ist da natürlich das Olympische Fußballturnier, eine etwas sonderbare, aber doch recht interessante Veranstaltung. Dort gibt es jede Menge hochtalentierte junge Spieler zu begutachten und die Argentinier schicken sogar Messi und Riquelme hin. Na bitte!

Und außerdem ist da ja auch noch der VIVA World Cup 2008, dessen erster Spieltag gestern über die Bühne gegangen ist. Er wird dieses Jahr zum zweiten Mal ausgetragen und findet im ganz hohen Norden, in den lappländischen Ortschaften Gällivare und Malmberget statt. Veranstalter dieses Turnieres ist das Nouvelle Féderation-Board (NF-Board). Das NF-Board ist die Föderation der nicht in der FIFA bzw. UEFA vertretenen Fußballverbände. Diese Verbände sind bei den Großverbänden nicht dabei, weil sie sportliche oder organisatorische Mindestvoraussetzungen (noch) nicht erfüllen, wie Monaco, Kiribati oder Grönland, oder weil es sie - dies trifft auf die meisten zu - aus politischen Gründen eigentlich gar nicht geben darf, wie Tibet, Westsahara, Tschetschenien oder Nord-Zypern.

Man kann sich vorstellen, dass diese Verbände nicht unbedingt unter den besten (organisatorischen wie finanziellen) Voraussetzungen operieren und so ist auch zu erklären, daß es zum VIVA World Cup 2008 angesichts von 28 NF-Board-Mitgliedern nur 5 Herren- und 2 Damen-Auswahlen geschafft haben. Im Herrenturnier treten die Syrischen Aramäer, Kurdistan (die beide noch gar keine NF-Board-Mitglieder sind), Padanien, die Provence und die Gast gebende samische Auswahl an, für das Damenturnier haben neben den samischen Fußballerinnen auch noch die kurdischen genannt.

Als klarer Turnierfavorit müssten bei den Herren eigentlich die Samen gelten. Nicht nur der Heimvorteil spricht für die Lappländer (es steht zu bezweifeln, dass die Konkurrenten schon einmal am Polarkreis unter der Mitternachtssonne Erfahrungen gesammelt haben), sie sind als Zweitplazierte der NF-Board-Weltrangliste auch das höchstgerankte Team des Bewerbes (der Weltranglistenerste Sansibar hat die Reise zum Polarkreis nicht angetreten..). Zudem sind sie auch der regierende Champion, haben sie doch vor zwei Jahren im okzitanischen Hyères durch einen recht deutlichen 21:1-Sieg über Monaco die "Nelson Mandela-Trophy" des erstmals ausgetragenen VIVA World Cups erobert (weiterer Teilnehmer damals: Okzitanien, die Auswahl von Südkamerun musste am Flughafen wegen Visaproblemen kehrt machen).

Doch der gestrige Tag hat gezeigt, dass der Bewerb spannender werden dürfte, als zunächst angenommen. Die bisher gar nicht in Erscheinung getretenen Kurden rangen den Hausherren in Gällivare ein überraschendes 2:2-Unentschieden ab! Das verspricht Spannung für den weiteren Verlauf des Bewerbes, zumal es ja auch im Damenturnier zu diesem Showdown kommt und auch noch nicht gesagt werden kann, wie stark eigentlich die bei den Herren noch antretenden Auswahlen der Aramäer, Provenzalen und Padanier sind. Ich werde dran bleiben und ein abschließendes Resumée ziehen!

Achja, der Vollständigkeit halber: einen Confed Cup wird es vermutlich auch wieder geben. Aber wir reden hier ja von ernstzunehmenden Veranstaltungen.

Mittwoch, 2. Juli 2008

Der Euro-SMS-Stream

Die Euro, das waren drei Wochen spannenden und attraktiven Fußballs, das waren Kombinationen, Zweikämpfe und Tore, Triumphe wie Niederlagen. Die Euro, das war aber auch ein hierzulande nie dagewesenes Ausmaß an Kommunikation über Fußball. Auch per SMS, natürlich.

1. Tag, 7.6.2008
Ich: Auf Maturafeierwochenende im Burgenland

Helvetia vs. Ceska Republika 0:1

Portugal vs. Türkiye 2:0


2. Tag, 8.6.2008
Ich: in der Fanzone am Rathausplatz

18.05, Ich: Jo, da Aufhauser...

Österreich vs. Hrvatska 0:1

21.10, G.: Klose auf Podolski, und schon steht´s 1:0 für Polen. (Bruhaha.)
21.11, Ich an G.: Die Polen spielen auf das falsche Tor!

Deutschland vs. Polska 2:0



3. Tag, 9.6.2008
Ich: zu Gast bei Freunden in Wien

Romania vs. France 0:0

21.16., G.: Die Niederländer sind ja gut in Vaart!
21.18, Ich an G.: Ein Hauch von ´88..
21.40, G.: Das tapfere Snejiderlein möchte offenbar elf Italiener auf einen Streich erlegen..

Nederland vs. Italia 3:0

4.Tag, 10.6.2008
Ich: in Wien in der WG

Espana vs. Rossija 4:1

Hellas vs. Sverige 0:2



5.Tag, 11.6.2008
Ich: in Linz im Neustadtviertel

Ceska Republika vs. Portugal 1:3

Helvetia vs. Türkiye 1:2

22.49, Ich an F. und G.: Ich hätte jetzt schon diverse Autokorsos erwartet, hier in Klein-Istanbul!
22.54, Ich an F. und G.: Ok ich nehm alles zurück..
22.56, F.: Dacht ichs doch.




6.Tag, 12.6.2008
Ich: in Linz im Neustadtviertel

19.55, Ich an F. und G.: Und wir haben uns schon so gefreut, dass die Griechen damit nicht mehr durchkommen..

Hrvatska vs. Deutschland 2:1

20.25, Ich an F. und G.: Jetzt kommen grad die Türken aus ihren Häusern und schauen sich den kroatischen Autokorso an..

21.33, G.: S......., wer soll für uns bloß die Tore schießen?
21.37, Ich an G.: Ivo, dann ist er nicht mehr nur Österreicher, sondern Mozart und Lippizzaner in Personalunion..
22.37, Ich an G.: Ja, wie gesagt..

Österreich vs. Polska 1:1

22.46: G.: Bin schon auf die Schlagzeile der morgigen Kronenzeitung gespannt. Zum echten Österreicher wurde Ivo ja schon ´98 geadelt. Womit kann man ihn noch belohnen?
22.47, Ich an G.: Ein Schloss am Wörthersee..
22.57, Ich an F., G. und M.: Das ist peinlich, ein Autokorso nach einem eins zu eins gegen Polen..
23.00, F.: Wieder einmal hat der LASK Österreich gerettet.
23.01, Ich an F.: Wer sonst?




7.Tag, 13.6.2008
Ich: Zu Gast bei einem Freund in Linz

18.20, G.: Gruppe C hält wieder einmal, was die Namen versprechen!

Italia vs. Romania 1:1

Nederland vs. France 4:1

22.35, A.W.: :-)
23.07, G.: Das ist mehr als nur ein Hauch von ´88..


8.Tag, 14.6.2008
Ich: in Linz im Neustadtviertel

19.00, Ich an G.: Das war wieder einmal...zlatanisch!

Sverige vs. Espana 1:2

Hellas vs. Rossija 0:1



9.Tag, 15.6.2008
Ich: Bei meinen Eltern in Wien

21.18, A.P.: Hast du kurz Zeit zu telefonieren?
21.20: Ich an A.P.: Leider nicht, die Euro..

Helvetia vs. Portugal 2:0
Türkiye vs. Ceska Republika 3:2


10. Tag, 16.6.2008
Ich: Bei F. in Wien

Polska vs. Hrvatska 0:1
Österreich vs. Deutschland 0:1

11.Tag, 17.6.2008
Ich: in der WG in Wien

Nederland vs. Romania 2:0
France vs. Italia 0:2




12.Tag, 18.6.2008
Ich: im Neustadtviertel in Linz

21.41, G.: Aus meiner Kalauerkiste: die Russen lassen den Ball kreisen wie sonst nur die Wodkaflasche. Schwedische Abwehr hölzern wie ein Ikea-Regal.
21.49, Ich an G.: Und vor allem ist das defensive Mittelfeld der Schweden brüchig wie Knäckebrot!
21.54, G.: Und die Schüsse der russischen Spieler kommen so präzise wie von KGB-Agenten.
22.00, Ich an G.: Und Arshawin strahlt mehr als Nowaija Semlja!
22.12, G.: Ja, der ist heute heiß wie ein Brennstab!

Rossija vs. Sverige 2:0
Hellas vs. Espana 1:2




13.Tag, 19.6.2008
Ich: in Linz im Neustadtviertel

20.54, Ich an G.: Ich beginne sehr an meinem EM-Tip zu zweifeln, ich glaub, die Dampfwalze erreicht gerade wieder Betriebstemperatur..
21.07, G.: Kassandra!
21.11, Ich an G.: Ratatatatata...

Portugal vs. Deutschland 2:3

22.40, Ich an G.: Finale Deutschland-Holland.
22.42: T.: S...... Germanen!
22.44: Ich an T.: Sie fallen schon wieder plündernd über Europa her..


14.Tag, 20.6.2008
Ich: in Linz im Neustadtviertel

19.39, Ich an F., G. und M.: Die Autokorsos haben hier schon vor einer Stunde angefangen, die Nacht wird laut..
19.50, M.: Diese Ausländer.. *g*
19.51, F.: Die Situation ist hier in Wien die gleiche.
19.58, Ich an M.: Ich finds gut, da ist endlich was los in dem beschaulichen Linz.
19.58, M.: Ja eh lg
20.16, G.: Ich bin grad in einem Lokal in der Ottakringer Straße und weiß noch nicht, welchen Gesichtsausdruck ich aufsetzen soll, wenn ich nach Schlusspfiff rausgehe...
23.17, Ich an G. und F.: Unglaublich, diese Türken..
23.20, F.: Da hat er geschaut, der Bilic.

Hrvatska vs. Türkiye 2:4 n. Elfmetersch.




15.Tag, 21.6.2008
Ich: auf einer Sonnwendfeier in Niederösterreich

21.58, Ich an G. (der völlig unverständlicher Weise das Sonnwendfeuer dem Spiel vorzieht): Eins null Russland

Nederland-Rossija 1:3

23.15, Ich an A.W.: Beileid.


16.Tag, 22.6.2008
Ich: bei den Bobos im WUK in Wien

Espana vs. Italia 4:2 n. Elfmetersch.

23.33, I.: Gott sei dank! Spanien hat gewonnen.


17.Tag, 25.6.2008
Ich: auf einer wichtigen Vereinssitzung, in der Straßenbahn, im strömenden Regen, unter dem Obdach einer Bushaltestelle, bei T., der mitteilt, dass leider kein Fernseher zur Verfügung steht

Deutschland vs. Türkiye 3:2




18.Tag, 26.6.2008
Ich: mit einem Freund in einer Bar in Linz

Espana vs. Rossija 3:0


19.Tag, 29.6.2008
Ich: in Wien in der WG

Deutschland vs. Espana 0:1

30.6.2008, 8.50, T.: Es gibt doch noch Gerechtigkeit auf der Welt.



Dienstag, 1. Juli 2008

Ball aus, retrospektivieren wir




Die Abende stehen wieder zur freien Verfügung, der Tinnitus à la "Seven Nation Army" beginnt sich langsam wieder zu verflüchtigen, Hektoliter üblen Bieres wandern in die Kanalisation und die Frau an der Fleischtheke interessiert sich nicht mehr für die Aufstellungsvarianten der russischen Fußballnationalmannschaft oder irgendeiner Elf.

Die Euro 2008 ist Vergangenheit. Ein schönes Stück Vergangenheit, wiewohl. Drei Wochen lang wurde auf erfreulichem Niveau Fußball organisiert und gespielt. Womit Werbung für diesen Sport gemacht und dessen Akzeptanz in der breiten Öffentlichkeit merklich erhöht wurde. Der allseits kolportierte explosionsartige Anstieg weiblicher Euro-Zuschauerinnen zeigt, dass der europäische Sport-König Fußball langsam in der Mitte der Gesellschaft angekommen sein könnte. Zumindest einmal während des Ausnahmezustandes der Großereignisse.

Einen wahrhaft würdigen Sieger hat die Euro auch gebracht. Der schöne, der schnelle und der zukunftsweisende Fußball der "Furia Roja" hat den Pokal errungen und damit wohl mehr für die Einheit und Einigkeit Spaniens getan, als hunderte Reden von Premierministern und Königen es je vermocht haben. Ich war ja nie ein Anhänger der spanischen "Seleccion" (und schon gar nicht von Luis Aragones, dem alten Ungustl), aber hier muss man unumwunden attestieren, dass das beste und das richtige (noch einmal ein Adieu an Hicke!), weil folgerichtige, Team diese Meisterschaft gewonnen hat. Weil es immerzu den Zug zum Tor suchte. Und weil es nicht nur über immense einzelfußballerische Qualität verfügt, sondern vor allem auch, weil es als Gefüge wie geschmiert lief und weil es in allen Mannschaftsteilen großartig besetzt und in Form war und nahezu fehlerfrei funktionierte. Letzteres kann man von keiner anderen Equipe des Bewerbes behaupten. Da kommt mit Sicherheit auch Aragones, dem alten Ungustl, ein Gutteil des Verdienstes zu, keine Frage.

Wirklich erfreulich ist dabei, neben dem Umstand, dass sich hier (ganz im Geiste dieses Turnieres) ein immer konsequent auf schnelle Offensive ausgerichteter Fußball durchgesetzt hat, auch noch, dass sich offensichtlich die Riege der europäischen Fußballgroßmächte bedeutend erweitert hat. Neben der doch noch jungen spanischen Truppe, die endlich den Fluch der Erfolgslosigkeit besiegt hat, ist auch von den noch in Entwicklung befindlichen Russen in Zukunft Großes zu erwarten. Und auch die kampfstarke Türkei hat sich nun endgültig unter den großen europäischen Fußballnationen etabliert.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Wir blicken also angesichts dieser Gegebenheiten mit großem Optimismus und mit großer Vorfreude auf die Kampagne zur WM 2010 in Südafrika. Wenn nun auch die Brasilianer und die Engländer endlich wieder ihre Form finden und die afrikanischen Mannschaften ihren "Heimvorteil" zu nutzen wissen, kann, ja muss das eine große WM werden! Mit einem nie dagewesenen Aufgebot an Titelanwärtern.

Für weitergehende, ernsthafte, Analysen sei auf den Herrn Blumenau verwiesen. Ein seltener Lichtblick, das muss auch einmal gesagt werden, in der von Fußballhalbwissen geprägten österreichischen Medienlandschaft. Seinen All-Star-Kader kann man nur unterschreiben und Ja und Amen dazu sagen.

Morgen gibt es dann einen letzten Nachschlag, einen kleinen Euro-Rückblick der etwas anderen Art. Dann fällt endgültig der Vorhang.