Freitag, 28. November 2008

State of the Unart

Durch den eigenen Wahlsieg ermutigt, mehren sich hierzulande im rechtsextremen Lager wieder die verbalen Entgleisungen. Entgleisungen, die in vielen entwickelten Demokratien wohl zur sofortigen Demission des betreffenden Politikers führen würden. Nicht so in Österreich. Die Rülpser der von Wolfgang Schüssel salonfähig gemachten Rechtsausleger generieren hier in Wahrheit nur mehr ein hilfloses Achselzucken (das ist das Prägende am Erbe von Jörg Haider, Herr Superintendent!).

Eine erschreckende und pointierte Zusammenfassung letzter Umtriebe kann man bei Florian Klenk nachlesen..

Mittwoch, 26. November 2008

Willis neues Leben

Ein kleiner Beitrag zu der stets beliebten Frage: "Was wurde eigentlich aus..?"

Willi Molterer hat nach dem recht abrupten Ende seiner Karriere in der österreichischen Hochpolitik zwar sein Nationalratsmandat behalten (wegen der politischen Mitgestaltung, vermutlich), sich ansonsten aber einen langgehegten Bubentraum erfüllt.

Er hat seinen Bart abrasiert, seine Brille gegen Kontaktlinsen getauscht und wurde Präsident und General Manager des US-amerikanischen Eishockeyvereines Minnesota Wild. Dort wird er gar als "Man in Charge" bezeichnet! Um seine Akzeptanz in der neuen Heimat zu fördern hat der Sierninger - dem großen Vorbild Franz Strohsacks folgend- seinen Namen geändert. Er heißt nun "Doug Risebrough", ein lustiger Wortwitz des für seinen Humor und seine enorme Pfiffigkeit bekannten Molterer, mit dem er auf das gewieft eingesetzte Heben der Augenbrauen anspielt.

Wir gratulieren ganz herzlich!

Zu Willis neuem Leben..(bitte ein bisschen hinunterscrollen und sich mitfreuen!)

Dienstag, 25. November 2008

Call Me Spielberg

Nein, ich träume hier nicht davon, als Beton-Ödnis wiedergeboren zu werden, auf der Rennboliden mit über 200 km/h im Kreis fahren, bis Bernie Ecclestone keine Lust mehr hat und sich von einem Scheich einkaufen lässt.

Ich bin vielmehr vor kurzem darauf aufmerksam geworden, dass man mich mittlerweile mit Fug und Recht zur Gilde der Filmregisseure zählen kann.

Mein Erstlingswerk, das auf YouTube das Licht der Weltöffentlichkeit erblickt hat, ist zwar noch eher in die Kategorie Avantgarde-Meisterwerk einzuordnen und noch kein Hollywood-Kassenknüller, aber das kann ja dann sicher noch kommen. Im Augenblick also vielleicht doch noch eher Achternbusch als Spielberg.

Im Übrigen hat dieses Auftragswerk einem Freund zu einer wahren Katharsis verholfen. Und das ist doch auch schon was.

Sonntag, 23. November 2008

Aufruf zum Outing

Einmal im Jahr kommt der Moment, wo einem gewahr wird, dass das Ende des Jahres naht. Und mit dem Ende des Jahres sind auf diesem Blog die Jahresrückblicke und die Jahresendlisten unweigerlich verknüpft.

Ich will dieses Jahr Rechenschaft darüber ablegen, welche Kinofilme mir am besten gefallen haben, welche Musik ich am liebsten gehört habe und mehr. An dieser Stelle kommst jetzt du, werte(r) LeserIn ins Spiel (ich erlaube mir die Duzform, da ich jetzt einmal davon ausgehe, dass meine StammleserInnen und ich sowieso persönlich bekannt sind)! Ich möchte auch von dir wissen, was dir im letzten Jahr die meiste Freude bereitet hat - cineastisch, musikalisch und auch sonst! Ich möchte gerne über meinen Tellerrand hinausschauen und vielleicht durch eure Favoriten neue Impulse erhalten..

Lasst mich doch bitte an euren Siegern in folgenden Kategorien teilhaben:


Bester Kinofilm im Jahr 2008

Am liebsten gehörtes Musikalbum (muss nicht aus 2008 sein)

Am liebsten gehörtes Musikstück (muss nicht aus 2008 sein)

Bestes Konzert im Jahr 2008

Das überhaupt Beste aus 2008 (falls nicht schon oben angeführt)


Ihr könnt auch nur zu einigen Kategorien oder auch nur zu einer einzigen Kategorie antworten! Mehrfachnennungen in einer Kategorie sind möglich, falls die Entscheidung sonst zu schwer fällt. Über eine kurze Begründung/Rezension würde ich mich sehr freuen. Die Wahl der Musikrichtungen ist natürlich völlig frei (keine Beschränkung auf Popularmusik).

Übermittelt mir euer Votum bitte via einwinzer@gmx.at oder auf einem anderen euch bekannten Weg (jedoch nicht per Kommentar). Unter allen TeilnehmerInnen wird ein persönlich maßgeschneiderter Preis verlost (das Verlosungsprozedere wird auf Video festgehalten und somit ganz transparent gehalten). Die Ergebnisse dieser Umfrage werden sodann auf diesen Seiten veröffentlicht.

Mittwoch, 19. November 2008

Hinter der chinesischen Feuermauer

Ich werde das China Channel Firefox Add-On nicht installieren.

Schließlich möchte ich auch weiterhin tagtäglich die Seiten von Amnesty International besuchen können - und mein Blog, das diese Seiten (und auch die "Reporter ohne Grenzen") verlinkt und das der chinesischen Internetzensur deswegen möglicherweise ebenso zum Opfer fällt.

Falls das aber jemand ausprobiert hat, freue ich mich, Erfahrungswerte berichtet zu bekommen.

Feine Aktion, jedenfalls!

Dienstag, 18. November 2008

Ohrenfälliges # 16

Obwohl ich die Cinematics dank diesem feinen Blog 2006 schon auf dem Radar hatte, dürfte mir die Nummer "Break" damals irgendwie entgangen sein.

Fast erstaunlich, dass dieser 80er-Retro-Edelstein für die Schotten noch nicht den ganz großen Durchbruch bedeutet hat. Derzeit wird übrigens dem Vernehmen nach am zweiten Album gewerkt.

Für jeden, der Neo-Post-Punk-Gitarren, Neo-Post-Punk-Frisuren, Neo-Post-Punk-Texte und Neo-Post-Punk-sonstwas noch nicht ganz satt hat, eine kleine Offenbarung.

Donnerstag, 13. November 2008

Sarah wundert sich # 3: Autofahrer in Linz


Gelegentlich muss sich meine Freundin Sarah über Linz, Oberösterreich oder die Oberösterreicher wundern. Wenn das passiert, ersuche ich sie darum, das auf diesen Seiten zu verarbeiten.

Wieder einmal etwas, was mich in Linz doch sehr überrascht hat. Obwohl- überrascht ist vielleicht das falsche Wort, ist mir dieser Umstand doch schon zumindest im Ansatz auch bei früheren Linz- Besuchen aufgefallen.

Mag sein, dass Linz, wie in einem Kommentar zu einem meiner früheren Posts hier erwähnt wurde, eine Stadt für Autofahrer ist, aber die Autofahrer sind scheinbar auch dankbar und dementsprechend freundlich und- aus meiner Wiener Sicht- schon fast unheimlich unaggressiv. Das Auffälligste ist wohl, dass diese vor Zebrastreifen stehen bleiben- nicht erst, wenn sich der Fußgänger schon zwei, drei Schritte auf die Straße gewagt hat, nein, schon wenn ein Fußgänger auch nur in der Nähe des Überganges ist und ungefähr in Richtung Straße geht.

Ich war auch schon zweimal ein Wochenende mit dem Auto hier unterwegs, und da nun mal gezwungener Weise ortsunkundig, meist langsam und suchend und leicht verwirrt. Ich kann mich nicht erinnern, je angehupt worden zu sein (und in Wien passiert das, sobald man langsamer als 50 km/h unterwegs ist in einem fort) oder geschnitten oder blöd überholt oder beschimpft oder sonst was. Die Leute sind einfach nett hier. Selbst wenn sie im Auto sitzen. Erstaunlich.

(Ich behalte mir vor, all diese Aussagen zu revidieren, sobald ich das erste Mal mit einem Fahrrad die Straßen von Linz kennen lernen durfte..)

Mittwoch, 12. November 2008

Cover Cruelty # 1

Manche Cover sollten vielleicht besser unter der Decke bleiben. Außer man nimmt sie mit Humor, was wir hier tun wollen.


Heute: Paul Anka interpretiert Nirvanas "Smells Like Teen Spirit". Zwei Musikergenerationen, die gegensätzlicher kaum sein könnten, werden hier..äh..vereint..


Dienstag, 11. November 2008

Sonntag, 9. November 2008

Stockholm in Buchstaben

Ein rasches, ganz subjektives ABC meines Stockholm-Trips.

A wie Armut & Alkoholismus: Ich weiß nicht, wie die das machen, die Stockholmer. Entweder sie verstecken sie irgendwo, die Obdachlosen, die Bedauernswerten, die Gezeichneten. Oder es gibt sie dort wirklich nicht. Vielleicht waren wir ja in den "falschen" Vierteln unterwegs, aber in vier Tagen in Schwedens Kapitale habe ich genau einen Bettler gesehen, der ganz ordentlich daherkam, einen alkoholisierten Menschen getroffen, der sehr fröhlich in der U-Bahn musiziert hat und eine Gruppe von blitzblanken Bahnhof-Punks erblickt, die alle mit feiner Markenkleidung angetan waren. Der durchschnittliche Stockholmer jedenfalls kam ungemein proper-wohlhabend daher.

B wie Balltreten: Die schwedische Fußballnationalmannschaft lächelt einem von diversen Kaugummipackungen entgegen und im Fernsehen werden laufend Partien aus den großen europäischen Fußballligen übertragen.

C wie Computerspiele: Anscheinend sehr populär, wie häufige Werbespots in Fernsehen und Kino - hauptsächlich für Ego-Shooter- andeuten.

D wie Damen: Groß, blond, schlank. Wers mag..

E wie Englisch: Die zweite Muttersprache der Schweden. Löste 1945 (!) Deutsch als Pflichtschulfach ab und ist dank Untertitelung sämtlicher englischsprachiger Filme und Serien auf allen Kanälen in den Zungen der Einheimischen fest verankert.

F wie Fischen: Tun die Stockholmer mitten in ihrer Stadt, auf Brücken oder gar in Kanälen stehend.

G wie Getränke: Das beste Mittel gegen Alkoholkonsum im Übermaß sind nicht die Preise, sondern der Geschmack des hiesigen Bieres. Da verzichtet man gerne.

H wie Heidi Klum: Hat auch im schwedischen Fernsehen eine eigene Castingshow. Allerdings treten hier keine Laufsteggerippe gegeneinander an, sondern ModedesignerInnen..

I wie italienisches Essen: Ja, waren wir. Mehrmals.

J wie Jugendherbergen: Beim nächsten Mal vielleicht doch buchen. Nichts gegen unser nettes Appartment eines schwedischen Psychologiestudenten, aber Jugendherbergen sind hier wirklich sehr originell untergebracht - eine auf einem Schiff, eine in einem ehemaligen Gefängnis..

K wie Kommunikation: Die Möglichkeiten des Kommunizierens werden vom Stockholmer/der Stockholmerin nur genutzt, wenn unbedingt vonnöten (z.B. man ist KellnerIn und muss Bestellungen aufnehmen). Dann aber freundlich und untadelig. Ansonsten schweigt man eher. Auch im öffentlichen Raum, wo sich Beschilderungen und sachdienliche Hinweise in Grenzen halten.

L wie Lärmpegel: Ein Restaurantraum voller Schweden macht demnach weniger Lärm als eine einzige Abendessens-Gesellschaft in unseren Breiten.

M wie Marschmusik: Die Musikkapelle der Königlichen Schlosswache hat altmodisch anmutende Uniformen an, aber der Rhythmus, den sie spielen, ist zünftig neuen Zeiten angepasst und gemahnt an den Karneval in Rio!

O wie Ordnungswidrigkeit: Es ist üblich, erlaubt, ja erwünscht auch bei roter Ampel die Straße zu überqueren, solange kein Auto in der Nähe dräut!

N wie Nacht: Beginnt um diese Jahreszeit schon um ca. 16.30 hereinzubrechen. Zum Glück gibt es Fernsehen.

P wie Preise: Im Großen und Ganzen auf Wiener Niveau. Es gibt vielleicht einen etwas größeren Anteil an etwas teureren Lokalen.

Q wie "Quantum Of Solace": Neuer Bond-Streifen. Am letzten Abend im Sergels-Kino auf Englisch mit schwedischen Untertiteln gesehen.

R wie Rauchen: Verboten!

S wie Schiff: Die "Vasa", jenes designierte Flaggschiff der Flotte von König Gustav II. Adolf, das 1628 auf seiner Jungfernfahrt im Hafen von Stockholm versank und 1961 erstaunlich gut erhalten aus dem Brackwasser gefischt wurde, ist zu Recht die größte Touristenattraktion von ganz Skandinavien. Sehr imposant!

T wie "Trick or Treat": Halloween dürfte im stark säkularisierten Schweden von besonderer Bedeutung sein. Die Feierlichkeiten zogen sich offensichtlich über das ganze Wochenende hin.

U wie Untergrundbahn: Heißt hier Tunnelbanen (oder so ähnlich), ist sehr sauber, manchmal sehr voll und hat die geduldigsten Fahrer der Welt. Mehr als einmal schlenderten wir in der sicheren Gewissheit, diese U-Bahn nicht mehr zu erreichen zum Bahnsteig hinunter, waren jedoch chancenlos..

V wie Vorspeise: (Kraut-)Salat und Brot als Vorspeise ist oft dabei - und inklusive!

W wie Weltrekord: Aufgrund der Mega-Rushhour in der U-Bahn am frühen Freitagnachmittag habe ich bei diesem Spiel vermutlich eine Million Punkte erzielt.

X und Y: Hab ich auch beim Scrabble nie angebracht..

Z wie Zufriedenheit: Man lacht hier eher seltener. Dafür schaut man aber auch nur selten richtig unglücklich drein.

Übermorgen dann: Stockholm in Bildern!

Freitag, 7. November 2008

Ohrenfälliges # 15

Von all den mir untergekommenen musikalischen Huldigungen für Barack Obama vielleicht die beste..

Kein Stück drückt die Sehnsüchte so gut aus, die Obama so geschickt aufgegriffen hat, um gewählt zu werden.

Ein euphorisch-spirituelles Stück Reggae zum Feiern.

Donnerstag, 6. November 2008

Obamania

Angesichts der letzten Umfragewerte, die alles andere als einen Sieg von Barack Obama schon als ziemlich unwahrscheinlich erschienen ließen, muss man es sich erst wieder vor Augen führen: das, was da gestern drüben in Amerika passiert ist, ist eine Sensation von welthistorischen Dimensionen.

Nicht nur, dass da ein Mensch nicht-weißer Hautfarbe zum Präsidenten der USA gewählt wurde (als Afro-Amerikaner kann man den Sohn einer Weißen und eines kenianischen Austauschstudenten, der in einer weißen Familie auf Hawaii und in Indonesien aufgewachsen ist, beim besten Willen nicht bezeichnen). Beim deutlichen Wahlsieger handelt sich auch noch um einen Nordstaaten-Demokraten, der einer liberalen Kirchengemeinde angehört, die als erste in den Staaten für das Recht der Homosexuellen, zu heiraten, eintrat.

Noch vor wenigen Jahren hätte man dieses Szenario als völlig absurd zurückgewiesen.

Natürlich haben Obamas politische Hauptwidersacher, die Republikaner, durch ihre durch eigene Dummheit und Gier verschuldete Implosion den Weg für den Senator aus Illinois freigemacht. Vermutlich hätte unter den gegebenen Umständen (Finanzmarktkrise, Bush-Desaster) auch Hillary Clinton McCain geschlagen. Es war aber an Obama, diese Chance zu ergreifen. Er war es, der Weltgeschichte perfekt machte.

Dass ihm das nun in dermaßen eindrucksvoller Manier gelungen ist, hat er der Tatsache zu verdanken, dass er es mithilfe seiner unbestrittenen rhetorischen Fähigkeiten geschafft hat, trotz seines (im US-Kontext) pronounciert linksliberalen Backgrounds die "Mitte der Gesellschaft" zu erreichen. Und, dass er es tatsächlich vermocht hat, die Klientel seiner Vorwahl-Widersacherin Clinton auch für seine Sache zu mobilisieren, die Latinos und Arbeiter. Und schließlich, dass es ihm gelungen ist, die wankelmütigste aller Wählergruppen anzusprechen: die Jungen. Sie, die zu größeren Teilen mittlerweile wohl weniger ideologisch als mehr aus einem Art Lifestyle-Gefühl heraus ihre Stimme abgeben, sind dem blendend auftretenden Obama in Scharen zugelaufen. Hier hat die perfekt vermarktete Oberfläche zum Wahlerfolg beigetragen. Auch wenn das jetzt etwas zynisch klingen mag, aber da dürften ähnliche Faktoren wirksam geworden sein, wie beim Wahlerfolg einer Strache-FPÖ.

Barack Obama hat ihm Wahlkampf große Gesten gesucht, große Worte von sich gegeben und ist auch vor populistischen Ansagen nicht zurückgeschreckt. Dass er lange Zeit für einen sofortigen, bedingungslosen Abzug der amerikanischen Truppen aus dem Irak eintrat, ist ein schönes Beispiel für diesen Linkspopulismus. Auch seine Vision von einem Amerika, das wieder an einem Strang zieht, ist eine Wahlkampf-Fantasie, die sich in der harten, realpolitischen Wirklichkeit erst beweisen muss.

Obama mag angesichts seines glänzenden Siegs schon jetzt wie eine moderne Ikone erscheinen, wie der neuer Kennedy, als der er sich im Wahklampf so gerne inszeniert hat. Aber die größte Herausforderung für Obama ist in Wahrheit nicht der Sieg in den Präsidentschaftswahlen gegen John McCain, sondern sie besteht darin, die großen Bilder und Versprechungen, die er evoziert hat, jetzt im politischen Alltag umzusetzen (siehe auch schon hier). Man darf gespannt sein, ob es Obama auch hier vermag, Geschichte zu schreiben.