Dienstag, 29. Dezember 2009

Rückblog 09 # 1: Bilder des Jahres, 1/3

Ich habe auch dieses Jahr wieder die Fotoordner auf meiner Festplatte durchstöbert und versucht, herauszugreifen, was herzeigenswert erscheint. Dabei musste ich feststellen, dass sich (im Gegensatz zum Vorjahr) diesmal wenige Bilder wirklich aufdrängen. Ich möchte nicht missverstanden werden: es sind viele ordentliche Aufnahmen dabei - aber es fehlt eben das, was heraussticht. Nichtsdestotrotz habe ich wieder 15 Bilder ausgewählt. Wie schon 2008 resultiert die getroffene Auswahl aus einer Balance von Bildqualität, Relevanz des Festgehaltenen und Witz.

Wo möglich habe ich die passenden Postings verlinkt.


15



Kreisky, Spinnerei, Traun, 18.4.2009 (eine meiner drei Begegnungen mit der Band)


14




Knödel-Akademie, stolz absolviert, Linz, 24.8.2009 (Bild: Sarah Berger)


13



Sonnenwende, Pameth (Maria Anzbach), 27.6.2009

12



Kunst im Entstehen, Cesky Krumlov (Krumau), 31.1.2009

11




Komischer Kaktus, Botanischer Garten Linz, 5.4.2009

Montag, 28. Dezember 2009

Cover Oddity # 4

In den 60er Jahren, als man vom durchschnittlichen Musikendkonsumenten noch nicht allzu viel an Weltläufigkeit verlangen konnte und wollte, war es gar nicht so selten, dass internationale Musikstars ihre Hits auch in fremden Sprachen einspielten, um neue Märkte zu erschließen. Die entsprechenden Versuche der Beatles ("Komm´ gib mir deine Hand") sind ja hinlänglich bekannt.

Dass das aber auch Johnny Cash gemacht hat, war mir ehrlich gesagt bis vor kurzem nicht bekannt.




Freitag, 25. Dezember 2009

Gebt mir eure Favoriten!

Auch diesmal will ich es wieder wissen. Was hat euch im zu Ende gehenden Jahr 2009 begeistert, was war gut, richtig und wahr?

An der Jahresumfrage 2008 haben sich 13 LeserInnen beteiligt. Einer erhält demnächst einen Preis dafür. Auch nächstes Jahr wird wieder ausgelost werden, nur dass es diesmal einen ganzen Korb mit Preisen - fünf an der Zahl - gibt, aus denen sich die fünf (!) Gezogenen der Reihe nach bedienen dürfen.

Die Chancen auf einen dieser fantastischen Preise (die auf diesem Blog bald vorgestellt werden) stehen also gut. Wie letztes Jahr ist es keineswegs erforderlich, sämtliche Kategorien (es sind übrigens zwei dazugekommen) zu beantworten, eine reicht für die Teilnahme aus.

Die Kategorien der Jahresumfrage sind:

Bester Film, 2009 im Kino gesehen

Am liebsten gehörtes Musikalbum 2009 (muss nicht 2009 erschienen sein)

Am liebsten gehörtes Musikstück 2009 (muss nicht 2009 erschienen sein)

Bestes Konzert 2009

Lieblingsbuch 2009

Das Schönste überhaupt im Jahr 2009

UND, aus besonderem Anlass:

Wer wird 2010 Fußballweltmeister?


Wie gesagt, eine Kategorie und man ist dabei. Natürlich freue ich mich aber über möglichst zahlreiche Antworten.

Die Antwort kann hier als Kommentar gepostet (wird dann nicht gleich veröffentlicht), an einwinzer@gmx.at geschickt oder mir sonst auf sämtlichen euch bekannten Wegen übermittelt werden!

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Rückblog 08 # 7: Die große Entscheidung

Wer wird fürstlich für die Teilnahme an der Winzerschen Jahresumfrage 2008 belohnt?

Die Antwort geben mein Rechtsbeistand und ich in den folgenden Videoaufnahmen:


Erster Teil:


Zweiter Teil:


Dienstag, 22. Dezember 2009

Rückblog 08 # 6: Rasantes Finale, Teil 2

Nur noch zwei Postings - dieses mit eingeschlossen - bis zum Ende des scheinbar endlosen Jahresrückblickes (Zitat Sarah: "Das interessiert doch keinen mehr!" - Als ob das beim Jahresrückblick ein Kriterium wäre..).

Die am liebsten gehörten Musikstücke 2008


F.A., Musikpädagoge und Organist: Richard Wagner - Karfreitagszauber (Monaco Symphonie Orchester, Jordan)

G.S., Altenpfleger: James Blunt - No Bravery

G.Z., Student (Sozialwirtschaft): Morrissey - I Have Forgiven Jesus

J.R., angehender Steuerberater: Robert Wyatt - Shipbuilding

M.G., Soundtechniker und Verbandsvizepräsident: Lotek Hifi - Percolator


P.F., Freier Journalist: Leonard Cohen - So Long, Marianne

S.B., Studentin (Mathe und Physik, Lehramt): Joy Division - Love Will Tear Us Apart



V.S., Künstlerin und Unidozentin: 1) Peter Fox - Alles neu, 2) The Ting Tings - Shut Up And Let Me Go

Eine knappe Entscheidung habe ich noch bekannt zu geben: Ich habe beschlossen, die ebenfalls erfragten "schönsten Momente 2008" wegzulassen. Diese Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen, da mir die befragten LeserInnen wirklich sehr schöne Momente genannt haben. Allerdings glaube ich, dass diese Kategorie sehr stark durch die Unmittelbarkeit des Erlebten geprägt ist. Daher ist es dafür wohl jetzt schon etwas zu spät.

Noch nicht zu spät war es hingegen dafür, unter den TeilnehmerInnen der Umfrage eine(n) Gewinner/in zu verlosen, der/die einen individuellen Preis erhält. Diese Auslosung wurde unter Aufsicht meines gestrengen Rechtsbeistandes durchgeführt und wird morgen in Form eines Videos, welches das Prozedere unbestechlich dokumentiert hat, publik gemacht.

Montag, 21. Dezember 2009

Rückblog 08 # 6: Rasantes Finale, Teil 1

Ich werde immer wieder daran erinnert, dass ich meinen Jahresrückblick auf das Jahr 2008 noch nicht abgeschlossen habe.

Es ist ja jetzt fast schon 2010 und da erscheint es doch irgendwie opportun, den Rückblick auf das Jahr 2008 so rasch wie möglich zu Ende zu bringen. Im Jahr 2010 noch auf 2008 zurückzublicken, geht irgendwie gar nicht. Da jetzt wirklich nur mehr ein paar Tage bleiben, um das zu verhindern, sind gravierende Einschnitte vonnöten.

Das bedeutet zum Beispiel, dass ihr über die Plätze 10-6 meiner Lieblingsplatten im Jahr 2008 deutlich mehr erfahren habt, als ihr über die fünf in diesem Ranking Bestplatzierten (zumindest von mir) je erfahren werdet .

Aber vorenthalten will ich sie euch dann doch nicht.

05
R.E.M. - Accelerate
Label: Warner Bros.
Jahr: 2008
Genre: Alternative Rock

Und die Augen bewegen sich noch.


04
Jethro Tull - Songs From The Wood
Label: Chrysalis
Jahr: 1977 (Remastered 2003)
Genre: Progfolkrock

Der Zauber des Waldes, zwischenzeitlich von Motorsägen gebrochen.


03
The Beatles - Abbey Road
Label: Safari/EMI
Jahr: 1969 (Remastered 1987)
Genre: Pop

Diese Straße muss jeder einmal queren, der die Popmusik achtet. Egal, ob remastered oder nicht.


02
The Indelicates - American Demo
Label: Weekender Records
Jahr: 2008
Genre: Indieartfolkrock

Dies ist keine Demo, dies ist eine Demonstration.


01
The Wombats - A Guide To Love, Loss And Desperation
Label: 14th Floor Records
Jahr: 2008
Genre: Britrock

Let´s dance to the Wombats!


Vier britische Bands voran - beachtlich. Im Jahr zuvor war kein einziger Vertreter des UK in den Top Ten.


Bleibt noch, die Ergebnisse meiner Leserumfrage zum Thema "Meine Lieblingsplatte ´08" zu präsentieren..

Bitteschön!


A.W., Werber: "Beck - Modern Guilt"

F.A., Musikpädagoge und Organist: "Richard Wagner - Parsifal (Monaco Symphonie Orchester, Jordan), sehr gefühlsintensiv."

G.P., Meteorologe: "Kann ich nicht sagen, da ich Musik im Allgemeinen nicht albenweisen konsumiere, aber die neuen Werke von den Little Ones, den White Lies, Beck, den Kings Of Leon, TV On The Radio, Fuzzman und - ja , ich weiß es ist unoriginell, aber trotzdem - MGMT würden in einer engeren Auswahl stehen."

G.S., Altenpfleger: "Tom Waits - Used Songs 1973-1980"

G.Z., Student (Sozialwirtschaft): "Beirut - The Flying Club Cup"

J.R., angehender Steuerberater: "Townes Van Zandt - Flyin´Shoes"

M.G., Soundtechniker und Verbandsvizepräsident: "Sergeij Rachmaninoff - Klavierkonzert Nr.3, Op. 30 (Martha Argerich), Martha Argerich sensationell!"

M.P., Maturant: "Falco - Out Of The Dark (Into The Light)"

P.F., Freier Journalist: "Flogging Molly - Within A Mile Of Home"

S.B., Studentin (Mathe und Physik Lehramt): "Ich weiß nicht - ich mag dein französisches Album gerne; und auch dein 1968er Album..Aber ich selber höre Musik ja selten als Album."

S.F., Pädagogin: "Christy Moore - Traveller"

T.F., Redakteur: "Bloc Party - Intimacy"

V.S., Künstlerin und Unidozentin: "Santigold - Santogold, war das einzige Album, dass ich in dem Jahr erstanden habe. Mag am Musik-Überfluss durch meinen Job beim Musikfernsehen liegen."


Demnächst: Die am liebsten gehörten Musikstücke 2008 und die große Auslosung des diesjährigen Umfragen-Gewinners!

Sonntag, 20. Dezember 2009

Freitag, 18. Dezember 2009

Willard Wigan

Jetzt wo auch die Süddeutsche Zeitung oder der ORF darüber berichten, muss man es fast schon für real halten.

Obwohl man es immer noch kaum glauben mag und sich in einer britischen Satire wähnt.


Dienstag, 15. Dezember 2009

Montag, 14. Dezember 2009

Schwäbische Einblicke

Von Donnerstag bis Samstag war ich in Vereinsangelegenheiten in Deutschland, genauer gesagt in Ludwigsburg in Baden-Württemberg. Das war für mich der erste Besuch in dieser Gegend. Wie ich überhaupt sagen muss, dass unser nordwestliches Nachbarland für mich lange Zeit eher ein grauer, unbereister Fleck auf der Landkarte war. Erst in den letzten Jahren hat sich das etwas gebessert. 2007 war ich in Hamburg, mein erster geplanter Urlaubsaufenthalt in der Bundesrepublik, 2008 für einen Tag in München und jetzt eben in Baden-Württemberg.

Dabei hat Deutschland zweifellos eine große Fülle an sehenswerten Städten zu bieten.

Zum Beispiel Ludwigsburg. Ludwigsburg, das ist zunächst ein Schloss, dass der württembergische Herzog Eberhard Ludwig ab 1704 errichten ließ. Rund um das Schloss entstand die barocke Planstadt Ludwigsburg, geprägt vor allem durch die Kasernen der Soldaten des militaristischen Herzogs. Die Vorgabe lautete dabei, dass kein Gebäude in Ludwigsburg höher als zwei Stockwerke sein dürfe - offensichtlich wollte der Landesfürst die gesamte Stadt überblicken.

Aus dieser Entstehungsgeschichte resultiert das sehr spezielle, aber reizvolle Erscheinungsbild der Stadt (elegante, niedrige Gebäude, geradlinige Straßenzüge).


Für Ludwigsburger Innenstadt-Verhältnisse fast schon ein Hochhaus, aber architektonisch durchaus repräsentativ: das Haus unweit der herzöglichen Residenz, in dem die Familie des berühmtesten Schwaben, Friedrich Schiller, von 1766-1768 lebte

Dominierend in der 87.000-Einwohner-Stadt ist aber natürlich das Schloss, eines der größten Barockschlösser Deutschlands:







Auch der verspielte Schlosspark ist einen Besuch wert.



Erwähnenswert auch der Ludwigsburger Marktplatz, an dem sich eine katholische und eine evangelische Kirche gegenüberstehen, allerdings konnte uns kein Einheimischer sagen, welche Kirche zu welcher Konfession gehört. Auch gibt es in Ludwigsburg ergänzend zum großen auch noch kleinere Schlösser, für die unsere Zeit aber leider nicht reichte.

Dafür hat unsere Zeit aber für einen Ausflug noch Stuttgart gereicht, was nachträglich betrachtet vielleicht ein Fehler war. Immerhin, man weiß jetzt, dass man da nicht mehr hinmuss. Zumindest nicht an einem grauen Dezembertag. Da präsentiert sich Stuttgart nämlich als selten unattraktiver Ort. Wenn man sich über die überfüllte, mehrspurige Stadtautobahn, die Stuttgart, die Stadt der Pferdestärken, wie ein Würgeband umschlingt, hineingekämpft hat, stößt man auf zwei graue Schlossbauten. Ansonsten bietet sich einem in der Stuttgarter Innenstadt das Bild einer Hitparade der grässlichsten Bausünden des 20. Jahrhunderts. Die ursprüngliche Stuttgarter Altstadt ist im 2. Weltkrieg von britischen und amerikanischen Bombern dem Erdboben gleichgemacht worden. In der Folge traf die Stuttgarter Kommunalverwaltung die verhängnisvolle Entscheidung, die alten Gebäude nicht mehr wieder aufzubauen (angeblich wurden sogar kaum beschädigte Straßenzüge gänzlich abgerissen), um eine "moderne" und "autofreundliche" Stadt zu erschaffen.

Das Ergebnis ist so, dass man sich beinahe einen neuerlichen angloamerikanischen Bombenangriff (unter vorherigen Evakuierung und großzügiger Entschädigung der unschuldigen Stuttgarter Bevölkerung natürlich) wünscht. Stuttgart ist jedenfalls ein Mahnmal dafür, was eine geschichtsvergessene Stadtpolitik anrichten kann.

Angeblich macht Stuttgart allerdings in der warmen Jahreszeit einen viel freundlicheren Eindruck - tatsächlich fällt auf, dass hier viele Bäume gepflanzt wurden. Und die Hügel um Stuttgart sollen lieblich und ob des milden Klimas von Weingärten bekrönt sein. Davon war an unserem Dezembertag aber jahreszeit- und wetterbedingt natürlich nichts zu sehen.

Eines der letztes Überbleibsel des alten Stuttgart im inneren Bereich der Stadt ist der denkmalgeschütze Hoppenlaufriedhof, heute ein stiller, moosbewachsener Park. Hier liegen unter anderem Gustav Schwab und Wilhelm Hauff begraben. Auch gibt es einen stark mit grünem Moos überzogenen, ansonsten aber gut erhaltenen, jüdischen Teil.








Vor der Rückfahrt nach Linz haben uns unsere sehr freundlichen Gastgeber noch eine Führung in der Zentralstelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen ermöglicht. Der Name klingt trocken und bürokratisch, aber die Führung war sehr spannend. Besonders beeindruckend waren die Schilderungen der Widrigkeiten, gegen die Staatsanwälte und Richter zu Beginn ihre Arbeit verrichten mussten - wer im Ludwigsburg der späten fünfziger Jahre Naziverbrechen aufklären wollte, musste damit rechnen, dass ihm niemand ein Zimmer vermieten würde und sich kein Taxi finden würde, dass einen zur Arbeitsstelle chauffieren würde.

Auf der Rückfahrt haben wir noch Nürnberg gestreift, ein paar Bilder von da gibt es dann voraussichtlich morgen.

Sonntag, 13. Dezember 2009

Dienstag, 8. Dezember 2009

Vorfreude

Bald ist es wieder so weit. Rund um den Globus zählen kleine und große Kinder bereits die Tage, die Vorfreude steigt, die Spannung wird täglich größer.

Am 11.6.2010 erfolgt der erste Ankick der Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika. Die Mannschaft des Gastgebers bekommt es in Johannesburg mit Mexiko zu tun. Insgesamt nehmen 32 nationale Auswahlen an diesem Turnier teil.

Irland ist nicht dabei. Und das ist gut so. Nicht, dass ich es den "boys in green" nicht grundsätzlich gegönnt hätte, ich mag den leidenschaftlichen, kämpferischen Fußball, den das irische Team spielt. Aber, wenn die Iren es nach dem französischen Skandal-Tor im letzten Playoff-Spiel tatsächlich über den Grünen Tisch oder ein Wiederholungsspiel zur WM geschafft hätten, wäre das ein fatales Signal für den Fußball gewesen.

Denn angesichts der Präzedenzwirkung einer solchen Entscheidung und der Fülle von Fußballspielen, die durch fragwürdige Schiedsrichterpfiffe entschieden werden, hätten sich die Verbände in Zukunft wohl der Begehrlichkeiten von Verlierern nicht mehr erwehren können. Es ist an sich sinnvoll und gut, dass Schiedsrichterentscheidungen Tatsachenentscheidungen sind.

Das heißt freilich nicht, dass man den Fußball nicht professioneller, besser, ja sogar spannender machen kann, indem man auf die Mittel der modernen Technik zurückgreift, um krasse Fehlentscheidungen zu korrigieren. Was sich im Eishockey, im Tennis oder im American Football gut bewährt hat, kann auch den Fußball nicht kaputt machen. Wenn jedem Trainer eine begrenzte Zahl von challenges während der Partie zugestanden wird, mit denen er eine Korrektur von Schiedsrichterentscheidungen mithilfe der Videoaufzeichnung erreichen kann, fügt das dem Spiel mit Sicherheit keinen Schaden zu, sondern vielmehr ein spannungsvolles und strategisches Element hinzu - die Entscheidung des Coaches nämlich, wann und wie von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht werden soll.

Auch der Angst vieler Hardcore-Fußballfans, dass der Fußball an Reiz verlieren werde, wenn man nicht mehr über jede Entscheidung diskutieren könne (hinter der wohl oft die unausgesprochene Angst steht, den Schiedsrichter als Projektionsfläche für negative Emotionen zu verlieren), kann leicht begegnet werden: es wird auch über die Videobeweise heftig diskutiert werden. Echte Fußballfanatiker können ohnehin nicht anders.

Jedoch vermag der Videobeweis schwerwiegende Fehlentscheidungen aus der Welt zu schaffen, was nicht nur eine Frage der Fairness ist, sondern in einer Fußballwelt, in der es nicht mehr nur um die Ehre, sondern um gigantische Geldbeträge geht, auch eine massive moralische (wenn nicht gar rechtliche) Verpflichtung darstellt. In keiner Sportart dieser Welt sind derart kleine Handlungen und knappe Entscheidungen ausschlaggebend für derart gewaltige Geldströme. Die jüngsten Wettskandale sollten in dieser Hinsicht eigentlich sämtliche Alarmglocken schrillen lassen.


Aber zurück zur Vorfreude. Ich habe ja bereits im Anschluss an die tolle Europameisterschaft 2008 gemutmaßt, dass das eine ganz große Weltmeisterschaft werden könnte. Einiges von damals ist freilich zu revidieren. So hat es bedauerlicher Weise das hochbegabte russische Team nicht zur WM geschafft, weil es unglücklich im Playoff an den zweifellos tapferen, aber fußballerisch doch eher mediokeren Slowenen gescheitert ist. Ähnliches gilt für meinen geheimen afrikanischen Favoriten, den zigfachen kontinentalen Champion Ägypten, der wieder einmal ein Opfer seiner Nerven und seiner Auswärtsschwäche geworden ist. Auch die Türkei hat sich ziemlich sang- und klanglos bereits zum Abschluss der Qualifikationsgruppe verabschiedet, hat es - wieder einmal - nicht geschafft, Kontinuität zu demonstrieren. Schade ist auch, dass Schweden es nicht gepackt hat, aber nicht wegen der schwedischen Mannschaft, sondern weil dann bei der WM keine Genieblitze von Zlatan Ibrahimovic zu sehen sein werden (dagegen tausche ich gerne eine ganze dänische Mannschaft ein..). Und schließlich steht auch hinter dem Dauer-Favoriten Argentinien ein großes Fragezeichen, werkt doch dort seit einiger Zeit ein nicht sonderlich kompetent wirkender und sich ziemlich unprofessionell verhaltender Trainer, weswegen man auch nur haarscharf an der historischen Schmach der Nicht-Qualifikation vorbei geschrammt ist.

Trotzdem - es wird eine große WM! Erstens, weil sie das erste Mal in Afrika stattfindet, was ein ungemein wichtiger und richtiger Schritt ist. Weil man dort weiß, wie man Feste feiert und wir Zeuge von großer Freude und großem Stolz werden. Weil dort großartiger internationaler Fußball zu sehen sein wird. Weil der Kreis der echten Titelanwärter groß ist, Spanien und Brasilien an der Spitze, gefolgt von Deutschland, England, den Niederlanden, Italien und vielleicht auch Argentinien (wenn Messi auftrumpft). Weil die afrikanischen Teams erstmals am eigenen Kontinent bei einer WM auftreten können und entsprechend angestachelt agieren werden, allen voran die exzellenten Selektionen der Elfenbeinküste und von Ghana, aber auch die heimischen Südafrikaner.

Ich freue mich! Und ich werde die Zeit bis zur WM natürlich auch auf diesem Blog dazu nutzen, Südafrika 2010-bezogene Einträge zu verfassen. Insbesondere werde ich eine WM-Simulation durchführen, allerdings in einer sehr speziellen Weise.

Sonntag, 6. Dezember 2009

Verunglückte Namen # 12

Diesmal mit einem sehr feinen, internationalen Beitrag:


Urheber: Dave Goodman

Der Typ, der dieses Bild gemacht hat, ist mir übrigens sympathisch. Nicht nur, dass er ein Auge für verunglückte Namen hat, er kann außerdem Katzen gut leiden und hat Onion-Videos auf seinem Blog. Außerdem ist er einer der wenigen Menschen auf diesem Planeten, die etwas zur Frage "Wer erfand das ´Undo´" beizutragen hatten..(so bin ich dann auch auf dieses Bild gestoßen).


Donnerstag, 3. Dezember 2009

Meine stillen Helden # 1

Heute: Namentlich unbekannte Programmierer der Xerox Corporation

Natürlich, es wäre schön, wenn man das Prinzip in allen Lebensbereichen anwenden könnte: zB nicht nur zurücknehmen was man gerade Dummes gesagt hat, sondern es wirklich, buchstäblich rückgängig machen. Oder: die falsche Abzweigung ungeschehen machen, die man gewählt hat, weil man wieder einmal wie ein ferngesteuerter Zombie von der Arbeit heimgeht, obwohl man eigentlich noch Zahnpasta kaufen muss. Oder: die Zeit vor dem Computer diesmal nicht vertrödeln, damit sich der Zug doch noch ausgeht.

Dass das einmal jemand erfindet, damit ist wohl doch nicht zu rechnen (und die Voraussetzungen wie Implikationen wären ohnehin zu gewaltig, als dass ich sie mir jetzt hier vorstellen möchte). Aber immerhin gibt es sie, die Undo-Funktion für den laienhaften Computeruser und sie ist eine wahre Wohltat. Wie oft ist man schon innerliche Tode gestorben, weil sich durch eine unbedachte Aktion mühsam Geschriebenes in Luft aufgelöst hat und man für eine Zehntelsekunde noch an der vermeintlichen existenziellen Gewissheit festgehangen hat, dass das was futsch ist auch futsch bleibt? Doch dann: der Moment des Triumphes, der Wiedergeburt! Der "Undo"-Button oder das Control-Z bringt das Verlorene zurück. Das ist immer wieder ein wunderschöner Augenblick- ein Hauch von Ewigkeit, der der vanitas trotzt. Herrlich.

Erfunden wurde das Control-Z von Programmierern der Xerox Corporation. Über die genaueren Umstände ist leider wenig bekannt, nicht einmal das genaue Jahr war dem Internetz zu entlocken. Das ist erstaunlich, wenn man bedenkt, was diese Erfindung der Menschheit an innerem Frieden gebracht hat. Aber immerhin kann man es nicht mehr rückgängig machen.

Dienstag, 1. Dezember 2009

Lektürismus - Reisen durch die Welt des Bücherregals # 2


Lost City Radio
von Daniel Alarcón, Wagenbach, 2008, 320 S. (Übersetzung: Friederike Meltendorf)

Was ist Geschichte? Sind es die großen Taten und kühnen Handlungen, die entscheiden, wohin die Reise geht, wie es uns die historischen Wälzer zuweilen weismachen wollen? Oder sind es nicht vielmehr die vielen kleinen Impulse, die zusammen, zunächst ganz und gar unmerklich, dem menschlichen Leben eine Richtung verleihen, die vielen kleinen Taten, die ineinander greifen und zusammen zu einem großen Bild wachsen?

Daniel Alarcón hat ein Buch über einige Jahre der Geschichte eines lateinamerikanischen Landes geschrieben. Dieses Land hat keinen Namen, es befindet sich in einem erstarrten Zustand nach einem verlustreichen Bürgerkrieg. Es wurde durch eine repressive, graue Regierung seiner historischen Identität beraubt, die alten Namen der Städte und Dörfer sind durch Zahlen ersetzt worden. Viele Menschen sind entwurzelt, über das Land verstreut. Eine Frau namens Norma moderiert eine Radiosendung, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Menschen wieder zusammen zubringen. Sie ist eine einsame Ruferin in einer mutlosen Gesellschaft. Gleichzeitig ist "Lost City Radio" ein Quotenbringer, man schreckt auch vor manipulativen Methoden nicht zurück, um der Sendung Wirkung zu verschaffen. Aber die Stimme von Norma, die Stimme die landauf, landab jeder kennt, ist ein Symbol der Hoffnung - wenn auch einer Hoffnung, die nicht konkret ist, nicht sein darf, die im Diffusen bleibt.

Rund um Norma entspinnt Alarcón sein meisterliches Panorama dieses sonderbaren Landes. Der Autor lebt in der Vereinigten Staaten und schreibt auf Englisch, ist aber ein gebürtiger Peruaner. Es erscheint nahe liegend, dass hier Peru Pate gestanden hat, aber es könnte auch irgend ein anderes Land in Lateinamerika gemeint sein, das ist letztlich auch gar nicht von Bedeutung.

"Lost City Radio" ist keine chronologische Geschichtsstunde, nicht einmal eine lineare Erzählung.
Der Autor bewegt sich gewandt zwischen den zeitlichen Ebenen, breitet sie neben einander auf und schiebt sie dann, begleitet vom Leser, kunstvoll ineinander, sodass am Ende eine stimmiges Ganzes entsteht. Das Bild, das am Ende dasteht, ist dabei womöglich gar nicht so überraschend, aber der Weg dorthin ist ungemein spannend und reichhaltig. "Lost City Radio" gleicht einem Puzzle, das man in vielen Stunden zufriedener und doch spannungsvoller Gelassenheit ineinander fügt. Und jedes Mal, wenn wieder Steine zusammen passen, entdeckt man neue Details, neue Feinheiten.

Eine überschaubare Zahl von Charakteren bevölkert dieses Buch. Sie scheinen oft wie bloße Nebenfiguren im Strom der Geschichte, die vom Bürgerkrieg in die Repression führt. Doch Alarcón gelingt es in seiner ungemein feinfühligen, gleichzeitig vielsagenden wie ökonomischen Erzählweise, aus den Schicksalen dieser Menschen so etwas wie die Seele ihres Landes und ihre Entwicklung heraus zu destillieren, eine Seele, die in ihren wesentlichen Bestandteilen universelle Gültigkeit hat. So kann man schließlich im Sendebereich des "Lost City Radio" nach dem Bürgerkrieg auch das Spiegelbild einer (post-)modernen Gesellschaft voller verlorener Individuen sehen, die rat- und mutlos nach den historischen Kämpfen der jüngeren Vergangenheit dahintreibt und nicht so recht weiß, wo sie jetzt eigentlich hin will.

Oder man genießt einfach die handwerkliche Kunst des Autors, seine Geschichte zusammenzufügen und so nebenbei die Historie eines Landes zu erzählen. Ohne große Gesten und Erklärungen, einfach aus der jeweiligen persönlichen Geschichte seiner Charaktere, mit ihren kleinen, zuweilen zufälligen, Impulsen heraus. In jedem Fall ist dieses Buch eine absolute Empfehlung.

Sonntag, 29. November 2009

Der verbotene Islam

Der Islamismus ist eine gefährliche Ideologie und stellt ein Bedrohungspotenzial für die Gesellschaften der heutigen Welt dar - ganz besonders für die islamischen. Kein vernünftiger Mensch wird nicht darin übereinstimmen, dass man ihm den Nährboden entziehen muss.

Wer Islam und Islamismus gleichsetzt und zum Halali auf äußere Symbole des Islam bläst, die per se harmlos sind, nimmt dem Islamismus keinen Zoll seiner Handlungsgrundlage. Im Gegenteil. Wer dies tut, erfüllt Bin Laden und Co den sehnlichsten Wunsch: augenscheinlich zu machen, dass der Islam in der "westlichen" Welt nicht erwünscht ist, dass Islam und "Abendland" unvereinbar und zu einem feindseligen Gegeneinander bestimmt sind. Wer Minarette und Kopftücher ohne jede sachliche Rechtfertigung - lediglich aus unreflektierten Angstgefühlen, Fremdenhass und dumpfem Revanchismus - verbietet, der liefert den Islamisten Argumente für ihre Agitation, der macht womöglich aus indifferenten Muslimen politische, aus politischen Muslimen extremistische, aus extremistischen Muslimen militante Islamisten.

Dass derartige Gesetze auch einen Bruch unserer europäischen Werteordnung bedeuten, einen Verstoß gegen geltendes (Menschen-)recht, dass sei an dieser Stelle nur ergänzt. Ich möchte hier nicht mit rechtlichen Ausführungen langweilen. Aus diesem rechtlichen resultiert aber ein weiteres, ganz massives Problem: ein Glaubwürdigkeitsproblem. Mit welchem Recht, so wird man sich in der islamischen Welt fragen, kann Europa von uns verlangen, die Rechte von Christen und anderen religiösen Minderheiten zu respektieren, wenn Muslime in Europa nicht erwünscht sind und ein Kulturkampf gegen die Praxis ihrer Religion geführt wird?

Samstag, 28. November 2009

Zwei Seiten

Man sagt, dass der Sieg viele Väter hat, die Niederlage aber ein Waisenkind ist.

Nun sind die Zustände, in denen etwa die Menschen in Kibera, dem größten Slum der kenianischen Hauptstadt Nairobi, leben, zweifellos eine Niederlage für die Menschheit.

Auch bei der Frage der sozialen Probleme in Entwicklungsländern ist es so, dass eifrig Kindesweglegung betrieben wird. Die lokale Politik schiebt die Verantwortung gerne auf das unheilvolle Wirken kolonialistische Staaten, manchmal auch auf innenpolitische Gegner.

In den hochentwickelten und wohlhabenden Staaten wiederum verweist man oftmals auf die Tatsache, dass lokale Unzulänglichkeiten wie Klandenken, Unfähigkeit zu Demokratie und Rechtsstaat sowie Korruption die Entwicklung bremsen.

Doch die Ursachen sind zweifellos komplex und einseitige Schuldzuweisungen unangebracht.

Zwei aktuellen Kampagnen beschäftigen sich mit jeweils einer Seite des Problems. Ich möchte euch ersuchen, sie zu unterstützen!

"Mit Menschenrechten gegen Armut" heißt eine aktuelle Aktion von Amnesty International.

Ziel ist es, Menschen in Kibera sowie in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh vor widerrechtlichen Zwangsräumungen und deren Folgen zu bewahren. Dies kann man hier tun.






Steuerwende.ch ist eine u.a. von der schweizerischen Attac und der Erklärung von Bern initiierte Kampagne, die das Augenmerk auf einen ziemlich skandalösen Umstand richtet: Die Steueroase Schweiz entzieht den Entwicklungsländern das zweieinhalbfache jener Gelder, die auf umgekehrtem Wege an Entwicklungshilfe geleistet werden..



Mittwoch, 25. November 2009

Ohren(ge)fälliges: Monatsmeister des Monats Oktober 2009

Blitz the Ambassador - Something to Believe
Brooklyn, New York - Accra, Ghana / Hip-Hop
Gewonnene Ränge: + 8

Blitz the Ambassador ist ein New Yorker aus Ghana oder ein Ghanaer in New York, wie mans nimmt. Entscheidend ist jedenfalls, dass er hervorragenden Hip-Hop abliefert, wie der Track "Something to Believe" von Blitz´ aktuellem (und drittem) Album "Goodbye Stereotype" beweist. Dabei umschifft er stilsicher die Unsitten modernen Mainstream-Hip-Hops und verzichtet auf dessen Standardtricks und Spärenzchen, ohne jedoch die Grundtugenden der Rapmusik auf dem Altar der Indietums zu opfern. Mit anderen Worten: kraftvoller, geradliniger, gut hörbarer Hip-Hop geradezu klassischer Prägung, der aber nicht in plumpes Gebolze verfällt und auf Gangsta-Rap-Attitüden sowieso pfeift.

"Something to Believe" bringt diese Qualitäten wunderbar zum Ausdruck. Angetrieben von einer druckvoll-swingenden Rhythmussektion, die nicht aus der Konserve schellt, sondern aus echten Musikern besteht, rapt Blitz hier um sein Leben und um seine Identität. Dabei geht es zum Beispiel um Simbabwe oder die Wirtschaftskrise, aber auch um den Zustand der Hip-Hop-Welt. "Something to Believe" ist die Hymne dieses hochbegabten Kindes des globalen Hip-Hop und eine Stereowatsche für mit Luxuslimousinen protzende Mainstream-Rapper.


Eine Liveversion:




Einen Monatsmeister des Monats November wird es nicht geben. Der Grund: technische Probleme mit meinem iPod..

Montag, 23. November 2009

Direktwahl

Heute bin ich in der etwas eigenartigen Lage, dass ich Ernst Strasser aus vollstem Herzen zustimmen muss.

Strasser hat die Direktwahl der höchsten Repräsentanten der Europäischen Union durch die europäische Bevölkerung gefordert. Er hat recht, über kurz oder lang wird es sich das geeinte Europa nicht leisten können, grundlegende Entscheidungen wie die Besetzung ihrer höchsten Ämter praktisch völlig losgelöst von einem demokratischen Prozedere durchzuführen. Das unerfreuliche Geschachere hinter verschlossenen Türen im Vorfeld der jüngsten Postenbesetzungen hat diesen Eindruck verstärkt. Und ein derartiges Geschehen ist leider bei so ziemlich allen grundlegenden Entscheidungen der EU zu beobachten. Die demokratische, europäische Öffentlichkeit bleibt außen vor.

Die Europäische Union muss es schaffen, eine echte Demokratie zu werden, wenn sie auf Dauer überleben will. Der Istzustand eines nach wie vor letztlich nicht demokratisch organisierten Staatenbundes, der sich immer mehr Kompetenzen eines Bundesstaates anmaßt, ist unerträglich. Die Direktwahl höchster Vertreter der Union wäre - bei allen organisatorischen und politischen Schwierigkeiten, die zweifellos damit verbunden wären - ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Damit würde den Bürgern Europas eine direkte Einflussnahme auf die politische Bühne Europas gegeben, was die Identifikation mit dem Supra-Staat stärken würde. Außerdem wären Politiker der höchsten europäischen Ebene, die zur Wiederwahl stehen, endlich für Ihre europäische Politik der Bevölkerung gegenüber verantwortlich. Einen derartigen - durch freie und gleiche Wahlen vermittelten - Feedbackmechanismus braucht eine Demokratie. Existiert er nicht, so entsteht bei den Menschen zwangsläufig der Eindruck, dass über ihre Köpfe hinweg entschieden wird, ein Gefühl der Ohnmacht und Bevormundung greift um sich.

Dieses Gefühl droht der Idee der Europäischen Einigung, die ein essenzielles Friedensprojekt darstellt, schweren Schaden zuzufügen. Im Übrigen kann es bei der Frage, ob Demokratie gelebt werden soll oder nicht, nicht vorrangig darum gehen, ob etwas auf den ersten Blick praktikabel erscheint oder nicht. Angesichts der opferreichen Kämpfe, die in Europa für den Wert der Demokratie geführt worden sind, erscheint es unsinnig, so zu tun, als könnte das geeinte Europa ein Mehr an Demokratie nicht verkraften: es muss dies, wenn es auch nur mit ein Bisschen Glaubwürdigkeit für die oft gepriesenen so genannten "Europäischen Werte" Demokratie, Rechtsstaat und Soziale Verantwortung eintreten möchte.

Sonntag, 22. November 2009

hcstueD tsi saD

Ich finde es erfreulich, dass TV5 in unseren Breiten französische Filme mit deutschen Untertiteln ausstrahlt. Ich war sogar schon einige Male kurz davor, das zu nutzen, um mein stark eingerostetes Schulfranzösisch wieder etwas in Schwung zu bringen..

Aber letztens war es doch ein wenig befremdlich:


Donnerstag, 19. November 2009

In Concert # 12: Nick Oliveri + Support, 17.11.2009, Spinnerei, Traun


Ein Mann und sein Mikrokosmos. Nick Oliveri ist ein glatzköpfiger, langbärtiger Rocker mit tätowierten Oberarmen. Sein "support" besteht aus seiner Freundin. Die ist schlaksige 2 Meter lang und hat die Singstimme eines sehr musikalischen Bauarbeiters. Oliveri trinkt zwischendurch Bier und wird von seiner meist neben der Bühne postierten Freundin selig angelächelt (ist es die Liebe oder ist es doch etwas anderes?). Wenn er nicht mit ihr flirtet, ehemalige Bandkollegen beleidigt oder Anstalten macht, vorlautes Publikum aus der ersten Reihe der Spinnerei zu verprügeln, macht er Musik.

Das ist in diesem Fall eine Art Lo-Fi Stoner Rock, lediglich mit akustischer Gitarre und Gesang vorgetragen, wobei abwechselnd maßgebliche Nummern der großen Vergangenheit (Herr Oliveri beehrte dereinst Bands wie Kyuss und Queens of the Stone Age) und weniger prickelnde Neukompositionen dargeboten werden. In der Trauner Spinnerei herrscht eine gediegene Proberaumatmosphäre, etwa 100 Menschen sind gekommen. Gegen Mitte des Konzerts scheint die Stimmung auf der Bühne, die von Haus aus nicht unbedingt sonnig ist (und auch nicht sein darf, wenn man den Texten glauben darf), vollends zu kippen und man glaubt schon mit baldigen Übergriffen auf die Zuschauer und -hörer rechnen zu müssen. Dann fängt sich Herr Oliveri aber und entschuldigt sich lakonisch für sein unangemessenes Verhalten.

Musikalisch ist das Gebotene ganz in Ordnung, Oliveris Stimme ist durchaus eine Naturgewalt, sein Gitarrenspiel nicht unbedingt. Ausbaufähig ist das Wechselspiel mit dem sehr musikalischen Bauarbeiter - aber die darf nur kurz ans Mikrophon. Die vorgetragene Misanthrophie passt, wirkt nicht unauthentisch und macht die Angelegenheit irgendwie interessant. Alles in allem ein guter, persönlicher Einblick in die Befindlichkeit eines ehemaligen Stadionrockers in Traun. Man spürt die Distanz zur Bühne an diesem Abend überhaupt nicht - im Guten wie im Schlechten. Den Künstler noch besser kennen lernen und mit ihm nachher auf ein Bier gehen möchte man aber auch nicht.

Donnerstag, 12. November 2009

Bücherflohmarkt

Menschenrechte sind was Schönes.

Günstiger Lesestoff ist es auch.

Diese beiden Dinge sind hier wunderbar vereint:


Mittwoch, 11. November 2009

Tool Time # 3

Heute einmal ganz was anderes:

Einsteins Kühlschrank, der ganz ohne Elektrizität und das Kühlmittel Freon auskommt.

Das könnte der Hit auf diversen Musikfestivals werden..

Sonntag, 8. November 2009

Amnesty informiert: Mit Menschenrechten gegen Armut

"Amnesty informiert: Mit Menschenrechten gegen Armut"

Moderation: Brigitte Egartner

Mit Interviews vom Amnesty-Seminar am Retzhof zum Thema "Mit Menschenrechten gegen Armut", geführt von Gerhard Bäck

am Mo, 9.11.2009, 19.00-20.00 Uhr im Freien Rundfunk Oberösterreich (Radio FRO)
am Di, 10.11.2009, 14.00-15.00 Uhr ebenda
am Mo, 16.11.2009, 16.00-17.00 Uhr im Freien Radio Freistadt

Zum
Livestream von Radio FRO.

Freitag, 6. November 2009

Geht doch

Während in Obama-Land die strafrechtliche Aufarbeitung der Verbrechen der jüngeren Vergangenheit leider noch blockiert wird, geht anderswo was.

Das ist erfreulich. Die norditalienische Justiz hat wieder einmal bewiesen, dass sie keine Scheu davor hat, es sich mit machtvollen politischen Interessen anzulegen.

Auch wenn die Urteile bei Abwesenheit der Verurteilten erfolgten und damit de facto einen eher symbolischen Charakter haben: es ist wichtig, dass aufgezeigt wurde, dass die Menschenrechte auch im Krieg gegen mutmaßliche Terroristen gelten, sowie dass das Strafrecht in Europa für alle gilt - auch für Folterknechte und Kidnapper in Geheimdienstauftrag.

Mittwoch, 4. November 2009

Der Superpraktikant

"ÖVP macht Kabarettisten arbeitslos", schreibt Konrad in seinem Betreff (Danke für das Mail!).

"Schön, dass er wirklich keine anderen Sorgen hat, der Pröll", war mein erster Gedanke.

Ich frage mich auch, ob JP bewusst ist, was er sich da einfängt. Will er wirklich mehrere Tage auf Schritt und Tritt von einer FALTER-Journalistin begleitet werden?

Im Übrigen fordere ich hiermit vehement dazu auf, für den herzerfrischenden Jung-Konservativen namens Nikolaus Granser zu stimmen!

Samstag, 31. Oktober 2009

Madrid und Toledo in Buchstaben

Einer schönen Tradition folgend fahre ich jedes Jahr mit zwei Freunden über ein verlängertes Herbst-Wochenende (entweder zum Nationalfeiertag oder zu Allerheiligen) in irgend eine Stadt jenseits der österreichischen Grenzen.

2005 waren wir in Budapest, 2007 in Hamburg und letztes Jahr in Stockholm (2006 fiel aus).

Dieses Jahr haben wir uns erstmals etwas südlicher orientiert und uns in Madrid einquartiert. Neben Madrid haben wir auch Toledo, der alten Hauptstadt Kastiliens, einen Besuch abgestattet.

Wie schon im letzten, so sollen die Reiseerfahrungen auch in diesem Jahr in Form eines (sehr subjektiven) Alphabets zusammengefasst werden..


A wie Albóndigas (vom arabischen al-bunduq "Haselnuss"): Fleischbällchen, die in jedem Lokal, das sich einer echten madrilenischen Küche rühmt, angeboten werden. Sollte man nicht verpassen, wenn man da ist. Besonders feine Exemplare gibt es in der "Cervezeria Alemana" (nicht vom Namen abschrecken lassen!) an der Plaza Santa Ana im Huertas-Viertel (siehe H). An diesen tat sich schon Hemingway gütlich.

B wie Beilagen: Wir bleiben im lukullischen Bereich. Die Madrilenen sind keine großen Beilagenesser. Wenn man zum Beispiel Fleisch bestellt, bekommt man meist Fleisch - und aus. Allerdings wird als Vorspeise neben dem in mediterranen Ländern üblichen Weißbrot (meist alt und hart) oft ein Teller Oliven, Sardellen oder sonstiges serviert.

C wie Castellano: Die einzige Sprache, die man in Kastilien ernsthaft bereit ist, in den Mund zu nehmen..Siehe auch E!

D wie 3,2 Millionen: Einwohnerzahl von Madrid. Dennoch ist das unmittelbare Zentrum gar nicht einmal so riesig und gut zu Fuß zu erforschen.

E wie Englisch: Seit die Angelsachsen 1588 die spanische Armada geshreddert und in der Folge eine feindliche Übernahme des Globus durchgeführt haben, sind mehr als 400 Jahre verstrichen. Die Spanier dürften sich das aber gemerkt haben, denn sie weigern sich bis heute standhaft, das inselgermanische Idiom zwecks Kommunikation mit Reisenden zu verwenden. Und, selbst wenn sie es versuchen, zermantschen sie das Englische dabei dermaßen, dass es einer subtilen Form des Protestes gleichkommt und die Kommunikation auch nicht unbedingt erleichtert. Das hat zur Folge, dass man prinzipiell nie damit rechnen sollte, dass spanische Kellner einem das bringen, was man glaubt, bestellt zu haben!

F wie Franzosen: Nördliches Nachbarvolk der Iberer. Wesentlicher Unterschied: Jüngere Franzosen sprechen mittlerweile hervorragend englisch, wenn auch zuweilen mit erkennbarem Widerwillen. Im Gegensatz dazu teilt einem der Spanier freundlich mit, dass leider keinerlei Kommunikation möglich ist.

G wie Gaspedal: Wer in Madrid die Straßen betritt, sollte sich seiner Sterblichkeit bewusst sein und seinen Frieden mit dem Universum gemacht haben. Die Straßen sind dazu da, um jederzeit von jedem betreten und befahren zu werden - man sollte sich nur immer gut vergewissern, dass kein anderer Verkehrsteilnehmer (insbesondere kein motorisierter) zur selben Zeit an der selben Stelle sein möchte. Straßenmarkierungen haben eher "ornamentalen Charakter" (Paul Ingendaay, "Gebrauchsanweisung für Spanien"). Toledo (siehe T) ist im Vergleich dazu wegen seines mittelalterlichen Stadtbildes für Fußgänger ein sicherer Hafen.

H wie Huertas-Viertel: Da die Spanier im Allgemeinen und die Madrilenen im Speziellen grundsätzlich keine Nicht-Familienmitglieder in ihre Wohnungen lassen, treffen sie sich mit ihren Freunden außerhalb. Zum Beispiel im Huertas-Viertel rund um die Plaza Santa Ana. Dort offenbart sich das größte Talent der Spanier: lärmendes, fröhliches Fortgehen. Andere Menschen zu treffen und mit diesen hemmungslos und lautstark zu kommunizieren, scheint den Spaniern keine soziale Pflicht zu sein, der man sich unterwirft, es ist Lebenssinn und -zweck. Dementsprechend gut ausgebildet ist die Lokalinfrastruktur. Allzu früh braucht man sich freilich, dem spanischen Lebensrhythmus entsprechend, nicht aufzumachen.

I wie Indien, Seeweg nach: Wurde bekanntlich von einem Portugiesen gefunden. Dafür führte ein früherer spanischer Versuch zur "Entdeckung" eines kompletten Kontinents. Dessen koloniales Erbe besteht heute vor allem aus zahlreichen spanischsprachigen Menschen von jenseits des Ozean, die in Madrid leben und arbeiten oder hier als Touristen unterwegs sind.

J wie Juan Carlos: König von Spanien. Residiert im wuchtigen Palacio Real, unweit der Plaza de Espana sowie unseres, in einer ruhigen (!) Nebenstraße gelegenen, Appartements.

Dies ist nicht unser Appartement, sondern der Königspalast.

K wie Kellner: Es dauert ein wenig, bis spanische Kellner (nahezu immer männlich) wieder auftauchen, nachdem sie einem zunächst rasch einen Tisch zugewiesen haben. Nach der Bestellung trifft dafür dann das Essen (hoffentlich das richtige, siehe E) mit Lichtgeschwindigkeit am Tisch ein. Auf die Rechnung muss man dann aber unter Umständen wieder lange warten. Man sollte sich allerdings das Wechselgeld genau anschauen, denn manchmal wollen einem die Spanier partout mehr zurück geben, als einem zusteht (vielleicht, weil sie sich schon im Vorhinein dafür genieren, dass ihnen die Touristen viel zu viel Trinkgeld geben). Derartige Großzügigkeit sollte man zurückweisen, was wir auch getan haben.

L wie Landschaft: In Madrid gibt es bemerkenswert viele Parks und Grünflächen. Rund um Madrid und insbesondere Richtung Süden (Toledo, siehe T) erstreckt sich jedoch eine für unsere Begriffe geradezu wüstenartige Gegend, die manchmal schon an die trockenen Staaten des nordamerikanischen Westens erinnert. Das finden die einen durchaus pittoresk (ich zum Beispiel), die anderen aber schlichtwegs öde.

M wie Minderheitensprachen: Die Zeit des Franco-Zentralismus ist nun doch schon lang vorüber und so kann man mittlerweile an Madrider Geldausgabeautomaten sein Bares auch in Galicisch, Katalanisch und Baskisch ordern. Da kann sich Kärnten ein Scheibchen abschneiden.

N wie Nachwuchs: Wo immer in der Madrider U-Bahn ein Kleinkind auftaucht, wenden sich ihm sofort die Köpfe zu, die Gesichter verklären sich und man hört beglückte "ohs" und "ahs". Dass die Spanier Kinder lieben, kann man buchstäblich sehen. Missbilligende Blicke und abfälliges Gemurmel wie in Österreich erlebbar, wenn eine Horde lärmender Kinder das U-Bahn-Abteil in Beschlag nimmt, ist den Madrilenen eher fremd. Das mag natürlich auch daran liegen, dass sie Lärm einfach gewöhnt sind. Andererseits merkt man sofort, dass hier ein anderer Umgang mit dem Nachwuchs herrscht - spanische Eltern kämen offensichtlich nie auf die Idee, ihre Kleinen an der kurzen Leine zu halten, und so laufen diese fröhlich durch die Gegend.

O wie oben: "Madrid ist mit 664 Meter über dem Meeresspiegel die höchst gelegene Hauptstadt Europas", behauptet mein Reiseführer. Da hat er allerdings nicht mit meiner gesunden Skepsis gerechnet. Ich behaupte daher jetzt einfach mal so, dass die höchst gelegene Hauptstadt Europas in Wahrheit Andorra la Vella heißt..

P wie Prado: Habsburger, Bourbonen und andere Aristokraten haben in Madrid eine Unmenge von Kulturgut angehäuft. Um dieses auch nur annähernd zu fassen, bedarf es gleich vier weltberühmter Museen: des Prado, des Museo Reina Sofia, der Thyssen-Bornemisza-Sammlung und des La Caixa Forum. Alle diese Museen befinden sich im Kulturbezirk zwischen Atocha-Bahnhof, Retiro Park und Plaza de Cibeles. Aus Zeitgründen haben wir "nur" den Prado besuchen können. Somit haben wir die Moderne diesmal verpasst, wurden aber durch die bedeutendste Goya- sowie El Greco - Sammlung der Welt und Werke von Bosch ("Garten der Lüste"), Dürer ("Selbstbildnis mit Landschaft"), Rubens ("Urteil des Paris"), Botticelli, Brueghel, Cranach, Rafael, Tizian, Velazquez usf. reichlich zufrieden gestellt. Auch in der Sakristei der Kathedrale von Toledo (siehe T) hängen übrigens diverse El Grecos, Goyas, Tizians und Rubens einfach so in der Gegend rum.

Q wie Quijote, Don: Berühmteste spanische Literaturgestalt, deren berühmteste Tätigkeit der Kampf gegen die Windmühlen war. Böse Zungen behaupten, dies versinnbildliche auf das Treffendeste die existenziellste Erfahrung jedes Spaniers mit seinem Staatswesen.

Don Quijote, unbekannter Chinese, Sancho Pansa.

R wie Real: ....Mallorca. Spielten am Samstag im Vicente Calderon-Stadion von Atletico de Madrid gegen die madrilenischen Hausherren. Letztere brachten das Kunststück zustande, eine 1:0-Führung noch zu verspielen, obwohl die Mallorquiner durch zwei Ausschlüsse doch ganz erheblich geschwächt waren - Endstand 1:1. Danach soll es zu Ausschreitungen wütender Atletico-Anhänger gekommen sein. Wir verbrachten die Partie auf einer Sitzplatz-Tribüne, umgeben von friedlich Sonnenblumenkerne kauenden spanischen Familien - und staunten über die gepflegte Schönheit des spanischen Fußballs.

S wie Spanierinnen: Auch diese sind von überaus gepflegter Schönheit. Allerdings sieht eine so aus als wäre sie die Cousine der jeweils anderen, sodass man sich vermutlich sehr rasch satt gesehen hätte.

T wie Toledo: Toledo war ein Oppidum der keltischen Carpetaner, ein bedeutendes Handelszentrum der Römer, eine westgotische Hauptstadt, Sitz eines maurischen Emirs, Zentrum des sephardischen Judentums sowie der mittelalterlichen Gelehrsamkeit und Philosophie, dann aber auch der spanischen Inquisition (infolgedessen 12.000 Juden ihrer Besitztümer beraubt und aus der Stadt gejagt wurden) und kastilischer Herrschersitz bis zur Wahl des Dorfes Madrid durch Philipp II. 1561. Toledo, auf einem Felsen über dem Fluss Tajo thronend, ist wahrhaft Stein gewordene Geschichte. Die Plaza Zocodover, der wichtigste Platz der Stadt, existiert nun bereits seit gut und gerne 1000 Jahren. Selbstverständlich ist Toledo einen Besuch wert, schon allein wegen der steinalten Straßenzüge und der sehr imposanten Kathedrale (der - nach jener von Burgos - "zweitbedeutendsten" Spaniens , wie mein Reiseführer anmerkt). Auch die in Toledo hergestellte Schokolade kann man sehr empfehlen.

Toledo.

U wie U-Bahn: Heißt hier, wie auch andernorts, "Metro" und ist eine der ältesten Europas. Im Übrigen sehr sauber und weit ausgedehnt - ein wichtiges Verkehrsmittel im nicht immer Fußgänger-freundlichen Madrid, wo die Fortbewegung per Fahrrad nur für ausgesprochen lebensmüde Zeitgenossen in Frage kommt.

V wie Velázquez, Diego: Hochberühmter spanischer Hofmaler des 17. Jahrhunderts. Siehe P.

W wie Wetter: Die Umstellung vom winterlich-kalten Linz auf das schwül-warme Madrid ließ anfangs meinen Kreislauf ganz schön straucheln. Aber dann wars natürlich sehr schön so.

X wie X-Akte: Nachdem wir uns in der "Cervezeria Alemana" an den Albóndigas gelabt und je zwei namenlose Biere (Biere haben in Spanien keine Namen, sie sind einfach nur "cervezas") getrunken hatten (siehe auch A), beschlossen wir, ein uns gänzlich unbekanntes Gericht von der Karte zu bestellen. Einfach deshalb, weil wir keine Ahnung hatten, was es war. Der Kellner brachte uns DAS da:




Wir haben längst vergessen, wie es hieß und waren auch bis heute nicht in der Lage, es zweifelsfrei zu identifizieren. Das einzige, was man sagen kann, ist, dass es nach Meereslebewesen schmeckte. Wir wussten auch nicht wie wir es essen sollten. Hinunterschlürfen? Dafür erschien der Teller bedenklich flach. Mit den Fingern? Dafür erschien das Gericht irgendwie zu glitschig. Mit den Zahnstochern aufspießen? Letzteres legte uns auf Nachfrage der Kellner nahe, aber wir wissen nicht, ob er sich da einen Spaß erlaubt hat. Schließlich brachte er dann doch Messer und Gabel.

Y wie y: Spanisches Wort für "und", welches hiermit artiger Weise eingeflochten wird, um einen eleganten Übergang zum letzten Buchstaben zu ermöglichen..

Z wie Zentrum: Im selbigen Spaniens liegt Madrid - nicht nur politisch, bevölkerungsmäßig und wirtschaftlich, sondern auch in geographischer Hinsicht. Hauptsächlich deshalb ist Madrid heute was es ist und gibt gegenüber Barcelona, Cordoba, Granada, Saragossa, Sevilla, Toledo und wie sie alle heißen den politisch-ökonomischen Ton an.

Die Plaza Mayor von Madrid.

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Hasta la vista

Ich bin die nächsten Tage in Madrid, daher wird dieses Blog eine kleine Siesta einlegen.

Am Dienstag bin ich wieder da und es wird weitergepostet. Hasta la vista!

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Häfnelegie

Die Winkelzüge des Lebens sind schon erstaunlich.

Da war einer jahrelang aalglatt auf der Erfolgsspur unterwegs. Reihenweise boten sich ihm günstige Gelegenheiten und er ergriff sie. Und die Herzen (und vor allem die Homestories und Zeitschriftencover) flogen ihm zu, ohne dass er irgend etwas Nennenswertes geleistet hätte.

Jetzt ist aber zu einem für ihn denkbar ungünstigen Zeitpunkt die bislang heikelste Affäre rund um Karl-Heinz Grasser auf der Bildfläche erschienen.

Denn die Staatsanwaltschaft steht zur Zeit massiv in der Kritik, bei strafrechtlichen Vorwürfen gegen politisch schwer gewichtige Österreicher nicht immer mit vollem Nachdruck vorzugehen.

Es könnte also durchaus eng werden für KHG...



Dank an Sarah!

Dienstag, 20. Oktober 2009

Verpfiffen

Das Internet treibt weiter eigenartige Blüten: Auf www.wahretabelle.at können österreichische Fußballfreunde nach Abpfiff nicht nur über ihr Lieblingsthema diskutieren, sondern auch Spielergebnisse, die durch vermeintlich unrichtige Schiedsrichterentscheidungen beeinflusst worden sind, korrigieren.

Dadurch entsteht dann eine so genannte "Wahre Tabelle".

Die Seite ist zweifellos gut gemacht. Man kann sich allerdings des Eindrucks nicht ganz erwehren, dass hier eine der weniger schönen Seiten des Fußballsports in das Web 2.0 übertragen werden soll - die Verbaljagd auf den Spielleiter.

Auch über die Aussagekraft der "Wahren Tabelle" kann man streiten. Einerseits könnte man sie ja als objektivierenden Beitrag zum Thema "was wäre gewesen, wenn die Schiedsrichter richtig gepfiffen hätten" werten, gewissermaßen als aufklärerisches Korrektiv zur selbst gewählten Paranoia vieler Fußballfans.

Andererseits zeigt ein Blick in die Statistik, dass die Zahl der festgestellten Fehlentscheidungen zu Lasten einer Mannschaft auf wahretabelle.at tendenziell mit der Zahl der Anhänger dieses Vereines korrespondiert - und vice versa. So erfahren wir etwa, dass offensichtlich gegen Rapid mit Abstand die meisten Fehlentscheidungen gefällt werden (kaum zu glauben, dass die Grün-Weißen aus meiner Hütteldorfer Heimat dennoch 32x österreichischer Fußballmeister werden konnten!) und dass umgekehrt der in der Community schwach vertretene LASK oder der
SC Wiener Neustadt Liebkinder der Referees sind.

Somit liefert wahretabelle wohl doch eher Verstärkung als Korrektiv.

Sonntag, 18. Oktober 2009

Keith Goddard

Heute war einer jener Tage, an denen man ein bisschen den Glauben an die Menschheit verliert. Nicht wegen großer Geschehnisse, sondern wegen Kleinigkeiten. Ich bin mit dem Zug gefahren und der Zug war voller Menschen, die zutiefst unzufrieden, verängstigt waren, die sich stritten und wegen Kleinigkeiten an die Decke gingen. Vielleicht ist die Tatsache schuld, dass die graue Jahreszeit jetzt unleugenbar hereingebrochen ist, wer weiß.

Ich ringe jetzt schon seit einiger Zeit mit mir, einen Beitrag über Keith Goddard zu schreiben. Ich war mir bisher nicht sicher, ob ich es tun sollte, habe ich Keith Goddard doch eigentlich gar nicht wirklich gekannt. Ich habe Keith (er bestand bei unseren Begegnungen immer darauf, mit seinem Vornamen angesprochen zu werden) gerade zweimal getroffen. Es gibt somit wahrlich Berufenere als mich, ihm die Referenz zu erweisen.

Doch sonderbarer Weise war es die unerfreuliche Zugfahrt, die mich bewog, es zu tun.

Ich habe Keith beide Male im Rahmen unserer Amnesty-Radiosendung auf Radio FRO getroffen, er war unser Studiogast. Er berichtet über die politische und soziale Situation in seinem Heimatland Simbabwe. Keith war ein kleiner, hagerer Mann mit Brille und Bart, auf den ersten Blick eine unauffällige Erscheinung. Zum ersten Termin hatte ich den Auftrag, ihn im Café Strom ausfindig zu machen und wäre beinahe an ihm vorbei gelaufen. Ich fand ihn schließlich an einem kleinen Tischchen sitzend mit einem Glas Weißwein in der Hand.

Im Studio dann ein ganz neuer Eindruck: Keith, der mit großer Freundlichkeit, Geduld, Klugheit, aber auch großer Leidenschaftlichkeit, großem Nachdruck über die Zustände in seinem Heimatland berichtete. Seine Stimme strahlte echte Empathie aus. Er schaffte es, glaubwürdig zu vermitteln, dass er seine Heimat Simbabwe ebenso wie die Menschen in diesem Land von ganzem Herzen liebte, aber dennoch nicht ruhen würde, bis
sich die politische und soziale Situation dort zum Besseren, zum Menschenwürdigen gewandelt hätte.

Keith, so stellte sich heraus, war nicht nur ein angesehener Komponist (und als solcher am Linz09-Projekt "Parade" beteiligt). Er war vor allem auch ein weißer Homosexuellen-Aktivist, der sich für die simbabwische Demokratiebewegung einsetzte - gleich drei Gründe auf einmal, um sich den Hass der Kamarilla des Präsidenten Robert Mugabe (Zitat: "Homosexuelle sind schlimmer als Schweine und Hunde") zuzuziehen.

Das alles erfuhr man recht beiläufig von ihm, so als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt. In erster Linie wollte er über Simbabwe sprechen, die Leiden der Bevölkerung, über Ungerechtigkeit, über die politische Verantwortlichkeit für das, was da geschah. Und, über sein Engagement für die Volksgruppe der Tonga, im Norden des Landes.

Aber Keith vermittelte mir trotz seiner natürlichen Bescheidenheit auch den Eindruck, dass, solange es Menschen wie ihn gibt, auch immer Hoffnung besteht. Denn seine friedliche und freundliche Art war von einer Bestimmtheit getragen, die keine Zweifel zuließ: hier setzt sich einer gegen alle Widrigkeiten für andere ein!

Ich weiß nicht, ob ich in einer vergleichbaren Situation auch nur annähernd so eine Standfestigkeit zeigen könnte wie Keith. Aber ich weiß jetzt, dass die Erinnerung an unsere Begegnungen dazu führen kann, dass an grauen Tagen, an denen alle Menschen plötzlich unfreundlich und selbstsüchtig erscheinen, ebenso plötzlich ein Gegenpol da ist.

Keith Goddard ist am 9.10. "nach langer schwerer Krankheit", wie es in den Pressemeldungen heißt, 49-jährig in Harare gestorben. Mein Beileid gilt seinen Angehörigen, FreundInnen und MitstreiterInnen.


Keith Goddard (rechts) im Mai 2009 im Café Strom (mit Sengamo Ndlovu)

Samstag, 17. Oktober 2009

Tool Time # 2

Jeder anständige Haushalt braucht eine Kaffeemaschine. Nicht dass das Getränk, das von diesen Geräten generiert wird, wirklich essenziell wäre. Ich lebe oft Wochen ohne Kaffeekonsum und merke keinen wirklichen, maßgeblichen Unterschied.

Aber man muss einräumen: Kaffee ist die Volksdroge der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wie der Nullerjahre. Kaffee ist das zweitwichtigste Handelsprodukt nach Erdöl. In unserer koffeinisierten Gesellschaft gehört es sich daher, dass man ermatteten Gästen das schwarze Heißgetränk anbieten kann.

Ich habe das Fehlen einer Kaffeemaschine in unserer Wohnung immer als Manko empfunden. Zum Glück hat sich dieser Zustand aber jetzt geändert (dank meiner Mutter, die das auch immer so empfunden und beschlossen hat, anlässlich meines Geburtstages etwas zu unternehmen).







Nein, das ist kein überdimensionaler iPod mir Kaffeehäferlhalterung! Das ist eine sehr handliche und Augen freundliche Kaffemaschine von WMF (die Küche rundherum ist weniger Augen freundlich, aber darüber reden wir ein anderes Mal..).

Freitag, 16. Oktober 2009

Ohren(ge)fälliges: Monatsmeister des Monats September 2009

Iron & Wine - The Trapeze Swinger
Dripping Springs, Texas / Folk
Gewonnene Ränge: +7

Dripping Springs ist ein kleines Örtchen mitten in Texas, im Umland von Austin gelegen, mit gerade einmal 1548 Einwohnern. So etwas ist nicht gerade ein Platz, bei dem man annehmen würde, dass er von großer Relevanz für die Indie-Folk-Szene Amerikas ist. In gewisser Weise ist er das aber.

Denn in Dripping Springs hat sich Sam Beam niedergelassen, jener Mann, der einst von seiner angestammten Heimat in South Carolina auszog, um in Florida ein Filmstudium zu absolvieren, der es dort zum Dozenten der Filmwissenschaften brachte, sich aber schließlich nicht als Filmer einen Namen machte, sondern als bärtiger Folk-Sänger mit dem Bühnennamen Iron & Wine.

Iron & Wine liefert nun schon seit einigen Jahren beständig bestechend gute Folkmusik. 2004 war nicht nur das Jahr, in dem er mit seiner Version eines der wunderbarsten Popsongs der jüngeren Vergangenheit, der Nummer "Such Great Heights" (im Original von The Postal Service) auf dem Soundtrack des Zach Braff-Streifens "Garden State" für positives Aufsehen sorgte, es war auch das Jahr, in dem der Track "The Trapeze Swinger" entstand - interessanter Weise ebenfalls für einen Film,"In Good Company" mit Dennis Quaid und Scarlett Johansson.

Die starke Affinität zur Kunst der großen Leinwand hat Sean Beam also offensichtlich nie verloren.

Vielleicht ist "The Trapeze Swinger" auch deshalb derart großes Kino. Der Track dauert in der Soundtrackversion stattliche 9:31 Minuten, erzählt feinfühlig und poetisch von einer längst verlorenen Liebe. Wer sich darauf einlässt, wird hineingezogen in einen intensiven Bewusstseinsstrom, in eine dichte Atmosphäre von cineastischer Qualität.


Iron & Wine - The Trapeze Swinger ("In Good Company" - OST)

Montag, 12. Oktober 2009

Goldene Zeiten

In Linz 09 sind doch tatsächlich goldene Zeiten hereingebrochen.

Es ist, als würde der ironisch gestimmte Geist des König Midas desnächtens durch die Stadt streifen und schimmernde Zeugnisse hinterlassen.

Am OK-Platz befindet sich ein goldener Container:





Im Volksgarten hält seit kurzem gar ein überdimensionaler goldener Gartenzwerg Wache:




Und dann ist da natürlich auch noch die goldene Friedenstaube im Foyer des Alten Rathauses. Deren Herkunft ist allerdings wenig mysteriös.



Jedenfalls muss auch ich, als nicht sonderlich materialistisch gesinnter Mensch, zugeben, dass so ziemlich alles (sogar Gartenzwerge) gut aussieht, wenn es mit Gold überzogen ist.

Samstag, 10. Oktober 2009

Das Offensichtliche und die Feigheit

Über die Frage, ob Barack Obama ein würdiger Friedensnobelpreisträger ist, brauche ich an dieser Stelle an sich keine großen Worte zu verlieren. Die zahlreichen Kritiker rund um den Globus wie auch die Republikaner haben recht, wenn sie darauf hinweisen, dass diese vermeintlich größte Auszeichnung der Menschheit nur für tatsächliche Verdienste um den Frieden und die Humanität vergeben werden sollte, nicht dafür, dass es ein Politiker dank seines Showtalentes geschafft hat, den Menschen Hoffnungen zu machen, deren Einlösung noch in weiter Ferne ist.

Mit dieser Entscheidung hat sich das aus einer Gruppe norwegischer Parlamentarier bestehende Nobelpreis-Komitee der Lächerlichkeit preisgegeben und der Idee des Friedensnobelpreises schweren und dauerhaften Schaden zugefügt.

Nicht, dass Obama kein ehrenwerter Mann wäre. Aber wenn das das einzige Kriterium wäre, gäbe es auf Erden vermutlich hunderttausende KandidatInnen für den Friedensnobelpreis. Die Begründung für diese abstruse Entscheidung mutet dann auch wie ein weiterer schlechter Scherz an: Obama stehe für eine neue Kultur der diplomatischen Zusammenarbeit, er habe sich für eine Atomwaffen freie Welt ausgesprochen!

Ersteres mag stimmen, dies zum entscheidenden Kriterium zu erheben, liefe aber darauf hinaus, Barack Obama schon alleine dafür den Friedensnobelpreis zu verleihen, dass er kein Republikaner und nicht George W. Bush ist. Zweiteres ist ein schöner, guter, frommer Wunsch, muss aber auch vor dem nüchternen, strategischen Hintergrund gesehen werden, dass eine Atomwaffen freie Welt die Sicherheitslage, aber mittlerweile auch die militärische Machtposition der Vereinigten Staaten massiv stärken würde.

Obama selbst weiß um die Absurdität dieser Auszeichnung. Seine ersten Reaktionen zeugen von ehrlichem Schock. Wenn er sagt, er habe diesen Preis nicht verdient, dann nicht aus bloßer Demut, sondern weil er weiß, dass das so ist. Obama weiß auch, dass ihm das Friedensnobelpreis-Komitee mit dieser Wahl einen echten Bärendienst erwiesen hat. Barack Obama, der gerade mit der Situation konfrontiert ist, dass essenzielle Gesetzesvorhaben an der politischen Wirklichkeit Washingtons zerbröseln, wird in Hinkunft am Status eines Friedensnobelpreisträgers gemessen werden. Er weiß, dass dies einen zusätzlichen Druck, eine weitere Steigerung der weltweit ohnehin schon enormen Erwartungshaltung ihm gegenüber bedeutet. Die Reaktion Obamas macht ihn sympathisch. Sie macht aus ihm aber keinen würdigen Friedensnobelpreisträger.

Das wahrlich Ärgerliche an der diesjährigen Nobelpreisentscheidung ist aber, dass andere diese Auszeichnung dringend nötig gehabt hätten: Chinesische DissidentInnen zum Beispiel, die seit Jahren in Kerkern schmachten, jedes Jahr als Favoriten gehandelt und dann doch übergangen werden. Oder russische JournalistInnen, die mutig über die Zustände in Tschetschenien berichten, obwohl sie wissen, dass dies ihr Todesurteil sein kann.

Hier darf geargwöhnt werden, dass auch eine gewisse außenpolitische Feigheit jener norwegischer Politiker, die die Entscheidung gefällt haben, eine nicht ganz unwesentliche Rolle gespielt hat.

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Habtdank

Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich und pauschal bei den zahlreichen Menschen bedanken, die mir gestern gute Wünsche zum neuen Jahrzehnt zukommen haben lassen!

Besonders hervorheben möchte ich jedoch, man verzeihe mir diese Ungleichbehandlung, Georg Z., der mir gestern am Linzer Hauptplatz eine Geburtstagstorte überreicht und nebenbei auch noch einen Geburtstagschor organisiert hat, Albert, der mir mit dem Konterfei von Roman Polanski "Schöne Grüße aus der Schweiz" hat ausrichten lassen, sowie meine Freundin Sarah, die meinen Auftrag, eine "Winzertorte" zu kreieren, auf vortreffliche Art und Weise umgesetzt hat!




Winzertorte = Sachertorte in der Camouflage einer Linzer Torte

Dienstag, 6. Oktober 2009

Geschichtsstunde

Jene, die von Berufs wegen Meinung veröffentlichen, nehmen Jahrestage gerne zum Anlass, um in ihren Publikationsvehikeln intensiv über Bedeutendes der Vergangenheit zu debattieren. Dies findet geradezu zwanghaft statt, 40 Jahre Mondlandung zum Beispiel bedeuteten eine Flut von Erörterungen zum Thema. Dabei ist die Mondlandung nach 37 oder nach 41 Jahren nicht mehr oder weniger wichtig als nach 40.

Ich habe diese eigenartige menschliche Faszination für die runden Zahlen, der kaum jemand entkommt, immer als etwas merkwürdig empfunden (und mich daher auch nicht sehr mit den stattfindenden Berichterstattungsexzessen beschäftigt).

Daran möchte ich mich jetzt auch angesichts des morgigen Tages, der eine sehr runde Zahl für mich bereit hält, gerne orientieren.

Und heute ist übrigens auch ein Gedenktag. Es jährt sich das Ende der Wiener Revolution von 1848 zum 151sten Mal!

Aber, lassen wir Christoph & Lollo diesen Tag begehen (Achtung, makaber!)..