Mittwoch, 29. April 2009

Winz 09 - Duell der Donaumetropolen # 3

Sarah spielt wieder mit Linz und Wien.



Der Müll- Versteck- Test


Dieser Test ist ein wenig seltsam, aber was sein muss, muss sein.

Die Durchführung war ganz einfach:

Wie der Name des Tests schon verrät, habe ich Müll versteckt. Und zwar jeweils fünf kleine Marmeladegläser oder Schnapsfläschchen im Umkreis von höchstens 2 Häuserblocks um den Stephansplatz in Wien und den Hauptplatz in Linz.

Die Verstecke waren recht verschieden, aber immer so Graubereiche zwischen Straße und Häusern, zB. das Sims eines Kellerfensters. Die Falscherln waren immer auch aus ca. 2m Entfernung noch sichtbar, zumindest wenn man wusste, wo man hinzuschauen hatte.

Dann habe ich gewartet. Und zwar erst mal eine Woche, dann hab ich nachgeschaut, wie viele Falscherln noch da waren, dann nochmal 10 Tage, das war dann die Abschlusskontrolle. Obwohl ich überlegt hatte, irgendwann nochmal zu kontrollieren, aber ganz ehrlich- so spannend ist der Test nicht und gute zwei Wochen sind ausreichend.

Da es zur Auswertung nicht viel zu sagen gibt, mach mas kurz: Gewonnen hat Wien, da waren nach einer Woche zwei Flascherln weg, in Linz war nur eines verschwunden, nach weiteren 10 Tagen war in beiden Städten die Situation unverändert.

Es steht somit 0,5: 2,5 für Wien.

Aber weil doch noch so viele Flaschern (drei in Wien, vier in Linz) übrig sind, hab ich nen kleinen Wettbewerb für die Leser dieses Blogs. Wer mir eines der Flascherln bringt, und mir auch sagt, wo ers gefunden hat, wird von mir auf wahlweise ein Glas Wein oder ein Bier eingeladen. Und damit man nicht schummeln kann, sei folgendes noch gesagt: Ich hab die Flascherln mit etwas gefüllt, das man normalerweise nicht in Flascherln findet. Damit ich sie wiedererkenne. Aber ich sag nicht womit.

Dienstag, 28. April 2009

Nase ab

Ich habe ein wenig überlegt, wie ich dieses Posting anlegen soll. Ich möchte schließlich nicht missverstanden werden.

Anscheinend waren das ja irgendwelche rechte Dumpfbacken.

Ceterum censeo muss ich allerdings festhalten, dass ich finde, dass Büsten von Helfershelfern von Diktatoren nicht in Wiener Parks gehören.

Insoferne geht mir die Nase vom Che auch nicht sonderlich ab. Und dass, obwohl er jetzt, wie ein Forumsposter richtig bemerkte, sehr stark an Michael Jackson in seiner desolatesten Phase erinnert.

Ich werde daher jetzt einen langgehegten Plan enthüllen und wahrmachen und zwar die Gründung eines "Komitees zur Verschönerung der Ortsbilder", mit dem Ziel, weltweit die Städte und Plätze von den Ehrenmälern für Menschenrechtsverletzer, Kriegsverbrecher, Rassisten, Volksverhetzer und sonstigen Schurken der Geschichte zu befreien. Auf friedliche und gewaltlose Art und Weise natürlich. Da wartet auf uns allerdings verdammt viel Arbeit. Und hier in Wien fangen wir an - mit der Che Guevara-Büste und dem Dr. Karl Lueger-Ring!

Montag, 27. April 2009

Olle Studien san so zwida...

Der Kabarettist Gunkl hat einmal bemerkt, dass es gar nicht statthaft sei, dem notorischen Raunzen und Sudern der Wiener in irgendeiner Weise mit sachlicher Aufklärung oder konstruktiven Verbesserungsvorschlägen zu begegnen. Wer sich so verhalte, beleidige in Wahrheit den Wiener, indem er ihn nicht ernst nehme. Denn das Raunzen sei wesentlicher Bestandteil seiner Identität. Im Raunzen findet und bestätigt der Wiener sich demnach selbst.

So gesehen ist die neueste Ausgabe der alljährlichen Mercer-Studie ein schwerer Schlag gegen die Seele des Wieners. Damit hat sich nämlich verwirklicht, was sich in den letzten Jahren bereits angekündigt hat und folglich wie ein Damoklesschwert über dem Seelenfrieden der Vindobonenser schwebte: Wien ist so sicher, so grün und infrastrukturell so stark, das es jetzt offiziell die lebenswerteste Stadt der Welt ist!

Verdammt. Da hätte jemand die armen Wiener vorwarnen sollen! Ich meine, es kann jetzt nur mehr eine Frage der Zeit sein, bis sich der Zorn der Beislstammtische und Heurigengärten in wütenden Massenproteste auf den Straßen entlädt, die Genua, Heiligendamm und London wie Ostermärsche der Friedensbewegung aussehen lassen.

Freitag, 24. April 2009

In Concert # 8 : Donaufestival Krems, 22.4.2009, Teil 1

Das Kremser Donaufestival hat sich den Ruf erworben, unter den in rot-weiß-roten Landen veranstalteten Festivals so etwas wie der maßgebliche Treffpunkt in Sachen anspruchsvoller, relevanter und avantgardistischer Populärmusik zu sein.

Dieses Jahr startete die Reihe von Konzerten am 22.4. Wir waren an jenem ersten Tag dabei und mit der Erwartung angereist, etwas Besonderes erleben zu dürfen. Und diese Erwartung wurde durchaus nicht enttäuscht.

Schon der erste Veranstaltungsort, den wir anvisiert hatten, war etwas Spezielles. Die Minoritenkirche in Stein ist schon bekannt dafür, außergewöhnliche Konzerterlebnisse hervorzubringen. Die Basilika, ein spätromanisches Bauwerk, das später mit einem gotischen Langchor und einem gotischen Turm mit letztlich barocker Bekrönung ausgestattet wurde, bietet einen imposanten, archaischen Klangraum, der nun modernen Klängen offen steht.



Für die Klänge verantwortlich waren in unserem Fall Mirror/Dash. "Mirror" heißt mit bürgerlichem Namen Thurston Moore und wurde schon mal vom "Rolling Stone" zum 33igst besten Gitarristen aller Zeiten gewählt. "Dash" ist seine Ehefrau Kim Gordon. Die beiden sind hauptberuflich bei einer musikhistorisch nicht ganz unbedeutenden Band namens "Sonic Youth" tätig. Als Mirror/Dash zerlegen die beiden das Schallspektrum in verschiedenste Bestandteile und setzen diese dann wieder zu einem schwebend-dröhnenden Ganzen zusammen. Die Übergänge zwischen Klang und Geräusch verschwimmen dabei. Kim Gordon benutzt zeitweilig eine Gitarre, die erstaunlicherweise mit einer Handkurbel betrieben wird und schwenkt auch schon mal ihr Instrument in Richtung Verstärker, um duch diese Meta-Verstärkung verzerrten Krach zu erzeugen. Thurston Moore wiederum bedient sich meist eines Gerätes, das wie eine obskure Kreuzung aus einer E-Gitarre und einem elektronischen Hackbrett (falls es sowas gibt) daherkommt.

Die spannende Frage lautet nun: Sind das nun schlicht gelangweilte Rockstars bei Herumalbern oder ist das künstlerisch wertvolle Weiterentwicklung der Protagonisten? Es ist ein bisschen etwas von beidem. Mirror/Dash legen durchaus furios los. Langsam baut sich ein Spannungsgebilde auf, man wird fremdartiger und faszinierender Laute gewahr, die Akustik der alten Kirche tut ein übriges. Manchmal geht das allerdings auch an persönliche Schmerzgrenzen, etwa wenn Moore plötzlich damit anfängt, Geräusche zu erzeugen, die so klingen, als würde jemand mit einem rostigen Nagel über Glasscherben schleifen. Letztlich ist es aber doch über weite Strecken ein erfüllendes Erlebnis bis, ja bis nach etwa zwei Drittel der Performance die neuen Impulse absterben und sich Mirror/Dash zu wiederholen beginnen. Da wird die Geschichte nach meinem Empfinden dann etwas mühsam und der Reiz der Angelegenheit sackt in sich zusammen. Mirror/Dash verfangen sich in ihren eigenen lärmigen Wiederholungen und finden zu keinem befriedigenden Abschluss.

Zu allem Überfluß wird dann auch noch eine Zugabe gegeben (bei dieser Art von Musik eigentlich ein Unding), bei der am Ende halblustig auf den Instrumenten herumgedroschen wird. Die Generation Ironie im Publikum johlt daraufhin begeistert, aber bei mir bleibt doch eher das hohle Gefühl zurück, dass hier etwas im Ansatz durchaus Großes mutwillig zerstört worden ist. Aber vielleicht ist das ja die notwendige Absicht einer wahren Avantgarde.



Nach Mirror/Dash gehen wir Abendessen und nach dem Essen folgt Fennesz. Fennesz ist ein szeneintern weltweit anerkannter Elektroniker aus Wien, der auf Gitarrensounds aufbauend mit seinem Apple-Rechner recht majestätisch anmutende Klangwände produziert. Dabei kommt er eigentlich praktisch ohne jene Elemente aus, die man so gemeinhin mit Musik in Verbindung bringt - Rhythmik und Melodie. Das Ergebnis ist dennoch musikalisch geglückt. Die Ambient-artigen Soundwälle von Fennesz erscheinen nach einiger Zeit wie eine greifbare Realität, die sich im Raum ausbreitet. Assoziationen zu gleichmäßig vor sich hinsurrenden Schaltkreisen steigen auf, man fühlt sich wie in den Rechner des Künstlers selbst hineingebettet. Das ist Musik, die zweifellos live unter entsprechenden akustischen Rahmenbedingungen ihre ganze Kraft entfaltet. Die Halle 2 am Kremser Messegelände ist dem durchaus gerecht geworden.



Teil 2 mit dem Festival-Auftritt von Sonic Youth folgt demnächst.

Dienstag, 21. April 2009

Kärnten ist anders

Und das bis in den Tod: http://kaernten.orf.at/stories/356869/

Wir werden diese regionale Subkultur vermutlich nie ganz verstehen.

Vor allem bei den Passagen mit dem "vielfachen Wunsch" und dem Gilet habe ich nicht so recht gewußt, ob ich lachen oder weinen soll.

In Concert # 7: Stimmgewitter Augustin / Kreisky, 18.4.2009, Spinnerei (Traun)

Derzeit ist der Posthof in Linz von den Legionen des großen Linz 09-Kulturfeldzuges besetzt. Das Programm wird daher teilweise von lettischen Folk-Metal-Bands, bulgarischen Gypsy-Groove-Combos und slowenischen Gothic-Rock-Acts dominiert. Dazu kommen noch Stammgäste wie das "Black Humour Festival" oder die "Tanztage" und schon wird der Kalender eng für die restliche Musikwelt. Nun ist gegen lettischen Folk-Metal oder Gypsy-Groove aus Bulgarien natürlich grundsätzlich überhaupt nichts einwenden. Allerdings muss man erst einmal Menschen finden, die sich mit einem auf ein derartiges Abenteuer einlassen und auch selbst ertappt man sich dabei, wie man ein bisschen verzweifelt nach Namen Ausschau hält, die einem bekannt vorkommen und das wohlige Gefühl der Vorfreude induzieren.

Da ist man dann froh, dass es auch noch die Spinnerei in Traun gibt. Diese durchaus traditionsreiche Location habe ich bisher ein bisschen links liegen gelassen. Genau genommen war ich am Samstag das erste Mal da. Aber sicher nicht das letzte Mal. Denn das Veranstaltungslokal in der - charmant ausgedrückt - eher spröden Linzer Vorstadt verfügt über die sympathische Atmosphäre eines in einer popkulturellen Einöde von Gleichgesinnten liebevoll zusammengebauten Raumes, über freundliche Menschen an der Bar und offensichtlich auch über einen sattelfesten Musikgeschmack.

An besagtem Samstag waren das Stimmgewitter Augustin und Kreisky lebende und tönende Zeugnisse dieses Genius Loci.

Zuerst entlud sich das "Stimmgewitter", der "Clochard-Klangkörper" gab seinen "Hardcore-Schmalz" zum Besten. Dabei changierte das Dargebotene zwischen zündendem arbeiterpolitischen Liedgut und leidenschaftlichem Schlager. Gemein war allen Nummern aber die solide elektronische Fassung, die ihnen namhafte Vertreter der österreichischen Musikerzunft gezimmert hatten, die chorische Form, sowie die mitreissende Inbrust der Darbietungen. Das Stimmgewitter Augustin geriet bei allem Pathos dabei aber nie zu kitschiger Sozialromantik. Es blieb authentischer Eindruck einer ungeschliffenen Musikalität, die sich in leidenschaftlicher Hingabe entfalten darf. Das ist ungemein ansteckend, eine bessere Vorgruppe kann man sich kaum wünschen. Auch in der mit vielleicht achtzig, neunzig Anwesenden doch eher schütter gefüllten Spinnerei sprang der Funke erstaunlich rasch über. Dies führte zu dem völlig absurden Ergebnis, dass mich diese Band dazu brachte, an einem einzigen Abend zwei Dinge zu tun, die zuvor ernsthafte Anwärter darauf gewesen wären, unter den zehn Dingen aufzuscheinen, die mir im Leben zu allerletzt einfallen würden: eine Polonaise nicht zu verweigern und bei einem Toten Hosen-Song mitzusingen. Aber das Stimmgewitter Augustin ist dermaßen liebenswürdig und nachdrücklich zugleich, dass man ihm einfach nichts abschlagen kann. Insbesondere, wenn sie mit der Spinnerei und dessen Publikum in Interaktion treten.


Ein Stimmgewitter zieht vorbei..


"Liebenswürdig" ist vielleicht nicht das erste Adjektiv, das man gebrauchen würde, um die Band Kreisky zu beschreiben. Nachdrücklich sind sie aber auf alle Fälle (also eigentlich ganz ähnlich dem berühmten Namensgeber, wenn dieser etwas fragwürdige politische Sidestep gestattet ist). Die vier Herren rund um den Sänger Franz Adrian Wenzl (der breiteren Bevölkerung eher unter seinem anderen Künstler-Ich ein Begriff) stehen für wuchtigen Indie Rock in einem weiten Feld zwischen Noise, Punk, Rock´n´Roll, Blues, einer Prise wienerischem Falco-Pathos und Deutschrock-Elementen. Die zentrale Achse ist der Sänger, ein wirklich außergewöhnlicher Performer, getragen von der Rhythmus-Sektion und dem auf Augenhöhe mit Wenzl agierenden Gitarristen. Kreisky lieferten an jenem Abend hochkonzentrierte Arbeit ab, da war eine Entschlossenheit zu spüren, die wirklich Respekt abnötigte (genauso wie die Rahmenbedingungen in der österreichischen Indie-Rock-Provinz, übrigens, der Backstageraum der Spinnerei zB entpuppte sich als eine eisige Garage..). Die Grundstimmung der Kreisky-Musik und der Kreisky-Texte ist von einer düsteren, zuweilen zutiefst verstörten und paranoiden Sorte. Fundamentale Stimmungswechsel darf man nicht erwarten, hier schleicht sich manchmal - bei aller Vielgestaltigkeit der dargebotenen Rockspielarten - eine gewisse Eintönigkeit ins Schaffen der Wiener Band. Der Kanzler grantelt, schimpft und klagt. Aber er tut das auf internationalem Indie-Rock-Niveau. Man darf gespannt sein, wie sich diese Truppe weiterhin schlägt.


Bassist (neu), Wenzl, Gitarrist.

Montag, 20. April 2009

Cover Oddity # 2

Um ein wertungsneutraleres Element hineinzubringen, wurde diese Rubrik von "Cover Cruelty" in "Cover Oddity" umbenannt. Viel Spaß.

Skandinavien pur. Wo sonst als hier ist eine derartige Kombination aus hemmungsloser Selbstironie und musikalischer Präzision vorstellbar? Diese Performance im Jahr 1993 im norwegischen Fernsehen dürfte wohl auch die zukünftigen Stars von Kaizers Orchestra beeindruckt haben.



http://www.youtube.com/watch?v=ysUjYAi0WcQ


Dank an Sarah!

Sonntag, 19. April 2009

Spruchreif

Ich sitze hier an meinem Schreibtisch und blicke über das weite Land. Ich sehe vor mir die imposanten Gemäuer des altehrwürdigen Stiftes Melk. Dahinter zeichnet sich der majestätische Schneeberg ab. Wenn ich den Kopf etwas wende, kann ich Krems und die mit Reben bestandenen sanften Hügel des Weinviertels sehen. Ganz hinten in meinem Gesichtskreis grenzt die wildromantische Thaya das Land ab.

Die große Wandspruchwahl ist geschlagen. Und das Ergebnis mutet fast schon niederösterreichisch an. Ein Pröll erreicht Platz eins und 42 %. Das entspricht zwar noch nicht ganz niederennsischen Zuständen - immerhin wurde hier die Absolute verfehlt - ist aber andererseits auch nicht so wichtig, da bei unserer Wahl ohnehin der Grundsatz "the winner takes it all" gilt.

Daher wird in Hinkunft das (mutmaßliche) Josef Pröll-Zitat "Ich lasse mich nicht durch Alternativen in die Irre führen" unsere Wand verschönern. Das habt ihr also jetzt davon.

Wer übrigens einen Beleg dafür findet, dass unser Zitat tatsächlich aus dem Munde des Neffen-Pröll geperlt ist, der möge ihn behalten, sich freuen, und ihn mir bitte bekannt geben. Dann könnten wir aus dem vermeintlichen Pröll-Sager ein Definitivum machen.

Samstag, 18. April 2009

Sie haben nur ihre Pflicht getan

Die Kriegsverbrecherprozesse von Nürnberg und Tokio waren Meilensteine in der Geschichte der Justiz und der Ahndung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die treibende Kraft hinter diesen Prozessen waren die Vereinigten Staaten von Amerika, der große Sieger an beiden Fronten des Zweiten Weltkriegs. Der Entwurf einer neuen Welt, der Vereinte Nationen, die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte und eben jene Verantwortlichkeit für Verbrechen gegen die Humanität umfasste, ging maßgeblich von dieser neuen Weltmacht aus. Wie bereits gut 200 Jahre zuvor, spielten die Nordamerikaner wieder eine Schlüsselrolle in dem Versuch, dem Zusammenleben der Menschen neue Regeln zu geben, die die Würde und die Rechte des Individuums schützen und ein kooperatives Zusammenwirken herstellen sollten.

Wie schon 200 Jahre zuvor blieb der Entwurf bis zu einem gewissen Grad hehres Ideal, dem in der konkreten Wirklichkeit viel Schaden angetan wurde. Im Inneren war die Unterdrückung der Minderheiten noch immer nicht abgeschlossen. Und nach außen hin verhedderten sich die USA in einem erbitterten Ringen mit den Diktaturen des Kommunismus, in dem von beiden Seiten unzählige Untaten verübt und ganze Völker geopfert wurden wie Bauern auf einem Schachbrett. Der so genannte "Kalte Krieg" war nur für die, die ihn am Kochen hielten ,"kalt", für Millionen Menschen in der so genannten "Dritten Welt" war er bittere Realität und er kostete Millionen Menschenleben.

Die Umwälzungen der neuen "amerikanischen Ära" bedeuteten aber auch, dass in ordentlichen und weitestgehend fairen Gerichtsprozessen über die großen Verbrechen der jüngeren Geschichte Recht gesprochen wurde. Auch wenn man die hier teilweise zur Anwendung gebrachte Todesstrafe schon aus grundsätzlichen Erwägungen ablehnen muss und gewisse Züge einer "Siegerjustiz" (vor allem in der Auswahl der Täter, natürlich) nicht hinwegzuleugnen sind, so ist doch festzuhalten, dass hier ein neuer Weg eingeschlagen wurde, der zu einer begrüssenswerten moralischen und rechtlichen Neuorientierung führte.

Juristisch gesehen war natürlich einerseits vor allem beachtlich, dass hier Täter zur Rechenschaft gezogen wurden, die "nur ihre Pflicht getan", "nur Befehle befolgt" haben; weiters, dass es politisch relevante Personen traf; und schließlich, dass hier nicht nach streng positivrechtlichen Kriterien geurteilt wurde (aus der Sicht der nazideutschen Rechtsordnung waren die im Dienste der Ideologie und des "Führerwillens" begangenen Gräueltaten schließlich legal), sondern universelle Grundsätze zur Anwendung kamen - wie sie etwa in den Menschenrechten ihren Niederschlag gefunden haben. Mit einem Schlag war damit den schwersten vorstellbaren Verbrechen, wie dem Völkermord, der massenweisen Folterung und Deportierung von Menschen oder dem ungerechtfertigten Angriffskrieg der Nimbus der Straflosigkeit entzogen. Wer in Hinkunft solche Taten begehen würde, konnte zumindest nicht mehr ganz sicher sein, dass sie ungesühnt blieben.

Im Jahr 2009 scheint es zunächst so, als hätten diese Grundsätze weiteren Auftrieb erhalten. In Belgien und Spanien etwa gilt das Prinzip der universellen Rechtsprechung. Wer sein Volk irgendwo auf der Welt schindet, muss dort mit Strafverfolgung rechnen. Gleichzeitig wurde mit dem Internationalen Strafgerichtshof eine neue Instanz geschaffen, die zumindest den grundsätzlichen Anspruch erhebt, schwerste Verbrechen zu ahnden, egal wo und von wem sie begangen werden.

Doch leider haben sich ausgerechnet die Vereinigten Staaten von dieser Entwicklung abgekoppelt. Das Statut des Internationalen Strafgerichtshofes haben sie nicht ratifiziert. Und nun geschieht erneut Ungeheuerliches. Der Präsident, Barack Obama, und der Justizminister, Eric Holder, erklären öffentlich, dass sie eine Strafverfolgung jener amerikanischen Geheimdienst- und Militärangehörigen, die in Guantanamo ( und wohl auch anderswo) Menschen gefoltert haben, nicht zulassen werden. Das ist nun nicht deshalb skandalös, weil es, wie manche vielleicht meinen, einen politischer Übergriff auf die Justiz darstellen würde - die Anklagebehörden sind nun einmal der exekutiven Gewalt und damit dem politischen Machtzenrum zugeordnet. Es ist schlichtweg ein Verstoß gegen Recht und Gesetz und gegen die Verfassung der Vereinigten Staaten, die jede unmenschliche und erniedrigende Behandlung von Menschen ächtet. Und das zum Schaden der Folteropfer. Ein Präsident, der sich so verhält, der Verdächtige - von jenen, die die Folterbefehle gegeben bis zu jenen, die sie im Wissen um ihre kriminelle Natur ausgeführt haben - der Strafjustiz entzieht, begeht nichts anderes als Amtsmissbrauch.

Es entsteht leider immer mehr der Eindruck, dass Obamas Guantanamo-Politik eine ordentliche Mogelpackung ist. Das Lager wird zwar nun (nachdem alle Verhöre längst abgeschlossen sind) geschlossen, doch jene Häftlinge, deren Schuld sich auch durch Folter und Demütigungen hindurch nicht hat erweisen lassen, werden jetzt einfach kaltblütig vor die Türe gesetzt. Und ihre Peiniger kommen ungeschoren davon.

Natürlich ist man bei einem derart heiklen Thema sofort mit politischen Rechtfertigungsstrategien zur Hand. Obama lässt verkünden, dass man jene strafrechtlich nicht belangen solle, "die im guten Glauben an den Rat des Justizministeriums handeln". Das freilich kommt uns jetzt irgendwie sehr bekannt vor. Genau, sie haben eben nur ihre Pflicht getan.

Wenn es um die eigenen Folterknechte (von denen man sich gleichzeitig geschickter Weise auch noch politisch distanziert) geht, ist das als Ausrede offensichtlich gut genug. Geschichtsvergessen und in Mißachtung der eigenen Verfassung, der eigenen Werte treibt man also wieder einmal auf dem trübsten aller amerikanischen Gewässer dahin - dem Meer der Doppelmoral. In dieser Hinsicht ist "Change" anscheinend doch noch weit, weit weg.

Donnerstag, 16. April 2009

Die schlechteste Fernsehserie der Welt

Irgendein missgünstiger Gnom (gemeint ist nicht Alexander Wrabetz, eher so ein Wesen aus einer finsteren, finsteren Paralellwelt) hat sie im Fernsehprogramm des ORF ausgerechnet zwischen den "Simpsons" und "Scrubs" platziert: die schlechteste Fernsehserie der Welt.

Allein schon die darstellerische Performance. Wer gedacht hat, die Versuche eines Hansi Hinterseer oder Albert Fortell wären bereits die absolute, letztgültige Manifestation schauspielerischen Unvermögens, der wird hier eines schlechteren belehrt. Ein ehemaliger Popstar und ein ehemaliger Beinahe-Popstar flößen uns hier mit ihrer Mimik, ihrer Gestik, ihrem ganzen hilflosen Tun wieder Respekt vor ernsthafter, gut fundierter schauspielerischer Arbeit ein.


Jeanette Buhuhuhiedermann...

Auch was das Inhaltliche, die Dialoge, die Regie betrifft, ist das Ganze nicht wirklich prickelnd geraten. Gut, manch einer wird da jetzt einwenden, es handele sich eben um eine Telenovela. Da dürfe man eben nichts anderes erwarten. Das stimmt natürlich voll und ganz. Natürlich sind Telenovelas und Soaps geprägt von krampfhaften Dramatisierungen, lächerlichen Wendungen, schlechter Hintergrundmusik, miesen Schauspielern und einer billigen Machart. Und das alles auch noch mit voller Absicht. Andererseits ist die Sache mit den Soaps dann doch nicht ganz so einfach.

Seifenopern erfüllen ja durchaus wichtige soziale Zwecke. Seniorinnen bieten Sie einen täglichen Höhepunkt, eine Möglichkeit, sich in ein anderes Leben, in eine jugendliche Gegenwart, hineinzuträumen. Und der viel beschäftigten Hausfrau (oder meinetwegen auch dem Hausmann, obwohl Seifenopern nachwievor wohl eher ein weibliches Publikum ansprechen dürften, für welches das Format ja - zur Bewerbung von Haushaltsprodukten - ursprünglich entwickelt wurde) sind sie willkommenes, regelmäßig wiederkehrendes Pausenvergnügen. Da verbietet sich bis zu einem gewissen Grad die erhobene Nase. Dass man am Nachmittag ein Programm macht, das die in Frage kommende Zielgruppe auch nur annäherungsweise interessiert, kann man den Fernsehmachern nicht wirklich zum Vorwurf machen. Meiner Meinung nach gibt es wenige Nebensächlichkeiten auf diesem Planeten, die peinlicher sind, als die dumpfe Überheblichkeit mancher Kultur-Bobos (bevorzugter Lebensraum: Standard-Foren), die es nicht halten können, jedesmal, wenn sie im Fernsehprogramm einer Sendung ansichtig werden, die nicht auf dem Niveau einer Film Noir-Retrospektive angesiedelt ist, mit dem Erlagschein für die GIS-Gebühren zu wacheln und "Bildungsauftrag" zu schreien. Ein öffentlich finanzierter Rundfunk hat schließlich ein Programm für alle Menschen zu machen und nicht nur für eine selbst ernannte kulturelle Elite. Dass sich allerdings mittlerweile die ORF-Information immer tiefer in die Boulevard-Kloake begibt und nota bene aus dem letzten Loch pfeift, ist eine andere Geschichte..


" *Seufz* Wenn ich Dieter Bohlens Leibsklave geblieben wäre, müsste ich jetzt nicht jeden Tag mit dem immer gleichen Gesichtsausdruck aus dem Fernseher glotzen!"

Leider ist aber die hier thematisierte Soap von einer derartigen Qualität, dass man eigentlich schon anfangen muss, mit den anderen Seifenopern und Telenovelas Mitleid zu haben. Bei "Anna und die Liebe" nämlich wird ein Genre, das ohnehin schon schlecht genug, aber ehrlich schlecht ist, noch einmal der völligen Lächerlichkeit preisgegeben. Das Schlimme ist, dass hier einerseits offensichtlich der Versuch unternommen wird, eine irgendwie "coole" Telenovela für ein junges Publikum zu fabrizieren, die sich vom gefühlten Frischefaktor entfernt jenen Soap-ähnlichen Formaten nähert, die - mit großem Aufwand in Hochglanz produziert - im Hauptabendprogramm laufen und von Menschen gesehen werden, die meinen, dass sie nie Seifenopern anschauen würden ("Grey´s Anatomy" [zugegebener Maßen ziemlich gut gemacht], "Private Practice" [mies], "Desperate Housewives" [mies]). Gleichzeitig stinkt das hier Gebotene aber vom Schauspielerischen, von der regiemäßigen Mache oder von den Dialogen her dermaßen ab - sogar gegenüber herkömmlichen Seifenopern - dass man das Ergebnis nur als grottenschlecht bezeichnen kann. Richtig übel wird das Trauerspiel dann, wenn das Geschehen auch noch mit gefühliger Indiepop-Musik untermalt wird. Spätestens dann hätte jemand "Cut" rufen müssen.

Bis auf weiteres ist "Anna und die Liebe" hiermit die schlechteste Fernsehserie der Welt. Einwände wie etwa der, dass es zwischen den "Simpsons" und "Scrubs" sehr viele Fernsehserien sehr schwer haben würden, werden nicht zugelassen. Aber Alternativvorschläge werden natürlich gerne entgegengenommen.

Dienstag, 14. April 2009

Onion der Woche

Bitter. Böse. Bärig gut. Und gleichzeitig traurig-wahr. Nicht nur auf der anderen Seite vom Teich.



http://www.youtube.com/watch?v=u1cgHEWG-BA

Montag, 13. April 2009

Winz 09 - Duell der Donaumetropolen # 2

Sarah setzt ihren ultimativen Linz-Wien-Vergleich fort. Diesmal geht es um Torten.

Hier ihr ofenfrischer Bericht:




Der Torten- Test.

Sowohl Linz als auch Wien haben ja ihre eigene Torte. Entgegen diverser Legenden kommt die Linzer Torte tatsächlich aus Linz, die Sachertorte kommt aus Wien, also hab ich mir gedacht, schauen wir mal, welche Region die bessere Torte hervorgebracht hat.

Dafür habe ich beide Torten gebacken, und das, obwohl ich wohl die schlechteste Bäckerin dieser Erde bin.

Bewertet wurde nach mehreren Kategorien: Rezept, Geschmack, Herstellungsfreundlichkeit, Aussehen, und was mir sonst noch so eingefallen ist.

Linzer Torte

Ich mag die Linzer Torte ja gerne, weil sie so lustig aussieht, da sind Karos drauf. Generell eine sehr originelle Torte. Leider schmeckt sie mir nicht so gut, Mürbteig ist einfach nicht so meines.

Aber ich bin neulich im Gespräch mit einigen meiner Verkoster draufgekommen, dass die Linzer Torte nichts anderes ist als ein riesiges Husarnkrapferl, und welche Torte kann schon von sich behaupten, auch als Keks vorhanden zu sein?

Im Internet fanden sich zahlreiche Rezepte, die zum Teil sehr unterschiedlich waren, aber ich hatte schnell eines gefunden, mit dem ich dann arbeiten konnte.

Der Teig war erstaunlich schnell fertig, auch die Prozedur danach (ausrollen, mit Marmelade bestreichen, Gitter formen) ging flott und hat Spaß gemacht. Nach dem backen sah die Torte auch wirklich aus wie ein Linzer Torte, leider war sie nicht so ganz durch, aber dafür gebe ich dem Backofen, nicht der Torte die Schuld.

Natürlich hab ich mein Produkt mehreren Leuten zum Kosten serviert, eine bunte Mischung aus Wienern, Oberösterreichern und Niederösterreichern, die Torte selber hat, bis auf die Stelle, die nicht ganz durch war, allen geschmeckt.


Sachertorte

Die Sachertorte ist natürlich cool. Niemand weiß, wer jetzt die originale Sacher Torte backen darf und wer nicht, das Rezept ist sowieso geheim, zudem ist Schokolade drumherum, Sachertorte hat also scheinbar schon einen uneinholbaren Coolness-Vorsprung.

Hier war es natürlich, wegen des geheimniskrämerischen Zugangs, schwerer ein Rezept zu finden.

Scheinbar versuchen alle Bäcker in Österreich, das Rezept herauszufinden und stellen dann ihre Version ins Netz, gemeinsam mit zahlreichen Tipps. (zB, dass man keine Marillenkonftitüre, sondern Marmelade nehmen muss, ratet mal, was ich gekauft habe.. na egal)

Ich hatte also alle Zutaten beisammen, und dann gings ans Backen. Dabei erinnerte ich mich wieder, warum ich Backen so sehr hasse. Das war eine Patzerei, für die man drei Schüsseln und 10 Hände brauchte, allein das Schmelzen der Schokolade war furchtbar.

Allerdings war ich diesmal, was meinen unzuverlässigen Herd betrifft, vorgewarnt und die Torte war wunderbar durch, als ich sie aus dem Ofen nahm, dann kam die Glasur.. Und nun wusste ich, warum Backen vermutlich eine Erfindung des Teufels ist. Soviel gute Schokolade.. die einfach nicht dort bleiben wollte, wo sie hingehört!

Wie auch immer, irgendwann war auch diese Torte fertig, und sie hat wunderbar geschmeckt, da waren sich meine Probeesser und ich einig.

Bewertung

Da haben wir den Salat.. (also die Torte, was auch immer...)
Wenn ich meine Kriterien aufliste, und möglichst fair bewerte, komme ich zu folgenden Ergebnis:

Linz: Wien
Aussehen (original) 1:0
Legendenbildung, Coolness.. 0:1
Geschmack....... 0:1
Herstellungsfreundlichkeit 1:0
Rezept: 1:1

Damit steht es 3:3 unentschieden, was zwar ziemlich fad ist, aber ich kanns nicht ändern, und ich finde auch keine Möglichkeit, irgendwelche Bonuspunkte zu vergeben.. (ich kann höchstens, weil sie nicht durch war, der Linzer Torte was abziehen, aber da kann ja Linz nichts dafür, dass mein Backofen böse ist.. obwohl... er steht in Linz.. mal schauen, wo er herkommt.. nein....)

Gut, das war der zweite Test, es steht gesamt 0,5 :1, 5 für Wien, ich bin gespannt, wies weiter geht.

Samstag, 11. April 2009

Frohe Kaisern!

Die letzten Tage scheint es fast, als sei ich mit Superkräften ausgestattet. Unternehmer rufen persönlich an und bitten um Verzeihung. Serviceabteilungen von Unternehmen aus Deutschland melden sich und versprechen, wegen einem defekten Display kostenlos einen ganzen Laster zu schicken. Rechtsanwälte legen Ihre Mandat zurück. KonsumentInnen schicken Dankesbriefe.

Ok, ich übertreibe jetzt vielleicht ein wenig. Aber weit von der Wahrheit ist das derzeit nicht.

Da bin ich mir eigentlich gar nicht sicher, ob mir die Osterpause so gelegen kommt. Andererseits: Ich fahre nun bei strahlendstem Frühlings(Sommer?)wetter ins Salzkammergut und verbringe dort ein Wochenende, das am Ende gar ein verlängertes ist.



Daher wünsche ich euch jetzt einmal an diese Stelle frohe Feiertage und dass die Kaisersemmeln nicht allzu gut versteckt sein mögen!

Mittwoch, 8. April 2009

Rückblog 08 # 3: 2008 im Kino, Teil 2/4

Projektor an für die Ränge 10-6 des Kinojahres ´08!

10 Paul Haggis: "In The Valley Of Elah" 3.5

Paul Haggis ist insoferne eines der bedeutendsten Multitalente von Hollywood, als er einerseits als Regisseur bereits groß abgeräumt hat (ein völlig berechtigter Oscar für "Crash" im Jahr 2006), andererseits aber auch einer der gefragtesten Drehbuchautoren der großen Filmwelt ist. Die Vorlagen für "Crash" (wofür es ebenfalls einen Oscar gab), "Million Dollar Baby" und "Letters From Iwo Jima" stammen ebenso aus seiner Feder wie die beiden jüngsten Streifen der Bond-Reihe (mit Daniel Craig). Woraus ersichtlich wird, dass der Drehbuchautor Haggis durchaus seinen sehr wesentlichen Anteil am qualitativen Gelingen von Filmprojekten hat. Denn Clint Eastwood ist in Wahrheit mit "Gran Torino" ohne den Kanadier skriptmäßig ziemlich baden gegangen und die Bond-Filme wurden andererseits durch Haggis - wie auch die Kritiker unisono einräumen - ordentlich reanimiert. Das Problem mit "In the Valley of Elah" ist, dass hier der Drehbuchautor Haggis nicht ganz auf der Höhe seiner Kunst agiert. Die Story - eine bittere Auseinandersetzung mit dem Bush-Amerika, die an der Suche eines Vaters nach den Hintergründen des gewaltsamen Todes seines aus dem Irak zurück gekehrten Sohnes anknüpft - endet eigentlich schon in dem Augenblick, in dem sie so richtig anzufangen scheint und das Ende ist leider an Vorhersehbarkeit nicht zu überbieten. Den Film rettet allerdings der Regisseur Haggis, der feine Arbeit geleistet und vor allem seine wichtigsten Akteure zu beachtlichen Leistungen angeleitet hat. Die Performance von Susan Sarandon und Tommy Lee Jones als in ihrer Beziehung eisig erstarrtes Ehepaar, das nun mit dem Hereinbrechen einer Tragödie konfrontiert wird, ist sensationell. Auch sonst lässt "In the Valley of Elah" in Punkto Atmosphäre wenig an Wünschen offen. Summa summarum ein trotz unübersehbarer Schwächen im Skript überdurchschnittlicher Film.


09 Jason Reitman: "Juno" 3.5

Spricht man von kanadischstämmigen Regisseuren, darf derzeit natürlich der Verweis auf Jason Reitman nicht fehlen. Der Sohn der 80er Jahre-Mainstream-Legende Ivan Reitman ("Ghostbusters", "Zwillinge", "Staatsanwälte küßt man nicht", "Kindergarten-Cop") wird schon seit einigen Jahren als eines der größten Nachwuchstalente des Hollywood-Kinos gehandelt. Ähnlich wie bei einer gewissen Sophia Coppola wird da die familiäre Vorbegünstigung eine durchaus fördernde Rolle spielen. Der Unterschied zwischend den beiden Nachwuchsfilmern besteht allerdings zunächst darin, dass Frau Coppola einen wirklich großartigen Debütfilm abgeliefert hat ("The Virgin Suicides"), während Jason Reitman seine Karriere mit der sehr mittelmäßigen Polit-Witzelei "Thank You For Smoking" gestartet hat. Nunmehr scheinen sich die Vorzeichen aber umzukehren. Während Coppola Film für Film mehr abzusacken scheint (und, ja, der Trend begann bereits mit dem hoffnungslos überschätzten "Lost in Translation"), hat Reitman mit "Juno" den großen Wurf gelandet, vier Oscar-Nominierungen inklusive. Dies auch durchaus nicht ganz zu Unrecht. Denn "Juno", die Geschichte um eine 16-jährige, die ein Kind erwartet, zeichnet sich durch ein gutes Tempo, feine schauspielerische Leistungen und sympathische Grundstimmungen aus, kommt kompakt und kurzweilig daher. Schwächen offenbaren sich vor allem in den oftmals etwas gewollt-witzigen Dialogen. Trotzdem ist dieses Werk ein durchaus authentisch wirkender und zugleich humorvoller Blick auf eine Teenagerrealität in Minnesota. Dass der Streifen aber einen derartigen Hype kreiert hat, ist mit seiner guten Qualität schlicht nicht mehr zu erklären. Da dürfte eine Showbusiness-typische Gemengelage aus Hollywood-Nepotismus und der Begeisterung im Medien-Boulevard für die (schließlich auch Oscar-prämierte) Drehbuchautorin Diablo Cody, eine ehemalige Striptease-Tänzerin, eine gewichtigere Rolle gespielt haben. Wäre "Juno" jedoch, so viel ist auch klar, die Arbeit eines europäischen Nachwuchsregisseurs, so hätte es wohl bestenfalls zu einer freundlich zur Kenntnis genommenen Oscar-Nominierung in der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film" gereicht, wobei Ruzowitzkys Zielgruppen-affine "Fälscher" zweifellos trotzdem die Statuette abgeräumt hätten.


08 John Dahl: "You Kill Me" 3.5

Wenn es eine eigene Wertung für den pfiffigsten Film des Jahres gäbe, wäre "You Kill Me" von John Dahl vermutlich obenauf. Schon die Exposition ist gewitzt wie schräg zugleich: Frank Falenczyk, seines Zeichens der hauseigene Auftragsmörder eines polnischen Mafiaclans aus Buffalo, New York, hat ein Alkoholproblem, weswegen er bei seiner Arbeit nicht mehr ganz so konzentriert zu Werke geht und immer mehr zum Sicherheitsrisiko für den Clan wird. Sein Boss beschließt daraufhin kurzerhand, ihn auf die andere Seite der Vereinigten Staaten, nach San Francisco, zu verfrachten, damit er dort ungestört eine Therapie bei den Anonymen Alkoholikern machen kann. Nicht unbedingt zur Freude von Frank Falenczyk. Zu allem Überfluss wird ihm vor Ort auch noch ein nerviger Immobilienmakler vor die Nase gesetzt, der als Aufpasser der Familie fungieren soll, und er soll einem ganz normalen Brotberuf nachgehen - in einem Bestattungsunternehmen. Natürlich kann man diese viel versprechende Grundidee nun auch massiv in den Sand setzen (man stelle sich - nur ganz kurz, bis der Schmerz unerträglich wird - einen derartigen Film mit Adam Sandler oder Jim Carrey vor). Doch glücklicherweise wird der Profikiller in diesem Fall von Ben Kingsley dargestellt. Dem gelingt es, diesem eiskalten Mörder ein menschliches Antlitz zu verleihen, das berührend und urkomisch zugleich ist. Und das, ohne dass die grundsätzliche Schlechtigkeit seines Tuns in irgend einer Weise durch Ästhetisierung oder Zynismen verschleiert wird. So schafft Kingsley eine Gratwanderung, die diese Komödie zu einer beachtlichen Reife und einem hohen Maß an Humanismus führt. Einen Anteil daran, dass dies gelingt, hat auch Téa Leoni als liebendes moralisches Gegengewicht des Killers. Sonst stehen die restlichen Figuren und Handlungsstränge freilich schon ziemlich im Schatten der Zentralfigur. Aus diesem Grund mag "I Kill You" vielleicht nicht als ganz großes Gesamtkunstwerk durchgehen, die Auszeichnung als pfiffigster Film des Jahres hat er sich aber redlich verdient.


07 Joel Coen, Ethan Coen: "Burn After Reading" 3.5

Coen-typisches im Jahre 2008, die Zweite: "Burn After Reading" handelt von den folgenschweren Verwicklungen, die sich daraus ergeben, dass ein ehemaliger CIA-Mitarbeiter (John Malkovich) den Beschluss fasst, seine Memoiren zu schreiben, bedauerlicher Weise aber seine ersten Entwürfe in einem Fitnessstudio liegen lässt, wo Sie einer geldgierigen Mitarbeiterin (Frances McDormand) in die Hände fallen.
"Burn After Reading" ist das Kind einer leichtfüßigeren Muse als "No Country For Old Men", entwirft aber genauso die für die Regisseure typische Szenerie: eine Welt von selbstsüchtigen, getriebenen Glücksrittern, die sich im Streben nach Erfüllung ihrer Begierden wie die Gestalten einer griechischen Tragödie in einander verheddern. Am Ende gibt es natürlich für die meisten Akteure keine Erlösung, aber dafür auf dem Weg dorthin jede Menge Momente von funkelnd-bösem Humor. Typisch Coen-Brüder eben. Neben Malkovich und McDormand spielen sich auch noch George Clooney als neurotischer Polizeimarshall und Brad Pitt als geistig eindimensionaler Fitnesscenter-Proll die schwarze Komödiantenseele vom Leibe. Im Gegensatz zu "No Country For Old Men" hält dieser Film auch das Niveau, mit dem er zu Beginn loslegt, auch wenn vielleicht die Fallhöhe nicht ganz vergleichbar ist. Einziges gröberes Manko: der recht temporeiche Film rauscht mit seinen 96 Minuten doch ein bisschen gar im Eilzugstempo am Betrachter vorbei und zum Schluss wirkt er dann ein wenig..nunja..abgehackt (im wahrsten Sinn des Wortes). Man hätte dieses böse Theater ruhig noch ein wenig weitertreiben können. Die Qualität dazu hätte es auf alle Fälle.


06 Hitoshi Matsumoto: "Dai Nipponjin" 4

Die Ausgangslage war nicht ganz einfach: Das Top-Kino zu Wien war randvoll, es herrschte tropische Schwüle und dann kam dieser Film, der es dem Zuschauer auch nicht so ganz leicht macht: "Dai Nipponjin", zu deutsch "Der große Japaner". Der Titelheld heißt im Übrigen nicht deshalb so, weil er besonders große Taten vollbringt, sondern weil er sich mittels Superhelden-generierender Technik in einen Riesen verwandeln kann. Sein von seinen Vorfahren ererbter Brotberuf besteht darin, großteils ziemlich tollpatschige Monster unschädlich zu machen, die Nippons Städte in schöner Regelmäßigkeit heimsuchen. So als ob das noch nicht genug wäre, muss er sich auch noch mit dem Scheitern seines Familienlebens, einer stressigen Managerin, einem zunehmenden Fernseh-Quotendruck sowie einer rasant sinkenden Popularitätskurve auseinander setzen. Der "große Japaner" ist ein höflich-korrekter und pflichtbewußter Mensch, aber er ist auch einsam, verletztlich und ängstlich gegenüber allem Fremden, insbesondere den Amerikanern. Selbstzweifel kratzen an der heldenhaften Fassade. Zu allem Überfluß taucht dann auch noch ein Gegner auf, dem er nicht gewachsen ist. Der Japaner, den der Regisseur, der Komiker Hitoshi Matsumoto höchstpersönlich darstellt, ist eine zutiefst tragikomische Figur. In seinem pflicht- und traditionsbewußten Handeln verrennt er sich emotional, reibt sich auf, scheitert am Neuen. Es fällt nicht allzu schwer, in ihm nicht nur eine einfache Parodie auf den Typus des Superhelden zu sehen, sondern eine kritische Personifikation des heutigen Japan. Matsumoto gelingt das Kunststück, in oft hölzern-trashig und naiv wirkenden Bildern mehr zu verpacken als bloße Blödelei. Eine visuelle Herausforderung ist er freilich schon, dieser Film. Von Hochglanz-Superheldenverfilmungen à la "Spiderman" ist er in etwas so weit entfernt wie Japan vom Horn von Afrika. Es rüttelt, es wackelt, die Hochhäuser sind eindeutig aus Pappe und die Animationen der Monster sind von einer derartigen Qualität, dass die Belegschaft von Pixar vermutlich kollektiv der alten japanischen Sitte des Ehrenselbstmordes frönen würde, würde man sie zu lange mit diesen Bildern konfrontieren. Das mag eine Hommage an die Monster-C-Movies vergangener Jahrzehnte sein, dem gestreichelten euroamerikanischen Filmauge bereitet es aber - ebenso wie die sonderbar anmutende Dramturgie - phasenweise doch gewisse Anstrengung. Eine Anstrengung freilich, die den, der sich wirklich darauf einlässt, belohnt. Und zwar mit Erinnerungen an einen durchwegs außergewöhnlichen Film, die fest haften bleiben. Und mit einem Lächeln aus einer anderen Kinowelt (und damit ist nicht primär Japan gemeint), dass einem hernach im Gesicht hängt, ohne dass man ganz versteht, warum.


http://www.youtube.com/watch?v=JTAoxSspBJE




Nächstes Mal im Rückblog: Die erste Reihe der Kinofilme des Jahres 2008 und die Verleihung der Winzars.





Dienstag, 7. April 2009

Death Penalty Walking

Sie war lange genug in Europa zuhause: die Todesstrafe.

Lediglich ein einziges Land in unserem Erdteil verhängt und vollstreckt das hoheitliche Töten noch: Belarus (aka Weißrussland). In der Diktatur des Alexander Lukaschenko wurden im letzten Jahr laut offiziellen Statistiken vier Menschen durch Schüsse in den Hinterkopf exekutiert. Die Angehörigen der Hingerichteten werden üblicherweise erst nach dem Vollzug informiert, die sterblichen Überreste werden zurückgehalten, der Ort des Begräbnisses bleibt geheim. Dies alles vor dem Hintergrund eines unzulänglichen Justizsystems, in dem Folter und Misshandlungen als Mittel der "Wahrheitsfindung" zur Anwendung kommen.

Amnesty International hat nun eine großangelegte Kampagne gestartet, um die Todesstrafe in Belarus und damit in Europa ein für allemal auszuradieren.

Und jede(r) kann und soll sich daran beteiligen! Den (rasch und einfach auszufüllenden) Mailappell findet ihr HIER.


Die wöchentliche Onion entfällt diese Woche, sollte aber nach Ostern wiederkommen.

Sonntag, 5. April 2009

Phantom der Opera

Wenn ein jeder so viel Selbstironie beweisen würde wie die Leute bei Opera, wäre man bei The Onion arbeitslos.



http://www.youtube.com/watch?v=kkNxbyp6thM



Dank an Sarah!

Freitag, 3. April 2009

Verunglückte Namen # 10

Ein Veloklub namens De Panne und ein dazugehöriges Radrennen namens "Drei Tage von de Panne".

Wenn das mal nicht hier her gehört.

Vergessene Kapitalen # 2

Im Fluss der Geschichte sind viele Städte versunken, die einmal zu großen Hoffnungen Anlass gegeben haben. Auch viele einstige Hauptstädte heute noch existierender Staaten sind nahezu dem Vergessen anheim gefallen. Hier werden sie wieder emporgeholt.


Staat: England

Hauptstadt: Winchester (10./11. Jahrhundert)

Mittwoch, 1. April 2009

Cleese Please!

John Cleese. Hier spricht er über seine Haartransplantantion und darüber, welcher Monty Python ihm am wenigsten unsympathisch ist.






http://www.youtube.com/watch?v=DTQsmKs__-0