Montag, 29. Juni 2009

Honduras

Weisheit des Tages: Wie merkst du, dass du als Putschist definitiv irgendetwas falsch gemacht hast?


Sowohl die USA als auch Venezuela sagen, dass du wieder zurücktreten sollst.

ÖBB

Das Problem der ÖBB besteht nicht darin, dass die Züge besonders unpünktlich wären. Auch die Sauberkeit der Gefährte ist meist nicht zu beanstanden. Und auch das Personal, vom Zugschaffner bis zum Snackverkäufer, ist durchwegs freundlich unterwegs. Die Leistung, die von den Bundesbahnen erbracht wird, geht anundfürsich absolut in Ordnung.

Das Problem der ÖBB liegt auf einer anderen Ebene und es lässt sich am besten mit dem Zug illustrieren, der gestern um 16.52 Wien Hütteldorf verlassen hat und nach Linz gefahren ist.

Dieser Zug war einer von jener Sorte, bei der man am Hütteldorfer Bahnhof einige Schritte zurückläuft, weil man überrascht ist, wie kurz er eigentlich ist. Und das, um dann festzustellen, dass die vorderen Abteile abgesperrt sind.

Man erfährt beiläufig, dass dies deshalb geschieht, weil die betreffenden Zugeinheiten zur Reparatur an einen anderen Ort gebracht werden müssen. Für so etwas hat man Verständnis, so etwas ist natürlich grundsätzlich völlig in Ordnung.

Ein wenig erschrocken ist man aber dann in weiterer Folge doch, als man sieht, wie viele Zugreisende in wie wenig übriggebliebenem Zug unterkommen sollen.

Irgendwie ist es sich für die meisten (mich inklusive) dann doch ausgegangen. Und es ist selbstverständlich jedem Zugreisenden und jeder Zugreisenden zuzumuten, die eine oder andere Fahrstunde in einem Abteil mit bis zu fünf völlig fremden Menschen zu verbringen (auch wenn manche Ego-Zeitalter-Geschädigte und In-vollen-Zügen-Taschen-auf-den-Nebensitz-Steller das vielleicht bereits als persönlichen Angriff empfinden mögen).

Aber für einige wenige hat der drastisch gekappte Intercity gestern bedeutet, dass sie bis St. Pölten stehen mussten. Und der Unmut darüber, dass man bei den ÖBB nicht in der Lage war, in so einem Fall einen zusätzlichen Wagon anzuhängen, war überall im Zug zu spüren. Die Zugreisenden hatten eine Grunderfahrung im Umgang mit den ÖBB gemacht - das Gefühl, dass einen der andere als zahlender Vertragspartner, der man ist, nicht immer wirklich respektiert.

Eine Grunderfahrung, die sich etwa dann wiederholt, wenn Schaffner in dem Fall auf Richter gnadenlos schalten, dass Fahrgäste, die noch nicht darüber Bescheid wissen, dass man im Zug keine Tickets mehr kaufen kann, sich damit entschuldigen, dass sie gerade mehrere Jahre im Ausland gelebt haben. Oder dann, wenn man an einem heißen Sommertag in einem überfüllten Zug stundenlang in einer niederösterreichischen Einöde vor sich hinbrütete, mit zwei Stunden Verspätung am Bestimmungsort ankommt und dann kein ernsthaftes Wort der Entschuldigung oder den Hinweis, dass ein Teil des Kartenpreises zurückerstattet wird, gesagt bekommt. Oder dann, wenn man berechtigte Ansprüche geltend machen möchte, von Pontius zu Pilatus laufen und sich auf den oft noch labyrinthischen Wegen der Bahnbürokratie durchkämpfen muss. Und so weiter.

Das Problem der österreichischen Staatsbahnen ist - und zwar vor allem dort, wo organisatorische Voraussetzungen geschaffen werden - dass sie einen manchmal immer noch mehr als Untertan sehen denn als Geschäftspartner in einem modernen Dienstleistungsverhältnis. Oder, dass sie zumindest noch nicht gut darin sind, Gegenteiliges richtig zu kommunizieren.

Freitag, 26. Juni 2009

Fokus Menschenrechte: Mohammed El Gharani

Stell dir vor, du bist 14 Jahre alt und befindest dich in Pakistan. Wir schreiben das Jahr 2001. Du hast Medina, Saudi-Arabien, wo du geboren wurdest, hinter dir gelassen, weil deine Familie Einwanderer aus dem Tschad sind und du als zentralafrikanischer Ausländer in der Wüstenmonarchie mit ihrem starren gesellschaftlichen System keine Perspektiven siehst. Du hast 500 Riyal für einen falschen Reisepass bezahlt, um das Land verlassen zu können. Deine ganze Kindheit hindurch hast du in Medina Gebetsmatten verkauft und mit deinem ersparten Geld willst du dir jetzt in Pakistan ein neues Leben aufbauen.

In der Millionenmetropole Karatschi wirst du in einem Hotel von zwei Männern angeredet, die mitbekommen haben, dass du arabisch sprichst. Du erzählst ihnen, dass du hierher gekommen bist, weil du Englisch und Informatik studieren möchtest. Sie sagen, dass sie dir helfen wollen. Einer der beiden Männer - es sind Landsleute aus Saudi-Arabien - bietet an, für dich eine passende Schule ausfindig zu machen und dich dort anzumelden.

Nach einiger Zeit erfährst du von ihm, dass derzeit bedauerlicher Weise nirgendwo Schulplätze frei sind. Bis das der Fall ist, kannst du aber gerne in der religiösen Vereinigung mithelfen, der die beiden Männer angehören.

Schön langsam wirst du etwas nervös, weil deine Aufenthaltsgenehmigung für Pakistan mit 6 Monaten befristet ist. Da kommt es dir gerade recht, dass deine saudischen Freunde dich auf ihren Reisen durch das Land und ins benachbarte Ausland mitnehmen. Sie zeigen dir Kandahar jenseits der afghanischen Grenze. In der Nähe von Kandahar darfst du mit einer AK 47 in der Gegend herumballern. Du bist 14 und das macht dir großen Spaß. Zum Abschluss schenkt man dir sogar noch eine Casio Uhr. Du bist noch nie im Leben Menschen begegnet, die derart freundlich zu dir gewesen sind.

Wieder in Pakistan, beschließt du, dass du unter keinen Umständen jemals wieder nach Saudi-Arabien zurück gehen möchtest. Du wirfst daher deinen Reisepass mit der Sechs-Monats-Beschränkung weg und gehst zur Polizei, um ihn als vermisst zu melden (du wirst fortan immer behaupten, dass er dir gestohlen wurde). Aber die Polizei lässt dich nicht wieder gehen.

Die pakistanische Polizei hat dich an die Amerikaner verkauft. Es ist kurz nach 9/11 und die USA haben den Pakistani € 5.000 für deinen Skalp gezahlt. Die Amerikaner habe dich weit weggebracht - nach Guantanamo Bay auf Kuba.

Dort teilt man dir mit, dass dein Name auf Listen steht, auf denen Personen drauf sind, die Terroristen sind und dass zwei saudische Terroristen deine Telefonnummer haben. Diese Tatsachen, sowie der Umstand, dass du eine Casio Uhr trägst, beweisen, dass du selbst auch ein Terrorist bist. Eine konkrete Verwicklung in terroristische Aktionen wirft man dir allerdings nicht vor. Dafür wissen die Amerikaner aber, dass du bereits 1999 Mitglied einer Al-Qaida-Zelle in London warst. Das erstaunt dich doch einigermaßen, denn 1999 warst du 12 Jahre alt und hast in Medina Gebetsmatten verkauft.

In der folgenden Zeit wirst du noch oft "befragt". Dabei denkt man sich, wie du später zu berichten weißt, immer wieder neue, originelle Verhörmethoden aus. Die amerikanischen Beamten hindern dich daran zu schlafen, drücken ihre Zigaretten auf deiner Haut aus, überschütten dich mit eiskaltem Wasser, hängen dich stundenlang mit den Armen an der Decke auf, fuchteln mit einer Schere vor deinem nackten Körper herum und drohen, dich damit zu kastrieren. Später wird dein Rechtsanwalt auch publik machen, dass man mit ähnlichem Nachdruck versucht hat, dich davon zu überzeugen, auszusagen, dein Rechtsanwalt habe andere Gefangene dazu überredet, Selbstmord zu begehen (der Lagerkommandant hat in diesem Zusammenhang davon gesprochen, die Selbstmorde stellten eine Form von "asymmetrischer Kriegsführung" dar - also von Terrorismus).

Diese Zeit in Guantanamo dauert sieben Jahre. Am 14.1.2009, du bist mittlerweile 21 Jahre alt, stellt der für den Gerichtsbezirk District of Columbia zuständige Bezirksrichter Richard Leon fest, dass es für deine Festhaltung in Guantanamo keine ausreichenden Beweise gibt. Er ordnet deine Entlassung an. Du bist sieben Jahre, die größte Zeit als Minderjähriger, unter menschenunwürdigen Umständen in einem Gefangenenlager für ein Verbrechen eingesessen, das man dir nie nachweisen konnte. Diejenigen, die dich in dieser Zeit misshandelt und gefoltert haben, haben freilich nur ihre Pflicht getan.

Am 11.6.2009 verfrachtet man dich in einen Militärflieger mit Kurs auf N´Djamena, der Hauptstadt des Tschad.

Dort sitzt du mittlerweile in Administrativverwahrung. Die tschadischen Behörden sprechen von einer Formalität.


Quellen: Amnesty International, der Eintrag auf der englischsprachigen Wikipedia mit zahlreichen weiterführenden Quellenverweisen und das Guantanamo Docket der New York Times.

Dienstag, 23. Juni 2009

Linz 09 # 4: Im Höhenrausch

Endlich gehts mit Linz09 aufwärts..


"OK Höhenrausch".



Auf den ersten Blick eher vordergründige Attraktionen wie das große Riesenrad mit herausragendem Blick über Linz..



..ziehen die Bevölkerung an..



..und leiten über zu etwas Abgehobenerem, wie dem schrägen "Bubble Man" von Shih Yung-Ku (gelungene Fortsetzung dann im Inneren des OK).

Es regiert Humoristisches, wie etwa auch die "Raketenpost" des Schweizers Roman Signer:



In dieser Mini-Rakete waren auch zwei Postkarten von uns. Sie wurden über den OK-Platz geschossen und haben sich dann auf den Weg zu ihren Adressaten gemacht.

Alles in allem: Sehr ordentliches Culturetainment (wenn ich das mal so nennen darf). Der Versuch, Kunst, Ironie und Publikumswirksamkeit auf Augenhöhe zu bringen, dürfte hier auch besser gelungen sein als etwa in "Best of Austria".

Lediglich die MitabeiterInnen vor Ort agierten leider (noch) nicht immer auf der vielbesagten Höhe..

Die vollständige Bildersammlung (inklusive der nicht geplanten "Attraktion", dem angebrannten Ursulinenhof) gibt es hier.

Sonntag, 21. Juni 2009

Lacrosse

Wenn wir schon bei Teamsportarten sind, die hierzulande eher ein Nischendasein fristen (wie Faustball oder Baseball), dann soll auch der Verweis auf Lacrosse nicht fehlen.

Österreichs Damen-Nationalteam befindet sich nämlich derzeit in Prag und kämpft um den Weltmeistertitel. Das heißt, der Weltmeistertitel selbst ist wohl nicht wirklich in Reichweite, da sind dann doch die Teams aus Nordamerika und dem Commonwealth vor.

Aber immerhin gab es am Donnerstag einen klaren Auftaktsieg gegen Dänemark - 14:7. Am Freitag folgte allerdings dann das bittere Erwachen mit einem 0:20 gegen das Nationalteam der Irokesen. Im dritten Turnierspiel konnte aber heute Sonntag mit einem klaren 18:0 gegen Südkorea wieder Selbstvertrauen getankt werden.

Lacrosse ist Kanadas zweiter offizieller Nationalsport neben Eishockey sowie der Nationalsport der Völker der irokesischen Sprachfamilie (aus deren Baggawatay oder Tewaraathon sich der moderne Sport entwickelt hat). Bei der Damen-Weltmeisterschaft gelten aber die Titel verteidigenden US-Amerikanerinnen als favorisiert. Beim Frauen-Lacrosse versuchen zwei Teams zu je 12 Spielerinnen einen 140 g schweren Gummiball mit Hilfe von Netzschlägern in 1,83 m x 1,83 m große Tore zu befördern. Im Gegensatz zum körperlich harten Männer-Lacrosse ist beim Frauen-Lacrosse (analog dem Eishockey) der Körperkontakt stark limitiert.

Einen Eindruck vom Frauen-Lacrosse bekommt man hier.

Freitag, 19. Juni 2009

"Heute"-Blog # 3

Wieder ein kleines Anschauungsbeispiel, wie die Schlagzeilenschinderei in der Randstein-Presse funktioniert:




Keine Frage, es wird eine spürbare Zunahme bei bestimmten Straftaten feststellbar sein, das ist in Zeiten wirtschaftlicher und sozialer Krisen nicht zu vermeiden.

Aber, jede(r) Zweite als Opfer einer Straftat, das ist schon mehr als erschreckend!

Heißt das jetzt also, dass meiner Oma gerade in diesem Augenblick die Handtasche geraubt wird, dass sich Autoknacker gerade am Wagen meines Chefs vergreifen und dass sich zeitgleich ein Amok laufender Nachbar durch die Hecke meiner Eltern fräst?

Immerhin haben wir es hier mit einem wahrlich "alarmierenden Befund" ("Heute") zu tun!

Ein Blick ins Blattinnere legt die Grundlagen des alarmierenen Befundes offen:


"Eine Studie des Linzer Instituts IMAS belegt, wie schwer Menschen hierzulande tatsächlich von Verbrechen [sic!] betroffen sind. 46 Prozent aller Bürger waren schon selbst Opfer einer Straftat."


46 Prozent der Befragten waren demnach in ihrem Leben schon einmal Opfer einer Straftat (nicht eines Verbrechens) !

Ich gehöre übrigens selbst dazu. Mir wurde schon zweimal die Geldbörse entwendet (denke ich zumindest). Mir wäre also auch nichts anderes übrig geblieben, als mich bei dieser IMAS-Umfrage zu den Kriminalitätsopfern zu zählen.

Die konkrete Fragestellung des IMAS-Institutes lautete übrigens lapidar:


"Hier stehen verschiedene Arten von Straftaten. Könnten Sie mir sagen, ob sie selbst schon einmal Opfer einer solchen Straftat geworden sind? Bitte nennen Sie einfach die entsprechenden Nummern."


Die Meinungsforscher haben sich also nicht einmal die Mühe gemacht, ihre Fragestellung auf Österreich zu beschränken. Auch der Großvater, den tschechische Nationalisten aus dem Sudetenland vertrieben haben oder der Wiener, dem in Caorle das Börsl gezogen wurde, fallen demnach unter die 46%..

Ein genauerer Blick in die Studie zeigt übrigens, dass 27% der Nennungen auf diverse minderschwere Diebstahlsdelikte entfallen, davon ganze 12% auf Fahrrad-Diebstahl und 6 % auf Handy-Diebstahl. 13% sind Sachbeschädigungen, satte 12% fallen unter "Anpöbelung, Beleidigung in der Öffentlichkeit". Verleumdung und Rufschädigung wird von 7% genannt, ebenfalls 7% sahen sich schon als Opfer eines "Betruges" (wer jemals in einem rechtsberatenden Bereich gearbeitet hat, weiss, dass ungefähr jeder dritte säumige Schuldner der Meinung ist, er wird von seiner Telefongesellschaft "betrogen"). Von wirklich schweren Delikten (also "Verbrechen") war von den UmfrageteilnehmerInnen im gesamten Leben und auf der ganzen Welt nur eine klare Minderheit betroffen (Einbruchsdiebstahl - hier gibt es bekanntlich immer gleich mehrere Betroffene auf einmal - 5%, Autodiebstahl 1%, Raub 1%, Körperverletzung - völlig unterschiedslos in sämtlichen Schattierungen erhoben und damit ohne jegliche Aussagekraft - 6%)).

Die genannten Prozentsätze ergeben im übrigen keine 46%, da Mehrfachnennungen selbstverständlich möglich waren. 54% der befragten Österreicherinnen und Österreicher geben jedenfalls an, noch nie Opfer einer Straftat gewesen zu sein.

Das alles freilich ficht "Heute" nicht an, eine apokalyptische Schlagzeile zu zimmern. Die Detailinformationen werden einem daher auch gleich vorenthalten. Dafür kennt "Heute" zwei andere Zahlen aus der IMAS-Studie: 77 % der Befragten geben an, dass die Kriminalität in den letzten zehn Jahren in Österreich zugenommen hat. Und von diesen 77% sind 63 % der Meinung, dass an der steigenden Verbrechensrate die Zuwanderung schuld ist (im Großdruck hinzugefügt: "FPÖ fordert: Täter viel härter bestrafen!").

Das wiederum verwundert angesichts solcher Schlagzeilentäter nicht.

Mittwoch, 17. Juni 2009

Blök II

Meine Freundin findet das Video lustig. Mir tun die Schafe leid, die hier zum Gaudium der Werber und Nerds instrumentalisiert werden. Das liegt vielleicht daran, dass mein chinesisches Sternzeichen Schaf ist (wie ich dank Blogger weiß) und ich mich daher den wolligen Gesellen seelenverwandt fühle.

Und was hat FreundIn Hausschaf davon, dass es für Samsung Werbung machen darf?

Montag, 15. Juni 2009

Baseball

Baseball ist definitiv weit weniger lässig als Faustball.

Aber auch hier es schön zu sehen wie diejenigen, die sonst im Schatten stehen, plötzlich an die Spitze Europas gelangen können.

Attnang zum Beispiel. Endlich kann Attnang der Welt mehr geben als nur einen Bahnhof zum Umsteigen!

Samstag, 13. Juni 2009

Europa der Nationalisten

Meine erste Reaktion nach den österreichischen Europawahlergebnissen am Sonntag: Erleichterung!

Nicht, dass es nicht durchaus erschreckend wäre, wie das Zeitung konsumierende Volk eine Single-Issue-Ein-Mann-Partei einfach so schluckt, ohne mit der Wimper zu zucken. Da offenbart sich die ganze Macht des dahinter stehenden Mediums - die es ja im Grunde genommen, das wurde eindrucksvoll bewiesen, ziemlich willkürlich einsetzen kann.

Nicht, dass es nicht ernüchternd wäre, mitanzusehen, wie jene, die jahrelang vehement eine (wirtschaftsliberale) Politik verfochten haben, deren stärkste Ausprägungen den Wirtschaftsplaneten mittlerweile in den Abgrund gestossen haben, in der Wählergunst voranliegen. Demokratie als Feedbackmechanismus funktioniert halt nur, wenn die Leute mit dem Verstand wählen und nicht mit dem Bauchgefühl.

Nicht, dass es nicht unerfreulich wäre, beobachten zu müssen, wie mündige Wähler aus Opposition zu einem völlig inakzeptablen Spitzenkandidaten seiner Liste die Stimme geben.

Aber, das alles waren Umstände, die erst beim zweiten Blick unangenehm auffielen. Zunächst einmal war da die angesprochene Erleichterung, dass die extreme Rechte nach einem Wahlkampf, in dem wieder einmal alle moralischen Standards locker unterboten worden waren, unter den Erwartungen abgeschnitten hatte.

Aber auch hier muss man ein zweites Mal hinschauen. So erfreulich das angesichts der Ausgangsbedingungen mäßige Ergebnis für Blau und Orange auch ist, Österreich ist dennoch jenes Land in der EU, in dem die extreme Rechte den höchsten Stimmenanteil erreicht hat.

Ein Blick auf die Vergleichswerte rechtspopulistischer, rechtsextremer und rechtsradikaler Parteien bei den EU-Wahlen (Quellen: Netz-gegen-Nazis.de, Wikipedia und www.wahlen2009-ergebnisse.eu):


1. Österreich 17,8% (FPÖ 13,1%, BZÖ 4,7%)
2. Niederlande 17,1% (Partij voor de Vrijheid)
3. Dänemark 14,8% (Dansk Folkeparti)
4. Ungarn 14,7% (Jobbik)
5. Belgien 14,6% (Vlaams Belang 10,1%, Front National 4,5%)
Slowakei 14,6% (HZD 9,0%, SNS 5,6%)
7. Finnland 12,4% ("Wahre Finnen")
8. Bulgarien 12,1% (Ataka)
9. Italien* 10,3% (Lega Nord 10,2%, Fiamma Tricolore-La Destra 0,1%)
10.Rumänien 8,6% (Grossrumänien-Partei 8,6%)
11.UK 8,3% (British National Party)
12.Lettland 7,5% ("Für Vaterland und Freiheit")
13.Griechenland 7,1% (Orthodoxe Volksbewegung)
14.Frankreich 6,3% (Front National)
15.Schweden 3,3% ("Schwedendemokraten")
16.Slowenien 2,9% (SNS)
17.Deutschland 1,7% (Republikaner 1,3%, Deutsche Volksunion 0,4%)
18.Polen 1,4% (Libertas Polska mit der Liga d. Polnischen Familien)

Keine nennenswerten Parteien der extremen Rechten in Estland, Irland, Litauen, Luxemburg, Malta, Portugal, Spanien, Tschechien und Zypern.

Natürlich sind die genannten Parteien in ihrer Ausprägung unterschiedlich radikal. Und umgekehrt finden sich natürlich auch in vielen "staatstragenden" Parteien starke rechtspopulistische Strömungen. Leider kann man aber auch nicht sagen, dass FPÖ und BZÖ im Vergleich zu anderen "Rechtsauslegern" als besonders gemäßigt auffallen. *Was Italien betrifft, muss man jedenfalls ergänzen, dass viele Rechtspopulisten und auch Rechtsextremisten in Silvio Berlusconis heterogener Sammlungsbewegung "Popolo della Libertá" integriert wurden.

Mittwoch, 10. Juni 2009

Aus dem Äther ins Netz gegangen

Unsere Radiosendung zum Thema "Opfer und Verdächtige - Eine Frage der Hautfarbe" steht nunmehr hier zum Herunterladen bereit!

Am Anfang geht es ein bisschen drunter und drüber, da waren technische Probleme mit einem USB-Stick im Spiel. Aber dafür wirds dann umso interessanter.

Dienstag, 9. Juni 2009

Ohren(ge)fälliges: Der Monatsmeister des Monats Mai 2009

Ich werde ab sofort in diesem Rahmen allmonatlichen jenen Musik-Track vorstellen, der im abgelaufenen Monat in meinen persönlichen Top 25-Charts die meisten Meter nach oben gemacht hat.


Monatsmeister des Monats Mai 2009:


Bernhard Eder - Now´s the Time
/ Wien/Berlin / Singer/Songwriter-Pop

Gewonnene Ränge: + 5

Um im Leben weiter zu kommen und zugleich so etwas wie Zufriedenheit erlangen zu können, muss man immer wieder Dinge zurücklassen können - auch Gutes. Bernhard Eder wird das wissen, immerhin hat es ihn vom Hausruckviertel ins ferne Berlin verschlagen. Dass er es auch dort geschafft hat, sich einen Namen zu machen, geschah völlig zu Recht. Bernhard Eder mag auf den Schultern von Riesen stehen (Elliott Smith, Nick Drake), aber es gelingt ihm, seinen ganz eigenen, unverwechselbaren Sound zu kreieren. Und die Beständigkeit, ja Beharrlichkeit, mit der er gemeinsam mit seiner Band melancholischen Singer/Songwriter-Pop auf hohem Niveau produziert, verdient wahrlich Respekt.




"Now´s the Time" ist ein wunderbarer Song über jene Momente im Leben, in denen man erkennt, dass man sich von Altem trennen muss, um Neues zu ergreifen. Insofern konnte ich ihn in den letzten Monaten, in denen sich meine Lebenssituation so grundlegend verändert hat, gut für mich nutzbar machen.


Sonntag, 7. Juni 2009

Nicht schon wieder

Unsere Küche ist zu klein und der Unterschied zwischen Herdplatte und Ofen ist in der Eile nicht immer ganz klar auszumachen.



Dafür gibt es diesmal immerhin eine erstaunliche und durchaus erfreuliche Erkenntnis: abgefackelte Mannerschnitten entfalten - zumindest anfänglich - ein Aroma von Weihrauch. Falls zu Weihnachten also letzterer einmal ausgehen sollte..

Samstag, 6. Juni 2009

Die Flut

Das Szenario kennt man aus diversen Katastrophenfilmen: eben geht man noch nichtsahnend seines Weges, da bemerkt man plötzlich, dass sich gegenüber das Wasser kräuselt, dass das Kräuseln auf einen zukommt, anschwillt und schließlich zu einer gewaltigen Welle aufgetürmt auf einen zurollt. Das Ganze geht natürlich in Windeseile, sodaß jeder Versuch einer Flucht völlig aussichtslos ist.

Heute haben wir das erlebt - auf der Linzer Nibelungenbrücke. Heimtückischer hätte der Regenguss definitiv nicht zuschlagen können. Nirgends in der Linzer City ist man exponierter gegenüber Wind und Witterung. Und die Donau ist an dieser Stelle durchaus breit und die Nibelungenbrücke daher entsprechend lang, der Weg zum Ars Electronica Center weit. Besonders dann, wenn man gerade unter den Niagara-Fällen durchmuss.


In jeder Faser.

Freitag, 5. Juni 2009

Amnesty informiert: Opfer und Verdächtige - eine Frage der Hautfarbe

Kommt es zur Benachteiligung von MigrantInnen und Angehörige ethnischer Minderheiten durch Österreichs Polizei und Justiz? Handelt es sich bei den in den Medien kolportierten Vorfällen um bedauerliche Einzelfälle oder lässt sich hier ein Muster erkennen? Wie lässt sich mit Problemen zwischen MigrantInnen und Behördenvertretern umgehen, welche Lösungwege gibt es für mögliche Konflikte? Was kann der einzelne Staatsbürger beitragen?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich ein am 9. April 2009 von Amnesty Österreich in einer Pressekonferenz präsentierter Bericht, der den Namen "Österreich: Opfer und Verdächtige - Eine Frage der Hautfarbe. Rassistische Diskriminierung im österreichischen Polizei- und Justizssystem" trägt.

Wir haben den Bericht gelesen und werden seine wesentlichen Eckpunkte in unserer nächsten Radiosendung darstellen.

"Amnesty informiert: Opfer und Verdächtige - eine Frage der Hautfarbe?"

Präsentation: Sarah Berger und Martin Walther

am Mo, 8.6.2009, 19.00-20.00 Uhr im Freien Rundfunk Oberösterreich (Radio FRO)
am Di, 9.6.2009, 14.00-15.00 Uhr ebenda
am Mo, 15.6.2009, 16.00-17.00 Uhr im Freien Radio Freistadt

Zum Livestream von Radio FRO.


Die Berichts-Präsentation am 9.4.2009.

Mittwoch, 3. Juni 2009

Tage des Feuermachens

Zuerst geht der Ursulinenhof in Flammen auf und dann zünde ich auch noch irrtümlich das Schneidebrett meiner Freundin an.



Da muss was in der Luft liegen.

Rückblog 08 # 4: Das Konzertjahr 2008, Teil 2

Welche Konzerterlebnisse blieben den LeserInnen dieses Blogs im Gedächtnis haften?


F.A, Musikpädagoge und Organist: "Schaller-Quartett - die Kunst der Fuge in der Evangelischen Kirche Bad Ischl. Technisch perfekt und trotzdem intensiv."

G.P., Meteorologe: "Das muss wohl Gustav & die Trachtenkapelle Dürnstein beim Donaufestival zu Krems gewesen sein, dicht gefolgt von Ladytron am Frequency und Mauracher mit bekiffter Sängerin am Bock´mas"

G.S., Altenbetreuer: "James Blunt, Stadthalle Wien"

G.Z., Student (Sozialwirtschaft): "La Brass Banda unplugged in der Alten Welt"

J.R., angehender Steuerberater: "Leonard Cohen in Wien"

M.G., Soundtechniker und Verbandsvizepräsident: "Akhenaton (rap franc.) am Diversidad Festival im WUK/Wien"

S.F., Pädagogin: "James Blunt, Stadthalle Wien am 28.10.2009"

T.F., Redakteur: "Coldplay am 24.9.2009 in der Wiener Stadthalle"

V.S., Künstlerin und Unidozentin: "Bauchklang (Donauinselfest)"

Vier der UmfrageteilnehmerInnen hatten keine erwähnenswerten Konzerterlebnisse.


Nächstes Mal im Rückblog: Meine bestgehörten Platten des Jahres ´08.

Dienstag, 2. Juni 2009

Rückblog 08 # 4: Das Konzertjahr 2008, Teil 1

Livekonzerte sind das Salz in der Suppe des Musikfreundes. Hier meine fünf nachdrücklichsten Erlebnisse im letzten Jahr:


05 Texta, 22.8.2008, Bock Ma´s , Burgruine Altwartenburg, Timelkam

Noch nie waren so viele Menschen zum Bock Ma´s-Festival geströmt wie am Abend des 22.8.2008 zur Linzer Hip-Hop-Institution Texta. Auch die Tatsache, dass es alsbald auch vom Himmel in Form von Regen heftig herunterrannte, konnte die Stimmung nicht trüben. Warum? Der Texta-Flow von der Bühne schwemmte allen Wetter-Unbill hinfort!

04 Mauracher, 22.8.2009, Bock Ma´s , Burgruine Altwartenburg, Timelkam

An selber Stelle boten Mauracher eine überaus intensive Performance. Und dass, obwohl (oder gerade weil?) die ausführende Sängerin an jenem Abend den Eindruck erweckte, dass sie bei jedem Fahrtauglichkeitstest durchfallen würde.

03 Moneybrother, 18.5.2008, Posthof, Linz

Inspirierendes Pendeln zwischen Springsteenesken Soul-Rock-Wänden und ruhigeren Balladen, dazu das Charisma des Vortragenden. Näheres zu diesem Abend mit Moneybrother hier.

02 The Indelicates, 15.8.2008, Frequency, Salzburgring

Indieartfolkrock habe ich das einmal genannt. "Clever" wäre auch noch hinzuzufügen. Auch live eine feine Sache, das erstaunliche Songmaterial des Indelicates-Erstlings "American Demo" wird hier keineswegs verschenkt. Siehe auch hier.

01 The Hives, 15.8.2009, Frequency, Salzburgring

Die große Rock´n´Roll-Massentaufe im strömenden Regen des Salzburgringes. Im Stile eines Erweckungspredigers heizte Howlin´ Pelle Almquist dem Publikum ein. Möglich, dass das beim zweiten Mal schon an Reiz verliert, aber einmal Hives muss man erlebt haben. Mehr dazu hier.




Nächstes Mal im Rückblog: Die Lieblingskonzerte der Blog-LeserInnen.