Donnerstag, 30. Juli 2009

Geschmacksverwirrung



Auch erklärte Feinde des amerikanischen Imperialismus trinken gerne Cola und andere Softdrinks. Wie aber die süßen Errungenschaften des american way genießen, ohne gleichzeitig in schweren Konflikt mit dem eigenen Gewissen zu geraten?

"Mecca Cola", in Frankreich käuflich zu erwerben, schafft Abhilfe. Die markigen Sprüche auf dem Etikett der Plastikflasche geben die Richtung vor, sie lauten "Ne buvez pas idiot, buvez engagé" (also "Trink nicht dumm, trink engagiert!") sowie "The Taste of Freedom".

Nunja, wenn die Freiheit so schmeckt, dann ist sie, zumindest für mein Empfinden, ungenießbar und ich muss erwägen, einmal die Geschmacksrichtung "Nordkorea" auszuprobieren. Denn wer diesen Cola-Fusel ernsthaft mehrmals am Tag hinunterspült, hat eigentlich schon Märtyrerstatus verdient.

Die von uns verkostete "Geschmacks"richtung Soda Orange zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie nach verflüssigtem Gummi schmeckt, den irgendjemand irgendwann einmal in die Nähe einer Orange gehalten hat. Vielleicht ist das aber auch nur ein grimmiger politischer Kommentar zu dem Umstand, dass die Orangenhaine der Palästinenser von Zionisten beschlagnahmt worden sind.

Womit wir auch schon wieder beim politischen Gewissen wären. Laut Beschriftung handelt es sich hierbei um ein wohltätiges Gebräu. Nicht nur, dass die fiesen Amerikaner dank des Alternativ-Cola keinen Profit einstreifen, den sie dann wieder in das israelische Atomwaffenprogramm investieren können. Nein, das Etikett verrät auch noch, dass 10% der Einnahmen an "palästinensische Kinder" gehen und 10% an "local charity". Was konkret mit dem Geld geschieht, bleibt freilich unserer Fantasie überlassen.

Unter diesen Umständen bleibt man dann doch lieber Softdrink-Imperialist.

Mittwoch, 29. Juli 2009

Retour de France

Paris ist eine beeindruckende Stadt. Kaum jemanden lassen die breiten Boulevards, die wuchtigen Bauten der Seinemetropole kalt. Kaum ein Tourist, der nicht überwältigt ist von der Fülle der Sehenswürdigkeiten, die man hier vorfindet. Sehenswürdigkeiten, die aber gleichzeitig nicht durch den Zufall der Historie zusammengewürfelt erscheinen (wie etwa im mindestens ebenso reichen Rom), sondern planmäßig und mit Blick auf das Gesamtkunstwerk zusammengesetzt.

Aber, die Stadt Paris, das ist - so erscheint es mir zumindest - auch ein Anachronismus. Die großen, repräsentativen Bauten der Hauptstadt Frankreichs geraten bei kritischer Betrachtung doch oft ins gar Pompöse, ja Protzige. Alles muss hier groß, gewaltig und flamboyant sein - die Plätze ebenso wie die Kirchen und anderen Bauwerke. Dabei ist der imperiale und koloniale Glanz der Stadt und des Landes, für das sie steht, längst verflogen. Paris steht heute für Fremdenverkehr, Mode und auch Musik, die Kunst des schönen Lebens, aber die politische, wissenschaftliche, technologische, künstlerische und wirtschaftliche Moderne dreht sich - trotz einiger Überbleibsel aus jenen vergangenen Zeiten, wie OECD und Internationaler Handelskammer - schon lange nicht mehr um die Ile-de-France. Die Zeiten ändern sich: Der Eiffelturm ist schon lange nicht mehr das höchste Gebäude der Welt und die brennenden Autos in den Banlieus stehen nicht mehr für vorwärtsgewandte Forderungen von Revolutionären, sondern für die Verzweiflung jener, mit denen niemand ernsthaft die Errungenschaften der politischen Kämpfe teilen wollte.

Paris ist schon lange nicht mehr so modern und relevant wie es - zumindest in seinem pompösen Kern - glauben machen möchte. Das Bedürfnis zum Präsentieren und Konservieren nationaler gloire erscheint seltsam angestaubt in einem vereinten Europa und in einer globalisierten Welt, in der jeder von jedem abhängig ist, wie Frankreich von den Agrarsubventionen der Europäischen Union.

Ein anderes Gefühl umfängt mich in Straßburg. Auch Straßburg ist eine sehr traditionsreiche Stadt - das Münster ist einer der ältesten Wolkenkratzer der Welt und beeindruckender als alles, was ich in Paris gesehen habe - aber Straßburg steht nicht für nationales Wetteifern, sondern für das friedliche Zusammenwachsen von einstigen Todfeinden; für die Notwendigkeit zur Kooperation, auch wenn die Spielregeln noch stark verbesserungsbedürftig sein mögen.

Der langen Rede kurzer Sinn: Hier sind ein paar Bilder, die ich in Straßburg und - hauptsächlich - Paris gemacht habe.

Donnerstag, 23. Juli 2009

A bientot

In der nächsten Zeit werden diese Seiten ein bisschen weniger geschwätzig sein als sonst.

Ich fahre heute abend nach Paris. Zurückkommen werde ich nächsten Dienstag. Da Paris eine Stadt mit einer enormen Dichte an Sehenswertem ist und wir nur über einen begrenzten zeitlichen Spielraum verfügen, werde ich in dieser Zeit wohl kaum dazu kommen, Blogeinträge zu verfassen (abgesehen davon, dass ich mir dort erst mühsam die Netz-Infrastruktur beschaffen müsste).

Das macht aber nicht viel, da ich ohnehin die Hoffnung äußern möchte, dass ihr, liebe LeserInnen, in den nächsten Tagen in der glücklichen Lage sein werdet, eure Zeit mehr an kühlen Gewässern zu verbringen als hinter Schreibtischen vor Computerbildschirmen.

1992 war ich schon einmal in Paris:





Das war sehr schön und das erwarte ich mir eigentlich auch diesmal.

Obwohl mir das "Paris Tourist Office" etwas Angst macht:



Ich hab nämlich wirklich keine Drogen bestellt.

Mittwoch, 22. Juli 2009

Der Tiger vom Brenner

Der ehemalige ORF-Generalintendant Gerd Bacher hat in der Südtiroler Wochenzeitschrift "ff" über seine Beziehung zu Südtirol parliert und aus seinem bewegten Leben erzählt.

Südirol spiele für ihn eine "mystische Rolle", sagt Bacher. Zu Zeiten des Südtirol-Konflikts sei er deshalb als "österreichischer Imperialist" selbstverständlich auf Seiten der "Freiheitskämpfer" rund um "den Kerschbaumer, den Klotz, den Amplatz, den Innerhofer" gestanden. Seine Unterstützung sei freilich nicht nur moralischer Natur gewesen. Er habe als "politischer Arm" der "Freiheitskämpfer" fungiert, habe Kontakte zu hochrangigen österreichischen Politikern (wie Tirols Landeshauptmann Wallnöfer oder Bundeskanzler Bruno Kreisky) geknüpft, sowie Geld und "Material" beschafft.

Rückblende in das Jahr 1956: Die beschauliche Welt der Südtiroler Täler wird von heftigen Detonationen erschüttert. Der "Befreiungsausschuss Südtirol" (BAS), kurz zuvor unter Federführung des Gemischtwarenhändlers Sepp Kerschbaumer und des Obstbauern Sepp Innerhofer gegründet, hat mehrere Strommasten in die Luft gesprengt. Der gewalttätige Protest richtet sich gegen die mangelhafte Umsetzung der im Gruber-De Gaspari-Abkommen von 1947 verheissenen Autonomie für Südtirol und eine Siedlungspolitik der römischen Regierung, die den unseligen Geist des Mussolini-Faschismus fortzusetzen scheint, indem sie auf eine weitere Italienisierung Südtirols hinarbeitet. Mit diesem Italien, das die Rechte der deutsch- und ladinischsprachigen Südtiroler missachtet, will man nichts mehr zu tun haben, man will die Sezession.

Der Zorn der Männer ist somit durchaus nachvollziehbar, die Mittel, zu denen sie greifen, sind jedoch so radikal wie unverhältnismäßig - und lebensgefährlich. Der Straßenwärter Giovanni Postal sirbt, als er "Material" des BAS findet, das in seinen Händen explodiert. Der BAS macht ungerührt weiter. "Wir waren für den Partisanenkrieg", sagt Bacher im ff-Interview und in einem Ö1-Interview im Jahre 2005 meint er, es sei ungemein ermunternd gewesen, zu wissen, dass laut Meinungsumfragen die Südtiroler im Ernstfall zum Aufstand bereit gewesen wären. Weiters lässt er auch verlauten: "Bei Freiheitskämpfen ist das immer die Norm, das Menschen ums Leben kommen."

1961, nach der "Feuernacht" in der Herz-Jesu-Nacht vom 11. auf den 12.6. und der "kleinen Feuernacht" am 13.7., bei denen weitere Strommasten gesprengt werden, werden 150 BAS-Mitglieder verhaftet. In der Gewahrsame der italienischen Behörden erfahren sie eine brutale Behandlung, viele sprechen nachher von Folter, zwei Personen sterben unter suspekten Umständen in der Haft. Die BAS-Gründer Kerschbaumer und Innerhofer werden zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.

Durch die Verhaftung von Kerschbaumer und Innerhofer haben im BAS nun die radikalsten Kräfte, darunter viele österreichische Rechtsextremisten wie der Olympia-Burschenschafter und HC Strache-Ziehonkel Norbert Burger, die Oberhand gewonnen. Die Büchse der Pandora, die Kerschbaumer und Innerhofer geöffnet haben, lässt sich nicht mehr schließen.

In den Jahren zwischen 1962 und 1968 ermordet die "zweite Generation" des BAS 17 Menschen (15 Carabineri und 2 Zivilisten) und verletzt 57 Menschen (22 Carabinieri, 33 Zivilisten), einige davon schwer. Zur besseren Einordnung: auf das Konto der - kurz darauf in Aktion tretenden - weitaus berühmt-berüchtigteren "ersten Generation" der RAF (Baader-Meinhof-Gruppe) gehen 7 Morde.

Eine der Führungsfiguren des BAS der "zweiten Generation" ist Georg Klotz, ein Südtiroler Schütze aus St. Leonhard am Passeier. Ihm hat Gerd Bacher, so berichtet dieser der Zeitschrift "ff", sogar eine Audienz bei Bundeskanzler Bruno Kreisky verschafft. Kreisky soll damals - vor der Eskalation der Jahre ´62 bis ´68 - sinngemäß gemeint haben, wegen ein paar Strommasten solle keiner wehleidig werden, man solle aber schauen, dass keine Menschenleben in Mitleidenschaft gezogen würden.

Aber es starben Menschen. Insgesamt 21, wenn man die bei Feuergefechten ums Leben gekommenen BAS-Kämpfer mitrechnet. Und im Nachhinein betrachtet, erscheint die Haltung Kreiskys ebenso wie jene von Gerd Bacher ( O-Ton: "Das waren so lupenreine Christlichsoziale, die Herrschaften, die die großen Sachen am Anfang gemacht haben, da bestand keine Gefahr") als naiv. Wer konnte denn ernsthaft ausschließen, dass angesichts der radikalen Forderungen des BAS und des von Anfang an vorhandenen radikalen Potenzials in dieser Organisation eine Eskalation mit unabsehbaren Folgen eintreten würde?

Bei Bacher, dem BAS-Mitstreiter, kommt hinzu, dass seine Positionierung zu den Untaten der "zweiten Generation" diffus bleibt. Er identifiziert sich zwar in allen Stellungnahmen mit der "ersten Generation" um Kerschbaumer und Innerhofer, gleichzeitig bezeichnet er aber auch Klotz und Konsorten als "Freiheitskämpfer", verweigert den Ausdruck "Terroristen", der freilich schon auf die "erste Generation" passt, wie jeder Blick in ein Lexikon einwandfrei beweist. Und, er lässt sich zu Aussagen wie der oben zitierten bezüglich den "Kosten" eines "Freiheitskampfes" hinreissen.

Damit ist die Haltung von Gerd Bacher, dem allgemein hochangesehenen ehemaligen Generalintendanten, leider symptomatisch für den Umgang in unserem Land mit jenem finsteren Kapitel der österreichischen Nachkriegsgeschichte. Es herrscht die Verniedlichung und Verharmlosung der kriminellen Taten des BAS vor. Bis zum heutigen Tage lautet die offizielle Sprachregelung für die Südtiroler Terroristen in den meisten österreichischen Medien "Südtirol-Aktivisten" (so als ob es sich etwa um Umweltschützer handeln würde, die sich am Brenner angekettet haben) und in konservativen und rechten Kreisen werden sie sogar als "Freiheitskämpfer" à la Andreas Hofer romantisiert. Bis zum heutigen Tage wird das blindwütige, RAF-artige Morden der "zweiten Generation" - an dem auch einige Österreicher beteiligt waren - tabuisiert, kaum jemand in Österreich hat je davon gehört.

Insofern müsste man Gerd Bacher ja dankbar sein, dass er die Thematik wieder aufs Tapet gebracht hat. Müsste man, wenn nur die österreichischen Medien in nennenswerter Weise auf die eigentlich sensationellen Bekenntnisse des "Tigers" reagiert hätten (wir erinnern uns: er hat den BAS offensichtlich mit finanziellen Mitteln und Sprengstoff versorgt). Ausser einem kurzen Beitrag mit den brisantesten Bacher-Zitaten im Falter hielt sich der Widerhall aber in Grenzen.

Der Umgang der österreichischen Öffentlichkeit und namhafter Präponenten derselbigen mit dem Südtiroler Terrorismus der 50er und 60er Jahre zeigt auf, wie rasch sich klare Vernunft und moralische Standfestigkeit pulverisieren können, wenn nur die angestrebten Ziele für edel und gut befunden werden. Auf einmal werden Gewalttaten (und auch die schwere Sachbeschädigung an Strommasten ist selbstverständlich kein Kavaliersdelikt) verharmlost, werden furchtbare Folgewirkungen verdrängt - auch nachdem sie sichtbar eingetreten sind. Der Fall BAS zeigt eindrucksvoll, wie rasch solche Mechanismen auch in der "Mitte der Gesellschaft" (also etwa bei lupenreinen Konservativen wie Gerd Bacher) wirksam werden können.


Zur Geschichte Südtirols im Allgemeinen und zum Südtirol-Terrorismus im Speziellen, inklusive einer Widerlegung des in BAS-Sympathisanten-Kreisen gern gepflegten Mythos, der Südtirol-Terrorismus habe sich zu Gunsten Südtirols auf die Autonomieverhandlungen ausgewirkt, siehe hier.

Sonntag, 19. Juli 2009

Rückblog 08 # 5: Meine am liebsten gewonnenen Platten des Jahres 2008, 1/3

Das Jahr 2009 geht in seine Halbzeitpause und mein Jahresrückblick 2008 eilt in großen Schritten auf seinen glorreichen Abschluss zu. Die "Platten des Jahres" sind zunächst wieder an der Reihe. Und mit "Platten" meine ich nicht das, was einem Fahrradeifen widerfährt, wenn ihm Luft entwichen ist (in Österreich heisst das ja sowieso "Patschn"). Nein, ich meine "Platten" in dem schönen, altmodischen Sinne eines möglichst feinfühlig zusammengestellten Verbundes von Musikstücken auf einem Trägermedium. Wobei die Art des Trägermediums hier eigentlich keine Rolle spielen sollte. Jedoch sind die "Platten"in meiner Bestenliste, man muss es zugeben, samt und sonders CDs.


Plätze 10-6


10


Diverse - Le Tour 3
Label: Localmedia
Jahr: 2006
Genre: French Pop

Ein Wunschzettel für französische Popmusik: Sie sollte luftig sein, erfrischend, verspielt wie direkt, mit Esprit, Charme, aber auch Geist begabt. Die "Le Tour"-Compilations lösen dieses Versprechen ein. Zusammengestellt werden sie von Thomas Bohnet, seines Zeichens DJ, Mitarbeiter des Popkultur-Magazines Spex, sowie Veranstalter der "Tour de France"-Partys in der Münchner Muffathalle und anderswo. "Le Tour 3" versammelt ausgewählte Hits aus dem Programm dieser Feste, die eingängig und tanzbar und doch nie plump daherkommen. Um nicht auszufransen, sind die "Tour"-Compilations stilistisch auf französische (und fast durchwegs französischsprachige) Popmusik im engeren Sinne (inklusive Rai-Pop) fokussiert, das weite Feld des French-Electro und des französischen Hip-Hop bleibt hier ausgeklammert. Das macht Sinn, weil es die Scheibe zu einer wahrlich runden Sache macht. Bien fait!

Olivia Ruiz - J´etraine des pieds
Florent Pagny - Ma liberté de penser
Rachid Taha - Rock el Casbah


09


Antonio Vivaldi, Piero Antonio Locatelli, Giuseppe Tartini - Concerto Veneziano (G.Carmignola/Venice Baroque Orchestra/Marcon)
Label: Archiv Pro (Universal)
Jahr: 2005
Genre: Barock

Giuliano Carmignola ist keiner, der sich Zeit seines bisherigen Lebens ganz auf die Musik des italienischen Barock festgelegt hätte. Der Violinist fühlte sich stets in Klassik und Romantik gleichermaßen zuhause. Dass er schließlich doch zum gefeierten Barockviolinisten wurde, ist vielleicht auch erblich bedingt. Schon Carmignolas Vater spielte dieses Instrument professionell. Und zwar im 30 Kilometer nördlich von Venedig gelegenen Treviso, jener Stadt, in der vor 50 Jahren die Wiederentdeckung des bis dahin in Vergessenheit geratenen Antonio Vivaldi ihren Ausgang nahm. Und, Carmignola spielt unter anderem auf einer Violine aus dem 18. Jahrhundert, die einst Angelo Ephrikian, einer der Schlüsselfiguren dieser Vivaldi-Renaissance, gehört hat. Wahrscheinlich ist es die Verbindung dieser starken Traditionslinie mit Carmignolas musikalischer Weltläufigkeit, die seine Interprerationen italienischer Barockmusik derart ergreifend machen. Auf "Concerto Veneziano" wird er dabei vom Venice Baroque Orchestra unter Andrea Marcon kongenial unterstützt. Virtuos führen diese Musiker uns hier durch die erstaunliche Vielschichtigkeit barocker Klänge, von gefühlsintensiven Klanglandschaften zu extrovertierten und leidenschaftlichen musikalischen Parforceritten.

Antonio Vivaldi - Concerto für Violine und Streicher ("in due cori") B-Dur (G. Carmignola mit dem Venice Baroque Orchestra unter Andrea Marcon):
1. Largo e spiccato - Allegro non molto
2. Andante
3. Allegro


08



The Beach Boys - Pet Sounds
Label: Capitol (EMI)
Jahr: 1966
Genre: Baroque Pop

Das Album "Pet Sounds" wirft eine gewaltigen Schlagschatten, sodaß man sich diesem Werk nur mit einigem Respekt nähern kann. Im Sommer 2008 war es dann soweit, ich konnte mir die Platte der Beach Boys aus dem Jahre 1966 erstmals in Ruhe und hoffentlich mit der nötigen Unvoreingenommenheit zu Gemüte führen. Äußerlich betrachtet wirkt die ganze Angelegenheit ja zunächst einmal eher fragwürdig. Fünf ziemlich linkisch erscheinende Gesellen, die einer harmlosen 60er-Jahre-Klamotte entsprungen sein könnten, füttern eine Gruppe ziegenartiger Lebewesen. Der Titel passt dazu: "Pet Sounds". Hinter diesen Tiergeräuschen steckt jedoch eines der talentiertesten Ensembles der Popgeschichte, bestehend aus den Beach Boys und einigen der bedeutendsten Sessionmusikern, die damals für Mastermind und Produzent Brian Wilson greifbar waren. Weiters eine immense Fülle von Sounds und klanglichen Experimenten (bis hin zur Einbeziehung von Elementen so genannter "E-Musik"), die Wilson zu einem großen, immer stimmigen Gesamtkunstwerk zusammengefaßt hat. Mit "Pet Sounds" wollte dieser seelisch unstete Meister der Pop-Arrangements die Beatles ebenso übertreffen wie seinen großen, nicht minder exzentrischen Lehrmeister Phil Spector, Erfinder der "Wall Of Sound". Und auch, wenn in den Texten dieser Platte noch die klassischen Themen des Liebens und Leidens des adoleszenten Menschen dominieren, so mischt sich doch in die strahlenden Harmonien eine düstere und tief nachdenkliche Note, die sich ihrer selbst bewußt wird. "Pet Sounds" ist eine "Coming-Of-Age"-Geschichte der Popmusik.

The Beach Boys - Wouldn´t It Be Nice
The Beach Boys - Here Today
The Beach Boys - I Wasn´t Made For These Times


07



Regina Spektor - Begin To Hope

Label: Sire (Warner)
Jahr: 2006
Genre: Anti Folk

Die erste Regina Spektor-Nummer meines Lebens begeisterte mich nicht sonderlich. Ich hörte den Track (es dürfte passenderweise "On the Radio" gewesen sein, wenn ich mich recht entsinne) im damaligen Indie-Radiosender meines Vertrauens und befand ihn für nicht überzeugend. Seine Melodie erinnerte mich zu sehr an einen Mainstream-Radio-Hit, der mich Jahre zuvor aus den Wellen des damaligen Mainstream-Radiosenders meiner Wahl bis in die Alpträume meiner Nächte verfolgt hatte. Gut, ich übertreibe jetzt ein bisschen, aber ich war damals definitiv empört. Ich konnte nicht verstehen, wie etwas derartig poppiges einen derartigen Widerhall in der vermeintlichen Indie-Gemeinde finden konnte. Mittlerweile habe ich diese naiven Jahre überwunden, ich glaube einerseits nicht mehr an die Geschmackshoheit des Indie-Senders (den ich kaum mehr höre) und andererseits habe ich auch verstanden, das Regina Spektor große Musik macht. Was wie ein Widerspruch klingt, ist vielmehr der Nukleus einer wichtigen Erkenntnis: Man tut gut daran, sich sein musikalisches Koordinatensystem selbst zusammen zu zimmern. Mit Voreingenommenheiten steht man sich im Leben im Allgemeinen und in der Musik im Speziellen doch nur selbst im Weg. Womit wir auch schon wieder bei Regina Illyinichna Spektor wären: Schon Frau Spektors Lebensweg (Moskau-Bronx-Talmudschule-Manhattan School of Music-Popstar) weist auf die Vielschichtigkeit ihrer musikalischen Genese hin. Und, auf "Begin to Hope" gelingt es ihr, aus dieser Vielzahl von Partikel, von Folk, über Pop, Punk, Rock, Hip-Hop, jüdische, russische und amerikanische Musik, Jazz und Klassik eine eigene Kunstmusik zu schaffen. Wobei jede einzelne Nummer wiederum wie ein ganz eigenes Universum dasteht und trotzig auf ihrem Recht besteht, ein Individuum zu sein.

Regina Spektor - Fidelity (11,9 Millionen views..)
Regina Spektor - Samson
Regina Spektor - Hotel Song (live in Tucson)


06





The Hold Steady - Stay Positive

Label: Rough Trade
Jahr: 2008
Genre: Indie Rock

Den Blogs seis gedankt, den Blogs seis geklagt: Einerseits waren nur wenige aufstrebende Indie Rock-Bands in den letzten Jahren auf geschmackssicheren Musikblogs derart stark präsent wie The Hold Steady, was auch mich zu diesem Quintett aus Brooklyn gebracht hat. Andererseits hatte ich ihre Musik dadurch schon reichlich gehört, als ich mir das 2008 erschienene Album "Stay Positive" zulegte. Auch viele Tracks dieser Platte waren mir zu jenem Zeitpunkt schon ein guter Begriff. Das mag vielleicht ein Grund sein, warum "Stay Positive" für mich keinen ganz überwältigenden Effekt mehr entfalten konnte (und es hier "nur" zu Platz 6 reicht). Dabei haben The Hold Steady auf dieser Platte eigentlich wieder so ziemlich alles richtig gemacht. Schon das Fundament ihrer Musik kommt meiner persönlichen Vorliebe natürlich durchaus entgegen: Roots Rock, der eine gewisse Nahebeziehung zum Opus von Bruce Springsteen aufweist (was man bei Hold Steady auch nicht abstreitet). Doch dabei bleiben The Hold Steady nicht stehen (sehr zum Verhängnis, übrigens, von jenen musikalisch eher einseitig veranlagten Springsteen-Fans, die als Opfer von einfallslosen Plattenrezensionen zu enttäuschten Besitzern von Hold Steady-Alben wurden). Die New Yorker lassen ebenso Einflüsse von Hardcore-, Noise- und Post Punk-Musiken der frühen Achtziger erkennen und schlagen gleichzeitig die Brücke zu einem zeitgemäßen amerikanischen Indie Rock-Sound. Wobei sich The Hold Steady aber nicht darauf beschränken, alte Helden in einer frisch ausproduzierten Form nachzuspielen. The Hold Steady sind - schon wegen der außergewöhnlichen Stimme und Performance des großartig Geschichten erzählenden Sängers Craig Finn - unverwechselbar und stehen ganz für sich selbst. The Hold Steady verknüpfen eine große Vergangenheit gekonnt mit der Gegenwart und sie sind, immer noch, vor allem ein ganz großes Versprechen für die Zukunft.

The Hold Steady - Constructive Summer
The Hold Steady - Lord, I´m Discouraged
The Hold Steady - Stay Positive

Fortsetzung folgt..

Freitag, 17. Juli 2009

Urlaub

Wörter, die mit der Silbe "Ur-" beginnen, bezeichnen meist spektakuläre und großartige Dinge. "Urknall" ist so ein Wort oder "Urzeit" oder "Ursache" oder "Ursprung" oder "Ur(e) Leiwaund".

Vermutlich hat man deshalb die freie Zeit, in der man aus den ständigen Wiederholungen des Arbeitsalltags in eine andere Welt entlassen ist, "Urlaub" getauft.

Natürlich könnten hier jetzt besserwisserische Etymologen auftreten und erklären, dass das Wort "Urlaub" banaler Weise - wir haben es uns fast schon gedacht - vom althochdeutschen Wort für "erlauben" herrührt.

Aber das tut meiner These natürlich keinen Abbruch. Denn schließlich heißt der "Urlaub" ja nicht "Erlaub" - das "E" als erster Buchstabe bleibt der schlichten und wenig glanzvollen "Erlaubnis".

Mittwoch, 15. Juli 2009

Unglaublich

"Wir sind mit einer sehr knappen Mehrheit zur Überzeugung gekommen, dass auch für den Atheismus das Prinzip der Religionsfreiheit gilt", so Geschäftsführer Markus Deutsch. Allerdings gebe es deutliche Bedenken, dass hier religiöse Diskriminierung vorliege oder religiöse Gefühle verletzt würden.


Unglaublich. Der österreichische Werberat hat offensichtlich gerade das Mittelalter verlassen und sich mit sehr knapper Mehrheit in die Neuzeit gebeamt.

Selbstverständlich bedeutet Glaubensfreiheit auch die Freiheit, nicht zu glauben und darüber zu reden. Alles andere wäre eine perverse Verdrehung des Menschenrechts. Dieses steht auch dem Agnostiker zu und auch dem Atheisten, der ja selbst einer (wenn auch stark reduzierten) Glaubenslehre anhängt, indem er an die (derzeit) nicht beweisbare Nichtexistenz Gottes glaubt.

Natürlich darf Religion durch eine Werbekampagne nicht herabgewürdigt werden, dürfen religiöse Gefühle nicht mutwillig verletzt werden. Davon kann aber im vorliegenden Fall keine Rede sein. In Hinblick auf mögliche Gefühlsschäden fahren da religiöse Fundamentalisten jedweder Couleur, die Anders- und Nichtgläubigen Hölle und Verdammnis in Aussicht stellen, schon ganz andere Geschütze auf.

Wenn wir nun davon ausgehen, dass die menschenrechtlichen Wertungen, die unserer Rechts- und Gesellschaftsordnung zugrundeliegen, auch als Richtlinien für die ethischen Wertungen des Werberates herhalten (und ich nehme doch an, dass die Selbsteinschätzung der Mitglieder des Werberates so aussieht, auch wenn Recht und Ethik natürlich nicht automatisch gleichzusetzen sind), dann mutet das sehr knappe Ergebnis dieser Abstimmung im Werberat doch schon fast etwas grotesk an.

Dienstag, 14. Juli 2009

Realität statt Fantasie

Wenn die Werbung plötzlich von der Realität überholt wird, ist das bitter. Ich rede hier nicht von der chemischen Nachbildung von Käse und sonstigen Verzehrprodukten.

Ich rede von meiner (ganz subjektiven) Liste der nervigsten Personen der Landes. Wo vor zwei Jahren noch Werbe-Gestalten dominierten (das "Bitte lassen Sie ihre Zeitung nicht im U-Bahnzug zurück - Kind" hat ja zum Glück nicht lang gelebt), hat sich nun die Realität unbarmherzig breit gemacht.

Die neue Liste:

1. Maria Fekter
2. Klaus Eberhartinger
3. Wolfgang Fellner
4. Hans Krankl
5. Stefan Petzner

Der "Sparkassen"-Mann ist also nicht mehr dabei (wenn auch nur knapp), das intensive Kinder-Streicheln hat sich also anscheinend ausgezahlt. Auch der "Hausverstand" und sein exaktes semantisches Gegenstück, sprich: Peter Westenthaler, haben die Top 5 nicht mehr erreicht. Die Fraktion der Showgeschäft-Grinser hat zwar Harry Prünster eingebüsst, dafür ist Klaus Eberhartinger dick da.

Donnerstag, 9. Juli 2009

Ohren(ge)fälliges: Der Monatsmeister des Monats Juni 2009

Woodpigeon - Oberkampf
Calgary, Alberta / Indiefolkpop

Tauben zählen zweifelsohne zu den unterschätztesten Kreaturen auf diesem Planeten. Nicht nur, dass wir es hier mit einer enorm erfolgreichen Spezies zu tun haben, die es sich auf der ganzen Erdkugel mit Ausnahme der arktischen Gebiete breit gemacht hat, Tauben kommen auch in zahllosen verschiedenen Größen, Farben und Schattierungen vor. Und, auch die Verwandschaftsverhältnisse sind spannend: Da gibt es die diversen Wildtaubenarten, dann die vom Menschen (aus columba livia, der Felsentaube) domestizierte Haustaube und schließlich die oft ungeliebte Stadttaube, eine eigene Form, die sich aus ausgebüchsten oder freigelassenen Haustauben entwickelt, die Nähe zum Menschen aber nie aufgegeben hat. Analog ihrer Vorfahren, der Felsentauben in den felsigen Küstengebieten des Mittelmeeraumes, leben sie nun in den steinernen Schluchten der menschlichen Städte.

Columba palumbus, die Ringeltaube (englisch woodpigeon), ist, was die Taubenwelt betrifft, die Herrscherin der Wälder und Wiesen. Mit der benachbarten Stadttaube, die ja von der Felsentaube abstammt, ist sie nur sehr entfernt verwandt.

Bei den Mitgliedern der Musikgruppe Woodpigeon aus Calgary dürfte es sich, soweit bekannt, usprünglich eher um Stadtmenschen handeln. Mark Hamilton, das Herz der Truppe aus der rasch wachsenden Millionenmetropole in der Provinz Alberta, ein Kanadier mit deutschen und schottischen Wurzeln, hat seine ersten musikalischen Gehversuche in Edinburgh, Schottland unternommen, wo er eine Vorgängerband mit dem etwas fragwürdigen Namen Woodpigeon Divided Through Antelope Equals Squirrel gegründet und auf den Straßen der Stadt Songs mit Titeln wie John Cusack Flees From The Nazis zum Besten gegeben hat. Als seine musikalischen Favoriten und Einflüsse bezeichnet er etwa die Kinks, Sonic Youth oder Simon & Garfunkel, also durchaus auch Künstler mit urbanem Hintergrund. Folgerichtig heißt das bald veröffentlichte neue Album seiner Band auch Die Stadt Muzikanten , was auch ein Tribut an Hamiltons Bremer Großmutter ist. Der Titel des hier vorgestellten, wunderbaren Tracks "Oberkampf" (von der "Houndstooth EP") wiederum bezieht sich auf das bekannte Pariser Szeneviertel. Und, schließlich behauptet Hamilton selbst, dass er den Bandnamen nur gewählt habe, weil das Wort woodpigeon aussehe wie eine Achterbahn.

Ist der Bandname also nur das Überbleibsel eines Witzes, ohne Bezug zur inhaltlichen Ebene? Mitnichten, denn die Musik von Woodpigeon atmet die Weite der Wälde, die Klarheit der Landluft, die Schönheit der Natur. Dort regiert Woodpigeon souverän, badet im Sonnenlicht melodischer Folkklänge, entführt einen auf eine Waldlichtung, wo über das Leben sinniert wird. Der Einfluss schottischer Folkpopmusik ist durchaus noch spürbar, Ähnlichkeiten zu hervorragenden nicht-schottischen Künstlern wie Iron & Wine, Blitzen Trapper, den Winterpills, Sufjan Stevens oder Ron Sexsmith erkennbar.

"The best thing about Calgary is getting out of it — drive straight towards the mountains and soon you’ll be in the paradise of the Rockies," sagt Mark Hamilton dann auch in diesem Interview. An so einen Ort entführt einen die Musik von Woodpigeon.



Mittwoch, 8. Juli 2009

Heath Ledger

Meine Freundin hat gestern - im Zuge der Berichterstattung über die Jackson-Trauerfeier- das erste Mal bewußt mitbekommen, dass Heath Ledger tot ist.

Das ist erstaunlich, denn immerhin weilt der postume Oscar-Gewinner jetzt schon seit Jänner 2008 nicht mehr auf Erden und die mediale Berichterstattung war damals vor gut eineinhalb Jahren bekanntlich auch nicht gerade dezent.

In einem Jahr werde ich einmal erwähnen, dass man jetzt schon lang nichts mehr über Michael Jackson gehört oder gelesen hat.

Mal schauen, was sie dann sagt.


Post mortem skriptum: Ich wurde gefragt, warum ich mich hier in diesem "Popkultur-Blog" (hm, wo steht denn das geschrieben?) noch nicht zu dem verblichenen "King of Pop" geäußert habe.

Nun, ich tue das hiermit: Mit Michael Jackson ist einer der begnadetsten Entertainer der Musikgeschichte von uns gegangen. Darüber, ob seine rhythmusgewitternden Electro-Funkeskapaden und hyperschwelgerischen Weltumarmungs-Popsongs nach dem 1.000sten Durchlauf wirklich noch jene Qualität aufweisen, die man ihnen gemeinhein zuschreibt, kann man geteilter Meinung sein (ich gehöre eher zu jenen, die das bezweifeln). Aber zweifellos waren seine Bühnenperformances von einer fast außerirdischen, manischen Intensität und Mächtigkeit. Trotzdem war Jackson aus menschlicher Sicht vor allem eine tragische Gestalt, ein verstörtes Kind, das auf der Bühne plötzlich zu einer perfekt funktionierenden Musik- und Tanzmaschine mutierte. Mein erster Gedanke nach seinem Tod war, ich gebe es offen zu: Jetzt hat er endlich seine Ruhe.

Dienstag, 7. Juli 2009

Let´s go Lego

Die Brickflims-Szene blüht und gedeiht ja jetzt schon seit einigen Jahren. Davon kann man sich etwa auf brickfilms.com überzeugen.

Dass aber ein Musikvideo einer international durchaus beachteten Band auf die Stop Motion-Action der kleinen Plastikdänen zurückgreift, ist mir neu und sicherlich ein weiterer Schub für die Szene. Auch wenn mich das Musikalische hier nicht wirklich begeistert.




Ganz anders ist das bei "The Barber of Seville". Die Qualität der Musik steht hier natürlich nicht zur Diskussion. Und, dieser Brickfilm ist schon ein echter Klassiker des Genres, man wird ihn in der Brickfilms-Geschichtsschreibung vielleicht einmal mit einem Charlie Chaplin oder Buster Keaton vergleichen..

"The Barber of Seville" der Yellowhead Studios ist ungemein liebenswürdig und fein animiert (die Bildqualität ist allerdings auf Youtube nicht ganz optimal, dafür kann man den Film hier - in besserer Qualität - downloaden):

Sonntag, 5. Juli 2009

Nokia, jailing people ?

In der zweiten Hälfte des Jahres 2008 durften sich die Siemens AG und Nokia über einen lukrativen Deal freuen. Die iranische Regierung hat einem Joint Venture der beiden Telekommunikationsriesen den Auftrag erteilt, die Mobilfunknetze des Landes auf Vordermann zu bringen. Ebenfalls Teil dieser Vereinbarung war es, Technologien zu liefern,die die lückenlose Überwachung dieser Netze ermöglichen.

Diese Überwachungstools leisten dem Regime nun in seinem allzuoft überharten Vorgehen gegen die Opposition im Gefolge der umstrittenen Präsidentschaftswahlen unschätzbare Dienste.

Nun ist es natürlich grundsätzlich das gute Recht von Unternehmen wie Siemens und Nokia, Geschäfte mit der iranischen Regierung zu machen, sofern sie damit nicht gegen bestehende Gesetze verstoßen.

Ja, es muss sogar als wahrscheinlich bezeichnet werden, dass ein allgemeines Handelsembargo gegen die Islamische Republik Iran, das auch zivile Güter betrifft, die Position von Präsident Ahmedinedschad und der über ihn wachenden Clique der höchsten schiitischen Geistlichen eher stärkt als schwächt.

Gleichzeitig ist es aber auch das gute Recht einer jeden Konsumentin und eines jeden Konsumenten, den Entscheidungsträgern der Wirtschaftsunternehmen Nokia und Siemens mitzuteilen, dass die Kameraderie mit einem der repressivsten, mörderischsten und außenpolitisch aggressivsten Regime der Welt nicht gutgeheissen wird. Und, dass jeder und jede persönlich Konsequenzen ziehen wird, wenn kein klaren Signale kommen, dass diese Kritik angekommen ist und verstanden wurde.

Genau das ist der Gedanke, den die Kampagne nokiano.com der Bürgerrechtsbewegung American Islamic Congress verfolgt.

Samstag, 4. Juli 2009

Zum Knuddeln

Wer möchte nicht einmal Milzbrand angehängt bekommen? Oder, dass einem ein guter Freund Ebola ins Haus bringt? Oder, dass man im Bett dem Tripper begegnet?

Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten.

Aber unfassbar knuddelig sind sie schon.

Dank an Sarah!

Freitag, 3. Juli 2009

Kaltwarm

Ist das (Song + Video) jetzt erfrischend oder unglaublich nervtötend? Irgendwie beides zugleich.

Ich glaube, so etwas nennt man "Sommerhit". Und kaltwarm passt ja irgendwie auch besonders gut zu diesem Sommer.



PS: Ich krieg jedes Mal furchtbar Angst, wenn sie aus dem Gebüsch auftaucht.

Donnerstag, 2. Juli 2009

Zurück in die Zukunft

In meinen jungen Jahren war ich ein großer Fan von Video- und Computerspielen. Angefangen hat alles mit einer NES-Konsole. Ausgehend von "Ice Climber" und "Soccer" hatte ich bald einen ansehnlichen Stapel der grauen (Ausnahme: Zelda II - pures Gold!) Spielkassetten beisammen. Dabei setzte sich schon bald ein klarer Trend durch: Action-, Strategie- und Adventurespiel interessierten mich lange Zeit nur peripher, die Sportspiele waren es, die ich wie besessen sammelte! So hatte ich bald von jeder erdenklichen Sportart, die Nintendo in Gameform auf den Markt warf, mehrere unterschiedliche Releases zuhause.

Ein wenig änderte sich das erst, als der PC kam. Zuerst wollte ich mich zwar gar nicht so recht mit dem neuen Spielmedium anfreunden. Die Leistungsstärke unseres 286ers war enden wollend, die Spiele schillerten in grellem VGA und die Bedienung per Tastatur, Maus oder Joystick war gewöhnungsbedürftig. Dann entdeckte ich aber "Civilization" und die wunderbare Welt des Speicherns. Ich begeisterte mich nun erstmals für ein Nicht-Sportspiel, und das nicht zu knapp, ich habe wohl vor keinem Computerspiel so viel Zeit verbracht wie vor diesem.

Als sich die "Civilization"-Abhängigkeit (inklusive schmerzendem Auge und schwindeliger Wiederbegegnung mit der "Realität") gelegt hatte, wandte ich mich wieder Games athletischer Prägung zu. Praktischer Weise gab die Softwareschmiede Electronic Arts eine ganze Serie mit (Mannschafts-)Sportspielen heraus, die ein für mich (als NES-Kenner) ungeahntes Niveau erreichten. Hier konnte man nicht nur Abspeichern, hier hatte man ein wahres El Dorado an Möglichkeiten vor sich. Man konnte aus einer immensen Fülle von Spieloptionen, Teams und Spielern auswählen, ja man konnte seine eigenen Teams und Spieler kreieren. Die Limits an Selbstbestimmung, die die alten NES-Spiele gesetzt hatten, waren vorbei.

Das erste PC-Sportspiel dieser Serie, das ich intensiv spielte, war "NHL 95" - ein aus heutiger Sicht grafisch hoffnungslos überaltetes Spiel, mit körnigem Look, weit von den raffinierten Motion-Capturing-Welten entfernt, die bald folgen würden. Dennoch war "NHL 95" enorm unterhaltsam und wirklich gut spielbar. Die Tatsache, dass man hier vom Fotorealismus noch weit entfernt war, störte mich nicht, im Gegenteil, es ließ Platz für die eigene Fantasie.

Nach 1995 entwickelte sich die EA-Serie mit rasantem Tempo weiter. Die Grafiken wurden rasch besser und realistischer, Motion Capturing hielt Einzug. "NHL 99" dürfte mich einige Semesterwochenstunden, vor allem aber viel soziale Interaktion in meinem damaligen Studentenheim gekostet haben. Die Zukunft schien mit Atem beraubenden Tempo hereinzubrechen.

Bei den darauffolgenen Versionen dieses Spieles verebbte die Begeisterung aber dann etwas. Vielleicht lag es auch ein bisschen daran, dass meine Rechner den Anforderungen nicht mehr ganz gerecht werden konnten, aber in erster Linie störte mich an den Spielen, dass das Erscheinungsbild zu glatt war. Die Optik wies nun zwar keinerlei Brüche und pixeligen Verwerfungen mehr auf, gleichzeitig wurde aber jetzt sichtbar, dass es mit dem Realismus - Motion Capturing hin oder her - in den Details doch noch nicht so weit her war. Diese Lücken in der Realitätstreue konnte man aber nun wiederum nicht mehr durch Einsatz der eigenen Fantasie schließen, dafür war die Oberfläche eben zu glatt und perfekt. Es war irgendwie verwirrend und es war unbefriedigend.

Ich nahm also für ein paar Jahre Abstand von Computer-Sportspielen

Bis mich eines Tages die Neugierde packte und ich "FIFA 09" ausprobierte. Und tatsächlich feststellte, dass der Realismus der EA-Sportspiele ein Niveau erreicht hat, dass alle Bedenken bezüglich Fantasie und Charme durch pure Perfektion beiseite zu schieben vermag.

Jetzt schiele ich natürlich bereits in Richtung "NHL 09". Und harre den Games in, sagen wir einmal, fünfzehn Jahren, wenn man Computerspiele nicht mehr von Fernsehbildern wird unterscheiden können.









Bilder aus dem legendären 5:1-Triumph des FC Barcelona im Bernabeu-Stadion gegen Real Madrid.