Sonntag, 28. Februar 2010

Talking ´Bout A Revolution

Also, ich finde das lustig..



Hinzuzufügen ist noch, dass es sich bei Dacia um die alte rumänische Staatsmarke handelt, die 1999 von Renault übernommen wurde. In dem Spot (auf YouTube in der Version in voller Länge) steckt also auch eine gehörige Portion Selbstironie.

Samstag, 27. Februar 2010

In Concert # 14: White Lies, 19.2.2010, Arena, Wien

Am vergangenen Samstag stand in der Arena im dritten Wien Hieb ein Konzert der britischen Band White Lies auf dem Programm. "White Lies" bezeichnet ja im Englischen jene Lügen, die mindestens harmlos, wenn nicht sogar ethisch wertvoll sind. Die englische Ausgabe der Wikipedia vermerkt zu diesem Begriff: White lies are minor lies which could be considered to be harmless, or even beneficial, in the long term. White lies are also considered to be used for greater good .

Dabei handelt es sich um einen sprechenden Namen. Denn die Musik der White Lies klingt so, als habe man die erfolgreichsten hippen und gehypten Indie-Bands der letzten Jahre genommen und deren viel versprechenste Bestandteile in einen Topf geworfen, um daraus eine neue hippe und gehypte Band zu brauen. Die White Lies sind daher weder eine besonders originelle, noch eine besonders beseelte Band. Aber die schiere Vollkommenheit, mit der dieses Werk vollbracht wurde und wird, diese glatte Perfektion, weiß zu beeindrucken. Die Musik der White Lies wirkt erstaunlich kraftvoll und makellos, weit entfernt von jenem massentauglichen Herumgedümpel, in das sich Bands wie Coldplay, die Killers oder Snow Patrol zunehmend verflüchtigen. Das mag natürlich auch damit zu tun haben, dass die White Lies noch neu und frisch daherkommen. Ob das vorhält, kann bezweifelt werden.





Kein Zweifel besteht, dass die erwähnten Qualitäten der Gruppe aus Westlondon derzeit auch live gut zur Geltung kommen. In der Arena wurden wir Ohrenzeugen eines druckvollen, gut abgestimmten Sounds und einer gut funktionierenden Bandeinheit. Leider war aber nach fünf Nummern Schluss, was mit dem angeschlagenen Zustand der Stimme des Sängers Harry McVeigh begründet wurde (wovon man allerdings zuvor nicht viel mitbekommen hatte).



Hier drängt sich freilich wieder die Frage nach der mangelnden Erfahrung der White Lies auf, sowie nach fehlender Professionalität. Denn, dass ein Konzert, dass bereits einmal (im November des vergangenen Jahres) verschoben wurde, dann nach fünf Nummern abgebrochen wird, kann nicht unbedingt als besonders gute Visitenkarte einer Band angesehen werden. Hier muss schon die Frage erlaubt sein, ob eine solche Situation nicht vermeidbar wäre oder nicht zumindest besser damit umgegangen werden könnte (ist McVeigh der einzige in der Band, der normalerweise über eine Stimme verfügt?). Zumal die gesundheitlichen Probleme des Leadsängers offensichtlich schon länger bestehen dürften und somit hinlänglich bekannt waren. Immerhin, eine Rückerstattung des Kartenpreises wird nun vorgenommen.

Das Publikum reagierte im Übrigen zunächst teilweise verärgert, entschied sich aber dann doch dafür, die Vorführung der letzten Nummer "Death" begeistert zu bejubeln und die Band freundlich zu verabschieden. Wiewohl der Autor dieser Zeilen überhaupt sagen muss, dass er selten ein wohlerzogeneres und friedlicheres Rockmusikpublikum erlebt hat als letzten Samstag in der Arena.

Dabei wurde die Geduld dieses Publikums zuvor durchaus auf die Probe gestellt. "Human Shout" hieß die Vorband, angeblich von den White Lies selbst ausgesucht.

Human Shout waren technisch einwandfrei unterwegs, erschienen aber gleichzeitig dermaßen ohne jedes erkennbare Profil, dass einem nicht einmal Assoziationen zu anderen musikalisch belanglosen Gruppen einfallen mochten. Human Shout waren ganz einfach inexistent, was nach Ansicht des Verfassers - neben der technischen Festigkeit - noch das Erfreulichste ist, das man über sie sagen kann.

Freitag, 26. Februar 2010

Neue Nachbarn

An der nächsten Straßenecke schräg gegenüber ist man neu eingezogen.



Papst Pius X. nämlich, oder, genauer gesagt, die nach ihm benannten Bruderschaft.

Bekannt aus Funk und Fernsehen wegen Holocaustleugnung, latentem Antisemtismus, feindseliger Haltung gegen Protestanten und Moslems, aggressiver Homophobie, Frauenfeindlichkeit und der Ablehnung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und der modernen, säkularen Demokratie.

Nunja, seine Nachbarn kann man sich nicht aussuchen.

Immerhin, man kann das auch so sehen: die Piusbruderschaft zeigt uns, welche Positionen die Katholische Kirche vor historisch gesehen nicht allzu langer Zeit noch eingenommen hat - und lehrt uns damit auch zu schätzen, was sich zum Positiven verändert hat.

Donnerstag, 25. Februar 2010

Der Sommer ist da

Zumindest in meinem Büro.



PS: Das Symbol unter der Temperaturanzeige bedeutet, dass die Belüftungsanlage auf Hochtouren läuft..

Mittwoch, 24. Februar 2010

Parkabendwintersonne

Und wieder ein paar Bilder aus einem winterlichen Park (diesmal der Dehnepark in Wien).

Dies wird noch zu einer richtigen Liebhaberseite auf diesem Gebiet..













Montag, 22. Februar 2010

Der Nachschauer

Samstags bin ich per Railjet vom einen zum anderen Ende von Winz gefahren, ich strebte zum Konzert der White Lies in der Arena (das habe ich dann nicht wirklich bekommen, sondern stattdessen eine Vorführung einer Band namens Human Shout, aber dazu demnächst mehr).

Als der Zug nun schon fast am Wiener Westbahnhof eingetroffen war und die Fahrgäste - also auch ich - sich anschickten, ihn zu verlassen, fiel mir ein Mitreisender auf. Der Mann war groß gewachsen, gut gekleidet und machte einen ausgesprochen respektablen Eindruck. Merkwürdig war allerdings, dass er mit einem sonderbar suchenden Blick im Antlitz unruhig auf und ab ging, sich zwischen den Wartenden und im Aufbruch begriffenen Menschen höflich und diskret durchwand und alle verwaisten Sitze zu inspizieren schien.

Zuerst dachte ich, er habe etwas vergessen. Aber er durchsuchte das gesamte Abteil, so dass das doch irgendwie unwahrscheinlich erschien. Wusste er etwa nicht mehr, wo er Minuten zuvor die Fahrt verbracht hatte?

Meine Gedanken schweiften wieder ab, schließlich musste ich mich selbst zusammen packen. Ich wollte gerade losgehen, da kreuzte das Phantom wieder meinen Weg. Ein stechender Blick auf meine Sitzreihe folgte und dann der Satz :"Sie haben zehn Cent verloren!"

Tatsächlich, ein Zehner lag auf dem Polster. Er war aus meiner Jackentasche gefallen.

Dienstag, 16. Februar 2010

Cover Girl

Wir alle kennen die grauenhaften Bilder aus der ehemaligen US-amerikanischen Internierungsanstalt im irakischen Abu Ghraib, die im Jahr 2004 an die Weltöffentlichkeit gelangt sind und die Angehörige der amerikanischen Militärpolizei sowie der U.S. Marines zeigen, die Gefangene foltern und demütigen.

Im Mittelpunkt des medialen Interesses stand damals sehr bald Lynndie England, eine gerade 21-jährige Militärpolizistin, die von ihrem Lebensgefährten dazu angestiftet worden war, auf einigen dieser Fotos zu posieren. Das Bild etwa, auf dem zu sehen ist, wie sie einen am Boden liegenden irakischen Gefangenen an einer Leine hält, brannte sich in das kollektive Bewusstsein der Welt ein.

Die Bilder setzten die damaligen Regierung Bush und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld unter Zugzwang. Eilig wurde betont, dass es sich um die Taten Einzelner handeln würde. Rumsfeld nannte Lynndie England "das Böse in unserer Mitte" und "unamerikanisch". Dabei hatte er selbst 2002 die Devise ausgegeben, die den "Krieg gegen den Terror", jenes schwer fassbare, schwer definierbare, Rechtfertigungskonstrukt, prägen sollte: Terrorverdächtige sind "unlawful combattants", sie haben keinen Anspruch auf den Schutz der Genfer Konvention. Sie sind keine Rechtssubjekte, sie sind Objekte.

Lynndie England wurde in einem Verfahren, das das US-Militär selbst durchführte, zu drei Jahren Haft verurteilt. 2007 wurde sie auf Bewährung entlassen. Sie lebt seitdem in dem Wohnwagen ihrer Eltern in West Virginia, in dem sie aufgewachsen ist, und ist arbeitslos.

Wer ist diese Lynndie England und wie wurde sie in die Abu Ghraib-Affäre verstrickt? Wie kam es, dass sie diese Taten beging und warum war sie es, die zum Symbol der dunklen Seiten Amerikas gemacht wurde, während ihre Vorgesetzten und MittäterInnen weit weniger Aufmerksamkeit erhielten?

Diesen Fragen geht die Theaterautorin und Regisseurin Barbara Herold in ihrem Stück "Cover Girl - Wie Lynndie England dazu kam, die dunkle Seite Amerikas zu verkörpern" nach. Sie hat genau recherchiert und liefert eine präzise, fast dokumentarische Bestandsaufnahme ab. Maria Fliri stellt eine Lynndie England dar, die von dem erzählt, was ihr widerfahren ist. Was dabei herauskommt, ist ein Blick darauf, welche Mechanismen wirksam werden können, wenn hierarchische Systeme selbstverschuldet unter Zugzwang geraten sowie eine differenzierende Betrachtung der Fragen um Schuld und Sühne.

Dieses Stück, das am 12.2.2010 im Linzer Posthof zu sehen war, ist eine Empfehlung. Es ist seit 40 Aufführungen unterwegs und gastiert abwechselnd an unterschiedlichen Orten. Falls man es einmal nicht so weit hat, sollte man den Weg nicht scheuen.

Die nächste Radiosendung der Linzer Amnesty Gruppe 8 am 8.3.2010 um 19 Uhr im Freien Radio Oberösterreich wird sich übrigens dem Themenkreis widmen und auch ein Gespräch mit Barbara Herold enthalten.

Samstag, 13. Februar 2010

Paradiesische Zustände

Meine Freundin arbeitet derzeit an einem Projekt, bei dem sie mit rauen Mengen Schokodesserts mit Schlagsahne zu tun hat. Da das Arbeitsmaterial verderblich ist, muss es naturgemäß entsorgt werden.

Das passiert in unserem Kühlschrank. Nicht schlecht.

Mittwoch, 10. Februar 2010

Ego Tetris

Tetris für gute Mägen! Wer schon immer Lust hatte, eine Nervenheilanstalt von innen zu sehen, sollte sich unbedingt auch intensiv an der Nachtversion versuchen...


Dank an Sarah und ihren Bruder Jan.

Dienstag, 9. Februar 2010

Linz im Winter

Einige Bilder von einem langen Winterspaziergang am Sonntag..


Die Strecke: Volksgartenviertel-Bauernbergpark-Gugl-Freinberg-Römerberg-Promenade-Volksgartenviertel.












Sonntag, 7. Februar 2010

Frischer Wind

Die Fragestellungen des ethischen und nachhaltigen Konsums gewinnen in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit immer mehr an Bedeutung. Was gut und richtig ist.

Denn in einer wirtschaftlich dicht vernetzten Welt kann das bewusste Handeln von kritischen und informierten Endverbrauchern Auswirkungen am anderen Ende der Erdkugel haben, Auswirkungen, die für das Leben von Menschen von großer Bedeutung sein können.

Konkret kann der tagtägliche Konsum ein wertvolles Mittel sein, um die Lebens- und Arbeitsverhältnisse der Menschen, die unsere Konsumgüter in anderen Teilen der Welt herstellen, zu verbessern.

Natürlich gilt es hier einige Tücken zu beachten und ein allzu naiver Optimismus ist nicht angebracht, aber letztlich muss es ein Ziel der Zukunft sein, dass Handel und Konsum ethische Impulse setzen.

Um diesem Ziel näher zu kommen, wurde das i shop fair - Netzwerk gegründet.

Im Rahmen dieses Netzwerks findet morgen, am 8.2.2010 bei Südwind Oberösterreich in der Südtiroler Straße 28/2, 4020 Linz von 19-21 Uhr ein einführendes Treffen statt. In weiterer Folge wird es monatliche Treffen geben.

Hier der Text der Einladung, die ich erhalten habe und der ich gerne nachkommen werde:

Am 8. Februar geht es weiter mit der Planung für das kommende Jahr.

Auch dieses Jahr gibt es wieder viele Möglichkeiten bei I SHOP FAIR aktiv mitzumachen:

- Planung und Durchführung von Strassenaktionen
- Gestaltung von Netzwerktreffen zu einem Thema dass euch brennend interessiert
- Mitarbeit bei der Vorbereitung und Teilnahme an der Südwind Academy 2010
- Beiträge für die www.ishopfair.net Website verfassen (Interviews, Rezensionen)
- etc.

... und natürlich der regelmässige Austausch zu fairen Arbeitsbedingungen.

Das Netzwerk trifft sich jeden zweiten Montag im Monat um 19:00 Uhr in der Südwind Infothek. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, vorbeizuschauen und mitzumachen.

Donnerstag, 4. Februar 2010

Steuersünder und Sündenfälle

Steuerhinterziehung ist kein Kavaliersdelikt. Wer die Infrastruktur eines Landes nutzt, seine Straßen, seine Schulen, sein Rechtssystem, seine Sicherheitsbehörden, seine kulturellen, sozialen und sportlichen Einrichtungen, der ist auch verpflichtet, Steuern zu bezahlen. Wer dies nicht tut, handelt unsolidarisch und eigensüchtig und soll dafür auch zur Rechenschaft gezogen werden.

Insofern ist es verständlich, dass es vielen auf den ersten Blick verlockend erscheint, wenn eine Regierung einen Pakt mit Datendieben eingeht, um Beweise für großangelegte Steuerhinterziehung
zu erlangen.

Es ist trotzdem grundfalsch.

Denn ein Staat, der selbst an kriminellen Machenschaften teilnimmt, der ein kriminelles Milieu fördert, um kriminelle Machenschaften zu bekämpfen, verliert seine Glaubwürdigkeit, ja seine Rechtfertigung in diesem Kampf.

Das wäre in etwa so, wie wenn jemand reihenweise Wohnungen ausräumt, um mit dem Erlös ein Waisenhaus in Haiti zu bauen. Man kann die Motive billigen, aber nicht die Mittel.

Insbesondere dann, wenn der Geruch einer reinen Geldbeschaffungsaktion in der Luft liegt. Die liberalpopulistische FDP hat den deutschen Wählern mit dem Versprechen von Steuersenkungen den Mund wässrig gemacht. Und das in Zeiten von klammen Kassen.

Jetzt will der liberale Traum auch finanziert werden. Da kommen die Angebote Schweizer Datengangster der deutschen Bundesregierung gerade recht. Eine sonderbare Allianz entsteht: Die sonst eher als Lobby der Steuerunwilligen auftretende FDP legt sich dem Datenklau nicht in den Weg, die sich gerne als Law-Order-Partei gerierende CDU/CSU trägt ihn mehrheitlich mit, das alles begleitet von lautstarken Anfeuerungsrufen der Linkspopulisten. Pecunia non olet.

Dabei stinkt es zum Himmel, wenn dem wichtigsten Gedanken jedes staatlichen Strafens Schaden zugefügt wird: jener der Prävention von Straftaten - sämtlicher Straftaten.

Steuerhinterzieher wird es wohl immer geben und sie werden es wohl immer schaffen, Beträge am Fiskus vorbeizuschleusen. Wenn nicht über die Schweiz, dann über andere Kanäle. Aber, wenn der Staat selbst mit Daten hehlt, dann stellt das die gesamte Rechtsordnung in Frage, weit über das Steuerstrafrecht hinaus: Wer sich selbst nicht an das Recht hält, kann sich auch nicht zum Richter erklären.

Wer eine Nachfrage schafft für Datendiebe, der schafft auch ein Angebot. Da der Handel mit gestohlenen Bankdaten selbstverständlich verboten ist, droht die Entstehung krimineller Organisationen. Dass dadurch auch das Vertrauensverhältnis zum anderen Staat auf das Schwerste erschüttert wird, sei nur am Rande erwähnt.

Dass einem die Schweizer trotzdem nicht sonderlich leid tun müssen, hat damit zu tun, dass sich die Eidgenossenschaft selbst genug zu schulden kommen lässt. Wer Bürgern fremder Staaten Beihilfe bei der Hinterziehung von Steuern leistet, verhält sich mindestens genauso schändlich, wie jene, die die Bankdaten stehlen und hehlen.

Aber aus mehrfachem Unrecht wird kein Recht. Mehrfaches Recht wäre das, was es anzustreben gälte.

Dienstag, 2. Februar 2010

Handball

Mit den Beziehungen zu verschiedenen Sportarten kann es sich wie mit jenen zu Menschen verhalten: Sie weisen unterschiedliche Stärken und Schwächen auf. Und sie verändern sich.

Da gibt es verlässliche Freunde, wie in meinem Fall etwa den Fußball. Der war schon immer da, man kennt sich in- und auswendig und kann sich fallen lassen, ganz man selbst sein. Er fordert einen nicht mehr besonders (außer in jenen Momenten, in denen man sich ganz bewusst und aus freien Stücken auf eine intellektuelle Analyse einlässt) und er vermittelt ein Gefühl von Geborgenheit, von Zuhausesein.

Dann gibt es Beziehungen, die einem steten Wandel unterliegen, zB mein Verhältnis zum Alpinen Skisport. In möglicherweise exakt kalkulierbaren Rhythmen pendele ich hier zwischen großer Faszination und völligem Desinteresse (derzeit ist das völlige Desinteresse am Zug). Und es gibt Freundschaften, die erkaltet sind, wie zB jene zur Formel-1. Wo mich einst jeden Sonntagnachmittag das monotone Orchester der Motoren mit Heinz Prüllers mantraartiger Begleitstimme sanft in den Schlaf wiegte, regieren heute allenfalls nostalgische Gefühle.

Natürlich gibt es auch die großen Leidenschaften, die einen zu fordern und aufzuregen vermögen (Eishockey und Rugby).

Schließlich gibt es auch ehemalige Freunde, die dermaßen gegen Moral und Anstand, gegen die Prinzipien der Freundschaft verstoßen haben, dass man mit Ihnen nichts mehr zu tun haben will (der Radsport, der Langlaufsport und - mit Abstrichen - die Leichtathletik).

Freilich kann es auch vorkommen, dass einem jemand immer als uninspirierter Langeweiler erscheinen wird, so sehr er sich auch anstrengen mag (Basketball).

Die Rolle des Handballs in diesen Beziehungsgeflechten war zu Anfang recht eigenwillig. Der Damen-Handball hatte bei mir in meinen jungen Jahren gute Karten, weil es sich um die einzige Teamsportart handelte, in der eine österreichische Frauschaft internationale Siege einfuhr. Ich war noch ganz vom Sportpatriotismus erfüllt und dementsprechend begeistert. Ganz nebenbei bekam ich aber auch schon mit, dass Handball ein Sport sein kann, der durch rasante Entwicklungen und turbulente Spielverläufe zu faszinieren vermag.

Der Männer-Handball hatte es da schwerer. Es fehlte ganz offensichtlich an internationalen Erfolgen. Außerdem war es eine jener Sportarten, mit der wir in unserer nach Moder und Schweiß riechenden Turnhalle gequält wurden. Das war ein Ort, an dem auch mittelalterliche Folterwerkzeuge wie Barren, Ringe, Stangen und die monströsen Medizinbälle zuhause waren. Auch das Spielgerät Handball erschien zu groß, war steinhart und die körperlich besser bemittelten, nicht sehschwachen Klassenkollegen (im Turnsaal musste man die Brille abnehmen) machten einen fertig. Nicht umsonst war der Handballsport auch die Domäne der athletischen Sportschüler, bei denen manche in den Pausen Anstalten machten, uns durch die Gegend zu schubsen. Unsere Handballer hatten reihenweise Schulmeisterschaften gewonnen und waren so etwas wie die Maskottchen der Schule. Ihre wesentliche Leistung bestand darin, Sportskanonen zu sein.

Aber trotz dieser problematischen Umstände hatte mich das Interesse für den Handballsport nie ganz losgelassen. Zu packend waren die Partien, zu beeindruckend die Dynamik, zu ästhetisch die durch die Lüfte segelnden Flügelstürmer, zu verwegen die Keeper, die sich den heranrasenden Kugeln in den Weg warfen, zu behände die Wendigkeit der Kreisläufer und zu gewaltig die schiere Wurfwucht der Rückraumspieler.

Bei der eben zu Ende gegangenen Handball-Europameisterschaft kam diese unterirdisch schlummernde Begeisterung wieder ans Tageslicht. Und mit ihr etwas, das ich für tot und begraben gehalten hatte: mein Sportpatriotismus - und das in einer Zeit, in der mir Österreich unheimlicher ist, denn je. Aber es war ganz einfach zu beeindruckend, wie unser Nationalteam, als klarer Außenseiter gestartet, große Handballnationen schlug oder an den Rande einer Niederlage brachte.

Dem konnten nicht einmal die aus diversen Dorfdiscos und Skihütten des Landes herbeigekarrten Hallen-DJs etwas anhaben, die das Lebensmachwerk des DJ Ötzi und seiner Geschwister im Ungeiste rauf und runter spielten. Es ist fast unglaublich, aber es gelang mir, diese Hintergrundgeräusche, die ich üblicherweise als pure Körperverletzung empfinden würde, während der Österreich-Spiele komplett auszublenden. Erst gegen Ende des Turniers, als die Refrains der singenden Gletscherleiche zunehmend in meinen Gehörgängen festeisten, stellten sich gewisse Übelkeitserscheiungen ein. Einen Tag länger hätte ich das Turnier daher nicht ausgehalten.

Ist Handball deshalb doch irgendwie ungut? Nein, Handball ist zweifellos schön. Und das verdanken wir übrigens auch einem von meinen ehemaligen Handball spielenden Schulkollegen, der jetzt als Flügelstürmer der österreichischen Nationalmannschaft einen nicht unwesentlichen Part darin hat. Aber der gehörte nach meiner Erinnerung auch keineswegs zu den erwähnten Pausenschubsern.