Sonntag, 30. Mai 2010

Die große Wandspruchwahl, die Zweite

Seit mehr als einem Jahr hängt dieses Zitat bei uns an der Wand:



Das muss sich ändern. Der Pröll muss weg. Was nicht heißt, dass er es nicht wieder schaffen könnte. Hier sind die Kandidaten für die zweite große Wandspruchwahl:


"Dieses Zitat ist völlig aus dem Zusammenhang gerissen / Josef Pröll"

"Qui habet aures audiendi, audiat!"
(lat. "Wer Ohren hat zu hören, der höre!")

"Trotzdem denke ich, dass wir erheblich intelligenter werden können als die meisten Figuren in Star Trek - was ja auch nicht weiter schwierig ist / Stephen Hawking"

"Einverstanden!"


Die Abstimmungsgelegenheit findet ihr auf dieser Seite rechts oben. Ich ersuche um rege Beteiligung (multiple Antworten sind möglich).

Freitag, 28. Mai 2010

In Concert # 19: Bassekou Kouyaté & Ngoni Ba, 25.5.2010, Linzfest

Die Linzfest-Moderatorin kündigte sie als Bluesband an, aber sie wurden auch schon einmal als "beste Rock´n´Roll Band der Welt" bezeichnet (vom Independent): Bassekou Kouyate & Ngoni Ba. Eins vorweg: Rock´n´Roll ist das nicht, was die Band aus Bamako, der Hauptstadt des westafrikanischen Landes Mali, macht. Ihre Musik wurzelt hörbar in der traditionellen Musik ihrer Heimat. Bandleader Bassekou Kouyaté ist der Spross einer der angesehensten Griot-Familien des westlichen Afrika, somit Mitglied jener grenzüberschreitenden Kaste von Musikern, die seit Jahrhunderten die nicht-schriftliche Kultur dieser Weltregion überliefern.

Dieser Respekt vor der eigenen Vergangenheit ist in jedem Atemzug der Musikgruppe spürbar. Mehrmals leitet Bassekou Kouyaté eine Musiknummer mit einer Aussage wie "Dieses Lied hat mein Großvater vor dem König von ... gespielt" ein. Auch der Sound der Band ist grundsätzlich traditionell-folkloristisch angelegt. Der Klang von Ngoni-Lauten vermischt sich mit dem Rhythmus von Trommeln.

Aber seinen großen internationalen Erfolg (der in zur Inspirationsquelle für Bono, Fatboy Slim oder Damon Albarn werden ließ) verdankt Bassekou Kouyaté dem Umstand, dass er sich auch als Modernisierer dieser Art von Musik hervorgetan hat. Er hat neue Ngoni-Lauten konstruiert, in dem er deren Saitenzahl erhöht und den Korpus verändert hat. Und er setzt auf elektrische Verstärker.

Das Resultat erinnert in rhytmischer Hinsicht tatsächlich immer wieder an den afroamerikanischen Blues, das Tempo nimmt allerdings oft erhebliche Rasanz an (daher auch der sich aufdrängende Vergleich mit dem Rock´n´Roll). Die Musik von Bassekou Kouyaté und Ngoni Ba wirkt zuweilen auf Anhieb fast etwas spröde, gleichförmig. Wenn man ihr aber länger zuhört, offenbart sich einem ihre Trance-artige Qualität. Man wird mithineingesogen und stellt möglicherweise plötzlich fest, dass man sich schon seit einiger Zeit zur Musik mitbewegt, ohne es bisher bemerkt zu haben. Gekrönt wird das Ganze dann, wenn Ami Sacko, die Frau von Bassekou Kouyaté (auf diesen Umstand weist er in Linz zwischendurch stolz hin) ihre herausragende Stimme ins Spiel bringt.





Einen Eindruck von der Musik von Bassekou Kouyaté & Ngoni Ba kann man sich zum Beispiel mittels deren Auftritt bei Jools Holland verschaffen:

Mittwoch, 26. Mai 2010

Stand Up United!

Egal, ob man Fußball schätzt oder nicht (meine Position kennt ihr), eines muss wohl ein(e) jede(r) einräumen: die Art und Weise wie dieser Sport Menschen unterschiedlichster Herkunft rund um die Welt begeistert, ist bemerkenswert. In dieser Hinsicht gibt es keine Grenzen von Hautfarbe, sozialer Herkunft oder Religion. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft wird das jedes Jahr zelebriert. Die ganze Menschheit misst sich in einem weitestgehend von Freude und Respekt getragenen Wettstreit. Das muss man zu schätzen wissen. Wer das nicht tut, hat über die menschliche Geschichte irgendwie noch nicht wirklich nachgedacht.

Daher finde ich es gut, wenn Amnesty International sich an der metaphorischen Kraft dieses Phänomens orientiert und anlässlich der Fußballweltmeisterschaft zur gemeinsamen Unterstützung von elf MenschenrechtsverteidigerInnen auf der ganzen Welt aufruft. Denn, wenn die Idee der Menschenrechte einmal ähnlich viel globale Begeisterung erhält wie der Fußball, dann hat die Menschheit ihre Geschichte wirklich begriffen.


Sonntag, 23. Mai 2010

Das Panini Pickerl Mantra

Irgendwann einmal ist man so erwachsen, dass man sich frei fühlt, Dinge wieder zu tun, die einen als Kind begeistert haben.

Fußballer sammeln und einkleben, zum Beispiel.

Wenn man das nach langer Zeit (war es die WM ´94 oder die Euro ´96 als ich das letzte Mal Pickerlpackerl aufriss?) wieder tut, fällt einem natürlich auf, was sich verändert hat und was nicht.

Das wäre einmal das äußere Erscheinungbildes des Objektes der Sammelleidenschaft. Die Klebebildchen für die Fußballweltmeisterschaft werden immer noch durch die Panini Gruppe lizensiert (ein Konzern mit Sitz in Modena, der auch führende Comicverlage beinhaltet, Sammelkarten herausgibt und Fußballstatistiken verkauft). Der kleine Ritter mit der langen Lanze, der ein bisschen an die Ritter in den "Hägar"-Comics erinnert, schmückt immer noch die Packungen und Sammelhefte.

Die Grundstruktur eines Panini-Sammelheftes hat sich nicht wesentlich verändert. Es gibt immer noch die Stadien, die zusammen geklebt werden müssen, die Embleme der Verbände glänzen aus dem Heft heraus, es gibt Mannschaftsfotos und die gewissen bösen Überraschungen, weil die Hefte soweit im Voraus produziert werden müssen, dass die Kader nicht in allen Belangen zutreffen. So blicken etwa Ballack, Adler, Cambiasso, Zanetti und Benzema optimistisch aus den Heften und freuen sich auf die Fußball-Weltmeisterschaft. Auch die mehrsprachigen Länderbezeichnungen sind noch da, die mir als Achtjähriger einen starken Eindruck von der Vielfältigkeit der Welt vermittelt haben.

Nicht mehr dabei sind die Trainer. Das ist schade und zeugt von mangelndem Respekt.



Meine Herangehensweise an das Sammeln der Pickerl hat sich zweifellos verändert. Jetzt möchte ich mein Heft auch wirklich voll bekommen. Damals als Halbwüchsiger war das zwar auch irgendwie mein Ziel, ich war aber nicht bereit, dafür bis zum Äußersten zu gehen. Und das wäre gewesen, fehlende Bilder einfach nachzubestellen. Oder gar, Bilder zu tauschen. Allzu oft habe ich von meinen Schulkameraden erstaunte Blicke geerntet, wenn ich ihnen mit vollem Ernst erklärt habe, dass ich keine Bilder tauschen werde, sondern vielmehr die doppelten Aufkleber aufbehalten will. Die dienten mir nämlich als Basismaterial für die Durchführung meiner eigenen Weltmeisterschaften.

Diesmal bin ich gewillt, in den Tauschhandel einzusteigen. Das heißt, wer Bilder anzubieten hat, möge sich melden! Ja, und für die letzten Bilder werde ich wohl auch einen Brief an die Firma Panini schicken.

Aber nicht nur in strategischer Hinsicht stelle ich eine veränderte Situation fest. Auch in emotionalen Belangen wird die Kindheitserfahrung nicht mehr reproduziert. Damals war jedes Packerl, jedes Klebebild eine durch und durch sinnliche Erfahrung. Der Geruch, die Haptik, die Farben, alles schien ein zutiefst intensives Erlebnis zu sein. Dieses Gefühl von etwas Besonderem übertrug sich in der Folge zweifellos auch auf den Gegenstand des Sammelns: den Fußballsport. Hinzu kam, dass die Sticker förmlich vom Himmel fielen. Sie wurden mir von meinen Eltern nach Gutdünken geschenkt, ich wäre nie auf die Idee gekommen, sie mir von meinem spärlichen Taschengeld selbst zu kaufen.

Nunmehr verfügt man theoretisch über die Mittel, sich Berge von Bildchen zu beschaffen. Und auch die Sinnlichkeit der Erlebens ist nicht mehr diejenige, die einem in Erinnerung ist. Aber dafür tritt ein ganz neuer Aspekt hinzu: Entspannung. Das Einkleben der Bilder ist eine geradezu meditative Handlung, die einen aus der eiligen Rennerei des Alltags herausholt.

Aus dem berauschenden Erweckungserlebnis wurde somit ein Frieden stiftendes Mantra.

Donnerstag, 20. Mai 2010

Noch ein Tetris des Grauens

Wer gedacht hat, das ist definitiv das schlimmste Tetris aller Zeiten, der sollte seine Position überdenken.

Hier der Alternativvorschlag.

Dank an Sarah!

Mittwoch, 19. Mai 2010

Sir Zidane

Es ist amtlich. Zinedine Zidane hat nicht gegen die Regeln des Anstandes verstoßen, als er Materazzi auf dieselbige beförderte.

Das kann man zumindest hier nachlesen. Auch sonst ein sehr lesenswertes Interview.

Dienstag, 18. Mai 2010

In Concert # 18: Wolf Parade, 7.5.2010, Donaufestival, Krems

Um 0.30 Uhr werden die Beine schon etwas schwer, der Kopf wird müde. Der Großteil eines Tages Donaufestival in Krems liegt hinter uns.

Nach dem Einzug in die Jugendherberge hatten wir uns in Richtung der Steiner Minoritenkirche begeben, wo diesmal leider kein Konzert stattfand (so wie im Vorjahr), dafür aber Kunst ausgestellt wurde. Im Kreuzgang des benachbarten Klosters wandelte Paul DeMarinis die Reden von Hitler, Mussolini, Stalin und Roosevelt (sic!) in Gasflammen um, die er in Vogelkäfige steckte (das Motto des diesjährigen Donaufestivals lautete übrigens "Failed Revolutions").

Danach folgte ein Zwischenstopp in einem Gasthaus an der Steiner Donaulände sowie in einem Heurigen in der Steiner Kellergasse. Dann ging es rüber nach Krems und zu den Tindersticks. Auch Carla Bozulich gönnte mir keine Pause.

Um 0.30 Uhr sind nun Wolf Parade an der Reihe. Die zufriedene Müdigkeit, die mich beim Rekapitulieren des Tages umfängt, beeinflußt die Wahrnehmung des Konzertes. Wolf Parade gehen engagiert zu Werke, entfalten einen druckvollen Livesound. Was sie machen, erscheint mir wie eine rockige Essenz kanadischen Indie Rocks. Die Performance ist handwerklich sehr perfekt, lässt aber den besonderen Livecharakter vermissen, der die beiden vorherigen Acts ausgezeichnet hat. Ich denke mir, dass ich das bei gefeierten alternativen Rockbands schon etliche Male erlebt habe, Muse, Wombats, White Lies und Co - Bands die irgendwie sehr gut sind, bei denen man aber auch das Gefühl hat, dass man sich auch einfach die Konzerttickets sparen und stattdessen eine gute Stereoanlage kaufen könnte. Weil das dann genauso sauber und geschliffen klingt und auch nicht viel weniger passiert.

Aber, wie gesagt, da bin ich schon müde und drifte ab.




Sonntag, 16. Mai 2010

Respekt

Der US-amerikanische Justizminister Eric Holder hat sich bei seiner Anhörung vor dem Justizausschuss des Repräsentantenhauses am 13.5.2010 eine auf den ersten Blick etwas skurril anmutenden Auseinandersetzung mit dem republikanischen Ausschussmitglied Lamar Smith geliefert.

Holder weigerte sich nämlich, den Begriff "radikaler Islam" für jene Anschauungen und Kräfte zu benutzen, die Personen wie den gescheiterten Times Square-Attentäter zu ihrem kriminellen Tun verleitet haben. Es sprach stattdessen lieber davon, dass "Anschauungen, die mit den Lehren des Islam nicht übereinstimmen und eine radikale Version des Islam vertreten" dahinter stecken könnten. Er wies auch darauf hin, dass ein Bündel von Motiven hinter derartigen Taten steckt und religiöse Motive nur ein Aspekt davon sind.

Nun lässt sich über einen Begriff wie "radikaler Islam" sicherlich trefflich streiten. Auch ich habe den Begriff sicherlich immer wieder verwendet, auch wenn mir der Ausdruck "militanter Islamismus" stets treffender erschienen ist. Aber Holders beharrliche Weigerung, den Ausdruck in den Mund zu nehmen, hat mich nachdenklich gestimmt. Sicher, der Begriff "radikaler Islam" setzt den Begriff "Islam" voraus und bringt somit zum Ausruck, dass es sich hier um Ansichten handelt, die grundsätzlich mit den Lehren des Islam übereinstimmen, aber eben auf eine radikale Weise vorgetragten und verbreitet werden. Genau da kann eine Kritik dieser Begrifflichkeit ansetzen, denn die Mittel und Wege, mit denen eine Religion verbreitet wird, sind wesentlicher Bestandteil derselbigen. Daher können es moderate Muslime, die mit Gewalt oder religiösem Zwang nichts am Hut haben, als Herabsetzung ihrer Religion empfinden, wenn die Untaten von Al-Qaeda und Konsorten als islamisch bezeichnet werden.

Umgekehrt ist auffällig, dass Untaten, die Christen in der Vergangenheit wie in der Gegenwart (auch) aus religiösen Motiven verübt haben bzw. verüben, nie als "radikal-christlich" bezeichnet werden. Kein relevantes Medium käme zum Beispiel auf die Idee, die wahnsinnigen Schlächter der "Lord´s Resistance Army" in Uganda als radikale Christen zu bezeichnen. Hier setzen wir also interessanter Weise ein Idealvorstellung des Christentums als friedfertige Religion (die es über viele Jahrhunderte in seiner Praxis nicht war) voraus.

Andererseits ist unstrittig, dass es sich bei den Terroristen, um die es in dieser Anhörung geht, um Menschen handelt, die sich selbst als gläubige Muslime empfinden und ihre Anschauungen zweifellos aus muslimischen Traditionen ableiten. Man kann den Islam also auch nicht ganz aus der Verantwortung entlassen. Der Begriff "radikaler Islam" stellt einen entsprechenden Bezug her, ist leicht zu verstehen und wird auch verstanden. Die verschlungenen Umschreibungen, die Eric Holder stattdessen wählt, belegen das Dilemma, das entstehen kann, wenn man derartige Begriffe hinterfragt.

Zum Glück sind derartige semantisch-philosophische Grüblereien für die Bewertung seiner Vorgehensweise aber gar nicht ausschlaggebend. Denn Holder ist als Justizminister der USA nicht dazu berufen, in der Öffentlichkeit religions- oder sprachwissenschaftliche Untersuchungen auszuführen. Politik ist vor allem auch Psychologie und Eric Holder zeigt hier mit seinem Auftreten, dass er nicht gewillt ist, einem Schwarz-Weiß-Schema folgend die islamische Welt vor den Kopf zu stoßen. Er zeigt, dass er und sein Präsident entschlossen sind, zu differenzieren und rationale Entscheidungen zu treffen, auch wenn zur gleichen Zeit in den Vereinigten Staaten dschihadistische Anschläge ausgeführt werden. Wenn man auch sagen muss, dass der Vortrag dieser Haltung vielleicht souveräner erfolgen könnte - dies ist ein wohltuender Unterschied zur vorherigen Administration mit ihrem Kreuzzugs-Gehabe. Denn Obama und Holder ist bewußt : der Graben zwischen der modern-säkularen und der islamischen Welt wird sich auf globaler Ebene nicht durch pauschale Schuldzuweisungen oder Islam-Verbote überwinden lassen, sondern nur durch einen Dialog, der sowohl kritisch als auch respektvoll ist.

Freitag, 14. Mai 2010

In Concert # 17: Carla Bozulich´s Evangelista, 7.5.2010, Donaufestival, Krems

Gegen Ende ihres Gigs am 7.5.2010 im Rahmen des Kremser Donaufestivals begibt sich Carla Bozulich ins Publikum, lehnt sich während des Singens an spontan ausgewählte Personen und versucht damit, diese aus dem Gleichgewicht zu bringen. Dann macht sie Anstalten, einen ziemlich ratlos drein blickenden Konzertbesucher mit dem Kabel ihre Mikrophons einzuwicklen.

Carla Bozulich ist so etwas wie eine Allroundkünstlerin. Sie ist neben ihren musikalischen Aktivitäten auch schrifstellerisch tätig und hat etwa auch schon einmal als Illustratorin gewirkt. Darüber hinaus macht sie Performances, die darstellende Kunst und Musik verbinden und ist damit unter anderem schon im Getty Museum aufgetreten.

Auch in musikalischer Hinsicht hat sie schon einiges an Bandbreite abgearbeitet: Post-Punk, Industrial, Alternative Country, sogar Filmmusik. Dieser eklektische Zugang kommt ohrenscheinlich auch ihrem in Krems zu erlebendem Bandprojekt Carla Bozulich´s Evangelista zu Gute. Denn die anfänglichen Anflüge leichter Ratlosigkeit, hervorgerufen durch die abrupte Konfrontation mit lautem, experimentellem Noiserock, weichen bald spannungsvollem Lauschen. Carla Bozulich´s Evangelista verrennt sich nicht in Stakkatos, Verzerrungen und Feedback. Die Musik der Band stellt sich als erstaunlich vielschichtig heraus. Unter der Noise Rock-Oberfläche dringen altertümlich anmutende Klänge hervor - irische Volksweisen, Spirituals, Gospel. Dieser Auftritt vermag immer wieder zu überraschen, interessant zu bleiben - bis zu seinem Ende.

Es ist die gewisse Balance aus ehrlicher musikalischer Experimentierfreude, hohem musikalischen Können und einem ordentlichen Unterhaltungswert, der Carla Bozulich´s Evangelista zu einer so guten Liveband macht. Sicherlich, das ist wahrscheinlich nicht die Art Musik, die man sich zum Frühstückskaffee anhört. Aber live sollte man ihr auf jeden Fall eine Chance geben.

Demnächst: In Concert # 18: Wolf Parade auf dem Donaufestival

Dienstag, 11. Mai 2010

In Concert # 16: Tindersticks, 7.5.2010, Donaufestival, Krems

Eine Tür geht auf und man befindet sich in der Welt der Tindersticks. Eine Welt, erfüllt von der sonoren wie melancholischen Gesangsstimme von Stuart Staples, getragen von einem kleinen Orchester aus insgesamt sieben Musikern in wechselnder Besetzung und mit wechselnden Instrumente. Die Musik der Tindersticks (deren Stammbesetzung aus drei Personen besteht), das ist ein Amalgam aus Pop, Jazz, Country, Folk und einer ordentlichen Prise schwermütigem Soul. Wie einer schwerer, dunkler Teppich legen sich die Klänge der Tindersticks über den Saal und über das Publikum, hüllen alles ein.

Live kommt die Truppe aus Nottingham groß zur Geltung. Wer die Tindersticks aus der Konserve kennt, weiß schon, dass sie etwas Besonderes sind. Aber auf der Konzertbühne heben sie sich nochmals auf eine ganz andere Ebene. Zuweilen versinken sie dabei ganz in ihrer dunklen Mattigkeit, verlieren sich fast darin und stehen kurz davor, das Publikum in den Schlaf zu spielen. Aber dann zieht die Stimme von Stuart Staples wieder an und reisst das von seiner Band geschaffene Kontinuum plötzlich empor zu ungeahnten Höhen. So kreieren die Tindersticks Gegensätze der schönen Art.

Und die Tindersticks vereinen Widersprüche. Sie sind von tiefer Schwermut erfüllt und spenden doch unüberhörbar Trost. Sie klingen frisch und spannend und scheinen doch irgendwie aus der Zeit gefallen. Sie sind stilvolle Anzugträger und Slacker zugleich.

Die Tindersticks sind unverwechselbar, eine Welt für sich - so auch an jenem 7.5.2010 am Kremser Donaufestival. Ein würdiger Auftakt für einen bemerkenswerten Abend.



Demnächst: In Concert # 17: Carla Bozulich´s Evangelista am Donaufestival

Donnerstag, 6. Mai 2010

Wandspruch quo vadis?

Mittlerweile weiß, glaub ich, schon jeder mittelmäßige Politiker in diesem Land, welcher Spruch bei uns an der Wand hängt.



Damals war das so geplant: Sobald wir genug neue Kandidaten-Sprüche beisammen haben, wird erneut abgestimmt.

Danach sind wir aber in ein tiefes kreatives Loch gefallen. Meine Freundin hat irgendwo zwei oder drei Sprüche notiert, ich bin mir aber nicht sicher, ob wir noch wissen, wo.

Jedenfalls setzt der Pröll irgendwie schon etwas Staub an, daher darf ich an die Leserschaft appellieren: liefert Vorschläge!

Sonntag, 2. Mai 2010

Praktisch

"Die Axt im Haus erspart den Zimmermann" verkündete einst Wilhelm Tell durch die Worte von Friedrich Schiller (oder umgekehrt, wie man will). In den Siebzigern verfasste dann ein gewisser Otto Werkmeister (sic!) einen Bestseller des Heimwerkertums mit diesem Titel.

Der Wahrheitsgehalt dieses Spruches ist sicherlich unbestritten (wenngleich er durch "Aktenzeichen XY" ein wenig konterkariert wurde). In meinem Fall kommt er aber nicht zur Anwendung, da ich vermutlich nie eine Axt oder sonstiges schweres Werkgerät in die Hand nehmen würde. Beim Heimwerken soll es schließlich darum gehen, Dinge her- oder wiederherzustellen und nicht darum, aus den eigenen vier Wänden Kleinholz zu machen.

Ich hab es auch nie wirklich gelernt. Im Werkunterricht in der Schule war ich nicht sonderlich motiviert und das einzige, das mir daraus noch lebhaft in Erinnerung ist, ist das "zing" des Reißens eines Laubsägeblattes. In der Volksschule musste sich mein Vater so gar einmal von meiner Lehrerin anhören: "Die anderen Kindern haben eine Leiter gemacht und Ihr Sohn hat das da gemacht."

Mein Vater war aber in dieser Hinsicht auch keine ganz große Hilfe, weil er zwar eifrig werkte, dann aber meistens mit derartiger Verbissenheit in seiner Aufgabe aufging, dass man ihn dabei lieber nicht störte. Mein Großvater war ein großes handwerkliches Talent, aber damals war ich noch zu jung, um etwas zu lernen.

Was mach ich also jetzt, wenn zum Beispiel der Wasserhahn der Schwerkraft folgt und sich löst? Die Frage stellt sich zum Glück nicht. Meine Freundin ist in diesen Dingen sehr patent.



Nicht schlecht, als Provisorium. Wäre ich auf diese Idee gekommen? Vermutlich: nein. Die Freundin im Haus erspart den Zimmermann.