Montag, 30. Mai 2011

Im Kino # 3: Rob Marshall - "Pirates Of The Caribbean - On Stranger Tides" (2D)

USA 2011

Dieser Film ist für 3D erdacht, das muss ich einräumen. Und fairer Weise dazu sagen, dass ich aufgrund der physikalischen Gesetzmäßigkeiten nicht in der Lage bin, dreidimensionales Kino zu konsumieren. Jedoch habe ich für mich beschlossen, dass Filme, die auch in einer 2D-Version in die Kinos gebracht werden, auch als ganz "normale" Filme zu bewerten sind.

Diesen Grundsatz muss ich nun also leider auch auf "Pirates Of The Caribbean - On Stranger Tides" anwenden.

Dass der Film auf die dritte Dimension abzielt, sieht man ihm gleich an. Regisseur Rob Marshall spart nicht mit Schluchten, Klüften, hoch aufragenden Räumen. Das hat freilich auch auf einer großen 2D-Leinwand seinen unbestreitbaren Effekt. Die Settings, die funktionieren auch in diesem Jack Sparrow-Abenteuer, ebenso die Ausstattung. Damit sind die Vorzüge dieser vierten "Pirates of the Caribbean"-Ausgabe aber auch schon vollständig aufgezählt.

Von der Eigenart der drei Vorläufer, eine reichlich abstruse Geschichte mit so viel Witz und Schwung, mit Chuzpe, zu erzählen, dass man sie nicht nur akzeptiert, sondern glücklich in ihr aufgeht, ist nur die Abstrusität geblieben. Fast könnte man argwöhnen, dass hier sämtliche Schreiber, die zuvor für die guten Ideen zuständig waren, entlassen worden und durch 3D-Programmierer ersetzt worden sind, so kolossal scheitert dieses Drehbuch. "Pirates Of The Caribbean - On Stranger Tides" schippert vom Meer der Flachheit über den Ozean der Langeweile in den Abgrund der Konfusion.

Angesichts des erbärmlichen Skripts dürfte auch den Darstellern die Lust an der Arbeit vergangen sein. Johnny Depp wirkt lustlos, Penelope Cruz allzu oberflächlich. Letztere taugt kaum als adäquater Ersatz für die feurige Keira Knightley des dritten Teiles. Ähnliches gilt für jenen Schauspieler, dessen Name mir völlig gleichgültig sein darf, der mit offenem Mund und treudoofem Blick einen Missionar spielt und offensichtlich den Part ausfüllen muss, den Orlando Bloom hinter sich gelassen hat. Ergänzt wird die Menagerie durch einen neuen Bösewicht, Captain Blackbeard (Ian McShane), der nicht nur Seemänner in Zombies verwandeln kann, sondern auch durch sein bloßes, lethargisches Erscheinen auf der Leinwand den Zuschauer einem erholsamen Kinoschlaf nahe bringt. Spurenelemente von Humor offenbaren sich für Augenblicke, wenn Richard Griffiths den englischen König gibt oder Geoffrey Rush alias Captain Barbossa den Anzug und den Habitus eines rauen Piraten gegen jenen eines königlichen Freibeuters tauscht. Aber das hält nicht vor.

"Pirates Of The Caribbean - On Stranger Tides" ist leider nur ein ganz müder Aufguss der vorangegangenen Trilogie. Rob Marschall und sein Team lassen den Witz und den Charme kielholen und versenken Jack Sparrow und Co mit Bleigewichten in hoch in alle drei Dimensionen aufgetürmten und - paradox - zugleich doch ach so seichten Gewässern. R.I.P., Piraten der Karibik.

Meine Bewertung: 2 aus 5 Sternen






Samstag, 28. Mai 2011

Warum Amnesty?

Wozu gibt es eigentlich Amnesty International und warum soll man sich überhaupt dafür engagieren? Erstaunlicher Weise kann ich mich nicht erinnern, dass man mich das schon einmal gefragt hätte. Und das, obwohl in meinem persönlichen Umfeld bekannt ist, dass ich recht viel (Frei-)Zeit in die Aktivitäten dieses international agierenden Vereines investiere. Auch draußen, am Infostand am Bürgersteig, werden wir eigentlich nur selten gefragt, wer wir sind und wofür wir uns einsetzen.

Amnesty hat einen hohen Bekanntheitsgrad - bei uns in Oberösterreich, aber auch weltweit. Die meisten Menschen, die wir auf der Straße treffen, haben schon von Amnesty gehört und zumindest eine vage Vorstellung davon, womit wir uns beschäftigen. Positiv betrachtet ist das das Ergebnis von nunmehr 50 Jahren unablässiger, intensiver Lobbyingarbeit von ehrenamtlichen wie hauptamtlichen Mitwirkenden. Kritischer betrachtet könnte man aber auch sagen, dass Menschenrechte - also das, wofür Amnesty sich einsetzt - in unseren Breiten für viele zu etwas Selbstverständlichem geworden sind. Es versteht sich sozusagen eh von selbst, dass das Prinzip der Menschenrechte vorherrscht und dass man "dafür" ist. Es ist selbstverständlich, vielleicht auch ein bisschen zu selbstverständlich.

Denn die Geltung der Menschenrechte ist kein naturgegebener Zustand, der schon vor ewigen Zeiten einfach so über uns gekommen ist und nun unablösbar auf unseren Gemeinwesen liegt und in unseren Verfassungen festgeschrieben ist. Historisch gesehen sind die Menschenrechte als Leitfaden, den sich die Staaten der Erde gegeben haben, unglaublich jung. Die erste universelle Menschenrechtsdeklaration, die weltweite Anerkennung gefunden hat, ist die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen aus 1948. Das ist geschichtlich gesehen nicht viel mehr als ein Atemhauch.

Auch die Staaten des so genannten "Westens" waren etwa noch im 19. Jahrhundert großteils finstere Polizeistaaten, die einem großen Teil ihrer BürgerInnen die politische Mitbestimmung verweigerten, in deren Justizsystemen Brutalität praktiziert wurde, in deren Gefängnisse entsetzliche Zustände herrschten und die in besetzten Gebieten auf der ganzen Welt die Menschenrechte mit Stiefeln traten. Vieles, was wir heute an Staaten wie dem Iran oder China kritisieren, gab es damals auch bei uns. Was im Übrigen danach, im 20. Jahrhundert auf dem Weg in die demokratische Ära in Europa zwischenzeitlich an Schrecknissen, an brachialem Ausbruch staatlicher Gewalt und Unterdrückung noch passieren sollte, kann als bekannt vorausgesetzt werden.

Arroganz ist nicht angebracht. Weder gegenüber denen, die bei der Umsetzung der Menschenrechte noch nicht so weit sind, noch in Bezug auf unsere eigene Situation. Die Menschenrechte als gelebte Praxis sind noch ein junges, verwundbares Pflänzchen. Wir müssen weiter das Bewusstsein der Menschen dafür schärfen, was sie bedeuten und welchen immensen Wert sie haben. Diese Aufgabe wird vermutlich nie enden, auch wenn es in den letzten 60 Jahren ohne Zweifel auch große, bemerkenswerte Fortschritte gegeben hat. So wurde in den USA und in Südafrika die Rassentrennung abgeschafft, junge Demokratien behaupteten sich und neue entstanden, die Todesstrafe verschwand aus den Gesetzbüchern der meisten Staaten, die gleichgeschlechtliche Liebe wurde in vielen Ländern der Erde entkriminalisiert, Anti-Diskriminierungsgesetze wurden erlassen, Kriegsverbrecher landeten vor einem Richter.

Welchen Anteil Amnesty daran hat - und das bringt uns wieder zu unseren Ausgangsfragen zurück - ist natürlich schwer zu bemessen. Fakt ist, das Amnesty heute die größte Menschenrechtsorganisation der Welt ist, eine Organisation, die von Regierungen, Weltanschauungen, Religionen oder Konzernen unabhängig ist und mit dem Anspruch auf höchste Objektivität und Unparteilichkeit alle wesentlichen Akteure beobachtet und zur Einhaltung der in den internationalen Abkommen verankerten Menschenrechte gemahnt. Dies tut es, das glaube ich aus meiner Innenansicht der letzten Jahre erkennen zu können, aus tiefster Überzeugung und mit höchster Gewissenhaftigkeit und Seriosität, was zuweilen zwangsläufig dazu führt, dass die Botschaft fast schon zu trocken rüberkommt.

Tatsache ist auch, dass Amnesty jedem Erdenbürger die Möglichkeit gibt, etwas zu tun. Teil einer globalen Bewegung für die Menschenrechte zu werden, die sich wie ein Mensch hinter all jene stellt, die von Menschenrechtsverletzungen betroffen sind.

Nicht allen kann damit geholfen werden. Viele bleiben trotz des Einsatzes von Amnesty in ihrem Kerker oder werden hingerichtet. Doch die Quote jener "Fälle", derer Amnesty sich annimmt und die positiv "abgeschlossen" werden, liegt im Bereich 60%-70%, wie ich unlängst aus einer offiziellen Amnesty-Quelle erfahren habe (die ich hoffentlich wieder finde und nachreichen kann). Das ist beachtlich und es kann davon ausgegangen werden, dass der Einsatz von Amnesty einen erheblichen Anteil hat. Dabei geht es, das muss man deutlich sagen, nicht nur um blanke Zahlen. Es geht in jedem einzelnen Fall um ein menschliches Schicksal. Selbst wenn wir in einem Jahr nur in einem einzigen Fall für eine einzelne Person unsere Forderungen verwirklichen würden, würde das für diesen einen Betroffenen immer noch nicht weniger als das Leben, die Freiheit, die persönliche Sicherheit bedeuten!

Amnesty stark zu machen bedeutet aber auch, Generalpräventation zu ermöglichen. Jeder, der weiß, dass seine Aktivitäten beobachtet werden, dass seine (Un-)taten globalen Widerhall finden und er mit einer Flut an Briefen, Protesten, diplomatischen Interventionen rechnen muss, wird eher davor zurück schrecken, sie zu setzen. Kein Mensch, keine Institution setzt sich gerne permanenter Kritik aus (s. auch ein jüngstes Beispiel).

Schließlich gibt es noch einen Aspekt unseres Einsatzes, der sich nie in Zahlen oder Erfolgsmeldungen wird ausdrücken lassen. Um das zu veranschaulichen, erzähle ich gerne eine Geschichte, die eigentlich nur am Rande mit Amnesty zu tun hat.

Ich war Zeuge eines Gerichtsverfahrens. Amnesty-Mitstreiter hatten uns darauf aufmerksam gemacht. In Folge eines großen Drogenfundes in der Villa eines angesehenen Bürgers stand ein Afrikaner vor Gericht, der dafür verantwortlich gemacht wurde, das Suchtgift ins Land gebracht und ohne Wissen des Hauseigentümers dort deponiert zu haben. Der mutmaßliche Haupttäter, ein Landsmann, hatte ihn schwer belastet, bevor er reißaus genommen hatte. Weitere Beweise gab es nicht, aber er war buchstäblich der letzte, den man für dieses Verbrechen verantwortlich machen konnte. Das Verfahren wurde nach unserem Empfinden unfair geführt, Richter und Staatsanwalt machten sich zuweilen gemeinsam über den Angeklagten lustig. Wir waren dabei, weil wir eine öffentliche Kulisse bieten wollten, um solche Übergriffe zu verhindern. Es war keine offizielle Amnesty-Mission, es war privat.

Mit uns im Gerichtssaal war ein schmächtiges junges Bürschchen, ein Afrikaner. Nachdem das Urteil verkündet und der Angeklagte zu einer an Jahren zweistelligen Haftstrafe verurteilt worden war, weinte er bitterlich. Als wir über die Stiegen des Gerichtsgebäudes ins Freie hinaus traten, drehte er sich um, sah mir in die Augen, gab mir die Hand und sagte mit Tränen erstickter Stimme "Thank You!" Ich war kurz verdutzt. Wir hatten seinem Freund und ihm doch nicht wirklich helfen können?! Aber gleich darauf verstand ich.

Freitag, 27. Mai 2011

Der große Facebook-Showdown # 1


Heute: Kirk gegen Spock. Sternzeit: 26.5.2011, 15:40


Captain James Tiberius Kirk: 13.877

Spock: 28.890 (+5.013)


Faszinierend. Aber wie sieht es eigentlich bei Shatner vs. Nimoy aus?


William Shatner: 85.311

Leonard Nimoy: 35.530 (-49.781)







Donnerstag, 26. Mai 2011

Verunglückte Namen # 18

Führt immer wieder zu amüsanten Resultaten, wenn unbedingt ein Name für ein Firmenblatt gefunden werden muss..
Dieses Unternehmen beschäftigt sich mit Recycling.

Dienstag, 24. Mai 2011

Dylan

Dem Phänomen Bob Dylan jetzt mal schnell in ein paar Zeilen Blogpost nahe kommen zu wollen, wäre so, wie die halb-mythische Große Bibliothek von Alexandria in eine Streichholzschachtel packen zu wollen. Da sind schier endlose, schwer fassbare Weiten. Vor allem, weil er sich wie ein Gespenst immer dann mutwillig verflüchtigt hat, wenn er das Gefühl hatte, auf eine bestimmte Rolle fixiert zu werden.

Konzertmäßig wirkte er zuletzt gut drauf. In öffentlichen Äußerungen gab er hingegen eher den alten Grantlern, wenn er sich etwa für das mutmaßliche Akzeptieren von Zensur in China rechtfertigt. Genau, die alten Bürgerrechtssachen hat er nicht gespielt, weil die "Jungen meine alten Sachen ohnehin nicht mehr kennen"! Haha. Dylan-Zynismus. Aber, andererseits, wer sich rechtfertigt, der erklärt sich auch und dem ist Herr Zimmermann eben komplett abhold.

Bekanntlich finden zu allen Bob Dylan-Rundgeburtstagen und sonstigen dylanbezüglichen Jubiläen in den Feuilletons sowie diversen Musik- und Bob(o)blättern Umfragen statt, bei denen Prominente und/oder JournalistInnen ihre liebsten Dylan-Stücke benennen. Dieser Tradition will ich mich hier anschließen. Ganz aus der Hüfte gespielt und ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Immerhin hat der Mann zu seiner besten Zeit an einem Nachmittag mehr große Musik geschrieben als die meisten anderen in ihrem ganzen Leben. Zumindest das ist sicher.

1

A Hard Rain´s A-Gonna Fall

2

Sad Eyed Lady Of The Lowlands

3

With God On Our Side

4

Desolation Row

5

You Ain´t Goin Nowhere

6

The Times They Are A-Changin´

7

Stuck Inside Of Mobile With The Memphis Blues Again

8

Girl From The North Country

9

Masters Of War

10

Visions Of Johanna

11

It´s All Over Now, Baby Blue

12

Positively 4th Street

13

Romance In Durango

14

All Along The Watchtower

15

Forever Young


Mit Videos kann ich leider nicht dienen. Herr Dylan oder irgend jemand, der in seinem Geheiß handelt oder sonst die Rechte besitzt, hat sämtliche Musik von YouTube vertreiben lassen.

Happy Birthday, alter Grantler!

Montag, 23. Mai 2011

In Concert # 26: Jazzwa/S.K. Invitational feat. Ty, Linzfest, 21.5.2011

Oh ja, die Musikbeiträge häufen sich zur Zeit. Aber, der Ausflug zum Linzfest am Samstag war doch schön und sollte daher erwähnt werden.

Für den musikalischen Samstag auf der Bühne im Donaupark ist Radio Oberösterreich verantwortlich. Das Erstaunliche ist, dass dieser Tag in aller Regel trotzdem kaum weniger interessant ist als der Freitag, für den der progressive "Jugend"sender FM4 verantwortlich zeichnet. Zuweilen sogar interessanter. Denn Texta und Kollegen kennt man natürlich zur Genüge, aber was am Samstag aufgestellt wird, ist oft weniger bekannt und trotzdem gut. Letztes Jahr war das so und dieses Jahr auch wieder.

Jazzwa zum Beispiel waren mir gar kein Begriff. Diese in Linz heimische Band spielt laut Eigendefinition "Balkan Blues" und "Balkan Jazz". Das ist im Wesentlichen eine Mixtur verschiedener osteuropäischer Volksmusiken, vom Balkan bis Russland, mit Schwerpunkt am Balkan und, wie mir scheint, einer starken Ausrichtung zur Musik der Roma. Dabei hat das getragene, schwermütige Lied genauso Platz wie der mitreißende Volkstanz. Die schnelleren Stücke dominierten im Übrigen im Donaupark, was angesichts der Open Air-Atmosphäre auch Sinn macht. Dass Jazzwa gute Musiker sind, merkt man, dass sie auch Spaß an der Freude haben - und das ist bei dieser Art von Musik mindestens genauso wichtig - aber ebenfalls.

Jazzwa am Linzfest


Jazzwa im Landestheater


S.K. Invitational kannte man schon eher und hätte man vielleicht eher in der FM4-Ecke erwartet. Als ob eine 16-köpfige Band noch nicht stark genug aufgestellt wäre, haben sie sich auch noch Flip von Texta ausgeliehen und den Londoner Rapper Ty (mit dem sie auch den kleinen Hit "Ground" eingespielt haben) als Verstärkung geholt. Dazu die mit einer exzellenter Stimme gesegnete R´n´B-Sängerin Lylit und die Tänzerin Silke Grabinger. Das Ergebnis: mehr als eineinhalb Stunden beste Big-Band-Hip-Hop-Unterhaltung, bei der unterschiedliche Akteure und Aktricen verschiedene Akzente setzten und in der positiv-relaxten Linzer Hip-Hop-Atmosphäre glänzend aufgehoben waren. S.K. Invitational kann man übrigens dieses Jahr auch am Ottensheim Open Air erleben.






Schön war aber nicht nur die Musik. Erfreulich auch, dass man in Linz unbegleitet zu einer solchen Veranstaltung gehen kann und dennoch nette Leute trifft, mit den man sich das dann anschaut. Auch der Rückweg vom Fest hatte etwas, obgleich ich zwischenzeitlich in eine weibliche Polterabend-Gesellschaft geraten bin. Aber es hat mich in eine Gegend verschlagen, in der ich vor vielen Jahren häufig unterwegs war. Damals wohnten hier Freunde, die ich jetzt gar nicht mehr oft sehe. Bier und Nostalgie sind eine interessante Kombination. Was mich daran erinnert, dass ich jetzt bald fast die Hälfte meines Lebens in Linz verbracht habe. Aber dazu ein anderes Mal mehr.

Samstag, 21. Mai 2011

Ohren(ge)fälliges: Monatsmeister des Monats April 2011, Teil 2

Eight Legs - Cloak And Dagger
Stratford-upon-Avon, England
Gewonnene Ränge: +2

Was haben Spinnen mit britischen Indierock-Quartetten gemeinsam? Eh klar, acht Beine. Mit selbigen dürften die Mitglieder der Band mit dem schnörkellosen Namen (noch) recht fest am Boden stehen. Die vier kommen aus Stratford-upon-Avon in den Western Midlands und sind mittlerweile knapp jenseits der Zwanzig. In ihren mit ausgeprägtem Cockney-Akzent vorgetragenen Songs beschäftigten sie sich bislang hauptsächlich mit schwierigen Beziehungen, Partys und deren unerfreulichen Nachwirkungen, sowie generell der Suche nach etwas Zerstreuung im Provinzjugendleben. Das Video des hier präsentierten "Cloak and Dagger" zeigt, dass sie auch von trashiger Comic- und Horror-Kultur beeinflußt sind und erscheint wie ein ungehemmter Ausbruch adoleszenter Fantasien.

Wem das jetzt nicht sonderlich spannend erscheint, der möge vielleicht dennoch kurz "Cloak And Dagger" ein Ohr leihen. Das ist sehr routiniert [sic] herunter deklinierter Rock, rau und kraftvoll auf den Punkt. Jener Sound, der die Jungs aus dem Shakespeare-Städtchen auf den Radar der großen Musik- und auch Modewelt (Soundtrack für die Dior-Winterkollektion 2006) gebracht hat. Verlegt werden sie übrigens auf dem nach einem Innsbrucker Klub benannten Londoner "Weekender UK"- Label, dem etwa auch die famosen Indelicates angehören.

Eight Legs - Cloak And Dagger (Video auf Vimeo, nicht ganz jugendfrei)

Donnerstag, 19. Mai 2011

Der faire Planet

Was man unter einem fairen Planeten versteht, kann unterschiedlich sein. Eine Bandbreite von Ansätzen kann man am diesen Samstag am Fair Planet-Fest erleben. Amnesty ist auch dabei.

Ein Abstecher vom Linzfest lohnt sich vielleicht.

Mittwoch, 18. Mai 2011

In Concert # 25: Attwenger, 13.5.2011, Posthof, Linz

Die Attwenger-Buam sind ja auch nicht mehr die Jüngsten. Seit gut zwanzig Jahren sind sie auf den Brettern der Musikwelt umtriebig. H.P. Falkner kokettiert damit, wenn er eingangs des Präsentationskonzertes für das neue Album "Flux" letzten Freitag vermerkt, dass er den im Posthof nebenan und zeitgleich auftretenden Johnny Winter aus seinen jungen Jahren kennt und schätzt. Nur, um dann hinzuzufügen, er hätte Verständnis, wenn wir, also das Publikum, in den anderen Saal wechseln würden. Aus all dem meint man fast ein wenig den Unglauben herauszuhören. Den Unglauben, dass man nach all den Jahren immer noch dasteht mit Quetschn und Schlagwerk, mit dieser von der Intention her so gegen den Strich gebürsteten Attwenger-Musik, dieser Volksmusik auf Speed, und den Mittleren Saal des Posthof nahezu vollhat.

Wir sind natürlich nicht gegangen und das war gut so. Attwenger mögen sich in ihrem öffentlichen Auftreten zuweilen das Image von leicht verschrobenen Grantschermen geben, auf der Posthof-Bühne waren sie an diesem Abend in Bestlaune. Wenn nach all den Jahren, in denen Falkner und sein Kompagnon Binder Platten gemacht haben und auf jedem Rummel aufgetreten sind (no offense, man muss schließlich Familien ernähren) so etwas wie ein Gran Ermüdung da sein sollte, dann war an diesem Abend jedenfalls nicht das Allergeringste zu merken. Attwenger gaben Neuestes (auch live sehr hörenswert) und Altes zum Besten, spielten sich mit Elan und Akkuratesse durch ihr Werk, waren eine rhythmisch-rackernde Einheit. Und, wie gesagt: ziemlich gut drauf, was auch anwesenden Anverwandten und ehemaligen Schullehrern (O-Ton Falkner: "Es lag an mir!") zu Gute kam, die mit ausführlichen Wortmeldungen bedacht wurden.

Ganz zum Schluss haute man dann noch ein fulminantes "Kaklakariada" raus, dieses wahrscheinlich politischste, unfeigste Stück einer relevanten österreichischen Musikgruppe der letzten zehn Jahre, diese deftige Tirade gegen den rechtspopulistischen Zeitgeist. Attwenger, so scheint es, haben nicht vor, vor irgend etwas oder irgend jemand zu kapitulieren. Recht so. Weiter so. Eine famose Aufführung.


Markus Binder (Schlagzeug, links) + Hans-Peter Falkner (Akkordeon, rechts) = Attwenger

Montag, 16. Mai 2011

Ohren(ge)fälliges: Monatsmeister des Monats April 2011, Teil 1

Ursprünglich habe ich dieses Post bereits am letzten Donnerstag veröffentlicht, doch ein Blogger-Problem brachte es zum Verschwinden. Nähere Details im "Orkus" vom 14.5. samt Auflösung, wie es demselbigen wieder entrissen werden konnte (siehe "Kommentare"). Danke.


The Strange Death of Liberal England - Rising Sea
Portsmouth, England
Gewonnene Ränge: +2

Portsmouth hat eine enge Beziehung zum Meer. Es ist die einzige große Stadt Englands, die haupsächlich auf einer Insel liegt, der Portsea Island. Portsmouth liegt an der Mündung der Meerenge Solent in den Ärmelkanal und ist von bedeutenden Häfen umgeben. Es beherbergt die größte Marinebasis Europas. Die See spielt auch im Werk der aus Portsmouth stammenden Band The Strange Death of Liberal England eine zentrale Rolle. Immer wieder wird sie besungen, ja regelrecht beschworen. Dabei trifft es sich gut, dass die Urgewalt des Meeres natürlich auch eine hervorragene Grundlage für die Kristallisation von Metaphern bildet. So auch in dem hier vorgestellten "Rising Sea", bei dem es wohl eigentlich um das Scheitern einer Beziehung geht. Das Stück ist ein schönes Beispiel für die Kunst von TSDOLE: exzellente Arrangements, ein voller Sound, ergreifender Pathos...und immer wieder den großen Ozean im in die Ferne schweifenden Blick.

Die Musikpresse hält sich angesichts dieser Musik gar nicht erst mit subtilen Vergleichen auf, bezeichnet The Strange Death of Liberal England schon mal als die "britischen Arcade Fire" oder zieht Paralellen zu den jungen Pixies oder R.E.M. Aber auch Maximo Park kommen einem in den Sinn, wenn man die Mischung aus Folk, Rock, Pop und Pathos vernimmt. Ganz dort sind TSDOLE freilich noch nicht. Hoffen wir, dass sie nicht in dieser Welle hoher Erwartungen Schiffbruch erleiden.

Bleibt noch die Frage nach dem sonderbaren Bandnamen. Einerseits war "British Sea Power" schon vergeben. Und andererseits rührt er von einem politikwissenschaftlichen Werk aus dem Jahre 1934 eines gewissen George Dangerfield, das sich mit dem Niedergang der Liberalen Partei in den Jahren vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges beschäftigt. Die Lieblingsband von Nick Clegg werden sie mit dem Namen wahrscheinlich nie.



The Strange Death of Liberal England - Rising Sea (freier Download)

Samstag, 14. Mai 2011

Orkus

Jedem, der in den letzten Tagen öfter auf dieser Seite war, wird aufgefallen sein, dass Posts aufgetaucht und wieder verschwunden und dann (teilweise) wieder aufgetaucht sind.

Aufgrund von Wartungsarbeiten kam es bei blogger.com zu unerwarteten Probleme und der Status aller Blogs musste auf Mittwoch am Nachmittag zurück gesetzt werden. Alle Posts und Kommentare, die danach erschienen sind, wurden "vorübergehend" entfernt.

Mittlerweile ist das Post von Mittwochabend wieder da. Mein recht umfangreicher Beitrag zum "Monatsmeister des Monats April" ist leider nach wie vor verschollen. Ich kann nur hoffen, dass die Behauptung, das Internet vergesse nichts, hier wirklich stimmt. Ansonsten muss ich das ganze Ding wohl nochmals schreiben - keine schöne Aussicht.

Memo an mich selbst: endlich damit anfangen, Sicherheitskopien von Blog-Texten anzufertigen..

We apologize for any inconvenience.

Dienstag, 10. Mai 2011

Most Wanted, Most Likely Gone

Dass es eine "Most Wanted List" des FBI für die schlimmsten der bösen Buben gibt, das wusste ich natürlich. Aber dass es auch eine Liste der meist gesuchten Filme gibt, das war mir gänzlich neu. Überhaupt erstaunlich, das. Man wundert sich ja nicht, wenn es zB heißt, ein Kunstwerk von Michelangelo oder ein Skizzenbuch von Leonardo, von dessen Existenz man sicher ausgeht, sei im Laufe der Jahrhunderte abhanden gekommen. Oder ein einstmals hoch gelobtes Werk eines klassisch-griechischen Dramatikers oder Philosophen hätte die Stürme der Zeit nicht überstanden. Derartige Verschollenheiten haben die Fantasie ja schon oft beschäftigt, zB in "Der Name der Rose" von Umberto Eco.

Aber, dass es mittlerweile auch klassisch zu nennende Werke der Filmgeschichte gibt, nach denen gefahndet wird, das war mir nicht wirklich bewußt. Geschweige denn, dass das Zweitwerk eines gewissen Alfred Hitchcock darunter ist.

Es heißt "The Mountain Eagle" und wurde 1926 in Obergurgl aufgenommen. Hitchcock soll die örtlichen Feuerwehren zusammen getrommelt haben, um das gesamte Dorf per Wasserschwall vom Schnee zu befreien, damit er filmen konnte. Das British Film Institute hat diesen Streifen unlängst zum meist gesuchten Film des Welt erklärt. Auch wenn die Kritiken dazumals ziemlich mäßig waren, so ist sein filmhistorischer Wert sicherlich immens. (Vgl. zu all dem Tirol.orf.at)

Seitdem stelle ich mir vor, dass irgend ein altes Tiroler Bäuerlein seinen Wandschrank mit einer verschollenen Original-Filmrolle von Hitchcock stabilisiert. Aber, auch wenn diese Vorstellung sehr romantisch erscheinen mag, so ist das doch sehr unwahrscheinlich. Denn erstens wird man damals kaum vor Ort eine Kopie des Filmes gezogen haben. Und zweitens wurden Filme damals noch auf Zelluloid gedreht, einem Stoff, der sich nicht nur mit der Zeit selbst zersetzt, sondern auch leicht entzündlich und mit einer höheren Sprengkraft als Schwarzpulver ausgestattet ist.

Sonntag, 8. Mai 2011

Schreibprobe

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung bietet uns ein Tool, mit dessen Hilfe wir feststellen können, welchem berühmten Schriftsteller wir in der Schreibweise ähneln. Natürlich handelt es sich hier um eine harmlose Spielerei. Über die Qualität des eigenen Geschreibsel wird - zum Glück - keine Aussage getroffen.

Dieser Text könnte übrigens auch aus der Feder von Sigmund Freud stammen. Echt jetzt.

Sigmund Freud


Dank für diesen Tip und alles Liebe an meine Mutter.

Donnerstag, 5. Mai 2011

Istanbul

" εις την Πόλιν ", so nannten die griechischen Bewohner die Stadt umgangssprachlich, als sie offiziell noch "Konstantinopel" hieß. Ausgesprochen ist das is tan polin und bedeutet so viel wie "in die Stadt". In der türkischen Sprache wurde daraus "Istanbul". Die Genese des Stadtnamens ist eine Andeutung der wechselhaften Geschichte der türkischen Mega-City. Von den Altertümern im Archäologischen-Museum (zB der "Alexander-Sarkophag" aus der Nekropole von Sidon - Wahnsinn!) über die byzantinischen Denkmäler bis zu den prachtvollen osmanischen Moscheen zeigt sich Istanbul überreich an Geschichte. Erstaunt blickt man an die Ufer des Bosporus, wenn man an diesen mit dem Boot entlang fährt und sieht, wie sich Palast an Moschee, an alte Befestigungsanlagen reiht. Gleichzeitig ist diese bedeutendste Wirtschaftsmetropole ihres Landes aber auch jung, dynamisch, der Zukunft zugewandt. Es ist ein bisschen wie in Berlin: Man hat das Gefühl, dass diese Stadt schon sehr viel zu bieten hat, aber dennoch noch lange nicht am Zenit ist.

Im großen Bazaar.


Zu den BewohnerInnen Istanbuls zählt auch eine große Zahl von (idR gut genährten) Straßenkatzen und auch einige herrenlose Hunde. Ebenfalls tierisch: Im Bosporus unterhalb des Topkapi-Palastes konnten wir eine große Gruppe Delphine beobachten.


Sultanahmet Camii, die "Blaue Moschee".


In der Yerabatan Zisterne.


Ein Hauch von Italien: Das einst von Genuesen bewohnte Viertel um den Galata-Turm.

VIEL MEHR BILDER.

Mittwoch, 4. Mai 2011

Dienstag, 3. Mai 2011

Jubiläum

KM-Film feiert sechsten Bestand und stellt eine interessante Kurz-Doku for free ins Netz.



Gratulation und Dank an Max K.-M.

Sonntag, 1. Mai 2011

Aus dem Kochbuch meiner Ur-Urgroßmutter # 5

Was man nicht alles mit Muränen machen kann..



Das war die vorerst letzte Folge dieser Rubrik. Mahlzeit!