Mittwoch, 29. Juni 2011

Verunglückte Namen # 19


Man muss aber jetzt fairer Weise dazu sagen, dass das Hotel in San Marco, Venedig steht. Ist also nur für uns Deutschsprachige komisch.

Ich bin zurück aus dem Veneto und muss jetzt erst einmal die über dreihundert Bilder sichten, die ich dort gemacht habe. Dann mehr davon, vielleicht auch ein Venedig-Alphabet, wir werden ja sehen.

Dienstag, 28. Juni 2011

Road Tunes # 11

Meine musikalische Entwicklung abseits der klassischen Musik hat sich nur sehr langsam vollzogen. Als Teenager kam ich Schritt für Schritt über die Countrymusik und den Italo-Pop [sic!] in die große, weite Welt der populären Musik.

So kam es, dass etwa zur Mitte der Neunziger Jahre noch eine Scheibe namens "La Cose da Salvare" eines italienischen Song Contest- und San Remo-Teilnehmers namens Luca Barbarossa meine meistgehörte Platte war.

Sehr, sehr sonderbar.

Samstag, 25. Juni 2011

Road Tunes # 8

Mike Patton hat sich zwar von seiner italienischen Frau getrennt, aber seine Vorliebe für Italiens Liedgut hat er behalten.

Freitag, 24. Juni 2011

Road Tunes # 7

Ach Berlusconi, verarrividerci dich endlich..Und, nimm deine gekauften Senatoren mit.

Ein Liedchen zum Abschied.




Die per Eigendefinition anti-faschistische und anti-rassistische Band Talco ist Italiens Ska-Aushängeschild und kommt aus Marghera, dem Industriehafen von Venedig.

Donnerstag, 23. Juni 2011

Avanti!

Ach, Italien. In dir gibt es so viele Wahnsinnigkeiten, Hohlheiten und Widersprüchlichkeiten. Man braucht nur einen Blick auf die Schmierenkomödie deiner Politik werfen.

Aber, alles in allem schaffst du es immer irgendwie gut auszuschauen. Der Intellekt muss ein ums andere Mal kapitulieren, vor deiner bella figura. Du bist die Karosse, die vielleicht keinen Elchtest mehr besteht, aber dein Design ist immer noch ziemlich unübertroffen. Das geb ich mir jetzt wieder einmal.

Mille Grazie an alle, die Katzen und Wohnung hüten.

Für den/die BlogkonsumentIn ist gesorgt, vorausgesetzt, sie/er hat nichts gegen ein wenig Musikalisches à la Italiana einzuwenden.

In einer Woche ist wieder Normalbetrieb.

Mittwoch, 22. Juni 2011

Im Kino # 4: Yasemin Samdereli - Almanya, Willkommen in Deutschland

D 2011

Komödien, die vom Aufeinandertreffen unterschiedlicher Kulturen berichten, sind eine heikle Angelegenheit. Humor bedarf in der Regel des Stilmittels der Übertreibung, aber wenn Klischees allzu sehr bedient werden, droht die Verunglimpfung (siehe die amerikanische Unterhaltungsindustrie, mit ihren nach den Moden des politisch Korrekten - und Einflussreichen, wechselnden Opfergruppen). Andererseits darf es auch nicht so enden, dass eine kitschig-rosarote Blümchen-Multikultiwelt geschaffen wird, bei der sich kulturelle Unterschiede auf amüsante Oberflächlichkeiten reduzieren. Denn das nimmt dann zu Recht keiner ernst.

"Almanya - Willkommen in Deutschland" zeigt, wie es gehen kann. Die Deutsch-Türkin Yasemin Samdereli präsentiert uns die mit jeder Menge Humor erzählte Biographie einer anatolischen Einwandererfamilie mit all ihren Brüchen, Wandlungen und generations- und kulturbedingten Mutationen. Wie erleben den Kulturschock der Begegnung zwischen Anatolien und Deutschland- aus der Perspektive der türkischen Migranten. Yasemin Samdereli, die gemeinsam mit ihrer Schwester Nesrin auch das Drehbuch verfasst hat, arbeitet gekonnt mit den Mitteln des Perspektivwechsels. Die türkischen Neuankömmlinge sprechen Deutsch, die Deutschen einen fremdartigen Kauderwelsch, der wie Deutsch klingt, wenn man es nicht versteht.

Der Schock des Unbekannten weicht langsam, mit der Zeit. Die Protagonisten beginnen sich einzuleben, auch wenn sie ihre Herkunft natürlich nie ganz verleugnen können und wollen. Am Ende der Geschichte (und am Anfang der Filmes) steht die Verleihung der deutschen Staatsbürgerschaft an die erste Generation. Es ist eine Familie des türkischen Mittelstandes, die durch Fleiß zu relativem Wohlstand gelangt ist, die wir beobachten. Der Film zeigt keine am Rande der Gesellschaften lebenden türkischen Problemjugendlichen, keine finsteren Islamprediger oder schwer wiegende Konflikte mit Vertretern der "anderen" Kultur. Das sind allerdings keine unzulässigen, beschönigenden Auslassungen, sondern ist ein völlig legitimer Blick auf eine real existierende türkische Mittelschichts-Realität abseits simplifizierender Klischees

Problematische Aspekte der Herkunftskultur bleiben freilich nicht ausgespart. Patriarchale Verhaltensmuster, strenge Erziehungsmethoden oder die Korruption in der Türkei sind Themen, die unter anderem angeschnitten werden. Aber "Almanya" ist nicht in erster Linie ein gesellschaftskritischer Problemfilm. Es geht um in warmherziger Weise gezeichnete Menschen und ihre Nöte, Freuden sowie ihre Selbstbehauptung am Schnittpunkt zweier Kulturen. Yasemin Samdereli bewerkstelligt dies, indem sie sich ihren Charakteren zuwendet und einen befreienden, humanistischen Humor zur Geltung bringt. "Almanya - Willkommen in Deutschland" ist - nicht zuletzt - ein überaus komischer Film.

Meine Bewertung: 3.5 aus 5 Sternen


Dienstag, 21. Juni 2011

Schreibfähig

Unsere älteste Katze kann auch schnurren, ohne dabei Geräusche zu machen..

Montag, 20. Juni 2011

Nicht zu beneiden

Jobs, die ich derzeit nicht haben möchte:

Griechischer Regierungschef (bedarf keiner näheren Erklärung)

Finnischer Regierungschef (deshalb)

Sonntag, 19. Juni 2011

Ohren(ge)fälliges: Monatsmeister des Monats Mai 2011

The Strange Death Of Liberal England - Rising Sea
Portsmouth, England
Gewonnene Ränge: + 10



These New Puritans - We Want War
Southend-on-Sea, England
Gewonnene Ränge: +3

Ein Surren hebt an, einem nervösen Insektenschwarm gleich. Noch im selben Atemzug setzen Trommelschläge ein, die nahendes Unheil zu künden scheinen, gefolgt von einem unheimlichen Brummen. Schließlich eine kehlige Stimme: "We want war". Willkommen in der merkwürdigen Welt von These New Puritans. Wir erfahren von labyrinthischen Laubhaufen in alten Wäldern, von geheimen Aufnahmen, die in Mooren gemacht wurden und es wird uns unverblümt mitgeteilt, dass sich uns die Geheimnisse der Dinge nie wirklich offenbaren werden.

These New Puritans schaffen es, auf durchaus spannungsvolle Art bedeutungsvoll zu klingen. Fundament ihrer Musik ist eine düstere Grundstimmung, das Gerüst wird mittels klar hervortretender Beats aufgebaut, die sich gekonnt zwischen archaischem Trommeln und ausgefeilter moderner Rhythmik, die aus dem Hause Timbaland stammen könnte, bewegen. Dazu wird mit allerhand Instrumentarien und Klangeffekten experimentiert, die, gemeinsam mit den verrätselten Texten, die gewünschte Grundstimmung befördern sollen. Das Kalkül geht auf, man lauscht interessiert, zumindest für eine Weile.

Die großen neuen Heroen des Art Rock sind These New Puritans aber sicherlich nicht, auch wenn Teile der Indie Rock-Presse (vor allem die selbst ernannte Trendsetter-Bibel NME) dies gerne herbei schreiben würden. Dafür wirkt die Aura des Geheimnisvollen und Hintergründigen dann doch etwas zu aufgesetzt, erscheinen die dargebrachten Rätsel auf Dauer doch zu durchsichtig.





These New Puritans - Diverse freie Downloads über Tonspion

Hier kann man sich selbst ein wenig als Orchestermeister bei These New Puritans versuchen.

Donnerstag, 16. Juni 2011

Gehackt

Offensichtlich strebt Sarah nach höheren Weihen. Anstatt ihre Werke auf meinem Blog zu veröffentlichen, tut sie es nun bei IKEA Hackers.

ABER: Mein Musikalien-Regal, und was ist groß im Bild (Nr. 3)? Sarahs "Aqua"-CD. Hat das sein müssen?

Der große Facebook-Showdown # 3


The Beatles: 18.995.388

The Rolling Stones: 6.645.576 (- 12.349.812)



Das hätten wir damit ein für alle Mal geklärt..



Montag, 13. Juni 2011

Ebenbürtig

Liebe Standard-Redaktion!

Bitte versteht mich nicht falsch, ihr macht zweifellos die beste Zeitung in meinem Land. Freilich könnte man jetzt einwenden, dass die Konkurrenz nicht gerade berauschend ist. Aber dafür könnt ihr nichts.

Ich habe euer Werk auch abonniert.

Nehmt es mir daher nicht übel, wenn ihr hier jetzt schon zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage mit einer redaktionellen Fehlleistung vertreten seid. Ich vermute einmal, ich würde in anderen Printmedien ähnlich oft fündig, wenn ich sie nur so regelmäßig lesen würde. Nehmt das also als Kompliment.

Der Titel des Artikels lautete "Schimpanse sind klüger als vierjährige Menschen", er wurde offensichtlich kurz vor Redaktionsschluss abgegeben und konnte für die Morgenausgabe nicht mehr Korrektur gelesen werden.

Und weiter unten..




Möglicherweise seid ihr aber einfach auch aus der Fassung geraten, weil unsere Stellung als Krone (pardon..) der Schöpfung derart in Frage gestellt wird. Da kann es schon einmal zu Verwechslungen kommen.

Sonntag, 12. Juni 2011

Iran

Ahmadinedschad macht derzeit schwere Zeiten durch. Der Arme. Mit dem Parlament hat er sich überworfen, von ganz oben wurde er auch wieder einmal gerüffelt. Bei den nächsten Parlamentswahlen droht ihm der Boden unter den Füßen weggezogen zu werden. Enge Mitarbeiter werden der Hexerei bezichtigt. Mit geifernder Rhetorik kann man der Islamischen Republik vielleicht eine Zeitlang als nützlicher Popanz dienen, aber irgendwann wird man ein Opfer der eigenen populistischen Versprechungen.

Das politische System des Iran und seine Elite sind komplex. Es wäre falsch zu glauben, dass durch den offensichtlichen Niedergang des westlichen Buhmanns im Iran automatisch eine neue Zeit anbricht.

Aber auch der Tag wird kommen.


Samstag, 11. Juni 2011

Wer zuletzt lacht..

Ah, die Welt des Fußballs und Youtube...Ein glückliches Zusammentreffen.



Dank an Markus.

Freitag, 10. Juni 2011

Krisenmanagement

Wie man es macht, man macht es falsch.

Liefert man den Medien zu wenig Informationen, wird man dafür geprügelt (Fukushima).

Liefert man den Medien zu viele Informationen, auch (EHEC).

Krisenmanagement ist schwierig. Man befindet sich per definitionem in einer Ausnahmesituation, die man vorher nicht wirklich proben kann. Ich möchte den Job nicht haben.

Donnerstag, 9. Juni 2011

Das erste Gebot

Während die "Krone" mit aktueller Schlagzeile endgültig in vor-aufklärerische Zeiten regressiert, wenden wir uns lieber dem "Standard" von gestern zu.




Geheimprotestanten in der Standard-Redaktion mit subtiler Kritik an Heiligen- und Ikonenverehrung?

Mittwoch, 8. Juni 2011

Zum Euro-Dezennium

Der Euro wird zehn Jahre alt. Das ist vielleicht derzeit nicht für jeden ein Grund zum Jubeln und Konfetti werfen, die Europäische Union plant aber selbstverständlich, dies standesgemäß zu begehen.

So geht anlässlich des Euro-Dezenniums im Jänner 2012 eine einheitliche 2 Euro-Jubiläumsmünze in Umlauf (Auflage: ca. 90 Millionen Stück). Die EU-Kommission veranstaltet dazu eine Online-Wahl, bei der jeder Einwohner eines Mitgliedstaates des Euro-Raumes das Design dieser Münze mit bestimmen kann.

Im Vorfeld konnten auch Design-Vorschläge eingereicht werden. Die Frist dafür ist leider am 20. Mai abgelaufen. Die Kommission wird daher meine Vorschläge (grafische Umsetzung: Sarah) leider nicht mehr zu Gesicht bekommen.

Ja, die sind böse. Aber ich konnte einfach nicht widerstehen. Mich würde interessieren, wie viele andere, dezent zynische und/oder unernste Vorschläge fristgerecht eingereicht worden sind. Wir werden es vermutlich nie erfahren.









Quellen der verwendeten Bildvorlagen von Wikmedia Commons:
Geier von Nehrams2020, Creative Commons Attribution ShareAlike
Graphe, GNU-Lizenz für Freie Dokumentation



Dienstag, 7. Juni 2011

Am Flughafenpranger

Die International Air Transport Association (IATA), der Dachverband der Fluggesellschaften, macht sich laut eigenem Bekunden Sorgen um die Menschenwürde. Dem ehrlichen, anständigen Businessreisenden sei es nicht zuzumuten, dass er vor Besteigen des Fliegers von Sicherheitspersonal angefasst wird, seine Dolce & Gabbana-Schuhe ausziehen oder sein Notebook herzeigen muss. Auch die Warteschlangen müssen ihm natürlich erspart werden.

Der Weg, um diese furchtbaren Menschenrechtsverletzungen aus der Welt zu schaffen, wurde laut Medienberichten eben auf der Jahrestagung der IATA vorgestellt und mit heftigen Beifallsbekundungen akklamiert. In Zukunft soll es in der Sicherheitszone der Flughäfen drei Röhren geben: eine für die Vielflieger, die ihre Passdaten sowie biometrischen Daten in einer Datenbank hinterlegt haben, eine für "normale" Reisen und - jetzt kommts - eine für "Risikopassagiere". Je nachdem, welcher Gruppe man zugeordnet wird, fallen die Scans mehr oder weniger intensiv aus.

Wer also in Zukunft vom Flughafenpersonal als "gefährlich" eingestuft wird, der darf sich gleich coram publico in die passende Röhre begeben. Damit auch gleich sämtliche Mitreisenden gewarnt sind, mit wem sie es hier möglicherweise zu tun haben. Menschenwürde?

Die Verletzung der Menschenwürde, die mit diesem Flughafen-Kastenwesen angedacht ist, geht weit über jede Beeinträchtigung hinaus, die durch herkömmliche Sicherheitskontrollen gegeben sein kann. Es muss einem auch bewusst sein, dass sie überall auf der Welt zur Anwendung kommen sollen - in halbwegs sauberen Rechtsstaaten ebenso wie in Systemen, die jede abweichende politische Meinung oder sonstige Orientierung als Straftat, jedwede besondere religiöse oder ethnische Zugehörigkeit als Indiz für "Gefährlichkeit" werten.

Die vorgestellte Maßnahme ist darüber hinaus auch nicht geeignet, die Sicherheit im Flugverkehr zu erhöhen. Ganz im Gegenteil.

Wer ernsthaft glaubt, Menschen aufgrund ihrer Biographie von vornherein als "gefährlich" und "weniger gefährlich" kategorisieren zu können, begeht nicht nur einen gewaltigen Denkfehler, er spielt in Wahrheit clever-manipulierenden Terroristen in die Hände.


Montag, 6. Juni 2011

Der große Facebook-Showdown # 2



Wir bleiben noch ein wenig im Star Trek-Universum.


Captain James Tiberius Kirk: 14.018

Captain Jean-Luc Picard: 4.148 (-9.960)

Captain Benjamin Sisko: 915 (-13.103)

Captain Kathryn Janeway: 417 (-13.601)

Captain Jonathan Archer: 632 (-13.386)


Es wird nur das Profil mit den meisten SympathisantInnen heran gezogen (Gefahr von Mehrfachgefallungen kann nicht eliminiert werden - außerdem bin ich zu faul, alles zusammen zu rechnen.)



Sonntag, 5. Juni 2011

Vandalen

Das sind alles keine Menschen mehr. Das sind alles Vandalen.

Kreisky

video
Tonschnitt und Nachspann: Sarah
Musik: José Travieso (http://www.jamendo.com/de/track/306128 , Creative Commons)

Freitag, 3. Juni 2011

Doppelpass am Schuldenberg

Der Staub des Champions League-Finales vom vergangenen Samstag hat sich gesetzt, die freudigen "Ohs" und "Ahs" der Sportjournalisten sind verklungen. Fürwahr, der FC Barcelona hat großartigen Fußball gespielt. In dieser Mannschaft stehen nicht nur einige der besten Fußballer der Welt, sie wurden auch in einem perfekt funktionierenden System eingewoben. Das Selbstvertrauen, das die traditionsreichen blau-roten Dressen verleihen, mag zusätzlich eine gewisse Rolle spielen. Und, der FC Barcelona verfügt über eine exzellente Jugendarbeit und hat in der Vergangenheit in dieser einige sehr gute Entscheidungen getroffen. Als zB der kleine Messi noch kein Über-Spieler, sondern "nur" ein riesiges Talent mit Wachstumsstörungen war, hat man ihn aufgenommen und in ihn investiert.

Keine Wolke trübt also die strahlende Überlegenheit des FC Barcelona? Nunja, ganz so ist es nicht. Der Verein hat fast eine halbe Milliarde Euro Schulden. Damit unterscheidet er sich nicht wesentlich von vielen anderen Großklubs in Europa. Und die Schuldenberge wachsen. 2009 wiesen Europas Fußballvereine einen Gesamtverlust von 1,2 Milliarden Euro aus.

Man könnte jetzt einwenden, dass die Schuldenanhäufung keine Rolle spielt, solange der FC Barcelona solvent ist und die Gläubiger geduldig sind, weil man doch einen FC Barcelona sowieso nicht wird sterben lassen. Außerdem sei es grundsätzlich auch einem Wirtschaftsunternehmen nicht verboten, Außenstände zu haben, so lange die Raten pünktlich bezahlt werden.

Dabei werden aber ein paar wesentliche Aspekte übersehen. Erstens ist sportlicher Erfolg und sind die damit verbundenen Einnahmen naturgemäß schwer vorhersagbar. Unglückliche Schiedsrichterentscheidungen, Konflikte in der Mannschaft, eine Verletzungswelle können auch einen Meisterschaftsfavoriten um die Europacupteilnahme bringen, die in den Bilanzen schon fix eingeplant ist. Auch das globale Wachstum des großen Fußballgeschäfts muss nicht zwangsläufig so weiter gehen. Hinzu kommt, dass in den letzten zehn Jahren viele Gönner und Mäzene auf der internationalen Fußballbühne aufgetaucht sind, die massenweise privates Geld in "ihre" Klubs stecken. Das treibt die Spielergehälter und Transfersummen weiter in die Höhe.

Aber auch, wenn man davon ausgehen sollte, dass das zumindest dem FC Barcelona, der inoffiziellen Nationalmannschaft Kataloniens, nie wirklich gefährlich werden kann, so gibt es noch einen weiteren, wichtigen Aspekt: Vereine, die viel mehr ausgeben (können) als sie einnehmen, verschaffen sich in laufenden Bewerben einen klaren Wettbewerbsvorteil. Das ist schlicht unfair. Ein Sport, der sich dem Fair Play verschreiben will, kann das auf Dauer nicht tolerieren. Es verhält sich ähnlich wie beim Doping: Auch hier sind einerseits die unabwägbaren Risken für denjenigen zu bedenken, der mit allen Mitteln danach trachtet, sich Vorteile zu verschaffen. Andererseits dürfen Wettbewerbsverzerrungen nicht übersehen werden, die durch solche Praktiken entstehen. Es kann nicht sein, dass auf Dauer jene die Siege und Pokale gepachtet haben, die eine ungesunde Entwicklung voran treiben.

Das neue UEFA-Lizenzierungsverfahren, dass 2012/2013 in Kraft tritt, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Wichtig ist aber, dass die Regeln auch streng und konsequent angewendet werden. Und dass es auf Dauer auch keinen Sonderschutz für Traditionsvereine gibt.

Donnerstag, 2. Juni 2011

FIFAntastisch



Genau, Sepp!

Ihr braucht keine externe, unabhängige Agentur, die euer finanzielles Wohlverhalten prüft. Ihr kriegt das auch selber hin. Das habt ihr ja in den letzten Jahren eindrucksvoll bewiesen. Keine Skandale. Keine Korruptionsvorwürfe ehemaliger Spitzenfunktionäre. Keine Schlammschlachten gegenwärtiger Spitzenfunktionäre mit einander. Keine bösen Gerüchte über die unsaubere Vergabe milliardenschwere Großereignisse.

Könnte ja jeder kommen. Staatsanwaltschaften zum Beispiel. Zum Glück ist die Schweiz so ein liberales, Gerechtigkeit liebendes Land! Oder Regierungen. Letztere erdreisten sich ja manchmal, in die Belange mutmaßlich unsaubere Verbandsbosse hinein zu intervenieren. Dann kommt die FIFA rasch in die Gänge und kassiert die Spielberechtigung der Nationalmannschaften. Damit sich die Regierungen das merken. Die FIFA ist eben etwas Besonderes. Eine Welt-Gemeinschaft wie die Katholische Kirche. Ein Facebook des Fußballs, bei dem selbstverständlich jeder mit jedem befreundet ist, solange es nicht um den selben Posten geht und die Geheimdossiers ausgepackt werden.

Zu verlangen, dass sich die FIFA personell erneuert, wäre wirklich eine Unverfrorenheit. All die Erfolge, die Milliarden die in eure Kassen geflossen sind, in euren bescheidenen Verein nach Schweizer Recht. Es mag in Konzernen üblich sein, in Regierungen und Behörden, in internationalen Institutionen und NGOs, dass man einer solchen Vertrauenskrise mit neuen Leuten begegnet. Ihr bleibt so wie ihr seid und das ist gut so. Schließlich seid ihr eine "Familie" (O-Ton Blatter), die Angelegenheiten intern regelt.

Nur schade, dass ihr dabei nach außen so ein trauriges Bild abgebt. Daran muss noch gearbeitet werden, an eurem "Außendarstellungsproblem", um einen Lieblingsausdruck von ÖVP-Politikern aufzugreifen.

Aber genug von diesen unerfreulichen Aspekten. Ich ende hier, schließlich klagt ihr gerne und ich will keinesfalls, dass diese meine Lobeshymne falsch verstanden wird.

Denn, seien wir uns ehrlich, ist nicht alles, was zählt, der Fußball selbst? Ist er nicht wunderschön? Und so fair - vielleicht der fairste Sport der Welt, wollen wir drauf wetten? Ganz ohne unnötigen technischen Schnickschnack kommt er aus, so erdverbunden und ehrlich. Und zugleich so ästhetisch. Was haben wir nicht aufgejauchzt, als uns der FC Barcelona letzten Samstag mit diesem "triangulären Muster in geradezu kristalliner Regelmäßigkeit" (Netzwerkanalyse des Standard) in Verzückung versetzt hat. Denkt doch keiner mehr an den schnöden Mammon, wenn er Barca sieht und spürt! Oder?