Montag, 8. August 2011

John Cleese

Genug geschwiegen. Seit Monaten denke ich mir: "Ein Spot noch und dann rede ich". Jetzt hab ich endlich genug gesehen.

Ich muss ja sagen, John Cleese ist definitiv so eine Art Held meiner Jugend. Humor ist schließlich ganz wichtig, um durch eine Jugend zu kommen, egal durch welche. Und, eigentlich habe ich Cleese stets für nicht mehr und nicht weniger als den witzigsten Menschen des Planeten gehalten. Egal, ob es seine denkwürdigen Auftritte im Kreise der "Monty Pythons" waren oder die Zwerchfell vernichtenden, humoristischen Stunts im "Fawlty Towers"-Hotel. Er machte den "Fisch namens Wanda" trotz habituell unlustiger amerikanischer Nebendarsteller (Kevin Kline, brrr...) zu einem Gewinn und erfreute uns in "Clockwise"in seiner Paraderolle: des perfektionistisch an der eigenen überkorrekten Pose hängenden Briten, der durch ein bösmeinend-anarchisches Geschick gebeutelt wird (siehe auch Basil Fawlty).

Auch außerhalb des Scheinwerferlichtes präsentierte sich John Cleese eigentlich immer als ziemlich charakterfest. So tat er, was jede wirklich anständige britische Berühmtheit tut, er lehnte den "Commander of the Britisch Empire" ab und verwehrte sich bislang entschieden gegen jeglichen Ritterschlag oder Adelstitel ("das würde ja bedeuten, dass ich auch im Winter in England sein müsste"). Auch setzte er sich Zeit seines Lebens für Amnesty International ein und war maßgeblich an den ersten großen Benefizveranstaltungen für Amnesty beteiligt ("The Secret Policeman´s Balls").

Und jetzt macht er Fernsehwerbung für ein großes Wettunternehmen. Es mag ja sein, dass die Briten schon immer gewettet haben und es als Bestandteil ihrer Kultur betrachten. Und, natürlich gibt es viele erwachsene Menschen, die ihr Spielverhalten voll und ganz im Griff haben und damit verantwortungsvoll umgehen können. Trotzdem halte ich das legale Glücksspiel für ein Übel, mag es auch unvermeidlich und notwendig sein. Keine Frage: die Menschen werden wohl immer Mittel und Wege finden, Geld zu setzen und darum zu spielen. Ein totales Verbot hätte deshalb wohl mehr unerwünschte Folgen als einem lieb sein kann.

Aber, das heißt noch lange nicht, dass man das Glücksspiel und die Geldwette propagieren soll. Schon gar nicht das Geschäft des Online-Glückspiels und der Online-Wetten. Hier ist das soziale Korrektiv, das Menschen davon abhalten kann, sich in eine Abhängigkeit zu begeben womöglich noch geringer als beim Gang ins Wettlokal und vor allem ist - allen Beteuerungen der Anbieter zum Trotz - ein echter Jugendschutz nie wirklich gewährleistet. Ich finde es daher gar nicht witzig, wenn eine Respektsperson wie Mr. Cleese ein solches Produkt bewirbt. Wette und Glücksspiel gehören genauso wenig öffentlich beworben wie Tabak und Waffen.

Was diese Spots mir persönlich aber noch zusätzlich vergällt: die Macher unternehmen sogar den Versuch, den komödiantischen Stil der Monty Pythons zu übernehmen und zitieren diese, was bis zu den Terry Gilliam-artigen Animationen am Schluss des bislang letzten Werbespots geht. Das geschieht freilich auf eine sehr plumpe Weise. Und ist im Übrigen überhaupt nicht lustig.

Zumindest dagegen hätte sich John Cleese eigentlich verwehren müssen.





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