Dienstag, 31. Januar 2012

Hochmut

Vor einem guten Jahr begann sich die Welt Nordafrikas und des Nahen Ostens radikal zu verändern. "Arabischer Frühling" nannten das die Medien.

Heute bahnen sich Entwicklungen ihren Weg, vor denen sich schon damals viele präventiv gefürchtet haben. In Tunesien und Ägypten hat der politische Islamismus, der jahrelang von den kleptokratischen Regimen nieder gehalten wurde, die Gunst der Stunde genützt und die ersten freien Parlamentswahlen für sich entschieden. In Ägypten erscheinen die 2011 so argwöhnisch beäugten, streng religiös orientierten Muslimbrüder und ihre Verbündeten (45,7%) nun fast wie ein moderates Bollwerk gegen die radikal-islamischen Salafisten der Al-Nour-Partei (27,8%), die das Land in eine Theokratie nach saudischem Vorbild führen wollen.

Auch das Libyen nach Ghadafis Sturz offenbart zunächst wenig Erfreuliches. Bewaffnete Milizen machen Sorgen, Anhänger des getöteten Diktators erobern Ortschaften zurück. Die ölreiche Nation ist von politischer Stabilität - so scheint es - weit entfernt. Die alten Eliten des Jemen haben sich zwar Salehs entledigt, machen aber sonst munter weiter, während im Süden des bettelarmen Landes dschihadistische Milizen auf dem Vormarsch sind. In Syrien wiederum tobt weiterhin ein blutiger innerer Konflikt und im benachbarten Iran sind die konservativen Vertreter des theokratischen Systems mit inneren Grabenkämpfen beschäftigt, was auch nicht gerade auf eine Stärke der gemäßigteren Opposition verweist.

Irgendwie macht uns das Angst. Ja, man könnte den Eindruck haben, dass das ein steiniger Weg wird, auf dem Weg zu Werten, die wir in Europa als absolut definieren, zu Rechten, die wir als unveräußerlich ansehen würden. Demokratie ist das eine, eine stabile Demokratie das andere. Menschenrechte, insbesondere Frauenrechte und die Rechte von Minderheiten stehen auf einem ganz anderen Blatt. Sind die arabischen Gesellschaften wirklich reif für eine "moderne" Demokratie, die die Menschenrechte achtet, einen säkularen Rechtsstaat? Vieles an diesen Gesellschaften macht uns aus unserer kulturellen Perspektive skeptisch: die Missachtung religiöser Minoritäten, familiäre Interessen, die über Gemeinwohl gestellt werden, die oftmals sehr patriarchal geprägten Strukturen, Religionsgelehrte, die von einer Trennung der geistlichen und weltlichen Sphäre nichts wissen wollen, eine sonderbare Verklärung der eigenen Geschichte, antisemitische Verschwörungstheorien, die weit verbreitet sind, archaisch anmutenden Nationalismen.

Aber, halt. Wie lange können wir uns eigentlich schon rühmen, diese Übel hinter uns gelassen zu haben? Wie  lange leben wir schon in jenem Konzept von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie, das wir solch kritischen Verdikten über andere Kulturkreise zu Grunde zu legen pflegen? 67 Jahre könnte man sagen, aber da sprechen wir nur von Teilen Europas. Vor 67 Jahren und vier Tagen gab es Auschwitz noch. Der Massenmörder Nationalsozialismus war aber nicht das letzte Unrechtsregime in Europa. Noch bis in die 70er Jahre führten in Ländern unseres Kontinents faschistische Diktatoren ein eisernes Regime, noch bis Anfang der 90er diktierte das selbst ernannte Proletariat. Selbst Frankreich, die postulierte Hüterin der Bürgerrechte, verübte noch in den 60er Jahren Gräueltaten an anti-kolonialistischen AlgerierInnen.

Auch wenn wir ein paar Jahrzehnte weiter zurück blicken, finden wir Zustände und Haltungen, die erstaunlich an das erinnern, was wir heute an islamischen Gesellschaften beunruhigend finden. Die Äußerungen von christlich-sozialen Politikern um 1900 - unterscheiden sie sich so sehr von den Positionen heutiger reaktionärer Muslime, wenn es etwa um Frauenrechte, das Judentum, religiös Andersgläubige oder die Trennung von Religion und Staat geht?

Hochmut verbietet sich. Unsere heutige Verfasstheit ist historisch gesehen sehr jung. 60 Jahre, das ist gar nichts. Nur weil wir am Weg zu bestimmten Werten eine erdgeschichtliche Millisekunde voran gegangen sind, ist unser Kultur noch lange nicht überlegen oder heilsbringend. Unsere eigene geschichtliche Entwicklung ist voll von schweren Exzessen gegen die Menschenwürde und gespickt mit Kriegen, für die allzu oft auch der Rest der Welt büßen musste. Abgehobenheit ist unangebracht. Und gefährlich.

Auch tut Differenziertheit not. Islamismus ist nicht gleich Islamismus, sondern eine ideengeschichtliches Phänomen mit unzähligen Seitensträngen und Unterteilungen. Natürlich gibt es ihn, den theokratisch orientierten, Andersdenkende verfolgenden, den militanten und gewaltbereiten Islamismus. Auf ihn gilt es zweifellos ein wachsames Auge zu haben. Aber es gibt auch so etwas wie einen muslimischen Konservativismus, den man oft, in Ermangelung von anderen Termini und in Abgrenzung zu den  Nationalisten und Sozialisten, ebenfalls als Islamismus bezeichnet hat. Die türkische AKP steht für diese Schiene. So sehr man über den immer wieder kruden Populismus eines Erdogan die Nase rümpfen kann, eine echte islamistische Bedrohung sieht in ihm derzeit kein nüchtern denkender Mensch. Und in Punkto Grundrechte machen diese "Islamisten" ihre Sache nicht schlechter als ihre - allerdings diesbezüglich auch auf niedrigem Niveau agierenden -  kemalistischen Vorgänger. Eher sogar besser. Vieles von dem, was sie vertreten, können, müssen wir kritisch sehen. Aber sie könnten zum Ausgangspunkt für die Entwicklung eines moderat-muslimischen Lagers werden, ohne das es in jenen Ländern realistischer Weise keine ausbalancierte Demokratie geben wird.

Anstatt nur über andere den Kopf zu schütteln, sollten wir freilich auch uns selbst anschauen. Und uns fragen, was wir selbst für "unsere" Ideale tun? Wir geloben den Kampf gegen "Terroristen" und all jene, die unsere Grundwerte bekämpfen wollen - und gießen seitenweise schwammige Polizeibefugnisse in unsere Kodizes. Wir betonen die Erhaltungswürdigkeit unserer Leitkulturen - und treten das Menschenrecht auf Asyl mit Füßen. Wir geloben Solidarität - und lassen Menschen in griechischen Flüchtlingslagern verkommen. Wir reden von Demokratie - und verheddern uns in einem Camouflage-demokratischen europäischen Gebilde, das an seiner zunehmenden Dysfunktionalität und seinen wachsenden inneren Widersprüchen zugrunde zu gehen droht. Wir gehen Achsel zuckend zur Tagesordnung über, wenn sich rechte Politiker mit Holocaust-Opfern vergleichen und warten auf dem Tag, an dem ihnen Christ- oder gar die bislang widerstrebenden Sozialdemokraten die Tür zum Kanzleramt aufsperren.

"Unsere größte Sünde ist die Hochmut", hat Vaclav Havel einmal dem Prager Parlament entgegen gehalten. Und wovor die kommt, kann als bekannt vorausgesetzt werden.

Donnerstag, 26. Januar 2012

Schnitt

Weil es so schön zum Kinoschwerpunkt der letzten Tage passt..

 

 Da hat jemand wirklich viel Zeit und Mühe investiert.

Mittwoch, 25. Januar 2012

Rückblog 2011 # 2: 2011 im Kino

Im vergangenen Jahren habe ich zuweilen Wochen gebraucht, um diese Kategorie zu berückblicken. Weil ich zu jedem Film eine Kurzkritik schreiben musste.

Jetzt gibt es zu jedem Film ein laienhafte Langkritik, die ich während des Jahres geschrieben habe, noch frisch unter dem Eindruck des Gesehenen.Vielleicht bin ich ja auch deshalb kaum mehr dazu gekommen, ins Kino zu gehen.

Wie dem auch sei, die Reihung (von hinten)...


8 Rob Marshall: "Pirates of the Caribbean - On Stranger Tides"   2*  Film über Bord.

7 Lars von Trier: "Melancholia"  3*  No Future.      

6 Woody Allen: "Midnight in Paris"  3*  Dreaming 20s.  

5 David Yates: "Harry Potter and the Deathly Hallows, Pt. II"  3* Auflösung.

4 Lisa Cholodenko: "The Kids Are Alright"  3.5*  Familienaufstellung.

3 Yasemin Samdereli: "Almanya - Willkommen in Deutschland"  3.5*  Neuland.

2 Karl Markovics: "Atmen"  3.5*  Übergänge.

1 Tom Hooper: "The King´s Speech"  4*  Perfektion.


Und die Winzars 2011 gehen an..

Bester Film: "The King´s Speech"
Beste Regie: Tom Hooper "The King´s Speech"
Bestes Drehbuch: Yasemin und Nesrin Samdereli "Almanya - Willkommen in Deutschland"
Beste Filmmusik: Richard Wagner  "Melancholia"
Beste Hauptdarstellerin: Kirsten Dunst "Melancholia"
Bester Hauptdarsteller: Geoffrey Rush "The King´s Speech"
Beste Nebendarstellerin: Mia Wasikowska "The Kids Are Alright"
Bester Nebendarsteller: Adrien Brody "Midnight in Paris"



Montag, 23. Januar 2012

Im (Gloriette-) Kino # 10: Jean-Pierre Améris - Die anonymen Romantiker (les emotifs anonymes)


Diesmal will ich zu Anfang nicht vom Film, sondern vom Kino schreiben. Als Kind des Vierzehnten Wiener Gemeindebezirks gehört das Gloriette-Kino in der Linzer Straße zu meinen Kindheits- und Jugenderinnerungen dazu. In diesen finden sich auch viele andere Wiener Kinos, wie das Kolosseum, das Auge Gottes, das Flotten Center, das Schönbrunnkino, das Atelierkino oder das City Center. Letzteren ist gemein, dass sie alle nicht mehr da sind. Das Gloriette Kino existiert. Noch. Das Wiener Kinosterben geht also ungebremst weiter, auch wenn ein Blick in die Geschichte enthüllt, dass das alles andere als ein neues Phänomen ist und keineswegs allein mit dem Aufkommen der großen Plexe in den Achtzigern oder der Internetrevolution Ende der Neunziger zusammen hängt. Aber solch nüchterne Betrachtungweisen verfangen nicht, wenn es um derart mystisch aufgeladene Orte geht, wie die Kinos der Kindheit.

Man darf also ruhig etwas wehmütig werden, wenn man zum vermutlich letzten Mal da hineingeht. Und feststellen, dass hier doch einiges anders ist. Selbstredend hat es hier nicht die Infrastruktur wie in den Groß-Kinos, mit ihrer Vielzahl von Lokalen und Bars ums Eck oder im selben Gebäude. Es fehlt auch der Schick jener auserwählten Programmkinos, die sich in guter Lage etablieren konnten.

Nein, das "Gloriette" wirkt eher wie ein Relikt, wie es da auf einem wenig attraktiven Abschnitt der Linzer Straße herumsteht, in den sich sonst nur die allerwenigsten verirren würden, um einen Abend zu verbringen. Ein klassisches Grätzelkino, dem das Grätzel abhanden gekommen ist. Der Versuch, sich als so etwas wie ein populäres Programmkino zu positionieren, hat dazu geführt, dass dieses Kino seine Stellung noch ein paar Jahre halten konnte, mehr aber auch nicht. Auch an jenem Samstagabend, an dem wir unser letztes Salut ausbrachten, war der Andrang der KinogängerInnen enden wollend.

Auch die Ausstattung hat teilweise ihren Zenit schon überschritten, wie man jenem Kinosaal ansehen konnte, in dem unser Film gezeigt wurde. Seine Dimensionen erinnern heute eher an eine bessere Heimkinoanlage.


Aber das "Gloriette" hat etwas, das die auf Hochglanz polierte Konkurrenz nicht vorweisen kann. Hier befängt einen nämlich das Gefühl, dass man es nicht mit einem sterilen, gesichtsloses Etwas von der Stange zu tun hat, sondern mit etwas, dem man abnimmt, dass es gewachsen ist und gelebt hat. Etwas mit einem einzigartigen Charakter und einer höchst eigenen Geschichte. Mehr ein eigenes Wesen als eine auf den durchschnittlichen Konsumentengeschmack zugeschnittene Film-Abspielmaschine. Natürlich ist das jetzt auch ein wenig nostalgische Verklärung. Aber die wird von altmodischen Kinos eben herauf beschworen.

Ah ja, der Film. Die Filmwahl kam zustande, weil im Gloriette-Kino an jenem Abend drei Filme zur Auswahl standen, wovon wir zwei schon gesehen hatten ("Melancholia" und "Midnight in Paris" und, ehrlich gesagt, keinen von beiden muss ich mir unbedingt ein zweites Mal anschauen).

 "Die anonymen Romantiker" ("les emotifs anonyms", F, 2010) vereint schon auf den ersten Blick zwei Eigenschaften in sich, die mich üblicherweise eher skeptisch werden lassen: erstens handelt es sich um einen französischen Film und zweitens um eine romantische Komödie. Der Film ist im Grunde genommen auch eine sehr konventionelle romantic comedy, bei der man von Anfang weiß, wer für wen bestimmt ist und so weiter. Der Hergang ist einigermaßen vorhersehbar und die Drehbuchverfasser sind mit originellen Einfällen eher sparsam umgegangen. Zuweilen hat man fast den Eindruck einer jener austauschbaren deutschen TV-Romantikkomödien beizuwohnen, mit dem allerdings wesentlichen Unterschied, dass der französische Streifen nicht wie jene versucht, amerikanische Vorbilder krampfhaft (und bis hin zur Nerv tötenden Dauerbedudelung mit Easy Listening Jazz) nachzuahmen.

Was dem Film vor allem Charme verleiht, sind seine Hauptdarsteller. Isabelle Carré und Benoit Poelvoorde spielen ein durch den Beruf (Schokoladenherstellung) zusammen geführtes Duo mit einer Gemeinsamkeit: beide sind extrem schüchtern, insbesondere im Umgang mit dem anderen Geschlecht. Auf unterschiedliche Weise versuchen sie, damit zu Rande zu kommen. Sie besucht eine Selbsthilfegruppe für Hochsensitive, er macht eine Therapie bei einem Psychotherapeuten. Angesichts der Ausgangslage ist es nicht verwunderlich, dass dem Zusammenkommen der beiden einige Hindernisse entgegen stehen. Carré und Poelvoorde interpretieren ihre Figuren gekonnt einprägsam wie komisch, ohne sie gleichzeitig der Lächerlichkeit anheim zu geben. So entstehen immer wieder schöne Momente mit feinem Situationswitz.

Diese Augenblicke inmitten der ansonsten mäßig spannenden Liebesgeschichte machen aus den "anonymen Romantikern" ein - in jeglicher Hinsicht - harmloses Vergnügen. Vielleicht ganz passend für einen Abend, an dem die Bühne, die Szenerie mehr im Mittelpunkt stand.

Meine Bewertung: 2.5 aus 5 Sternen.

Sonntag, 22. Januar 2012

Samstag, 21. Januar 2012

Rückblog 2011 # 1: Bilder des Jahres, 5-1

5


Lagunensonne, 26.6.2011, Venedig.


4




Ein Hund geht vor das Parlament, besser so, als umgekehrt, 26.10.2011, Athen.


3




Ohne Worte, 21.2.2011, Linz/Donau.



2




Auf Burano, 26.6.2011, Burano.


1




Beim Zeus! 25.10.2011, Athen.

Freitag, 20. Januar 2012

Geschmeidig

Vergesst Schlangenmenschen, die Barbapapas oder Lieutenant Odo! KATZEN sind die wahren Formwandler.





Donnerstag, 19. Januar 2012

Im Kino # 9: Cary Fukunaga - Jane Eyre

UK/USA 2011

Diese Story hat alles, was dazu gehört: den schwermütig-abgehobenen, aber im Herzen edlen Adligen, die sehnsüchtige Hausangestellte, die herablassende Rivalin, dazu böse Schicksalsschläge, überraschende Erbschaften und dunkle Geheimnisse. Und natürlich: die tragische, Klassen übergreifende Liebesgeschichte, die womöglich nicht sein darf, obwohl sie sein will.  Beschränkt man Charlotte Brontës "Jane Eyre" in dieser Weise auf das Skelett der Handlung, so hat man geradewegs das vor sich, was man heutzutage als Seifenoper bezeichnen würde.

Zweifellos ist der gut 500 Seiten messende Roman, dieser viktorianische Bestseller, ein weitaus tiefer gehendes Etwas als das, verhandelt Themen wie soziale Ungleichheit, Emanzipation, Moral und Religion. Macht man aus ihm einen Kinofilm auf vergleichsweise gedrängten 120 Minuten, so besteht die Herausforderung, wie bei jeder ernst gemeinten Literaturverfilmung, darin, der vorhandenen inhaltlichen Tiefe gerecht zu werden, ohne den Fluss des filmischen Erzählens zu brechen. "Man", das ist im aktuell vorliegenden Fall Cary Joji Fukunaga, der uns 2009 mit "Sin Nombre", einem Film über lateinamerikanische MigrantInnen, die von den "Mara Salavatruchas" gejagt werden, traurig berührt wie begeistert hat. Mit " Jane Eyre" zeigt er uns eine ganz andere Welt und bringt dafür als studierter Historiker profunde Kenntnisse mit.

Herausgekommen ist eine gut getimte, kurzweilige Wiedergabe des Stoffes, die sich nicht allzu lange mit Fragen des Feminismus, der Philosophie oder sozialer Probleme aufhält, sondern diese eher in kurzen, einprägsamen Szenen anzudeuten versucht. Dass daraus trotz der beschriebenen Grundstruktur kein Fall für das Fernsehnachmittagsprogramm wird, ist vor allem zwei Faktoren zu verdanken. Einerseits der souveränen  und über weite Strecken geschmackvollen Regie von Cary Fukunaga. Andererseits den starken DarstellerInnen, allen voran natürlich jener der Titelheldin. Die wird von der - wie immer - in den Bann schlagenden australischen Nachwuchsmimin Mia Wasikowska (gegen deren Ausstrahlung Cate Blanchett verblasst wie ein altes Schwarz-Weiß-Foto) verkörpert. Auch der als Action-Schönling zu Ruhm gelangte Michael Fassbaender schlägt sich in der Rolle des amourösen Widerparts einigermaßen wacker. In wichtigen Nebenrollen sehen wir Judi Dench und Jamie Bell, die geheime Siegerin ist aber die 13-jährige Amelia Clarksen, die die junge Jane Eyre als beinahe ebenbürtigen Widerhall von Mia Wasikowska gibt.

Fukunagas "Jane Eyre" ist freilich für mein Empfinden doch eine etwas zwiespältige Angelegenheit: ein Hauch von Telenovela weht nämlich schon ab und an (insbesondere gegen Ende des Streifens) durch die kargen englischen Küstenlandschaften, in denen er Wasikowska und Co herumlaufen und -leiden lässt. Eine sauber gemachte und durchwegs respektvolle Literaturverfilmung hat Cary Fukunaga hiermit aber zweifellos vorgelegt.

Meine Bewertung: 3 aus 5 Sternen.

Montag, 16. Januar 2012

Rückblog 2011 # 1: Bilder des Jahres, 10-6

10


Culture Clash, 29.4.2011, Istanbul.



9
Cover, 16.4.2011, Linz/Donau.


8

Samtpfoten,  26.2.2011, Linz/Donau




7
Zeit, 26.2.2011, Linz/Donau.



6
Akropolis, 26.10.2011, Athen.

Samstag, 14. Januar 2012

Das Auge

Das Auge ist beleidigt, seit ich letztes Wochenende sieben Stunden konzentriert auf den Bildschirm gestarrt habe, um für eine Radiosendung zu recherchieren. Es zwackt, wenn es hellerem Licht ausgesetzt wird und ein leicht entzündliches Gefühl umgibt es.

Von Tag zu Tag bessert sich nun sein Zustand wieder. Dennoch, liebe Bildschirmjunkies, tut euren Sehwerkzeugen etwas Gutes. Lasst das helle Buchstaben- und Bilderfeld wieder einmal sein und den Rechner einen ganzen Tag ausgeschaltet. Sie werden es euch danken.

Donnerstag, 12. Januar 2012

Rückblog 2011 # 1: Bilder des Jahres, 15-11

Meine ganz persönlichen Bilder des abgelaufenen Jahres.


15

Kunst benebelt, Höhenrausch.2, 7.7.2011, Linz/Donau. 

                                 

14

Empore, 18.9.2011, Schärding.



13

Wappentier, 6.3.2011, Linz/Donau.




12

 Angegondelt, 24.6.2011, Venedig.  




11


Logen des Dogen, 24.6.2011, Venedig.

                                             




Montag, 9. Januar 2012

Gebrechen

Sehr geehrte Fahrgäste..eine wichtige Durchsage! Aufgrund eines technischen Gebrechens...."


Was folgt, ist eine lange Pause. Knacksen in der Leitung. Mich fröstelt, kalter Schweiß tritt auf die Stirn. Stille macht sich breit im Zugabteil. Die Fahrgäste rundum scheinen gemeinschaftlich den Atem anzuhalten. Meine Fahrt ist ohnehin schon knapp kalkuliert, wenn ich aufgehalten werde, komme ich viel zu spät.

Da spricht der Zugbegleiter endlich weiter: ...kann der Trolley nicht durch die Gänge fahren. Bitte begeben Sie sich..."


Ein schöner Moment des gestrigen Tages.



Sonntag, 8. Januar 2012

Amnesty informiert: 2011 - eine Weltreise in Sachen Menschenrechte

 Was hat sich 2011 in der Welt abseits des "Arabischen Frühlings" (dem wir noch eine eigene Sendung widmen wollen) in menschenrechtlicher Hinsicht getan? Was war besonders erschreckend, aufrüttelnd, was hat uns empört, berührt oder auch gefreut? Viel zu viel, um im Rahmen einer Radiosendung einen vollständigen Überblick zu geben, zweifelsohne. "2011 - eine Weltreise in Sachen Menschenrechte" versucht, jene Themen und Entwicklungen herauszugreifen, die Amnesty in diesem Jahr am meisten beschäftigt haben.

 Moderation: Martin Walther

 am Mo, 9.1.2012, 19.00-20.00 Uhr im Freien Rundfunk Oberösterreich (Radio FRO)
 am Di, 10.1.2012, 14.00-15.00 Uhr ebenda
 am Mo, 16.1.2012, 16.00-17.00 Uhr im Freien Radio Freistadt

 Zum Livestream von Radio FRO..

Samstag, 7. Januar 2012

Ohren(ge)fälliges: Monatsmeister des Monats Dezember 2011

of Montreal - Famine Affair
Athens, Georgia
Gewonnene Ränge: +5

Diesmal mache ich es mir ausnahmsweise einmal leicht und verweise schlicht hierher. Dem ist im Augenblick auch nicht viel hinzuzufügen. Wer das schon kennt, schaut sich am besten einfach das Video an.

Freitag, 6. Januar 2012

Gefährliche Spiele

Endlich! Quartettspielen, bis dass der Kern schmilzt!


Die Kategorien, mit denen gespielt wird: Betriebszeit (geplant), Bruttoleistung, Hochradioaktiver Müll, Bevölkerung (Radius 50km), Alarmstufe. Ob jeweils der höhere oder der niedrigere Wert sticht, darf man sich vor Spielbeginn aussuchen.

Erschienen bei Weltquartett.


Mittwoch, 4. Januar 2012

Die Donnerstagsverschwörung

Seit Jahren habe ich nun im Glauben an eine finstere Verschwörung gelebt, die alles Zeug dazu hatte, sämtliche Dan Browns und Maya-Kalender dieser Erde in den Schatten zu stellen. Wobei dieses Komplott auch etwas mit dem Kalender zu tun hatte: Ich spreche von der Verschwörung der Donnerstage.

Dazu muss ich etwas ausholen. In meiner Arbeit gibt es einen Wochentag, der für mich einen besonderen Stellenwert besitzt. An jenem Wochentag nämlich habe ich üblicherweise keine oder zumindest kaum fix vorgegebenen Termine zu bestreiten und kann mich somit ganz in meine Erledigungen versenken. Ich kann mehr oder minder ungestört werken, auch komplexere Sachen fertig stellen und muss mir nicht vorgekommen wie Sisyphos, der, kaum scheint er am Ziel zu sein, wieder mit einer neuen Aufgabe belastet wird. Der Tag, von dem ich spreche ist, natürlich, der Donnerstag.

Verschwindet dieser Tag aus dem Arbeitskreislauf, so verliere ich ein Refugium. All die aufgestaute Arbeit muss an den anderen Wochentagen erledigt werden, an denen ich doch gar keine Zeit habe! Das passiert, wenn ein Feiertag auf einen Donnerstag fällt.

Und das passiert oft, wie mir in den letzten Jahren immer wieder unangenehm aufgefallen ist. Nicht, dass ich etwas gegen Feiertage hätte (um Himmels willen!), aber sie sollen sich bitte den Montag (ja!!), den Mittwoch oder den Rest von der Wochenbande für ihr Wirken aussuchen. Ein finstere Verschwörung also, zweifellos, angezettelt von kosmischen Mächten oder finsteren Illuminaten, die vor Jahrhunderten diesen Kalender ersannen, um mein Arbeitsleben zu erschweren!

Wie so oft hält der dumpfe Aberglaube einem kurzen, genaueren Nachgrübeln und einer rational gelenkten Überprüfung nicht stand. Der Blick auf einen übersichtlichen Feiertagskalender offenbart, dass grundsätzlich immer mindestens zwei Feiertag auf einen Donnerstag fallen, Fronleichnam und Christi Himmelfahrt. Daran ist der Katholizismus schuld. Dass dann zumindest einer der neun Feiertage, die nicht auf einen fixen Wochentag fallen, ein Donnerstag ist, erscheint, nunja, nicht ganz unwahrscheinlich.

Was lernt man daraus? Besser die harte Gewissheit, wie die Welt wirklich ist, als ein dunkle, irrationale Ahnung von Irgendetwas, das einen unfroh macht. Immerhin weiß ich jetzt, dass ich nicht auf bessere Zeiten zu hoffen brauche. Ich müsste meinen Modus des Arbeitens umstellen. Meinen Donnerstag zu einem Dienstag oder Mittwoch machen.

Und ja, natürlich ist diese Sache in gewisser Weise auch ein Lappalie. Aber ein schönes Lehrstück, irgendwie.

Dienstag, 3. Januar 2012

Das Letzte

Falls sich irgend jemand fragt, was daraus wurde. Sie haben es vor dem Silvestertag beschlossen. Mit freundlicher Genehmigung des "Hoffnungsträgers" Barack Obama. Offensichtlich wurden als Kompromiss die Formulierungen noch etwas schwammiger gemacht, sodass jetzt nicht einmal mehr der FBI-Direktor genau weiß, ob das Militär aufgrund dieses Gesetzes auch amerikanische Bürger "anhalten" darf oder nicht (alle anderen sind sowieso Freiwild).

Erinnert nicht bloß ein bisschen an autoritäre Diktaturen wie China. Die schlimmsten Anschläge auf die Menschenrechte immer dann verüben, wenn die Welt am stärksten abgelenkt ist.

Montag, 2. Januar 2012

Das Winzer-Experiment # 7: Wiener Kaffee-Gugelhupf

Da die anlässlich des letzten Experiments ausgeloste "selbst gemachte Tomatensauce" bereits hier zur Anwendung kam, musste für das Silvestermenü 2011/2012 Neues bestimmt werden. Die Zufallswahl fiel auf ein traditionelles österreichisches Backwerk.

Dem ambitionierten Gugelhupfbäcker stellten sich jedoch eine Reihe von Hindernissen in den Weg.

Erstens war am Vorabend eine schon traditionelle Vor-Silvesterparty, bei der sich der Verfasser dieser Zeilen zwar sehr zivilisiert verhalten und beim Alkoholkonsum entsprechend seinem fortgeschrittenen Alter zurück gehalten hat, der aber dennoch seine Schatten warf (Danke für die Bowle, Stanzi).

Zweitens bin ich zwischendurch gegen einen Stuhl gelaufen, weswegen ich noch eineinhalb Tage danach stark in meiner Bewegung eingeschränkt war (kein ursächlicher Zusammenhang mit erstens).

Drittens ist es so, dass der Gugelhupf zwar nicht der König der Kuchen, aber doch so etwas wie ihr Bürgermeister und demgemäß für einen blutigen Back-Laien eine gewisse Herausforderung ist.


Am Anfang steht die Hefe (hier gemeinsam mit Mehl). Was wäre die menschliche Kultur ohne sie?





Dann kommen Mandeln und Rosinen dazu und das Ganze ins Rohr. Dieser Gugelhupf wollte leider etwas zu hoch hinaus.




Mit Zucker bestreut schaut er aber schon wieder recht apart aus. Nur die Mandeln wirken ein wenig, als hätte sie ein Panzer überfahren.



Geschmeckt hat das Endprodukt aber erstaunlicher Weise recht gugelhupfig. Und gut.

 Ein Augenschmaus hingegen die Vorspeise (von Sarah).



Nächstes Mal: Ente, mit Nudeln gefüllt und Biskottenkuchen.


Sonntag, 1. Januar 2012

Und jetzt also 2012

Zu wünschen: ein harmonisches und friedvolles 2012..



PS: Die Facebookgängigen können sich hier an der Vorauswahl meiner persönlichen Bilder des Jahres erfreuen und sogar mitbestimmen.