Montag, 30. April 2012

Durchs Land



Oberösterreich hat 11.982 Quadratkilometer und ist damit flächenmäßig Österreichs viert größtes Bundesland. Seine vier Viertel, die sich in ihrer kulturellen, historischen und sozialen Identität durchaus erheblich von einander unterscheiden, stecken voller verborgener Schätze und Sehenswürdigkeiten. Manches haben wir schon im Vorbeifahren erkundet, aber eine systematische Beforschung der terra incognita Austria Superior steht noch aus. Seit Jahren nehmen wir uns schon vor, das Land Bezirk für Bezirk zu explorieren.

Dieses Frühjahr ist es soweit, wir gehen es jetzt definitiv an. Gut, dass wir bis jetzt zugewartet haben, denn das Alphabet führt uns zuallererst in den Bezirk Braunau. Und da findet doch tatsächlich gerade die gemeinsame Bayerisch-Oberösterreichische Landesausstellung statt. Ein perfekter Einstieg für die Erkundung eines Landes, das durch die Sprache und Kultur bairischer MigrantInnen maßgeblich geprägt wurde.

Am Wochenende habe wir einen Vorgeschmack auf die Möglichkeiten des Entdeckens bekommen. Tief im Südosten (und doch keine Ewigkeit von Linz - ein Vorzug der ausgewogenen Landesform) haben wir dank Julias Geburtstagseinladung das Warscheneck-Gebiet samt Gleinker See und Pießling-Urspung, der größten Karstquelle Oberösterreichs, kennen gelernt.

Jetzt haben wir Lust auf mehr. Ich werde berichten.



Welche verborgenen Dinge birgt das Zuhause der OberösterreicherInnen?

Freitag, 27. April 2012

Identität

Ich wäre gerne ein cooles Teilchen, aber, egal wie es drehe und wende, ich ende immer nur als Atom.

Dank an Sebastian.

Montag, 23. April 2012

Alles für die Katz

Eine Wohnung so einzurichten, dass die den Ansprüchen der Felidae wirklich genügt, ist kein geringes Unterfangen.

Nachdem Sarah heute nicht da ist, kann ich einmal in Ruhe eine Bestandsaufnahme machen, was alles getan wurde, um den Bedürfnissen unserer zugelaufenen Zimmertiger entgegen zu kommen.

Katzenbalkon


Katzensteig

Katzenlokus de luxe

Katzengrasplantage (derzeit abgeweidet)

Katzentränke

Katzenaufstiegshilfe

Katzenlandeplattform

Katzenthron

Cathattan

Katzenschachtel und -spielzeugversteck



Freitag, 20. April 2012

Mittwoch, 18. April 2012

Romninator

Es gibt viele Dinge, die sich ob der ihnen eigenen Inkonsistenz für Parodien regelrecht anbieten. Zeitreisegeschichten und Mitt Romney stehen auf der Liste ganz oben. Noch.

 

Montag, 16. April 2012

Ohren(ge)fälliges: Monatsmeister des Monats März 2012

Tom Petty - Yer So Bad
Gainesville, Florida
         Gewonnene Ränge: + 12

Mit Tom Petty tun sich Gralshüter einer intellekualisierten Geschichte der Popularmusik zuweilen etwas schwer. Auf der einen Seite ist der Musiker aus Florida zweifellos ein wesentlicher Bestandteil derselbigen, taucht er doch an all ihren Ecken und Enden immer wieder in persona auf. Im Alter von 10 Jahren besucht er Elvis am Filmset, an der High School bekommt er von einem gewissen Don Felder Gitarrespielen beigebracht, der später Leadgitarrist der Eagles sein und "Hotel California" schreiben wird. Im Laufe seiner weiteren musikalischen Karriere freundet er sich mit Leuten wir Stevie Nicks, Bob Dylan, Johnny Cash und George Harrison an und steht mit ihnen auf der Bühne. Mit Dylan, Harrison, Roy Orbison und Jeff Lynne bildet Tom Petty Ende der Achtziger die wohl prominentest besetzte Supergroup, die die Welt bislang gesehen hat: die Traveling Wilburys. Nicht zu vergessen: mit seiner Band, den Heartbreakers, folgt er seinem damaligen Produzenten Rick Rubin ins Studio und nimmt mit Johnny Cash "Unchained" auf, das erste erste relevante Album der legendären "American Recordings"-Serie.

Andererseits ist er auch individuell erfolgreich und zwar in einer Weise, die strenge Elitäristen misstrauisch werden lässt. Über dreißig Millionen Platten hat er verkauft und zwar mit meist eingängigen, in höchstem Maße radiotauglichen Stücken. Songs, die in den USA jeder Burgerverkäufer mitsingen kann, die Petty bis in die Halbzeitpause des Super Bowl geführt haben. Infolgedessen trifft man bei der Suche nach Tom Petty-Videos auf YouTube auch jene reaktionären Gestalten im Übermaß, die uns erklären, dass das "noch die wahre, amerikanische Musik" sei, um im nächsten Satz die "Rapmusik" zu verdammen.

Freilich hat Tom Petty immer ein eher bodenständiges Image gepflegt: er war nie Kunstfigur wie Dylan, kein dezidierter homo politicus wie Springsteen, obgleich er auf einer großen Zahl von Benefizkonzerten (ua gegen Nuklearenergie) aufgetreten ist. Seinen Wurzeln im Südstaatenrock ist er immer auch treu geblieben, hat diesen aber mit allen möglichen Spielarten der Blues-, Folk-, Country-, Rock-, und Popmusik angereichert und etwas geschaffen, das man heute am ehesten als "klassischen Rock" bezeichnen würde. Dabei ist er zwischenzeitlich in vielen Schubladen gelandet: nicht nur als Southern Rock, auch als Punk oder New Wave wurde seine Musik schon gehandelt.

Sein im Vergleich zu anderen Dauerbrennern der Rockgeschichte vergleichsweise wenig ausgeprägter Hang zur Selbstinszenierung, sein Gespür für ausgesprochen Radio taugliche Musik und seine Neigung, eher verschiedene Musikgenres raffiniert zu rezipieren anstatt komplettes Neuland zu erschließen, haben womöglich dazu geführt, dass Tom Petty in der Musikgeschichtsschreibung nie denselben Status erreicht hat wie seine oben genannten Weggefährten, er eher als wichtige Nebenfigur dieser Historie erscheint. Das bedeutet aber auch, dass man sich seinem Werk (sei es jetzt solo oder mit den Heartbreakers) recht unvoreingenommen nähern kann, wenn man sich ein wenig darauf einlässt. Tom Pettys Solodebüt "Full Moon Fever" (1989), ein riesiger kommerzieller Erfolg, kann als Einstieg empfohlen werden. Ein intelligentes Werk, zugleich ganz zugänglich, mit Hits wie "Free Fallin", "I Won´t Back Down" oder
"Runnin´ Down a Dream". Auf diesem auch zu finden: "Yer So Bad", eine souveräne, satirisch-funkelnde Rootsrock-Nummer.

Tom Petty - Yer So Bad (auf YouTube)

Sonntag, 15. April 2012

Nullnummer

Da ich gerade des Null zu Null im Wiener Derby ansichtig geworden bin und mir die Rechtfertigungsversuche der Experten und Spieler angehört habe (der Druck, das Wetter, wir-sind-eben-alle-so-gut-dass-wir-uns-gegenseitig-neutralisieren usw.) ein provokanter Vorschlag:

Was spricht eigentlich dagegen, bei Null-zu-Null gar keine Punkte zu vergeben?

Das würde der zweiten Halbzeit derartiger Partien ordentlich Feuer verschaffen. Wie, das ist hart gegenüber Mannschaften, die sich neunzig Minuten tapfer hinten reinstellen und taktisch diszipliniert spielen? Aber, bitte doch.

Samstag, 14. April 2012

Aufgelöst

Die erste Quest fand statt, noch bevor das Abenteuer überhaupt begonnen hatte. Nach jeweils ziemlich genau acht Minuten fiel die Welt des brandneuen Fantasy-Rollenspiels mal für mal wieder in Dunkelheit. Computerabsturz. In der Folge wurden unter sehr tatkräftiger Mithilfe von Sarah tagelang verschiedenste Strategien angewendet: Reorganisation und Defragmentieren der gesamten Festplatte. De- und Neuinstallation des Spieles, natürlich. Ausschalten des Bildschirmschoners und der Energiesparfunktion, denn es könnte ja auch damit etwas zu tun haben, wer weiß das schon so genau.Verstellung grafischer Systemeinstellungen. Und, zum Schluss, der Höhepunkt: Sarah schraubt das Notebook auf und fegt und saugt den Kühler frei. Terrorherrschaft des Staubsaugers, Katzen hinter dem Bücherregal.

Was am Ende geholfen hat? Ich habe bei den Spieleinstellungen die Auflösung herunter gesetzt. Reiner Glückstreffer. Als Computerbanause fühlt man sich solchem Unbill ja ähnlich wehrlos ausgeliefert wie der Spielcharakter zu Anfang dem mächtigen Drachen. Aber man sieht auch hier: Man darf nicht so schnell aufgeben. Und: der kürzeste Weg ist oft der richtige.

Übrigens, das gilt auch fürs Bloggen. Nicht zu kompliziert denken. Einfach einmal hinschreiben, was einem gerade furchtbar Banales widerfahren ist. Der kürzeste, der müheloseste Weg ist manchmal der richtige, um das Werkel wieder zum Laufen zu bringen. Echte Heldentaten können ja dann vielleicht später noch folgen.


Dienstag, 10. April 2012

Reanimation

Wenn du denkst, ein Song ist tot gespielt und tot gehört, kommt manchmal doch wieder einer daher und macht etwas Schönes daraus.




Bester Track auf der "Chimes of Freedom" - Benefizcompilation zu Gunsten von Amnesty International (gibt es auch im gut sortierten Plattengeschäft!).

Montag, 9. April 2012

Im Kino # 13: Luc Besson - The Lady

F/UK 2011

Einen biographischen Film über eine verehrte, lebende Person der Zeitgeschichte zu machen und dabei auch den privaten Bereich in den Fokus zu nehmen, ist nicht ganz unheikel. Einerseits soll er Realismus vermitteln, andererseits die Privatsphäre und Integrität der betroffenen Person, möge sie auch eine öffentliche sein, respektieren.

Luc Besson hat sich dieser Herausforderung gestellt. Die Person, derer er sich angenommen hat, ist eine Ikone der globalen Menschenrechtsbewegung, die Burmesin Aung San Suu Kyi. Behandelt wird in "The Lady" jener Lebensabschnitt der Menschenrechtsaktivistin, der von ihrer Kindheit im gerade von britischer Herrschaft befreiten Burma (heute offiziell: Myanmar) bis Ende der Neunziger Jahre reicht. Wir erleben das Attentat im Jahr 1948 in Rangun, bei dem ihr Vater, Aung San, der als Burmas Freiheitsheld gilt, ums Leben kommt. Wir sehen, nach einem Zeitsprung, Suu Kyi als Mutter zweier Söhne in ihrem Heim im englischen Oxford, wo sie studiert und ihren Ehemann, den Tibetologen Michael Aris kennen gelernt hat. Dann: Aung San Suu Kyi, wie sie 1988 Burma besucht, weil dort ihre Mutter im Sterben liegt und wie sie dort ungewollt Augenzeugin wird, als die Militärherrscher Studentenproteste blutig niedermachen. Aus dieser zufälligen Präsenz wird sie in den Sog der Ereignisse gezogen, folgt geradezu schicksalshaft ihr Engagement an der Spitze der burmesischen Demokratiebewegung. Und, sie hat schwere Entscheidungen zu treffen, muss ihr privates Glück gegen das Wohl ihres Landes abwägen, dessen Machthaber sie immer wieder in den Arrest zwingen.

Luc Besson hat sich dafür entschieden, weder eine "vollständige" Biographie von Aung San Suu Kyi abzuliefern, noch einen tiefen Einblick in die politischen, historischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge Burmas zu geben. Im Zentrum seiner Erzählung stehenen einerseits natürlich die besonderen Persönlichkeitsmerkmale von Aung San Suu Kyi, die von Michelle Yeoh glaubhaft verkörpert wird. Ihre Willensstärke und ihr Mut, ihr hohes Maß an Selbstdisziplin, ihre unglaubliche Beharrlichkeit und ihre damit verbundene Härte zu sich selbst, ebenso wie ihr tief empfundener, in sich selbst ruhender Pazifismus, ihr höflich-verbindliches Auftreten gegenüber anderen Menschen, ihr gewinnendes Charisma. Auf der anderen Seite geht es um ihre Beziehung zu ihrem Ehemann und ihren Söhnen und um die Opfer, die sie alle miteinander angesichts des Weges, den Suu Kyi gewählt hat, zu erbringen haben. Mithin geht es um die Opfer, die manche Menschen für ein höheres Ziel zu erbringen bereit sind. Opfer, die für ein ganzes Volk vielleicht gerade groß genug, für ein Kind im fernen Europa gleichzeitig vielleicht viel zu groß sind.

Auf dieser gefühlsbetonten Ebene hat "The Lady" seinen Schwerpunkt. Politisches bildet eher einen äußeren Rahmen dafür, Philosophisches taucht in Form von Zitaten oder Werken von Gandhi in den Händen von Suu Kyi und ihren Mitstreitern allenfalls begleitend auf. Der Betonung des Emotionalen entsprechen auch die Dialoge und Interaktionen der Charaktere in ihrer konkreten Ausprägung. Es wird (sehr) viel umarmt, es gibt einigen Pathos, was auch durch die musikalische Untermalung unterstützt wird. Auch wirken die Dialoge wenig raffiniert, merkwürdig glatt, inhaltlich wenig in die (menschliche) Tiefe gehend. Letzteres wird aber auch mit dem eingangs erwähnten Umstand zu tun haben, dass es sich um eine respektvolle Annhäherung an eine real existierende Person handelt, die noch dazu über Jahre faktisch schwer zugänglich war. Der rücksichtsvollen Autorin (hier: Rebecca Frayn) sind im Unterstellen von Aussagen der handelnden Heldin sicherlich Grenzen gesetzt.

Somit bleibt "The Lady" den gezeigten Gewaltakten des Regimes zum Trotz in Summe eher frei von hartem Realismus und wird, nahezu  transzendiert, zu einem Werk der Verehrung für die Tugenden und die Opferbereitschaft seiner Heldin wie auch ihrer Familie. Dank der starken Darsteller (auch David Thewlis, der Michael Aris spielt, ist hervorzuheben) und der Lebensgeschichte von Suu Kyi, die kein Drehbuchautor besser erfinden kann, vermag der Film durchaus zu beeindrucken. Als Sympathiebekundung für die burmesische Demokratiebewegung allemal, aber auch als alles in allem bewegendes Plädoyer für die von Aung San Suu Kyi vertretenen Werte.

Meine Bewertung: 3 von 5 Sternen.

Donnerstag, 5. April 2012

Katzen-Comic # 2.0

Jetzt ist es wirklich ein Katzen-Comic!


Dank an Sarah und eine iPhone-App namens Instant Sketch.

Dienstag, 3. April 2012

Filmabend "The Lady" im City Kino, Linz


FILMABEND „The Lady“
in Kooperation mit Amnesty International Gruppe 8, Linz

Freitag, 06.04.2012
Beginn: 20.00 Uhr
im City Kino in Linz

Mehr als 15 Jahre verbrachte Aung San Suu Kyi unter Hausarrest. In zahlreichen öffentlichen Aktionen und nach jahrelanger Menschenrechtsarbeit begrüßte Amnesty International 2010 die Freilassung der “Lady”, wie Anhänger in ihrer Heimat sie nennen. Meisterregisseur Luc Besson hat nun die faszinierende Lebensgeschichte der Friedensnobelpreisträgerin verfilmt. Im Anschluss an die Premiere am 06.04. findet ein Gespräch über die aktuellen Entwicklungen in Burma/Myanmar statt, Gäste:

Margot Pires – Austrian Burma Center, Wien

Khin Myint-Mitter – kommt aus Burma, lebt in Linz

Montag, 2. April 2012

In Concert # 29: Nils Frahm / Ólafur Arnalds, 29.3.2012, Posthof, Linz

Gibt es ihn eigentlich noch, diesen Nullerjahre-Hype um die Atlantikinsel Island, diese Begeisterung für Natur und Kultur, für die gesamte isländische Lebensart? Trotz des dortigen Neoliberalismus-induzierten Wirtschafts- und Bankencrashs und der stark angestiegenen Arbeitslosenrate?

Bei Ólafur Arnalds jedenfalls scheint der Isländer-Bonus noch nicht ganz verflogen zu sein. Gemeinsam mit Nils Frahm gelang es ihm letzten Donnerstag, den Posthof praktisch auszuverkaufen. Den Mittleren Saal zwar, aber immerhin: da gehen mit Sitzplätzen auch gut dreihundert Leute rein. Dabei kann man nicht behaupten, dass es sich bei dem Gebotenen um die gängigste Kost handeln würde. Die beiden Pianisten versuchen sich nämlich an einer Vermengung von klassischer Klaviermusik mit Pop und Elektronik. Diese Crossover-Musik ist ein romantisch-versunkenes Dahinperlen über die Tasten des Klavieres, begleitet von Verstärkertechnik und elektronischen Effekten.

Ein gewisse musikalische Herausforderung, besteht doch die Gefahr, dass das Unterfangen in einem uncanny Bereich endet, wo es nicht Klassik ist, nicht Pop, aber auch (noch) nichts wirklich Eigenständiges darstellt. Nils Frahm, ein grundsympathischer Berliner, ist leider noch eher in diesem Bereich zu verorten. Er arbeitet mit Phrasen, die man aus romantischen Klavierstücken kennt und die er auf gedämpftem Klavier serviert, hinzu fügt er Synthetisches. Wirklich Spannendes kommt dabei aber nicht heraus. Immerhin muss man ihm jedoch Könnerschaft sowie die ehrliche Suche nach dem schönen Klang attestieren. So hört es sich dann auch an.

Bereits bei Frahms letztem Stück am Donnerstagabend gesellte sich Ólafur Arnalds dazu und lieferte sich mit  ihm und dem Piano einen im gegebenen Kontext fast schon orgiastischen Dreier. Ólafur Arnalds: ebenfalls hochsympathisch, witzig und unterhaltend zumal. Er beginnt seinen Auftritt mit einem Experiment. Arnalds nimmt einen vom Publikum im Chor gesungen Ton auf, freut sich öffentlich, dass die Österreicher im Vergleich zu anderen europäischen Völkern so musikalisch seien (ich habe selbstverständlich den Mund gehalten), führt das auf Mozart zurück und legt den Gesang seinem ersten Stück zugrunde. Danach tauchen wir immer tiefer ein in die eigentümliche Soundwelt des Ólafur Arnalds. Nach weiteren Solopianostücken gesellen sich ein Violinist und eine Cellistin zu ihm. Es entfaltet sich eine geradezu Zeitlupen-artige Musik. Zwischendurch erscheint es mir fast, als beobachtete ich drei Personen die am Grund des Meeres versuchen, ihre Instrumente zu bedienen, so getragen sind ihre Bewegungen. Nur, dass das Wasser die Musik ist, die uns nun alle einhüllt, wenn es nicht überhaupt ein ganz anderer Aggregatszustand ist, zu dem hier alles verformt wird. Von derartigen Trips erweckt uns der Isländer aber immer wieder mit seinen Zwischenbemerkungen, wenn er mit Selbstironie die in der Regel gänzlich unmystischen Entstehungsbedingungen seiner Stücke schildert. So erfahren wir, dass sein größter Hit ganz profan dem Kompositionsauftrag für einen Badezusatz zu verdanken ist (und nicht, wie er neckisch anmerkt, der Inspiration durch die märchenhafte isländische Natur).

Sicherlich, Arnalds´ Musik schrammt in ihrer ausproduzierten Studioversion (s. Link oben) zuweilen knapp  an der Kitschgrenze vorbei. Live wird die Vermengung der Elemente in ihrer ganz langsamen Dynamik aber auf jeden Fall zu einem runden Ganzen. Sehr schön.

Sonntag, 1. April 2012

Furcht auf Vorrat

Heute treten jene gesetzlichen Regelungen in Kraft, die österreichische Telekom- und Internetprovider verpflichten, eigene Datenbanken einzurichten, in denen sämtliche Verkehrsdaten (Verbindungsdaten) hinsichtlich ihrer Nutzer sechs Monate gespeichert sind - die Vorratsdatenspeicherung (ich nenne sie in der Folge VDS). Zweck ist es, eine spätere Zugriffsmöglichkeit des Staates auf diese Daten sicher zu stellen, damit dieser im Zuge von Ermittlungen wegen schwerer Straftaten sowie zur Abwehr konkret drohender Gefahren Informationen erhält.

Grundsätzlich ist für einen solchen Zugriff laut Gesetz eine richterliche Genehmigung erforderlich, bei IP-Adressen und E-Mail-Verkehrsdaten gibt es jedoch kraft Strafprozessordnung (StPO) sowie Sicherheitspolizeigesetz (SPG) für die Behörden auch Zugriffsmöglichkeiten ohne Richtervorbehalt (Details erspare ich, vgl. die Ausführungen hier).

Jeder, der einmal auch nur kurze Zeit in der Strafjustiz gearbeitet hat, weiß, welche essenzielle Rolle Verkehrsdaten heutzutage bei der Überführung von Straftätern spielen. Insbesondere, wenn es darum geht, organisatorische Zusammenhänge in kriminellen Organisationen jedweder Art aufzuzeigen, sind sie von größter Bedeutung. Aus der Perspektive der Ermittlungsbehörden ist der Wunsch nach gesetzlich geregelter Vorratsdatenspeicherung in einer Zeit, in der die Kommunikation zu großen Teilen über mobile Telefongeräte und Internet abläuft, durchaus nachvollziehbar. Dies vorab und pauschal als faschistoide Überwachungsfantasien der Polizeibehörden abzukanzeln, wie das manche Kritiker tun, zeugt von mangelndem Verständnis der realen Situation.

Die VDS in der vorliegenden Form ist aber dennoch sehr problematisch. Schließlich handelt es sich hier um nicht mehr und nicht weniger als die gesetzliche Anordnung, prinzipiell sämtliche Daten aller Nutzer (es gibt sehr wohl Ausnahmen, auf die aus Gründen der Komplexität hier aber jetzt nicht näher eingegangen werden soll) über die vertraglich-technischen Notwendigkeiten hinaus zu sichern, somit völlig losgelöst von einem konkreten Bedrohungsszenario oder einer vermuteten Straftat. Das ist schon ein Bruch mit vielem, was bisher für den Eingriff in Grundrechte gegolten hat. Das Hauptproblem, dass sich einem hier aus menschenrechtlicher Sicht aufdrängt, ist das folgende: Ist es verhältnismäßig, derart viele, personenbezogene Daten für einen relativ langen Zeitraum "einzufrieren", um in verhältnismäßig wenigen Fällen Ermittlungserfolge zu erzielen? Hier steht somit ganz massiv die Relation des Mittels zum Zweck auf dem Prüfstand.

Voraussetzung dafür, zu einer positiven Bewertung einer VDS gelangen zu können, wäre daher aus meiner Sicht - neben den "Selbstverständlichkeiten", wonach die Datensicherheit gewährleistet ist,  Rechtsschutz für Betroffene besteht und unabhängige Instanzen Zustimmungs- und Kontrollbefugnisse besitzen - ein eindeutiger Nachweis in Form von Studien bzw. Evaluierungen hinsichtlich der erreichbaren Ziele. Ein Beweis, wonach durch die gesetzlich vorgeschriebene Vorratsdatenspeicherung ein derartiger Quantensprung für die Zwecke der Strafverfolgung und Sicherheitspolizei erfolgt (welche, das darf man nicht vergessen, selbstverständlich auch menschenrechtlich geboten sind), dass es die massenhafte Vorab-Speicherung legitim erscheinen lässt. Derartiges scheint aber augenblicklich nicht vorzuliegen.

Entscheiden werden es letztlich die Höchstgerichte. Man darf gespannt sein. Das deutsche Bundesverfassungsgericht hat ja zB 2010 die aufgrund einer EU-Richtline aus 2006 europaweit einzuführende VDS für an sich zulässig erachtet, allerdings gleichzeitig die konkrete Umsetzung durch den deutschen Gesetzgeber in der Luft zerrissen.

Panik ist nicht angebracht. Ganz klar muss gesagt werden: Mit 1. April 2012 wird sich die Rechtspraxis in Österreich nicht tiefgreifend verändern. Die Speicherung von Inhalten, zB der Inhalt eines E-Mails oder die Webseiten, die über den Provider besucht wurden, bleibt weiterhin verboten. Eine Speicherung von Verkehrsdaten durch die Provider hat es - auf anderer rechtlicher Grundlage - bereits vorher gegeben, und diese waren auch schon bisher verpflichtet, diese Daten bei Vorliegen bestimmter gesetzlicher Voraussetzungen herauszugeben. In der Praxis war auch die Dauer der Speicherung in der Regel gar nicht so weit von dem entfernt, was die Regelungen zur VDS nun festschreiben. Auch der recht problemlose Zugriff der Sicherheitsbehörden auf IP-Adressen nach StPO und SPG ist nicht wirklich neu. Er erfährt allerdings durch den nunmehr wachsenden Datenpool eine faktische Erweiterung.

Die gegenwärtige öffentliche Aufmerksamkeit und Diskussion über die VDS kann in diesem Sinne durchaus auch als Chance begriffen werden. Als Chance, dass für das Thema "personenbezogene Daten" sensibilisiert werden kann und auf dieser Grundlage womöglich in der öffentlichen Diskussion und Auseinandersetzung neue Lösungen gefunden werden, die die Interessen der Allgemeinheit an einer funktionierenden Strafverfolgung und Gefahrenabwehr auf der einen und das Recht auf Datenschutz und Privatsphäre der BürgerInnen auf der anderen Seite besser in Einklang bringen.


Rechtliche Ausführungen sind Interpretation des Autors und ohne Gewähr.