Freitag, 31. August 2012

Das Winzerbuch der Rekorde # 2: die besten Postings, Teil 2

WinzerblogII

Anlässlich des fünfjährigen Bestehens dieses Blogs gibt es nun die hier angekündigte Rubrik, einen selbstreferenziellen Spaziergang auf der Metaebene. Oder einfach: ein bisschen Winzerblog über das Winzerblog.

Die besten Postings (Fortsetzung)

07


Zuweilen tue ich es doch und ich lese hinein in eines jener Blätter, die Schlagzeilen hemmungslos vor jede Moral setzen. Oft finde ich schon nach kurzer Lektüre irgend etwas, dass mich so entsetzt, dass ich es auch verarbeiten muss.Immerhin: mittlerweile gibt es Leute, die das quasi professionell machen.


"Heute"-Blog #3, 19.6.2009


06

Die Definitionsmacht ist etwas Spannendes. Wer sie hat, kann aus "Terroristen" "Freiheitskämpfer" machen oder umgekehrt. Mich hat schon immer irritiert, wie stark das Thema der Südtirol-"Aktivisten" (oder "Freiheitskämpfer", wie sie in der rechten Reichshälfte auch gerne explizit genannt werden) in Österreichs Medien tabuisiert ist. Weil man ihre Sache irgendwie für gerecht hält, hinterfragt man ihre Methoden nicht. Kaum jemand hat in diesem Zusammenhang, das - eigentlich sachlich zutreffende - Wort "Terrorismus" in den Mund genommen. Erst durch Wikipedia-Lektüre habe ich davon erfahren, dass schon die erste Generation dieser Bewegung (die, die hauptsächlich Strommasten in die Luft sprengte und verharmlosend "Bumser" genannt wurde) ein Menschenleben auf dem Gewissen hatte und die zweite Generation eine rechtsextreme Guerilla war, die mehr Menschen ermordet hat als die Baader-Meinhof-Gruppe.  Umso sprachloser machte mich ein Interview mit Gerd Bacher, in dem er nicht nur eine reichlich einseitige Sicht der Geschehnisse präsentierte, sondern sich auch noch selbst auf die Schulter klopfte, weil er geholfen hat, "Material" für die Aktivitäten der ersten Generation zu organisieren.

Der Tiger vom Brenner, 22.7.2009


05

Eines der wenigen neueren Postings, die wohl (auch) deswegen schwächer in dieser Liste vertreten sind, weil die Distanz einfach noch nicht groß genug ist. Dieser Text ist eine Replik auf einen Freund, der dasselbe per E-Mail gemacht hat. Und ja, es gibt kaum etwas Schöneres, als über schöne Erinnerungen zu schreiben..

Meine schönsten Fußballergebnisse aller Zeiten, 29.5.2012 & 2.6.2012


04

Besonders erfreulich sind natürlich Postings, die ich nicht selbst geschrieben habe und die dennoch auf meinem Blog erscheinen. Meine Freundin Sarah hat sich in dieser Hinsicht positiv hervorgetan und sich ebenfalls (s. 14) mit den kulturellen Unterschieden von Linz und Wien auseinander gesetzt.

Sarah wundert sich, 14.10.2008, 22.10.2008 & 13.11.2008


03

Es kommt selten vor, dass ich mich wie ein echter (Investigativ-)Journalist fühlen darf. Das ist normalerweise einfach nicht drin. Im Jahr 2007 aber besuchte ich ein Spiel des gerade aus der Taufe gehobenen Fan-Projektes Austria Salzburg und fasste das Erlebte zusammen. Der Text wurde von einem violetten Urgestein für gut befunden und erhielt auch in einigen (mittlerweile nicht mehr existierenden) Fußball-Foren einen sehr positiven Widerhall.

Die Anti-Dosen, 6.9.2007


02

Selten habe ich die tiefsten Untiefen meiner Seele so schonungslos offengelegt wie bei jenem Posting mit dem sehr prosaischen Titel.

Videohitparade # 2, 12.2.2008, 13.2.2008 & 21.2.2008


01

Ungelogen, beim Verfassen dieses Artikels hatte ich wohl das meiste Vergnügen. Es war ein sonniger Vormittag im sonnigen Sommer 2008 und ich musste über das, was ich schrieb, selbst lachen. Das einzige Problem bei diesem Beitrag: viele seiner Pointen erschließen sich nicht mehr in größerer zeitlicher Distanz zur Fußballeuropameisterschaft 2008. Immerhin habe ich das Konzept dieses Jahr wieder aufnehmen können.

Das Rollen der Glaskugel, 25.6.2008

Mittwoch, 29. August 2012

Das Winzerbuch der Rekorde # 2: die besten Postings, Teil 1

WinzerblogII

Anlässlich des fünfjährigen Bestehens dieses Blogs gibt es nun die hier angekündigte Rubrik, einen selbstreferenziellen Spaziergang auf der Metaebene. Oder einfach: ein bisschen Winzerblog über das Winzerblog.

Die besten Postings

Uh yeah, da tue ich mir jetzt naturgemäß schwer. Die qualitativ besten (bzw. am wenigsten schwächlichen, wie ihr wollt..) Beiträge zu identifizieren, ist mir als Verfasser eigentlich kaum möglich, wer kann schon wirklich seine eigenen Texte beurteilen. Dass Qualität nicht notwendig mit Erfolg in Form von Resonanz verknüpft sein muss, ist wiederum auch klar. Somit fällt auch dieser Anhaltspunkt weg (zu den erfolgreichsten Postings später einmal mehr).

Freilich könnten wir auch schlicht von folgender Prämisse ausgehen: Je mehr Anteilnahme, Leidenschaftlichkeit oder auch Vergnügen der Verfasser bei der Abfassung eines Postings empfindet, desto höher fällt dessen Qualität aus. Nun denn, dann wären die folgenden womöglich die fünfzehn besten Postings..

15

Die Vuvuzela-Diskussion 2010 ging auch an mir nicht kommentarlos vorüber. Der Text dazu ist leicht polemisch gehalten.

Atmosphäre, 17.6.2010



14

Die kulturellen Unterschiede zwischen Linz und Wien haben mich früher sehr fasziniert. Wirklich, ehrlich. Ich dachte damals sogar, das könnte die Richtung sein, die dieses Blog nimmt. Aber, je länger man dann einem Ort ist, desto selbstverständlicher wird das Umfeld und man nimmt den Unterschied zu früheren Milieus nicht mehr wahr.

Kulturbedingte Unterschiede, 2.3.2007



13


Manche Debatten brechen mit einer Wucht herein, dass es einem beinahe die Sprache verschlägt. Ab Mitte der Nullerjahre nahm die öffentliche Diskussion über den Islam eine Schärfe an, die man vorher nicht für möglich gehalten hatte und die in manchen gehässigen Momenten an ganz dunkle Epochen der Geschichte gemahnte. Von Kopftüchern über Minarette bis zur Beschneidung, kein Symbol des muslimischen Glaubens blieb dabei unangetastet. Dabei kam es immer wieder zu merkwürdigen Allianzen zwischen extremen Rechten und selbst ernannten Progressiven, wie sie in anderen Konstellationen (extreme Rechte und extreme Linke) auch in Hinsicht auf das Judentum verstärkt zu beobachten sind. Gegen Tendenzen, ganze Gruppen aufgrund ihrer religiösen oder ethnischen Zugehörigkeit ohne jegliches Augenmaß pauschal anzugreifen und ins gesellschaftliche Aus zu schieben, werde ich immer wieder auftreten (müssen).

Der verbotene Islam, 29.11.2009



12

Ich war immer schon ein Kritiker der Europäischen Union. Nicht der Idee, die großartig ist, sondern der konkrete Umsetzung, die leider ein gefährlicher Cocktail aus undemokratischen, politischen Packeleien und faulen Kompromissen ist. Wenn einen diese Erkenntnis (dass nämlich etwas, das gut und groß sein sollte so schief läuft) überwältigt, braucht es zuweilen satirische Triebabfuhr.

Das Euro-Dezennium, 8.6.2011



11

Aus Anlass eines runden Geburtstages einfach einmal  alle vorhandenen Bob Dylan-Platten durchhören und dann die schönsten Nummern auswählen. Das war einfach nur schön.

Dylan, 24.5.2011


10

Nachrufe sind ein starker Antrieb, einigermaßen starke Texte zu schreiben. Der Tod eines Menschen, der einen in irgend einer Weise persönlich beeindruckt hat, berührt eine tiefere Ebene und macht manchmal auch tiefere Erkenntnisse möglich. Ich habe Nachrufe über so unterschiedliche Persönlichkeiten wie Boris Jelzin, Duncan Larkin, Horst Skoff, Pete Postlethwaite oder Leslie Nielsen geschrieben. Jener über Keith Goddard war der einzige über einen Menschen, den ich auch einmal persönlich getroffen habe. Ich hoffe, dass das auch noch lange so bleibt.

Keith Goddard, 18.10.2009


09

A propos Nachrufe. Die post-messianische Aufregung nach dem Tod von Steve Jobs hat mich zu so etwas wie einer Antithese getrieben. Das musste damals einfach raus. Interessanterweise denke ich, dass das gar nicht pietätlos war, sondern dass vielmehr der Verstorbene gegen derart klare Worte und einen ungeheuchelten Umgang mit dem Geschehenen gar nichts einzuwenden hätte.

Anstelle eines Nachrufs, 9.7.2011


08

Hemmungslose Euphorien ob einzelner Persönlichkeiten sind mir zutiefst suspekt. Nicht, dass ich mich über die Wahl Barack Obamas zum US-Präsidenten nicht gefreut hätte. Aber, der Friedensnobelpreis, um Himmels Willen!? Was haben die noblen Herrschaften denn da geraucht? Wenn der so Dekorierte dann auch noch aus politischem Kalkül Folterknechte deckt, darf man bitte schon ein wenig zornig werden. Und, ja, Guantanamo gibt es auch immer noch.

Sie haben nur ihre Pflicht getan, 18.4.2009



Fortsetzung folgt..

Montag, 27. August 2012

Blockade

Vor vielen Jahren gab es ernst gemeinte Berichte über ein Geschäftsmodell, das darauf abzielte,  eine Technologie zu verkaufen,  die mittels eines eigens gesendeten Signales im Fernsehen die Werbeblöcke weg blockt. Und, sie durch Wasauchimmer ersetzt, Walgesänge, das Testbild, ich weiß es nicht mehr.

In Zeiten des Internetz und des digitalen Fernsehens ist der Bedarf für eine derartige Technologie vermutlich nicht mehr allzu groß.

Aber, wenn es möglich ist, dieses Prinzip auf das Auftauchen von Joko und Klaas, das sich momentan bei jedem gefühlten zweiten Zap auf einen deutschen TV-Sender vollzieht, zu übertragen, melde ich hiermit mein Interesse an.

Sonntag, 26. August 2012

Das Winzerbuch der Rekorde # 1: Tags und Themen

WinzerblogII

 Anlässlich des fünfjährigen Bestehens dieses Blogs gibt es nun die hier angekündigte Rubrik, einen selbstreferenziellen Spaziergang auf der Metaebene. Oder einfach: ein bisschen Winzerblog über das Winzerblog.

Heute: Themen und Tags

Dieses Blog ist thematisch nicht festgelegt. Hätte ich den Ehrgeiz, über meinen Freundes- oder erweiterten Bekanntenkreis hinaus dauerhaft LeserInnen anzusprechen, müsste ich das vermutlich ändern. Zumindest bräuchte es einen halbwegs schlüssigen Themenmix, der die Leserin/den Leser nicht völlig im Ungewissen lässt, was einen beim Aufschlagen dieser Seiten erwartet.

In "Die Welt eines Winzers: Önologie und mehr" ist hingegen einfach das abgebildet, was mich gerade beschäftigt und worüber ich das Gefühl habe, schreiben zu können bzw. zu wollen. Die Themen auf dem Blog können daher starken Schwankungen unterliegen. Immerhin haben sich im Laufe der Zeit Rubriken heraus gebildet, die für eine gewisse Kontinuität, einen roten Faden, sorgen. Ohne diesen wäre ich  vermutlich selbst schon im Allerlei untergegangen und hätte das Blogschreiben aufgegeben. Zu den Rubriken aber später im Rahmen dieser Reihe einmal mehr.

Heute eine schonungslose Aufschlüsselung der in diesem Blog vertretenen Themen (Stichtag: heute) mithilfe der vergebenen Tags.

Top 10 Themen - Anteil der Tags an der Gesamtzahl der Postings (derzeit 1.216)

  1. Musik                                18,18%
  2. Sport                                   9,46%
  3. Menschenrechte                  8,31%
  4. Politik                                 6,75%
  5. Rückblog                             5,26%
  6. Fußball                               5,18%
  7. Amnesty International        5,02%
  8. Film                                    4,69%
  9. USA                                    4,36%
  10. Konzert, Linz                  je 4,03%

Mittwoch, 22. August 2012

Im Kino # 17: Christopher Nolan - The Dark Knight Rises

USA 2012

Er trägt eine Maske. Er lässt die Wall Street erstürmen und initiiert einen Aufstand, infolgedessen die Besitztümer der Reichen geplündert und dieselbigen vor Standgerichte gestellt werden. Bane, so heißt der zentrale Bösewicht und Hauptgegner der Titelfigur Batman (Christian Bale) in "The Dark Knight Rises", bedient sich bei seiner öffentlichen Ansprache zur Mitte des Filmes einer Klassen kämpferischen Rhetorik. Die Maske, die Besetzung der Börse und der Kampf gegen die Eliten - das lässt einen freilich unmittelbar an Anonymous-Masken tragenden "Occupy Wall Street"-Protestierende denken. Ist das beabsichtigt?

Catherine Shoard, Filmkritikerin des linksliberalen Guardian erblickt in die "The Dark Knight Rises" eine kapitalistische, radikal-konservative Vision, die Mitt Romney Freude bereiten dürfte. Banes "Occupy Gotham" - Bewegung ist in ihren Augen als Horde von Anarchisten charakterisiert, die ihren Machthunger notdürftig hinter dem Feigenblatt des Strebens nach sozialer Gerechtigkeit verbergen. Denkt etwa Christopher Nolan, der neben der Regie auch für das Drehbuch mit verantwortlich zeichnet, so über Menschen, die die globale Verteilung der Güter gerechter gestalten wollen? Zunächst soll vorgebracht werden, was gegen diese These spricht.

"Occupy Wall Street" begann im September 2011. Damals lagen die Dreharbeiten zu "The Dark Knight Rises" in den letzten Zügen, die letzte Klappe fiel im November 2011. Es ist kaum vorstellbar, dass es da noch wesentliche Veränderungen am Film oder gar am Drehbuch gegeben hat, die dem Ganzen eine bestimmte Richtung verliehen hätten. Wir können also festhalten, dass Nolan offensichtlich nicht explizit auf "Occupy Wall Street" Bezug nimmt, vielmehr greift er das schon länger in der Luft liegende Thema sozialer Spannungen infolge der Finanzkrise auf.

Dann ist da natürlich Batman selbst, der Antagonist der Aufrührer, der Held der Batman-Trilogie. Die aus dem DC-Comicuniversum übernommene Biographie und Charakterisierung des "dunklen Ritters" engt den Spielraum des Regisseurs naturgemäß ein: Batman ist Bruce Wayne, ein reicher Erbe, Multimillionär, Konzernchef im korrupten, von wohlhabenden Eliten verfilzten Gotham City. Als solcher forscht er - durchaus mit den Idealen von Neoliberalen im Einklang - an erneuerbaren Energien und betätigt sich philanthropisch. Wenn er aber unter die dunkle Maske schlüpft, prügelt er des Nächtens auf die ins Kriminal geratenen Verlierer des Systems und jene, die es zerstören wollen, ein. Das System Gotham mit seinen korrupten Eliten hingegen bleibt weitgehend unangetastet, bildet es doch das Koordinatensystem, in dem sich die Abenteuer des Fledermausmannes abspielen sollen. Batman ist eben nicht V.

Christopher Nolan selbst rechtfertigt sich in diesem Interview gegen die Vorhaltungen einer fragwürdigen politischen Agenda sinngemäß damit, dass er mit "The Dark Knight Rises" einfach eine Geschichte erzählen wollte, die brennende Fragen aufwirft, ohne dabei ein politisches Statement abzugeben. Zugleich habe er auf die Brüche hinweisen wollen, die in der Gesellschaft bestehen und darauf, was diese zur Folge haben können. Liest man das Interview eingehender, gelangt man zu dem Eindruck, dass Nolan die komplexen Themenstellungen, die er in seinen aktuellen Streifen einfließen ließ, nicht wirklich reflektiert hat oder nicht wirklich reflektieren wollte. Dass er sie viel mehr als (Stil-)Mittel betrachtet, Aufmerksamkeit und Atmosphäre zu generieren und den KinogängerInnen Aufregung zu verschaffen.

Und hier liegt aus meiner Sicht das Problem. Grundsätzlich sind die von Nolan angestrebten Ziele für die Zwecke einer Action lastigen Comic-Verfilmung natürlich nicht verwerflich. Jedoch sollte das Mittel nicht darin bestehen, Fragen von höchster aktueller Brisanz und gesellschaftlicher Relevanz in einer rein auf den Effekt schielenden und unreflektierten Weise zu verarbeiten. Natürlich, die Kritiker des Systems dürfen in "The Dark Knight Rises" kurz zu Wort kommen (man denke an das aus dem Trailer berühmte Tänzchen), aber letztlich sind die Grenzen zwischen "guten" Systemerhaltern und finsteren Systemgegnern sehr klar gezogen. Bane (Tom Hardy), der selbst ernannte Revolutionär, ist ein sehr klassischer Bösewicht, brutal, skrupellos und in keinster Weise unserer Sympathie würdig. Die in die Geschichte mehr schlecht als recht hinein gepropfte Catwoman (schauspielerisch toll: Anne Hathaway) soll Ambivalenz zum Ausdruck bringen, ihre Entwicklung im Film untermauert aber letztlich nur die beschriebene Grundtendenz. Schlimmer noch: schon früh offenbart sich, dass die "Occupy"-Schurken um Bane eine versteckte Agenda haben, die mit einer finsteren orientalischen Ideologie zusammen hängt, die Gotham (Amerika) hasst und auf terroristischem Wege zerstören möchte. "The Dark Knight Rises" gerät hier endgültig zur Fantasie von Tea Party-AktivistInnen und rechten RadiomoderatorInnen.

Dass dies mit Christopher Nolans Weltbild wenig zu tun hat, davon kann man ausgehen. Aber die Art und Weise, wie hier in dem Bestreben, Unterhaltung für die Massen zu schaffen, aktuelle politische Fragen mit den thematischen Vorgaben des Batman-Universums verschmolzen werden, ohne die Implikationen zu bedenken bzw. zu scheuen, darf man schon unschön finden.

Dies alles gesagt habend, muss ich einräumen, dass eine andere Lesart des Filmes - wie von Nolan angedeutet - auch möglich ist: dahin gehend, dass ein Festhalten am Status quo gefährlichen Demagogen in die Hände spielt, die sich bestehende Ungleichgewichtslagen zu Nutze machen, um die Macht an sich zu reißen. Freilich macht diese Aussage nur dann wirklich Sinn, wenn erstens die sozialen Verhältnisse, um die es geht, auch dargestellt werden - was außer in den Worten der Feinde des Systems praktisch nicht geschieht - und zweitens auch eine konstruktive Antwort auf diese Herausforderung formuliert wird. Wenn diese alleine in einem dunklen Rächer besteht, der bei Bedarf das Aufbegehren für einmal nieder kartätscht, kann dies in Wahrheit keine sein und die Problematik bleibt bestehen. Mag dies in der reinen Comic-Welt Gothams, dieser eigentümlich zeitlosen Existenz, noch vertretbar sein, weil hier alles beim Alten bleiben muss, darf man es sich in der realen Welt nicht so einfach machen. Und "The Dark Knight Rises" überschreitet die Grenze zur realen Welt ganz unmissverständlich - Gotham City ist hier eindeutig nicht mehr Gotham City, sondern (wieder) New York City.

Im Sinne der Zielsetzungen des Filmes erscheinen die Charaktere als relativ oberflächliche Gestalten, soziale und psychologische Hintergründe bleiben, im Gegensatz zu anderen Bearbeitungen des Stoffes, eher unterbelichtet. Alles, auch die Führung der Charaktere, ist hier darauf ausgerichtet, ein bombastisches Actiondrama abzuliefern, ein in sich greifendes Räderwerk von Handlungssträngen und Figuren zu schaffen und in einer ständigen, packenden Bewegung zu halten. Das gelingt freilich auch ganz ausgezeichnet.

"The Dark Knight Rises" hat Schwächen im Skript und weist problematische Aspekte auf. Aber er ist auch dramaturgisch exzellent inszeniert und wirklich unterhaltsam. Ein filmisches Meisterwerk, wie dies die religiös verehrende Batman-Gemeinde bekundet, ist er für mich freilich nicht.

Meine Bewertung: 3.5 aus 5 Sternen.



Montag, 20. August 2012

Schnapsidee

Fast hätte ich es vergessen, wahrscheinlich habe ich es verdrängt. Auf unserer Nord-Tour haben wir in einem Anfall von reisekultureller Ironie beschlossen, in jeder Stadt, die wir besuchen, ein Schnapsglas zu erstehen.

Darüber dürfte sich vor allem der einzige Souvenirhändler von Hannover gefreut haben, der Derartiges zu Apothekerpreisen genau an die Leute verkauft, die sowas beschlossen haben.

Ich will das gar nicht weiter mit Worten beschönigen, das ist die Ausbeute:

IMG_2422
Von vorne nach hinten: Regensburg, Hannover, Bremen, Lübeck, Kopenhagen.

So und jetzt reden wir nicht mehr darüber.


Samstag, 18. August 2012

Fünf Bewerbe, in denen Österreich möglicherweise olympische Medaillen machen würde, wenn sie olympisch wären

Absurder Weise wird derzeit mehr über den Schulsport diskutiert als nach jeder veröffentlichten Untersuchung, die Verheerendes über den Gesundheitszustand der österreichischen Jugend offenbart. Wegen London und wegen des Bleches, das unsere sich redlich mühenden AthletInnen mit nach Hause gebracht haben. Weil wir die einzige Nation Europas sind, die mehr als eine Million Einwohner aber bei diesen verwichenen Spielen keine Medaille errungen hat.

Abgesehen von einem Wechsel des "Systems" - bei dem der Leistungssport freilich immer nur eine untergeordnete Rolle spielen darf und die allgemeine Volksgesundheit die klare Priorität sein muss - sowie den ungelenken Einwürfen des zuständigen Ministers (Athletenschelte und Schröcksnadel-Herbeibetung..), was ließe sich noch deichseln, um Rot-Weiß-Rot zu mehr olympischem Glanz zu verhelfen?

Neue Sportarten ins Programm der Olympischen Sommerspiele!

Grasski

Das ist eigentlich aufgelegt. Wir lassen einfach dieses kalte, weiße Zeug weg und kurven auf den Hängen des Küstengebirges von Rio de Janeiro zu Gold. Der Haken an der Sache: auch dieser Bewerb ist derzeit leider keine gemähte Wiese. Schon drei Weltmeisterschaften lang gab es keine Goldene mehr für Österreichs Grasskiläufer. Freilich ist der rot-weiß-rote Nachwuchs (bei kaum einem Sport ist dieser Ausdruck so treffend) groß im Anrollen. Und, wenn der Herr Umweltminister weiter so brav billige Zertifikate kauft, gibt es ohnehin bald nur mehr den Grasskilauf und wir räumen 2060 bei den Sommerspielen in Grönland groß ab!

Voltigieren

Dabei handelt es sich nicht um eine obskure Sexualpraktik, sondern um eine sogar dem internationalen Reitsportverband angehörige Sportart, bei der Menschen auf Pferden akrobatische Übungen vollführen. Österreich ist hier erstaunlich erfolgreich, die Hochburg befindet sich, wie bei vielen abwegigen Hobbys (Ringen! Radball!), meines Wissens in Vorarlberg. (stimmt nicht, die besten Voltigierer kommen mittlerweile aus ganz Österreich).

Faustball

Ja klar, der Faustball! Wo die Union Freistadt und die Union Arnreit Weltpokalsieger sind. Noch Fragen?

Bahnengolf

Wir Österreicher mögen bekanntlich den Diminutiv und haben vermutlich auch deshalb ein gewisses Talent für Sportarten, die eine verkleinerte Version einer anderen Sportart darstellt. Siehe Tischfußball. Siehe Hallenhockey. Und eben Bahnen(Mini-)golf. Das Prinzip erscheint ausbaufähig! Shetlandpony-Springreiten über Lego-Steine, zum Beispiel. Kunstspringen vom Badewannenrand. Dreirad-Mannschaftsverfolgung. Oder, Sandkasten-Volleyball (Moment, das existiert möglicherweise schon..)

Kärntner Triathlon

Ausmauscheln - Einstecken - Abstreiten.




Donnerstag, 16. August 2012

Auf Schiene

Letzten Samstag, letzter Zug: eine Gruppe von oberösterreichischen Jugendlichen ist mit mir unterwegs. Sie haben in Wien ein Konzert besucht. Wenn ich samstags tagsüber in Wien bin, fahre ich zuweilen spät am Abend noch nach Linz zurück. Das ermöglicht es, zu Hause auszuschlafen, ohne das Gefühl zu verspüren, am nächsten Tag noch eine Zugfahrt absolvieren zu müssenIch fahre gerne mit dem Zug, aber fahren müssen, das möchte ich nicht.

Der Zug ist voll und daher haben sich die jungen Konzertbesucher zunächst in den Liegeabteilen breit gemacht, von denen sie aber durch den Schaffner vertrieben worden sind. Jetzt stehen bzw. sitzen sie auf den Gängen des Nachtzuges herum. Die Stimmung ist einigermaßen gedämpft, weil sie ja vertrieben wurden und schon ziemlich müde sind.

Leider müssen sie noch lange so ausharren. Der Zug hat schon in Meidling Verspätung gehabt habt (ein russischer Zug wollte partout nicht losfahren, weil er noch auf Umsteige-Fahrgäste warten musste). Dann steht er eine halbe Stunde in Hütteldorf. Dann eine halbe Stunde in St. Pölten. Zum Glück sind im Fahrplan nur zwei Halte vorgesehen.

Allgemeine Empörung. "Das nächste Mal fahr ich mit dem Auto, auch wenn ich etwas getrunken habe!" Allgemeine Zustimmung.

So bringt man junge Menschen auf Schiene.

Mittwoch, 15. August 2012

London

Wenigstens unsere Amnesty Popfest-Band Diver macht in London gute Figur. Auch, wenn es sich in Wahrheit um Feldkirch handelt.


Dienstag, 14. August 2012

Kipferl

Druckfehler können natürlich immer passieren und sind daher meistens nur mäßig spektakulär.

Dieser hier aber hat, finde ich, irgendwie Charme.


Der Standard, 13.8.2012.

Montag, 13. August 2012

Musikvideo des Monats Juli 2012

Als Leser des Musikblogs Stereogum und dank dessen Redakteur Tom Breihan komme ich immer wieder mit der sonderbaren Welt des K-Pop in Berührung. Die koreanische Popindustrie ist eine Millionen schwere Hitmaschine, die weit über die Grenzen Koreas hinaus agiert. Sie bringt visuell beeindruckende, zuweilen bizarr anmutende Musikvideos hervor, bei denen man die musikalische Untermalung besser als eine Art obskuren Soundtrack wahrnimmt. Ein besonders episches Beispiel dafür findet sich hier.

Der Monatsmeister geht aber an dennoch an PSY.

Seine Neureichen-Parodie ist einfach nur...naja, seht selbst.

Sonntag, 12. August 2012

Ohren(ge)fälliges: Monatsmeister des Monats Juli 2012

Ford & Lopatin - Emergency Room
Brooklyn, New York
Gewonnene Ränge: + 8

Monatsmeister des Monats Juni 2012.


Billy Bragg - Lay Down Your Weary Tune
Bridport, England
Gewonnene Ränge: +5

Dieses Dylan-Stück klingt wie ein schottischer Folksong und ist es im Grunde genommen auch. Dylanologen vermeinen, die Inspirationsquelle für "Lay Down Your Weary Tune" in der berühmten wie schwermütigen Ballade "The Water Is Wide" gefunden zu haben. "Lay Down Your Weary Tune" entstammt dem Schaffensprozess zur durchaus epochalen "The Times They Are Changin´"-LP, hat es jedoch nicht auf deren Endfassung geschafft. Was freilich nur wieder beweist, welche Preziosen Bob Dylan in seinen besten Tagen nahezu täglich aus den Saiten schüttelte.

Dabei darf freilich dahingestellt bleiben, ob der Song tatsächlich auf dieses Album gepasst hätte, wird "The Time They Are Changin´" doch in textlicher Hinsicht deutlich von den weltlichen, gesellschaftsbezogenen, ja politischen Momenten dominiert. "Lay Down Your Weary Tune" hingegen beschreibt eine geradezu mystische Versenkung in die Klänge, Harmonien und Rhythmen der Natur und des Universums. Da orgelt der Ozean, der Regen trompetet und der Wind spielt auf den kahlen Ästen der Bäume wie auf Banjos. Die menschliche Stimme aber, sie hat in Anbetracht dieser allumfassenden Symphonie zu verstummen.

Ist dies nun ein eskapistischer Ausdruck der Seele eines von den Ereignissen des eigenen Ruhmes übermannten Künstlers, der jetzt in der Natur Zuflucht sucht? Oder, ist es vielmehr auch eine spirituelle Reise auf der Partitur des Kosmos, ein Hineinfühlen in die Schwingungen des Lebendigen, gar eine pantheistische Vision? Für letzteres spricht vielleicht, dass, wie mir scheint, in dieser Dichtung auch eine starke Metaphorik von Tod und Wiedergeburt verkapselt ist, eine tiefernste Grundschwingung, die vom Salbadern mancher Naturdokumentationen so weit weg ist, wie nur irgend etwas.

Auf jeden Fall ist es ein schöner Text, musikalisch fein umgesetzt. Der englische Folk-via-Punk-Songwriter Billy Bragg hat sich "Lay Down Your Weary Tune" zu Recht ausgesucht (oder, der Track wurde für ihn ausgesucht, so genau wissen wir das nicht), um den Song für die "Chimes of Freedom"-Compilation von Dylan-Coverversionen zu Gunsten von Amnesty International aufzunehmen. Dieser erlebt dadurch in gewissem Sinne eine Rückführung in den Kontext britischer Folkmusik. Und, kann von uns entdeckt werden, auch wenn wir Dylan-Kompilationen aus den Achtzigern wie "Biograph" (wo der Song erstmals veröffentlicht wurde) eher nicht erwerben würden.

Billy Bragg - Lay Down Your Weary Tune (auf YouTube)


Donnerstag, 9. August 2012

Eingeholt

Die Wege des Netzes sind unergründlich.

Gebe ich in der Google.at-Suche "orf sportkommentatoren" ein, kommt dieser Artikel aus dem Jahr 2008 an dritter Stelle. Noch vor Wikipedia, dem Standard und der ORF-Seite. Da möchte man seine damals getroffenen Einschätzungen oder Aussagen gerne ein wenig revidieren, aber das darf man ja irgendwie nicht. Oliver Polzer, zum Beispiel, finde ich bei weitem nicht mehr so schlimm, wie noch 2008. Sein Fan bin ich zwar nicht geworden, aber deutlich reifer und kompetenter wirkt er jetzt doch auf mich.

Ich werde das Posting daher demnächst wohl runter nehmen. Derart harte Beurteilungen müssen nicht für immer in Stein oder in ein Blog gemeißelt sein.

Samstag, 4. August 2012

Copy and Paste

Sommerloch. Erneut klaue ich einfach ein Video, das ein Freund gemacht und unvorsichtiger Weise auf Facebook gestellt hat. Aber, A.W. ist ja auch unter jenen, die regelmäßig an meinen Jahresumfragen teilnehmen und somit gewissermaßen zur sehr überschaubaren Community dieses Blogs gehören.

Auf folgendem Video fährt er mit dem Fahrrad von Simmering zum Wienerberg. Für mich als halbblinder Straßenverkehrslegastheniker eine Art Geisterbahn, aber irgendwie auch faszinierend.

 
Von Simmering bis Wienerberg from A.W. on Vimeo.

Freitag, 3. August 2012

Reisesouvenir

Die deutsche Autobahn ist ein bisschen wie Disneyland. Wenn man fertig ist, bekommt man ein Erinnerungsfoto bei 117 km/h. Für 30 Euro.



Ich wurde freilich leider raus geschnitten..

Mittwoch, 1. August 2012

Zwischen den Spielen

Neuigkeiten aus der olympischen Bewegung, abseits der Spiele (nicht rechtskräftig).

Da bekommt man eine Ahnung, was mancherorts zwischen den Spielen so passiert.