Mittwoch, 26. Dezember 2012

Pop-Trivia

Am Montag habe ich das letzte Türchen meines tollen Adventkalenders der Vinyl-Singles geöffnet. Hinter den einzelnen Tagen steckte einiges Wohlbekanntes, aber auch viel Unbekanntes und Kurioses.

Zwar hat Sarah die Platten eher nach Kriterien wie "schaut lustig aus"oder "hat einen lustigen Namen" ausgesucht. Eine genauere Recherche (Wikipedia sei Dank) offenbart aber, dass hinter so manchem weniger bekanntem Namen unerwartet Wissenswertes steckt.

Nehmen wir zum Beispiel Bobby Vee. Seinen Hit "Take Good Care of My Baby " (17.12.) hat jede/r schon einmal gehört. Aber, ich wusste nicht, dass seine Karriere begann, als er im Februar 1959 gerade 15-jährig mit einer eben erst formierten Band von Schulkollegen für die bei einem Flugzeugabsturz in Iowa ums Leben gekommenen Rock´n´Roll- Stars rund um sein großes Idol Buddy Holly einsprang. Er soll den Auftritt mit Tränen erstickter Stimme absolviert haben.

Die Band Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick & Tich klingt wie ein schlechter Scherz aus dem Hippie-Zeitalter, hat aber auch einen Platz in der Mythenbildung der Rockmusikgeschichte sicher. Bandleader Dave Dee war 1960 als Polizist an der Stätte jenes Autounfalls im englischen Wilshire zugegen, bei dem der Rock´n´Roller Eddie Cochran getötet und sein Kollege Gene Vincent schwer verletzt worden waren. Er nahm die Gitarre von Chochran an sich, brachte sich auf ihr das Gitarrespielen bei und gab sie dann an dessen Familie  zurück. 1961 gründete er seine Band, deren Singles zwischen 1965 und 1969 mehr Zeit in den britischen Charts verbracht haben als jene der Beatles."Okay! " (18.12.) ist eine davon.

Dank der British Invasion, zu der auch Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick & Tich gehörten (nebenbei natürlich die Beatles, die Stones, die Kinks oder die Animals), konnte schnelle, Rhythm´n´ Blues-basierte Musik einige Jahre nach den Tragödien von Iowa und Wilshire im amerikanischen Mainstream wieder Fuß fassen. Der erste Rock´n´Roll-Hit amerikanischer Provenienz dieser neuen Ära war 1965 "Wooly Bully" (19.12.) von Sam the Sham and the Pharaohs, einer Gruppe von Latino-Rock´n´Rollern aus Texas. Sie traten tatsächlich in pseudo-altägyptischen Gewändern auf, eine Sitte, die sie erst nach dem Ausbruch des Sechs-Tage-Krieges ablegten. "Wooly Bully" ist ein ausgesprochener Nonsense-Song, immerhin hat aber der Titel einen realen Hintergrund. Wooly Bully war nämlich eine real existierendes Individuum, genauer gesagt die Katze von "Sam" Domingo Zamudio. Sie muss ziemlich stark behaart und ein ziemlicher Tyrann gewesen sein.

Dass Elvis Costello einen Vater hat, war mir klar, dass dieser aber auch ein relativ erfolgreicher Musiker war, weniger. Mit der Single "Patsy Girl" (22.12.) war Ross McManus am europäischen Festland sehr erfolgreich, am höchsten kletterte die an klassischem Ska orientierte Nummer in Österreich, wo sie 1966 Platz 5 erreichte.

A propos: auch österreichisches Bands tauchen dank Vinyl-Singles wieder aus der Versenkung auf. Zu erwähnen ist die Ende der Sechziger Jahre aktive Folk-Band Jack´s Angels ("The Life I´m Livin´", 20.12.), bei der damals, wie ich feststellen konnte, einer meiner Uniprofessoren die Gitarre gespielt hat. Und: DJ Ötzi muss ich etwas Abbitte leisten. "Do Wah Diddy Diddy" (11.12.) ist schon in der Originalversion von Manfred Mann ein gnadenloser Nervtöter..

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