Montag, 30. Dezember 2013

Musikvideo des Monats November 2013

Äh ja, im November und Dezember war ich ziemlich beschäftigt. Das Sichten von Musikvideos hatte daher nicht die höchste Priorität. Aber immerhin schreiben wir ja noch 2013..

Ganz ausfallen lassen konnte ich den Musikvideo-November dann auch nicht, immerhin war es ein Monat, in dem Musikvideos Schlagzeilen machten. Pharrell Williams etwa brachte das erste 24-Stunden-Musikvideo heraus, obwohl für den Song "Happy" zweieinhalb Minuten locker gereicht hätten. Kanye West sorgte für Aufsehen, weil er seinen Track "Bound 2" in ein grauenerregendes Video fasste (sucht es euch selber, falls ihr es noch nicht gesehen habt, aber betrachtet euch als gewarnt), in dem seine Ehefrau, eine weltbekannte Berufsprominente, spärlich bekleidet ist.

Auch die älteren Superstars gaben Lebenszeichen von sich. Bruce Springsteen bedachte den Titeltrack zu seinem neuen Album "High Hopes" mit einem Lyrics-Video, das eher ein besserer Trailer ist. Für die Beatles gab es ebenfalls einen neuen Film. Den Vogel schoss aber Bob Dylan ab, der einer Verfilmung seines ewigen Klassikers "Like A Rolling Stone" seinen Segen erteilt hat. Das Ergebnis ist interaktiv und empfehlenswert, da doch sehr unterhaltsam.

Die Liste prominenter Veröffentlichungen ließe sich noch fortsetzen, aber stattdessen hier mein Monatsmeister, ein unheimlicher und unheimlich gut gemachter 80er-Jahre-Thriller zum Titel "The Hearse" von Wampire:





Ein ähnlich geglücktes Zusammenspiel von Musik und Video, bei dem erstere für letzteres geschrieben scheint (was sie wohl kaum ist), stellt die Verarbeitung von "Frosted Tips" von Califone dar, wobei in wenigen Minuten dank eines gelungenen Kniffs gleich ein Dutzend Geschichten erzählt werden.

Und schließlich sei auch noch auf Rilo Kileys "Emotional" hingewiesen. Diese exzellente B-Seite von der gerade erschienenen Compilation "Rkives" wird mit sonderbarem, aber stimmigem Archivmaterial unterlegt.

Samstag, 28. Dezember 2013

Alles, was euch recht war, Nulldreizehn

Man sagt ja, angeblich nach Einstein, dass es Wahnsinn sei, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.

Also, nur so als Beispiel jetzt, etwa als Frau und Herr ÖsterreicherIn immer wieder und immer mehr NICHT die ÖVP zu wählen und zu erwarten, dass die Volkspartei dadurch an Einfluss verliert bzw. von ihrem eisernen Griff auf alles, was reformiert gehört, ablässt.  Oder, als WeltbürgerIn wieder einmal einem jungen, hoffnungsfrohen US-Präsidenten zuzujubeln und dann ernsthaft davon auszugehen, dass der die Menschenrechte achten und in seinem Land soziale Gerechtigkeit einführen wird.

Aber, so simpel ist das ja nicht. Ich sende ja auch jedes Jahr meine Jahresumfrage hinaus und es kommen gänzlich unterschiedliche Ergebnisse zurück. Sicher, jetzt könnte jemand spitzfindig sein und sagen, es ist ja auch ein anderes Jahr. Egal. Es gibt übrigens eine neue Kategorie! Damit trage ich der Tatsache Rechnung, dass es seit ´13 amtlich ist, dass das gegenwärtig am meisten elektrisierende Kulturereignis nicht das Konzert, das Buch, das Musikalbum oder gar der Kinofilm ist, sondern die Fernsehserie.

Wie jedes Jahr freue ich mich wie narrisch über jede Teilnahme. Schickt mir eure Rückmeldung bitte bis 31. Jänner 2013 per Mail an einwinzer@gmx.at . Es können, müssen aber keineswegs alle Kategorien beantwortet werden. Auch der kleinste Beitrag nimmt im Übrigen an der legendären Jahresumfragen-Preisauslosung teil, Vorstellung der Preise folgt.

Die Kategorien:


Bester Film, 2013 im Kino gesehen

Am liebsten gehörtes Musikalbum 2013 (muss nicht 2013 erschienen sein)

Am liebsten gehörtes Musikstück 2013 (muss nicht 2013 erschienen sein)

Bestes Konzert 2013

Lieblingsbuch 2013

Am liebsten gesehene TV-Serie 2013

Das Schönste überhaupt 2013



PS: Die Antworten werden auf diesem Blog veröffentlicht, allerdings mittels Initialen, Bundesland und Berufsbezeichnung weitest gehend anonymisiert.

Freitag, 27. Dezember 2013

Nachtrag zu Weihnachten

Vor drei Jahren habe ich die Lektion gelernt: Wenn bei der Firmenweihnachtsfeier nur mehr der Tisch ganz vorne frei ist und sich der oberste Chef komischer Weise nicht da hingesetzt hat, dann, ja dann..wird es Impro-Theater unter Publikumsbeteiligung geben! Also, NICHT da hin setzen. Niemals.

Nur, das Blöde ist, dass man solche Lektionen allzu rasch wieder vergisst. Vor allem, wenn man bei der Weihnachtsfeier nicht herum stehen möchte. Und außerdem, wer rechnet schon damit, dass es schon wieder Improvisationstheater geben wird!?

Prinzipiell sollte man freilich immer mit allem rechen, vor allem auf Firmenweihnachtsfeiern. Immerhin, dieses Jahr war die Einbeziehung des Publikums dezent, die DarstellerInnen haben angesichts der mangelnden Beteiligung einfach improvisiert.

Worauf ich hinaus hin: Improvisationstheater ist eigentlich ganz lustig, wenn man nicht gezwungen ist, mitzumachen.

Das führt uns zu unserem "Weihnachtsvideo des Jahres". Die Idee ist womöglich auch bei einem Impro-Theater-Workshop entstanden: "Spielen wir doch ein vertrautes Ereignis im Stile verschiedener Filmregisseure. Zum Beispiel Weihnachten." Das könnte man auch mit Hineinrufen auf die Bühne adaptieren. Intellektuelles Publikum und sehr fähige Improvisierende vorausgesetzt.



Danke an Jo.

PS: Jim Jarmusch fehlt.

Donnerstag, 26. Dezember 2013

Traditionalismus

Auch Menschen, die sich für eher nüchtern-rational halten, haben die ihnen eigenen Weihnachtsbräuche. Sarah zum Beispiel macht jedes Jahr vor Weihnachten ein Lebkuchenhaus. Dieses Jahr ist es aber eigentlich kein Haus, sondern eine Zeitreise-taugliche Telefonzelle. KennerInnen der TV-Serie "Doctor Who" kennen sich da jetzt aus, alle anderen schütteln den Kopf. In jedem Fall hier eine Abbildung (man beachte den zuckersüßen Dalek):





Meine weihnachtliche Gewohnheit kann man bereits mit Fug und Recht als Tradition bezeichnen. Immerhin hat mein Großvater die Krippe geschnitzt und mir vor Jahren, als er noch gelebt hat, gezeigt, wie die einzelnen Figuren aufgestellt werden sollen. Das mache ich seitdem jedes Jahr.





Sonntag, 22. Dezember 2013

Rückblog 2012 # 14: So haben sie gewählt

Sobald die GewinnerInnen der Jahresumfragen-Preisauslosung feststehen, dürfen sie wählen. In der Reihe der Platzierungen. So haben sie sich dieses Jahr entschieden:

I.W. wählte Preis Nr. I - das Menü, vom Winzer persönlich zubereitet.
T.P. wählte Preis Nr. II - den Eventbesuch nach Wahl.
A.P. wählte Preis Nr. III - den Ausflug mit unbekannten Ausgang.
A.W. wählte Preis Nr. VII - Etwas Musikalisches aus der Kategorie "Ohrengefälliges" nach Wahl des Winzers.

J.R. wählte Preis Nr. VI - Ein Souvenir von einer Reise des Winzers.

Freitag, 20. Dezember 2013

Keine Amnestie für Putin

Natürlich freut es uns, wenn Putin Gewissensgefangene freilässt. Wenn er Leute pardonniert, die wegen Taten jahrelang eingesperrt sind, die keine Verbrechen sind. Das zeigt auch, dass es ihm - insbesondere im Vorfeld der Prestige trächtigen Spiele von Sotschi - nicht gänzlich gleichgültig ist, welches Bild die Welt von ihm hat. Und, dass internationaler Druck nicht umsonst ist.

Aber, Gnadenakte im Stile von Monarchen ersetzen keinen Rechtsstaat, keine Gesetze, die mit den Menschenrechten im Einklang stehen. Keine sauberen Wahlen. Kein Ende von Diskriminierung.

Daher ist es richtig, wenn Putin es auch weiterhin zu spüren bekommt, dass Inszenierungen wie die Olympischen Spiele oder auch Fußballweltmeisterschaften nichts kaschieren können.

Ich befürworte es daher auch, wenn viele Staaten den nahenden Winterspielen offizielle Delegationen verweigern. Sollen die betroffenen Politiker auch klar sagen, warum? Vielleicht. Andererseits, im Rahmen der Diplomatie können auch "Terminkollisionen" eine klare Botschaft sein, wenn sie von jedem verstanden werden.

Wäre freilich schön, wenn Österreichs Bundesregierung das auch versteht.

Sonntag, 15. Dezember 2013

Rückblog 2012 # 13: Die Entscheidung

Es ist soweit. Der spannendste Moment das Jahres ist gekommen. Zumindest für jene, die sich an meiner Jahresumfrage 2012 beteiligt und damit für die Auslosung dieser fantastischen Preise qualifiziert haben.

Elf Personen waren es diesmal und fünf Gewinne lagen im Pott. Eine nie da gewesene Gewinnchance für die Beteiligten einer meiner Jahresumfragen.

Genießt also die Show und schaut, wer dieses Jahr die fünf Plätze an der Sonne gewonnen hat. Wie immer wurden sie von Rang fünf aufwärts gelost und dürfen von Rang eins abwärts unter den Preisen wählen.




Ich gratuliere den GewinnerInnen und bedanke mich bei allen, die teilgenommen haben.

Samstag, 14. Dezember 2013

Die beste Liga?

Seit dem deutsch-deutschen Champions League-Finale von Wembley (hier der exakte Ablauf, bereits vorab beschrieben) geistert eine Behauptung durch die - vor allem deutschen - Medien. Die lautet: die deutsche Bundesliga ist mittlerweile die beste Fußballliga Europas und damit auch der Welt.

Hier tut Differenzierung not. Zuerst ist der rein sportliche Aspekt zu betrachten.

Wie erwähnt haben zwei Bundesliga-Equipen das Finale 2013 bestritten und die Anzahl von vier Teams, die es im laufenden Bewerb ins Achtelfinale geschafft haben, vermag zunächst auch zu beeindruckend. Die sportliche Entwicklung geht also eindeutig zügig nach vorn.

Jedoch stellt man, schaut man genauer hin, fest, dass die Breite in der Spitze im deutschen Klubfußball dem Vergleich mit England oder Spanien noch nicht standhält. Verfügt nämlich derzeit Deutschlands oberste Spielklasse über zwei ernstzunehmende Anwärter auf den Champions League- Titel (Bayern München und Borussia Dortmund), so sind dies im Falle der englischen Premier League zumindest deren drei (Manchester United, Arsenal und Chelsea), wenn nicht so gar vier (sofern Manchester City die vorhandene Qualität nun auch im europäischen Kontext kontinuierlich umzusetzen vermag). Und Spaniens La Liga, die auch in der UEFA-Fünfjahreswertung vorne liegt, kann dieses Jahr drei Teams des absoluten Toplevels vorweisen (Barca, Real und Atletico).

Blickt man hinter die beiden Branchenführer des deutschen Kicks, so stößt man mit Schalke und Leverkusen auf zwei zweifellos starke Teams, die aber zuletzt gegen englische Vertreter sehr schlecht ausgesehen haben (Schalke mit einem Gesamtscore von 0:6 gegen Chelsea, Leverkusen mit einem solchen von 2:9 gegen Man United). Und, eine Stufe tiefer, im Trostpokal Europa League sind deutsche Vertreter zuletzt regelmäßig ziemlich sang- und klanglos ausgeschieden und hatten insbesondere gegen die spanische Konkurrenz in diesem Bereich wenig zu melden. Es herrscht also doch noch sportlicher Aufholbedarf.

Schaut man freilich auf die Rahmenbedingungen des Spiels, so ist die deutsche Fußball-Bundesliga vermutlich top. Geht es um den Zuschauerzuspruch, die Stimmung in den Stadien, die Eigentümerstrukturen der Vereine, auch um die Breite des Sports bis in die unteren Spielklassen hinunter (Zweitligaspiele vor 30.000 Zuschauern sind bekanntlich keine Seltenheit..) und natürlich die Solidität der wirtschaftlichen Verhältnisse, dann ist der deutsche Vereinsfußball womöglich schon jetzt am besten aufgestellt. Freilich muss man sich auch hier vor Klischees hüten, denke man nur daran, dass Dortmund und Schalke nur knapp dem Konkurs entronnen sind. Und, dass letztere auch Geld von Gazprom nehmen müssen, um sich über Wasser zu halten. Aber, die Richtung stimmt.

Donnerstag, 12. Dezember 2013

Glatt vorbei

Das ist in so vielerlei Hinsicht falsch, dass ich jedes Mal, wenn ich da vorbei gehe, den Kopf schütteln muss.

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Dienstag, 10. Dezember 2013

Shiny Jersey

Nein. Ich will nichts bei einem obskuren Webshop in den Staaten bestellen. Nein. Seufz.

Sonntag, 8. Dezember 2013

Donnerstag, 5. Dezember 2013

Ohren(ge)fälliges: Monatsmeister des Monats November 2013

Gabrielle Aplin - Keep On Walking

Sutton Benger, Wiltshire, England
Gewonnene Ränge: + 5

Die angelsächsischen Musikblogs nennen es Poptimism und es herrscht angeblich seit den Nullerjahren. Darunter versteht man das Phänomen, dass sich MeinungsbildnerInnen, TrendsetterInnen und RezensentInnen im Feld der populären Musik zunehmend von der strikten Trennung zwischen dem, was Indie ist, und dem, was Mainstream genannt wird, verabschieden. Soll heißen: der Musikintellektuelle oder Hipster von heute kann auch schon einmal die aktuelle Katy Perry-Nummer gut finden, denn sie ist ja hervorragend produziert, geht flockig ins Ohr und greift musikalische Trends aus dem musikalischen Untergrund dezent  und in amüsanter Manier auf. Außerdem, wer wird denn so bierernst sein: Musik darf auch einmal schlicht entspannen und unterhalten. Keiner sagt, dass sie für die Ewigkeit gemacht sein oder die Tonleiter neu erfinden soll.

Gleich, dass sie in den Hitfabriken großer Plattenfirmen hergestellt worden ist, dass es sich um ein Produkt handelt, an dem Marketingmenschen mindestens so viel Anteil haben wie MusikerInnen. Tugenden wie Authentizität, handwerkliches Vermögen, die Kontrolle des Musikers über das Gesamtprodukt darf man nicht zu hängen. Überhaupt: wer sind denn die Leute, die über Jahrzehnte den hochgestochenen Diskurs darüber, was gute und richtige Musik ist, geführt haben. Wer schreibt denn die "ewigen Bestenlisten"? Genau. Alte, weiße Männer mit Hochschulabschluss. Und, wer macht Indie Rock? Jüngere, weiße Männer mit Hochschulabschluss. So gedeutet wird Poptimism auch zu einem Sichöffnen gegenüber einer globalen Wirklichkeit, ein Ausbrechen aus dem Elfenbeinturm.

Überhaupt scheinen die Grenzen zu verschwimmen: Das, was man für qualitätsmäßig positiv abweichende Musik gehalten hat, wird plötzlich unaufhaltsam in den Mainstream gesogen. Acts wie Arcade Fire oder Lykke Li erobern die großen Charts. Große, böse Konzerne jagen im Werbefernsehen plötzlich Musik, die Indiepop-Hits bis auf ein paar Noten gleicht, rauf und runter.

Es ist hier nicht der Platz, ausgiebig darüber zu reflektieren, wie neu denn das Phänomen des Ineinandergreifens von Subkultur und Mainstream wirklich ist. Selbstverständlich ist das ein ständiger Prozess der Musikgeschichte. Dass zum Beispiel schon die Beatles oder Stones nicht nur revolutionäre Erfindungen gemacht, sondern vielmehr Vorhandenes geschickt in einen entstehenden Mainstream übertragen haben, ist eh bekannt. Heute freilich sind sie im offiziösen Kanon der populären Musik ganz oben mit dabei. Die Zeiten und die Geschmäcker ändern sich einfach.

Interessant ist aber, dass derzeit auf die Grenzziehungen, so scheint es, besonders wenig wert gelegt wird.

In diesem Sinne passt es ja, wenn ich jetzt eine Künstlerin zur Monatsmeisterin küre, die ihren ersten großen Hit mit einer Coverversion des Pop-Schmachtfetzens "The Power of Love" von Frankie Goes To Hollywood (Warnung: Hier ist wirklich das Video verlinkt!) errungen hat. Gabrielle Aplin hat es mit ihrer reduzierten, am Klavier vorgetragenen Interpretation bis auf den ersten Platz der britischen Singles-Charts geschafft. Das war 2012, die Sängerin mit der sanften, klaren und doch übermächtigen Stimme war zwanzig und der Zweck dieses Songs die Ausschmückung eines Weihnachtswerbespots einer Handelskette. Zuvor hatte sie über YouTube-Videos ein Publikum gesammelt. Katy Perry hat sie auch gecovert.

Gabrielle Aplin ist freilich eine Grenzgängerin. Ihre Vorbilder sieht sie in der musikalischen Trinität Dylan, Cohen und Springsteen und ihrer aktuellen Platte "English Rain" steckt nicht nur großer Pop, sondern auch der Singer/Songwriter-Folk in den Knochen. Ein ähnliche Mixtur konnte ich schon im letzten Jahr bei Debbie Clarke feststellen, mit dem Unterschied freilich, dass Frau Aplin in Punkto Songwriting und durchgehender Qualität besser aufgestellt zu sein scheint.

"Keep On Walking" ist ein ziemlich mitreißender Folkpop-Song mit einem trommelnden Rhythmus und afrikanisch anmutenden Antwortchören mittendrin. Der von uns gegangenen Indie-Polizei hätte er vermutlich nicht so sehr gefallen. Uns darf er aber ruhig ein bisschen fröhlich stimmen.

Die Grenzen sind schließlich offen und wir müssen uns ja auch nicht dauernd da drüben aufhalten.


Gabrielle Aplin - Keep On Walking" (freier Download gegen Newsletter)



Dienstag, 3. Dezember 2013

Write For Rights



Advent, Advent, der Amnesty Briefmarathon rennt. Ein paar Klicks nur und ihr seid mit dabei. In Österreich ebenso wie international.

Sonntag, 1. Dezember 2013

Katzenfoto des Monats November 2013

Diesmal war es einfach. Ich habe im November nur ein einziges Katzenfoto gemacht. Das zeigt aber dafür Felicitas, was gut für die Balance ist. Und Florian kann wieder friedlich einschlafen.

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Freitag, 29. November 2013

Unter Blinden

Eigentlich war ich immer der Meinung, dass ich außergewöhnlich ungeschickt bin. So richtig patschert halt. Bei allem nämlich, das mit Feinmotorik oder auch dem Agieren im Raum zu tun hat. Schon in der Volksschule habe ich reihenweise Handwerks- und Sportlehrer an den Rand der Verzweiflung gebracht. Wobei sich das Element der tatsächlichen Ungeschicklichkeit und die sich daraus entwickelnde Unlust, es überhaupt zu probieren, wechselseitig verstärkt haben. Ein diabolischer Zirkel.

Natürlich habe ich das auch immer darauf zurück geführt, dass ich auf einen Auge blind bin. Kein stereoskopisches Sehen eben. Andererseits könnte ich nicht behaupten, dass ich jemals das Gefühl gehabt hätte, so etwas wie der dreidimensionale Raum würde nicht existieren. Der ist da, weil ich weiß, dass er da ist. Das Auge bewegt sich ja auch und erfasst alles rund herum.

Ich glaube, dass Sarah immer schon neugierig war, wie das mit einem halben Gesichtsfeld so ist. Aber, ich kann mir nicht vorstellen, dass sie sich deshalb gestern irgendwo zwischen Ottensheim und Linz einen Gestrüppzweig ins Auge gestoßen hat. Das war schon ein Unfall. So bemitleidenswert sie deshalb derzeit mit dem Augenverband ist, so macht sie doch auch eine interessante Erfahrung.

Denn, so einfach ist das bei ihr nicht, mit dem einen Auge. Das verbliebene Sehorgan ist überanstrengt. Gegenstände landen auf dem Boden statt auf dem Tisch, Gläser werden vorsichtshalber gar nicht mehr eingeschenkt. Und die Wohnung schaut nach dem Aufräumen unaufgeräumter auf als vorher.

Ich hingegen komme mir mit einem Mal ganz schön geschickt vor. Es ist eben nur eine Frage der Dimension.

Mittwoch, 27. November 2013

In Concert # 40: Richard Wagner - "Das Rheingold", 20.11.2013, Musiktheater Linz

Als ich vor mittlerweile schon einigen Jahren einmal mittags durch den Linzer Volksgarten gegangen bin (ich arbeite ums Eck), waren da Leute mit Mikrophonen unterwegs. Sie haben Passantinnen und Passanten gestoppt und befragt. Konkret, was sie denn von dem im Bau befindlichen Linzer Musiktheater halten würden. Eine Frau Mitte der Dreißig mit Kinderwagen und weiterem Kind am Arm legte gleich los: da würden Millionen verpulvert für Etwas, von dem die einfachen Leute doch nichts hätten. Das Musiktheater sei nur für "die da oben" da. Das Geld würde anderswo viel nötiger gebraucht.

Mit Stand 2013 kann man solchen Äußerungen nicht wirklich mit letzter Überzeugungskraft entgegen treten. Aber, wenn es schon da ist, das brandneue Haus, dann soll man es auch besuchen und Frau und Herr Steuerzahler damit ein wenig von der Last abnehmen. Und, womöglich verbreitet sich dann die Kunde, dass es gut angenommen wird und über Umwege spielen sich die Kosten zumindest für das Linzer Gemeinwesen (das sich mit 35 prä-SWAP-Millionen beteiligt hat) wieder herein.

Was den Komfort betrifft, kann man jedenfalls bedenkenlos hinein gehen. Harte Bänke, die nach einer halben Stunde die Wirbelsäule arg malträtieren sind hier passé, es sitzt sich wie im Cineplexx-Kino. Auch das Operngeschäft muss mit der Zeit und der Konkurrenz gehen. Damit sich der Jetztmensch vollends zuhause fühlt, ist die Lehne des Sitzes vor ihm (zumindest im ersten Rang) mit einem Touchscreen ausgestattet, auf dem er vor Beginn der Aufführung alles mögliche Wissenswerte erfahren und nach Beginn den gesungenen Text mitverfolgen kann.

Die Akustik ist, soweit ich das beurteilen kann (ich war schon zu lange in keinem Opernhaus mehr), auch gut. Der Klang des hier am Werk befindlichen Orchesters ist schön, sauber und fehlerfrei. Eine erste große Aufgabe: Der Ring des Nibelungen. Und der beginnt zwangsläufig mit dem "Rheingold", das sich sein Erfinder als Vorabendveranstaltung zum mehrtägigen "Ring"-Spektakel gedacht hat. Ein zweieinhalbstündiger Appetizer wohl gemerkt, der bei anderen Musikschaffenden schon als episches Großwerk durchgehen würde. Aber zur Wagnerschen Gewaltigkeit ein andermal mehr. Wir haben ja noch den ganzen Rest vom Ring.

Zunächst also einmal das alte Rheingold im neuen Haus. Und das entbehrt nicht einer gewissen Ironie, geht es doch darin insbesondere auch um Herrschende, die sich einen prestigeprächtigen Bau leisten wollen. Dabei sind alle Anfänge bescheiden. Ein großes Zelt muss den germanischen Göttern zu Anbeginn als Wohnstatt dienen, das mehr den Geist einer zentralasiatischen Steppe atmet als jenen einer frühen Hochkultur. Das Eigenheim ist noch nicht fertig, denn die Baumeister sind noch am Werken und der Preis ist - wie immer- viel zu hoch. Schlussendlich muss sich Bauherr Wotan, der sich ziert zu bezahlen, vom gemeinen Volk auch noch entgegen halten lassen, dass auch er nur durch "die Verträge" das ist, was er ist.

Das Geschäft freilich, mit dem der Deal dann doch noch abgesichert werden soll, ist noch grauslicher als er selbst. Nur, dass im "Rheingold" für die selbstherrlichen Auftraggeber die Verluste noch nicht schlagend werden, auch wenn dunkle Ahnungen und Warnungen bereits wie Schwärme von Stabreim-Heuschrecken herumfliegen. Loge, dem zwielichtige Berater Wotans, bei dem man nie so recht weiß, was eigentlich seine Leistung ist, dämmert es schon am Deutlichsten.

Gold, Ausbeutung, Macht, soziale Verwerfungen. Das "Rheingold" ist ein Elfer ohne Torhüter für RegisseurInnen, die sich mit politischen, welt- und zeitgeschichtlichen Bezügen verwirklichen wollen. Uwe Eric Laufenberg schreitet freilich nicht zu diesem Punkt. Seine Inszenierung agiert ohne Ablenkungen, stellt Musik und Drama von Richard Wagner in den Mittelpunkt. Die Ausstattung ist ansehnlich, aber nicht überbordend, zwar kein Minimalismus, aber auch kein inszenatorisches Feuerwerk. Gefällig, könnte man dazu sagen. Für Menschen, die sich erst einmal mit  Wagners musikdramatischer Sprache anfreunden möchten - und da gibt es schon einiges zu verarbeiten - ein willkommener Einstieg: nicht allzu überwältigend, aber doch packend.

Auch die gesanglichen und darstellerischen Leistungen stehen dem nicht nach. Besonders Michael Bedjas Loge spielt und singt sich im Laufe des Abends immer mehr ins Zentrum des Geschehens. Eine dankbare Rolle, zweifellos, ein selten spannender Operncharakter. Eine Figur, die schauspielerischem Talent viel Raum gibt. Fragt (in einer anderen Kunstform) Tom Hiddleston. Für Loge gibt es folgerichtig auch dem meisten Applaus, auch Bernadett Fodor als Erda und Seho Chang als Donner werden besonders reich bedacht. Und, siehe, der Regisseur!

"Das Rheingold" in Linz ist eine Aufführung, die keine großen Risiken eingeht, aber auch nicht viel falsch macht. Vielleicht auch ein ganz guter Weg, um uns einmal das neue Haus vorzustellen. Und, strategisch gesehen: Publikum für diese Art von Inszenierung wird es landauf, landab, genug geben.



Montag, 25. November 2013

No Justice, No Peace

Der Song schafft es vielleicht nicht in meine persönliche Top 25, aber die Tatsache, dass sich eine aufstrebende Künstlerin wie die Grammy-Gewinnerin Esperanza Spalding politisch derart positioniert, ist selbstverständlich top. Stevie Wonder, Harry Belafonte und Janelle Monáe haben sich
angeschlossen.


Samstag, 23. November 2013

Freunde?

Ich bin auf Facebook nur mit Personen "befreundet", die ich schon persönlich getroffen habe und die das offensichtlich auch wirklich wollen (= in aller Regel haben sie mir eine Freundschaftsanfrage geschickt).

Mir ist aber bewusst, das andere Leute das irgendwie lockerer handhaben.





Dank an den (nicht nur Facebook)-Freund Max.

Donnerstag, 21. November 2013

Musikvideo des Monats Oktober 2013

Schon wieder so spät dran. Daher spare ich mir jetzt ausführlichere Elogen und Erwähnungen und sage einfach, wer es gemacht hat. Der Bruce nämlich.

Nach dem Abschluss seiner "Wrecking Ball"-Tour hat er ein Video gemacht, das ganz UNS gewidmet ist. Nicht einmal einen eigenen Song spielt er, so sehr nimmt er sich zurück (Ironie).

Und wir lernen: Springsteen-Fans gehören eher nicht den ethnischen Minoritäten an, gehen aber sonst durch alle sozialen und altersmäßigen Schichten.


Dienstag, 19. November 2013

Amnesty informiert: Will I Be Next? Amnesty und der Drohnenkrieg der USA

Seit 2004 machen die USA in Pakistan mit Drohnen Jagd auf mutmaßliche Mitglieder von Al-Quaida und der Taliban. Seit Drohnen zu solchen Zwecken eingesetzt werden, gibt es internationale Kritik. Für den Bericht “Will I Be Next? US Drone Strikes in Pakistan” hat Amnesty vor Ort, in der schwer zugänglichen und entlegenen Region Nord-Waziristan, recherchiert, Fakten zusammen getragen und Forderungen erarbeitet.

Die mehrfache Großmutter Mamana Bibi war 68 Jahre alt, als sie eines gewaltsamen Todes starb. Sie war gerade dabei, auf den Feldern ihrer Familie Okra zu ernten, als sie von zwei US-amerikanischen Hellfire-Raketen in Stücke gerissen wurde. Ihre Enkelkinder, die mit ihr am Feld arbeiteten oder spielten, wurden, teilweise schwerst, verletzt.

Mamana Bibi war weder Mitglied der Taliban noch von Al Quaida, sie war die Frau eines ehemaligen Schuldirektors aus Nord-Waziristan. Warum musste sie sterben? Und, kann es überhaupt rechtens sein, mit Drohnen auf Menschen zu schießen, weil man sie bestimmter Aktivitäten verdächtigt? Was tut eigentlich Pakistan angesichts dieses amerikanischen Tötungsprogrammes, das mutmaßlich schon mehrere tausend Leben gekostet hat?

Anhand des aktuell erschienenen Amnesty-Berichts “Will I Be Next? US Drone Strikes in Pakistan” wollen wir diesen und anderen Fragen nachgehen, sowie uns mit den Hintergründen des US Drohnenkrieges in Pakistan befassen.

Moderation: Martin Walther, Gestaltung: Sarah Berger, Martin Walther "Will I Be Next? US Drone Strikes in Pakistan".

Sonntag, 17. November 2013

Ohren(ge)fälliges: Monatsmeister des Monats Oktober 2013

Tree - Safe To Say
Chicago, Illinois
         Gewonnene Ränge: + 6


Ich bin weit davon entfernt, in einer Kirchengemeinde aufgewachsen zu sein, geschweige denn in einer afroamerikanischen. Trotzdem verbinde ich die gelöste Atmosphäre eines Sonntagvormittages mit Soulmusik.

Das kommt so: mein sehr säkularer Vater hat eine Vorliebe für Jazz, Blues, Klassischen Rhythm ´n´ Blues und eben auch Soul. An den Sonntagen meiner Kindheit hat er seine Sachen immer gerne aufgelegt, nicht immer zur Begeisterung meiner Mutter, die die klassische Musik bevorzugt hätte. Die hellen, beschwingten Klänge des Soul haben sich da mit dem erbaulichen Sonnenlicht des Vormittages oder frühen Nachmittages vermischt und eine gelöste Atmosphäre durchdrungen, die sich nach einem samtenen Pyjama anfühlte, nach einem entspannten Frühstück duftete und nach Freiheit klang. Schließlich war ich nicht im Halbdunkel aufgestanden, um eilig in ein graues Gebäude zu fahren und mich dort einsperren zu lassen.

Als mir also ein Freund vor einiger Zeit eine Platte mit 60er/70er Jahre-Soulmusik geschenkt hat und ich sie dann sonntags aufgelegt habe, war ich glücklich, dieses Gefühl wieder zu empfinden. Und so ist es mir auch mit dem Mixtape "Sunday School II - When Church Lets Out" ergangen. Wobei die Sache einen merkwürdigen Twist aufweist, denn schon die Bezeichnung als Mixtape verweist ja darauf, das es sich hier um ein Werk der Rapmusik handelt. Und dieses kommt noch dazu aus Chicago, bekannt für sein hartes Pflaster und eine entsprechend geerdete Hip Hop-Kultur.

Doch Tree fügt dem gegenwärtigen Hype um Chicago-Rap eine sehr spezielle Komponente hinzu. Er selbst nennt seine Musik soul trap und dazu kann man im Prinzip nur "Ja und Amen" sagen. Auf "Sunday School II ", das konzeptionell an einen Gottesdienst angelehnt ist, verbindet sich das helle, klare Element der Soulmusik mit bodenständig-rauen Rapversen. Dabei zeichnet Trees Vortrag bei aller Rauheit aber etwas Sehnendes-Hingebungsvolles aus, das wiederum auf große, klassische Soulballaden verweist. Überzeugend ist die Vielschichtigkeit und Vielseitigkeit seiner Musik, die ihre Kraft und Inspiration immer wieder aus dem effekt- und kunstvollen Einsatz von Samples schöpft.

Bei "Safe To Say" ist es einmal kein Soulstück, das die Grundierung bietet, sondern eine Kirchenorgel. Das Stück ist nicht der Standout-Track des Mixtapes, dies aber schlicht deshalb, weil dessen Qualität durchgängig hoch ist. Ein exzellenter Türöffner in die Welt von Tree ist es in jedem Fall. Wer davon angetan ist, kann sich das komplette Mixtape hier legal und kostenfrei herunter laden.



Freitag, 15. November 2013

Ironie, grausam

Grausame Ironie. Die Kairoer Militärmachthaber stellen zwei Ex-Präsidenten wegen toter DemonstrantInnen vor Gericht (Mubarak: wird schon stimmen, Mursi: kann ich nicht beurteilen).

Und dann liest man sowas.

Deprimierend.

Dienstag, 12. November 2013

Asylgrund

Wieder so ein Fall, wo ich mich frage, ob die so uninformiert sind oder eben doch nur so tun:

Die FP-Politiker Norbert Hofer und Harald Vilimsky sehen sich bemüßigt, sich im Gefolge der jüngsten EGMR-Entscheidung laut diesem Standard-Interview gegen "Homosexualität als Asylgrund" auszusprechen. Die Begründung: Homosexualität sei schwer nachzuweisen und könne leicht "vorgetäuscht" werden.

Das ist also die Befürchtung: Menschen, die aus Gegenden kommen, in denen gleichgeschlechtliche Liebe verteufelt wird und als Schande gilt, werden sich massenhaft als Homosexuelle deklarieren, weil das ein Asylgrund sein könnte. Naja, lassen wir das einmal so stehen.

Nur, das EuGH-Urteil, das die gegenwärtige Diskussionen ausgelöst hat, sagt mit keiner Silbe, dass Homosexualität an sich ein Asylgrund ist.

Im Gegenteil, Amnesty International kritisiert die Luxemburger RichterInnen in einer Aussendung  explizit dafür, dass sie nicht klar festgehalten haben, dass die Existenz von Gesetzen, die Homosexualität unter Strafe stellen, einen Asylgrund für Homosexuelle aus dem jeweiligen Land darstellt. Offenbar muss dafür eine tatsächliche Verfolgungssituation wegen der geschlechtlichen Orientierung vorliegen.

Vom "Asylgrund Homosexualität" sind wir also in Wahrheit noch weit entfernt. Ich habe aber das Gefühl, dass solche Details in der freiheitlichen Rhetorik keine Rolle spielen.

Sonntag, 10. November 2013

Traunauen

Der Reiz des Geocaching wird sich mir nie wirklich erschließen. Aber Sarah macht das mit großer Begeisterung und das ist auch ganz in Ordnung für mich. Weil es ein Hobby..pardon, Sport ist, der sich an der frischen Luft abspielt und so. Außerdem hat Geocaching ein unbestreitbares Plus. Es führt einen nämlich an interessante Orte, an die man sonst nie geraten wäre.

Am Allerheiligentag zB sind wir mit der Straßenbahn bis nach Linz-Kleinmünchen gefahren, sind dort ausgestiegen und haben uns dann Richtung Ebelsberg bewegt. Noch vor dem Überqueren der Traun sind wir aber links abgebogen, unter der großen Eisenbahnbrücke, über die man auf der Westbahnstrecke kommend nach Linz hineinfährt, hindurch und auf eine kleine Halbinsel hin.

Dort war es merkwürdig schön. Die einzigen Menschen außer uns auf dem schmalen Landstreifen waren Sportangler des SK VOEST, die mit stoischer Mine auf das Wasser der sich hier mächtig ausbreitenden Traun blickten. Dazu kleine Auwälder, die deutliche Spuren einer offenbar nahen Biberkolonie zeigten. Und entrisch-verlassene Hochhäuser gegenüber auf der Kleinmünchner Seite, gleich neben den Bahnanlagen, die ziemlich hoffnungslos nach kommerziellen Mietern Ausschau halten.

Ein sonderbar verlorener Ort, speziell zu Allerheiligen, der zeigt, wie schnell man in Linz wieder irgendwie "draußen" ist.

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Traunauen Kleinmünchen 2013, ein Album auf Flickr.

Donnerstag, 7. November 2013

In Concert # 39: Velojet / Slut / Sohn / Austra (Ahoi! Pop Festival 2013), 1.11.2013, Posthof, Linz

Irgendwie hat sich das Ahoi! Pop Festival im Linzer Posthof verändert. Als ich exakt ein Jahr zuvor schon einmal da war, zeigte das Lineup noch eher die Ambition, dem Besucher auch Künstler nahe bringen zu wollen, von denen man noch nichts gehört hat. Im Jahr 2013 kannte man nun fast alle Acts nur allzu gut aus den jüngsten FM4-Charts und/oder aus Ton angebenden Musikpostillen. Das Ahoi! Pop geht auf Nummer sicher, könnte einer sagen. Oder aber: es ist ganz einfach groß geworden.

Im Besonderen treffen diese Aussagen auch auf den diesjährigen Allerheiligenabend zu. Für Freunde alternativer Musik verschiedener Generation war da angerichtet. Und zahlreich waren sie erschienen. Der Große Saal war ziemlich voll, auch hinten auf den Sitzplätzen saßen einige Menschen.

Velojet, Gründungsjahr 2003, spielten als erste auf. Die "Wiener mit oberösterreichischen Wurzeln" (wie es so schön heißt) werden schon verdammt lange als das nächste ganz große Ding des österreichischen Pop gehandelt. Jetzt haben sie sich zeitweise ausgeklinkt, waren in Indien. Dabei haben sie aber nicht vergessen, wo sie herkommen, wie auf Posthofsbühne gleich zu Beginn betont wird ("die einzige österreichische Band heute Abend"). Sonst kommt die Quotentruppe (zwei Männer, zwei Frauen) aber sehr sympathisch rüber. Auch der Britpop-Scheitel ist im fernen Osten keineswegs verrutscht und sitzt bei Velojet noch immer perfekt. Indische Klänge hören wir da eigentlich nicht heraus, dafür sauberen Gitarrenpop mit sehr ordentlichen Melodien und Harmonien, bei denen nicht nur die alten Briten, sondern auch deren kalifornische Vorläufer durchscheinen. All dieses zügig vorgetragen, ohne Pausen zwischen den Stücken. Soundmäßig war das vielleicht nicht das allerbeste dieses Abends, das Publikum noch nicht ganz angekommen (mental, zahlenmäßig sehr wohl). Aber als Auftakt war das doch gelungen.

Slut aus Ingolstadt, mittlerweile München, gegründet 1994, sind so eine Band, wo man sich zuerst erstaunt gegenseitig anschaut, dass es die noch gibt. Damals, Ende der 90er Jahre wurden sie auf den Studentenpartys rauf und runter gespielt. Allerheiligen 2013 standen also jetzt die StudentInnen von einst im Großen Saal, im Vergleich zu Velojet war es nun etwas spärlicher, dafür älter. Slut blicken immer noch recht zuversichtlich in die Welt, obgleich das Internetzeitalter ihrem Bandnamen wahrscheinlich nicht allzu gewogen war (versucht es mal auf YouTube - oder lieber doch nicht!). Auch ihrem Sound hat der Strudel der Zeit ein wenig Leids getan. Nicht, dass sie ihre alten Stücke nicht noch souverän darbringen würden, aber zeitweise frägt man sich schon, wann endlich Brian Molko in Ingolstadt anruft, um sich mit seinen Stilbrüdern zu unterhalten. Erstaunlich, wie ähnlich sich Musik aus der richtigen Distanz auf einmal anhören kann. Der Nostalgieeffekt greift bei dieser freilich noch rettend ein, was man beim neuen Material, bei dem Slut sich an rockigerem Geläuf versuchen, allerdings nicht mehr behaupten kann. Am Ende gibt es noch die "Mackie Messer-Moritat" aus der "Dreigroschenoper" (daran haben sie sich auch einmal versucht) und schließlich "Easy To Love", den (zu?) unwiderstehlichen Ohrwurm.

Das beste kommt freilich nicht immer zum Schluss. Eine Tochter, ein Sohnein Sprößling halt, kommt häufig eher in der Mitte des Lebens. Oder eben auch eines Ahoi! Pop-Abends. Zugegeben, wir sind derzeit schon alle ziemlich drauf auf diesem Zeug, das die Spex treffsicher als das "Magische Dreieck aus R´n´B, Indie und Electro" bezeichnet hat. Wobei, Indie, naja, vor allem R´n´B und Electro, würde ich da sagen. Aber, hallo, auf welchem Niveau spielt sich das da ab! Dieser Sohn (realer Name und Geburtsdatum unbekannt) ist ein Brite, der aus privaten Gründen seinen Lebensmittelpunkt nach Wien verlegt hat. Und welch ein Glücksfall ist das. Majestätische, schön akzentuierte Beats türmt er mit Hilfe zweier Mit-Musiker in die Längen und Breiten des Posthof und doch weit darüber hinaus. Dazu singt seine sanft-nachdenklichen Stimme Weisen in jenem Stil, den manche als bedroom r´n´b bezeichnen, die einen aber keineswegs in den Schlaf wiegen, sondern ziemlich zu packen vermögen. Das wahrlich Erstaunliche aber ist: der Mann hat unter dem Künstleralias Sohn gerade eine einzige EP heraus gebracht und doch enthält diese offenbar schon ein ganzes, kleines Universum, in dem jeder Song ein raffiniert gesponnenes Unikat und dennoch unverkennbar Teil des Ganzen ist, Teil jener Stimme, die der Künstler für sich bereits gefunden hat.

Nach Sohn liegt die sonische Latte freilich hoch. Es ist schon 0.30 Uhr und manche(r) demnach nicht mehr ganz frisch, als zum Abschluss der mit viel Spannung erwartete Auftritt von Austra, gegründet 2009, beginnt. Jener kanadischen Band um die klassisch ausgebildete Sängerin Katie Stelmanis, die es vermag, mittels klassischer Stimmbrillanz, tanzbaren Rhythmen, poppigen Hooks und dunkler Grundierung ein Gesamtkunstwerk zu schaffen, das Popradiojünger, Musikblogs lesender Hipster und Gestalten der Nacht gleichermaßen unter dem Schirm ihrer Tonleitern zu vereinen vermag. Tatsächlich zieht sich mir, als Frau Stelmanis ihren Gesang anstimmt, auch gleich ein wohliger Schauer von den Nackenhaaren hinunter über die Arme. Und, diese Momente dürfen sich auch wiederholen, etwa wenn sie den machtvollen Hit "Lose It" darbietet, der von Koloraturen gekrönt wird. Auch visuell ist es ansprechend. Austra möchte offenbar weg vom Image der dunklen Prinzessin aus der Goth-Disco und träumt sich in ferne Welten. Asiatische Schirme sind aufgespannt, an der gesamten Rückwand der Bühne erhebt sich eine fernöstliche Bergdarstellung, vielleicht ein Hiroshige. In diesem bildlichen Kontext gewinnt auch die Musik neue Bedeutungen und Assoziationen. Und wir erinnern uns, dass Austra der Name einer lettischen Götttin des Lichts sein soll, was schließlich gut zu einem Land der aufgehenden Sonne passt. Bei allem Strahlen und aller Schönheit geht aber doch auch etwas ab: Unterscheidbarkeit. Austras Stücke kommen von dieser Livebühne zu gleichförmig daher, allzu zu sehr aus einem Guss. Das hindert dann doch die echte Faszination.


Dienstag, 5. November 2013

Berühmt

Und der ATSV Stadl-Paura kratzt auf YouTube an der 100.000er Marke. Respekt.

Und ich habe was gelernt. Mir war ehrlich nicht bewusst, dass man den Ball beim Elfmeter auch aufspielen kann. Betonung: kann.

Sonntag, 3. November 2013

In Concert # 38: The Wave Pictures, 26.10.2013, Chelsea, Wien

Nationalfeiertag 2013. Abends strömen die Menschen ins Chelsea unter dem Stadtbahnbogen. Es ist nicht ganz so voll wie bei den Beach Fossils, aber doch recht beengt. Aber das Thema hatten wir schon.

Auf dem Programmzettel: die Wave Pictures, eine britische Band, die bislang deutlich unter meinem Wahrnehmungsradar geflogen ist. Das mag auch damit zu tun haben, dass die dreiköpfige Partie nicht mehr ganz unter die Kategorie "hip und neu da" zu subsummieren ist. Seit Mitte der Neunziger sind die drei Herren aus Leicestershire aktiv, haben ihre Band noch zu Hoch-Zeiten und unter dem stilistischen Einfluss des Britpop gegründet und lange ihre Platten in Eigenregie heraus gebracht. 2006 ging es endlich zu einem Plattenlabel, da ging die Ära des Britpop freilich schon wieder zu Ende. Die Wave Pictures haben sich nicht beirren lassen und konstant ordentliche Alben gemacht, die sich zuletzt stark in Richtung Americana bewegt haben.

Das spricht doch für eine gewisse unverbrüchliche Liebe zur Musik als Selbstzweck und so treten die Wave Pictures an jenem Feiertag auch auf: aufgeräumt und guter Dinge. Der Frontmann mit der Gitarre lobt die eben erprobte Qualität des hiesigen Rindfleisches und wirkt entsprechend gut motiviert. Zudem freut er sich darüber, dass seine Band über eine "Geheimwaffe" verfügt: einen singenden Drummer. Meist singt dann aber doch Johnny Tattersall, der Gitarrist, und er tut das in einer Weise, die sehnend-melancholisch daher kommt, aber doch einen augenzwinkernden Twist aufweist. Very british. Gelegt wird der Gesang auf gefällig dahin federnden Poprock, der aus dem gesamten Fundus britisch-amerikanischer Popgeschichte schöpft.

Die Wave Pictures erweisen sich vielleicht nicht als Meister in einer Disziplin, im Pop-Zehnkampf haben sie aber gute Karten. Sie spannen den Bogen von 60er-Melodien über Bluesrock zu 80er-Post Punk und hinein in die Jetztzeit. Manches klingt in seiner ausgefeilten Rhythmik so, als könnte es den Instrumenten der Foals oder von Vampire Weekend entstiegen sein. Nur das Country- und Folkelement, das auf ihren letzten Veröffentlichungen so dominant war, hören wir nicht so richtig. Das mag an der Liveinstrumentierung liegen.

Das Konzert folgt einer sicher nicht ganz zufälligen Dramaturgie. Stark legen die Wave Pictures los, das, was nicht ganz so gut funktioniert, kommt eher in der Mitte, dann baut sich wieder ein schöner Spannungsbogen auf. Vielleicht der Höhepunkt: der "singende Drummer" (Johnny Helm), dessen hinter seinem Arbeitsgerät erbrachte, vokale Beiträge sonst nicht so umhauen, gibt bei sehr reduzierter Begleitung den Titel "Now You Are Pregnant" zum Besten. Gänzlich ohne dabei am Schlagzeug werken zu müssen, aber dafür mit umso mehr Hingabe. Da taucht dann auch - zumindest inhaltlich - Johnny Cash auf (oder ab).

Ein unterhaltender musikalischer Abend.



Samstag, 2. November 2013

Katzenfoto des Monats Oktober 2013

Hier gibt es eine problematische Entwicklung zu berichten: Unsere drei Katzen sind in dieser Rubrik nicht gleichmäßig vertreten.

Das dürfte aber nichts mit besonderen Vorlieben des Fotografen zu tun haben, sondern schlicht mit den unterschiedlichen Charakteren der Damen.

Felicitas, die ehemalige Straßenkatze und Mutter der anderen zwei, hat eine ziemlich fahrige, unruhige Wesensart. Nähert man sich ihr mit einer Kamera, fängt sie an sich zu bewegen, herum zu treten und sie maunzt einem in Gesicht. Wenn sie eines Menschen Gewahr wird, erwacht in ihr regelmäßig der Wunsch nach Bestätigung durch Streicheleinheiten. Außerdem zieht sie sich zum Schlafen gerne in entlegenere Winkel zurück, wo sie dann auch nicht fotografiert werden kann. Es ist ja nicht so, dass ich meine Katzen Paparazzi-mäßig verfolgen würde.

Mottenkugel, die Tochter mit dem schwarz-rot-weißen Fell, ist anders als die Mutter. Selbstbewusst durchstreift sie das Wohnareal, fordert uns dazu auf, mit ihr zu spielen (besonders das Apportieren von Gegenständen liegt ihr am Herzen) und legt sich auch gerne mitten in den Raum, um zufrieden die Welt um sich herum zu betrachten. Leider mag sie den Fotoapparat nicht besonders und verzieht ganz gerne die Miene, wenn man die Kamera auf sie richtet. Als Model bietet sie daher oft eine Gelegenheit, ist aber dann nicht so motiviert.

Pyjama, der Tigerkatze mit den langen Haaren und dem buschigen Schweif wiederum haben wir den Beinamen "Prinzessin" verpasst. Denn diese Katze schaut nicht nur vornehm aus, sondern blickt auch so stolz in die Gegend sowie in die Kamera, dass man meinen könnte, das Posieren wäre ihr ein besonderes Anliegen.

Das ist folglich die am stärksten vertretene Katze in dieser Rubrik. Dieses Monat ist das beste Foto aber immerhin eines von Mottenkugel geworden:

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Im November versuche ich dann, auch wieder einmal Felicitas einzufangen.

Donnerstag, 31. Oktober 2013

Das Halloween Musikvideo-Special 2013

Dass der Austro-Pop sich thematisch gerne dem Unheimlichen und Gruseligen zuwendet, wurde hier in den vergangenen Jahren zum selben Termin bereits eindrucksvoll bewiesen.

Diesmal ist die EAV dran. In Mono.




Danke wie jedes Jahr für den Fund an Alex P.

Sonntag, 27. Oktober 2013

Amsterdam in Buchstaben, L-Z

Der zweite Teil meiner Amsterdam-Buchstaben meidet auch heiße und schlüpfrige Themen wie die Zuiderzee und die Ostindische Handelskompanie nicht! Wohlan.

Fortsetzung von hier.


L wie Leinwand

Kinofilme sind in den Niederlanden wie in Skandinavien ganz generell in Originalsprache, mit landessprachlichen Untertiteln. Sehr gute Sache und eine gute Option für den späteren Abend.

M wie Museen

Gibt es sehr viele in Amsterdam. Was gut ist, weil es da an der Küste schon zuweilen regnen kann. So wurden wir nur ein bisschen nass, als wir eines Samstags vor dem Rijksmuseum am Museumsplein eine halbe Stunde auf unseren Einlass warten mussten. Es hat sich aber gelohnt, insbesondere, wenn man der großen Sammlung von Kunstwerken des so unglaublich produktiven 17. niederländischen Jahrhunderts gedenkt. Das Amsterdam Museum empfiehlt sich zum Auftakt eines Amsterdambesuchs, denn es stellt die Geschichte der Stadt in moderner und recht unterhaltender Weise dar. Im Van Gogh - Museum kann man die Entwicklung eines Malers nachvollziehen (s. V) und Konzerte besuchen. Das Stedeleijk Museum oder das Schifffahrtsmuseum haben wir dann zB gar nicht mehr geschafft.

N wie Nahrungsaufnahme

Jetzt einmal ehrlich: Wegen des Essens fährt eh niemand nach Holland. Die Nationalspeise ist ein Gericht, das übersetzt "Stampftopf" heißt und im Wesentlichen aus Kartoffeln und Gemüse zusammen gemanscht wird, worauf man ein Würstchen legt. Außerdem gibt es Pfannkuchen. Das eine Mal, wo wir wirklich einheimisch essen waren, glich mehr einem Raubüberfall, bei dem einem auch noch in den Magen geboxt wird. Aber es wäre unfair, das zu verallgemeinern, sonst war es auf sehr unspektakulärem Niveau solide. Am letzten Tag waren wir dann in einem der zahlreichen argentinischen Restaurants. Das war sehr gut.

O wie Ostindische Handelscompanie

Die Vereenigde Oostindische Compagnie mit Sitz in Amsterdam war Mitte des 17. Jahrhunderts der Handelsgigant der Weltmeere. Bei der Verfolgung ihrer Ziele war die Kompanie freilich, wie alle europäischen Kolonialisten, nicht gerade zimperlich. Man zerstörte Städte, massakrierte ganze Volksgruppen, hielt Sklaven und behandelte auch die eigenen Angestellten zuweilen eher wie Tiere als wie Menschen. Im 18. Jahrhundert ging es mit ihr zu Ende und in den Bankrott. Es gab auch ein westindisches Pendant, das unter anderem eine Insel namens Manhattan erwarb, die dann aber die Engländer weg nahmen.

P wie Prostitution

Ich bin ja jetzt kein puritanischer Verfechter ganz strenger Sittengesetze. Aber, Frauen, die sich öffentlich und spärlich bekleidet hinter Glas räkeln, so als wären sie lebendige Konsumwaren hinter einer Markttheke? Nicht meine Vorstellung von Menschenwürde. Im einschlägigen Viertel gibt's das übrigens auch am hellichten Tag.

Q wie Qual der Wahl

Die hat man hier wirklich. Amsterdam selbst bietet auf verhältnismäßig wenig Fläche (s. I) verhältnismäßig sehr viel Sehenswertes. Allein die diversen Museen (s. M) kann man tagelang besuchen. Dazu kommt, dass Amsterdam in der Randstad Holland gelegen ist, einem Netz von eng beisammen liegenden Städten, zu denen auch Den Haag, Utrecht, Rotterdam oder Delft gehören. Da wird einem nicht fad.

R wie Rembrandt van Rijn

Aus Leiden stammender Mann, der unter seinem Vornamen in die Kunstgeschichte eingegangen ist. Im Rembrandthuis im ehemaligen Judenviertel kann man sich ein Bild davon machen, wie er gelebt und Bilder gemacht hat. Das Haus wurde mit Hilfe von alten Inventarlisten und - no, na - Gemälden wieder in der Originalzustand versetzt. Es gibt dort auch einen Mann, der nicht gerne fotografiert wird, einem aber gerne demonstriert, wie man Radierungen anfertigt. Außerdem gibt es eine tolle Sammlung eben solcher, die vom Meister selbst stammen. Diese kleinen Kunstwerke haben mich wesentlich stärker beeindruckt als seine großen Gemälde (zB die "Nachtwache" im Rijksmuseum), die mir doch etwas düster (teilweise sicherlich auch zeitbedingt nachgedunkelt) scheinen und für meinen Geschmack etwas zu statische Darstellungen beinhalten. In biographischer Hinsicht erfährt man, dass auch Rembrandt seine düsteren Seiten hatte: sein Vermögen brachte er erfolgreich durch und eine Geliebte, die er nicht heiraten wollte, brachte er erfolgreich ins Spinhuis, das nicht so heißt, weil dort etwa irgendwelche spinnerten Frauen hingekommen wären, sondern weil die Frauen dort Zwangsarbeit leisten mussten.

S wie Säkularisierung

Zwar gibt es in den Niederlanden nach wie vor eine Minderheit strengst gläubiger Christen verschiedener Konfessionen, generell ist aber bekanntlich die Säkularisierung weit fortgeschritten. Das kann man auch in den großen Kirchen erkennen. In der Nieuwe Kerk fanden wir einen Ausstellung über die chinesische Ming-Dynastie vor, in der Oude Kerk gibt es ein Kaffeehaus, in der Zuiderkerk finden Kongresse statt. Das stelle man sich einmal in Wien vor.

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Die Oude Kerk.

T wie Toleranz

Hat in Amsterdam Tradition. Weil in Amsterdam schon im 17. Jahrhundert mehr als nur eine Glaubensrichtung geduldet wurde, zogen viele religiös und weltanschaulich Verfolgte hierher. Dabei waren es eher die Wohlhabenden und Gebildeten, die es schafften, sich ansässig zu machen, denn man wurde durch Sonderabgaben für Neuzuziehende und Andersgläubige sowie durch die generell hohen Steuern ganz ordentlich zur Kassa gebeten. Womit sich die Toleranz für die protestantischen Regierenden auch finanziell sehr ausgezahlt hat (s. U). Damit sich das nicht änderte, hielten sie die Zügel fest in der Hand und ließen gerade so viel Meinungsfreiheit und Mitbestimmung zu, wie ihnen noch akzeptabel erschien. Da war aber immer noch deutlich mehr als irgendwo sonst in Europa. Weswegen das Verlagswesen erblühte und es die philosophischen,  naturwissenschaftlichen, aber auch literarischen Autoren in Scharen zu den hiesigen Verlagen zog.

U wie Unternehmergeist

Hat in Amsterdam auch Tradition. Angefangen hat es mit Heringen und deutschem Bier. Irgendwann kamen dann die Tulpenzwiebel (inklusive dramatischer Spekulationsblase), das spanische Gold und schließlich die Gewürze der Ostindischen Handelscompanie (s. O). Durch alle politischen Wirren und Kriegshändel hindurch waren die Menschen in Amsterdam immer sehr gut und erfolgreich darin, Geschäfte zu machen. Im 17. Jahrhundert, dem "Goldenen Zeitalter" erblühten die Niederlande und mit ihnen Amsterdam wirtschaftlich vollends. Voraussetzungen dafür waren ein Land, das an Rohstoffen und landwirtschaftlichem Potenzial arm, aber an urbanen Zusammenballungen schon recht bald reich war und die Menschen schon früh nötigte, innovativ zu sein und sich dem Handel zu verschreiben. Zudem das Fehlen von Feudalstrukturen, besonders nach dem Exodus der Aristokratie in Folge der Vertreibung der Spanier. Wohl wird auch der kapitalistische Geist des Calvinismus seinen Beitrag geleistet haben, ebenso die Anziehungskraft der niederländischen Provinzen für Gebildete und freie Bürger aus ganz Europa (s. T).

V wie Van Gogh

Die Ausstellung im Van Gogh - Museum (s. M) vermittelt den Eindruck, dass er eigentlich nicht besonders begabt war. Die Perspektive hat er lange überhaupt nicht so richtig hinbekommen und die Proportionen waren mehr als einmal verunglückt. Aber Vincent war ein Malerei-Nerd der Sonderklasse und werkte wie besessen an seiner Kunst und an der Zauberkiste der Farbenlehre. Schließlich verpasste er den großen Ruhm nur ganz knapp, indem er zu früh aus dem Leben schied. Heute hängt sein Spätwerk millionenfach gepostert in Wohnzimmern auf der ganzen Welt. Und wir erkennen: das Leben steckt voller Möglichkeiten.

W wie Waag

Das älteste verbliebene mittelalterliche Stadttor von Amsterdam ist De Waag am Nieuwmarkt, das so heißt, weil hier früher die Bauern ihre Waren gewogen haben. Auch zogen hier zeitweise die Chirurgen ein, weswegen dort auch die Anatomievorlesung des Dr. Tulp stattgefunden haben dürfte, die Rembrandt (s. R) gemalt hat. Im Gebäude ist heute ein Café-Restaurant.

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De Waag.

X wie XXX

Wir müssen es wahrscheinlich der schon mehrfach erwähnten Liberalität der Niederländer zuschreiben, dass der Pornokanal auf dem TV-Gerät in unserem Appartement mit dem mäßig originellen Code "1234" gesichert war. Wir, nichtsahnend und des Niederländischen nicht mächtig, hofften aber vor unserer erfolgreichen Entschlüsselung auf Film oder Sport, haben daher natürlich sofort erschrocken weiter gezappt. Fox Sports konnten wir dann leider nicht knacken.

Y wie Ypern

Ein Stadt im Westen von Belgien. Aber auch dort spricht man Niederländisch. Echt.

Z wie Zuiderzee

Also: Ursprünglich war da ein See. Dann kam es zu Überflutungen und es entstand für Jahrhunderte die Zuiderzee, wobei es sich um eine Meeresbucht handelte. In den 1930er Jahren baute man dann wieder Deiche und schuf das IJsselmeer, das ein See ist. Komische Sprache.


Mittwoch, 23. Oktober 2013

The End of the World

Eigentlich wollte ich Sarahs Kürbisglobus erst zum 31.10. posten.

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Aber, das Ende der Welt ist nah..

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