Samstag, 2. März 2013

Lebensmittelskandal

Ich esse immer weniger Fleisch. Aus gesundheitlichen, aber auch aus ethischen Erwägungen. Muss ich jetzt nicht näher darauf eingehen. Ganz darauf verzichten möchte ich aber nicht und werde ich vermutlich auch nie.

Der Freitagabend ist jener Zeitpunkt in der Woche, an dem ich es mir erlaube, von all meinen Essens bezogenen Läuterungsvorsätzen Abstand zu nehmen. Ich bin dann immer halb zerschlagen von der Arbeitswoche und gestatte mir Belohnung in Form von kulinarischer Zügellosigkeit. Da wird dann fett gegessen, manchmal Alkohol, süßes Zeug, vielleicht sogar die unsäglichen Kartoffelchips. Es muss einfach sein.

Gestern standen Burger auf dem Programm. Meine Freundin Sarah, die Vollzeit-Vegetarierin, fabriziert diese an sich immer mit einer undefinierbaren Masse als Fleischersatz (ich weiß wirklich nicht, was das genau ist). Das schmeckt einem sehr eigen, weil man ja eine von Konsum und Marketing geformte Vorstellung davon im Kopf hat, wie ein Burger eigentlich schmecken soll. Gestern sollte das anders sein: Fleisch ward versprochen! Ich konnte es kaum glauben.

Weil die Köchin den Zweifel sah, der in mir herauf kroch, bot sie mir an, das Rohmaterial vorab zu begutachten. Ich lehnte ab. Ich hatte Vertrauen. Wir vertrauen unseren Lebensmittelproduzenten.

Der erste Biss. Etwas merkwürdig. Hat Sarah zuviel Senf erwischt? Das behauptet sie zumindest. Dennoch: der Burger schmeckt so wie gehabt und ich frage mich schon, was da in der Zubereitung schief läuft, dass es offenbar gar keinen Unterscheid macht, ob da im Zentrum des Brotwerks die undefinierbare Masse lauert oder einen herzhaftes Stück Fleisch (Schwein, Rind, Pferd, was auch immer) prangt.

Ich wage es zunächst nicht, meinen Verdacht auszusprechen, tue es aber dann doch. Und erhalte ein Geständnis. Es ist wieder das Substitut. Arg!

Was lernen wir daraus? Vertraue niemals, niemals einem Lebensmittelproduzenten. Kontrolliere alles persönlich, so scharf, wie es nur irgendwie geht. Sogar in den eigenen vier Wänden.

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