Samstag, 6. Juli 2013

Ohren(ge)fälliges: Monatsmeister des Monats Juni 2013

Kurt Vile - Waking On A Pretty Day
Philadelphia, Pennsylvania
Gewonnene Ränge: + 7
siehe hier.


Jahan Lennon - Can´t Ruin My Fun
Philadelphia, Pennsylvania
Gewonnene Ränge: + 7

Und wieder Philadelphia, Pennsylvania. Gleichauf mit seinem engeren Landsmann Kurt Vile, der bereits letzten Monat geehrt wurde, ist es diesmal Jahan Lennon, der die meisten Stufen in meiner Top 25-Rangliste geklettert ist. Wobei gleichwohl der kulturelle wie popkulturelle Hintergrund ein gänzlich anderer ist.

Jahan Lennon heißt mit bürgerlichem Namen Jahan Zeb Malik, seine Familie stammt aus Pakistan, von wo die Eltern in den 70er Jahren emigriert sind. Aufgewachsen zwischen einem muslimischen Elternhaus, den rauen Straßen des urbanen Philadelphia der 80er und 90er Jahre mit ausgeprägter Drogenkultur und einer katholischen Schule, fand er gemeinsam mit seinen beiden Brüdern Shoaid und Hassan zur Musik. PO PO hieß das Projekt, das die vielen verschiedenen Einflüsse in einem eigenwillig-experimentellen, einigermaßen verdrogt anmutenden, aber zugleich durchaus gut anhörbaren Format zusammen führte.

Da passierte etwas, von dem die meisten aufstrebenden Bands vergeblich träumen: gleich zwei der ganz großen Namen des Musikgeschäfts wurden via der ersten Demos auf PO PO aufmerksam. Trent Reznor alias Nine Inch Nails nahm sie mit auf Tour und der Musiknerd-in-allen-Gassen der US-Musik, Diplo, holte sie zu seinem Label Mad Decent. Für Reznor mag das politische Statement eine Rolle gespielt haben, eine Gruppe junger Pakistanisch-Amerikaner zu promoten, für Diplo mag es reizvoll erschienen sein, seinen Katalog um eine etwas andere Band aus seiner zweiten Heimat Philadelphia zu ergänzen. Wie dem auch sei, die Brüder betraten die große Bühne und für Jahan folgten nun auch Aufträge als Produzent- für Theophilus London und für Spank Rock.

Nach dem Auseinanderfallen der brüderlichen Truppe macht Jahan solo wieder. Der große Name, den er sich frech ins Künstler-Alias geschrieben hat, deutet an, wohin die Reise gehen mag. Weg vom eklektisch-versponnenen Rock von PO PO, hin zu etwas leichtfüßigerem psychedelischem Poprock. In "Can´t Ruin My Fun" von der gleichnamigen EP begegnet uns ein kleiner Hitentwurf, gezeichnet am Reißbrett der  psychedelischen Musik, stark durchtönt vom Rave-Pop der späten Achtziger/frühen Neunziger Jahre.

Das dazugehörige Musikvideo ist vielleicht ein wenig, hmja, albern geraten (offenbar haben wir es hier mit einer Hommage an die 90er Jahre zu tun). Aber, das ist wohl eben auch ein Aspekt der Vielschichtigkeit des Jahan Lennon.

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