Sonntag, 4. August 2013

Berlin in Wort und Bild

Letztes Mal war Berlin ja ziemlich verrückt. Da waren die Menschen in der S-Bahn, die sich unaufgefordert wie schlagfertig  in unsere Gespräche eingemischt haben. Oder der Hippie-Sufi, der abends in eben jenem Beförderungsmittel jungen Leuten den Islam predigte und ausführte, es gehe dabei um Sex, Drugs & Rock´n Roll. Ganz zu schweigen von der..ähm..Studentenverbindung, in deren Bude wir irgendwie hineingeraten sind und die vor einem Problem standen: der Typ mit dem Schlüssel zum Bierkeller war verschollen. Was sollte es, kurzerhand wurde die Flex geholt und der Zugang zum Gerstensaftreservoir eröffnet!

Diesmal war es anders, touristischer. Wir waren tagsüber unterwegs und liefen uns von einem Sight zum nächsten in der unbarmherzigen Hitze die Füße wund. Wobei laufen gar nicht so schlecht war, denn wenn man zwischendrin irrtümlich in der Sonne stehen blieb, verwandelte sich der Körper binnen Augenblicken in eine Wasserrutsche für die eigenen Ausdünstungen. Die Berliner U-Bahn bot da gar keinen Schutz, man erwartet vielmehr jeden Moment eine Gruppe schmerbäuchiger Finnen in Handtüchern, die zum nächsten Aufguss watscheln. Alles in allem war da weniger Raum für kreatives Verhalten der BerlinerInnen, die gegenüber den sich tapfer durch die Glut kämpfenden TouristInnen oftmals geradezu in der Minderheit schienen.

Berlin war trotzdem toll, weil es das irgendwie immer ist. Weil die Leute in ihrer direkten, zuweilen leicht respektlosen Art gleichzeitig doch so viel hilfsbereiter sind als anderswo, wo Umgangsformen als Maske für Desinteresse oder gar Feindseligkeit getragen werden. Und weil es so ungeordnet und ungeformt erscheint, so unberechenbar ist wie keine andere Stadt, ausgenommen vielleicht New York City, ein Haufen von Individualismen, die aber trotzdem wie eine große Collage zusammen kleben.

Aber jetzt einmal ganz der Reihe nach..

Auf der Anfahrt von Linz nach Berlin hielten wir in Prag. Ich mag Prag nicht besonders, weil es mich an ein Freilichtmuseum mit vielen Souvenirshops erinnert. Wunderschöne Kulissen, aber es fehlt mir immer etwas.


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Wirklich, wirklich schöne...

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..Kulissen.


Im Hauptreiseziel Berlin waren wir genau genommen in Charlottenburg zuhause. Hier das Schloss..

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Da waren wir aber nicht zuhause..

Der erste Berlintag war dann der fremdenverkehrsmäßigen Grundausstattung gewidmet, wir spazierten also vom Hauptbahnhof durch das Regierungsviertel und durch das..

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Brandenburger Tor.



Von da ist es nicht weit zu den stylishen Hochhäusern des Potsdamer Platzes:


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In einer dieser Kanten befindet sich der "schnellste Aufzug Europas", der uns einen schönen Ausblick auf Berlin verschafft hat.

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Dieser Aufzug ist wirklich verdammt schnell.


Von der Grillplatte der Berliner Straßen und Plätze entflohen wir dann aber rasch in den Tiergarten. Dort regierte zumindest in Teilen der Schatten.

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Die Siegesgöttin Viktoria auf der Säule im Tiergarten feiert, dass die Preußen ganz viele Dänen, Österreicher und Franzosen abgeschlachtet haben, um die Vorherrschaft in Europa zu erlangen. Daraus macht das Denkmal mit diversen Darstellungen von Germaniafrauen, Bismarck und Konsorten auch kein Hehl.

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Dafür ist aber auch von hier oben die Aussicht schön. Der Aufstieg mit Hunderten anderen Menschen über die schmale Wendeltreppe ist allerdings nur Leuten ohne ausgeprägten Phobien und mit robustem Kreislauf zu empfehlen.

Eigentlich wollten wir dann Richtung Zentrum von West-Berlin, also Kurfürstendamm, haben uns aber in der Siegessäule derart den Drehschwindel geholt, dass wir komplett falsch abgebogen sind (Pfadfinderin Sarah war hier nicht dabei, muss ich festhalten, sonst schimpft sie mich). Ein rettender Bus brachte uns zum Alexanderplatz, in dessen unmittelbarer Nachbarschaft sich das Nikolaiviertel befindet.

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Die Nikolaikirche im Nikolaiviertel.

Das Nikolaiviertel steht dort, wo Berlin im Mittelalter seinen Ausgang genommen hat. Wie das in Berlin so ist, ist von der mittelalterlichen Originalbebauung natürlich nichts mehr übrig. Aber das macht nichts, denn die DDR-Führung hat sich die Mühe gemacht und alles so wieder aufgebaut, wie sie sich eben das mittelalterliche Berlin vorgestellt hat. Ein DDR-Mittelalter-Park, quasi. Klingt schlimm, ist aber erstaunlich anheimelnd.

Abends haben wir es dann auch noch auf den Kurfürstendamm geschafft, wo mein Onkel verzweifelt versucht hat, einen Toast und Milch zu erstehen. Unmöglich. Kein Lebensmittelgeschäft weit und breit und im KaDeWe nur eine einschüchternde Feinkostabteilung. Zum Glück hatte der Rund-um-die-Uhr-Orientale in Charlottenburg alles.

Am zweiten Tag: Potsdam, die Hauptstadt von Brandenburg. In etwas überzeichneter Betrachtung ein Gegenbild zum nahen Berlin. Ist letzeres in toto chaotisch-kreativ, modern, wunderlich, laut und auch provozierend, ist ersteres vom klassischen preußischen Geist erfüllt, polierte Fassaden des 18. und 19. Jahrhunderts, eingefasst von mit Schlössern versehenen Rokoko-Parks und umgeben von blau funkelnden Seen und Buchten. Man kann verstehen, warum sich die Hohenzollern diese Gegend ausgesucht haben.


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Potsdam, Alter Markt.
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Prügelnde Potsdamer Putten.
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Alt-Fritzens Lustschloss.


Das wir nicht wirklich alle dieser Gärten und Landschaften erwandert haben, hat damit zu tun, dass es einfach unglaublich heiß war. Dafür gab es nach einer längeren Pause und in der (sehr relativen) Abendkühle noch den Gendarmenmarkt in Berlin.

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Dritter Tag: Klimatisierte Räume! Dank der empfehlenswerten "Berlin Welcome Card Museumsinsel" (erhältlich an allen Fahrkartenautomaten) hatten wir freien Eintritt in Altes Museum, Neues Museum, Pergamon- und Bode-Museum. Nur die Alte Nationalgalerie blieb uns wegen Hitze versperrt.

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Schöne Sammlungen antiker Funde, deren Beschreibung hier jetzt den Rahmen sprengen würde. Und einiges an Ausführungen darüber, warum es ein Verbrechen darstellt, dass die Russen den Schliemann-Schatz nicht hergeben und andererseits ein Glücksfall, dass die Nofretete-Büste äußerst rechtmäßiger Weise nicht mehr aus Berlin weg muss, weil sie da am besten aufgehoben ist.

Der nächste Tag war auch der letzte unserer Reise. Er führte uns zurück nach Linz.


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Endstation Linz?


Und das gleich zweimal. In obigem Linz waren wir freilich offenkundig noch nicht zuhause angekommen, wurden vielmehr nach dem Halten vom tätowierten Oberhaupt eines ortsansässigen Clans argwöhnisch beobachtet (leider kein Foto von dem Herrn verfügbar).

Noch mehr Bilder, falls wer mag.

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Prag - Berlin - Potsdam 2013, ein Album auf Flickr.

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