Montag, 30. September 2013

Sensation, Überraschung, Revolution!

SPÖ und ÖVP sind nicht mehr so beliebt wie früher!

Die FPÖ kann einen Teil der BZÖ-Wähler zurück holen!

Die Grünen schneiden nicht ganz so gut ab wie in den Umfragewerten!

Das BZÖ ist aus dem Parlament geflogen!

Zwischen Rot, Schwarz und Grün gibt es tatsächlich bürgerliches Protestpotenzial für eine liberale Partei!

Millionäre können sich Wahlerfolge kaufen!


Unglaublich, unfassbar, sensationell! Und alles sowas von überraschend. Wer hätte das gedacht?


Nein, im Ernst. Das einzige, das mich gestern wirklich ein wenig zum Kopfschütteln gebracht hat, war die Reaktion vom NEOS-Chef: "Wir sind eine Bewegung aus dem Volk!" Genau. Und die Erde ist flach.

Sonntag, 29. September 2013

Wahlkarte

Wer denkt, dass im Wahlrecht alle gleich sind, irrt. Wahlkartenwähler haben es besser. Nicht wegen des doch etwas verwirrenden Prozedere ("Finden Sie das Wahllokal, das ihre Wahlkarte annimmt, sofern es das dort gibt, wo sie sich gerade aufhalten!").

Nein, wir genießen insofern eine Sonderstellung, als wir nicht hastig im engen Kabäuschen unsere Entscheidung fällen müssen, während hinter uns schon der oder die nächste StimmbürgerIn mit den Füßen scharrt. Und, wir bekommen ein umfangreiches Informationspaket nach Hause geschickt, das unter anderem die gesammelten Wahlvorschläge sämtlicher kandierender Parteien enthält. Die amtliche Wahlinformation beinhaltet das nicht, zumindest kann ich mich nicht daran erinnern.

Auf den Bundesparteilisten macht man da interessante Entdeckungen. Zum Beispiel:


  • Dass bei den NEOS 44 von 59 KandidatInnen AkademikerInnen sind und so ziemlich der ganze Rest Unternehmer und Unternehmensberater. Elitär.
  • Dass Nicole Hosp für die FPÖ kandidiert, allerdings nicht die Skifahrerin, wie sich herausgestellt hat.
  • Dass Hilmar Kabas noch unter uns weilt und den letzten Listenplatz der Blauen schmückt.
  • Dass Norbert Darabos von Beruf "Historiker" ist. Das sind die, die wissen, was in Stein gemeißelt ist und was nicht.
  • Dass die Grünen nicht weniger als 894 KandidatInnen für den Nationalrat auf ihrer Liste haben. Das nenne ich optimistisch.
  • Dass Klagenfurt offiziell "Klagenfurt am Wörthersee" heißt. Welches Klagenfurt soll es denn noch geben, zum Pleitegeier?
  • Dass der orange Jörg Haider-Resterlverwertungsverein trotz Altlastenentsorgung noch 180 KandidatInnen zusammen kratzen konnte.
  • Dass der einzige Kandidat, der die gar nicht so kleine Gruppe der Arbeitslosen vertritt, für die Piraten antritt.
  • Die wahre Sensation aber kommt zum Schluss: die Männerpartei besteht zu 100 % aus Männern. Wow.






Freitag, 27. September 2013

Am Oktoberfest

Sarah war am Oktoberfest in München. Und es hat ihr nicht gefallen.

Im Zug: Betrunkene. Auf den Straßen: Betrunkene. In der U-Bahn: aggressive Nazis, die betrunken sind. Am Oktoberfest selbst: äh ja..

So wie Sarah mir das Oktoberfest schildert, ist es es genauso schlimm, wie ich es mir immer vorgestellt habe. Eine Atmosphäre wie auf einem großen Musikfestival, wo man den Verstand verliert, wenn man nicht selbst einen gewissen Pegel hält. Nur mit einem deutlich größeren Anteil an unsympathischen Menschen und deutlich schlechterer Musik. Mit viel Pech schäkert dann auch noch Seehofer mit deiner Begleitung. Grausam.

Gut, dass ich München um diese Jahreszeit nie erleben werde. Warum Sarah dort war, müsst ihr sie
selber fragen. Aber, jedenfalls sind wir jetzt klüger. Aus Vorurteilen wurden Fakten. O´zapft is.

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Mitbringen darf man mir natürlich trotzdem was.

Donnerstag, 26. September 2013

Reflexe

Brasilien. 5. Liga. Der Physiotherapeut wird zum Helden. Und hoffentlich nicht gelyncht. Reflexe, alles Reflexe.




Montag, 23. September 2013

Geekzeichen

Im Geek-Sternzeichen bin ich also "Zeitreisender". Demzufolge bin ich pünktlich, scharfsinnig und kosmopolitisch. Aber auch ein wenig unaufmerksam und chaotisch.

Das passt mindestens genau so gut wie jedes andere Horoskop.


Samstag, 21. September 2013

Das Winzerbuch der Rekorde # 10: Die 50 bestgehörten Tracks 2007-2012, 45-41

Einleitung und Platz 50-46


45


Foals - Cassius
Oxford, England

"Antidotes" (2008, Transgressive)
Dance Punk
Einstieg: 26.5.2008, 17
Peak: 4


Was mir daran gefallen hat:  Ein fast Balkan-artiges, brodelndes Etwas, das einen mit schöner
(Un-)Regelmäßigkeit frech in den Allerwertesten sticht. Mit welthistorischem Anklang.

Beste Hörerinnerung: Zuhause, wo man unbeobachtet mitfiebern kann.

Nachhaltigkeitsfaktor: Nicht so hoch wie bei Olympic Airways (siehe schon Platz).



44

Neutral Milk Hotel - Holland, 1945
Athens, Georgia

"In The Aeroplane Over The Sea" (1998, Merge)
Indierock
Einstieg: 29.6.2007, 1 (erste aufgezeichnete Wertung)
Peak: 1

Was mir daran gefallen hat:  Eines dieser Lieder, das du beim ersten Mal nicht verstehst, das dich beim zweiten Mal seltsam berührt und wo dich nach dem dritten Mal das Gefühl überwältigt, dass die Welten der Kunst und der Musik noch grenzenlos sind. Die Zeile mit dem Jungen am Piano gehört zu den besten der Musikgeschichte.

Beste Hörerinnerung: U4 Hietzing. Plötzlich trifft mich der Song wie ein Blitz aus heiterem Himmel.

Nachhaltigkeitsfaktor: Eine ewiger Klassiker. Stünde in dieser Wertung zweifellos höher, wenn er nicht schon am Zenit eingestiegen wäre.



43

Johnny Cash - Heart Of Gold 
Kingsland, Arkansas

"Unearthed" (2003, Island)
Country Rock
Einstieg: 26.11.2007
Peak: 1

Was mir daran gefallen hat:  Neil Young, Red Hot Chili Peppers und natürlich Johnny Cash in einem Stück Musik. Da ist Qualität. Sound of Gold.

Beste Hörerinnerung: Ein kalter Wintertag, wärmt von innen.

Nachhaltigkeitsfaktor: Musikgeschichtlich bedingt definitiv gegeben.

Punkte: 583

Johnny Cash - Heart of Gold (auf YouTube)


42

The Clientele - Here Comes The Phantom

London, England

"God Save The Clientele" (2007, Merge)
Indiepop
Einstieg: 5.5.2008, 23
Peak: 1

Was mir daran gefallen hat:  Ein beatlesker Schunkler, bei dessen Refrain einem das Herz aufgeht. Der Sommer 2008 war romantisch.

Beste Hörerinnerung: Ein Spaziergang an einem lauen Sommerabend. Wie im Song.

Nachhaltigkeitsfaktor: Erstaunlich.

Punkte: 592

The Clientele - Here Comes The Phantom (auf YouTube)



41

Morrissey - Irish Blood, English Heart (Live @ The Pearl Theatre)

Manchester, England

"You Are the Quarry" (Attack, 2008)
Indiepop
Einstieg: 20.10.2008, 19
Peak: 2

Was mir daran gefallen hat:  Mehr Pop als Sinatra, mehr Punk als Rotten = Morrissey. Wieder einmal zürnt er hier mit einer solchen Grandezza wider die Welt, dass man sie umarmen möchte.

Beste Hörerinnerung: Es muss in Bad Ischl gewesen sein. Denn in diesem Kontext treffen Verse wie "And denounce this royal line.." einen Nerv.

Nachhaltigkeitsfaktor:  Mäßig.

Punkte: 601

Morrissey - Irish Blood, English Heart (Live @ Pearl Theatre)


Fortsetzung folgt..

Donnerstag, 19. September 2013

In Concert # 37: Beach Fossils, 14.09.2013, Chelsea, Wien

Kleine Klubs haben ihr Vorzüge. Da ist die Nähe, die Unmittelbarkeit der auftretenden Gruppe, die nicht nur eine gewisse Intimität schafft, sondern vor allem auch einen ausdifferenzierten, feineren Klang ermöglicht, der beim Dröhnen von großen Bühnen bzw. in großen Hallen oft verloren geht. Der Musikgattung Indie Rock tut das besonders wohl.

Kleine Klubs haben auch ihre Nachteile. Aus der Nähe kann Enge werden, sodass man eingekeilt zwischen anderen Menschen steht, nicht mehr weg und austreten kann. Da glüht und schwitzt man dann vor sich hin und der Kreislauf zweifelt ein wenig daran, ob das wirklich ein Vergnügen ist. Ob die Künstler den kleinen Klub immer genauso für voll nehmen wie die große Bühne, ist im Übrigen auch die Frage.

Das Chelsea in Wien ist an einem Samstagabend ein rechter enger, weil voller Klub. Trauben von Menschen hängen an den Bars, mittendrin schauen Leute Fußball und man muss verschämt vorbei huschen, um ihnen nicht den Blick auf den nächsten Barcelona-Angriff zu nehmen. Ganz hinten unterm Stadtbahnbogen gibt es einen andeutungsweise Kavernen-artigen Raum, in dem eine Bühne aufgebaut ist.

Ab 21:00 sollten da die Beach Fossils antreten. Taten sie aber nicht. Erst gegen 21.45 bemühten sie sich auf die Bühne. Vier junge Herren aus New York, in klassischer Rockbandbesetzung, die zunächst eher desinteressiert wirkten. Frontmann Dustin Payseur bekannte, einen Kater zu haben, machte zwischendurch ein paar Witze (dahin gehend, dass man nicht Beach Fossils, sondern die Vorband der Beach Fossils sei) und bekannte, dass er nicht gut darin sei, Witze zu machen. Anfangs frug man sich sachte, ob da das Publikum wirklich für voll genommen wird, ob die Truppe mit vollem Eifer dabei ist. Haben es die Beach Fossils am Ende nicht so gut verkraftet, dass sie von ihrem ehemaligen Gitarristen auf der Erfolgsspur überholt worden sind? Haben sie die letzte Pitchfork-Kritik, die ihnen Selbstgefälligkeit vorhielt, doch nicht ganz so gut verwunden?

Nach den ersten Nummern wollte ich eigentlich weg, aber die Masse ließ mich nicht. Wie ein Stück Lehm in einem Lehmklumpen steckte ich da fest. Vorne drehten Beach Fossils weiter an der Töpferscheibe. Sie formten mit zunehmender Verve einen sauber vorgetragenen Indiepoprock mit Neigung Richtung Dream Pop und Shoegaze. Des Öfteren dachte ich mir: "drei Nummern noch, dann gehe ich von hier weg". Und aus drei wurden sechs und aus sechs wurden neun, aus neun Stücken schließlich zwölf Nummern. Und am Ende waren eineinhalb Stunden und das Konzert vorbei und ich dachte mir, dass Beach Fossils einen wohl klingenden Livesound mit gar nicht so schlechten Hooks haben. Ein Sound, der bei dem einen Ohr hinein und bei dem anderen wieder hinaus geht und im Durchzug ein sehr angenehmes Gefühl hinterlässt. Und, ich war ganz froh, dass ich gezwungen worden war, da zu bleiben und dem zu lauschen.

Zuweilen haben kleine Klubs eben ihre Vorzüge.

Hernach ging es aber hinaus aus dem Menschen vollen Chelsea, rüber ins Kellergewölbe des Café Concerto. Dort moderierte ein Weihnachtsmann-artig gewandeter Mann vor einer Handvoll Leute überraschender Weise eine orientalische Tanzdarbietung. Es war angenehm luftig und die Musik kam vom Band. Auch nicht schlecht.


Samstag, 14. September 2013

Musikvideo(s) des Monats August 2013

Er ist der wohl der herausragende Musikvideoregisseur zur Zeit: Nabil Elderkin. Die Filme des US-Amerikaners mit teils iranischen Wurzeln präsentieren sich uns als pointierte, perfekt inszenierte Mini-Dramen, denen eine immense Intensität und eine große Sogwirkung auf den Betrachter innewohnt. Kleine cineastische Meisterstücke. Der Mann ist für Größeres bestimmt. Das bewies er im August 2013 gleich zweifach.

Zunächst begleiten wir Alex Turner von den Arctic Monkeys stoned und von Eifersuchtsfantasien gequält durch die Nacht...


ARCTIC MONKEYS [Why'd You Only Call Me When You're High?] from nabil elderkin on Vimeo.


...dann entführt uns Nabil zu den Beats von Just Blaze & Baauer nach Indien, wo der Begriff trap music eine neue Bedeutung erhält.

 
JUST BLAZE X BAAUER x JAYZ. [HIGHER] from nabil elderkin on Vimeo.



Für Jay Z, der auch in obigem Werk vokal vertreten ist, kommt meine erste ehrenhafte Erwähnung. Für das Video zu "Picasso Baby" hat sich der Hip Hop-Star in ein Kunstmuseum begeben. Resultat: Eine über 10-minütige Performance-Doku mit teilweise sehr prominenten Gästen aus der New Yorker Kulturszene.

Speaking of rap music: Ka ist ein Feuerwehrmann aus Brownsville, Texas, der Hip-Hop-Tracks darbietet, sie auch zur Gänze selber produziert, auf seinem eigenen Label herausbringt und dann schließlich noch die Musikvideos dazu dreht. Was dabei heraus kommt, finde ich beeindruckend.

Und: den English Disco Lovers, die es sich ja zum Ziel gesetzt haben, der rechten English Defence League das Akronym und den Google-Suchmaschinen-Thron streitig zu machen (siehe schon hier), wurde nun erstmals ein Musikvideo gewidmet. Don´t hate, gyrate!

Dienstag, 10. September 2013

Ohren(ge)fälliges: Monatsmeister des Monats August 2013

Sants - Ollie Bob

Jundiaí, Brasilien
Gewonnene Ränge: + 5
s. Monatsmeister des Monats Juli 2013


The Faint - Evil Voices
Omaha, Nebraska
Gewonnene Ränge: + 5

Selten hat sich mir ein Song so stark eingebrannt als eine Manifestation eines Gefühls. Es war Anfang 2005 und der Song hieß "I Disappear" von The Faint. Ein machtvoll bratzender Bass, eine scharfkantige Rhythmik, wie aus dem Handgelenk eines Messerwerfers geschüttelt, ein taumelndes Stück Musik, das sich inhaltlich mit Besessenheit und Kontrollverlust beschäftigt. Unheimlich und mitreißend zugleich. Wie mein innerer Zustand zu jener Zeit.

Ich hatte angefangen, mich mit MP3-Player bewaffnet hinaus auf die Straßen zu begeben, weite Strecken gehend, permanent Musik im Ohr, um meine Emotionen ordnen, verstehen, kanalisieren zu können. Es war auch eine Flucht. So ließ ich schließlich meine damaligen Lebenssituation ganz hinter mir, weg vom Stillstand in meinem Studium, raus aus einer schmerzlich-verfahrenen privaten Situation, fort von einem ziellosen Dahintreibenlassen. Dies geschah durch einen Ortswechsel, der mich ins Bahnhofsviertel führte, in ein gespenstisch stilles Studentenheim, gegenüber eines alten Parks, in dem zu dieser Jahreszeit nur die Krähen hausten.

Dieser Moment ist mir unauslöschlich: Ich gehe kurz nach dem Umzug die Straße neben dem Bahnhof entlang, eisige Winde ziehen um mich herum, gehe vorbei am stählernen Gerippe eines Turmes, der erst im Entstehen ist, schräg gegenüber das nahe Obdachenlosenheim. Ich habe ein geradezu körperlich zehrendes Gefühl in der Magengrube, gespeist aus unterschiedlichen Emotionen wie Selbstmitleidigkeit, Verlorensein, aber auch aus Widerstandgeist, Trotz, leise Aufbruchsstimmung. Dazu: "I Disappear".

Schön war dieses Gefühl sicherlich nicht, aber es war stark und es war eine Weggabelung, ein Erwachen, ein Vorangehen, das mich dorthin geführt hat, wo ich heute bin. Heute habe ich dieses Gefühl in der Magengrube nicht mehr und wenn ich wieder einmal eine Nummer von The Faint höre, wie eben jetzt "Evil Voices", ist da nur noch die Intensität. Und die Erinnerung an meine damaligen Empfindungen.

Mit "I Disappear" begann es auch, dass ich Listen anfertigte von Songs, die mir etwas bedeuten. Es war die erste Nummer eins. Zumindest glaube ich das, obgleich es keine Aufzeichnungen davon mehr gibt. Und, wenn es nicht stimmen sollte, dann passt es trotzdem.


Sonntag, 8. September 2013

GewinnerInnen der Jahresumfragen - Preisauslosung 2011 # 5

Zielsicher hat M.K-M. letztens die 20 und damit das Winzer´sche Meistermenü er-ikosaedert.

Damit er davon etwas hat, hat sich der Winzer nahezu den gesamten gestrigen Samstag in die viel zu kleine Küche gestellt und ein Menü erarbeitet.

Für das Menü hat sich der Winzer auch allen Ernstes ein Thema überlegt. Das hat er von der Hauptspeise her, die ihm als erstes in den Sinn gekommen ist, entwickelt.

Zum Auftakt wurde ein Aperitif gereicht und zwar der Red Dog. Das ist ein Cocktail, der durch die Vermischung von Almdudler mit Amaretto, Pfirsichlikör und Campari gewonnen wird. Durch den Grundbestandteil war schon die Linie zu erkennen: Es ging kulinarisch in alpine Gefilde. 

Vom roten Hund führte der gleichfarbige Faden alsdann zu...

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..Kaspressknödel, eingelegt in eine Gemüsesuppe. Das ist wesentlich leckerer, als es jetzt vielleicht von außen aussieht. Denn innen drin ist Tiroler Bergkäse, mhmm..

Dem durfte auch die Nachspeise nicht nach stehen.

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Der Berg rief hier als mit Schokoglasur und Vanilleeisgletscher überzogenes Biskuit. Hier muss erwähnt werden: das Biskuit stammte vom Winzer höchstselbst, die Endfertigung hat aber seine Sarah übernommen. Sonst wäre sich das alles nicht schön ausgegangen. Der Winzer ist auch so lang genug in der Küche gestanden. Ein bisschen Schummeln wird man ja noch dürfen.

Vor allem, wenn es sich lohnt und der Gewinner ein zufriedener ist (hier mit den, nahezu völlig ungeschummelten, Kaspressknödeln).

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Freitag, 6. September 2013

Vorwahlqualen

Legislaturperiodeende für Legislaturperiodeende nimmt das Klagen zu, wird vielstimmiger und schriller. Wen kann man denn noch wählen? Welcher politischer Akteur hat sich nicht irgendwann durch irgendein Wort, irgendeine Tat, irgendeinen schlechten Stil, irgendeine Haltung disqualifiziert, Liebesentzug verdient? Wer vertritt denn schon voll und ganz jene Positionen, die man für gut, richtig und vernünftig hält?

Ich kann das ja auch irgendwie nachvollziehen. Aber, ich muss auch sagen: Das ist doch gut so!

Entgegen dem in Österreich weit verbreiteten "Olles Trotteln"-Sentiment bin ich der Meinung, dass ein(e) WählerIn, der/die sich nicht mit hundert Prozent der Forderungen, Personen, Stilmittel einer Partei identifizieren kann, sich glücklich zu schätzen hat. Denn diese Person ist offensichtlich eine eigenständig denkende, kritisch hinterfragende.

Sie ist ganz einfach im 21. Jahrhunderten angelangt, in der man nicht mehr gläubig einer Flagge hinterherrennt und den Kotau vor Partei- und sonstigen Büchern macht. In dem man nicht mehr Dinge nachbetet, nur weil man an den Vorbeter glauben möchte. Natürlich führt das auch zu Verwerfungen, zu Schwierigkeiten. Darüber habe ich schon geschrieben.

Aber, wir als Individuen sollten uns nicht davor fürchten. Auch Ärger, Wut, Frustration sind nicht angebracht. Kein denkender Mensch kann ernsthaft erwarten, dass eine politische Partei ihr oder ihm in allen Belangen zusagt. Es ist falsch anzunehmen, dass die Politik uns gegenüber in dieser Beziehung eine Bringschuld hätte. Parteiprogramme müssen geschrieben, ein Unzahl von Positionen will besetzt werden. Das kann nicht ohne Widersprüche abgehen und ohne Widerspruch.

Als politischer Mensch können wir nur den einen Fehler machen: uns abwenden, uns der Verdrossenheit hingeben, uns selbstgefällig absentieren. Eine Stimmung zu fördern und zu nähren, die in der breiten Bevölkerung zum Apolitischen, zum Asozialen und Nihilistischen wird.

Natürlich wird das politische System auch gewisse, vernünftige Reformen brauchen. Aber, auch dafür müssen erst Politiker gewählt werden.

Also, nicht jammern, wählen.

Mittwoch, 4. September 2013

Das Winzer-Experiment # 10: Fischgericht Lyoner Art

Lyon als Stadt ist ein wenig unterschätzt. Die drittgrößte Stadt Frankreichs hat jetzt nicht unbedingt den Ruf eines Touristenmagneten, dabei ist sie absolut sehenswert. Es gibt ein römisches Amphitheater, eine teilweise UNESCO-geschützte Altstadt, über der Stadt thront die strahlend weiße Basilika Notre-Dame de Fourvière. Bekannt ist Lyon auch dafür, dass ganz gewöhnliche Häuser mit bunten Gemälden geschmückt sind. Im Winter 2006 war ich da, ich habe eine Freundin auf Auslandssemester besucht und Lyon hat mir gut gefallen. Ich mag Städte, die ich ein wenig unterschätze und die dann doch toll sind.

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Blick vom alten Lugdunum auf das neue Lyon.
Kein Zweifel am Status der Stadt besteht, wenn es ums Essen geht. Lyon hat den Ruf, die kulinarische Hauptstadt Frankreichs zu sein - und damit quasi der Welt. Dieser Geist hat 2006 auch mich erfasst und ich hab das erste und einzige Mal in meinem Leben eine Muschelsuppe gegessen. Und sie war großartig.

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Ein Pirat und sein Reise-Maat, Prä-Muschelsuppe.

Angefangen hat es mit den mères, den Köchinnen von Lyon, die männlichen Haubenköche um Paul Bocuse kamen erst später. Die glorreiche Kochtradition der Stadt hat dazu geführt, dass es kaum ein Gericht gibt, das es nicht in einer speziellen Lyoner Ausführung gibt.

Mein Kochbuch-Orakel hat mir Fisch à la Lyonnais beschert. Und, das hat mir Reminiszenzen beschert, nostalgische. Vielleicht hat mich das in meinem Arbeitstempo gebremst, denn das Gericht war erst gegen 23 Uhr fertig. Vielleicht war aber auch die deutsche Fußballbundesliga schuld. Sarah fand das jedenfalls nicht so komisch.

Am Rezept kann es eigentlich nicht liegen, das ist eher simpel, was übrigens durchaus typisch für die Lyoner Küche ist.

Die Fischsorte ist erstmal..äh..wurscht. Grätenfrei sollte er womöglich sein. Bei uns kam die Scholle auf den Teller. Zuerst wurde sie geröstet. Der geröstete Fisch wollte außerdem rezeptbedingt mit Grünzeug untermauert werden, das zuerst in seinem Bratöl warm gemacht wurde:

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Champignons, Zwiebel, Porree, Schnittlauch (zur Deko, was ich dann vergessen habe, was aber gut war, weil er auf Streichkäsebrot besser schmeckt), Knoblauch, dazu dann noch Kümmel und Tomatenmark
Dann kommen noch Kartoffeln dazu und zum Schluss der Fisch drauf. Alle Bestandteile werden geröstet, gedämpft, gedünstet...ich muss endlich herausfinden, was genau der Unterschied ist. Hauptsache heiß.

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Es hat jedenfalls gemundet, spät aber doch. Slow Cooking ist unterschätzt.

Nächstes Mal, laut Kochbuchorakel: Palffyknödel

Montag, 2. September 2013

Biedermeierporträts

Wenn einer die Linz Kultur-Card hat, mit der man ein Jahr lang kostenlos die Linzer Museen besuchen kann, ist das ein guter Anreiz, um den kulturellen Horizont zu erweitern. Dieses Wochenende: Biedermeier.

Im Nordico Stadtmuseum Linz sowie im Schlossmuseum Linz kann derzeit ein intensiver Blick auf Leben und Werk eines bedeutenden Malers dieser Epoche geworfen werden: Johann Baptist Reiter (1813-1890). Der aus einer Urfahraner Tischlerfamilie stammende Künstler gelangte dank der Unterstützung eines reichen Gönners und eines Stipendiums des oberösterreichischen Landstände nach Wien und studierte dort an der Akademie. Er spezialisierte sich auf Porträtdarstellungen.

Reiter ist mir schon vor Jahren bei einem Besuch im Schlossmuseum ins Auge gestochen. Dort hängen dauerhaft einige beachtliche Werke. Seine Darstellungen zeichnet ein hohes Maß an Lebendigkeit aus, sie haben Witz, versprühen Charme. Vitale, realistische Porträts. Reiter malte Menschen unterschiedlichster Stände, Adelige, Bürger, Handwerker, Arbeiter, Marktfrauen. Seine häufigsten Motive waren Kinder und vor allem Frauen.

Es ist freilich kein nüchterner, düster-knöcherner Realismus, mit dem er seine Menschen abbildet. Vielmehr versteht Reiter es, seine Modelle so ins Licht zu setzen, dass ihre Gesichter zu leuchten scheinen, einen aus der Seele heraus über den Rand des Bilderrahmens und durch die verflossene Zeit hindurch anschauen und ihre Emotionen mitteilen, gleich ob das jetzt Stolz, Aufbegehren, Gereiztheit, Langeweile oder was auch sonst sein mag.

Manche seiner bekanntesten Bilder können als politische Statements gedeutet werden. So, wenn er die radikale Demokratin und Frauenrechtlerin Louise Aston in Männerkleidung als "Die Emanzipierte" malt (im Nordico zu sehen) oder sich selbst und seine Ehefrau in einer Zeit sozialer Auseinandersetzungen als Landarbeiter und Landarbeiterin mit herausforderndem Blick porträtiert ("Der Erdarbeiter" und die "Die Erdarbeiterin").

Im Biedermeier des Johann Baptist Reiter schlummert das Revolutionäre, das Aufbegehren, das Vital-Umwälzerische, das der menschlichen Seele innewohnt. Es ist alles, nur nicht "bieder",  wie auch durch die im Nordico angebrachten Repliken von Biedermeier-Tapeten illustriert wird, die nachgerade psychedelisch schillern und auch den späten Sechzigern, frühen Siebzigern des darauf folgenden Jahrhunderts entsprungen sein könnten.

Die Ausstellung aus Anlass des 200. Geburtstages des Malers ist noch bis 3.11.2013 im Nordico und im Schlossmuseum zu sehen.

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Auch sehr Biedermeier: das Scherenschnittporträt. Kann man im Nordico auch selber machen.