Freitag, 29. November 2013

Unter Blinden

Eigentlich war ich immer der Meinung, dass ich außergewöhnlich ungeschickt bin. So richtig patschert halt. Bei allem nämlich, das mit Feinmotorik oder auch dem Agieren im Raum zu tun hat. Schon in der Volksschule habe ich reihenweise Handwerks- und Sportlehrer an den Rand der Verzweiflung gebracht. Wobei sich das Element der tatsächlichen Ungeschicklichkeit und die sich daraus entwickelnde Unlust, es überhaupt zu probieren, wechselseitig verstärkt haben. Ein diabolischer Zirkel.

Natürlich habe ich das auch immer darauf zurück geführt, dass ich auf einen Auge blind bin. Kein stereoskopisches Sehen eben. Andererseits könnte ich nicht behaupten, dass ich jemals das Gefühl gehabt hätte, so etwas wie der dreidimensionale Raum würde nicht existieren. Der ist da, weil ich weiß, dass er da ist. Das Auge bewegt sich ja auch und erfasst alles rund herum.

Ich glaube, dass Sarah immer schon neugierig war, wie das mit einem halben Gesichtsfeld so ist. Aber, ich kann mir nicht vorstellen, dass sie sich deshalb gestern irgendwo zwischen Ottensheim und Linz einen Gestrüppzweig ins Auge gestoßen hat. Das war schon ein Unfall. So bemitleidenswert sie deshalb derzeit mit dem Augenverband ist, so macht sie doch auch eine interessante Erfahrung.

Denn, so einfach ist das bei ihr nicht, mit dem einen Auge. Das verbliebene Sehorgan ist überanstrengt. Gegenstände landen auf dem Boden statt auf dem Tisch, Gläser werden vorsichtshalber gar nicht mehr eingeschenkt. Und die Wohnung schaut nach dem Aufräumen unaufgeräumter auf als vorher.

Ich hingegen komme mir mit einem Mal ganz schön geschickt vor. Es ist eben nur eine Frage der Dimension.

Kommentare:

Hannes hat gesagt…

Gute Besserung der Liebsten!

Finette hat gesagt…

Ach, die bedauernswerte Sarah! Auch von mir alles Gute!