Dienstag, 30. Dezember 2014

Verflossene Zeit, Teil 2

..fällt aus. Ich wollte ein Foto posten, auf dem mein Kalender des ablaufenden Jahres neben meinem Kalender des kommenden Jahres liegt. Die beiden Kalender stammen aus der gleichen Serie und sehen daher grundsätzlich fast gleich aus. Nur, dass der Kalender aus 2014 abgenutzt aussieht und mit Katzenhaaren versehen ist. Und der aus 2015 ist unberührt und frisch. Eine Metapher für den Gang alles Irdischen, aber auch dafür, dass es immer wieder auch Neuanfänge gibt.

Leider ist der optische Eindruck der feinen Veränderungen in der Oberflächenverfasstheit nur mit freiem Auge zu erkennen und nicht mit ausreichender Eindrücklichkeit über ein Foto wiederzugeben.

Vielleicht lernen wir daraus, dass wir meistens ganz genau hinschauen müssen, um all die permanent ablaufenden Veränderungen in unserem Leben zu erkennen. Oder doch eher, dass ich hoffentlich zum letzten Mal den Fehler gemacht habe einen weiteren Teil anzukündigen, ohne ihn schon fertig gestellt zu haben.

Dieses Post ist meine Strafe dafür. Mein Entschuldigung geht an alle unschuldigen KollateralleserInnen.

Sonntag, 28. Dezember 2014

Verflossene Zeit, Teil 1

Richtung Jahreswechsel mache ich mir gerne über die Zeit Gedanken - und darüber, wie sie vergeht. Das verstärkt sich dann noch, wenn ich in an den ruhigen Tagen nach Weihnachten eine große Aufräumaktion starte und auf allerhand alten Tand der Vergangenheit stoße.

Zeitmesser zum Beispiel. Nur stellt sich mir die Frage: Warum habe ich sie aufgehoben?

IMG_5408

Freitag, 26. Dezember 2014

Aktuelle Kamera # 21

Weiße Weihnachten waren es für mich nicht, im Salzkammergut.

Aber so graublaue und mit Reif überzogene. Und das hatte ja auch etwas.

So sah es am Heiligabend aus..



Eine Momentaufnahme. Nachdem es in der folgenden Nacht geregnet hatte, war am 25. wieder alles grün. Und heute, als ich abgereist bin, dann doch noch schneeweiß.

Montag, 22. Dezember 2014

Samstag, 20. Dezember 2014

Im Kino # 30: Terry Gilliam - The Zero Theorem

UK/ROM/F/USA 2013

Wenn ich mir Terry Gilliams Haus vorstelle, dann sehe ich eine etwas windschiefe Bude vor mir. Sie ist vollgeräumt mit allem möglichen, fantastischen, abwegigen Kram. Auch einigermaßen messiartig, das Ganze.

So jemand sollte eigentlich hervorragend geeignet sein, den Geisteszustand eines Gegenwartsmenschen filmisch darzustellen, dessen Verstand permanent am globalen Informationstropf hängt und folglich mit einer wilden Masse von meist widersprüchlichen Informationen geflutet wird. Und insbesondere auch, diesen Status in einer fantasievollen Weise fortzuschreiben und in die Zukunft zu versetzen.

"The Zero Theorem" spielt in einer nicht zu fernen Zukunft. Qohen Leth (ein Wortspiel, das sich aus dem biblischen Buch Kohelet ableitet), dargestellt von Christoph Waltz, ist eine traurige, blasse Erscheinung mit kahl rasiertem Kopf und rasierten Augenbrauen. Als überragendes Computergenie, das er ist, arbeitet er für eines dieser Unternehmen, die im Herz aller digitalen Netze sitzen und daraus ihre Profite saugen. Er lebt in dem Glauben, er habe vor Jahren einen Anruf erhalten, der ihm die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens verheißen hat, woraufhin er aber irrtümlich aufgelegt hat. Das, und nur das, treibt ihn noch an, gibt seinem Leben Ziel und Richtung. Wann immer jemand etwas von ihm möchte, lautet seine Gegenfrage zunächst: "Können Sie dafür sorgen, dass ich meinen Anruf bekomme?"

Qohen Leth hat dabei aber ein weiteres Problem. Der Anruf erreichte ihn zuhause und ebenda erwartet er auch dessen Wiederkehr. Also muss die Arbeitstätigkeit in die eigenen vier Wände verlegt werden, weswegen der kontaktscheue und ängstliche Mann all seinen Mut zusammen nehmen, eine Party besuchen und den obersten Boss "Management" (ausgerechnet Matt Damon) davon überzeugen muss. Dem Wunsch wird stattgegeben, doch es hat seinen Preis. Quohen Leth soll sich fortan der Erforschung des "Zero Theorem" widmen, der Weltformel, die alles, was da ist, ausdrückt.

In seinem Zuhause, einer nach einem Brand verlassenen Klosterkirche rumänisch-orthodoxen Stils (Terry Gilliam hat den Film in Bukarest gedreht), sucht er nun zurückgezogen, aber stets vernetzt, angeleitet und überwacht durch seinen Arbeitgeber, nach dem Sinn im dem alles erfassenden Datenmeer.

Hier ist Terry Gilliams Film am eindrucksvollsten: Leth-Waltz, wie er durch das ruinöse Erbe einer vergangenen Epoche taumelt, durch seine mit allerhand Gerümpel und Versatzstücken voll geräumte Wohnstätte (genialisch-messihaft, wie im imaginierten Gilliam-Zuhause), von einer Stimme aus seinem Rechner zu Arbeit und Pause angetrieben. Wie er arbeitet: dreidimensionale Blöcke schiebt er in Computerspiel-artiger Manie(r) ineinander, um die große Formel aufzutürmen. Schon am Firmensitz war die Schufterei wie ein Spiel aufgemacht, ein Tretmühlen-artiger Spielautomat der Arbeitsplatz. Gamification, der ultimative Traum der Ausbeuter, der Traum vom spielerisch-werkenden Sklaven.

Nur, Qohen Leth ist nicht glücklich. Die Psychiater-Software (Tilda Swinton) hilft da auch nicht wirklich. So müssen auch sein unmittelbarer Vorgesetzter Joby (David Thewlis), die virtuelle Freudenspenderin Bainsley (Melanie Thierry) und nicht zuletzt Managements eigener (und mit messianischen Anklängen versehener) Sohn Ben (Lucas Hedges) anrücken, um ihm (tatsächlich oder vorgeblich) unter die Arme zu greifen. Was ihm die beiden letzteren offenbaren, wird die Perspektive des Protagonisten allerdings dramatisch verändern.

"The Zero Theorem" ist visuell gelungen, opulent und vielfärbig, sicherlich auch komplex und philosophisch, wenn man sich in seine Feinheiten vertieft. Er kann auf einer individuell-psychologischen Ebene gelesen werden, aber auch auf einer gesellschaftlichen wie auf einer metaphysischen. Er beinhaltet zudem interessante Bezüge zu unserer Zeit und dazu, was daraus werden kann. Trotzdem: auch wenn niemand ernsthaft erwarten kann, von einem Film wirklich den Sinn hinter dem ganzen Universum erklärt zu bekommen, so hinterlässt "The Zero Theorem" doch am Ende ein schales Gefühl. Das Gefühl nämlich, dass hier nichts erzählt wurde, was nicht irgendwie erwartbar war: Sci-Fi mit einer die eigene Existenz hinterfragenden Grundthematik und einer ganz am Schluss recht banalen Moral, einer wenig berauschenden Pointe, die noch von etwas Ideologiekritik übermäntelt wird. Bei all der Opulenz, all der Überhobenheit dann doch eine etwas dünne Geschichte.

Vielleicht hätte Christoph Waltz das vergessen machen können. Das gelingt ihm aber nicht, kommt er doch aus der kalten Larve des Qohen Leth, in die ihn Terry Gilliam gepresst hat, trotz engagierter Ausbruchsversuche nicht ganz heraus. In den Szenen mit Lucas Hedges als Bob ist es dann sogar letzterer, der die Bühne ganz klar beherrscht.

Das ist für mich dann auch das Dilemma bei "Zero Theorem": Vielleicht würde man ja doch noch mehr an Erkenntnissen aus ihm ziehen, würde man ihn nochmals ansehen. Dafür ist er aber einfach schon beim ersten Mal nicht interessant genug.

Meine Wertung: 3 aus 5 Sternen

Donnerstag, 18. Dezember 2014

Amnesty infomiert: Gemeinsam Briefe schreiben, um Leben zu retten! Der Amnesty-Briefmarathon 2014

Jedes Jahr im Dezember schreiben hunderttausende Menschen im Rahmen des Amnesty International-Briefmarathons Briefe, Appelle, E-Mails und Postkarten zugunsten von Menschen in Gefahr. Mit diesen Aktionen üben sie Druck auf die politischen Verantwortlichen aus und setzen ein Zeichen der Solidarität.

Der Briefmarathon 2014 stand ganz im Zeichen des weltweiten Einsatzes von Amnesty gegen Folter. Er setzt sich für Menschen ein, die Überlebende von Folter sind: Wie die mutige Menschenrechtsaktivistin Liu Ping, die durch Folter von der chinesischen Regierung zum Schweigen gebracht werden soll. Oder Moses Akatugba, der bereits im Alter von nur 16 Jahren unfassbares Leid ertragen musste und nun bereits seit 9 Jahren in Nigeria in der Todeszelle sitzt. Und Erkin Musaev, der vom Nationalen Sicherheitsdienst in Usbekistan brutal gefoltert wurde und nach drei unfairen Gerichtsverfahren zu einer Haftstrafe von 20 Jahren verurteilt wurde.

Wir stellen diese drei Fälle sowie alle anderen Fälle vor, in denen weltweit im Rahmen des Briefmarathons Briefe geschrieben wurden.

Wie immer gibt es auch Aktuelles aus dem Bereich der Menschenrechte.

Gestaltung und Moderation: Martin Walther

Sonntag, 14. Dezember 2014

"Wetten, dass..?" - Ein Nachruf

Gestern abend. Ich bin das letzte Mal für mutmaßlich längere Zeit der einzige Mensch in meiner Wohnung. Bevor sich dann alles ändert, wie sie dir alle sagen. In der Wiege und im Kinderwagen schlafen (noch) die Katzen.

Zeit, sich endgültig von der Jugend zu verabschieden. Die letzten Wochen und  Monat stehen ganz im Zeichen des unausweichlichen Verantwortungübernehmens, der Weichenstellungen, die sich fester, die sich definitiver anfühlen.

Was habe ich mir dabei gedacht, mir ausgerechnet an diesem noch freien Abend die letzte Ausgabe von "Wetten, dass..?" anzuschauen? War es der unbewusste Wunsch, etwas abzuschließen? Ein Kapitel aus der tiefen, schon mit Nebelschleiern versehenen Vergangenheit zuzuschlagen?

Ich bin kein Freund peinlicher Situationen, in denen sich Menschen ihrer selbst und ihrer Mitmenschen offensichtlich schämen. Damit kann ich, will ich nicht so gut umgehen. Mir war daher klar, auf was ich mich mit diesem letzten "Wetten, dass..?" aus Nürnberg einlasse.

Und es war schlimm. Da war der Moderator, der einem leid tun konnte, denn er war dazu verurteilt, dieses Ereignis möglichst unterhaltend über die Bühne zu bringen. Dieses Ereignis, das einem Begräbnis glich, auf dem alle erschienen waren, weil sie es für ihre Pflicht hielten, da sie testamentarisch bedacht worden waren und es außerdem ein Buffet geben sollte. Bei dem aber niemand dem Verblichenen auch nur eine Träne nachweinte und so immer wieder heimlich auf die Uhr geschielt wurde, wann es denn endlich vorbei sein würde.

Der Zeremonienmeister wirkte entsprechend unruhig. Man merkte, dass er wusste, dass er hier nichts zu gewinnen hatte. Das Drehbuch und die Dramaturgie waren lieblos, uninspiert, die zigste Kopie von etwas, das eigentlich niemand mehr sehen wollte. Als früher, grotesker Höhepunkt wurden zu Anfang der Sendung Standbilder früherer Shows gereicht, um dann darüber zu diskutieren, wo und wann das gewesen sein könnte und was vorher und nachher geschehen sein mag. Das Videoarchiv ist also anscheind schon geshreddert worden.

Wer sich so etwas wie ein letztes Aufbäumen, einen letzten Glanzpunkt der "größten Show, die es im deutschen Fernsehen je gegeben hat" (Markus Lanz) erwartet hatte, wurde enttäuscht. Nicht einmal die ehemaligen Lebenspartner des Verblichenen ließen sich blicken, sie wurden nur linkisch und Aufmerksamkeits heischend gegrüßt ("Frank Elstner, unsere Verbredung zum Essen am Montag steht!"). Das hat freilich damit zu tun, dass der Vorhang in Wahrheit schon vor dem erfolglosen Relaunch der Sendung gefallen ist.

Zwischendrin sangen Otto und Bully dann auch noch gemeinsam (angeblich als Wetteinlösung) irgend so was wie  "Time to Say Goodbye". Schrecklich.

Man könnte jetzt noch viel sagen über die betretene Atmosphäre, die auf der Couch während eines Großteils der Sendung herrschte, auch wenn zwischendurch das eine oder andere Mal demonstrativ gelacht wurde. Oder von Ben Stiller, der dreinschaute, als hätte ihn ein Kommando am Nürnberger Christkindlmarkt entführt und auf die Showbühne verschleppt.

Dabei war "Wetten, dass..?" eigentlich nie so viel anders. Das völlig sinnbefreite, inhaltsleere Geplauder auf der Wettbank (unvergesslich die Standardfrage von Thomas Gottschalk an jeden erfolgreichen Musiker der letzten zwanzig Jahre: "Die Kids heute hören doch nur mehr Rap und Techno, wie schaffst du es da erfolgreich zu sein?"). Die Peinlichkeiten, die die Sendungsmacher den prominenten Gästen zumuteten, die doch eigentlich nur ihre neuen Filme, Platten oder Bücher promoten wollten. Die Wetten waren dabei noch jenes Element, das uns am längsten nicht auf die Nerven fiel, wenngleich es sich ebenfalls (vielleicht auch wegen des permanenten Sensationalismus im Internet) ziemlich abgenutzt hat.

Nur: in meiner Kindheit war die Sendung schon etwa Besonderes. Allein ihre schiere Länge, die es einem erlaubte, guten Gewissens den ganzen Abend gemeinsam mit den Eltern, die ebenfalls schauten, vor dem Fernseher zu sitzen, trug dazu bei. Aber auch ein gewisses Element der Unvorhersehbarkeit der Ereignisse und der Interaktionen zwischen Moderation, Gästen und Teilnehmern. Dazu kam, dass es einen Blick über die Landesgrenzen ermöglichte, ein Anbindung daran, was man im großen Nachbarland, von dem uns nicht nur die gemeinsame Sprache trennt, denkt und sagt. Diese interkulturelle Erfahrung konnte auch befremdlich, unheimlich sein. Etwa, wenn ich als Kind erschrocken feststellen musste, wie ein ganz durchschnittliches deutsches Saalpublikum reagiert, wenn irgend jemand einen 4/4-Takt einklatscht oder einsingt und mit roboterhaften Exaktheit sofort tausende Menschen damit beginnen, völlig synchron die Hände ineinander zu schlagen.

Moderiert hat sie damals Thomas Gottschalk, dessen Moderation sich durch nichts von jener von Markus Lanz unterschied, nur dass das Fahrige und Improvisierte bei ihm irgendwie charmant wirkte, es gewissermaßen sein Trademark war. Vielleicht war ich aber einfach auch nur von klein auf an ihn gewöhnt.

So ist es mit Gewohnheiten. Wenn sie in eine neue Situation versetzt werden (oder in einen neuen Moderator), kann es sein, dass plötzlich aller noch verbliebener Sinn von ihnen abfällt. Und dann ist es gut, wenn einmal ganz offiziell Schluss ist damit.


Samstag, 13. Dezember 2014

Soundstrukturen

Die Datafizierung macht auch vor den Musiken der Welt nicht halt. Denn ganz unromantisch betrachtet, ist Musik auch nichts anderes als ein Bündel unterschiedlichster Datenpunkte, die miteinander in Beziehung stehen. Dass die Decodierung der musikalischen Welt dabei auch von wirtschaftlichem Interesse ist, versteht sich von selbst.

Nicht von ungefähr hat daher der Musik-Streaming-Anbieter Spotify im März diesen Jahres die auf Musikdaten spezialisierte Analyse-Firma The Echo Nest gekauft. Die wiederum ist aus zwei Forschungsprojekten am MIT entstanden.

Das Ergebnis der Tätigkeiten soll unter anderem dazu führen, das Spotify noch besser in die Lage versetzt wird, seinen Kunden Musik vorzuschlagen, die diese interessieren könnte, was natürlich den Konsum ankurbeln soll. Darüber hinaus ist es aber wie immer bei Big Data: die Anwendungsmöglichkeiten, die noch unter diesem Datenberg schlummern, sind noch gar absehbar. In unseren kühnsten Träumen (oder Alpträumen) können wir sie wohl noch nicht erfassen.

Immerhin, für den Musik interessierten Nutzer fallen Nebenprodukte ab. Auf der Website Every Noise at Once hat The Echo Nest Resultate der Analysen graphisch aufbereitet.

So erfahren wir anhand einer riesigen Begriffswolke in welcher Nahe- oder Fernbeziehung sämtliche Muskgenres, von den verschiedenen Spielarten der Klassik bis zum Techno miteinander stehen. Oder  welche Städte, Länder oder Jahreszahlen mit welcher Musik am stärksten in Verbindung stehen.

Auch wenn man das Ergebnis sicher nicht als wissenschaftlich bezeichnen kann,  ist das doch zumindest amüsant und regt zum Denken an. Da kommt zum Beispiel der volkstümliche Schlager (hier: "Volksmusik") ganze nahe beim Latin Pop und nicht allzu weit vom arabischen Pop und Ska-Punk zu liegen. Hm.


Dienstag, 9. Dezember 2014

Ohren(ge)fälliges: Monatsmeister des Monats November 2014

 John Fullbright - Jericho

Bearden, Oklahoma
Gewonnene Ränge: +6
 s. Monatsmeister des Monats Oktober.


Cherub - Doses and Mimosas (Alle Farben Rmx)
Nashville, Tennessee
Gewonnene Ränge: +5

Jetzt ist es nicht so, dass Nashville, Tennessee für populäre Musik so ein ganz unentdecktes Land wäre. Aber, denkt man an Nashville, dann kommen einem eigentlich doch eher weniger 80er Jahre Synth-Funk-Beats in den Sinn, über die im Falsett ein ausufernd-hedonistischer Lebensstil besungen wird, der um teuren Alkohol, Drogen und Ausschweifungen kreist. Genau das aber liefern Cherub aus Nashville in ihrem Track "Doses and Mimosas".

Freilich, ein solides Songwriting ist ein solides Songwriting und das besitzt er zweifelsohne. Und das hat dazu geführt, dass sich der Song in den letzten Jahren aus einem verborgenen Winkel des Internet heraus zu einem viralen Phänomen entwickelt hat. Ein erstes Album namens "Year of the Caprese" haben Jordan Kelley und Jason Huber, die zusammen Cherub sind, folgerichtig dieses Jahr auch schon heraus gebracht.

Nur, allein deshalb würde ich diese eher unernsten Vintage-Partyfreunde aus dem amerikanischen Süden an dieser Stelle jetzt nicht vorstellen. Das verdanken sie dem exzellente Remix, den der Berliner DJ Alle Farben "Doses and Mimoses" kürzlich hat zuteil werden lassen. Er hat dem Track eine intensive Clubbehandlung verpasst, die aus dem recht originellen, aber auch ein wenig dünnen Original einen dichtes, intensives Stück Musik macht, das wie süßer Sirup die Klangwahrnehmung durchströmt - solange man sich vom nicht ganz druckreifen Text nicht allzu sehr verstören lässt.

Cherub - Doses and Mimosas (Alle Farben Rmx) via Tonspion (freier Download)





Mittwoch, 3. Dezember 2014

GewinnerInnen der Jahresumfrage 2013 - Preisauslosung # 1

Kaum gelost, schon gelöst. M.K-M. konnte es berechtigter Weise gar nicht erwarten und nahm am vergangenen Bratwürstelsonntag den Eventbesuch nach Wahl in Anspruch. Filmbrunch im Gelben Krokodil mit Bratwürsteln (also, zumindest ich hatte welche) und vielem mehr. Und dann: "The Zero Theorem" (Rezension folgt einmal).


Montag, 1. Dezember 2014

In Concert # 49: Richard Wagner - "Siegfried", 15.11.2014, Musiktheater Linz

Ich schalte mein Handy immer aus, wenn es angebracht ist. Im Kino immer. Und in der Oper oder im Theater auch immer, sofern ich einmal dort bin. Und auf Hochzeiten, Begräbnissen und Taufen sowieso. Ich schaue lieber ein zweites und noch ein drittes Mal auf das Display, um ganz sicher zu gehen. Bevor etwas passiert.

Und dann passiert etwas bei der "Siegfried"-Ouvertüre und keinem fällt es auf. Das liegt vermutlich einerseits an der Bauweise der Publikumsränge im Linzer Musiktheater. Es liegt aber auch an der Musik von Wagner, die wie so ein dichter Klangvorhang auf einen herunter fällt (s. schon hier), so dass ein dumm klingelndes Mobiltelefon nicht viel ausrichten kann.

Menschliches Versagen, das mit dem Mobiltelefon. Bedingt durch eine gewisse körperliche Erschöpfung in einer gerade anstrengenden Zeit. Lars Clevemann kann davon auch ein, ja, Lied singen. Der Heldentenor des Siegfried ist an jenem Abend nicht ganz bei Stimme, das hört man zu Anfang ganz besonders. In der Pause nach dem ersten Aufzug wird das ein Vertreter des Musiktheaters wie folgt erklären: Siegfried ist in der zugigen Behausung des Mime aufgewachsen und hat sich dabei eine Erkältung eingefangen.

Die Wohnstatt des Waffen wie Ränke schmiedenden Zwerges, der sich des verwaisten Siegfried aus eigennützigen Motiven angenommen hat, ist ein eher trostloser Ort. Schutt und Reste der Arbeitstätigkeit liegen herum. Hier hausen Außenseiter der Gesellschaft, schrullig geworden in der ihren eigenen, abgeschiedenen Welt. Der Inszenierung gelingt es, hier eine eindrückliche Atmosphäre der selbst bezogenen Isolation zu schaffen. Das macht nach der eher biederen Militärjacken-Performance in der "Walküre" Hoffnung.

Dieser Ort der Isolation ist zeitlich in der Gegenwart angesiedelt. Das erkennen wir am Kühlschrank oder dem angedeuteten Fernseher, in den Siegfried, seiner Wohngemeinschaft mit Mime bereits überdrüssig, hinein schaut. Der Wälsungenspross selbst soll ein Kind unserer Zeit darstellen, rebellisch und mit einem mobilen Gerät in der Hand. Mit dem kann er offensichtlich auch in Computersysteme eindringen, die Neidhöhle des zum Lindwurm gewordenen Fafner knacken und diesen dann in der virtuellen Realität als MMORPG-Figur nieder machen.

Kaum hat er aber mittels seiner Skills den Nibelungenschatz erbeutet, verwandelt er sich in einen Anzug-tragenden Geldmenschen. Siegfried hat nun die Mittel, sich endgültig über die hergekommenen Autoritäten zu setzen und schiebt Wotan beiseite um sich der Brünnhilde zu bemächtigen. Alles geht, dass wissen auch Erda und Wotan, jetzt den virtuellen Bach hinunter. Das Ende der Geschichte, aber nicht so, wie gewollt. Bilder von Unruhen und Revolten, von Kriegen mit Waffen und Nachrichten, beschließen den Abend.

Leider löst die Inszenierung für mein Dafürhalten nicht ganz ein, was sie anfangs verspricht. Die Elemente des digital-technischen Zeitalter, die hier auftauchen, wirken eher Gimmick-haft und werden nicht konsequent durchgehalten. Nothung ist dann eben doch ein Schwert aus Stahl, auch wenn es kurzzeitig zu Einsen und Nullen mutiert. Die Wagnersche Mythenwelt  reibt sich mit der Anmutung der Aktualität, aber nicht unbedingt so, dass es immer spannungsvoll wirkt. Die Zeitebenen der ersten beiden Teile (frühe Zivilisation im "Rheingold" und militärischer Imperialismus in der "Walküre") ragen herein, ohne dass es etwas Ganzes, Neues entsteht. Dass der "Siegfried" trotz (oder gerade wegen) seiner dramatischen Ereignisse nicht unbedingt Wagners dramaturgisch bestes Werk ist, hilft dabei auch nicht.

Jetzt kann man natürlich einwenden: So ist die heutige Welt doch. Weil sie doch  so komplex ist, weil sich das Alte mit dem Neuen mischt und ringt und weil ihre Vielgestaltigkeit Verwirrung stiftet. Aber: dieser Einwand hat etwas allzu Simples, weil die eigene Zeit doch bis zu einem gewissen Grade immer so erscheint. Und ist es jetzt vermessen zu sagen, dass wir von der Kunst eigentlich erwarten, dass sie uns ein größeres Bild, das sie uns Katharsis, dass sie uns Linderung von der Verwirrung verschafft? Vor allem aber: zum Wagnerschen Gesamtkunstwerk will dieser Zugang ästhetisch für mich nicht recht passen.

Er schadet ihm aber an diesem Abend auch nicht wirklich. Musikalisch ist das Niveau wieder souverän (und, es ist natürlich ungerecht, dass die Musiker meist das Lob und die kreativ wahrlich wagenden Regisseure immer das kritische Feedback bekommen, aber so ist es im Musiktheater). Nur der Siegfried fällt da etwas aus dem Rahmen, hat dafür aber einen guten Grund.

Während mich bei klassischen Konzerten lieblicherer Art in der Vergangenheit des Öfteren ob des unbewegten Sitzens und der beruhigenden Tonalität eher das Gähnen gepackt hat, hat mich also der Wagner erneut wieder und wieder gepackt und aufgerüttelt.

Dass zwischendurch mobile Geräte dazwischenfunken, konnte da nicht wirklich stören. 

Samstag, 29. November 2014

Rechts gegen Rechts

Von dieser Aktion hat vermutlich schon jeder gehört. Aber, das Video kennt vielleicht doch noch nicht jeder.

Und weil ich momentan ohnehin zu nichts anderem komme, poste ich es jetzt.

Absolut gelungene Aktion. Wenn auch kaum wiederholbar, da sich das Konzept wohl bald ad absurdum führen würde.


Sonntag, 23. November 2014

In Concert # 48: Elvis Costello, 26.10.2014, Posthof, Linz

Am 26. Oktober war Elvis Costello, den sie auch gerne den "unbekanntesten Superstar" nennen, erstmals im Linzer Posthof zu Gast. Ein älterer Herr britischer Herkunft mit Wohnsitz in New York und einem irgendwie verschmitzt-jugendlichen Ausdruck im Gesicht. Er erzählt uns an diesem Abend Geschichten. Zum Beispiel die Geschichte von der Erfindung des Rock´n´Roll: In Linz war das, das wissen die wenigsten. Leider hat es nicht so ganz verfangen und die magische Formel landete in einer Flaschenpost, die dann via Donau und Schwarzes Meer irgendwie in den Atlantik gelangt ist, von wo sie nach New Orleans gespült wurde. Aber auch aus seinem Leben berichtet Elvis Costello und auch da ist nicht immer ganz klar, was Wahrheit und was Schelmenerzählung ist.

Die meiste Zeit macht er aber dann doch Musik. Er hat gezählte sechs Gitarren mitgebracht, von der kleinen Folk-Schramme über verschiedene Westerngitarren, eine elektrische bis zu einem für mich undefinierbaren hölzernen Monstrum. Dafür hat er die Band komplett eingespart, er ist solo da.

Die erste Gitarre ist - wenn ich mich noch richtig erinnere - eine Dreadnought-Westerngitarre. Mit der arbeitet er sich, wenn er nicht gerade zwischendrin Geschichten drückt, engagiert und recht zügig durch die ersten Stücke. Der Sound ist fein, wie immer im Posthof. Diese Anfangsphase ist schon schön, wird aber dann doch fast etwas monoton. Im richtigen Moment haut der Künstler aber die dramaturgische Bremse hinein. Er plaudert amüsant über die Familiengeschichte, greift dann zur kleineren Gitarre, um intimere Stücke auf einem Schemel darzubringen (darunter "She", das viele kennen, weil es in einem Film mit Julia Roberts und Hugh Grant eingesetzt wurde).

Dann wieder ein instrumentaler Wechsel - und wir verlassen, den gediegenen Singer-Songwriter-Duktus. Es wird lauter, ja krachend, scheppernd. "Watching The Detectives", das Elvis Costello angeblich nach einer Nacht des Clash-Konsums geschrieben hat, (post-)punktet eindrucksvoll.

Der 60-jährige Declan Patrick MacManus (bürgerlich), der immer noch ein wenig wie Buddy Holly aussieht, wirkt im positiven Sinne aufgedreht - energiegeladen, aber auch alterssouverän. Sein Publikum ist vor allem letzteres. Im Gedränge vor dem Einlass hörte man Sager wie "Weißt du noch vor 15 Jahren, als wir das letztes Mal hier waren?". In den letzten Jahren war ich auf vielen popmusikalischen Konzerten, ein im Schnitt derart betagtes Publikum ist mir freilich noch nirgends begegnet. Dabei ist Elvis Costello nur wenige Jahre früher geboren als etwa Morrissey (mit dem ihn biographisch erstaunlich viel verbindet), seine Fans aber gehen locker als die Eltern der Morrissey-Konzertgänger durch.

Passend zur Generation seiner (sich im Posthof auch eher getragen betragenden) Zuhörer schließt er nach zweieinhalb Stunden - nach dem berechtigter Weise ebenfalls nicht zu vermeidenden "Shipbuilding" - mit seiner trotzig-bewegende Hymne "(What´s Wrong With) Peace, Love and Understanding?" Passt aber auch zur Weltlage und fährt folglich am Ende dieses Abends noch einmal so richtig hinein.

Der 26. Oktober liegt jetzt doch schon eine Weile zurück. Und dennoch ist da noch dieses intensive, zufriedene Gefühl, wenn ich an jenen Abend zurück denke. Dieses Elvis Costello-Gefühl, wonach ich etwas erlebt habe, das sich einerseits sehr vertraut anfühlt, andererseits aber doch noch seiner tieferen Entdeckung harrt. Etwas, das mich zwar nicht regelrecht angesprungen und umgeworfen, aber dennoch eine tiefen Eindruck des, ja, Legendären hinterlassen hat. Den "unbekanntesten Superstar" sollte einer noch näher kennen lernen.


Freitag, 21. November 2014

Amnesty informiert: Rechtlosigkeit, Kriegsverbrechen und Milizenherrschaft im Irak

Seit Jahren wird das Leben der Menschen im Irak von inneren Spannungen, Gewaltakten und Anschlägen überschattet. Im Nordwesten des Irak hat die Gruppe “Islamischer Staat” weite Teile des Landes erobert. Im Rest des Landes sind schiitische Milizen zum dominierenden Faktor geworden. Wir stellen zwei Amnesty-Berichte zur aktuellen Lage vor.

Der Bericht “Ethnic Cleansings on a historic scale. The Islamic State´s systematic targeting of ethnic minorities in northern Iraq” befasst sich mit dem Vorgehen der dschihadistischen, sunnitischen Miliz “Islamischer Staat” gegen ethnische und religiöse Minderheiten im nördlichen Irak. Ein besonderer Schwerpunkt ist dem Schicksal der Jesiden im Distrikt Sindschar gewidmet.

Der Bericht “Absolute Impunity. Miliita rule in Iraq” wiederum handelt von den Aktivitäten der schiitische Milizen in den von ihnen kontrollierten Gebieten. Auch dort kommt es zu schwersten Übergriffen auf Angehörige anderer Bevölkerungsgruppen, hier insbesondere auf Sunniten. Aufgrund der Schwäche des irakischen Staates sowie der damit verbundenen allgemeinen Atmosphäre der Rechtlosigkeit können diese Taten offenbar straflos begangen werden.

Wir stellen die beiden Berichte vor und lassen dadurch auch die Opfer der handelnden Akteure zu Wort kommen.

Außerdem bringen wir aktuelle Meldungen aus dem Bereich der Menschenrechte.
Gestaltung und Moderation: Martin Walther, Technik: Sarah Berger


Mittwoch, 19. November 2014

Rückblog 2013 # 14: So haben sie gewählt

Die GewinnerInnen der Preisauslosung zur Jahresumfrage 2013 haben ihre Wahl getroffen.

So haben sie gewählt:

S.B. wählte Preis Nr. III - den Ausflug mit unbekanntem Ausgang.
M.K.-M. wählte Preis Nr. II - den Eventbesuch nach Wahl.
G.Z. wählte Preis Nr. I - das Menü, vom Winzer persönlich zubereitet.
J.R. wählte Preis Nr. VI - ein Souvenir von einer Reise des Winzers
S.A. wählte Preis Nr. V - den individuellen Preis


Achtung: die nächste Jahresumfrage naht mit Riesenschritten. Seid bereit.

Montag, 17. November 2014

Ohren(ge)fälliges: Monatsmeister des Monats Oktober 2014

John Fullbright - Jericho

Bearden, Oklahoma
Gewonnene Ränge: +8

Oklahoma, das ist ländliches Amerika, wie es im Buche steht. Schon bei der Nennung des Staatsnamens tauchen vor dem inneren Auge Planwagen auf, sowie Menschen in Latzhosen, eine Heugabel in der einen und eine Bibel in der anderen Hand.

Das sind natürlich Western-Klischees, aber ein Rest Wahrheit verbirgt sich schon noch dahinter. Glaubt man nämlich Wikipedia, dann ist die Landwirtschaft - neben der Gewinnung von Erdöl und -gas - auch heute ein wichtiger Wirtschaftszweig des US-Bundesstaates. Oklahoma ist der fünft größte Produzent von Rindfleisch und von Weizen in den Vereinigten Staaten. Und, passend zu dieser traditionellen Prägung ist Oklahoma auch einer der konservativsten Bundesstaaten und Bestandteil des so genannten "Bible Belt". Mehr als die Hälfte der Bevölkerung gehört evangelikalen Kirchen an, sämtliche nach Washington entsandte Abgeordnete sind Republikaner.

Es nimmt daher nicht unbedingt Wunder, dass eine der bekanntesten popmusikalischen Hymnen auf das reaktionäre Amerika einem "Okie aus Muskogee" (Muskogee ist eine Kleinstadt im östlichen Oklahoma) gewidmet ist.

Irgendwo mitten in diesem Staat liegt der kleine Ort Okemah, der vor allem deshalb bedeutend ist, weil hier am 14.7.1912 ein gewisser Woody Guthrie das Licht der Welt erblickt hat. Unweit von Okemeh, in dem 140-Seelen-Nest Bearden befindet sich die kleine Farm der Fullbright-Familie. John Fullbright hat hier seine Kindheit verbracht und, wie er der amerikanischer Songwriter-Vereinigung in einem Interview berichtet hat, mithilfe eines Klaviers seine "eigene Sprache" gesucht. Und gefunden.

Fullbrights Musik fußt musikalisch auf Country, Folk und Blues. Geradlinige, klare Songs, mithilfe von Gitarre, Klavier, Mundharmonika gezimmert. Aber Fullbright, der im April 26 Jahre alt geworden ist, ist auch ein nachdenklicher Songwriter, seine Texte besitzen Hintergründigkeit und zuweilen einen trockenen Witz. Auch aus dem religiösen Repertoire seiner Herkunft schöpft er und dreht es doch, etwa in "Gawd Above", wenn er Gott sehr mitleidslos, geradezu spöttisch, über seine Schöpfung sprechen lässt. Oder in "Jericho", wo die Mauern der alttestamentarischen Stadt als kraftvolles Bild Verwendung finden in einem scheinbar schlichten und doch ungemein starken und ergreifenden Country-Song. Mehr als nur ein Talent, fürwahr.

John Fullbright - Jericho (freier Download)



Donnerstag, 13. November 2014

Unterbrechung

Hier findet momentan eine Unterbrechung statt. Ich bin noch alles Mögliche über meine Warschau-Reise schuldig, eine Konzertrezension über ein sehr tolles Konzert und sonst so einiges.

Das ist bis auf Weiteres aufgeschoben. Ernsthafte Weichenstellungen fordern alle Zeit und Energie. Blogschreiben geht sich nicht aus.

Aber das Ende der Fahnenstange ist das noch nicht.

Montag, 10. November 2014

Donnerstag, 6. November 2014

Meow The Jewels


El-P kann nicht nur harte Beats und toughe Reime (siehe da). Er besitzt auch Humor.

Gemeinsam mit dem ähnlich gepolten Kollegen Killer Mike ist er Run The Jewels und versetzt dergestalt die Hip-Hop-Hipster in positive Aufregung. Um das zweite Album RTJ2 zu promoten (das man übrigens derzeit via Stereogum kostenlos herunter laden darf - nur so nebenbei gesagt), haben sich die beiden aberwitzige Pre-Order-Packages einfallen lassen.

So kann man sich zum Beispiel mit dem "Housesitters Deluxe"-Package für satte 35.000 US-Doller El-P und Killer Mike für ein Wochenende ins eigene Haus einladen (würde ich eher nicht empfehlen). Bei Erwerb des "Mystery Time Supreme"-Packages für wohlfeile 50.000 US-Dollar gründen sie wiederum eine Detektivagentur, "where you and run the jewels will work together to unravel local mysteries but mostly just smoke weed in the back of your van." Wer möchte, kann Run The Jewels aber auch in den Ruhestand schicken, das kostet 10 Millionen US-Dollar (sie machen dann nur mehr einen Song pro Jahr, der nach dem Käufer benannt wird).

Und dann gibt es da noch das "Meow The Jewels Album Package", bei dem RTJ2  für 40.000 US-Dollar mit Katzenlauten nochmals aufgenommen würde.

Das ist zu gut, um ein Scherz zu bleiben, hat sich einer gedacht und eine Kickstarter-Kampagne gestartet. Weil El-P sofort aufgesprungen ist und verkündet hat, dass es real wird, wenn das Ziel erreicht wird und zudem der Crowdfunder nun bei 65.783 US-Dollar steht, gibt es also "Meow The Jewels" offenbar jetzt wirklich.

Das ist sehr komisch, schön und natürlich auch cleveres Marketing, wobei aber noch gesagt werden muss, dass El-P seinen Anteil wohltätigen Zwecken zur Verfügung stellen wird.

Seht den Trailer und El-P, wie er in einem Tierheim auf Talentsuche geht:





Sonntag, 2. November 2014

In Concert # 47: Morrissey, 24.10.2014, Konzerthaus, Wien

Natürlich braucht er sie, diese Aufmerksamkeit, die Blicke. Die bewundernden, in denen er sich spiegeln kann ebenso wie die verächtlichen, an denen er sich reiben kann. Einer wie Morrissey könnte, wenn es zu viel wird, sich auch gut und gerne darauf zurück ziehen, einfach seine Songtitel (in dieser Disziplin ist er ziemlich unübertroffen) auf T-Shirts drucken zu lassen und damit seine Rente zu bestreiten. Sozusagen.

Und dann gibt es auch wirklich T-Shirts, am Merchandising-Stand am kalten Pflaster neben dem Wiener Konzerthaus, und da steht dann so etwas Merkwürdiges drauf wie "This Is Morrissey´s Town And We Are In It". Hm.

Es war bislang kein einfaches Jahr für Morrissey. Da war zunächst die teilweise Absage der USA-Tour aus gesundheitlichen Gründen, der Konflikt mit dem Label, das gerade sein letztes Album "World Peace Is None Of Your Business" heraus gebracht hat, ja Vorwürfe, er wäre in ein Mordkomplott verwickelt und schließlich die öffentliche Bekanntgabe seiner Krebserkrankung. Wir haben also schon unsere Zweifel, ob und wie uns der ehemalige Smiths-Sänger an diesem nasskalten Wiener Abend in den Räumlichkeiten des Konzerthauses entgegen treten wird.

Im prunkvollen Großen Saal steht ein Mikrophon auf der Bühne und kündet davon, dass er heute da sein wird. Der Saal selbst ist zur offiziellen Beginnzeit eher locker gefüllt, was sich dann doch noch ändert, randvoll wird er aber nicht. Hinter dem Standmikro dominiert eine sehr große, weiße Leinwand den Bühnenraum. Auf den Eintrittskarten steht "Morrissey & Guests" und wir fragen uns, wer den diese Gäste sein mögen. Treten hier neben Morrissey und seiner Band noch andere Musiker auf? Bezeichnet er seine Band als "Gäste"? Oder uns? Bei Morrissey muss man mit vielem rechnen.

Die Leinwand geht an und die Ramones spielen auf. In der folgenden halben Stunde reisen wir in schwarz-weißen Bildern durch die kulturelle Sozialisation des Steven Patrick Morrissey. Musiker (überwiegend), Comedians, sogar Poesie. Neben den Ramones glauben wir Nico wieder zu erkennen sowie X Ray Spex (?). Chris Andrews singt "Yesterday Man". Und Charles Aznavour gibt mit einem Standmikrophon vor einem weißen Vorhang "Emmenez-moi", was zu der Mutmaßung verleitet, eine wichtige Inspirationsquelle für Morrisseys mimische und gestische Stilistik entdeckt zu haben.

Dem musischen fügt sich auch der politisch-provokante Morrissey bei. Schon am Eingang haben uns junge Frauen Flyer in die Hand gedrückt, auf denen uns der Künstler gemeinsam mit PETA auffordert, vegan zu werden. Dessen Singstimme vernehmen wir erstmalig beim Zusammenschnitt eines Best-Ofs der schlimmsten Stierkämpfer-Unfälle. Und schon vorher haben wir Aufnahmen einer Anti-Thatcher-Demo gesehen, welche sehr unmissverständlich hiermit untermalt war.

Diese recht unterhaltsame Clip-Show dauert eine gute halbe Stunde. Dann, recht plötzlich und unvermittelt, steht Morrissey auf der Bühne. Begleitet wird er von seiner Band, die ein wenig wie seine höchstpersönlichen Büroangestellten am casual friday aussehen. Von der Leinwand blickt uns jetzt sehr grimmig ihre Majestät die Königin an und reckt uns sehr unfreundlich ihre beiden Mittelfinger entgegen. "The Queen Is Dead" schallt durch den Saal.

Bedingt durch die lockere Publikumsmasse zu Anfang haben wir Plätze zirka in Reihe 15, also weit vorn. Das hat den Vorteil, dass wir Morrissey sehr genau bei seinem Tun beobachten können. Der Nachteil ist, dass die Gitarren in diesem Großen Saal so nahe an der Bühne ziemlich laut und grell herüber kommen und ich mir Ohrenschützer wünsche. Etwas schade, denn stimmlich ist Morrissey in Form, seine klangschöne Artikulation tönt unbeirrt durch den Raum.

"World Peace is None of Your Business" ist das nächste, das er uns mit fester Stimme entgegen hält - und es macht Spaß. Dann folgt "The Bullfighter Dies", wiederum mit Bildern von siegreichen Stieren. Ein erster Höhepunkt ist interessanter Weise "Istanbul", ebenso wie "World Peace..." ein Song vom neuen Album, ein geradezu psychedelisch-bluesiger Jam, der gekonnt in ein pumpend-bedrohliches "How Soon Is Now?" übergeleitet wird.

Morrissey gibt sich dem Publikum gegenüber huldvoll, reicht Hände (auch denen, die versucht haben die Bühne zu stürmen), erfüllt Wünsche und spielt einen Song, den er seit 2007 nicht mehr hat vernehmen lassen ("Suedehead"). Er lobt die Stadt ("a beautiful city,...quite beautiful"). Anders als bei einem mir noch erinnerlichen Frequency scheint er den Rahmen ihm angemessen zu finden.

Die Konzertbesucher wiegen sich jetzt zufrieden im Takt des Poprock mit dem Morrisseyschen Weltschmerz-Schmelz. Doch der hat noch etwas vor. Zum Abschluss des Hauptblocks warnt uns die Leinwand, dass jetzt sehr unschöne Dinge gezeigt werden und so ist es auch. Zu Bildern von Tierfabriken und Schlachthäusern gibt Morrissey eine eindrucksvolle Performance von "Meat Is Murder". Das Publikum wirkt danach wie paralysiert, gerade jetzt muss es aber die Zugaben einfordern. Morrissey-Humor.

Er kommt wieder und will offensichtlich trösten, denn er spielt eine sehr schöne pianobegleitete Version von "Asleep". Und dann noch "Everyday Is Like Sunday", dieses fast euphorische Lied, in dem sich der Protagonist wünscht, dass endlich eine Atombombe die öde englische Kleinstadt auslöscht.

Damit endet dieser Abend, gerade eineinhalb Stunden hat der Auftritt gedauert. Morrissey hat sich offenbar seine Kräfte gut eingeteilt, hat Haus gehalten. Eine Ökonomie, die auch anzeigt: da ist jemand, der genau kalkuliert, der sich gezielt inszeniert und wohl auch mit Plan provoziert. Morrissey, das ist ein wenig wie ein Hochbegabter, der zu genialen Dingen fähig ist, aber seinen Intellekt genauso einsetzt, um in einer Welt, die ihm lächerlich und unwürdig ist, mit Sticheleien auf sich aufmerksam zu machen.

Egal aber ob er gerade Diva oder Gentleman ist, Schöngeist oder politischer Aktivist, selbstironisch oder zynisch,  aufgeräumt oder Grantler, eines ist ein Live-Auftritt von Morrissey in Normalfall jedenfalls: ziemlich unterhaltsam.

Freitag, 31. Oktober 2014

Das Halloween-Musikvideo-Special 2014

Alljährlich zu Halloween übermittelt mir Alex ein passendes Musikvideo. Dieses Jahr ist seine Wahl besonders großartig.

Kann man seinen Kindern zeigen, wenn sie fragen, was die Achtziger Jahre waren.


Donnerstag, 30. Oktober 2014

Musikvideo des Monats September 2014

Musikvideos anschauen ist eine Zeit raubende Sache. Und daher sind alle meine Versuche, meinen Rückstand aufzuholen, um dieser Kategorie so etwas wie Aktualität abzutrotzen, bislang gescheitert. Wenn dann auch noch längere Auslandsaufenthalte dazu kommen, dann wird das ganz aussichtslos.

Ich habe also im September kaum Musikvideos gesehen und poste einfach das, was mir in Erinnerung geblieben ist. Ein Road Trip durch die Mongolei in eher körnigen Bildern ist, untermalt von Steve Gunn. Der hat schon im vorherigen Monat bewiesen, dass er Musik macht, die ob ihrer cineastisches Qualität für visuelle Behandlung sehr gut geeignet ist.


Dienstag, 28. Oktober 2014

Rückblog 2013 # 13: Jahresumfrage - Die Preisauslosung

Ohne große Vorrede. Die Lose sind gefallen.



Die GewinnerInnen werden wie immer verständigt, damit sie von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen können.

Montag, 27. Oktober 2014

GewinnerInnen der Jahresumfrage 2012-Preisauslosung # 4

Und auch J.R. hat seinen Preis erhalten.

Bei dem Gegenstand in seinen Gewinnerhänden handelt es sich um eine Bücherstütze des Modells "Schulrelief" aus dem Rheinischen Landesmuseum Trier. Das passt, weil J.R. Bücher hat und Inneneinrichtung gebrauchen kann.



Bei der Gelegenheit kann ich verraten: sehr bald erfährt die Welt, wer die GewinnerInnen der Preisauslosung zur Jahresumfrage 2013 sind. Stay tuned. Die Spannung, die Spannung..

Sonntag, 26. Oktober 2014

Aktuelle Kamera # 20

Wenn ich meine Städtereisen der letzten Jahre reflektiere, stelle ich fest, dass es vor allem folgende Faktoren waren, die mir persönlich den Aufenthalt in der Erinnerung zu einem besonders schönen gemacht haben:

  • Die Witterung war angenehm, dh es hat zumindest gelegentlich die Sonne geschienen (Stockholm zu Allerheiligen war zB nicht so prickelnd).
  • Das Essen war gut.
  • Die Stadt vermochte in Bezug auf Attraktivität positiv zu überraschen, was besonders dann möglich war, wenn kein allzu dominantes, vorgefertigtes Bild vorhanden war.
  • Der Aufenthalt war informativ und hat neue Perspektiven eröffnet.

Letzte Woche war ich in Warschau. Da waren alle diese Faktoren restlos gegeben. Was es sonst noch über Warschau zu sagen gibt, möchte ich bewährtermaßen in meinem Stadt-ABC zusammen fassen. Das kommt auch sicher noch, braucht aber noch etwas Zeit, weil sich sonst momentan so viel tut hier. Und viele Bilder kommen auch noch.

Als Vorgeschmack eine neue "Aktuelle Kamera".

IMG_5120

Samstag, 25. Oktober 2014

Amnesty informiert: Amnesty-Gruppen im Porträt - die Gruppe Rohrbach

In unserer Reihe der Porträts von Amnesty-Gruppen in unserer Radiosendung “Amnesty informiert” stellen wir diesmal die Gruppe Rohrbach vor. Außerdem berichten wir über die Aktionswoche für die Rechte von Flüchtlingen und MigrantInnen und bringen aktuelle Meldungen.

Diese Ausgabe von “Amnesty informiert” macht einen Blick nach Innen. Konkret schauen wir nach Rohrbach, einer Stadt im nördlichen Oberösterreich. Dort gibt es seit vielen Jahrzehnten eine Gruppe von Amnesty-AktivistInnen, die sich in ihrer Freizeit den Menschenrechten widmen. Sie stellen sich und ihre Arbeit vor.

Außerdem berichten wir von unserer Aktionswoche für Flüchtlinge, die Anfang Oktober in Oberösterreich stattgefunden hat und die eben in Rohrbach ihren Auftakt hatte.

Abschließend bringen wir aktuelle Meldungen aus der Welt der Menschenrechte.

Gestaltung der Sendung: Sarah Berger, Bani Kastl

Donnerstag, 23. Oktober 2014

Ohren(ge)fälliges: Monatsmeister des Monats September 2014

Chance The Rapper - Cocoa Butter Kisses (feat. Vic Mensa and Twista)

Chicago, Illinois
Gewonnene Ränge: + 5
s. Monatsmeister des Monats August.


Kollektiv Turmstrasse - Ordinary

Wismar, Deutschland
Gewonnene Ränge: +4

Eine besondere Qualität elektronischer Musik besteht darin, einen Strom zu schaffen, in dem sich der Hörer richtig gehend treiben lassen, in dem er sich ganz verlieren kann, aus dem er sich aber auch jederzeit wieder ausklinken kann, um sich bewusst mit den Feinheiten der Komposition auseinander zu setzen.

Im Idealfall gelingt das ohne große Aufdringlichkeit, durch das Anwenden des Prinzips der Repetivität im Verbund mit einem intensiven Klang und der Fähigkeit, im richtigen Moment wiederum geschickt Akzente zu setzen, um zu große Monotonie zu verhindern.

Bei "Ordinary" von Kollektiv Turmstrasse (benannt nach der Straße im mecklenburgischen Wismar, in der die beiden Protagonisten eine gemeinsame Wohngemeinschaft hatten) sind diese Ingredienzien stimmig. Ein wiegender Beat führt uns hinein in den mehr als zwölfminütigen Klangkosmos. Im Hintergrund hören wir zeitweilig eine weibliche Gesangsstimme, anfangs sehr fern, verhallt, verfremdet. Der Beat gewinnt an Nachdruck, das System nimmt Fahrt, nimmt Tempo auf. Verschiedene neue Synthie-Klangspuren fließen ein, unterspülen den Grundschlag. Da ist auch die Stimme wieder, beinahe vermeinen wir nun die Worte zu verstehen, kurzzeitig wird sie erstaunlicherweise durch das Mähen synthetischer Schafe begleitet. Zur Mitte des Tracks setzt der Beat kurz aus, ehe er umso prachtvoller zurück kehrt, mit der Anmutung einer asiatischen Klangfarbe. Dieses Intermezzo dauert jedoch nur kurz, schon kehrt die Gesangsstimme zurück, wir verstehen nun einzelne Wörter, die sich über eine zunehmend treibende, ja überschwängliche Klangwelt legen. Der Gesang endet, der Beat prescht weiter voran, um sich letztlich zu erschöpfen.

So kann man hier über zwölf Minuten in einer eigenen Welt zubringen, sich darin einrichten und doch immer wieder einmal einen Blick rundum werfen, um festzustellen, dass sich die Umgebung auf fantasievolle Weise verändert hat.

Kollektiv Turmstrasse - Ordinary (auf YouTube)




Mittwoch, 15. Oktober 2014

Trier

 

Die Geburtsurkunde liegt im Rheinischen Landesmuseum und ist ein Stück Holz. Anhand der Jahresringe lässt sich feststellen, dass der Baum, der das einmal war, im Jahr 17 v. Chr. gefällt worden ist. Weil er als Pfeiler einer römischem Brücke gedient hat und man davon ausgeht, dass zeitgleich mit der Brücke eine Stadt gegründet worden ist, kennt man das Gründungsjahr von Trier.

Die Legende freilich will wissen, dass Trier schon zweitausend Jahre zuvor von den Assyrern gegründet worden und daher älter als Rom sei, eine Behauptung, die auf einem Haus am Hauptmarkt kühn wiederholt wird:

IMG_5076
Das Rote Haus nächst dem Hauptmarkt mit der Inschrift: ANTE ROMAM TREVIRIS STETIT ANNIS MILLE TRECENTIS. PERSTET ET AETERNA PACE FRVATVR. Amen. (1684)


Tatsache ist, dass die Römer bei ihrem Einmarsch im mittleren Moseltal zwischen Eifel und Hunsrück bereits kultivierte Flächen und Siedlungen der dort ansässigen keltischen Treverer vorfanden. Augusta Treverorum, die "Augustusstadt der Treverer" wurde hier an der Kreuzung bedeutender Handelswege und in guter aber noch sicherer Distanz zur militärisch besetzten Rheingrenze hochgezogen.

Die Römer schlugen mehrere Brücken über die Mosel, wie auch jene, die - in späteren Jahrhunderten mit Rundbögen versehen - heute noch steht und dem modernen Autoverkehr stand hält:


IMG_4970
Die Römerbrücke (ca. 150)

Ein Stück vom Moselufer entfernt errichteten die neuen Herren eine Planstadt mit quadratischem Grundriss, die sie beständig ausbauten und die immer mehr an Bedeutung gewann. Sie wurde mit allem ausgestattet, was eine römische Stadt aufzuweisen hatte: ein Forum mit repräsentativen Bauwerken, einen Circus, mehrere Thermenanlagen (von denen die Barbarathermen zu den größten des Römischen Reiches zählten) und ein Amphitheater:

IMG_5034
Amphitheater (ca. 100)


Das Amphitheater wurde Teil einer gewaltigen Stadtmauer von sechs Kilometer Länge, die mit mehreren Toren versehen war. Das nördliche Tor, das unter Mark Aurel und Commodus erbaut wurde, hat die Jahrtausende sowie diverse Um- und Rückbauten überdauert und ist heute als Porta Nigra (wegen der durch die Jahre angenommenen dunklen Farbe) das Wahrzeichen der Stadt:

IMG_4942
Porta Nigra (ca. 180, ursprünglich symmetrisch, im 11. Jahrhundert zu einer Doppelkirche umgebaut, auf Geheiß Napoleons in den jetzigen Zustand zurück geführt)

Vom Sitz des Statthalters der Provinz Gallia Belgica schwang sich Trier nach der Reichsreform Diokletians zum Sitz römischer Kaiser auf. Der Caesar Constantius Chlorus begann mit dem Bau der Badeanlagen, den so genannten "Kaiserthermen", die jedoch nie ganz fertig gestellt wurden und deren Reste im Mittelalter als Stadttor Verwendung fanden:

IMG_4990
Die Kaiserthermen (um 300, oberirdisch)
IMG_5010
Die Kaiserthermen (unterirdisch)

Sein Sohn Konstantin ("der Große") baute Trier weiter aus. Er errichtete eine riesige Palastaula, die man ebenfalls heute noch bewundern kann und der größte Einzelraum ist, der aus der Antike erhalten geblieben ist (67 x 27,5 x 33 Meter). Im Laufe der Geschichte wurde die Palastaula in den Sitz der Erzbischöfe von Trier integriert. Friedrich Wilhelm IV. von Preußen ließ sie schließlich 1846 bis 1854 in den spätantiken Zustand zurück versetzen und machte aus ihr eine evangelische Kirche, die "Konstantinsbasilika":

IMG_4931
Konstantinsbasilika, vormals Palastaula (um 300) 

Unter Konstantin und seinen Nachfolgern wurde Trier ein Zentrum des nunmehr dominierenden Christentums. Hieronymus, Martin von Tours oder Athanasius gaben sich hier die Klinke in die Hand, Ambrosius wurde hier geboren. Neben der Palastaula entstand ein riesiger sakraler Bezirk mit bis zu vier Kirchen. Der Trierer Dom und die Liebfrauenkirche gehen vermittels von vielen Jahrhunderten verschiedenster Bautätigkeiten und -stile auf diese Anlage zurück:

IMG_4935
Dom (links, ab 340), Liebfrauenkirche (rechts, um 1230)
Wegen des zunehmenden Druckes durch die germanischen Völker verlegten die römischen Herrscher ihre Sitze aber schon im 5. Jahrhundert weg von Trier, das schließlich von den Franken eingenommen und ihrem Reich eingegliedert wurde.

Eine gewisse Kontinuität zur alten Bedeutung blieb dadurch bestehen, dass in Trier weiterhin ein Erzbischof der römischen Kirche residierte. Im Mittelalter focht er eine lange Reihe von Auseinandersetzungen mit der Trierer Bürgerschaft sowie den in der Nähe der Römerbrücke bei den Barbarathermen sitzenden Herren de Ponte ("von der Brücke") um Macht und Einfluss in der Stadt aus. Rund um den Trierer Hauptmarkt entstand die mittelalterliche Stadt Trier:

IMG_4953
Hauptmarkt (vom Mittelalter aufwärts)

Im 13. Jahrhundert wurde der Erzbischof von Trier Kurfürst und damit einer der einflussreichsten Männer des Reiches. Die Trierer Kurfürsten bauten ihre Residenz um die Palastaula weiter aus, zunächst im Stile der Renaissance, in den 1750er Jahren erhielt der Südflügel dann eine beeindruckende Rokoko-Fassade:
IMG_5061
Kurfürstliches Palais, Rokoko-Fassade am Südflügel (ab 1756)

Nur wenige Jahrzehnte später war es aber mit dem Kurfürsten vorbei: 1794 besetzten die Truppen des revolutionären Frankreich Trier und machten aus der Residenz eine Kaserne. Auch die Preußen, die danach die Stadt eroberten, hatten kein Interesse daran, dem Erzbischof seinen weltlichen Herrschaftssitz zurück zu geben. Sie benutzten das Palais weiterhin als Kaserne. Heute gehört der gesamte Komplex einschließlich der Konstantinsbasilika dem Land Rheinland-Pfalz und beherbergt neben der Evangelischen Kirche in der Basilika (in die gerade eine neue Orgel eingebaut wird) den Verwaltungssitz des südlichen Rheinland-Pfalz.

Trier hat heute 106.000 Einwohner und wer die Gelegenheit hat, es zu besuchen, sollte das nicht verpassen. Hier gibt es Beeindruckendes quer durch die Epochen zu sehen. Zugleich ist Trier aber eine angenehme, gelassene Stadt zwischen Weinbergen, die sich zu Fuß problemlos erkunden lässt.

Achja, Karl Marx wurde in Trier geboren. Deshalb ist Trier die wohl einzige Stadt in (West-?)Deutschland, in der es noch eine Karl-Marx-Straße und sogar ein Karl-Marx-Viertel gibt. Das in seinem Geburtshaus untergebrachte Museum über sein Leben soll sehenswert sein. Beim nächsten Mal vielleicht.

MEHR BILDER.

Montag, 13. Oktober 2014

Im Kino # 29: Johannes Holzhausen - Das große Museum

Wienbesuch. Hotelzimmer im Botschaftsviertel in der Nähe des Belvedere. Die Türme der Karlskirche am Ende der Straße. Am Abend, wenn das beruflich bedingte Tagesprogramm beendet ist, Bilder der nächtlichen Stadt. Und Kino.

Das Gartenbaukino ist das ehrwürdige Premierenkino von Wien. Im Jahr 1919 auf dem damaligen Areal der Gartenbau-Gesellschaft entstanden und 1960 in heutiger Form errichtet, verfügt es über einen einzelnen großen Saal in Theater-Dimension, in dem aktuell 736 Personen Platz finden. Das Kino gehört mittlerweile der Viennale, die hier ihr Festival abhält.

Wie schon hier beschrieben, kann man sich im riesigen Saal des Gartenbaukinos schon etwas alleine vorkommen, wenn einmal gerade nicht der größte Andrang herrscht (damit habe ich nicht gesagt, dass das etwas Schlechtes wäre). Aber ganz so war es diesmal nicht. Schon bei der Ankunft vor dem Kinosaal strömen uns Heerscharen von 60+ - Menschen, angeführt von einer ehemaligen Bildungsministerin entgegen. Sie haben die Spätnachmittagsvorführung von "Das große Museum" von Johannes Holzhausen besucht. In der schon schütterer besuchten Abendvorführung wird uns die Ex-Ministerin auf der Leinwand wieder begegnen.

Auch so eine Wiener Institution, natürlich: das Kunsthistorische Museum. In "Das große Museum" erlaubt uns das selbige einen über mehrere Jahre geweiteten Blick hinter die Kulissen. Am Anfang des Films kommt gleich ein Schocker, den sich Ulrich Seidl nicht besser hätte ausdenken können (ich erwähne das auch, weil wir leider den Trailer für "Im Keller" gesehen haben): ein Mann mit einem Hammer drischt auf einen historischen Fußboden ein. Hier entsteht die neue Kunstkammer.

In der Folge entfalten sich mehrere dokumentarische Händlungsstränge: der Direktor des British Museum, auf englische Weise enthusiastisch, erhält eine Führung, die Organisation durchläuft einen Prozess mit sich in Kreisform aussprechenden MitarbeiterInnen, ein hochrangiger Angestellter wird in den verdienten Ruhestand versetzt, wobei er nicht so wirkt, als würde er sich von seiner Aufgabe trennen wollen. Außerdem lernen wir neue Berufe kennen, die es sich vielleicht noch zu verfolgen lohnen könnte, wie Mottensucher, Reparateur von historischem Spielzeug oder Hängungs-Expertin. 

Dazu natürlich jede Menge schöne Bilder von schönen Bildern. Sowie Kamerafahrten durch lange Gänge und über Parkettböden in Räumen, die mit kulturgeschichtlichem Material vollgestopft sind. Viel zu schauen für museo- oder artophile Zeitgenossen.

Am Ende hat man dann zwar nicht unbedingt das Gefühl, dass man da arbeiten möchte, aber hingehen und die, letztlich feierlich unter politischer Patronanz eröffnete, Kunstkammer besichtigten, möchte man schon. War wahrscheinlich so beabsichtigt.

Meine Bewertung: 2.5 aus 5

Sonntag, 5. Oktober 2014

Cover Oddity # 7

Das ist diese Vorgeschichte. Ryan Adams hat lange sehr darunter gelitten, dass auf seinen Konzerten immer wieder einzelne Konzertbesuchern "Summer of ´69" eingefordert haben. Es soll zum Hinauswerfen der selbigen aus dem Konzertsaal gekommen sein, ja zu geradezu tätlichen Übergriffen. Jetzt hat er aber anscheinend seinen Frieden mit dem Anderen (mit dem er auch noch den Geburtstag teilt) gemacht.



Freitag, 3. Oktober 2014

Game, Set, Beat

Schon einmal über den strukturellen Unterschied zwischen Herren- und Damen-Tennis nachgedacht? Ich schon.

Das Schöne ist, dass eine(r) jetzt gar nicht mehr darüber nachdenken muss. Man kann den nämlich jetzt hören, quasi.

Denn wegen Big Data, der Rechenkapazität eines großen Computerherstellers und der Mitwirkung des New Yorker Musikers und Labeleigners James Murphy haben sich gerade sämtliche Matches der US Open in elektronische Musik verwandelt.

Hier das Damen- versus das Herren-Endspiel:




Sicher, bei Klangfarbe und Sounddesign wurde da erheblich herumgeschraubt, um den Tracks Individualität einzuhauchen. Ein interessantes Projekt ist es trotzdem.

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Inherent Vice - Der Film zum Filmbuch

Ich habe schon hier bemerkt, dass Thomas Pynchon mit "Inherent Vice" ein Filmdrehbuch geschrieben hat (nebenbei bemerkt, damals war ich offenbar noch motiviert genug, Literaturrezensionen zu verfassen!).

Und jetzt gibt es endlich den Film dazu. Und Paul Thomas Anderson hat ihn gemacht. Joaquin Phoenix spielt den Doc Sportello (eine, hm, interessante Wahl), außerdem wirken neben anderen Reese Whiterspoon, Josh Brolin, Benicio del Toro und Owen Wilson mit. Und Martin Short als dieser irre Dr. Blatnoyd! Ich schwöre, ich habe beim Lesen, als Dr. Blatnoyd aufgetaucht ist, Martin Short vor meinem inneren Auge gesehen, obwohl mir gar nicht mehr bewusst war, dass Martin Short überhaupt existiert.

Der Dezember kann kommen.


Samstag, 27. September 2014

Wien bei Nacht, Teil 1

Ich nenne es "Wien bei Nacht, Teil 1". Nicht, weil ich einen zweiten Teil in der Schublade hätte. Sondern, weil ich in Wien eigentlich noch weitere Kreise ziehen wollte und sich das dann doch nicht ausgegangen ist, weil sich zwischendurch ein Treffen mit einem schon lange nicht mehr gesehenen Freund ergeben hat. Aber die weiteren Kreise ziehe ich womöglich eines Tages noch.

IMG_4849
 
IMG_4859
 
IMG_4864
 
IMG_4872
 
IMG_4883
 
 

Die ganze Serie.

Donnerstag, 25. September 2014

"Closed Sea" am 2.10.2014 im Moviemento

Die Gruppe 8 Linz von Amnesty International lädt herzlich ein zur Filmvorführung:

“Closed Sea – Mare Chiuso”
Regie: Stefano Liberti, Andrea Segre
Produktionsland: Italien
Produktionsjahr: 2012
Länge: 62 min
Originalversion mit deutschen Untertiteln.

Donnerstag 02. 10. 2014

18.30 Uhr
Moviemento

mit anschließender Diskussion

Freier Eintritt!

Am 03.10.2013 sank vor der Insel Lampedusa ein Boot mit ca. 545 Flüchtlingen aus Somalia und Eritrea. Es kam aus der libyschen Hafenstadt Misrata. Die italienische Küstenwache und einheimische Fischer retteten 155 Menschen. Ca. 390 Menschen ertranken. Es war nicht die erste und auch nicht die letzte Tragödie dieser Art.

Closed Sea enthüllt die Geschichte bedrohter MigrantInnen, die versuchten, während des Krieges in Libyen nach Europa zu entkommen. Als Resultat eines Abkommens zwischen Berlusconi und Gaddafi wurden sie nach Libyen zurück geschickt. Die ProtagonistInnen erzählen ihre Geschichte von ihrer Entscheidung zur Auswanderung, über die Flucht und die verfehlte Rettung zu ihrer anschließenden Inhaftierung, dem Verweilen in einem Flüchtlingslager und weiter bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

Der Film lässt Zeuginnen zu Wort kommen und zeichnet anhand von Interviews, Handyaufnahmen und Mitschnitten der Verhandlungen vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ein eindringliches Bild von Hoffnung und Verzweiflung.

Sonntag, 21. September 2014

Musikvideo des Monats August 2014

August 2014 war ein Monat ohne überragendes (naja, "Time Between" kommt nahe heran), aber mit einigen sehr schönen Musikvideos. Und ich bin immer noch weit hinten. Aber ich gebe nicht auf.

1



Dir. Nick Bentgen

NY@N8.


2



Dir. TY

Im Einklang.


3



Dir. Champ Enswinger

Mythisch.


4



Dir. Ed Morris

Atem raubend.


5



Dir. John Lee & Peter Burr

Dieses eine Joy Division-Albumcover, zum Leben erwacht. Achtung: es blinkt.

Freitag, 19. September 2014

Mittwoch, 17. September 2014

Amnesty informiert: Am Rande der Festung - Menschenrechtsverletzungen an Europas Grenzen

Ein Bericht über die menschenrechtliche Situation an Europas Außengrenzen.

Vor einem Jahr ertranken vor Lampedusa ca 390 Menschen, als sie versuchten, zu uns zu flüchten.

Dieser Fall gelangte in die Medien, es wurde viel diskutiert, und auch ein wenig verändert.

Diese 390 Menschen sind nur ein Bruchteil der Leute, die jährlich beim Versuch, nach Europa zu gelangen, sterben.Was getan wird, was die EU macht und nicht macht, wie sie es macht und wie die direkt betroffenen Staaten handeln, davon berichtet der Amnesty Bericht "The Human Cost Of Fortress Europe".

Martin Walther hat ihn gelesen und fasst die wichtigsten Punkte in dieser Sendung zusammen.

Wir berichten außerdem von unserer kommenden Aktionswoche, mit der wir in Oberösterreich auf die Zustände an unseren Grenzen aufmerksam machen wollen. Link

Montag, 15. September 2014

Ohren(ge)fälliges: Monatsmeister des Monats August 2014

Chance The Rapper - Cocoa Butter Kisses (feat. Vic Mensa and Twista)

Chicago, Illinois
Gewonnene Ränge: + 8

Man muss sagen das ist bitter: da kommt der junge Rapper von der Straße, wo er sich aus spirituellen wie geschäftlichen Gründen mit verschiedensten Rauschmitteln beschäftigt, sowie mit seinen diversen Skills seinen Kumpels und den Frauen imponiert hat, wieder nach Hause. Und dann verweigert ihm die eigene Mutter die innige Umarmung inklusive den nach dem Kokos der Gesichtscreme duftenden Küssen. Ja, selbst die Oma will um ihrer Zuneigung Willen getäuscht sein: Augentropfen müssen strategisch eingesetzt werden, um verdächtige Erscheinungen zu beseitigen.

Es kommt nicht oft vor, dass ein Rapsong etwas derart Anrührendes an sich hat. Der die Zeilen verfasst hat, ist ein Shootingstar des Hip-Hop, der aus der Chicagoer South Side stammende Chance the Rapper. Mit 18 produzierte er sein erstes Mixtape, das er infolge einer wegen Cannabisvergehen ausgefassten 10-tägigen Schul-Suspendierung "10 Days" nannte und das sich via Internet Lawinen artig verbreitete. Das Nachfolgewerk (wieder ein Mixtape) heißt "Acid Rap", ist am 30. April 2013 erschienen und wurde von den Musikkritikern in seltener Eintracht in den Himmel gehoben. Dann ging alles sehr schnell. "Acid Rap" schaffte es dank illegaler Bootlegs in die Billboard-Top 100 der meistverkauften R´n´B/Hip Hop-Alben, obwohl es auf der Website von Chance The Rapper zum kostenlosen Download bereit stand (und noch steht). Und Mainstream-Megaseller wie Justin Bieber oder Skrillex verpflichteten den nunmehr 20-Jährigen als Mitwirkenden.

Etwas Reflexionsfähigkeit kann bei dieser steilen Entwicklung nicht schaden und die demonstriert der Künstler zumindest auf "Cocoa Butter Kisses". Hier sinniert er über den Verlust der Geborgenheit der eigenen Kindheit, ihrer Unschuld, über die schmerzhafte Entfremdung aus der eigenen Familie, die sein selbst gewählter, "erwachsener" Lebensstil mit sich bringt. Stellvertretend für die alten Zeiten werden da die Nickelodeon-Videokassetten nochmals besungen, Fernsehserien, Fertigpizzen, die den Geschmack der Kindheit ausgemacht haben.

Und im letzten Vers, den der arrivierte Chicagoer Rapper Twista in bekannter Highspeed-Manier darbietet (auch Vic Mensa ist zwischendurch mit von der Partie), dräut die Erkenntnis: Es ist das Zuhause, es ist familiäre Geborgenheit, die diesem Leben fehlt. Und alles nur "cause I´m stanking".

Chance The Rapper - Cocoa Butter Kisses (feat. Vic Mensa and Twista)

Samstag, 13. September 2014

On The Rund, Again

IMG_4762


Zwei Tage hat es geschüttet wie aus Kübeln. Da konnten wir nicht gehen. Zwei Tage haben wir dann aber doch noch Rundumadum-Wegstrecke unter und hinter uns gebracht. Am ersten von Essling nach Breitenlee nach Süssenbrunn nach Gerasdorf.  Und dann am zweiten von Gerasdorf über den Bisamberg nach Strebersdorf.

Wir haben die flache, unspannende, aber friedliche Ereignislosigkeit der Pfade von Essling nach Breitenlee meditativ in uns aufgenommen (s. Bild), haben festgestellt, dass Breitenlee ganz offiziell die hinterste Backe von Wien ist (es tut mir leid, aber dazu fällt mir gerade keine euphemistischere Analogie ein). Wir haben festgestellt, dass es in Süßenbrunn einen Wiener Golfclub gibt, wenn auch nur wenige Meter von der niederösterreichischen Grenze entfernt und ebenfalls nicht weit von einem Lokal namens "Paprika-Tarzan".

In Gerasdorf sind wir durch eine schaurige suburbane Endlosschleife von Einfamilienhäuser mit gepflegten Vorgärten, Zweit- und Drittautos vor und Sicherheitsfirma-Pickerl an der Tür gelaufen, bis uns der Marchlandkanal endlich von diesem Ort erlöst hat. Von dort ging es über den Bisamberg mit seinen Weinreben, Wiesen, Zieseln und Blicken auf das Dunst verhangene Wien durch eine lange Kellergasse hinunter nach Strebersdorf.

Das waren insgesamt gut 33 Kilometer. Und auch wenn es nicht durchgehend die aufregendsten Gegenden von Wien waren, die wir da durchschritten haben, so sind wir doch weiter gekommen, geographisch wie innerlich.

Und jetzt wartet bald der schönste Teil: der grüne Saum westlich der Donau und nördlich der Wien. Das lassen wir uns nicht entgehen. Auch wenn sich nächstes Jahr vieles ändert.

Donnerstag, 11. September 2014

Safe the Planet

IMG_4784
Learn English & Save Yourself





Diese Aufschrift wird vom Eigentümer dieses Kastens offenbar als bewahrungswürdiges Kulturgut angesehen, den sie erfreut die BewohnerInnen Hütteldorfs bereits seit Jahren.

Sonntag, 7. September 2014

GewinnerInnen der Jahresumfrage 2012-Preisauslosung # 3

In den letzten Tagen war der Winzer als Preisvergeber besonders fleißig.


IMG_4698
A.P. am Ausflug mit unbekanntem Ausgang in Freistadt (Brauhaus).



IMG_4782

A.W. mit etwas Musikalischem aus der Kategorie "Ohren(ge)fälliges" (Speedy Ortiz).

Nur noch eine Preisvergabe to go, dann wird wieder gelost.

Samstag, 30. August 2014

Musikvideo des Monats Juli 2014

Der..äh..Juli 2014 war der Monat, in dem Weird Al Yankovic mit mehreren Videoversionen von Songs aus seinem neu erschienen Album "Mandatory Fun" über die Welt gekommen ist. Daran kommen sie zwar allesamt nicht ganz heran, aber in den Top 5 ist der Musik-Parodist vertreten.


1



Dir. ?

Und gleich an erster Stelle. Bei der Szene mit der elektrischen Zahnbürste fühle ich mich sehr ertappt.


2



Dir. ?

Die Verfolgungsjagd der Zukunft: Segway vs. Pogostöcke.


3



Dir. Philip Harder

Subway-Kultur.


4



Dir. Keith Musil

Passt auf eure Kinder auf.


5



Dir. Nabil

Der unvermeidliche Nabil.

Dienstag, 26. August 2014

Amnesty informiert: Ein kurzer Blick nach Kenia

Die Linzer Amnesty-Aktivistin Claudia hat ihr Herz an Kenia verloren. Wir haben mit ihr über dieses schöne Land gesprochen und werfen natürlich auch einen Blick auf die menschenrechtliche Situation vor Ort.

Der Langstreckenlauf bringt viele Kenianer nach Europa. Aber zumindest auch eine Linzerin nach Kenia.

Und so kann uns die Linzer Amnestyaktivistin Claudia Ecker viel über das Land erzählen, über die Frauen, über die Gesellschaft, und natürlich über die Marathonläufer. Wer sich immer schon gefragt hat, wie es kenianische Langstreckenläufer nach Europa verschlägt oder mal einen ganz privaten Blick nach Kenia werfen will, ist in dieser Sendung gut aufgehoben.

Natürlich werden wir auch über Menschenrechte vor Ort reden, und zum Schluss der Sendung, wie immer, auch aktuelle Nachrichten über Menschenrechtsthemen an anderen Orten der Welt bringen.

Gestaltung der Sendung: Sarah Berger

Sonntag, 24. August 2014

Im Kino # 28: Venezianische Freundschaft

Io Sono Li
I / F 2011

An dieser Stelle muss einmal etwas über die Übersetzung fremdsprachiger Filmtitel im Arthouse-Kino gesagt werden. Die ist nämlich allzu oft nicht viel berauschender als jene bei Mainstream-Blockbustern. Ich meine, der Regisseur oder auch der Produzent denkt sich schon etwas bei der Wahl eines Filmtitels, er begreift ihn mit Sicherheit als wichtigen Bestandteil seines Werkes. Dennoch scheint es bei Filmtitel gang und gäbe, dass man, unter Missachtung der künstlerischen Entscheidungen der Film-Urheber, einfach Umdichtungen vornimmt, deren Ergebnisse eher nach Werbeprospekt riechen denn nach irgend etwas anderem. Ich werde daher in Hinkunft den Originaltitel meiner Rezension voranstellen (hier habe ich es nachgetragen).

Nehmen wir zum Beispiel "Io sono Li" (zu deutsch: "Ich bin Li") des italienischen Regisseurs Andrea Segre, den wir beim Sommerkino am Dach des Offenen Kulturhauses in Linz gesehen haben. Als "Venezianische Freundschaft" ist dieser Film in unsere Kinos gekommen.

Dabei ist "Venezianische Freundschaft" ein Film, der gar nicht in Venedig spielt, sondern in Chioggia, das 25 Kilometer südlich von Venedig liegt. Venedig selbst kommt eine halbe Minute vor, ein Eck vom Markusplatz, die Rialto-Brücke. Fertig. Und Freundschaft kommt darin schon vor, ist aber eine Verniedlichung dessen, was in diesem Film geschieht, der seine Umbetitelung nicht verdient hat. Aber der Reihe nach, wie ich an solcher Stelle gerne zu sagen pflege.

Wir sind also in Chioggia, der kleinen Lagunenstadt. Eine kleine Café-Bar am Hafen, unweit der trüben Wässer der Lagune ist unser Hauptschauplatz. Bepi (Rade Serbedzija), der ursprünglich von der Küste auf der anderen Seite der Adria stammt und den sie "Dichter" nennen, weil er gerne Reime erfindet, geht hier tagtäglich ein und aus. Er trifft sich mit seinen Freunden, die großteils Fischer sind wie er selbst. Einen unterbeschäftigen Anwalt (Roberto Citran) gibt es da außerdem noch, sowie Devis (Giuseppe Battiston), einen massigen, aggressiv auftretenden Tagedieb mit ausgeprägten xenophoben Neigungen.

Die Chinesin Shun Li (Tao Zhao) ist von der Organisation, die sie nach Italien geschleust hat, in eben jenem Café geparkt worden. Sie arbeitet hier nun für Kost und Logis und in der Hoffnung, dass sie irgendwann bezahlt werden wird und ihren in China beim Großvater verbliebenen Sohn zu sich holen kann. Natürlich ist aller Anfang schwer. Mit kaum mehr als ein paar Brocken Italienisch kellnert sie und versucht sie, sich mit den stetig anschreibenden Stammgästen zu arrangieren. Mit der Zeit gelingt das auch, zumindest, soweit es die Wohlmeinenderen unter ihnen angeht. Bei Bepi geht die Annhäherung weiter, man entdeckt Kultur übergreifende Gemeinsamkeiten, entwickelt wechselseitige Sympathie.

Leider hält sich das Verständnis des sozialen Milieus in Grenzen. Und wir beginnen zu ahnen, dass wir es hier womöglich nicht mit einer schlichten Liebesgeschichte zu tun haben, sondern vielleicht eher mit einer Variation des Romeo-und-Julia-Themas.

Über der Lagune vor Chioggia mit den in sie hinein gestellten, schiefen Hütten der Fischer, wie sie Andrea Segre in "Io Sono Li" in gelassen-eindrücklichen Einstellungen einfängt, liegt eine schwermütige Schönheit, die sich in der Geschichte, die er erzählt, widerspiegelt. Diese Welt ist neblig grau und rau, die See schwappt schon einmal über die Hafenkante in die Gassen und Häuser (was von den Bewohner mit routinierter Gleichmut hingenommen wird). Nochmals: mit sonnigen Urlaubsfotos der Lagune von Venedig hat das nichts zu tun.

Untermalt wird das Ganze von dem hervorragenden, unaufdringlichen und doch atmosphärisch sehr präsenten Score von Francois Couturier. Bei aller Melancholie in diesem Film sind es seine, treffend besetzten, Nebencharaktere, die ihm doch auch eine Prise Leichtigkeit hinzu fügen. Sie sind markante, tragikomische Gestalten, die man sich jeweils gut als Ausgangspunkt eines eigenen Erzählstranges vorstellen könnte. 

Meine Bewertung: 3.5 aus 5 Sternen