Freitag, 31. Januar 2014

Rückblog 2013 # 1, Meine Bilder des Jahres, 25-21

Fortsetzung von hier.

25




Sanft und Samt. 21.6.2013, 17:52, Linz/Donau


24



Off-Road im zehnten Hieb, 22.5.2013, 9:29, Wien Favoriten


23


 
In freier Wildschweinbahn, 20.5.2013, 9:56, Wien Hietzing


22


 
 
Mitten in Berlin, 26.7.2013, 10:01, Berlin


21



Au, Wald! 23.5.2013, 12:58, Wien 22


Fortsetzung folgt..

Mittwoch, 29. Januar 2014

Dachplatte

Das Kultobjekt Schallplatte animiert zu manch sonderbarem Unterfangen. Da wollen zB welche eine Single aus purem Eis schaffen. Andere wiederum rekonstruieren den Edison-Zylinder, also einen Vorläufer der klingenden Scheiben, aus einer Bierflasche.

Und in Kalifornien geht es natürlich nicht unter der größten Vinylschallplatte der Welt. Wenn ihr im Anflug auf Los Angeles seid, könnt ihr sie  möglicherweise sehen.



Via Stereogum.

Dienstag, 28. Januar 2014

Nicht gewinnbar

Nachdem ich in den letzten Tagen die Entwicklungen und Diskussionen rund um den Akademikerball verfolgt und einmal nüchtern durchgerechnet habe, dämmert mir etwas, das mir so noch nicht bewusst war (weil ich noch nicht so weit darüber nach gedacht habe) und das mir Unbehagen bereitet.

Und zwar: Der Konflikt um den so genannten "Akademikerball" in der Hofburg, in der sich die schlagenden Burschenschaften zum Tanzen und Sozialisieren treffen, ist für die Linke auf dem Weg, den sie beschreitet, dem der Großkundgebungen, nicht gewinnbar.

Um das zu verstehen, musste man sich nur die sardonisch blitzenden Augen von Andreas Mölzer im gestrigen ORF-Politiktalk anschauen, wie er die zu unsicheren Phrasen geronnenen Argumente seiner, durch eine Handvoll Vandalenakte begehende Radaubrüder in die Enge getriebenen, Widersacher genüsslich filetierte.

Es ist Geschenk für die FPÖ und es kommt vor den Europawahlen (Spitzenkandidat: Andreas Mölzer) wie gelegen. Die Bilder aus der realen Welt passen ihr besser ins Konzept als Kickl es sich jemals herbeifabulieren könnte:  Da die Burschenschafter, die im Glanz der Hofburg ihrem, oberflächlich betrachtet, ehrenhaften Treiben aus Tanz und Geselligkeit nachgehen. Auf einer angemeldeten, legalen Veranstaltung, wie Mölzer nicht müde wurde zu betonen - und der Polizeipräsident sekundierte.

Auf der anderen Seite die Vermummten, die auf Schaufensterscheiben los gehen und linke DemonstrantInnen, die Plakate hochhalten, auf denen der eigene Hass zelebriert wird, ein harter Kern selbst ernannter "Antifaschisten", die den Eindruck erwecken, als würden sie am liebsten den Ballbesuchern an den Kragen gehen, wenn sie nur wieder nahe genug ran kämen (zufriedenes Grinsen des Polizeipräsidenten - ja, unsere Strategie war richtig..). Sicher, da sind Tausende, die friedlich demonstrieren, aber die Schlagzeilen der Auflage starken Medien dominieren am nächsten Tag jene, die den Durchschnittsleser an griechische Zustände gemahnen .

Man sieht es förmlich vor sich, wie sich in nüchtern kalkulierenden freiheitlichen Parteistrategen innere Burschenschaftstage abspielen, wie die Maßkrüge aneinander krachen und ein ums andre Mal die Burschenherrlichkeit besungen wird, wenn sie sich vorstellen, dass sich die Vorfälle von 2014 womöglich wiederholen könnten. Sie, die Anständigen, dort der linksradikale Mob, der die Stadt in Anarchie stürzen möchte. Und ihre schärfsten und bestinformierten politischen Kritiker, die Grünen, die die Publikationen des DÖW lesen und wissen, was es unter der Oberfläche der schlagenden Verbindungen geschlagen hat? Kompromittiert von der eigenen Verstrickung in DemonstrantInnenzirkel, bloß gestellt von der eigenen, ungestümen Jugend. Ein blau-nationaler Traum.

Und das Dilemma ist: Natürlich ist es richtig, ist es ehrenwert, die Inanspruchnahme der Hofburg durch die Burschenschaften bedenklich zu finden, zumal einige Verbindungen offenkundig immer wieder - vorsichtig ausgedrückt - zu wenig Berührungsängste zum rechten Rand gezeigt haben. Natürlich ist es moralisch lobenswert, wenn Menschen in Österreich gegen rechte Politik friedlich demonstrieren. Vom selbstverständlichen Recht auf friedliches Versammeln gar nicht zu reden.

Nur ist eben auch so, dass weder die Polizei, noch die VeranstalterInnen der Kundgebungen verhindern können, dass Gewalt bereite Fanatiker auftauchen, Straßenzüge in Schutt in Asche legen und die Bilder für die Titelseiten liefern. Jene Bilder, die dann die mächtigste Wirkung auf eben jene österreichische Öffentlichkeit haben, die doch eigentlich über rechte Umtriebe informiert, aufgerüttelt und aufgeklärt werden soll, wie in den Zielsetzungen der Aktionsbündnisse gerne betont wird.

Die Gefahr, dass sich 2014 wiederholt, ist also gegeben und wird in wirtschaftlichen Krisenzeiten, in denen die Zahl jener, die nichts mehr zu verlieren haben, wächst, nicht geringer werden.

Die Auseinandersetzung mit dem Burschenschafterball ist also - rein strategisch betrachtet - so nicht gewinnbar. Die Freiheitlichen werden womöglich eines Tages die Hofburg verlassen (müssen), aber auf eine repräsentative Veranstaltung ihrer akademischen Elite werden sie nicht verzichten. Womöglich wird es dann - wie von Mölzer bereits diesmal angekündigt - weitere Proklamationen geben, in denen sich Freiheitliche und Burschenschafter von Gewaltherrschaft jeglicher Ideologie und von politischer Gewalt von links wie von rechts feierlich distanzieren. Um sich damit erst wieder als die angeblich wahren Moderaten zu inszenieren.

Es stellt sich somit die Frage, ob Großaufmärsche mit kämpferischen Anti-Slogans wirklich der richtige Weg sind, um rechtes Gedankengut zurück zu drängen, das sich in Form einer Tanzveranstaltung äußert. Oder, ob sich eine zeitgemäße Protestbewegung nicht eher auf andere Wege verlegen sollte, um über burschenschafterliche Verstrickungen zu informieren, wachzurütteln und aufzuklären.

Montag, 27. Januar 2014

Rückblog 2013 # 1: Meine Bilder des Jahres, 31-26

Das Jahr 2013 war das Jahr, in dem ich ansatzweise heraus gefunden habe, wie meine Kamera funktioniert. Daher sind in diesem Jahr auch etwas mehr qualitativ ansprechende Bilder entstanden als in den Vorjahren. Das sind zwar keine fotografischen Kunstwerke, aber doch schöne, komische oder interessante Aufnahmen, die ich mit Erinnerungen an das abgelaufene Jahr verbinde. Die Endredaktion haben 31 Bilder überstanden. Warum 31? Einfach so.

Heute starte ich mit den Plätzen 31-26.

31


 
 
Horrorkatze. 2.1.2013, 20:30 Uhr, Linz/Donau
 
 
30
 


 
 
Ein Grund zum Feiern und Tortenessen: 20 Jahre Amnesty-Bücherflohmarkt in Linz. Der nächste findet übrigens am 22. und 23.3.2014 statt. 17.3.2013, 12:59 Uhr, Linz/Donau  
 
 
29





Am Tiefpunkt. 4.5.2013, 11:54 Uhr, irgendwo im Burgenland.


28



Sonnenanbetung. 3.3.2013, 9:22 Uhr, Linz/Donau


27



Fast zuhause. 29.7.2013, 10:42 Uhr, Linz in Sachsen


26



 
Am Wandern. 20.5.2013, 17:53 Uhr, Wien Favoriten
 
 
 
Fortsetzung folgt..
 
 



Samstag, 25. Januar 2014

Metaebene

Seit ich endlich die letzten Hinterlassenschaften meines einstigen Kinderzimmer-Lebens mit nach Wien Linz genommen habe, bin ich am Grübeln. Es ist eines der letzten Fundstücke, das mich beschäftigt.

Eine VHS-Box von Futurama.

Ist das jetzt in irgend einer Weise retro-futuristisch oder irgendwie futuro-retroistisch oder was ist das?
 

Donnerstag, 23. Januar 2014

Musikvideos des Monats Dezember 2013

So. Ab sofort wird das anders gemacht. Gemeint ist dabei nicht, dass ich vorhabe, diese Rubrik pünktlich zum Monatsende rauszubringen. Vorhaben täte ich es freilich schon, aber sehr realistisch ist es leider nicht, weil ich mir ja zuerst immer ganz viele Videos durchschauen muss, bevor ich zu einem Schluss gelangen kann. Und diesbezüglich bin ich derzeit im Verzug.

Gemeint ist: In Folge werden die fünf subjektiv besten Videos des Monats hier alle mit Reihung veröffentlicht. Also kein Randgeschreibsel über "ehrenhafte Erwähnungen" mehr, das wahrscheinlich eh keine(r) liest und wo dann sowieso niemand auf den Link klickt. Alle fünf Musikvideos auf dieser Seite (sofern die Berechtigten Einbettung erlauben). Wir sind Mitte der Zehnerjahre, eure Internetverbindungen und eure Endgeräte können das.

Allerdings nicht in gestürzter Reihenfolge, denn das wäre bei diesem Anlass prätentiös. So.


1



Dir. Iain Forsyth, Jane Pollard

Kommentar: Ich komme mir an dieser Stelle ja oft vor wie ein (retro-)konservativer Nörgler vor, weil ich immer wieder einmal betone, dass mir klar gehaltene, langsam geschnittene, linear strukturierte und mit einem festen Konzept versehene Videos in der Regel mehr zusagen als hektisch geschnittenes, mit offenkundigen Effekten überfrachtetes Material, das allzu oft den Eindruck erweckt, das Fehlen echter Einfälle mit hyperaktivem Experimentalismus und pseudo(?)-künstlerischem Gehabe übertünchen zu wollen. Aber, erstens ist diese Diskussion wahrscheinlich  eh irgendwie von gestern und zweitens ist das vermutlich auch Geschmackssache. Also will ich das nie wieder als Begründung für irgendwas hinschreiben. Aber soviel: Das Video zu "Higgs Boson Blues" zeigt nur Nick Cave und die Bad Seeds, umgegeben von Licht-Schatten-Spiel, wie sie sich neun Minuten lang in diesen Song hinein arbeiten. Edel.


2



Dir. Edouard Salier

Kommentar: Mit Metronomy reisen wir nicht in die Tiefen des Atoms, sondern in die Weiten des Alls. Zu fernen Planeten, auf denen der männliche Raumfahrt-Held haarlose Katzen und machtvolle Gottfrauen antrifft. Das ist auf schöne Weise unheimlich und auf unheimliche Weise schön. Entwarnung: Das Geräusch bei 2.11 ist nicht euer iPhone. Nebenbei: Wie viele Raumfahrtsvideos werden wir 2014 noch zu sehen bekommen?


3



Dir. John Michael Boling

Kommentar: Gewitzter Einfall, perfekt umgesetzt. Ein Elektro-Instrumentaltrack wird zu Emojis, die Emojis werden zu einer Erzählung.


4



Dir. Jacob Perlmutter

Kommentar: Die britischen Indiepoprocker Yuck machen wunderbar verträumte Tracks. Schwarzweißaufnahmen von vorbeiziehenden Flughafenwartehallen sind die richtige Wahl der Bebilderung.


5



Dir. Amber Benson, Angela Bettis


Kommentar: Der Beinahe-Sieger des Vormonats hat es wieder in die Top 5 geschafft. Gutes Video-Departement!

Montag, 20. Januar 2014

GewinnerInnen der Jahresumfrage 2011 - Preisauslosung # 6

Der Sieger kommt zum Schluss. Es musste 2014 werden, dass der Preis des Erstplatzierten im Gewinnspiel zur Jahresumfrage 2011 übergeben wurde.

G.S. mit D.B.-Special Edition
Ab jetzt kommen aber die Gewinnerinnen der Auslosung zur Jahresumfrage 2012 dran. Wer möchte zuerst?

Und, Achtung, die Jahresumfrage 2013 läuft noch bis 31. Jänner.

Samstag, 18. Januar 2014

Wer saget, gewinnet (womöglich)!

Wenn sich der Jänner in seine zweite Hälfte neigt, bedeutet das, dass die Frist zur Teilnahme an meiner Jahresumfrage langsam aber sicher abläuft. Das ist der richtige Zeitpunkt, um etwas unentschlossenen Charakteren noch einen Anreiz zu geben. Die Preise.
 
 
 
I.
 
Pierre-Auguste Renoir - Luncheon of the Boating Party - Google Art Project

Ein Menü - vom Winzer persönlich zubereitet. Ein Preis irgendwo zwischen Wagnis und Genuss.


II. 
 
MANET - Música en las Tullerías (National Gallery, Londres, 1862)
 
Ein Eventbesuch nach Wahl (im Rahmen des Rechtmäßigen sowie der guten Sitten und bis zu einem Wert von € 25) in Begleitung des Winzers, der außerdem zwei Getränke springen lässt.


                                                                             III.

Moritz von Schwind Die Landpartie

Ein Ausflug in Begleitung des Winzers mit unbekanntem Ausgang.


                                                                             IV.

Claude Monet - Springtime - Walters 3711

Ein Büchergutschein im Wert von € 15.


                                                                             V.

Gabriël Metsu 006

Ein individueller Preis. Der Winzer blickt in die Seele und holt ein Geschenk hervor.

                                                                              VI.

Jean-Léon Gérôme - The Carpet Merchant - Google Art Project

Ein Souvenir von einer Reise des Winzers.


 VII.
 
Edouard Manet 061

Etwas Musikalisches aus der Kategorie "Ohren(ge)fälliges"nach Wahl des Winzers unter Berücksichtigung der Vorlieben des Bedachten.

HIER geht es zur Umfrage.



Mittwoch, 15. Januar 2014

Ohren(ge)fälliges: Monatsmeister des Monats Dezember 2013

Man the Machetes - Mageplask

Trondheim, Norwegen
Gewonnene Ränge: + 7

Norwegen hat nur knapp mehr als fünf Millionen Einwohner und doch eine spezielle Stellung in der globalen Musikwelt. Denkt der populärmusikalisch halbwegs gebildete Laie (also ich zB) an Norwegens populäre Musik, so assoziiert er zunächst sinistere Gestalten in dunklen Klüften, die mit sonderbaren Pseudonymen angesprochen werden und über verzerrte und etwas monotone Gitarrenriffs Satan oder heidnische Götter anschreien. Also Black Metal. Spontane Assoziationen führen aber halt doch oft zu Klischees, denn weder wurde diese Spielart in Norwegen erfunden, noch ist die Szene die einzig relevante. Im benachbarten Schweden ist sie etwa ähnlich stark, auch wenn man da wieder eher an blonde Popmusiker mit weichen Melodien und ABBA-Harmonien denkt. Klischees.

Abgesehen von den musikalisch manchmal spannenden, aber weltanschaulich nicht selten problematischen Bands des Black Metal hat Norwegen aber noch etwas zu bieten, das uns ziemlich uneingeschränkt Spaß machen darf: jener Kreis von Acts, die ebenfalls auf einer Metal-Basis agieren, diese aber mit einer ordentlichen Prise Punk und Rock´n´Roll verarbeiten und dadurch ein Gebräu fabrizieren, das einen immer wieder schön vom Podex hebt. Auf eine gute Art.

Bei dieser musikalischen Mixtur liegt es nicht ferne, das das Resultat etwas Lebensbejahenderes, etwas Vergnügteres aufweist und auch das Spiel mit Klischees und Ironie vorhanden ist. Alles Dinge, die man vom Black Metal eher nicht behaupten kann. Turbonegro, die erste Band aus besagter Strömung, die mir einfällt und grundsätzlich auch der wilden Provokation nicht abhold (das eine Parallele zum Black Metal), haben zB schon mal die Kostümierung von nicht-heterosexuellen Menschen angenommen und damit die männlich-chauvinistische Neigung des Metal auf die Schippe genommen (das ginge im Black Metal gar nicht). Etwa in dem wirklich großartigen Album "Apocalypse Dudes", das ich dank dieser Textverfassung wieder entdeckt habe.

Während aber Turbonegro im Hard Rock/Hair Rock/Früh-Metal-Universum der 70er und 80er wurzeln, greift die neue Generation auf zeitgenössischere Formen der Metalmusik zurück, um sie frech mit Punk ´n´ Roll aufzumischen. Kvelertak habe ich hier schon erwähnt und werde das sicherlich noch öfter tun, weil sie ziemlich toll sind. Und ihre Labelkollegen (Indie Recordings) Man The Machetes hauen uns mit dem Hardcore-lastigen "Mageplask" auch eine recht angenehmen Brocken dieses enthemmten norwegischen Metal um die Ohren.

Nur warum sie am Ende immer unbedingt die Morgenpost holen wollen, verstehe ich nicht.

Das Video beginnt ein bisschen blutig, ist aber sonst ganz harmlos..

Samstag, 11. Januar 2014

Im Kino # 25: Ethan und Joel Coen - Inside Llewyn Davis

USA 2013
   
Nimm eine kanonische Figur, die vielen als heilig gilt und mache ein Biopic. Aber nicht über diese Gestalt selbst, sondern über einen unglückseligen Nebenläufer, der ziemlich genau zur selben Zeit am selben Ort ist und ähnliche Dinge tut - dabei jedoch auf tragikomische Weise scheitert. Benutze dieses Schicksal dazu, um das soziale, das historische Umfeld auf satirische Weise zu durchleuchten. Das ist "Life of Brian", richtig? Das ist auch in gewissem Sinne "Inside Llewyn Davis", der aktuelle Streifen der Coen-Brüder. Die kanonische Gestalt ist Bob Dylan, der Nebenläufer aber heißt Llewyn Davis.

Llewyn Davis, gespielt von Oscar Isaac, ist Folksänger und wir schreiben das Jahr 1961. Er war Teil eines relativ erfolgreichen Folkduos, das auf tragische Art zerfallen ist und versucht sich jetzt als Solokünstler. Eben hat er "Inside Llewyn Davis" herausgebracht, seine erste Solo-LP. Leider will sie sich aber so gar nicht verkaufen und deshalb schnorrt er sich jetzt ohne festes Einkommen und feste Bleibe durch das Greenwich Village. Im Film, der den Namen der LP dieses fiktiven Künstlers trägt, begleiten wir Llewyn Davis ein Stück seines recht unglückseligen Weges. Denn das Problem ist: Llewyn Davis ist ein in Selbstmitleid badender, selbst gefälliger Misanthrop, der es immer wieder schafft, aus falschen Stolz und sturem Gehabe heraus, einerseits seine Mitmenschen zu verletzten, andererseits sämtliche Gelegenheiten für eine günstige Wendung zunichte zu machen. Dabei verfügt er eigentlich über die intellektuellen Kapazitäten, klar zu sehen und erwirbt sich so ein ums andere Mal auch noch das schlechte Gewissen als Reisegepäck dazu, das ihn immer mehr in die Knie gehen lässt.

Es wären nicht die Coen-Brüder, wenn sie ihrem Protagonisten nicht auf sardonische, grausame Weise immer wieder mit seinen eigenen Fehlern konfrontieren, ihm aber auch andere Möglichkeiten, wie es auch sein könnte, vor Augen halten würden. Der Protagonist dient ihnen wieder einmal als Objekt der Folter, als Versuchstier, das sich ohne echte Hoffnung durch den Irrgarten des Lebens und der Gefühle herumjagen lässt. Freilich schaffen sie es dabei auch noch, unsere Sympathien für diesen Llewyn Davis, die anfangs noch zugelassen werden, anhand ihrer genauen wie grimmigen Charakterzeichnung  - sowie eines dramaturgischen Kniffs - auszutreiben.

Wieder einmal sind es die Charaktere, die diesen Coen-Film am ehesten nachdrücklich machen. Da haben wie den Folkbarden von der traurigen Gestalt. Aber wir haben zB auch John Goodman als drogenkranken Alt-Jazzer, seinen Assistenten, einen von Gareth Hedlund gespielten, finsteren Beatpoeten oder die für den Fortgang der Geschichte nicht ganz unwichtigen Garfeins, ein liberales, intellektuelles jüdisches Bürgerpaar, das sich gerne als Mäzene junger Künstler und somit auch des, naturgemäß nicht sonderlich dankenden, Llewyn Davis sehen möchte. Die Gestalten changieren dabei zwischen einem ernsten Realismus, satirischen und klar parodistischen Elementen.

Und das Umfeld, die Schilderung des Milieus? Die Regisseure wollen sicherlich auch eine Studie der Greenwich-Village-Szene der frühen Sechziger abliefern. Sie sind Connaisseure historischer Musiken, was wir spätestens seit dem exzellenten Soundtrack von "O Brother, Where Are Thou" wissen. Zweifellos passen die geschichtlichen Details, stimmt womöglich auch der Slang (bei dem wieder einmal viel geflucht wird), aber bekommen wir wirklich eine Gefühl von der Atmosphäre dieser speziellen Szene? Entgegen dem, was viele Kritiken behaupten, glaube ich das nicht. Dazu haben wir es hier wieder einmal viel zu sehr mit der üblichen Menschenhölle der Coens zu tun, dazu fokussiert "Inside Llewyn Davis" zu sehr auf die inneren Teufelskreise seines Anti-Helden. Die besondere Aufbruchsstimmung, die auch revolutionäre Gesinnung, die die Szene auch gehabt hat, findet nicht statt. Die Musik wiederum wird vom Hauptdarsteller (und einigen sehr musikalischen NebenakteurInnen, darunter auch ein gewisser Justin Timerblake) recht tadellos vorgebracht. Sie bildet aber in seinem Falle eher die wenigen Ruhepunkte ab, in denen der von ihm gespielte Charakter einmal ganz bei sich ist. Nichts, was zwingend darüber hinaus weist.

"Inside Llewyn Davis" ist freilich angefüllt mit Anspielungen und Querverweisen auf jene Ära, jenes Milieu. Bilder von Llewyn Davis im Schnee erinnern an ein ikonisches Dylan-Cover. Die Figur selbst weist einige biographische Gemeinsamkeiten mit dem einflussreichen, aber kommerziell nicht allzu erfolgreichen Greenwich-Folker Dave Van Ronk auf. Trotzdem: Eher ein Film für alle, denen es wichtiger ist, wieder einmal im Coen Village anzukommen als einmal im Greenwich Village.

Meine Wertung: 3 aus 5 Sternen.

Donnerstag, 9. Januar 2014

Das Winzer-Experiment # 11: Pálffy-Knödel

Es gibt tatsächlich Dinge, die weiß sogar das Internet (und damit auch die NSA) nicht. Das ist ja irgendwie tröstlich. Etwa, warum der Pálffy-Knödel eigentlich Pálffy-Knödel heißt. Dieses Nicht-Wissen hat möglicherweise damit zu tun, dass es sich bei diesem Knödel um so ein Alt-Wiener Ding handelt, das nur wenige Leute noch zubereiten. Leute zum Bespiel, die ein traditionelles österreichisches Kochbuch ihr eigen nennen und dann per Zufallswahl auf dieses Gericht verfallen.

Allerdings liegt eine Mutmaßung zum Namensursprung nahe. Schließlich bestimmte das Adelsgeschlecht derer von Pálffy die Geschicke Mittel- und Osteuropas über Jahrhunderte mit, weswegen wir auch zum Beispiel in verschiedenen Metropolen noch sehr repräsentative Palais herum stehen haben, die dieser Name schmückt. Während aber im Falle von Gebäuden klar sein dürfte, dass sie so heißen, weil ein Fürst Pálffy den Bau in Auftrag gegeben oder zumindest das Bauwerk in Besitz genommen hat, so ist eher nicht davon auszugehen, dass der Pálffy-Knödel genau so in Auftrag gegeben wurde. Wir tippen eher auf einen im Dienste der Pálffys stehenden oder diesen zumindest wohl gesonnenen, einfallsreichen Küchenmeister.

Was den Knödel selbst anlangt, so weiß immerhin ein Wolfram Siebeck zu berichten, dass es sich um eine "Wiener Spezialität" handle, die "selten gelingt". Nun denn. "Wiener Spezialität" ist aus dem Munde Siebecks ein Vertrauensvorschuss in diese Speise (Siebeck hat ja auch einmal sinngemäß verkündet, dass man in Wien in fast jedem Ecklokal besser isst, als anderswo in einer ganzen Stadt - und er hat recht). Der zweite Teil der Aussage macht aber nachdenklich. Ist der Pálffy-Knödel wirklich so tückisch?

Das Rezept wirkt aber harmlos. Im Grunde genommen ist der Pálffy-Knödel ein Serviettenknödel, der auch Speck enthält. Ein Serviettenknödel wiederum ist ein Knödel, bei dem verhältnismäßig wenig Mehl eingesetzt und die gewünschte Konsistenz stattdessen durch ein Mehr an Eiern sowie Milch bewerkstelligt wird. Was, wie mir meine Hausphysikerin erklärt hat, dazu führt, dass die Knödelmasse vor dem Kochen zusammen gebunden wird, damit sie nicht auseinander fällt. Das hat man früher mit Servietten gemacht. In Zeiten moderner Materialien kann man aber auch Alufolie nehmen, wie wir gleich sehen werden.

Zuerst aber..



..mischen wir Semmelknödel mit etwas Mehl, zerlassener Butter und Speck, dann




..gießen wir eine Mixtur aus nicht weniger als drei ganzen Eiern und Milch darüber und formen daraus einen schönen Knödel.




 
Nachdem es in eine Alu-Rüstung gesteckt und fünfzig Minuten gekocht worden ist, erblicken wir den fertigen Pállfy-Knödel.




"Wie eine Melone" (Kochbuch) aufschneiden, vielleicht noch eine Beilage dazu und dann essen.


Nächstes Winzer-Experiment: Seefisch mit Speck (schon wieder Speck!)

Dienstag, 7. Januar 2014

Österramsch

Wer mich kennt, weiß, dass man mich schwerlich als Hurrapatrioten bezeichnen kann. Auch die Ehrfurcht vor nationalen Symbolen hält sich bei mir gefühlsmäßig prinzipiell eher in Grenzen. Damit ich hier jetzt nicht falsch verstanden werde: Ich bin schon ganz gerne Österreicher (alles andere wäre meines Erachtens vermessen), aber mit rot-weiß-roten Fahnen, Hymne und Bundesadler habe ich es normalerweise nicht so.

Umso erstaunlicher ist es, dass mich in letzter Zeit ausgerechnet beim Genuss von Sportveranstaltungen mit österreichischer Beteiligung immer häufiger regelrechte Gefühlswallungen patriotischer Art erfassen.

Das hat aber kaum etwas mit einem Haken von Alaba oder einem Telemark von Diethart zu tun. Eher damit, dass ich feststellen muss, dass es offenbar irgend jemandem gelungen ist, zehntausenden österreichischen Sportfans Flaggen in die Hand zu drücken, die unserer Nationalflagge täuschend ähnlich sehen. Nur, dass da zwischen den roten Balken kein Bundesadler seine Schwingen ausbreitet, sondern das Logo eines großen Bierherstellers prangt. Es handelt sich mithin nicht um österreichische Symbolik, sondern vielmehr um Werbeflächen, die sich des österreichischen Nationalgefühls bedienen, um den Absatz anzutreiben. Was sie uns damit sonst noch sagen wollen? Vielleicht, dass Österreich ein Land der Kampftrinker ist?

Nun ist es ja so, dass die Herabwürdigung nationaler Symbole eigentlich streng verboten ist (vgl. das Strafgesetzbuch). Allerdings ist der einschlägigen Tatbestand nicht weit genug gefasst, dass er den beschriebenen Marketingfeldzug strafbar machen und ihm damit einen Riegel vorschieben könnte. Hinzu kommt, dass die Landsleute sich offensichtlich selbst nicht mehr ganz so sicher sind, ob das Zeichen der Republik jetzt ein Adler mit gesprengten Ketten oder nicht doch eher ein Bierfass ist - so eifrig, wie die ausgegebenen Fahnen geschwungen werden. Und lustiger noch: auch der Trainer der österreichischen Skispringer wachelt schon mal mit der Werbeflagge für den Bierbrauer in rot-weiß-roter Optik.

Brauchen wir das? Ich meine, wir als Gemeinschaft ganz sicher nicht. Die Sportverbände und
-veranstalter andererseits werden vermutlich ihren Nutzen aus der Sache ziehen. Nur, wenn wir schon den Sportverbänden mit Steuergeldern unter die Arme greifen, können wir dann nicht auch erwarten, dass sie und die mit ihnen verbandelten Sponsoren unsere nationalen Symbole in Ruhe lassen?

Vielleicht bin ich auch nur zu naiv, um zu verstehen, dass man heutzutage einfach alles vermarkten und verscherbeln muss. Schließlich ließe sich das Konzept ja wunderbar erweitern. Warum nicht statt unserer musikalisch ohnehin nicht wahnsinnig packenden Bundeshymne bei Sportveranstaltungen den Werbejingle eines großen Waschpulverherstellers spielen? Oder: warum nicht zukünftige österreichische BundespräsidentInnen bei der Neujahrsansprache in das Clownskostüm eines weltweiten Burgerbraters packen?  Unendliche Möglichkeiten.

Sonntag, 5. Januar 2014

Im Kino # 24: Jim Jarmusch - Only Lovers Left Alive

D/UK/F/CYP 2013

Ein Film von Jim Jarmusch. Ein Genrestück noch dazu. Mit Tilda Swinton, Tom Hiddleston, Mia Wasikowska und John Hurt. An faszinierenden Schauplätzen wie Detroit und Tanger spielend. Was kann da schief gehen?

Aber fassen wir zunächst ganz nüchtern zusammen: das Genre, das sich Jim Jarmusch hier vorgenommen hat, ist der Vampirfilm. Die vornehmen Blutsauger werden von genannter Riege hervorragender Darsteller verkörpert. Seit Jahrhunderten wandeln sie unter den "Zombies", wie sie die Menschen nennen, aber ihre Lebensweise hat sich verändert. Den roten Lebenssaft impulsiv vom Nacken des Opfers zu schlürfen, kommt für verantwortungsvolle Vampire nicht mehr in Frage. Der Tropfen wird vorzugsweise keimfrei in medizinischen Einrichtungen geordert.

Das Trinken von Blut ist freilich ohnehin eher notwendige Bedürfnisbefriedung, die wahre Erfüllung finden Jarmuschs Vampire woanders. Sie sind eine transnationale, transtemporale, individualistisch über die Probleme und Bedürfnisse des gemeinen Menschheit erhobene Bohème, die  in der geistigen Welt der Literatur, der Musik (der klassischen wie der populären) und der Wissenschaft zuhause ist. Diese haben sie auch maßgeblich beeinflusst. Der eine hat das berühmte "Adagio" von Schubert geschrieben, der andere den "Hamlet". Adam, ein von Tom Hiddleston gespielter Melancholiker, war mit Lord Byron und den Shelleys befreundet, ein Verweis auf den historischen Ursprung der modernen Vampirerzählung im Jahr 1815 und in der Villa Diodori am Genfer See.

"Only Lovers Left Alive" vermag es durchaus, diese merkwürdigen Charaktere auf interessante Weise zu zeichnen. Ihre Gesten, ihre Sprache, ihr Gehabe, ihre Kleidung verrät die Jahrhunderte, durch die sie gegangen sind, bildet das Amalgam einer Subkultur von Wesen, die viel erlebt haben, an denen viele Moden vorüber gezogen sind und die Elemente aus Jahrhunderten in ihre Persönlichkeiten integriert haben.

Darstellerisch ragt eine gleichermaßen enigmatische wie leidenschaftliche Tilda Swinton hervor, bei der von ihr porträtierten Figur Eve, der Partnerin von Adam, man nicht weiß, ob sie hundert oder achtzehn Jahre alt ist. Zugegeben, dafür muss Tilda Swinton nicht unbedingt eine Vampirin spielen, auch wenn sie hier natürlich eine Idealbesetzung ist. Ihre Mit-Vampire bleiben daneben vergleichsweise blass, allen voran Tom Hiddleston, aber auch Mia Wasikowska, die sich als Eves problematische Schwester Ava sichtlich ins Zeug legt, die aber auch schon beeindruckendere Rollen hatte.

Ihre Bedeutung ist vor allem eine dramaturgische. Anders als bei anderen Jarmusch-Filmen ist man bei "Lovers Left Alive" weniger darüber verwundert, warum scheinbar so wenig geschieht, sondern eher darob, warum dann doch etwas passieren muss..Ava ist es, die den Wendepunkt der Erzählung auslöst und das geht dann doch nachgerade überstürzt vonstatten. Jarmuschs Vampirdrama weist mithin nicht jenes auf wunderliche Weise bannende, erzählerische Kontinuum auf, das seinen Werken sonst so oft innewohnt. Es wirkt dadurch vergleichsweise montiert, konstruiert.

Freilich: Jarmusch umgibt sich und seine Untoten mit schönen intellektuellen Dingen und mit Verweisen und Erinnerungen auf bzw. an solche Dinge. Die Auswahl der Themen und Motive, die erwähnt oder auf die Bezug genommen wird und der Umgang mit ihnen bleibt dabei aber eher oberflächlich. Vampire, Nerdtum, Musik, Nikola Tesla. Dazu ein wenig Klage über den Zustand der Menschenwelt. Alles sehr hip, sehr zeitigeistig. Die Substanz entzieht sich mir eher.

Nichtsdestotrotz wird all das sehenswert in Szene gesetzt. Die Wahl der Schauplätze ist treffend. Detroit und Tanger versinnbildlichen auf romantische Weise alten Glanz wie unklare Zukunft. Die Komposition der einzelnen Bilder, die Einstellungen sind jene große Kunst, die wir vom Meister gewöhnt sind. "Only Lovers Left Alive" ist somit immer noch ein sehenswerter Jarmusch-Film. Wenn auch keines seiner besten Werke.

Meine Bewertung: 3.5 aus 5 Punkten.

Freitag, 3. Januar 2014

Katzenfoto des Monats Dezember 2013

Wir sind komisch. Als wir von dem Weihnachtswunsch Katzenkalender gehört haben, hätten wir in einen beliebigen Laden gehen können, in dem solche Produkte der Druckindustrie tonnenweise in den Regalen hängen. Die Transaktion wäre in wenigen Minuten abgeschlossen gewesen.

Stattdessen haben wir Fotos von unseren Katzen genommen, die Katzen in berühmten Kunstwerken ähnlich sehen und sie dann hinein montiert.

Das ist das Jännerbild.


Mittwoch, 1. Januar 2014

Zur schönen Aussicht

Der Jahreswechsel ist mir eigentlich recht gleichgültig (darüber habe ich schon vor langer Zeit geschrieben). Ich sehe das Jahr vor allem als ein sehr praktisches Ordnungsprinzip. Man kann dadurch Ereignisse in einem recht übersichtlichen System zeitlich verorten (zB für einen Jahresrückblick, das mache ich bekanntlich auch ganz gerne). Aber damit hat es sich auch schon wieder. Mit Glück, Unglück, Voodoo oder sonstwas hat das gar nichts zu tun.

Trotzdem schadet es nichts, wenn ich allen einen schönen Ausblick wünsche.



 
 
 
Mehr Bilder von einem frühlingshaften nachweihnachtlichen Ausflug im Salzkammergut.