Freitag, 6. Februar 2015

Ohren(ge)fälliges: Monatsmeister des Monats Jänner 2015

Viet Cong - Static Wall
Calgary, Alberta
Gewonnene Ränge: +6

Bandnamen. Sie können klangvoll sein oder abartig. Komisch oder todernst. Verkopft oder Verspasst. Sie können albern sein ("The Beatles" zB) oder genial (mein momentaner persönlicher Favorit heißt "Lenin/McCarthy"). Ein wirklicher guter Bandname in einem ästhetischen Sinne ist mutmaßlich der, der eine Beziehung herstellt zwischen dem Image, der Atmosphäre, die er vermittelt und der Band, der Musik, die er benennt.

Sich als Künstler-Alias den Namen einer bewaffneten Gruppe zu wählen, die einen blutigen Konflikt gefochten und dabei abertausende Menschen umgebracht bzw. misshandelt hat, ist eine sehr kontroversielle Wahl. Das fällt eher in die Kategorie todernst und tendenziell abartig. Kunst aber, die soll natürlich die Freiheit haben, provokativ und absonderlich zu sein. Sie darf, wenn auch nicht alle, so doch gewisse Grenzen überschreiten.

Also, schlucken wir den sonderbaren Beigeschmack einmal hinunter und wenden uns der Musik zu.
Und, da tun wir wohl daran.

"Static Wall" kommt uns zuallererst etwas schemenhaft entgegen, löst unklare Gefühle aus. Wir können die Stimme des Sängers kaum verstehen, sie ist von einer dichten Schicht von Tönen, Hall schimmernden Synths und Rauschen überzogen. Zwischendurch klaren die Klangwolken etwas auf, die Worte werden verständlicher, aber nicht weniger berückend: "Say Goodbye before you die, ´cause there´s nothing on the other side."

Aber schon von den ersten Klängen an, diesen twangend-greinenden Gitarren, die da so stolpernd wie unaufhaltsam in den Sound-Dschungel hinein drängen, zieht "Static Wall" auch in den Bann, saugt einen an, nimmt einen mit. Wir treiben dahin, auf einem dunklen Fluss durch ein Dickicht von Schall, das uns links wie rechts um die Ohren streift, das manchmal weich ist, dann wieder kratzt. Laut ist es hier und gespenstisch leise zugleich. Nicht nur unsere physische Präsenz ist umfangen, auch unser Geist verliert sich in Abschweifungen, im Delirieren. Das hier ist zeitlose, cineastische Qualität mit Retro-Anmutung. "Apocalypse Now" im Jahr 2015.

Und da wären wir wieder beim ästhetischen Kriterium, beim Bezug des Bandnamens zu deren Sound.



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