Dienstag, 26. Mai 2015

In der Hipsterfalle

Jahrelang war ich zu faul, um irgendwie hip zu sein. Da musste man sich informieren, in schicke Kleidung investieren und sich auch rasieren. Und dieses Faulsein traf sich gut, denn Faulheit und Nicht-Modisch-Sein war für mich eine akzeptable Kombination.

Und jetzt das. Zuerst war da diese Normcore-Bewegung, wo Leute intentional Kleidung angezogen haben, die ich schon seit Jahren trage. Weil ich sie ja erst wechsle, wenn sie mir buchstäblich am Körper zerfällt.

Und jetzt sind da überall die Barthipster. Vollbärte, klar, die waren ja schon länger in sehr auf Distinktion getrimmten (jau!) Kreisen en vogue. Nun aber sind anscheinend auch Dreitagebärte und diverse Zwischenstufen erlaubt.

Und ich muss wohl oder übel anfangen, mich öfter zu rasieren. Sonst werde ich noch - zumindest aus der Ferne - für einen von denen gehalten. Mist.

Samstag, 23. Mai 2015

Mittwoch, 20. Mai 2015

Amnesty informiert: Amnesty Österreich - wie wir funktionieren

Amnesty Österreich ist eine Sektion von Amnesty International, soweit, so klar. Aber wie sind wir aufgebaut, wer gehört dazu, was machen wir? Wieviele Leute arbeiten ehrenamtlich, wieviele professionell? Ein Blick nach innen. Anlässlich der MV im April zeigen wir, wie AI Österreich aufgebaut ist. Gruppen, Mitglieder, Netzwerke, Präsidium, Geschäftsführer, Generalsekretär... alle kommen zu Wort und erzählen, was sie machen. Zum Schluß der Sendung wie immer ein Block über aktuelle Geschehnisse weltweit zum Thema Menschenrechte.

Gestaltung und Moderation: Sarah Berger

Samstag, 16. Mai 2015

Ohren(ge)fälliges: Monatsmeister des Monats April 2015

Spencer Burton - Blackbird´s Song
Toronto, Ontario
Gewonnene Ränge: +4

Ein Faktum habe ich bei meiner Scott Matthew-Konzertrezension unterschlagen: der Musiker hat in seiner Jugend in der australischen Provinz Queensland in Punk-Bands gespielt. Übrig geblieben ist davon nur eine Coverversion von "Anarchy In The U.K.", die er auch in Linz zum Besten gegeben hat.

Es ist eine Entwicklung, die nicht wenige Punk-Musiker ereilt. Fast schon ein Klischee. Wenn die Wut nachlässt und die Lebensumstände gesetzter werden, wächst manchen ein langer Bart und der Kleidungsstil wandelt sich von keiner Zukunft zu einer Vergangenheit. Sie greifen dann zur akustischen Gitarre und spielen nachdenkliche Lieder zu Jahrhunderte alten Harmonien. Sicher, nicht wenige bleiben auch im Zwischenstadium des Folkpunk stecken (was gut ist, denn Folkpunk muss und soll es geben), aber manche machen gar erst Halt, wenn sie die pastoral-poppigen Gefilde eines John Denver oder James Taylor erreicht haben.

Spencer Burton spielte einst in einer Band namens Attack in Black, die sich anfangs noch einem aggressiven Post-Hardcore verschrieben hatte, sich dann aber via Rock und Folkrock/Folkpunk immer mehr in Richtung Folk bewegte.

Nun der scheinbar logische Endpunkt dieser Entwicklung: der vormalige Attack in Black-Gitarrist auf dem CD-Cover seines ersten Solo-Albums "Don´t Let the World See Your Love" in Westernstiefeln, kariertem Hemd, zotteligem Bart, mit melancholischem Gesichtsausdruck und Gitarre in Händen an eine Wand gelehnt. Und auf seiner Homepage in ruraler Idylle mit Kind, Hühnern und Pflanzen.

Im Album selbst dann dazu passend sehr ruhige, sanfte und sehr weiche Folkmusik. Wobei der Faktor Bremse und der Faktor Schmelz hier schon sehr ausgeprägt sind, ohne dass die Mischung aber immer aufgeht. Und so wünscht man sich dann insgeheim doch die melodiöse Konsequenz eines James Taylor oder zumindest etwas Punk-Pep herbei.

Aber, mit dem sehr traditionell anmutenden Blackbird´s Song ist doch ein kleines, feines Stück dabei, das es mir angetan hat. Auch, weil es vor einigen Monaten, als ich angefangen habe, es zu hören, wohl gerade die richtige Saite angeschlagen hat. Geht es hier doch in schönen akustischen Klängen unter anderem um das Ende eines langen Jahres, eine irgendwie verzauberte Winterszeit und darum, in den Gesang der Natur mit einzustimmen. Eine unaufdringliche, aber auf eigenartige Weise ans Herz gehende und Frieden evozierende Nummer, die man auch in einer längeren Schleife immer wieder hören kann, um einen Tag ausklingen zu lassen.


Spencer Burton - Blackbird´s Song (freier Download auf der Webseite des Künstlers, gemeinsam mit einer Version von "Silent Night")

Donnerstag, 14. Mai 2015

Dienstag, 12. Mai 2015

In Concert # 51: Scott Matthew, 30.4.2015, Posthof, Linz

Manchen Musikern eilt dieser Ruf voraus, wonach man sie nicht (nur) nach ihren Platten beurteilen möge, sondern insbesondere nach ihren Liveauftritten. Scott Matthew gehört dazu. Menschen, die ich nicht als große Musikenthusiasten bezeichnen würde, haben mir, nachdem sie ihn höchstpersönlich erlebt haben, davon vorgeschwärmt. Das macht neugierig.

Am 30. April war Scott Matthew im Posthof, zwei Tage bevor er auch das Donaufestival beehrte. Ein erstes Indiz für seine erstaunliche Breitenwirksamkeit. Ein zweites Indiz: ein sehr voller Großer Saal des Posthof (bestuhlt) und ein altersmäßiger quer geschichtetes Publikum. Scott Matthew ist ob dieses Zuspruchs positiv überrascht, wie er feststellt, und fühlt sich hier wohl.

Schon erhebt der mit hippem 19. Jahrhundert-Waldbewohner-Vollbart versehene Australier seine Stimme, dieses durchdringende Organ, begleitet von seiner Westerngitarre (dann auch: Ukulele) und seiner Band (Gitarre, Piano, Cello). Ich erschaudere ein wenig, aber wohlig. Obgleich sich Scott Matthew noch ein wenig justieren muss. Ein Schluck Wasser da, daneben wird eine Rotweinflasche geöffnet. Sie wird uns und den Künstler den ganzen Abend begleiten.

Eigenes Songmaterial des Scott Matthew, vorwiegend der ersten Alben, steht am Anfang des Programmes. Nachdenklich, introspektiv und in Moll sind seine Kompositionen gehalten. Aber, wer angesichts des schwermütigen Pathos seiner Stücke einen beständig traurig vor sich hin schmachtenden Leidensmann erwartet hat, wird überrascht. Matthew ist ein gut gelaunter Unterhalter, der zufrieden am Rotweinglas nippt, Anekdoten aus seinem Leben erzählt und das Publikum mit witzigen Bonmots bei Laune hält. Dieser Mann ist der Traum jeder Dinnerparty. Welch ein Kontrast zu den üblichen Indie-Gitarren-Acts, wenn sie cool ihre Instrumente schwenken, ab und zu gnädig einen Brocken ans Publikum werfen und alles in allem ein Feeling vermitteln, als wären sie ihr eigener Plattenspieler!

Aber Matthew hat auch musikalisch einiges drauf. Sein ausdrucksstarker, zuweilen erschütternder Bariton ist zu verschiedensten Varianten und Regungen fähig. Dunklen Perlen unterschiedlicher Größe und Textur gleich fluten seine Lieder durch den Saal.

Das Publikum versetzt diese raffinierte Mischung aus tragischer Herzausschüttung und freundlichem Gerede in zunehmende Entzückung. Es ist in seinem Bann gefangen, möchte ihn trösten, ihn umarmen. So ein netter Mensch und so ein schweres Herz! Scott Matthew weiß, jetzt ist der Weg zum Triumph nicht mehr weit. Er muss noch sein Trumpf-As hinaus hauen.

Zu diesem Zweck hat er sich ein beachtliches Repertoire an Coverversionen großer Songs geschaffen und 2013 mit "Unlearned" auch ein sehr erfolgreiches Album mit solchen vorgelegt. Weil Scott Matthew ein fast unanständig geschmackvoller Mann ist, sind das überwiegend großartige Songs wie "Darklands" von The Jesus And Mary Chain, "Annie´s Song" von John Denver (zu dessen Ehrenrettung er stilsicher antritt) oder "Into My Arms" vom Landsmann Nick Cave. Und starke Cover sind es auch.

Mit ihnen kriegt er sie alle: Die Musik-Nerds, die coolen Hipster, die Nostalgiker, sogar die Freunde von Popsongs, die in der Jugend mitgejohlt wurden ("I Wanna Dance With Somebody"). Mit seinen großartigen Interpretationen von "Annie´s Song" und "Into My Arms" kriegt er am Ende auch mich. Und auch die eigenen Werke bestehen großteils, wobei die doch verhältnismäßig ins poppige gewendeten Songs von aktuellen Longplayer "This Here Defeat" (eine schwere persönliche Niederlage, der arme Mensch!) sich erstaunlich firm ins Programm des Perfektionisten (deswegen auch eher keine Songwünsche) einfügen.

Am Schluss Standing Ovations und feuchte Augen. "Das ist alles, was ich heute in mir habe", sagt er dann, geradezu entschuldigend-flehentlich.

So sehr die Alben von Scott Matthew die Geschmäcker spalten mögen, so Welt umarmend und kompromissbereit agiert er on stage. Natürlich ist das auch eine perfekte Inszenierung, eine ausgeklügelte Balance. Aber letztlich wahrhaft perfektes Bühnenhandwerk, dass man einmal erlebt haben sollte.

Sonntag, 10. Mai 2015

Rundumadum, im dritten Jahr

"Das Beste zum Schluss", haben wir uns gesagt und uns die Westseite des Rundumadum vom Kahlenberg nach Hütteldorf für das Ende unserer Wien-Umrundung aufgehoben.

Wir gehen allerdings wegen des Traglings nur mehr scheibchenweise. Daher war nach dem Bisamberg nun einmal die gerade einmal 8 Kilometer messende Strecke zwischen Strebersdorf und Nussdorf an der Reihe.

Eine schöne Einstimmung für die folgenden Etappen: Von Strebersdorf weg rücken uns immer wieder die Wiener "Berge" am anderen Donauufer ins Blickfeld. Vom Rand des friedlich in der Morgensonne liegenden Marchfeldkanals geht es hinunter zur Donau und auf die Donauinsel, von dieser über den Steg zum Handelskai und entlang des Donaukanals vorbei an der Nussdorfer Wehr und Schleuse zum freundlichen Tagesziel Nussdorf.

Ein abwechslungsreicher und gar nicht beschwerlicher, ausgedehnter Spaziergang mit schönen Ausblicken auf den Wiener Norden. Und der Tragling hat es auch schlafend mitgemacht. Das macht Lust auf mehr.

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Bilder von allen Etappen.

Montag, 4. Mai 2015

Admira-Fans

Irgendwann muss man anfangen, seinem Kind die Welt zu erklären. Warum regnet es? Warum gibt es Kriege? Warum den Kapitalismus? Und wie ist das eigentlich mit der Allgemeinen Relativitätstheorie?

Darauf muss man sich vorbereiten und es ist ratsam, früh zu üben.

Heute habe ich mir mit ihr die Bundesliga-Zusammenfassung angeschaut und da tauchte wieder unverhofft eine Frage auf, die den oben genannten an Komplexität, Tiefgründigkeit und Rätselhaftigkeit ähnlich scheint: Warum gibt es Admira Wacker-Fans?

Zum Glück gaben sie  die Antwort gleich selbst. In dem Beitrag ging es nämlich darum, dass die Bundesliga der Admira wieder einmal die Lizenz in erster Instanz nicht geben will. Weil die keinen lizenzierten Trainer hat. Arg, dass man fürs Fußballspiel einen Trainer braucht! Für die Admira-Fans jedenfalls ein Anlass, Österreich zu erklären, dass das nur das bestätigt, was sie schon lange wissen: die Bundesliga ist gegen sie, will sie eigentlich nicht haben. Immer wieder, jedes Jahr aufs Neue nicht.

Da wurde mir mit einem Mal klar, warum es beim Admira-Fansein wirklich geht. Und, dass die Bundesliga keinen größeren Fehler machen könnte, als der Südstadt-Truppe die Lizenz in erster Instanz zu erteilen (in zweiter bekommen sie sie dann meistens ohnehin).

Dann nämlich würden die AdmiranerInnen ihres Kristallisationskerns beraubt: des Gefühls nämlich, das ungeliebte Kind, der Außenseiter zu sein, den niemand will und der dennoch den Mächtigen trotzt. Wenn sie sie da haben wollen würden, würden sie nicht hingehen.

Da macht es auch nichts, dass man vielleicht belächelt und demonstrativ bemitleidet wird, wie jener Admira-Anhänger, der in meinem alten Wohnbezirk im Westen von Wien lebte (während der einzige bekannte Austrianer in handgreifliche Auseinandersetzungen verwickelt wurde). Er nahm es mit einem melancholisch-süffisanten Lächeln.



Freitag, 1. Mai 2015