Samstag, 16. Mai 2015

Ohren(ge)fälliges: Monatsmeister des Monats April 2015

Spencer Burton - Blackbird´s Song
Toronto, Ontario
Gewonnene Ränge: +4

Ein Faktum habe ich bei meiner Scott Matthew-Konzertrezension unterschlagen: der Musiker hat in seiner Jugend in der australischen Provinz Queensland in Punk-Bands gespielt. Übrig geblieben ist davon nur eine Coverversion von "Anarchy In The U.K.", die er auch in Linz zum Besten gegeben hat.

Es ist eine Entwicklung, die nicht wenige Punk-Musiker ereilt. Fast schon ein Klischee. Wenn die Wut nachlässt und die Lebensumstände gesetzter werden, wächst manchen ein langer Bart und der Kleidungsstil wandelt sich von keiner Zukunft zu einer Vergangenheit. Sie greifen dann zur akustischen Gitarre und spielen nachdenkliche Lieder zu Jahrhunderte alten Harmonien. Sicher, nicht wenige bleiben auch im Zwischenstadium des Folkpunk stecken (was gut ist, denn Folkpunk muss und soll es geben), aber manche machen gar erst Halt, wenn sie die pastoral-poppigen Gefilde eines John Denver oder James Taylor erreicht haben.

Spencer Burton spielte einst in einer Band namens Attack in Black, die sich anfangs noch einem aggressiven Post-Hardcore verschrieben hatte, sich dann aber via Rock und Folkrock/Folkpunk immer mehr in Richtung Folk bewegte.

Nun der scheinbar logische Endpunkt dieser Entwicklung: der vormalige Attack in Black-Gitarrist auf dem CD-Cover seines ersten Solo-Albums "Don´t Let the World See Your Love" in Westernstiefeln, kariertem Hemd, zotteligem Bart, mit melancholischem Gesichtsausdruck und Gitarre in Händen an eine Wand gelehnt. Und auf seiner Homepage in ruraler Idylle mit Kind, Hühnern und Pflanzen.

Im Album selbst dann dazu passend sehr ruhige, sanfte und sehr weiche Folkmusik. Wobei der Faktor Bremse und der Faktor Schmelz hier schon sehr ausgeprägt sind, ohne dass die Mischung aber immer aufgeht. Und so wünscht man sich dann insgeheim doch die melodiöse Konsequenz eines James Taylor oder zumindest etwas Punk-Pep herbei.

Aber, mit dem sehr traditionell anmutenden Blackbird´s Song ist doch ein kleines, feines Stück dabei, das es mir angetan hat. Auch, weil es vor einigen Monaten, als ich angefangen habe, es zu hören, wohl gerade die richtige Saite angeschlagen hat. Geht es hier doch in schönen akustischen Klängen unter anderem um das Ende eines langen Jahres, eine irgendwie verzauberte Winterszeit und darum, in den Gesang der Natur mit einzustimmen. Eine unaufdringliche, aber auf eigenartige Weise ans Herz gehende und Frieden evozierende Nummer, die man auch in einer längeren Schleife immer wieder hören kann, um einen Tag ausklingen zu lassen.


Spencer Burton - Blackbird´s Song (freier Download auf der Webseite des Künstlers, gemeinsam mit einer Version von "Silent Night")

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