Montag, 8. Februar 2016

Ohren(ge)fälliges: Monatsmeister des Monats Dezember 2015

Yachten - Berg
Hamburg, Deutschland
Gewonnene Ränge: +3

Die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Musikvorlieben und bestimmten Jahreszeiten ist ein Ausschnitt aus dem großen Fragenkomplex, wie sich die äußeren Bedingungen auf den Musikgenuss auswirken.

In den vergangenen Jahren war bei meiner Monatsmeister-Kür im Dezember fast immer eine deutschsprachige Nummer vorn.

Der Anteil deutschsprachiger Stücke an sämtlichen Monatsmeistern seit der Einführung dieser Kategorie im Jahr 2009 beträgt hingegen lediglich 6,06%. Bei den sechs Dezember-Champions, die es seitdem gegeben hat, macht er aber 50% aus. Oder, anders gewendet, 75% aller deutschsprachigen Nummern, die es zum Monatsmeister gebracht haben, haben dies im Dezember getan! Warum ist das so?

Sicher, die Muttersprache ist ein vertrautes Zeichen der eigenen Umgebung wie der eigenen Identität. Und der Dezember, die vorweihnachtliche Zeit, ist ein Umfeld, in dem Gefühle der Heimatlichkeit und des Nachhausekommens stark bemüht werden.

Ich glaube, der Hauptfaktor sind vielleicht die Weihnachtslieder. Mit den Stimmungen, Erscheinungen, Gerüchen des Dezember verbinde ich von klein an in musikalischer Hinsicht eben die zur Jahreszeit gehörigen Volkslieder in der eigenen Sprache. Weniger wegen der viel diskutierten Konsumentenberieselung, die einem jegliche positive Assoziation eher auszutreiben geeignet wäre. Vielmehr, weil eben die Weihnachtszeit in der so prägende Phase der Kindheit immer auch in dem Singen von Weihnachtsliedern - oder dem Versuch, das zu tun - unterm Weihnachtsbaum kulminiert hat.

Und so tief geht das offenbar, dass es auch gar nichts ausmacht, dass die Monatsmeister in dieser Kategorie mit dem Stil des weihnachtlichen Traditionssongs wie mit weihnachtlichem Gedankengut nicht allzuviel auf der Zipfelmütze haben. Ein düster-dystopischer ostdeutscher Straßenrap etwa im Jahr 2012, eine grüblerisch-(ver)zweifelnder Post-Punk aus dem nordwestlichen Westfalen dann 2014. Und jetzt, 2015, tief und pathosvoll im Gefühlsleben schürfender und mächtige Metaphern werfender norddeutscher Emo-Punkrock. Hier, freilich, tauchen dann auch "Gefühle, wie am zweiten Weihnachtsmorgen" auf. Immerhin.

Yachten haben übrigens nur kurz existiert, sich mittlerweile schon wieder aufgelöst. So wie sich mein Wunsch, den Song zu hören, vermutlich bald wieder auflösen wird. Manches passt eben genau in seine Zeit und muss dann wieder vergehen.


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