Mittwoch, 25. Juni 2014

In Concert # 45: Richard Wagner - "Die Walküre", 14.6.2014, Musiktheater Linz

Immer nur Fußball, das ist auch nichts. Zwar zieht es mich dieser Tage des Abends regelmäßig zum TV, da sorgt schon die Neugierde dafür. Aber eine wahrhaft erfüllte Woche ist für mich nur dann verwirklichbar, wenn sich in ihr verschiedene Eindrücke abwechseln. Nicht immer nur dasselbe. Variatio delectat, ein versuchtes Lebensmotto, dass ich der eigenen Trägheit entgegen halte.

Da kommt etwas, dass einen aus dem Immergleichen so richtig herausreißt, gerade recht. Eine Fünf-Stunden-Wagner-Oper zum Beispiel. Ein Test, dem sich jeder Musikfreund einmal unterzogen haben sollte.
Hab ich eh schon einmal gemacht, aber vor dem Fernseher. Da kann man dann nebenbei, respektive zwischendurch, die Zeitung lesen, die Fingernägel schneiden oder auch kurz weg schlafen. Im Linzer Musiktheater kommt das eher nicht so gut an. Da zählt es also dann wirklich.

Den "Vorabend" des Ring haben wir ja schon hinter uns, aber der dauerte nur schlappe zweieinhalb Stunden. Jetzt also die "Walküre" in all ihrer Macht. Mit zwei Pausen.

Dass einem das nicht zu lang wird, dafür sorgt Richard Wagner. Wenn man ihn lässt. Sicher, man kann sich ihm verschließen, kann sich weigern, da mitzugehen. Kann sich über den Pathos oder die nationalromantische Lyrik mokieren, über die Stabreime und befremdliche Wortwahl. Ich kann es ja irgendwie auch verstehen.

Aber dann ist da eben auch die Musik, die doch alles aufbietet, was Musik so aufbieten kann. Das Intime und das Expressive, das Gefühl und das Drama. Besonders aber dieser markante, unverwechselbare Orchesterklang, der mächtig wogt und doch zartweich glänzt, ein Feuerwerk der Harmonien, dieser klassische Höhepunkt von etwas, das man in kulturell veränderten Zeiten sound nennen wird.

Und dann wäre da noch Wagners unbedingter Wille, ein mythisches Drama zu erzählen, die Handlung nicht nur zum lästigen Beiwerk der Musik degradiert zu wissen, sondern ihr eine zentrale Rolle zuzuweisen. Mit Charakteren, die nicht allzu flach erscheinen, sondern in ihren Kämpfen und Widersprüchen zum Mitleiden animieren können. Keine Selbstverständlichkeit in der Geschichte der Oper. Ein Gesamtkunstwerk eben.

Da stört es dann auch nicht allzu sehr, dass die Inszenierung dieser konkreten  "Walküre" dem wenig bis gar nichts hinzuzufügen vermag. Ein paar eher unspektakuläre Bühnenräume, Menschen in Armeejacken und etwas halbherzige Anspielungen auf den historischen Bezug dieses zweiten "Ring"-Teiles - die Ära des europäische Militarismus in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. "Trist" wäre hier das falsche Wort, aber "interessant" würde es auch nicht treffen. Ein paar Akzente mehr hätten schon sein dürfen.

Musikalisch war es auf dem schon gewohnten, guten Niveau. Obgleich mich Michael Bedjaj als Siegmund weniger beeindrucken konnte denn als Loge im "Rheingold". Besonders gut: Gerd Grochowski als Wotan, vor allem aber Sonja Gornik als Sieglinde. Etwas störend: das Linzer Publikum zu Beginn des dritten Aufzuges - der Walkürenritt (mit echtem Pferd) wurde zur unkonzentrierten Plauderstunde.

Und die WM? In den Pausen wurde auf einer Leinwand Kolumbien-Griechenland gezeigt. Aber: es muss nicht immer Fußball sein.






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