Montag, 4. Mai 2015

Admira-Fans

Irgendwann muss man anfangen, seinem Kind die Welt zu erklären. Warum regnet es? Warum gibt es Kriege? Warum den Kapitalismus? Und wie ist das eigentlich mit der Allgemeinen Relativitätstheorie?

Darauf muss man sich vorbereiten und es ist ratsam, früh zu üben.

Heute habe ich mir mit ihr die Bundesliga-Zusammenfassung angeschaut und da tauchte wieder unverhofft eine Frage auf, die den oben genannten an Komplexität, Tiefgründigkeit und Rätselhaftigkeit ähnlich scheint: Warum gibt es Admira Wacker-Fans?

Zum Glück gaben sie  die Antwort gleich selbst. In dem Beitrag ging es nämlich darum, dass die Bundesliga der Admira wieder einmal die Lizenz in erster Instanz nicht geben will. Weil die keinen lizenzierten Trainer hat. Arg, dass man fürs Fußballspiel einen Trainer braucht! Für die Admira-Fans jedenfalls ein Anlass, Österreich zu erklären, dass das nur das bestätigt, was sie schon lange wissen: die Bundesliga ist gegen sie, will sie eigentlich nicht haben. Immer wieder, jedes Jahr aufs Neue nicht.

Da wurde mir mit einem Mal klar, warum es beim Admira-Fansein wirklich geht. Und, dass die Bundesliga keinen größeren Fehler machen könnte, als der Südstadt-Truppe die Lizenz in erster Instanz zu erteilen (in zweiter bekommen sie sie dann meistens ohnehin).

Dann nämlich würden die AdmiranerInnen ihres Kristallisationskerns beraubt: des Gefühls nämlich, das ungeliebte Kind, der Außenseiter zu sein, den niemand will und der dennoch den Mächtigen trotzt. Wenn sie sie da haben wollen würden, würden sie nicht hingehen.

Da macht es auch nichts, dass man vielleicht belächelt und demonstrativ bemitleidet wird, wie jener Admira-Anhänger, der in meinem alten Wohnbezirk im Westen von Wien lebte (während der einzige bekannte Austrianer in handgreifliche Auseinandersetzungen verwickelt wurde). Er nahm es mit einem melancholisch-süffisanten Lächeln.



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