Montag, 17. November 2014

Ohren(ge)fälliges: Monatsmeister des Monats Oktober 2014

John Fullbright - Jericho

Bearden, Oklahoma
Gewonnene Ränge: +8

Oklahoma, das ist ländliches Amerika, wie es im Buche steht. Schon bei der Nennung des Staatsnamens tauchen vor dem inneren Auge Planwagen auf, sowie Menschen in Latzhosen, eine Heugabel in der einen und eine Bibel in der anderen Hand.

Das sind natürlich Western-Klischees, aber ein Rest Wahrheit verbirgt sich schon noch dahinter. Glaubt man nämlich Wikipedia, dann ist die Landwirtschaft - neben der Gewinnung von Erdöl und -gas - auch heute ein wichtiger Wirtschaftszweig des US-Bundesstaates. Oklahoma ist der fünft größte Produzent von Rindfleisch und von Weizen in den Vereinigten Staaten. Und, passend zu dieser traditionellen Prägung ist Oklahoma auch einer der konservativsten Bundesstaaten und Bestandteil des so genannten "Bible Belt". Mehr als die Hälfte der Bevölkerung gehört evangelikalen Kirchen an, sämtliche nach Washington entsandte Abgeordnete sind Republikaner.

Es nimmt daher nicht unbedingt Wunder, dass eine der bekanntesten popmusikalischen Hymnen auf das reaktionäre Amerika einem "Okie aus Muskogee" (Muskogee ist eine Kleinstadt im östlichen Oklahoma) gewidmet ist.

Irgendwo mitten in diesem Staat liegt der kleine Ort Okemah, der vor allem deshalb bedeutend ist, weil hier am 14.7.1912 ein gewisser Woody Guthrie das Licht der Welt erblickt hat. Unweit von Okemeh, in dem 140-Seelen-Nest Bearden befindet sich die kleine Farm der Fullbright-Familie. John Fullbright hat hier seine Kindheit verbracht und, wie er der amerikanischer Songwriter-Vereinigung in einem Interview berichtet hat, mithilfe eines Klaviers seine "eigene Sprache" gesucht. Und gefunden.

Fullbrights Musik fußt musikalisch auf Country, Folk und Blues. Geradlinige, klare Songs, mithilfe von Gitarre, Klavier, Mundharmonika gezimmert. Aber Fullbright, der im April 26 Jahre alt geworden ist, ist auch ein nachdenklicher Songwriter, seine Texte besitzen Hintergründigkeit und zuweilen einen trockenen Witz. Auch aus dem religiösen Repertoire seiner Herkunft schöpft er und dreht es doch, etwa in "Gawd Above", wenn er Gott sehr mitleidslos, geradezu spöttisch, über seine Schöpfung sprechen lässt. Oder in "Jericho", wo die Mauern der alttestamentarischen Stadt als kraftvolles Bild Verwendung finden in einem scheinbar schlichten und doch ungemein starken und ergreifenden Country-Song. Mehr als nur ein Talent, fürwahr.

John Fullbright - Jericho (freier Download)



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