Bei meiner Budapest-Reise habe ich mit meiner Kamera nicht nur Mitreisenden nachgestellt und mit ihnen eine frühere Reise nachgestellt.
Es sind auch wieder ganz "normale" Bilder entstanden.
Sonntag, 6. Dezember 2015
Samstag, 5. Dezember 2015
Budapest in Bildnachstellungen, Teil 2
Fortsetzung von hier.
Den Ort haben wir nicht mehr gefunden. Und der Regen wollte auch nicht kommen. Tut leid.
2005 noch nicht im Bild: die Chinesen.
Unverändert: Der Wutbürger.
Postkarten am Burgberg.
Die Spaßkanone.
Skandal am Jókai Ter: Die Hundebox ist weg.
Den Ort haben wir nicht mehr gefunden. Und der Regen wollte auch nicht kommen. Tut leid.
2005 noch nicht im Bild: die Chinesen.
Postkarten am Burgberg.
Gleichgeblieben: Freude zu zweit.
Die Spaßkanone.
Skandal am Jókai Ter: Die Hundebox ist weg.
Mittwoch, 2. Dezember 2015
Budapest in Bildnachstellungen, Teil 1
Vor 10 Jahren waren wir in Budapest. Das hat eine Tradition gemeinsamer Städtereisen begründet. Wir waren in Hamburg, Stockholm, Madrid, Kopenhagen, Athen, Mailand, Amsterdam und Warschau. Zum runden Jubiläum ward die ungarische Hauptstadt wieder angesteuert.
Und, siehe da, hat sich (fast) nichts geändert..
Naja, RailJet statt EuroCity.
Das 2015er-Appartement wäre für unsere heutigen Bedürfnisse zu klein. Aber das Haus schaute ganz ähnlich aus.
Im Café Gerbeaud. Anderer Platz, selbe Haltung.
Dito.
Naja, RailJet statt EuroCity.
Das 2015er-Appartement wäre für unsere heutigen Bedürfnisse zu klein. Aber das Haus schaute ganz ähnlich aus.
Im Café Gerbeaud. Anderer Platz, selbe Haltung.
Dito.
Mittwoch, 25. November 2015
Im Kino # 32: Nikolaus Leytner - Der Tote am Teich
A 2015
Vor mehr als einem Monat war ich zu Gast bei einem sehr sympathischen Regionalmedium im Mühlviertel (nachher sind dann diese Bilder entstanden). Dort war es wirklich sehr nett. Die kleine Stadt, der Bauernmarkt, unaufgeregt freundliche Leute.
Nur einmal war da ein komischer Moment. Ich habe angedeutet gehabt, dass die Ortschaft Ottensheim an der Donau irgendetwas mit dem Mühlviertel zu tun haben könnte. Jetzt liegt Ottensheim ja geographisch gesehen auch tatsächlich in diesem nördlichsten Viertel von Oberösterreich, aber das ist nur Bücherwissen und zielt irgendwie am sozialen Gefühlszustand vorbei.
Die Begebenheit weckte die Erinnerung an einen Film, den ich kurz zuvor im Linzer City-Kino gesehen hatte: "Der Tote am Teich" von Nikolaus Leytner. Auch da kommt diese Ottensheim-Mühlviertel-Verwirrung vor. Die Kommissarin aus Linz (Maria Hofstätter), die im winterlich-abgeschiedenen Windhaag bei Freistadt einen Mord aufzuklären hat, kommt ursprünglich aus Ottensheim. Bei ihren Ermittlungen stößt sie aber auf eine gewisse Resistenz und stellt zwischendurch trocken fest, dass sie genauso gut wie aus Ottensheim auch aus Dschibuti kommen könnte, das würde hier keinen Unterschied machen.
Mit der Authentizität und mit dem Lokalkolorit ist es ja ein knifflige Sache. Es kommt auf kleinste Kleinigkeiten an. Für Außenstehende, ja selbst für Leute, die sich Insider nennen würden, ist es schwierig, diese Phänomene genau zu erspüren und noch schwieriger, sie wahrhaft treffend abzubilden.
Im österreichischen Film, vor allem aber im Fernsehfilm (zu dieser Gattung gehört "Der Tote am Teich") und der -serie krankte es in der Vergangenheit allzu oft daran, dass man sich irgendwie gar keine rechte Mühe gab, ein echtes Gefühl von Echtheit aufkommen zu lassen. Dazu trug nicht zuletzt eine manchmal geradezu babylonische Sprachverwirrung bei. In österreichischen Orten wurde da zwischen Burgtheaterdeutsch, Wienerisch und norddeutschem Idiom so ziemlich alles bunt durcheinander gequatscht, was es im deutschen Sprach(dis-)kontinuum zu finden gibt. Das Authentische wurde dem schauspielerisch Verpflichtbaren unter geordnet.
Auch der nicht so seltene Hang des populäreren österreichischen Filmes, gerne ein wenig ins Groteske, Verzerrende zu tauchen, hilft nicht so beim Realitätscheck.
Natürlich darf man da nicht generalisieren und die Ausnahmen sind natürlich Legion. Aber es gab und gibt eben auch derart krasse Aussetzer, dass dann der "Der Tote im Teich" wieder besonders positiv auffällt.
Bei "Der Tote am Teich" stimmt das Authentizitätsgefühl nämlich. Sicherlich, Einheimische werden Fehler finden, das ist unvermeidlich. Eine Dame hinter uns im Kino beschwerte sich darüber, dass der Name der im Mittelpunkt des Filmes stehenden Familie kein wahrhaft einheimischer sei. Nur, das hat nachvollziehbare Gründe, denn man will ja keine real existierende Menschen in einen fiktiven Mordfall verwickeln.
Dem nähert sich die Kommissarin gemeinsam mit einer jungen Kollegin (Miriam Fussenegger) und einem wegen Burn-Out pensionierten und ins heimische Mühlviertel zurück gekehrten Ex-Polizisten (Josef Hader). Letzterer teilt das Schicksal von zirka jedem serien-amerikanischem Fernsehermittler - er hat eine unaufgeklärte Straftat im emotionalen Gepäck, die seinen ganz persönlichen Lebensbereich betrifft.
"Der Tote am Teich" bedient sich also an schon sehr bekannten Krimi-Sujets und ist auch sonst vor übertriebenen Wendungen oder unvorhergesehenen Verläufen ziemlich gefeit. Das macht aber nichts, denn der Film ist schön gefilmt, pflegt ein angenehmes Tempo und schafft es, einen auf recht intensive Weise in die kleine Welt des Mühlviertler Dorfes hineinziehen. Es hilft dabei natürlich sehr, dass die Hauptdarsteller ihre Wurzeln in dieser Gegend haben.
Der Film istdemnächst am 3.12. um 20.15 auch in der Reihe "Landkrimis" im Öffentlich-Rechtlichen (ORF1) zu sehen.
Meine Bewertung: 3 aus 5 Sternen
Vor mehr als einem Monat war ich zu Gast bei einem sehr sympathischen Regionalmedium im Mühlviertel (nachher sind dann diese Bilder entstanden). Dort war es wirklich sehr nett. Die kleine Stadt, der Bauernmarkt, unaufgeregt freundliche Leute.
Nur einmal war da ein komischer Moment. Ich habe angedeutet gehabt, dass die Ortschaft Ottensheim an der Donau irgendetwas mit dem Mühlviertel zu tun haben könnte. Jetzt liegt Ottensheim ja geographisch gesehen auch tatsächlich in diesem nördlichsten Viertel von Oberösterreich, aber das ist nur Bücherwissen und zielt irgendwie am sozialen Gefühlszustand vorbei.
Die Begebenheit weckte die Erinnerung an einen Film, den ich kurz zuvor im Linzer City-Kino gesehen hatte: "Der Tote am Teich" von Nikolaus Leytner. Auch da kommt diese Ottensheim-Mühlviertel-Verwirrung vor. Die Kommissarin aus Linz (Maria Hofstätter), die im winterlich-abgeschiedenen Windhaag bei Freistadt einen Mord aufzuklären hat, kommt ursprünglich aus Ottensheim. Bei ihren Ermittlungen stößt sie aber auf eine gewisse Resistenz und stellt zwischendurch trocken fest, dass sie genauso gut wie aus Ottensheim auch aus Dschibuti kommen könnte, das würde hier keinen Unterschied machen.
Mit der Authentizität und mit dem Lokalkolorit ist es ja ein knifflige Sache. Es kommt auf kleinste Kleinigkeiten an. Für Außenstehende, ja selbst für Leute, die sich Insider nennen würden, ist es schwierig, diese Phänomene genau zu erspüren und noch schwieriger, sie wahrhaft treffend abzubilden.
Im österreichischen Film, vor allem aber im Fernsehfilm (zu dieser Gattung gehört "Der Tote am Teich") und der -serie krankte es in der Vergangenheit allzu oft daran, dass man sich irgendwie gar keine rechte Mühe gab, ein echtes Gefühl von Echtheit aufkommen zu lassen. Dazu trug nicht zuletzt eine manchmal geradezu babylonische Sprachverwirrung bei. In österreichischen Orten wurde da zwischen Burgtheaterdeutsch, Wienerisch und norddeutschem Idiom so ziemlich alles bunt durcheinander gequatscht, was es im deutschen Sprach(dis-)kontinuum zu finden gibt. Das Authentische wurde dem schauspielerisch Verpflichtbaren unter geordnet.
Auch der nicht so seltene Hang des populäreren österreichischen Filmes, gerne ein wenig ins Groteske, Verzerrende zu tauchen, hilft nicht so beim Realitätscheck.
Natürlich darf man da nicht generalisieren und die Ausnahmen sind natürlich Legion. Aber es gab und gibt eben auch derart krasse Aussetzer, dass dann der "Der Tote im Teich" wieder besonders positiv auffällt.
Bei "Der Tote am Teich" stimmt das Authentizitätsgefühl nämlich. Sicherlich, Einheimische werden Fehler finden, das ist unvermeidlich. Eine Dame hinter uns im Kino beschwerte sich darüber, dass der Name der im Mittelpunkt des Filmes stehenden Familie kein wahrhaft einheimischer sei. Nur, das hat nachvollziehbare Gründe, denn man will ja keine real existierende Menschen in einen fiktiven Mordfall verwickeln.
Dem nähert sich die Kommissarin gemeinsam mit einer jungen Kollegin (Miriam Fussenegger) und einem wegen Burn-Out pensionierten und ins heimische Mühlviertel zurück gekehrten Ex-Polizisten (Josef Hader). Letzterer teilt das Schicksal von zirka jedem serien-amerikanischem Fernsehermittler - er hat eine unaufgeklärte Straftat im emotionalen Gepäck, die seinen ganz persönlichen Lebensbereich betrifft.
"Der Tote am Teich" bedient sich also an schon sehr bekannten Krimi-Sujets und ist auch sonst vor übertriebenen Wendungen oder unvorhergesehenen Verläufen ziemlich gefeit. Das macht aber nichts, denn der Film ist schön gefilmt, pflegt ein angenehmes Tempo und schafft es, einen auf recht intensive Weise in die kleine Welt des Mühlviertler Dorfes hineinziehen. Es hilft dabei natürlich sehr, dass die Hauptdarsteller ihre Wurzeln in dieser Gegend haben.
Der Film ist
Meine Bewertung: 3 aus 5 Sternen
Montag, 23. November 2015
Amnesty informiert: Ketten des Unrechts - der globale Diamantenhandel am Beispiel der Zentralafrikanischen Republik
Welche Menschenrechtsprobleme werden durch den internationalen Diamantenhandel ausgelöst? Und was müsste dagegen getan werden?
Diamanten. Kaum ein Gut steht mehr für den menschlichen Wohlstand, für Reichtum und Luxus. Und doch stehen an der Wurzel des internationalen Diamantenhandels einige der ärmsten Regionen und Länder der Welt. Gegenden mit massiven Menschenrechtsproblemen, wie etwa einer unsicheren Sicherheitslage wegen der Aktivitäten bewaffneter Gruppen.
Seit 2000 gibt es den "Kimberley-Process", dem 82 Staaten angehören. Dessen Ziel ist es, zumindest einmal den internationalen Handel mit "conflict diamonds", bei uns auch "Blutdiamanten" genannt, zu unterbinden. Es geht also um jene Diamanten, deren Handel dazu beiträgt, bewaffnete Rebellengruppen zu finanzieren.
Funktioniert dieses System aber wirklich? Und ist sein Anwendungsbereich weit genug, um Menschenrechte zu schützen? Wie bewährt es sich eigentlich anhand eines konkreten Anlasses, wie ihn der kriegerische Konflikt in der Zentralafrikanischen Republik darstellt?
Diesen und anderen Fragen des internationalen Diamantenhandels geht einer aktueller Amnesty-Bericht nach. Wir stellen ihn in unserer Sendung vor. Wie immer bringen wir auch aktuelle Meldungen und Ankündigungen.
Gestaltung: Martin Walther, Moderation und Musikauswahl: Sarah Walther
Diamanten. Kaum ein Gut steht mehr für den menschlichen Wohlstand, für Reichtum und Luxus. Und doch stehen an der Wurzel des internationalen Diamantenhandels einige der ärmsten Regionen und Länder der Welt. Gegenden mit massiven Menschenrechtsproblemen, wie etwa einer unsicheren Sicherheitslage wegen der Aktivitäten bewaffneter Gruppen.
Seit 2000 gibt es den "Kimberley-Process", dem 82 Staaten angehören. Dessen Ziel ist es, zumindest einmal den internationalen Handel mit "conflict diamonds", bei uns auch "Blutdiamanten" genannt, zu unterbinden. Es geht also um jene Diamanten, deren Handel dazu beiträgt, bewaffnete Rebellengruppen zu finanzieren.
Funktioniert dieses System aber wirklich? Und ist sein Anwendungsbereich weit genug, um Menschenrechte zu schützen? Wie bewährt es sich eigentlich anhand eines konkreten Anlasses, wie ihn der kriegerische Konflikt in der Zentralafrikanischen Republik darstellt?
Diesen und anderen Fragen des internationalen Diamantenhandels geht einer aktueller Amnesty-Bericht nach. Wir stellen ihn in unserer Sendung vor. Wie immer bringen wir auch aktuelle Meldungen und Ankündigungen.
Gestaltung: Martin Walther, Moderation und Musikauswahl: Sarah Walther
Samstag, 21. November 2015
Aktuelle Kamera # 28
Der Herbstfrühling ist vorbei. Klimawandelassoziationen einmal beiseite - ich mochte den Herbstfrühling. Nicht zuletzt, weil ich ja fast den ganzen Sommer eingesperrt war.
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Samstag, 31. Oktober 2015
Das Halloween-Musikvideo-Special 2015
Auch dieses Jahr spielt Alex für uns den DJ des Schaurigen und schickt ein Video zu Halloween.
Mittwoch, 28. Oktober 2015
In Concert # 53: Cat Power, 24.10.2015, Arena, Wien
Chan Marshall hat es auch in der Arena nicht so leicht. Immer wieder geht der Finger nach oben, wird der Soundtechnik Änderungsbedarf signalisiert.
Zwischendurch spricht sie mit uns: Es ist nicht einfach, es läuft nicht wie geprobt. Die Worte, die sie singen will, verwandeln sich in ihrem Mund in Kaugummi. Aber sie ist hier, um ihre Pflicht zu erfüllen. Schließlich und endlich ist es die Anerkennung der Menschen, die sie am Leben erhält.
Flehentlich fast klingt das, was sie uns da mitteilt. Wenn man es versteht, denn sie murmelt teilweise ein wenig in ihr Mikro hinein und verliert sich bei ihren Ausführungen immer wieder in leichten Abschweifungen.
Mehrmals unterbricht sie ihre musikalische Darbietung, um sich ihrer Gedanken zu entledigen. Sie erzählt von Begegnungen mit Jarvis Cocker und Noel Gallagher. Sie spricht darüber, dass sie jetzt ein Kind hat und sich paradoxerweise dadurch sicherer fühlt, obwohl sie doch für die Sicherheit ihre Kindes sorgen muss. Dass sie jetzt am Land lebt. Sie möchte wissen, wer im Publikum Kinder hat. Und wer am Land lebt. "Graz" ruft ein Scherzbold, alle lachen und Cat Power versteht, dass es sich dabei um einen Vorort von Wien handeln muss.
Manchmal kippt der Vortrag etwas ins Unheimliche, etwa wenn sie von ihren Alptraum-haften Begegnungen mit Außerirdischen in der Kindheit berichtet oder über die Bedeutung der Obelisken nachgrübelt. Aber ihre Wortmeldungen helfen, ebenso wie eine auf der Bühne abgehaltene Zigarettenpause, eine Bindung zum Publikum herzustellen.
Das braucht es auch, denn die Musik ist anfangs nicht dazu angetan, das Publikum wirklich in Wallung zu bringen. Cat Power solo, das ist zunächst eine einzelne Gitarre, dann ein einzelnes Piano dann wieder die Gitarre. Alles also ganz spartanisch instrumentiert, ein paar Akkorde bewegen sich hin und her, darüber schwebt die Stimme, die nachdenkliche Inhalte verbreitet.
Die Songs kommen auf ihrem spärlichen Blues- oder Folkgerüst sehr ähnlich daher, die Veränderungen sind mit der Lupe zu suchen. Um die Nummern wirklich auseinander zu halten, hätte ich mich vorbereiten müssen (was ich diesmal nicht getan habe). Cat Power bringt auch einige Cover zur Darbietung (zB "Hit the Road, Jack" oder "Just Like Heaven"), aber irgendwie klingt alles nach einer Variation desselben Stückes. Erst gegen Ende kommt etwas Farbe hinein, einmal ein psychedelischer Spin, dann etwa dunkler Rock.
Aber siehe da, durch die irgendwie beunruhigenden, irgendwie aber auch sympathischen Intermezzi der Wortmeldungen wärmt das Publikum auf und scheint von einer etwas unschlüssig-andächtigen in eine wahrhaft andächtige Stimmung zu wandern.
Mir tun die Beine weh, weil ich wie festgepflockt dastehe und lausche. Also sind da Schmerzen und es ist da auch immer wieder die Frage, ob das jetzt nicht gar monoton, ob das jetzt nicht langweilig wäre. Aber zugleich ist da die Stimme, die fasziniert und die diffizile Strukturiertheit, die durch die Unterschiedslosigkeit dringt. Und der Sound, der womöglich Cat Power fehlerhaft dünkt, aber mir bei weitem nicht.
Mir scheint diese Musik wie die Entsprechung zum Kaugummi, den die Künstlerin selbst im Mund wälzt - es schmeckt etwas komisch, der Vorgang ist etwas monoton, es gehört Arbeit dazu, das zu bearbeiten und es wird auch nicht runter gehen wie Öl. Aber der Vorgang berührt und fasziniert. Jetzt wieder einmal die Platten hören.
Zwischendurch spricht sie mit uns: Es ist nicht einfach, es läuft nicht wie geprobt. Die Worte, die sie singen will, verwandeln sich in ihrem Mund in Kaugummi. Aber sie ist hier, um ihre Pflicht zu erfüllen. Schließlich und endlich ist es die Anerkennung der Menschen, die sie am Leben erhält.
Flehentlich fast klingt das, was sie uns da mitteilt. Wenn man es versteht, denn sie murmelt teilweise ein wenig in ihr Mikro hinein und verliert sich bei ihren Ausführungen immer wieder in leichten Abschweifungen.
Mehrmals unterbricht sie ihre musikalische Darbietung, um sich ihrer Gedanken zu entledigen. Sie erzählt von Begegnungen mit Jarvis Cocker und Noel Gallagher. Sie spricht darüber, dass sie jetzt ein Kind hat und sich paradoxerweise dadurch sicherer fühlt, obwohl sie doch für die Sicherheit ihre Kindes sorgen muss. Dass sie jetzt am Land lebt. Sie möchte wissen, wer im Publikum Kinder hat. Und wer am Land lebt. "Graz" ruft ein Scherzbold, alle lachen und Cat Power versteht, dass es sich dabei um einen Vorort von Wien handeln muss.
Manchmal kippt der Vortrag etwas ins Unheimliche, etwa wenn sie von ihren Alptraum-haften Begegnungen mit Außerirdischen in der Kindheit berichtet oder über die Bedeutung der Obelisken nachgrübelt. Aber ihre Wortmeldungen helfen, ebenso wie eine auf der Bühne abgehaltene Zigarettenpause, eine Bindung zum Publikum herzustellen.
Das braucht es auch, denn die Musik ist anfangs nicht dazu angetan, das Publikum wirklich in Wallung zu bringen. Cat Power solo, das ist zunächst eine einzelne Gitarre, dann ein einzelnes Piano dann wieder die Gitarre. Alles also ganz spartanisch instrumentiert, ein paar Akkorde bewegen sich hin und her, darüber schwebt die Stimme, die nachdenkliche Inhalte verbreitet.
Die Songs kommen auf ihrem spärlichen Blues- oder Folkgerüst sehr ähnlich daher, die Veränderungen sind mit der Lupe zu suchen. Um die Nummern wirklich auseinander zu halten, hätte ich mich vorbereiten müssen (was ich diesmal nicht getan habe). Cat Power bringt auch einige Cover zur Darbietung (zB "Hit the Road, Jack" oder "Just Like Heaven"), aber irgendwie klingt alles nach einer Variation desselben Stückes. Erst gegen Ende kommt etwas Farbe hinein, einmal ein psychedelischer Spin, dann etwa dunkler Rock.
Aber siehe da, durch die irgendwie beunruhigenden, irgendwie aber auch sympathischen Intermezzi der Wortmeldungen wärmt das Publikum auf und scheint von einer etwas unschlüssig-andächtigen in eine wahrhaft andächtige Stimmung zu wandern.
Mir tun die Beine weh, weil ich wie festgepflockt dastehe und lausche. Also sind da Schmerzen und es ist da auch immer wieder die Frage, ob das jetzt nicht gar monoton, ob das jetzt nicht langweilig wäre. Aber zugleich ist da die Stimme, die fasziniert und die diffizile Strukturiertheit, die durch die Unterschiedslosigkeit dringt. Und der Sound, der womöglich Cat Power fehlerhaft dünkt, aber mir bei weitem nicht.
Mir scheint diese Musik wie die Entsprechung zum Kaugummi, den die Künstlerin selbst im Mund wälzt - es schmeckt etwas komisch, der Vorgang ist etwas monoton, es gehört Arbeit dazu, das zu bearbeiten und es wird auch nicht runter gehen wie Öl. Aber der Vorgang berührt und fasziniert. Jetzt wieder einmal die Platten hören.
Montag, 12. Oktober 2015
Montag, 5. Oktober 2015
Aktuelle Kamera # 26
Samstag, 3. Oktober 2015
Ohren(ge)fälliges: Monatsmeister des Monats Juni 2015
Will Varley - King For A King
London, England
Gewonnene Ränge: +8
Ja, der Juni ist lange vorbei. Aber weil sich auf diesem Blog zuletzt nicht mehr viel getan hat, sind auch die Monatsmeister in Stocken geraten.
Es war eine Zeit, die den Blick auf andere Aufgaben gerichtet hat als jene, für eine wohl mittlerweile sehr überschaubare Gruppe von Menschen ein paar Zeilen in ein Weblog zu hauen.
Dabei rede ich gar nicht von Aufgaben im Rahmen großer gesellschaftlicher Zusammenhänge, ich rede von ganz privaten Herausforderungen. Eine zähe Viruserkrankung musste viele Wochen ausgestanden werden. Eine Hochzeit durfte unmittelbar darauf gefeiert werden. Mein Kind ist acht Monate alt und bekommt zu Recht ein hohes Maß an Aufmerksamkeit.
Irgendwann beginnt man an den Fingern abzuzählen, was sich ausgeht und was nicht (mehr). Zeitmäßig. Energiemäßig. Und Motivationsmäßig. Als ich krank darniederlag und zu Anfang auch in Ermangelung einer Diagnose gar nicht wusste, wohin das überhaupt führen würde, war für mich zunächst ganz klar: das Blog fällt. Es kostet zu viel Kraft, um hier noch halbwegs herzeigbare Resultate zu produzieren. Ich kann den Sinn davon oft nicht mehr fassen.
Und jetzt? Ich bin noch in einer "Schaun wir einmal"-Phase. Feststeht, dass das Blog nicht mehr in der Intensität weiter betrieben werden wird wie noch in der ersten Hälfte dieses Jahres (die bereits eine gemilderte im Vergleich zu früheren Jahren mit ihren täglichen Postings war). Aber, es gibt ja Feedreader und die Möglichkeit, über Posts verständigt zu werden. Also geht das schon.
Und um jetzt ganz aufzuhören, bräuchte ich die Inspiration zu einem großartigen, alles subsummierenden Abschlusstext. Oder zumindest nahe dran. Und die habe ich nicht, also kein Abschlusstext und kein Abschluss.
Beziehungsweise, um einen positiveren Grund zu nennen: es hängen auch liebgewonnene Gewohnheiten dran. Zum Beispiel der Monatsmeister.
Im Juni war es Will Varley´s Track "King For A King" und das erscheint wie ein Omen zu den Überlegungen, die mich in der Folge ereilt haben. Immerhin handelt der Folk-Song vom individuellen Leben, vom Geboren- und Erwachsenwerden, von den Prioritäten, die sich in den existenziellen Momenten herauskristallisieren. Die da sind: alles aus jedem Augenblick zu holen und dabei aber zuerst die Beziehungen zu den nächsten Menschen im Blick zu haben.
Das hat nichts mit Rückzug ins Private, mit Neo-Biedermeier zu tun, sondern mit der Frage, was eine gesunde Basis für unser Tun darstellt. Will Varley ist ein politischer Künstler, er hat schon einmal sehr gekonnt die Weltgeschichte in einen Song gepackt ("Weddings And Wars") oder ist bei Occupy London aufgetreten. Auch in "King For A King" übt er dezent Systemkritik. Aber die Qintessenz ist eine nicht-politische, eine ganz ehrlich-persönliche. Und das macht den Song so beeindruckend.
Will Varley beweist hier wieder Songwriting auf hohem Niveau. Hat er bei "Weddings And Wars" die Menschheitsgeschichte erstaunlich schlüssig in einem Musikstück untergebracht, so gelingt ihm dies nun mit der Lebensgeschichte eines Einzelnen.
Will Varley - King For A King (freier Download, mit zwei weiteren Tracks von der EP "Advert Soundtracks", via Newsletter-Bestellung)
Gewonnene Ränge: +8
Ja, der Juni ist lange vorbei. Aber weil sich auf diesem Blog zuletzt nicht mehr viel getan hat, sind auch die Monatsmeister in Stocken geraten.
Es war eine Zeit, die den Blick auf andere Aufgaben gerichtet hat als jene, für eine wohl mittlerweile sehr überschaubare Gruppe von Menschen ein paar Zeilen in ein Weblog zu hauen.
Dabei rede ich gar nicht von Aufgaben im Rahmen großer gesellschaftlicher Zusammenhänge, ich rede von ganz privaten Herausforderungen. Eine zähe Viruserkrankung musste viele Wochen ausgestanden werden. Eine Hochzeit durfte unmittelbar darauf gefeiert werden. Mein Kind ist acht Monate alt und bekommt zu Recht ein hohes Maß an Aufmerksamkeit.
Irgendwann beginnt man an den Fingern abzuzählen, was sich ausgeht und was nicht (mehr). Zeitmäßig. Energiemäßig. Und Motivationsmäßig. Als ich krank darniederlag und zu Anfang auch in Ermangelung einer Diagnose gar nicht wusste, wohin das überhaupt führen würde, war für mich zunächst ganz klar: das Blog fällt. Es kostet zu viel Kraft, um hier noch halbwegs herzeigbare Resultate zu produzieren. Ich kann den Sinn davon oft nicht mehr fassen.
Und jetzt? Ich bin noch in einer "Schaun wir einmal"-Phase. Feststeht, dass das Blog nicht mehr in der Intensität weiter betrieben werden wird wie noch in der ersten Hälfte dieses Jahres (die bereits eine gemilderte im Vergleich zu früheren Jahren mit ihren täglichen Postings war). Aber, es gibt ja Feedreader und die Möglichkeit, über Posts verständigt zu werden. Also geht das schon.
Und um jetzt ganz aufzuhören, bräuchte ich die Inspiration zu einem großartigen, alles subsummierenden Abschlusstext. Oder zumindest nahe dran. Und die habe ich nicht, also kein Abschlusstext und kein Abschluss.
Beziehungsweise, um einen positiveren Grund zu nennen: es hängen auch liebgewonnene Gewohnheiten dran. Zum Beispiel der Monatsmeister.
Im Juni war es Will Varley´s Track "King For A King" und das erscheint wie ein Omen zu den Überlegungen, die mich in der Folge ereilt haben. Immerhin handelt der Folk-Song vom individuellen Leben, vom Geboren- und Erwachsenwerden, von den Prioritäten, die sich in den existenziellen Momenten herauskristallisieren. Die da sind: alles aus jedem Augenblick zu holen und dabei aber zuerst die Beziehungen zu den nächsten Menschen im Blick zu haben.
Das hat nichts mit Rückzug ins Private, mit Neo-Biedermeier zu tun, sondern mit der Frage, was eine gesunde Basis für unser Tun darstellt. Will Varley ist ein politischer Künstler, er hat schon einmal sehr gekonnt die Weltgeschichte in einen Song gepackt ("Weddings And Wars") oder ist bei Occupy London aufgetreten. Auch in "King For A King" übt er dezent Systemkritik. Aber die Qintessenz ist eine nicht-politische, eine ganz ehrlich-persönliche. Und das macht den Song so beeindruckend.
Will Varley beweist hier wieder Songwriting auf hohem Niveau. Hat er bei "Weddings And Wars" die Menschheitsgeschichte erstaunlich schlüssig in einem Musikstück untergebracht, so gelingt ihm dies nun mit der Lebensgeschichte eines Einzelnen.
Will Varley - King For A King (freier Download, mit zwei weiteren Tracks von der EP "Advert Soundtracks", via Newsletter-Bestellung)
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