Freitag, 19. September 2008

Es war einmal..

Treue LeserInnen dieses Blogs werden sich vielleicht noch erinnern. Ich habe einmal vor einiger Zeit ein größeres Blog-Projekt gestartet, bei dem es um die Berückblickung des Jahres 2007 ging. Ich habe damals verwegener Weise behauptet, dass es diesmal nicht bis in den Herbst hinein dauern würde, bis der Jahresrückblick abgeschlossen wäre.

Ich bin dazumals sehr ambitioniert losgestartet. Ich habe damit begonnen, meine 10 Lieblingsplatten (ja, und für alle, die mich deswegen immer wieder geißeln, ich beziehe das gerade auch auf diese silbernen Scheiben) des Jahres 2007 aufzulisten und zu würdigen. Das habe ich sehr ausschweifend getan. So ausschweifend, dass ich an meinen eigenen Ansprüchen letzten Endes gescheitert bin. Irgendetwas, nennen wir es von mir aus "das Leben", ist mir dazwischenkommen, und ich konnte meine allzu ambitioniertes Projekt nicht abschließen. Bis jetzt.

Ich lasse Dinge nur sehr ungern unerledigt im Raum stehen. Nicht, dass ich immer sehr gut darin wäre, meine Angelegenheiten rasch zu erledigen, zu vieles schiebe ich viel zu lange vor mir her. Aber ich tue das definitiv nicht gerne.

Und eine Bestenliste einfach unerledigt offen stehen zu lassen, das geht gar nicht. Das ist Verrat am Leser/der Leserin, an jenen, die gereiht werden sollen, am Autor selbst.

Daher soll die Platten-Bestenliste des Jahres 2007 hier und jetzt zu einem Abschluss gebracht werden.

Und damit ich nicht wieder daran scheitere, werde ich dies nun im Schnellvorlauf bewerkstelligen.

Bevor wir es rasch hinter uns bringen, sei noch einmal ein kurzer Hinweis gestattet: Dies ist kein Ranking der
besten Alben, die im Jahr 2007 erschienen sind. Es ist eine Auflistung jener Scheiben, die ich in diesem Jahr am liebsten gehört habe - unabhängig von ihrem Erscheinungsdatum. Die in der Vergangenheit bereits ausschweifend besprochenen Platten sind entsprechend verlinkt.



Meine 10 am liebsten gewonnenen Platten des Jahres 2007

  • 10
Johnny Cash - American V : A Hundred Highways
Label: American Recordings/Island Def Jam
Jahr: 2006
Genre: Alt Country

  • 09
Arvo Pärt - Tabula Rasa
Label: ECM
Jahr: 1985
Genre: Moderne religiöse Musik

  • 08
Social Distortion - White Heat, White Light, White Trash
Label: Epic/Sony BMG
Jahr: 1996
Genre: Punk Rock

  • 07
Randy Newman - Sail Away
Label: Reprise/Rhino
Jahr: 1972
Genre: Pop

  • 06
Alpha Blondy - Live Au Zenith
Label: EMI
Jahr: 1993
Genre: Reggae

Hier wäre ein ausschweifender Beitrag geplant gewesen, der sich mit dem vielerorts zu beobachtenden Wiedererwachen der Religiösität, deren Ursachen und Folgen, meiner eigenen Position dazu, sowie meiner eigenen Religiösität bzw. Nicht-Religiösität befasst. Davon hätte ich dann den Bogen geschlagen zu Alpha Blondy, dem ivorischen Reggae-Superstar, den ich am Nuke erlebt habe (kurz nachdem ich Pedi wiedergefunden hatte, der einen halben Tag verschollen war - ich wusste, ich würde ihn hier finden..) und der in seiner Muttersprache Dioula, in Französisch, Englisch, Hebräisch und Arabisch für die Einheit aller Menschen und Religionen singt.

Kurzgefasst: Eine unglaubliche intensive, dichte, leidenschaftliche Liveplatte. Spirituell im besten Sinne.



  • 05
Steve Earle - Copperhead Road
Label: Sony BMG
Jahr: 1988
Genre: Roots Rock

Habe die Platte in der Libro-Wühlkiste entdeckt. Wollte sie aber schon immer. Wurde nicht enttäuscht. Habe dann eines der Lieder in den Mittelpunkt meines Weihnachts-Postings gestellt. Eine von diesen Platten, die ganz stark loslegen ("Copperhead Road") und dann einfach bis zur letzten Note nicht nachlassen.



  • 04
People Press Play - dto
Label: Morr Music
Jahr: 2007
Genre: Elektronische Musik

Was zu dieser Scheibe zu sagen ist, habe ich hier gesagt.



  • 03
Ron Sexsmith - Retriever
Label: V2 Records/Rough Trade
Jahr: 2004
Genre: Singer/Songwriter-Pop

Paul McCartney und Chris Martin von Coldplay sollen große Fans von ihm sein. Da kann er aber wirklich nichts dafür. Ron Sexsmith federt wunderbar melancholisch-melodisch durch diese Platte und am Ende ist man vom Kosmos des Kanadiers so eingehüllt, dass alles, was groß und wichtig erschien, auf einmal ganz klein ist. Aber halt, Paul McCartney, Chris Martin und jetzt auch noch Reinhard May, das geht zu weit! Halten wir uns einfach an Ron Sexsmith.

Er selbst hat "Retriever" übrigens Johnny Cash gewidmet.



  • 02
Christy Moore - Live in Dublin 2006
Label: Smi Col/Sony BMG
Jahr: 2006
Genre: Irischer Gitarrenfolk

Und noch eine großartige Liveplatte. Steffi & Gerald, die Irlandexperten, haben mich dankenswerter Weise auf diesen Altmeister von der grünen Insel aufmerksam gemacht. Ein Meister der wahrhaft irischen Sorte, denn er beherrscht es, alle Stimmungslagen der menschlichen Seele in seinen Liedinterpretationen entsprechend zu fassen. Doch eines vergisst er nie: politisch zu sein und Stellung zu beziehen.



  • 01
Diverse - Mestizo Music, Rebélion en América Latina
Label: Trikont
Jahr: 2005
Genre: Latin Ska, Cumbia, Reggae, Hip Hop, Salsamuffin, Merenguebeat

Eine Compilation hat es also auf den Thron geschafft. Mit "Mestizo Music, Rebélion en América Latina" ist es dem äußerst verdienstreichen Münchner Trikont-Label gelungen, politisch inspirierte zeitgenössische Popularmusik aus Lateinamerika in einer ziemlich kanonischen Sammlung zusammenzufassen, die einem in die Beine fährt wie kaum sonstwas. Wenn die sozialen Bewegungen auf diese Weise bewegen, dann bewegen sie schon mal ganz gut. Ansonsten darf man Chavez und Co ja durchaus kritisch sehen (wer erinnert sich nicht an das üble Theater in der ARENA..).

Freitag, 12. September 2008

Donnerstag, 11. September 2008

In Concert # 5: Florian Horwath & The Mothers Of Scandinavia, 10.9.2008, Posthof (Linz)


Posen in weißen Hosen...



Der gestrige Mittwochabend im Posthof. Zuerst kam die Vorgruppe, Blueburyme. Das war gesamtmusikalisch gesehen zwar ein bisschen Tracy-Chapman-für-Arme, aber immerhin unprätentiös vor- und von schönen Stimmen getragen. Alles in allem somit durchaus eine angenehme Einstimmung.

Es folgte der Hauptact und das waren also Florian Horwath & The Mothers Of Scandinavia. Der Bandname beinhaltet wohl einen kecken Verweis auf Frank Zappa, sowie auf die Tatsache, dass das letzte Album "Sleepyhead" in Schweden mit Menschen aus dem Umfeld der Cardigans-Sängerin Nina Persson eingespielt worden ist. Man darf davon ausgehen, dass der Name Herrn Horwath und Gerald Votava, der bei den "Mothers" Gitarre spielt, in einem Wirtshaus im 7. Wiener Gemeindebezirk oder in einer Berliner Kneipe nach dem jeweils fünften Bier eingefallen ist.

Die Band spielte im Kleinen Saal des Posthofes, der Andrang hielt sich also offensichtlich in Grenzen (was von den auftretenden Künstlern allenthalben auf die angeblich hierzulande ausgebrochene Fußballbegeisterung geschoben wurde). Gerald Votava spielte den Gitarrenkasperl, aber dagegen ist, isoliert betrachtet, nichts zu sagen, er ist auf der Bühne eben die österreichische Antwort auf Jack Black. Florian Horwath selbst spielte in einem ganz und gar weissen Anzug, versuchte sich an einer intensiven Mimik und kämpfte sich ansonsten durch ein Songmaterial, dem es - zumindest im Livekontext - leider an wirklich durchgehender Qualität ermangelte.

Das Ganze lief nicht wirklich schief, aber eben auch nicht wirklich rund. Florian Horwath & The Mothers Of Scandinavia sind eine Art Allstarband, die neben Horwath und Votava auch noch aus einem schwedischen Bassisten (möglicherweise der Cardigans-Mitbegründer Magnus Sveningsson, aber den Namen habe ich nicht richtig verstanden), Rainer Binder-Krieglstein am Schlagzeug und einem Keyboarder besteht.

Diesem Team gelang es nun schon immer wieder, gute Momente zu kreieren. Aber die Zusammengewürfeltheit blieb spürbar und störte doch etwas den Eindruck eines homogenen Kunstwerks. Insbesondere das Zusammenspiel von Horwath und Votava, zwischen denen die Chemie menschlich zweifellos blendend funktioniert, irritierte ein wenig. Da der komische, oft ins Parodistische abgleitende Part an der Gitarre, dort der Frontmann mit seinem leicht affektierten, starke innere Gefühle zum Ausdruck bringenden, durchaus unironisch gespielten, Bühnengehabe. So eine Mischung kann sicherlich funktionieren, wenn sie sich kunstvoll in der Musik widerspiegelt, aber das war hier nicht der Fall, die war zu sehr Horwath. Kurze Rockausritte konnten daran nichts ändern.

Dieser Zustand der Inhomogenität dieses Acts scheint mir aber nun nur ein Teilaspekt eines größeren Problems zu sein: Künstlichkeit. Von Singer-Songwritermusik, wie sie Horwath ohne Zweifel beabsichtigt (dafür sprechen Anmutung, Vorbilder, Themen, Emotionalität der Ausführung) und wie er sie, von der musikalischen Struktur her gesehen, auch macht, erwartet man schlicht, dass sie weniger geziert, weniger prätentiös, weniger affektiert daherkommt.

Nun kann man Erwartungshaltungen natürlich auf einer kunstvolle, kluge Weise brechen. Hier haben wir es aber wohl eher mit einer ein wenig verunglückten Überstilisierung der Person Florian Horwath zu tun, einer neuen, artifiziellen Hülle des ehemaligen Snowboarders, DJs, Radiomoderators, Electro-Clash-Musikers, die die in der Breite nicht ausreichend qualitative Musik nicht gut genug auszubalancieren vermag.

Am Ende freilich, da haben sie uns dann noch einmal so richtig gepackt. "Sleepyhead" ist eine starke Nummer und die dazugehörige Performance ist es ebenfalls. Und dann natürlich, ganz zum Abschluss, "When The Light Came Around", dieses scheinbar simple, Lo-Fi-eske Wunderding. Ein kleiner, heimlicher Klassiker. Es geht also doch. Ein bisschen weniger Bobodandytum, ein wenig mehr Homogenität in der Truppe, ein bisschen mehr Gelassenheit und einfach nur Vertrauen auf die unbestritten vorhandene eigene Musikalität - das wäre Florian Horwath & The Mothers Of Scandinavia zu wünschen.

Zum Weiterlesen: Gut geschriebener Artikel (wohlwollender) im März-DATUM.


Florian Horwath - When The Light Came Around

Mittwoch, 10. September 2008

Dreistigkeit

Ich bin gebeten worden, ein paar Zeilen zum Thema Dreistigkeit zu schreiben, also tue ich das hiermit.

Meine Freundin behauptet ja, ich sei zuweilen etwas dreist. Was sie damit meint, ist, dass ich manchmal anscheinend wie selbstverständlich davon ausgehe, dass ich von anderen Menschen ein bestimmtes Verhalten verlangen könne, welches vielleicht bei näherer Betrachtung gar nicht so selbstverständlich ist.

Das gehört aufgeklärt. Könnte ja sein, dass meine Freundin nicht die einzige ist, die mit diesem Phänomen konfrontiert wurde/werden wird. Nur, dass sie mich eben offensichtlich besonders genau beobachtet und mir das Ergebnis ihrer Beobachtungen auch unverblümt mitteilt.

Ich sehe mich also genötigt, ein für allemal klar zu stellen: Wenn ich von Anderen Verhaltensweisen erbitte, die keineswegs selbstverständlich sind, aber dennoch der Eindruck entsteht, ich würde sie erwarten - und ich deswegen als dreist erscheine, so tue ich das doch nur aus edlen Motiven!

Ich gehe nämlich diesfalls davon aus, dass ich selbst in der umgekehrten Situation sofort, ohne zu zögern und mit tausend Wonnen dasselbe für die betreffende Person tun würde. Wenn ich also dreist bin, so signalisiere ich in Wahrheit bloß, für wie gefestigt ich diese zwischenmenschliche Beziehung halte! Es ist ein Vertrauens-, ja möglicherwiese sogar ein Liebesbeweis. Freut euch also darüber!

Davon zu unterscheiden, sind, ich räume es offen ein, jene Situationen, in denen ich einfach solange zuwarte, bis jemand anderer, der weniger geduldig ist als ich, die Initiative ergreift und Dinge anpackt. Darüber muss ich mir Gedanken machen.

Aber, halt, vielleicht warte ich mit dem Herumgrübeln noch ein wenig. Es weiß schließlich keiner so genau, ob die Welt übermorgen überhaupt noch steht.

Zumindest ist Nerdcore Rap vermutlich ein untrügliches, dreistes Zeichen dafür, dass es bergab geht und wird sicher schon irgendwo in der Apokalypse des Johannes erwähnt (So oder so ähnlich: "Und siehe, bebrillte Gestalten werden sich hervorwagen aus ihren EDV-Kellern und Laboren und sie werden in Zungen sprechen, wie einst die zornigen schwarzen Propheten..")!

Sonntag, 7. September 2008

Hohe Sprünge, tiefes Fallen

Französische Hochleistungssportler sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren.

Aber solange Monsieur D. nur seine Astrologen feuert, wird sich da nicht viel ändern. Vielleicht hat der französische Verband aber ja jetzt gesehen, was es bewirken kann, wenn man Inkompetenz ganz einfach kurzerhand durch Kompetenz ersetzt.


Russische Hochleistungssportler sind übrigens irgendwie auch nicht mehr das, was sie einmal waren (Video anschauen!).

Donnerstag, 4. September 2008

Frequency ´08 - Die Musik

Es folgt ein Ranking der am Frequency ´08 erlebten Bandauftritte (in eckiger Klammer die Plazierung auf meiner "Vorfreude"-Liste). Ich habe versucht, Sonne und Regen und die damit verbundene Befindlichkeitsbeeinflussung so gut es geht hinauszurechnen.


1. [3] The Hives (Race Stage, 15.8.)

Und es begab sich an jenem Tage, dass "Howlin´" Pelle und seine im Rock´n´Roll Geweihten den Berg Frequency bestiegen. Und es war eine große Menge davor versammelt, um sie zu schauen, obgleich der Himmel seine Pforten geöffnet hatte und große Mengen Regens herabsandte. Doch sie standen da und sie spielten 40 Minuten und 40 Sekunden. Und "Howlin´" Pelle sprach zu den Leuten und feuerte sie an. Und so sprach er: "You should have no other frontman beside me!!" Und die zuckenden Körper und die sich regenden Beine der versammelten Gläubigen antworteten ihm : "Amen!"

Und noch bevor Pelle und seine Jünger auf dem Berge Frequency geendet hatten, sprach jener die Worte: "And when we will have played our last song, the rain will have ended!" Und, siehe, als sie geendet hatten, hatte auch der Regen geendet!

Und so trug es sich zu, dass alle jene, die zum ersten Mal zu Pelle und seinen Jüngern gekommen waren, wussten, dass sie soeben in Massen getauft worden waren.


2. [2] The Indelicates (Weekender UK Tent, 15.8.)

"The next song is about somebody, you´re going to see tomorrow!"

Denkste. Ich bin ja dann schon am Samstag abgereist und wollte ihn somit gar nicht mehr unbedingt sehen. Und all die anderen haben ihn auch nicht zu Gesicht bekommen, weil Herr Doherty offensichtlich wieder einmal nicht jenen Grad an Zurechnungsfähigkeit erreicht hat, der notwendig ist, um rechtzeitig einen Flieger zu besteigen.

Egal, allein das Aufjaulen der kleinen Indie-Kids im Zelt wars wert, als The Indelicates schließlich den Refrain des solcherarts angekündigten Titels "Waiting For Pete Doherty To Die" (den ich somit doch nicht herbeiskandieren musste) zum Besten gaben.

Und wie sie das taten. Wer leise befürchtet hatte, der zynisch-gesellschaftskritische Esprit der Stücke vom großartigen Indelicates-Erstling "American Demo" könnte vielleicht live Einbußen erfahren, wurde - trotz einer hörbaren stimmlichen Indisponiertheit der Sängerin Julia Indelicate - überzeugt. Die Indieartfolkrocker aus Sussex sind auch in natura und persona stark unterwegs. High Potential!


3. [1] R.E.M. (Race Stage, 14.8.)

Natürlich ist die Erwartungshaltung ein Hund. So ein lästiger kleiner, der sich von hinten anschleicht und einen dann bösartig in die Wadeln zwickt. Was soll/darf/kann man von einer Band erhoffen, die man seit vielen Jahren mit nahezu unvergleichbarer Beständigkeit immer wieder gerne hört? Ich vermute, dass es nicht wenigen der Anwesenden so ergangen ist und das auch darin ein Grund lag, warum es mit der Begeisterung im Publikum in Summe nicht so ganz geklappt hat.

Andererseits war das mit Sicherheit auch nicht der beste Auftritt von Stipe & Co. Man hatte den Eindruck, dass sie immer wieder gut in die Gänge kamen, ihre unzähligen wohlbekannten Hits stark beginnen ließen, dass die Menge somit anfangs auch durchaus mitgerissen war, dass sie die energetische Brücke zu ihren ZuhörerInnen dann aber in der Mitte der Songs immer wieder rasch und unerklärlicher Weise kollabieren ließen. Es war nicht ganz ihr Tag und ihre Bühne.

Dennoch: Wer einmal erlebt hat, wie zehntausend gerade eben noch scheinbar unbeteiligt herumstehende Menschen plötzlich im Chor ein ganzes Lied aus vollster Kehle mitsingen ("Losing My Religion"), der kommt nicht umhin, tief beeindruckt zu sein. Das war für mich einer der absoluten Gänsehautmomente des Frequency ´08 - auch, wenn diese Nummer bei weitem nie mein R.E.M.-Favorit war. Aber für einen durchaus sehr subjektiv gefärbten dritten Platz reichts hier noch allemal. Die da oben auf der Bühne waren halt doch R.E.M.


4. [6] Adam Green (Green Stage, 15.8.)

Die erste Begegnung mit Mr. Green erfolgte bereits einige Stunden vor seinem abendlichen Auftritt auf der Green Stage. Mitten im Set der Dirty Pretty Things (siehe Platz 5) stürmte er plötzlich die Race Stage und warf sich ans Mikrophon.

Abends auf der Green Stage war das Auftauchen dieses Spaßguerilleros der Popmusik dann schon weniger überraschend. Auch nicht die durchaus gut gelaunte, souveräne Vorstellung des charmantesten Slackers von New York bis zum Nordpol.

Eher schon überraschend war, dass er mich in der Menge erspäht und persönlich begrüßt hat: "And I even see a pirate over there"! Ich hatte die Regenjacke meiner Freundin an, die mir zu klein ist (die Jacke, nicht die Freundin), und sie deshalb halb über das Gesicht gezogen.

"I like that guy!" sprach Herr Green. Und dann spielte er, glaube ich, "Friends Of Mine". Aber spätestens ab diesem Zeitpunkt geht meine Phantasie vielleicht etwas mit mir durch und überschattet meine Erinnerung..


5. [10] Dirty Pretty Things (Race Stage, 15.8.)

Hey, diese Herren, mit denen ich mich bisher zugegeben eher nur peripher beschäftigt habe, waren eine erfreuliche Überraschung! Ein rescher, knackiger Livesound war das, den die Carl Barat-Truppe uns da lieferte. Immer wieder räudig-punkig auf den Punkt kommend und doch zugleich tief und ehrfurchtsvoll in großen, alten britischen Pop- und Rocktraditionen verwurzelt. Eine gelunge Symbiose, best-of-two-worlds, sozusagen!


6. [5] Maximo Park (Race Stage, 14.8.)

MP-Frontmann Paul Smith zieht die Blicke auf sich. Wegen seiner Gestik, seinem gesamten Ausdruck, seinem Charisma. Und macht seine Truppe, diese Breitwand-Version der Go-Betweens, zu einer mehr als soliden Liveband. Der "Mathelehrer from Hell" (Copyright Visions) war diesmal eher als "Amish-preacher from Hell" (allerdings ohne Bart) zu identifizieren, ein rockistischer Wiedergänger des legendären Weird Al Yankovic gewissermaßen, und trieb solcherarts gewandet seine Band mit erfreulichem Furor durch die Hits des alten und die Replikanten des neuen Albums. Und widmete einen Song gar Emmanuel Pogatetz, den er im Publikum erblickt zu haben glaubte.


7. [16] Teitur (Green Stage, 15.8.)

Dass man mit vermeintlich geringen Mitteln Erstaunliches erreichen kann, hat uns einst die Fußballnationalmannschaft der Färöer vorexerziert. Dieser Teitur nun ist auch ein Färinger (wie das so schön heißt) und er verkündete irgendwann einmal während seines Auftrittes, dass er von seiner Band im Stich gelassen worden sei und deswegen nur mit einer Gitarre auf der Bühne stehe. Aber das machte ja nun wirklich gar nichts. Aus der Reduktion erwuchs Berührendes. Schön, sehr schön.


8. [13] Ladytron (Green Stage, 14.8.)

Ladytron sind jetzt auch schon fast ein gutes Jahrzehnt around. Ihr Livesound ist wuchtig, schon einigermaßen in eine electroclashige Richtung gehend und hat mit dem Band-Etikett "Electropop" nicht mehr allzuviel zu tun. Dabei gelingt es den Liverpoolern immer wieder, ganz große Momente zu generieren. Allerdings auch, nach einer gewissen Zeit eine gewisse Ermüdung zu erzeugen.


9. [-] Travis (Race Stage, 14.8.)

Es gibt Musik, die liebt man zuerst, man spielt sie rauf und und runter und dann, plötzlich, ist sie einem zuwider. Mit Alanis Morissette ist mir das vor vielen Jahren so ergangen. Und mit Travis. "The Man Who" (Independiente, 2000) rotierte heftig in meinem CD-Player, doch von heute auf morgen hatte ich es satt. Ich konnte den Travis-Sound schlicht nicht mehr hören. Es war wie mit einem dieser süßen Marmeladenkuchen, die man zunächst mit Begeisterung in sich hineinstopft und dann im nächsten Augenblick schon nicht mehr riechen kann. Nur das starke "Sing" (das von einer anderen Platte stammt) konnte mich weiterhin begeistern.

So war es auch eher ungeplanter Zufall, dass ich Travis am Frequency ´08 erlebte. Ich kämpfte anfangs auch mit einer gewissen Übelkeit und dem Drang wegzulaufen, als ich das Material von "The Man Who" hörte. Doch mit der Zeit musste ich feststellen, dass hier eine wirklich gute Liveband am Werken war. Und ich erkannte einige meiner Lieblingslieder von vor dem Bruch auch gefühlstechnisch ansatzweise wieder. Als Travis dann auch noch zu einer sehr starken Performance von "Sing" abhoben (Gänsehautmoment Nr. 2), wusste ich, dass ich dieses Konzert sehr genoss. Daran konnte auch das eher unrund dahingeeierte, schwache Material von der neuen LP, das gleich danach präsentiert wurde, nichts mehr ändern. Positive Überraschung.

Vielleicht gibt es ja eines Tages sogar eine Versöhnung.


10. [4] The Wombats (Race Stage, 14.8.)

"Gehschd auch zu de Wumbatsch?!" fragte mich die kleine Vorarlbergerin mit dem "Wombats" - Shirt, der ich kurzzeitig die allzu schwere Bierpalette abnahm. Natürlich, die Wombats ließ man sich nicht entgehen! Hatten sie doch immerhin albumtechnisch das Rockjahr 2007 gerettet. Und auch live war das, was da geboten wurde, nicht unerfreulich. Im Gegensatz zu anderen Post-Punk-Indie-Hype-Rock-Bands aus dem UK (ich sage nur: Arctic Monkeys am Frequency 2006..) gaben sie einen durchaus agilen und virilen Auftritt, der mehr war als bloßes Herunternudeln von drei, vier gut eingeübten Riffs. Natürlich sind die Wombats aber noch etwas grün hinter den Ohren und ob sie es zu einer wirklich großen Liveband bringen werden, wird sich erst zeigen.


Was sich aber an dieser Stelle jedenfalls zeigt: Das Frequency ´08 muss von durchgängig guter Qualität gewesen sein, denn ich bin bei Platz 10 immer noch am Loben!


10. [-] Chikinki (Race Stage, 15.8.)

11. [-] Louis XIV. (Race Stage, 15.8.)


Nicht beurteilt: The Roots [-]. Ich war schlicht zu spät dran und hab nicht mehr genug mitbekommen, um ein Urteil fällen zu können. Dabei dürften sie aber (wieder einmal) großartig gewesen sein.

Nicht gesehen: Iron & Wine [7]. Ja, leider. Irgendein Opfer des dichten Kalenders gibt es halt immer.

Sonntag, 31. August 2008

Neues aus der Gemeinde

Meine (Noch-)Pfarrgemeinde geht mit der Zeit. Gleichzeitig werden den Kindern aber noch Werte und Fertigkeiten vermittelt, die wirklich zählen.

Lasergewehrschießen zum Beispiel.

Donnerstag, 28. August 2008

Sachen zum Lachen und Essen

Forelle aus glücklicher Aquakultur-Haltung? Zu Tode gestreichelt? Oder was?

Bitte Kopf wenden.



Zu finden auf der Speisekarte des Fischerstüberls in Alt-Urfahr.

Halloween-Special 2025

 Es scheint wir Hexerei. Einmal im Jahr öffnet dieses Blog seine Grabplatte und gibt Zeichen von sich. Das Video zum Fest kommt diesmal aus ...