| Linz, Böhmerwaldstraße |
Samstag, 9. November 2013
Freitag, 8. November 2013
Donnerstag, 7. November 2013
In Concert # 39: Velojet / Slut / Sohn / Austra (Ahoi! Pop Festival 2013), 1.11.2013, Posthof, Linz
Irgendwie hat sich das Ahoi! Pop Festival im Linzer Posthof verändert. Als ich exakt ein Jahr zuvor schon einmal da war, zeigte das Lineup noch eher die Ambition, dem Besucher auch Künstler nahe bringen zu wollen, von denen man noch nichts gehört hat. Im Jahr 2013 kannte man nun fast alle Acts nur allzu gut aus den jüngsten FM4-Charts und/oder aus Ton angebenden Musikpostillen. Das Ahoi! Pop geht auf Nummer sicher, könnte einer sagen. Oder aber: es ist ganz einfach groß geworden.
Im Besonderen treffen diese Aussagen auch auf den diesjährigen Allerheiligenabend zu. Für Freunde alternativer Musik verschiedener Generation war da angerichtet. Und zahlreich waren sie erschienen. Der Große Saal war ziemlich voll, auch hinten auf den Sitzplätzen saßen einige Menschen.
Velojet, Gründungsjahr 2003, spielten als erste auf. Die "Wiener mit oberösterreichischen Wurzeln" (wie es so schön heißt) werden schon verdammt lange als das nächste ganz große Ding des österreichischen Pop gehandelt. Jetzt haben sie sich zeitweise ausgeklinkt, waren in Indien. Dabei haben sie aber nicht vergessen, wo sie herkommen, wie auf Posthofsbühne gleich zu Beginn betont wird ("die einzige österreichische Band heute Abend"). Sonst kommt die Quotentruppe (zwei Männer, zwei Frauen) aber sehr sympathisch rüber. Auch der Britpop-Scheitel ist im fernen Osten keineswegs verrutscht und sitzt bei Velojet noch immer perfekt. Indische Klänge hören wir da eigentlich nicht heraus, dafür sauberen Gitarrenpop mit sehr ordentlichen Melodien und Harmonien, bei denen nicht nur die alten Briten, sondern auch deren kalifornische Vorläufer durchscheinen. All dieses zügig vorgetragen, ohne Pausen zwischen den Stücken. Soundmäßig war das vielleicht nicht das allerbeste dieses Abends, das Publikum noch nicht ganz angekommen (mental, zahlenmäßig sehr wohl). Aber als Auftakt war das doch gelungen.
Slut aus Ingolstadt, mittlerweile München, gegründet 1994, sind so eine Band, wo man sich zuerst erstaunt gegenseitig anschaut, dass es die noch gibt. Damals, Ende der 90er Jahre wurden sie auf den Studentenpartys rauf und runter gespielt. Allerheiligen 2013 standen also jetzt die StudentInnen von einst im Großen Saal, im Vergleich zu Velojet war es nun etwas spärlicher, dafür älter. Slut blicken immer noch recht zuversichtlich in die Welt, obgleich das Internetzeitalter ihrem Bandnamen wahrscheinlich nicht allzu gewogen war (versucht es mal auf YouTube - oder lieber doch nicht!). Auch ihrem Sound hat der Strudel der Zeit ein wenig Leids getan. Nicht, dass sie ihre alten Stücke nicht noch souverän darbringen würden, aber zeitweise frägt man sich schon, wann endlich Brian Molko in Ingolstadt anruft, um sich mit seinen Stilbrüdern zu unterhalten. Erstaunlich, wie ähnlich sich Musik aus der richtigen Distanz auf einmal anhören kann. Der Nostalgieeffekt greift bei dieser freilich noch rettend ein, was man beim neuen Material, bei dem Slut sich an rockigerem Geläuf versuchen, allerdings nicht mehr behaupten kann. Am Ende gibt es noch die "Mackie Messer-Moritat" aus der "Dreigroschenoper" (daran haben sie sich auch einmal versucht) und schließlich "Easy To Love", den (zu?) unwiderstehlichen Ohrwurm.
Das beste kommt freilich nicht immer zum Schluss. Eine Tochter, ein Sohn, ein Sprößling halt, kommt häufig eher in der Mitte des Lebens. Oder eben auch eines Ahoi! Pop-Abends. Zugegeben, wir sind derzeit schon alle ziemlich drauf auf diesem Zeug, das die Spex treffsicher als das "Magische Dreieck aus R´n´B, Indie und Electro" bezeichnet hat. Wobei, Indie, naja, vor allem R´n´B und Electro, würde ich da sagen. Aber, hallo, auf welchem Niveau spielt sich das da ab! Dieser Sohn (realer Name und Geburtsdatum unbekannt) ist ein Brite, der aus privaten Gründen seinen Lebensmittelpunkt nach Wien verlegt hat. Und welch ein Glücksfall ist das. Majestätische, schön akzentuierte Beats türmt er mit Hilfe zweier Mit-Musiker in die Längen und Breiten des Posthof und doch weit darüber hinaus. Dazu singt seine sanft-nachdenklichen Stimme Weisen in jenem Stil, den manche als bedroom r´n´b bezeichnen, die einen aber keineswegs in den Schlaf wiegen, sondern ziemlich zu packen vermögen. Das wahrlich Erstaunliche aber ist: der Mann hat unter dem Künstleralias Sohn gerade eine einzige EP heraus gebracht und doch enthält diese offenbar schon ein ganzes, kleines Universum, in dem jeder Song ein raffiniert gesponnenes Unikat und dennoch unverkennbar Teil des Ganzen ist, Teil jener Stimme, die der Künstler für sich bereits gefunden hat.
Nach Sohn liegt die sonische Latte freilich hoch. Es ist schon 0.30 Uhr und manche(r) demnach nicht mehr ganz frisch, als zum Abschluss der mit viel Spannung erwartete Auftritt von Austra, gegründet 2009, beginnt. Jener kanadischen Band um die klassisch ausgebildete Sängerin Katie Stelmanis, die es vermag, mittels klassischer Stimmbrillanz, tanzbaren Rhythmen, poppigen Hooks und dunkler Grundierung ein Gesamtkunstwerk zu schaffen, das Popradiojünger, Musikblogs lesender Hipster und Gestalten der Nacht gleichermaßen unter dem Schirm ihrer Tonleitern zu vereinen vermag. Tatsächlich zieht sich mir, als Frau Stelmanis ihren Gesang anstimmt, auch gleich ein wohliger Schauer von den Nackenhaaren hinunter über die Arme. Und, diese Momente dürfen sich auch wiederholen, etwa wenn sie den machtvollen Hit "Lose It" darbietet, der von Koloraturen gekrönt wird. Auch visuell ist es ansprechend. Austra möchte offenbar weg vom Image der dunklen Prinzessin aus der Goth-Disco und träumt sich in ferne Welten. Asiatische Schirme sind aufgespannt, an der gesamten Rückwand der Bühne erhebt sich eine fernöstliche Bergdarstellung, vielleicht ein Hiroshige. In diesem bildlichen Kontext gewinnt auch die Musik neue Bedeutungen und Assoziationen. Und wir erinnern uns, dass Austra der Name einer lettischen Götttin des Lichts sein soll, was schließlich gut zu einem Land der aufgehenden Sonne passt. Bei allem Strahlen und aller Schönheit geht aber doch auch etwas ab: Unterscheidbarkeit. Austras Stücke kommen von dieser Livebühne zu gleichförmig daher, allzu zu sehr aus einem Guss. Das hindert dann doch die echte Faszination.
Im Besonderen treffen diese Aussagen auch auf den diesjährigen Allerheiligenabend zu. Für Freunde alternativer Musik verschiedener Generation war da angerichtet. Und zahlreich waren sie erschienen. Der Große Saal war ziemlich voll, auch hinten auf den Sitzplätzen saßen einige Menschen.
Velojet, Gründungsjahr 2003, spielten als erste auf. Die "Wiener mit oberösterreichischen Wurzeln" (wie es so schön heißt) werden schon verdammt lange als das nächste ganz große Ding des österreichischen Pop gehandelt. Jetzt haben sie sich zeitweise ausgeklinkt, waren in Indien. Dabei haben sie aber nicht vergessen, wo sie herkommen, wie auf Posthofsbühne gleich zu Beginn betont wird ("die einzige österreichische Band heute Abend"). Sonst kommt die Quotentruppe (zwei Männer, zwei Frauen) aber sehr sympathisch rüber. Auch der Britpop-Scheitel ist im fernen Osten keineswegs verrutscht und sitzt bei Velojet noch immer perfekt. Indische Klänge hören wir da eigentlich nicht heraus, dafür sauberen Gitarrenpop mit sehr ordentlichen Melodien und Harmonien, bei denen nicht nur die alten Briten, sondern auch deren kalifornische Vorläufer durchscheinen. All dieses zügig vorgetragen, ohne Pausen zwischen den Stücken. Soundmäßig war das vielleicht nicht das allerbeste dieses Abends, das Publikum noch nicht ganz angekommen (mental, zahlenmäßig sehr wohl). Aber als Auftakt war das doch gelungen.
Slut aus Ingolstadt, mittlerweile München, gegründet 1994, sind so eine Band, wo man sich zuerst erstaunt gegenseitig anschaut, dass es die noch gibt. Damals, Ende der 90er Jahre wurden sie auf den Studentenpartys rauf und runter gespielt. Allerheiligen 2013 standen also jetzt die StudentInnen von einst im Großen Saal, im Vergleich zu Velojet war es nun etwas spärlicher, dafür älter. Slut blicken immer noch recht zuversichtlich in die Welt, obgleich das Internetzeitalter ihrem Bandnamen wahrscheinlich nicht allzu gewogen war (versucht es mal auf YouTube - oder lieber doch nicht!). Auch ihrem Sound hat der Strudel der Zeit ein wenig Leids getan. Nicht, dass sie ihre alten Stücke nicht noch souverän darbringen würden, aber zeitweise frägt man sich schon, wann endlich Brian Molko in Ingolstadt anruft, um sich mit seinen Stilbrüdern zu unterhalten. Erstaunlich, wie ähnlich sich Musik aus der richtigen Distanz auf einmal anhören kann. Der Nostalgieeffekt greift bei dieser freilich noch rettend ein, was man beim neuen Material, bei dem Slut sich an rockigerem Geläuf versuchen, allerdings nicht mehr behaupten kann. Am Ende gibt es noch die "Mackie Messer-Moritat" aus der "Dreigroschenoper" (daran haben sie sich auch einmal versucht) und schließlich "Easy To Love", den (zu?) unwiderstehlichen Ohrwurm.
Das beste kommt freilich nicht immer zum Schluss. Eine Tochter, ein Sohn, ein Sprößling halt, kommt häufig eher in der Mitte des Lebens. Oder eben auch eines Ahoi! Pop-Abends. Zugegeben, wir sind derzeit schon alle ziemlich drauf auf diesem Zeug, das die Spex treffsicher als das "Magische Dreieck aus R´n´B, Indie und Electro" bezeichnet hat. Wobei, Indie, naja, vor allem R´n´B und Electro, würde ich da sagen. Aber, hallo, auf welchem Niveau spielt sich das da ab! Dieser Sohn (realer Name und Geburtsdatum unbekannt) ist ein Brite, der aus privaten Gründen seinen Lebensmittelpunkt nach Wien verlegt hat. Und welch ein Glücksfall ist das. Majestätische, schön akzentuierte Beats türmt er mit Hilfe zweier Mit-Musiker in die Längen und Breiten des Posthof und doch weit darüber hinaus. Dazu singt seine sanft-nachdenklichen Stimme Weisen in jenem Stil, den manche als bedroom r´n´b bezeichnen, die einen aber keineswegs in den Schlaf wiegen, sondern ziemlich zu packen vermögen. Das wahrlich Erstaunliche aber ist: der Mann hat unter dem Künstleralias Sohn gerade eine einzige EP heraus gebracht und doch enthält diese offenbar schon ein ganzes, kleines Universum, in dem jeder Song ein raffiniert gesponnenes Unikat und dennoch unverkennbar Teil des Ganzen ist, Teil jener Stimme, die der Künstler für sich bereits gefunden hat.
Nach Sohn liegt die sonische Latte freilich hoch. Es ist schon 0.30 Uhr und manche(r) demnach nicht mehr ganz frisch, als zum Abschluss der mit viel Spannung erwartete Auftritt von Austra, gegründet 2009, beginnt. Jener kanadischen Band um die klassisch ausgebildete Sängerin Katie Stelmanis, die es vermag, mittels klassischer Stimmbrillanz, tanzbaren Rhythmen, poppigen Hooks und dunkler Grundierung ein Gesamtkunstwerk zu schaffen, das Popradiojünger, Musikblogs lesender Hipster und Gestalten der Nacht gleichermaßen unter dem Schirm ihrer Tonleitern zu vereinen vermag. Tatsächlich zieht sich mir, als Frau Stelmanis ihren Gesang anstimmt, auch gleich ein wohliger Schauer von den Nackenhaaren hinunter über die Arme. Und, diese Momente dürfen sich auch wiederholen, etwa wenn sie den machtvollen Hit "Lose It" darbietet, der von Koloraturen gekrönt wird. Auch visuell ist es ansprechend. Austra möchte offenbar weg vom Image der dunklen Prinzessin aus der Goth-Disco und träumt sich in ferne Welten. Asiatische Schirme sind aufgespannt, an der gesamten Rückwand der Bühne erhebt sich eine fernöstliche Bergdarstellung, vielleicht ein Hiroshige. In diesem bildlichen Kontext gewinnt auch die Musik neue Bedeutungen und Assoziationen. Und wir erinnern uns, dass Austra der Name einer lettischen Götttin des Lichts sein soll, was schließlich gut zu einem Land der aufgehenden Sonne passt. Bei allem Strahlen und aller Schönheit geht aber doch auch etwas ab: Unterscheidbarkeit. Austras Stücke kommen von dieser Livebühne zu gleichförmig daher, allzu zu sehr aus einem Guss. Das hindert dann doch die echte Faszination.
Dienstag, 5. November 2013
Berühmt
Und der ATSV Stadl-Paura kratzt auf YouTube an der 100.000er Marke. Respekt.
Und ich habe was gelernt. Mir war ehrlich nicht bewusst, dass man den Ball beim Elfmeter auch aufspielen kann. Betonung: kann.
Und ich habe was gelernt. Mir war ehrlich nicht bewusst, dass man den Ball beim Elfmeter auch aufspielen kann. Betonung: kann.
Sonntag, 3. November 2013
In Concert # 38: The Wave Pictures, 26.10.2013, Chelsea, Wien
Nationalfeiertag 2013. Abends strömen die Menschen ins Chelsea unter dem Stadtbahnbogen. Es ist nicht ganz so voll wie bei den Beach Fossils, aber doch recht beengt. Aber das Thema hatten wir schon.
Auf dem Programmzettel: die Wave Pictures, eine britische Band, die bislang deutlich unter meinem Wahrnehmungsradar geflogen ist. Das mag auch damit zu tun haben, dass die dreiköpfige Partie nicht mehr ganz unter die Kategorie "hip und neu da" zu subsummieren ist. Seit Mitte der Neunziger sind die drei Herren aus Leicestershire aktiv, haben ihre Band noch zu Hoch-Zeiten und unter dem stilistischen Einfluss des Britpop gegründet und lange ihre Platten in Eigenregie heraus gebracht. 2006 ging es endlich zu einem Plattenlabel, da ging die Ära des Britpop freilich schon wieder zu Ende. Die Wave Pictures haben sich nicht beirren lassen und konstant ordentliche Alben gemacht, die sich zuletzt stark in Richtung Americana bewegt haben.
Das spricht doch für eine gewisse unverbrüchliche Liebe zur Musik als Selbstzweck und so treten die Wave Pictures an jenem Feiertag auch auf: aufgeräumt und guter Dinge. Der Frontmann mit der Gitarre lobt die eben erprobte Qualität des hiesigen Rindfleisches und wirkt entsprechend gut motiviert. Zudem freut er sich darüber, dass seine Band über eine "Geheimwaffe" verfügt: einen singenden Drummer. Meist singt dann aber doch Johnny Tattersall, der Gitarrist, und er tut das in einer Weise, die sehnend-melancholisch daher kommt, aber doch einen augenzwinkernden Twist aufweist. Very british. Gelegt wird der Gesang auf gefällig dahin federnden Poprock, der aus dem gesamten Fundus britisch-amerikanischer Popgeschichte schöpft.
Die Wave Pictures erweisen sich vielleicht nicht als Meister in einer Disziplin, im Pop-Zehnkampf haben sie aber gute Karten. Sie spannen den Bogen von 60er-Melodien über Bluesrock zu 80er-Post Punk und hinein in die Jetztzeit. Manches klingt in seiner ausgefeilten Rhythmik so, als könnte es den Instrumenten der Foals oder von Vampire Weekend entstiegen sein. Nur das Country- und Folkelement, das auf ihren letzten Veröffentlichungen so dominant war, hören wir nicht so richtig. Das mag an der Liveinstrumentierung liegen.
Das Konzert folgt einer sicher nicht ganz zufälligen Dramaturgie. Stark legen die Wave Pictures los, das, was nicht ganz so gut funktioniert, kommt eher in der Mitte, dann baut sich wieder ein schöner Spannungsbogen auf. Vielleicht der Höhepunkt: der "singende Drummer" (Johnny Helm), dessen hinter seinem Arbeitsgerät erbrachte, vokale Beiträge sonst nicht so umhauen, gibt bei sehr reduzierter Begleitung den Titel "Now You Are Pregnant" zum Besten. Gänzlich ohne dabei am Schlagzeug werken zu müssen, aber dafür mit umso mehr Hingabe. Da taucht dann auch - zumindest inhaltlich - Johnny Cash auf (oder ab).
Ein unterhaltender musikalischer Abend.
Auf dem Programmzettel: die Wave Pictures, eine britische Band, die bislang deutlich unter meinem Wahrnehmungsradar geflogen ist. Das mag auch damit zu tun haben, dass die dreiköpfige Partie nicht mehr ganz unter die Kategorie "hip und neu da" zu subsummieren ist. Seit Mitte der Neunziger sind die drei Herren aus Leicestershire aktiv, haben ihre Band noch zu Hoch-Zeiten und unter dem stilistischen Einfluss des Britpop gegründet und lange ihre Platten in Eigenregie heraus gebracht. 2006 ging es endlich zu einem Plattenlabel, da ging die Ära des Britpop freilich schon wieder zu Ende. Die Wave Pictures haben sich nicht beirren lassen und konstant ordentliche Alben gemacht, die sich zuletzt stark in Richtung Americana bewegt haben.
Das spricht doch für eine gewisse unverbrüchliche Liebe zur Musik als Selbstzweck und so treten die Wave Pictures an jenem Feiertag auch auf: aufgeräumt und guter Dinge. Der Frontmann mit der Gitarre lobt die eben erprobte Qualität des hiesigen Rindfleisches und wirkt entsprechend gut motiviert. Zudem freut er sich darüber, dass seine Band über eine "Geheimwaffe" verfügt: einen singenden Drummer. Meist singt dann aber doch Johnny Tattersall, der Gitarrist, und er tut das in einer Weise, die sehnend-melancholisch daher kommt, aber doch einen augenzwinkernden Twist aufweist. Very british. Gelegt wird der Gesang auf gefällig dahin federnden Poprock, der aus dem gesamten Fundus britisch-amerikanischer Popgeschichte schöpft.
Die Wave Pictures erweisen sich vielleicht nicht als Meister in einer Disziplin, im Pop-Zehnkampf haben sie aber gute Karten. Sie spannen den Bogen von 60er-Melodien über Bluesrock zu 80er-Post Punk und hinein in die Jetztzeit. Manches klingt in seiner ausgefeilten Rhythmik so, als könnte es den Instrumenten der Foals oder von Vampire Weekend entstiegen sein. Nur das Country- und Folkelement, das auf ihren letzten Veröffentlichungen so dominant war, hören wir nicht so richtig. Das mag an der Liveinstrumentierung liegen.
Das Konzert folgt einer sicher nicht ganz zufälligen Dramaturgie. Stark legen die Wave Pictures los, das, was nicht ganz so gut funktioniert, kommt eher in der Mitte, dann baut sich wieder ein schöner Spannungsbogen auf. Vielleicht der Höhepunkt: der "singende Drummer" (Johnny Helm), dessen hinter seinem Arbeitsgerät erbrachte, vokale Beiträge sonst nicht so umhauen, gibt bei sehr reduzierter Begleitung den Titel "Now You Are Pregnant" zum Besten. Gänzlich ohne dabei am Schlagzeug werken zu müssen, aber dafür mit umso mehr Hingabe. Da taucht dann auch - zumindest inhaltlich - Johnny Cash auf (oder ab).
Ein unterhaltender musikalischer Abend.
Samstag, 2. November 2013
Katzenfoto des Monats Oktober 2013
Hier gibt es eine problematische Entwicklung zu berichten: Unsere drei Katzen sind in dieser Rubrik nicht gleichmäßig vertreten.
Das dürfte aber nichts mit besonderen Vorlieben des Fotografen zu tun haben, sondern schlicht mit den unterschiedlichen Charakteren der Damen.
Felicitas, die ehemalige Straßenkatze und Mutter der anderen zwei, hat eine ziemlich fahrige, unruhige Wesensart. Nähert man sich ihr mit einer Kamera, fängt sie an sich zu bewegen, herum zu treten und sie maunzt einem in Gesicht. Wenn sie eines Menschen Gewahr wird, erwacht in ihr regelmäßig der Wunsch nach Bestätigung durch Streicheleinheiten. Außerdem zieht sie sich zum Schlafen gerne in entlegenere Winkel zurück, wo sie dann auch nicht fotografiert werden kann. Es ist ja nicht so, dass ich meine Katzen Paparazzi-mäßig verfolgen würde.
Mottenkugel, die Tochter mit dem schwarz-rot-weißen Fell, ist anders als die Mutter. Selbstbewusst durchstreift sie das Wohnareal, fordert uns dazu auf, mit ihr zu spielen (besonders das Apportieren von Gegenständen liegt ihr am Herzen) und legt sich auch gerne mitten in den Raum, um zufrieden die Welt um sich herum zu betrachten. Leider mag sie den Fotoapparat nicht besonders und verzieht ganz gerne die Miene, wenn man die Kamera auf sie richtet. Als Model bietet sie daher oft eine Gelegenheit, ist aber dann nicht so motiviert.
Pyjama, der Tigerkatze mit den langen Haaren und dem buschigen Schweif wiederum haben wir den Beinamen "Prinzessin" verpasst. Denn diese Katze schaut nicht nur vornehm aus, sondern blickt auch so stolz in die Gegend sowie in die Kamera, dass man meinen könnte, das Posieren wäre ihr ein besonderes Anliegen.
Das ist folglich die am stärksten vertretene Katze in dieser Rubrik. Dieses Monat ist das beste Foto aber immerhin eines von Mottenkugel geworden:
Im November versuche ich dann, auch wieder einmal Felicitas einzufangen.
Das dürfte aber nichts mit besonderen Vorlieben des Fotografen zu tun haben, sondern schlicht mit den unterschiedlichen Charakteren der Damen.
Felicitas, die ehemalige Straßenkatze und Mutter der anderen zwei, hat eine ziemlich fahrige, unruhige Wesensart. Nähert man sich ihr mit einer Kamera, fängt sie an sich zu bewegen, herum zu treten und sie maunzt einem in Gesicht. Wenn sie eines Menschen Gewahr wird, erwacht in ihr regelmäßig der Wunsch nach Bestätigung durch Streicheleinheiten. Außerdem zieht sie sich zum Schlafen gerne in entlegenere Winkel zurück, wo sie dann auch nicht fotografiert werden kann. Es ist ja nicht so, dass ich meine Katzen Paparazzi-mäßig verfolgen würde.
Mottenkugel, die Tochter mit dem schwarz-rot-weißen Fell, ist anders als die Mutter. Selbstbewusst durchstreift sie das Wohnareal, fordert uns dazu auf, mit ihr zu spielen (besonders das Apportieren von Gegenständen liegt ihr am Herzen) und legt sich auch gerne mitten in den Raum, um zufrieden die Welt um sich herum zu betrachten. Leider mag sie den Fotoapparat nicht besonders und verzieht ganz gerne die Miene, wenn man die Kamera auf sie richtet. Als Model bietet sie daher oft eine Gelegenheit, ist aber dann nicht so motiviert.
Pyjama, der Tigerkatze mit den langen Haaren und dem buschigen Schweif wiederum haben wir den Beinamen "Prinzessin" verpasst. Denn diese Katze schaut nicht nur vornehm aus, sondern blickt auch so stolz in die Gegend sowie in die Kamera, dass man meinen könnte, das Posieren wäre ihr ein besonderes Anliegen.
Das ist folglich die am stärksten vertretene Katze in dieser Rubrik. Dieses Monat ist das beste Foto aber immerhin eines von Mottenkugel geworden:
Im November versuche ich dann, auch wieder einmal Felicitas einzufangen.
Donnerstag, 31. Oktober 2013
Das Halloween Musikvideo-Special 2013
Dass der Austro-Pop sich thematisch gerne dem Unheimlichen und Gruseligen zuwendet, wurde hier in den vergangenen Jahren zum selben Termin bereits eindrucksvoll bewiesen.
Diesmal ist die EAV dran. In Mono.
Danke wie jedes Jahr für den Fund an Alex P.
Diesmal ist die EAV dran. In Mono.
Danke wie jedes Jahr für den Fund an Alex P.
Dienstag, 29. Oktober 2013
Sonntag, 27. Oktober 2013
Amsterdam in Buchstaben, L-Z
Der zweite Teil meiner Amsterdam-Buchstaben meidet auch heiße und schlüpfrige Themen wie die Zuiderzee und die Ostindische Handelskompanie nicht! Wohlan.
Fortsetzung von hier.
L wie Leinwand
Kinofilme sind in den Niederlanden wie in Skandinavien ganz generell in Originalsprache, mit landessprachlichen Untertiteln. Sehr gute Sache und eine gute Option für den späteren Abend.
M wie Museen
Gibt es sehr viele in Amsterdam. Was gut ist, weil es da an der Küste schon zuweilen regnen kann. So wurden wir nur ein bisschen nass, als wir eines Samstags vor dem Rijksmuseum am Museumsplein eine halbe Stunde auf unseren Einlass warten mussten. Es hat sich aber gelohnt, insbesondere, wenn man der großen Sammlung von Kunstwerken des so unglaublich produktiven 17. niederländischen Jahrhunderts gedenkt. Das Amsterdam Museum empfiehlt sich zum Auftakt eines Amsterdambesuchs, denn es stellt die Geschichte der Stadt in moderner und recht unterhaltender Weise dar. Im Van Gogh - Museum kann man die Entwicklung eines Malers nachvollziehen (s. V) und Konzerte besuchen. Das Stedeleijk Museum oder das Schifffahrtsmuseum haben wir dann zB gar nicht mehr geschafft.
N wie Nahrungsaufnahme
Jetzt einmal ehrlich: Wegen des Essens fährt eh niemand nach Holland. Die Nationalspeise ist ein Gericht, das übersetzt "Stampftopf" heißt und im Wesentlichen aus Kartoffeln und Gemüse zusammen gemanscht wird, worauf man ein Würstchen legt. Außerdem gibt es Pfannkuchen. Das eine Mal, wo wir wirklich einheimisch essen waren, glich mehr einem Raubüberfall, bei dem einem auch noch in den Magen geboxt wird. Aber es wäre unfair, das zu verallgemeinern, sonst war es auf sehr unspektakulärem Niveau solide. Am letzten Tag waren wir dann in einem der zahlreichen argentinischen Restaurants. Das war sehr gut.
O wie Ostindische Handelscompanie
Die Vereenigde Oostindische Compagnie mit Sitz in Amsterdam war Mitte des 17. Jahrhunderts der Handelsgigant der Weltmeere. Bei der Verfolgung ihrer Ziele war die Kompanie freilich, wie alle europäischen Kolonialisten, nicht gerade zimperlich. Man zerstörte Städte, massakrierte ganze Volksgruppen, hielt Sklaven und behandelte auch die eigenen Angestellten zuweilen eher wie Tiere als wie Menschen. Im 18. Jahrhundert ging es mit ihr zu Ende und in den Bankrott. Es gab auch ein westindisches Pendant, das unter anderem eine Insel namens Manhattan erwarb, die dann aber die Engländer weg nahmen.
P wie Prostitution
Ich bin ja jetzt kein puritanischer Verfechter ganz strenger Sittengesetze. Aber, Frauen, die sich öffentlich und spärlich bekleidet hinter Glas räkeln, so als wären sie lebendige Konsumwaren hinter einer Markttheke? Nicht meine Vorstellung von Menschenwürde. Im einschlägigen Viertel gibt's das übrigens auch am hellichten Tag.
Q wie Qual der Wahl
Die hat man hier wirklich. Amsterdam selbst bietet auf verhältnismäßig wenig Fläche (s. I) verhältnismäßig sehr viel Sehenswertes. Allein die diversen Museen (s. M) kann man tagelang besuchen. Dazu kommt, dass Amsterdam in der Randstad Holland gelegen ist, einem Netz von eng beisammen liegenden Städten, zu denen auch Den Haag, Utrecht, Rotterdam oder Delft gehören. Da wird einem nicht fad.
R wie Rembrandt van Rijn
Aus Leiden stammender Mann, der unter seinem Vornamen in die Kunstgeschichte eingegangen ist. Im Rembrandthuis im ehemaligen Judenviertel kann man sich ein Bild davon machen, wie er gelebt und Bilder gemacht hat. Das Haus wurde mit Hilfe von alten Inventarlisten und - no, na - Gemälden wieder in der Originalzustand versetzt. Es gibt dort auch einen Mann, der nicht gerne fotografiert wird, einem aber gerne demonstriert, wie man Radierungen anfertigt. Außerdem gibt es eine tolle Sammlung eben solcher, die vom Meister selbst stammen. Diese kleinen Kunstwerke haben mich wesentlich stärker beeindruckt als seine großen Gemälde (zB die "Nachtwache" im Rijksmuseum), die mir doch etwas düster (teilweise sicherlich auch zeitbedingt nachgedunkelt) scheinen und für meinen Geschmack etwas zu statische Darstellungen beinhalten. In biographischer Hinsicht erfährt man, dass auch Rembrandt seine düsteren Seiten hatte: sein Vermögen brachte er erfolgreich durch und eine Geliebte, die er nicht heiraten wollte, brachte er erfolgreich ins Spinhuis, das nicht so heißt, weil dort etwa irgendwelche spinnerten Frauen hingekommen wären, sondern weil die Frauen dort Zwangsarbeit leisten mussten.
S wie Säkularisierung
Zwar gibt es in den Niederlanden nach wie vor eine Minderheit strengst gläubiger Christen verschiedener Konfessionen, generell ist aber bekanntlich die Säkularisierung weit fortgeschritten. Das kann man auch in den großen Kirchen erkennen. In der Nieuwe Kerk fanden wir einen Ausstellung über die chinesische Ming-Dynastie vor, in der Oude Kerk gibt es ein Kaffeehaus, in der Zuiderkerk finden Kongresse statt. Das stelle man sich einmal in Wien vor.
T wie Toleranz
Hat in Amsterdam Tradition. Weil in Amsterdam schon im 17. Jahrhundert mehr als nur eine Glaubensrichtung geduldet wurde, zogen viele religiös und weltanschaulich Verfolgte hierher. Dabei waren es eher die Wohlhabenden und Gebildeten, die es schafften, sich ansässig zu machen, denn man wurde durch Sonderabgaben für Neuzuziehende und Andersgläubige sowie durch die generell hohen Steuern ganz ordentlich zur Kassa gebeten. Womit sich die Toleranz für die protestantischen Regierenden auch finanziell sehr ausgezahlt hat (s. U). Damit sich das nicht änderte, hielten sie die Zügel fest in der Hand und ließen gerade so viel Meinungsfreiheit und Mitbestimmung zu, wie ihnen noch akzeptabel erschien. Da war aber immer noch deutlich mehr als irgendwo sonst in Europa. Weswegen das Verlagswesen erblühte und es die philosophischen, naturwissenschaftlichen, aber auch literarischen Autoren in Scharen zu den hiesigen Verlagen zog.
U wie Unternehmergeist
Hat in Amsterdam auch Tradition. Angefangen hat es mit Heringen und deutschem Bier. Irgendwann kamen dann die Tulpenzwiebel (inklusive dramatischer Spekulationsblase), das spanische Gold und schließlich die Gewürze der Ostindischen Handelscompanie (s. O). Durch alle politischen Wirren und Kriegshändel hindurch waren die Menschen in Amsterdam immer sehr gut und erfolgreich darin, Geschäfte zu machen. Im 17. Jahrhundert, dem "Goldenen Zeitalter" erblühten die Niederlande und mit ihnen Amsterdam wirtschaftlich vollends. Voraussetzungen dafür waren ein Land, das an Rohstoffen und landwirtschaftlichem Potenzial arm, aber an urbanen Zusammenballungen schon recht bald reich war und die Menschen schon früh nötigte, innovativ zu sein und sich dem Handel zu verschreiben. Zudem das Fehlen von Feudalstrukturen, besonders nach dem Exodus der Aristokratie in Folge der Vertreibung der Spanier. Wohl wird auch der kapitalistische Geist des Calvinismus seinen Beitrag geleistet haben, ebenso die Anziehungskraft der niederländischen Provinzen für Gebildete und freie Bürger aus ganz Europa (s. T).
V wie Van Gogh
Die Ausstellung im Van Gogh - Museum (s. M) vermittelt den Eindruck, dass er eigentlich nicht besonders begabt war. Die Perspektive hat er lange überhaupt nicht so richtig hinbekommen und die Proportionen waren mehr als einmal verunglückt. Aber Vincent war ein Malerei-Nerd der Sonderklasse und werkte wie besessen an seiner Kunst und an der Zauberkiste der Farbenlehre. Schließlich verpasste er den großen Ruhm nur ganz knapp, indem er zu früh aus dem Leben schied. Heute hängt sein Spätwerk millionenfach gepostert in Wohnzimmern auf der ganzen Welt. Und wir erkennen: das Leben steckt voller Möglichkeiten.
W wie Waag
Das älteste verbliebene mittelalterliche Stadttor von Amsterdam ist De Waag am Nieuwmarkt, das so heißt, weil hier früher die Bauern ihre Waren gewogen haben. Auch zogen hier zeitweise die Chirurgen ein, weswegen dort auch die Anatomievorlesung des Dr. Tulp stattgefunden haben dürfte, die Rembrandt (s. R) gemalt hat. Im Gebäude ist heute ein Café-Restaurant.
X wie XXX
Wir müssen es wahrscheinlich der schon mehrfach erwähnten Liberalität der Niederländer zuschreiben, dass der Pornokanal auf dem TV-Gerät in unserem Appartement mit dem mäßig originellen Code "1234" gesichert war. Wir, nichtsahnend und des Niederländischen nicht mächtig, hofften aber vor unserer erfolgreichen Entschlüsselung auf Film oder Sport, haben daher natürlich sofort erschrocken weiter gezappt. Fox Sports konnten wir dann leider nicht knacken.
Y wie Ypern
Ein Stadt im Westen von Belgien. Aber auch dort spricht man Niederländisch. Echt.
Z wie Zuiderzee
Also: Ursprünglich war da ein See. Dann kam es zu Überflutungen und es entstand für Jahrhunderte die Zuiderzee, wobei es sich um eine Meeresbucht handelte. In den 1930er Jahren baute man dann wieder Deiche und schuf das IJsselmeer, das ein See ist. Komische Sprache.
Fortsetzung von hier.
L wie Leinwand
Kinofilme sind in den Niederlanden wie in Skandinavien ganz generell in Originalsprache, mit landessprachlichen Untertiteln. Sehr gute Sache und eine gute Option für den späteren Abend.
M wie Museen
Gibt es sehr viele in Amsterdam. Was gut ist, weil es da an der Küste schon zuweilen regnen kann. So wurden wir nur ein bisschen nass, als wir eines Samstags vor dem Rijksmuseum am Museumsplein eine halbe Stunde auf unseren Einlass warten mussten. Es hat sich aber gelohnt, insbesondere, wenn man der großen Sammlung von Kunstwerken des so unglaublich produktiven 17. niederländischen Jahrhunderts gedenkt. Das Amsterdam Museum empfiehlt sich zum Auftakt eines Amsterdambesuchs, denn es stellt die Geschichte der Stadt in moderner und recht unterhaltender Weise dar. Im Van Gogh - Museum kann man die Entwicklung eines Malers nachvollziehen (s. V) und Konzerte besuchen. Das Stedeleijk Museum oder das Schifffahrtsmuseum haben wir dann zB gar nicht mehr geschafft.
N wie Nahrungsaufnahme
Jetzt einmal ehrlich: Wegen des Essens fährt eh niemand nach Holland. Die Nationalspeise ist ein Gericht, das übersetzt "Stampftopf" heißt und im Wesentlichen aus Kartoffeln und Gemüse zusammen gemanscht wird, worauf man ein Würstchen legt. Außerdem gibt es Pfannkuchen. Das eine Mal, wo wir wirklich einheimisch essen waren, glich mehr einem Raubüberfall, bei dem einem auch noch in den Magen geboxt wird. Aber es wäre unfair, das zu verallgemeinern, sonst war es auf sehr unspektakulärem Niveau solide. Am letzten Tag waren wir dann in einem der zahlreichen argentinischen Restaurants. Das war sehr gut.
O wie Ostindische Handelscompanie
Die Vereenigde Oostindische Compagnie mit Sitz in Amsterdam war Mitte des 17. Jahrhunderts der Handelsgigant der Weltmeere. Bei der Verfolgung ihrer Ziele war die Kompanie freilich, wie alle europäischen Kolonialisten, nicht gerade zimperlich. Man zerstörte Städte, massakrierte ganze Volksgruppen, hielt Sklaven und behandelte auch die eigenen Angestellten zuweilen eher wie Tiere als wie Menschen. Im 18. Jahrhundert ging es mit ihr zu Ende und in den Bankrott. Es gab auch ein westindisches Pendant, das unter anderem eine Insel namens Manhattan erwarb, die dann aber die Engländer weg nahmen.
P wie Prostitution
Ich bin ja jetzt kein puritanischer Verfechter ganz strenger Sittengesetze. Aber, Frauen, die sich öffentlich und spärlich bekleidet hinter Glas räkeln, so als wären sie lebendige Konsumwaren hinter einer Markttheke? Nicht meine Vorstellung von Menschenwürde. Im einschlägigen Viertel gibt's das übrigens auch am hellichten Tag.
Q wie Qual der Wahl
Die hat man hier wirklich. Amsterdam selbst bietet auf verhältnismäßig wenig Fläche (s. I) verhältnismäßig sehr viel Sehenswertes. Allein die diversen Museen (s. M) kann man tagelang besuchen. Dazu kommt, dass Amsterdam in der Randstad Holland gelegen ist, einem Netz von eng beisammen liegenden Städten, zu denen auch Den Haag, Utrecht, Rotterdam oder Delft gehören. Da wird einem nicht fad.
R wie Rembrandt van Rijn
Aus Leiden stammender Mann, der unter seinem Vornamen in die Kunstgeschichte eingegangen ist. Im Rembrandthuis im ehemaligen Judenviertel kann man sich ein Bild davon machen, wie er gelebt und Bilder gemacht hat. Das Haus wurde mit Hilfe von alten Inventarlisten und - no, na - Gemälden wieder in der Originalzustand versetzt. Es gibt dort auch einen Mann, der nicht gerne fotografiert wird, einem aber gerne demonstriert, wie man Radierungen anfertigt. Außerdem gibt es eine tolle Sammlung eben solcher, die vom Meister selbst stammen. Diese kleinen Kunstwerke haben mich wesentlich stärker beeindruckt als seine großen Gemälde (zB die "Nachtwache" im Rijksmuseum), die mir doch etwas düster (teilweise sicherlich auch zeitbedingt nachgedunkelt) scheinen und für meinen Geschmack etwas zu statische Darstellungen beinhalten. In biographischer Hinsicht erfährt man, dass auch Rembrandt seine düsteren Seiten hatte: sein Vermögen brachte er erfolgreich durch und eine Geliebte, die er nicht heiraten wollte, brachte er erfolgreich ins Spinhuis, das nicht so heißt, weil dort etwa irgendwelche spinnerten Frauen hingekommen wären, sondern weil die Frauen dort Zwangsarbeit leisten mussten.
S wie Säkularisierung
Zwar gibt es in den Niederlanden nach wie vor eine Minderheit strengst gläubiger Christen verschiedener Konfessionen, generell ist aber bekanntlich die Säkularisierung weit fortgeschritten. Das kann man auch in den großen Kirchen erkennen. In der Nieuwe Kerk fanden wir einen Ausstellung über die chinesische Ming-Dynastie vor, in der Oude Kerk gibt es ein Kaffeehaus, in der Zuiderkerk finden Kongresse statt. Das stelle man sich einmal in Wien vor.
| Die Oude Kerk. |
T wie Toleranz
Hat in Amsterdam Tradition. Weil in Amsterdam schon im 17. Jahrhundert mehr als nur eine Glaubensrichtung geduldet wurde, zogen viele religiös und weltanschaulich Verfolgte hierher. Dabei waren es eher die Wohlhabenden und Gebildeten, die es schafften, sich ansässig zu machen, denn man wurde durch Sonderabgaben für Neuzuziehende und Andersgläubige sowie durch die generell hohen Steuern ganz ordentlich zur Kassa gebeten. Womit sich die Toleranz für die protestantischen Regierenden auch finanziell sehr ausgezahlt hat (s. U). Damit sich das nicht änderte, hielten sie die Zügel fest in der Hand und ließen gerade so viel Meinungsfreiheit und Mitbestimmung zu, wie ihnen noch akzeptabel erschien. Da war aber immer noch deutlich mehr als irgendwo sonst in Europa. Weswegen das Verlagswesen erblühte und es die philosophischen, naturwissenschaftlichen, aber auch literarischen Autoren in Scharen zu den hiesigen Verlagen zog.
U wie Unternehmergeist
Hat in Amsterdam auch Tradition. Angefangen hat es mit Heringen und deutschem Bier. Irgendwann kamen dann die Tulpenzwiebel (inklusive dramatischer Spekulationsblase), das spanische Gold und schließlich die Gewürze der Ostindischen Handelscompanie (s. O). Durch alle politischen Wirren und Kriegshändel hindurch waren die Menschen in Amsterdam immer sehr gut und erfolgreich darin, Geschäfte zu machen. Im 17. Jahrhundert, dem "Goldenen Zeitalter" erblühten die Niederlande und mit ihnen Amsterdam wirtschaftlich vollends. Voraussetzungen dafür waren ein Land, das an Rohstoffen und landwirtschaftlichem Potenzial arm, aber an urbanen Zusammenballungen schon recht bald reich war und die Menschen schon früh nötigte, innovativ zu sein und sich dem Handel zu verschreiben. Zudem das Fehlen von Feudalstrukturen, besonders nach dem Exodus der Aristokratie in Folge der Vertreibung der Spanier. Wohl wird auch der kapitalistische Geist des Calvinismus seinen Beitrag geleistet haben, ebenso die Anziehungskraft der niederländischen Provinzen für Gebildete und freie Bürger aus ganz Europa (s. T).
V wie Van Gogh
Die Ausstellung im Van Gogh - Museum (s. M) vermittelt den Eindruck, dass er eigentlich nicht besonders begabt war. Die Perspektive hat er lange überhaupt nicht so richtig hinbekommen und die Proportionen waren mehr als einmal verunglückt. Aber Vincent war ein Malerei-Nerd der Sonderklasse und werkte wie besessen an seiner Kunst und an der Zauberkiste der Farbenlehre. Schließlich verpasste er den großen Ruhm nur ganz knapp, indem er zu früh aus dem Leben schied. Heute hängt sein Spätwerk millionenfach gepostert in Wohnzimmern auf der ganzen Welt. Und wir erkennen: das Leben steckt voller Möglichkeiten.
W wie Waag
Das älteste verbliebene mittelalterliche Stadttor von Amsterdam ist De Waag am Nieuwmarkt, das so heißt, weil hier früher die Bauern ihre Waren gewogen haben. Auch zogen hier zeitweise die Chirurgen ein, weswegen dort auch die Anatomievorlesung des Dr. Tulp stattgefunden haben dürfte, die Rembrandt (s. R) gemalt hat. Im Gebäude ist heute ein Café-Restaurant.
| De Waag. |
X wie XXX
Wir müssen es wahrscheinlich der schon mehrfach erwähnten Liberalität der Niederländer zuschreiben, dass der Pornokanal auf dem TV-Gerät in unserem Appartement mit dem mäßig originellen Code "1234" gesichert war. Wir, nichtsahnend und des Niederländischen nicht mächtig, hofften aber vor unserer erfolgreichen Entschlüsselung auf Film oder Sport, haben daher natürlich sofort erschrocken weiter gezappt. Fox Sports konnten wir dann leider nicht knacken.
Y wie Ypern
Ein Stadt im Westen von Belgien. Aber auch dort spricht man Niederländisch. Echt.
Z wie Zuiderzee
Also: Ursprünglich war da ein See. Dann kam es zu Überflutungen und es entstand für Jahrhunderte die Zuiderzee, wobei es sich um eine Meeresbucht handelte. In den 1930er Jahren baute man dann wieder Deiche und schuf das IJsselmeer, das ein See ist. Komische Sprache.
Freitag, 25. Oktober 2013
Mittwoch, 23. Oktober 2013
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