Sonntag, 20. Juli 2014

Brasilien 2014 # 8 : Die WM der Geschmäcke, Teil 1

Der letzte Pfiff wurde gepfiffen. Jogi Löw hat die Lebenspartnerinnen seiner Spieler umarmt. Lionel Messi hat den "Goldenen Ball" im nächsten Container entsorgt. Ganz Brasilien fragt sich, was das Ganze gebracht haben soll.

Neben den Deutschen und dem FIFA-Säckelwart gibt es noch einen weiteren klaren Gewinner: meinen Geschmackssinn. Der hat während der Weltmeisterschaft zahlreiche neue Gerichte aus aller Welt kennen gelernt. 19 der 32 Nationen hat Sarah in den Wochen des Turniers in der Gestalt landestypischer Speisen gekocht und durfte ich folglich verkosten.

Wie aber wäre der Wettbewerb ausgegangen, wenn statt Müller, Messi, James und Co eben jene Mahlzeiten in den Ring gestiegen wären? Das habe ich spaßeshalber durchgespielt.


Die Gruppenphase (nicht gekochte kursiv)

Gruppe A: Brasilien, Kroatien, Mexiko, Kamerun


1. Kamerun -  Ndole 

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Ich meine, immerhin hat Sarah erst einmal eine Yamswurzel auftreiben müssen. Im Gemüseregal vom Nahversorger gibt es da nicht. Zum Glück haben wir einen Afrika-Shop ums Eck und die haben ein Telefon und konnten eine Yamswurzel organisieren - nicht direkt aus Afrika, aber es hat doch etwas gedauert (im Original schaut das übrigens so aus). Bei Ndole wird die gekochte Yamswurzel (gut kochen, sonst ist sie toxisch!) in ein Spinatgericht gelegt. Muss ich nicht im Übermaß haben und nicht jeden Tag. Aber für den Gruppensieg gegen die konventionellere Konkurrenz reicht es einmal.


2. Brasilien - Huhn, Mango und Ananas in Kokosmilch

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Die Kombination kann nicht allzu viel falsch machen. Platz 2 und die Qualifikation fürs Achtelfinale geht sich aus.


3. Mexiko - Chili sin Carne

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Bitte nicht falsch verstehen. Das mexikanische Chili ist imho eine der wichtigsten Erfindungen in der Geschichte des Essens und vielleicht der Menschheit überhaupt. Und die fleischlose Variante ist angesichts der Probleme der Welt eine mehr als sinnvolle..äh..Ergänzung. Aber bei einer Weltmeisterschaft geht es ja auch darum, dass man nicht allzu ausrechenbar ist, sondern womöglich mit neuem Spielssystem überrascht. Daher leider raus.


4. Kroatien - nicht gekocht 



Gruppe B: Spanien, Niederlande, Chile, Australien


1. Niederlande - Erwtensoep

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Eine schöne, schaumige Erbsensuppe. Mit Wurststückchen drin! Gewinnt nicht nur den Preis für das hübschseste Essen, sondern ist auch leicht zuzubereiten und schmeckt famos. Ergo habe ich sogar ich das nachkochen müssen, was was heißen will.


2. Chile - Pebre-Sauce mit chilenischem Wein

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In die Pebre-Sauce kommt so ziemlich alles, was für eine gute, scharfe Sauce recht und schön ist: Chili, Knoblauch, Zwiebel und außerdem Koriander (okay, in Punkto "gut" würde mir Sarah bei letzterem widersprechen). Dann braucht man eigentlich nur mehr etwas Festes zum Hineindippen oder -schwenken. Kann man zB auf Grillfeste mitbringen.


3. Australien - Pavlova

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Weil landestypisch australisch zu essen bedeuten würde, dass man Tierarten verkochen müsste, die man bei uns legal vermutlich gar nicht bekommen kann, eine Baiser-Torte, die nach einer eingewanderten Balletttänzerin benannt ist. Gut, aber haut den gelernten Österreicher nicht um. 


4. Spanien - Andalusischer Salat

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Auch nicht so schlecht, aber diese Gruppe war zu stark für Spanien. Eine wahre "Todesgruppe".



Gruppe C: Kolumbien, Griechenland, Elfenbeinküste, Japan


1. Elfenbeinküste - Fufu in Erdnusssauce

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Yamswurzel hatten wir ja noch übrig (s. Gruppe A). Und der sich nach Maroni-Kartoffel-Hybrid anfühlende Geschmack dieses Gemüses wurde nun in Fufu-Brei gepackt und sodann in vollendeter Weise durch die famose Erdnusssauce aufgefangen. Gibt es irgend etwas, was man nicht in Erdnusssauce tunken kann? Ich kann es mir nicht vorstellen.

2. Kolumbien, Griechenland, Japan - nicht gekocht


Gruppe D: Italien, Uruguay, England, Costa Rica


1. England - Fishfingers and Custard

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Oh My God! Sensation! Prinz Charles kratzt sich ungläubig am Ohr. England ist Gruppensieger und das beim einzigen Wettbewerb, wo das noch unwahrscheinlicher erscheint als im Fußball. Und wie meistens bei den wirklich wichtigen Leistungen der britischen Kultur handelt sich eigentlich um einen Witz. Aber das Gericht, das ein hungriger "Dr. Who" in der gleichnamigen Fernsehserie spontan erfunden hat, kann man durchaus essen.


2. Costa Rica - Gallo Pinto

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Gallo Pinto ist ein Gericht aus Reis und Bohnen, hier gereicht mit Bananen, Maischips und Rahm, das Costaricaner gerne zum Frühstück verspeisen. Genauso wie Fußballweltmeister (Vizeweltmeister und deren Furcht erregende Ersatztorhüter werden dann zum Problem).


3. Italien, Uruguay - nicht gekocht 


Fortsetzung folgt..

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