Mittwoch, 24. Oktober 2012

Mad Men

Seit einiger Zeit schauen wir uns durch die vorhandenen "Mad Men"-Staffeln. Mit durchaus gemischten Gefühlen. Wirklich erbaulich sind die Vorgänge in der Madison Avenue und deren privatem Umfeld ja nicht. Eine auf unheimliche Weise hermetisch wirkende, frostig-hoffnungslose Welt ist das, die uns da aus den Sechziger Jahren entgegen blickt. Es ist eine Verkehrung nostalgischer Emotionen ganz in ihr Gegenteil, die wir erleben. Es befremdet uns, zugleich aber ängstigen uns jene Aneile, die uns so vertraut scheinen.

Natürlich arbeitet "Mad Men" auch mit dem Mittel der Nostalgie, zeigt uns Designs, Lebensart der frühen Sechziger, die heute auf so viel Interesse und Gegenliebe stoßen. Doch die Serie konzentriert sich auf die inneren Landschaften der Protagonisten, ihre Zweifel und ihr seelisches Gefangensein. Wer angesichts des Settings in einer Werbeagentur eine bunte Führung durch eine erblühende Wirtschaftswunderwelt erwartet, dessen Erwartungen werden nicht ganz erfüllt. Auch die sich entfaltenden, historischen Geschehnisse scheinen  eher schmückendes Beiwerk zu bleiben, das von außen in die Welt der Charaktere hinein leuchtet.

Die Erzählweise ist insgesamt ruhig, fast schleppend, was allerdings nicht heißt, dass der nicht in der englische Sprache aufgewachsene Zuschauer nicht seine Schwierigkeiten hätte, jede verbale Pointe zu kapieren. Manchmal, zumal in der ersten Staffel, ertappt man sich bei dem Wunsch nach etwas mehr Tempo, mehr Wechsel. "Mad Men" aber nimmt sich Zeit, Handlungsstränge zu entwickeln.

Das finde ich letztlich natürlich schön - ein dringend benötigter Gegenpol zu jenen populären TV-Serien, in denen die Handlung stets hysterisch von einem "Höhepunkt" zum nächsten taumeln muss. Vielleicht darf ich so kühn sein und die These aufstellen, dass wir hier möglicherweise sogar dem an sich recht unappetitlichen Genre des Reality-TV zu Dank verpflichtet sind. Weil es nämlich den TV-Machern zeigt, dass man auch einmal ein kleines bisschen langweilen darf, wenn man es dafür schafft, ein wenig Authentizität zu vermitteln.

Sollte es einen freilich allzu bleischwer hinunter gezogen haben, in diese "Mad Men"-Welt, gibt es jederzeit Auswege. Wenn einen etwa die ewige Leidensmiene von "Mad Men" - Hauptprotagonist Don Draper, gespielt von Jon Hamm, noch nach Abschalten des TV-Gerätes allzu sehr verfolgt, kann man sich zB dieses Video anschauen. Als ich es zum ersten Mal gesehen und in der Folge gepostet habe, war mir der Darsteller gänzlich unbekannt. Welch schöner "Aha"-Effekt, als ich es wieder einmal zufällig angeklickt habe.

Jon Hamm scheint sich überhaupt ganz gerne in schrägen Musikvideos auszutoben, wie ein interessantes Exemplar zu Aimee Manns neuem Album zeigt:

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Danke für die Mad Men Rezension. Ich schaue seit einigen Jahren Mad Men auf SF2 an. Also sogar noch im Original Wochenrhythmus, was wirklich angenehm ist. Eine tolle Serie, wobei sie auch nicht an meine Lieblingsserie Six Feet Under kommt. (So viele Serien habe ich nicht gesehen, aber man wählt gut aus).
Weiterhin viel Spass. Der Ex-Werber AW.