Mittwoch, 25. Juni 2008

Das Rollen der Glaskugel

Die Euro 2008 ist fast schon wieder Geschichte. Doch das Beste kommt erst! Ich habe einen Blick mit meinem zweiten Auge gewagt, in die Zukunft nämlich.


Mittwoch, 25.6.2008:

Während ich in einer wichtigen Vereinssitzung weile, überrascht Jogi Löw die Sportöffentlichkeit, den türkischen Gegner und die 120.000 türkischen Anhänger im Baseler St. Jakob-Park mit einer Aufstellungsvariante mit 4 Stürmern und 6 defensiven Mittelfeldspielern. Die deutschen Sportkommentatoren und Martin Blumenau jubeln über den mutigen und modernen Ansatz des deutschen Spieles. Jogi Löw wird allerdings in der 14. Minute dabei erwischt, wie er dem vierten Schiedsrichter einen nicht regelkonformen Blick zuwirft und von der UEFA daraufhin standrechtlich in die Erdumlaufbahn geschossen.

Bis zur 91. Spielminute führen die Deutschen durch drei Treffer des auf Betreiben von Franz Beckenbauer im Eilverfahren eingebürgerten und nachnominierten Martin Harnik dennoch mit 3:0. Die Türken, die aufgrund ihrer personellen Probleme nur mit 9 Mann, darunter zwei Torhütern als Doppelspitze, dem Zeugwart und dem Busfahrer in der Aussenverteidigung, dem unverwüstlichen Innenverteidiger Servet im Rollstuhl und mit Gipsfuß sowie dem Mannschaftsesel Börek als Spielgestalter im Mittelfeld, antreten, schaffen es jedoch noch, innerhalb der zwei-minütigen Nachspielzeit ein 3:3 zu erreichen.

In der 119. Spielminute wähnen sich die Anhänger der deutschen Mannschaft aber dann doch schon im Finale, als Rüstü im türkischen Kasten, der sich gerade darüber freut, dass er es erstmals in diesem Turnier geschafft hat, einen Ball festzuhalten, von Michael Ballack samt dem Spielgerät zum 4:3 über die Torlinie getreten wird. Im Anschluss daran muss der an der Strafraumgrenze herumtobende türkische Trainer Fatih Terim vom Schweizer Schiedsrichter Busacca erstmals nachdrücklich ermahnt werden. Doch die Türken, die nach drei Ausschlüssen und vier Verletzungen mittlerweile auf den eingewechselten Semih Sentürk und Börek, den Mannschaftsesel, (sowie den am Spielfeld herumtobenden Fatih Terim) reduziert sind, schaffen in der 120. Minute noch den kaum mehr für möglich gehaltenen Ausgleich. In der 121. Spielminute schliesslich fixiert der eben eingewechselte Mario Gomez, der im türkischen Strafraum plötzlich völlig frei zum Ball kommt, aus vier Metern Entfernung zum türkischen Tor den 5:4-Endstand für die Türkei. Jens Lehmann ist chancenlos. Der türkische Ministerpräsident Erdogan und sein nicht minder berühmter Zwillingsbruder Kevin Spacey fallen sich auf der Tribüne in die Arme. Angela Merkel verzieht keine Miene, zieht ihr Cape an und fliegt aus dem Stadion.

Donnerstag, 26.6.2008:

Bereits am Tag zuvor ist es zu einem Eklat gekommen, als einige russische und spanische Spieler im IKEA in der SCS an der Kinderrutsche beinahe handgreiflich aneinander geraten sind und in der Folge von ihren Müttern abgeholt werden mussten. Guus Hiddink streicht seinen Spielern das Taschengeld und Luis Aragones sperrt sie unter wüsten Beschimpfungen über Nacht in den Keller des Hotels Milderer Hof im Stubaital.

Angesichts dieser Ereignisse wird der Begegnung mit großer Unruhe entgegengesehen. Doch um 12.00 Uhr des Spieltages kapituliert die spanische Regierung endlich nach vier Tagen astronomischer Strompreise unter dem Druck vieler anderer europäischer Länder und zieht ihre Mannschaft vom Turnier zurück. Als Begründung für den ungewöhnlichen Schritt führt Ministerpräsident Zapatero lapidar an, die Nationalmannschaft habe sich "unspanisch" verhalten und kündigt entsprechende Vorerhebungen gegen alle Beteiligten an.

Sonntag, 29.6.2008:

Vor 190.000 türkischen Fans geht im Wiener Ernst-Happel Stadion das Finale der Euro 2008 über die Bühne. Die Türkei tritt mit einer Notmannschaft an, bestehend aus 5 Akteuren: Börek, Servet, der in einem Notbett des Donauspitals und im künstlichen Tiefschlaf antritt, die Mannschaftsziege Mekhmekh, die als "Rasenmäher" im defensiven Mittelfeld agieren soll, Fatih Terims Frau, sowie ein Kebapspieß im Tor (Volkan ist trotz abgelaufener Sperre nach einer Schlägerei mit einem Anabolika-Dealer leider nicht einsatzfähig). Die Russen spielen in Bestbesetzung.

Nach 45 Minuten steht es 42:1 für Russland, wobei Pawljutschenko zwei Dutzend hochkarätige Torchancen ausgelassen hat, sowie Arshawin mit Mekhmekh anfangs mehr Schwierigkeiten gehabt hat als erwartet. Bereits in der 27. Spielminute beginnen die russischen Betreuer zur Feier des Tages anstelle der isotonischen Getränke Wodka zu reichen, was sich zunehmend auf die Spielkultur der Russen auswirkt. So gelingt auch noch kurz vor der Pause Fatih Terims Frau mit einem herrlichen Fallrückzieher der Anschlusstreffer zum 1:42.

In der Halbzeitpause müssen die Russen in ihrer Umkleidekabine die fürchterliche Entdeckung machen, dass sich Trix und Flix dort soeben erhängt haben. Um die Situation besser verkraften zu können, ordern sie noch mehr Wodka, Frauen und Cheeseburger.

Die russische Mannschaft kommt 15 Minuten zu spät auf das Spielfeld zurück und muss feststellen, dass Schiedsrichter Rosetti die Partei bereits wieder angepfiffen hat, die Türken Anstoß hatten und den Treffer zum 2:42 erzielt haben. In weiterer Folge stellt der Referee auch noch fest, dass das Schuhwerk von Arshawin sowie von Zhirkow insofern nicht regelkonform ist, als darin offensichtlich Düsen ausrangierter MiG-Kampfflugzeuge verbaut sind. In einer beispiellos mutigen Entscheidung beschließt er, sämtliche von diesen beiden Spielern erzielte Treffer abzuerkennen, sodaß der Spielstand auf 18:2 für Russland korrigiert werden muss. In der Folge gerät eine zunehmend unkoordinierter agierende Sbornaja gegen die wütend anrennende Frau von Fatih Terim immer mehr in die Defensive. Als diese in der 89. Minute durch einen wunderbaren Flugkopftuchball das 13:19 erzielt, kommt wieder Leben in die türkischen Ränge, während 23 wohlbeleibte Russen mit nackten Oberkörpern nervös auf ihren Stühlen hin- und herrutschen. Fatih Terim entschließt sich, alles auf eine Karte zu setzen und wechselt sich selbst sowie seinen Edeljoker Semih Sentürk ein. Beim Spielstand von 19:19 findet der einzige überzeugte Antialkoholiker im Dress der Russen, Roman Pawljutschenko, in der 93. Spielminute plötzlich die Chance zum alles entscheidenden Siegtreffer vor, doch er scheitert an dem Kebapspieß.

Als im Gegenzug Semih Sentürk zum 20:19 trifft, geht im Stadion plötzlich und unerwartet die Flutlichtanlage aus, doch Schiri Roberto Rosetti reagiert geistesgegenwärtig und pfeift die Begegnung einfach ab. Die Türkei ist Europameister.
In der türkischen Kabine kommt es zu einem tränenreichen Wiedersehen mit Fatih Terim, der in der 90. Minute nach einer rüden Attacke an Andreij Arshawin die rote Karte gesehen hat.


Was nach der Euro noch geschah:

Die spanische Fußballnationalmannschaft wurde nach ihrer Heimkehr wegen "unspanischen Verhaltens" vor Gericht gestellt. Luis Aragones bezeichnete den Richter Baltasar Garzon während laufender Verhandlung als (Zitat!) "schwule Schwuchtel" und wurde mitsamt seinen Spielern auf die Kanaren verbannt. Luis Torres eröffnete einen Sangria-Stand am Strand und der Haarschopf von Carles Puyol wurde zum Naturschutzgebiet erklärt.

Die Portugiesen erwirkten bei der UEFA eine historische Regelung, wonach Mannschaften, die in großen internationalen Wettbewerben auf Portugal treffen
eine Durchschnittsgröße von 1,65 m nicht überschreiten dürfen. Diese neue UEFA-Regel ging als "Lex Germania" in die Geschichtsbücher ein.

In Italien erliess Silvio Berlusconi ein Gesetz, das mit rückwirkender Wirkung sämtliche Begegnungen, die nicht mindestens 3:0 für Italien und/oder den AC Mailand geendet haben, annullierte.

In Frankreich wurde Raymond Domenech wegens seiner machtvollen Stellung als Großmeister diverser esoterischer Logen als Teamchef bestätigt. Auf Anraten seines Hofastrologen beschloss er, in Hinkunft nur mehr Spieler einzuberufen, die am 3.3.1933 Geburtstag haben. Die so neuformierte französisches Mannschaft trat erstmals in der WM-Qualifikation gegen Österreich an und erreichte immerhin ein 0:0.

Henrik Larsson verkündete vor laufender Kamera, dass er erst endgültig aus der schwedischen Nationalmannschaft zurücktreten würde, wenn er mit dieser einen großen Titel gewonnen hätte. Er wurde in der Folge sofort von Mitarbeitern der Königlichen Nervenklinik Helsingborg abgeholt.

Jogi Löw verliess die Erdumlaufbahn und war der erste Mensch, der mit einer außerirdischen Zivilisation Kontakt aufnahm. Er wurde zurückgeschickt und die Außerirdischen drehten um. Zurück auf der Erde zog er mit Hansi Flick in ein schmuckes Haus an einem Amsterdamer Kanal, wo er Nationaltrainer der Niederlande wurde.

Edwin van der Sar beendete allerdings zuvor seine Nationalmannschaftskarriere und arbeitete fortan als Windmühle in einer auf reiche russische Touristen spezialisierten Minigolfanlage in Dordrecht.

Jan Koller wurde ins Guiness Buch der Rekorde aufgenommen, weil sich aufgrund der Beobachtungen von Jogi Löw herausstellte, dass die Chinesische Mauer nicht das einzige menschenbezogene Objekt ist, dass man vom Mond aus sehen kann.

In Griechenland geschah gar nichts.

Adrian Mutu hörte 40 Tage und 40 Nächte nach dem vergebenen Elfer gegen Italien zu weinen auf. Er ging in ein Kloster in den Waldkarpaten, wo er sich auf Teufelsaustreibungen spezialisierte und die örtliche Nonnenmannschaft trainierte.

Die kroatischen Fußballer wurden trotz des unglücklichen Ausscheidens gegen die Türkei triumphal in ihrem Heimatland empfangen. Slaven Bilic erklärte zu Tränen gerührt: "Hier zeigt sich wieder einmal, dass dies von all jenen Nationen, die sich nie, niemals irgendetwas zu schulden kommen haben lassen, die mit Abstand großartigste und beste ist"! Bilic wurde sodann auf den Schultern von 12 blumenbekränzten Jungfrauen, von denen 9 mutmaßliche Kriegsverbrecher waren, durch die Straßen von Zagreb getragen.

Der Erzprimas von Polen erklärte, die Euro 2008 habe gezeigt, dass die Fußballeuropameisterschaft Teufelswerk sei und schloss die UEFA im Namen der Heiligen Jungfrau von Tschentschochau aus der Katholischen Kirche aus.

Josef Hickersberger schaffte es, sein Golfhandicap neuerlich merklich zu verbessern.

Guus Hiddink übernahm die Nationalmannschaft von Äquatorialguinea und führte sie bis ins Finale der Weltmeisterschaft 2010. Nachdem er im Viertelfinale Holland und im Halbfinale das Frankreich der Post-Domenech-Ära (der beim Versuch, Gold zu machen, zu einer Salzsäule erstarrt war) mit dem reaktivierten Zinedine Zidane eliminiert hatte, endete der Siegeszug im Finale an einer sehr erfahrenen schwedischen Mannschaft, bei der Henrik Larsson zwei Treffer erzielte.

Besiktas Istanbul verpflichtete den Kebapspieß aus dem Europameisterschaftsfinale und setzte Rüstü auf die Ersatzbank.

Die englischen Gazetten kannten indes am Tag nach dem Euro-Endspiel nur ein Thema: Amy Winehouse ist schwanger und der Vater laut ihren eigenen Angaben ein 3-köpfiges Alien vom Planeten Melmac (Pete Doherty zufolge soll es sich aber um einen 3-Meter großes Kaninchen mit den Augen von Winston Churchill gehandelt haben). Die "Times" erwähnten das Europameisterschaftsfinale unter "Vermischtes".

Kommentare:

Paul hat gesagt…

LOL!

CGint hat gesagt…

zum schieflachen!
Wann wird das verfilmt ?

LG

finette hat gesagt…

das wetter hat mich etwas depressiv gemacht, dieser Blick in die Kristallkugel hat mich aber richtig zum Lachen gebracht!!!