Dienstag, 29. Dezember 2009

Rückblog 09 # 1: Bilder des Jahres, 1/3

Ich habe auch dieses Jahr wieder die Fotoordner auf meiner Festplatte durchstöbert und versucht, herauszugreifen, was herzeigenswert erscheint. Dabei musste ich feststellen, dass sich (im Gegensatz zum Vorjahr) diesmal wenige Bilder wirklich aufdrängen. Ich möchte nicht missverstanden werden: es sind viele ordentliche Aufnahmen dabei - aber es fehlt eben das, was heraussticht. Nichtsdestotrotz habe ich wieder 15 Bilder ausgewählt. Wie schon 2008 resultiert die getroffene Auswahl aus einer Balance von Bildqualität, Relevanz des Festgehaltenen und Witz.

Wo möglich habe ich die passenden Postings verlinkt.


15



Kreisky, Spinnerei, Traun, 18.4.2009 (eine meiner drei Begegnungen mit der Band)


14




Knödel-Akademie, stolz absolviert, Linz, 24.8.2009 (Bild: Sarah Berger)


13



Sonnenwende, Pameth (Maria Anzbach), 27.6.2009

12



Kunst im Entstehen, Cesky Krumlov (Krumau), 31.1.2009

11




Komischer Kaktus, Botanischer Garten Linz, 5.4.2009

Montag, 28. Dezember 2009

Cover Oddity # 4

In den 60er Jahren, als man vom durchschnittlichen Musikendkonsumenten noch nicht allzu viel an Weltläufigkeit verlangen konnte und wollte, war es gar nicht so selten, dass internationale Musikstars ihre Hits auch in fremden Sprachen einspielten, um neue Märkte zu erschließen. Die entsprechenden Versuche der Beatles ("Komm´ gib mir deine Hand") sind ja hinlänglich bekannt.

Dass das aber auch Johnny Cash gemacht hat, war mir ehrlich gesagt bis vor kurzem nicht bekannt.




Freitag, 25. Dezember 2009

Gebt mir eure Favoriten!

Auch diesmal will ich es wieder wissen. Was hat euch im zu Ende gehenden Jahr 2009 begeistert, was war gut, richtig und wahr?

An der Jahresumfrage 2008 haben sich 13 LeserInnen beteiligt. Einer erhält demnächst einen Preis dafür. Auch nächstes Jahr wird wieder ausgelost werden, nur dass es diesmal einen ganzen Korb mit Preisen - fünf an der Zahl - gibt, aus denen sich die fünf (!) Gezogenen der Reihe nach bedienen dürfen.

Die Chancen auf einen dieser fantastischen Preise (die auf diesem Blog bald vorgestellt werden) stehen also gut. Wie letztes Jahr ist es keineswegs erforderlich, sämtliche Kategorien (es sind übrigens zwei dazugekommen) zu beantworten, eine reicht für die Teilnahme aus.

Die Kategorien der Jahresumfrage sind:

Bester Film, 2009 im Kino gesehen

Am liebsten gehörtes Musikalbum 2009 (muss nicht 2009 erschienen sein)

Am liebsten gehörtes Musikstück 2009 (muss nicht 2009 erschienen sein)

Bestes Konzert 2009

Lieblingsbuch 2009

Das Schönste überhaupt im Jahr 2009

UND, aus besonderem Anlass:

Wer wird 2010 Fußballweltmeister?


Wie gesagt, eine Kategorie und man ist dabei. Natürlich freue ich mich aber über möglichst zahlreiche Antworten.

Die Antwort kann hier als Kommentar gepostet (wird dann nicht gleich veröffentlicht), an einwinzer@gmx.at geschickt oder mir sonst auf sämtlichen euch bekannten Wegen übermittelt werden!

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Rückblog 08 # 7: Die große Entscheidung

Wer wird fürstlich für die Teilnahme an der Winzerschen Jahresumfrage 2008 belohnt?

Die Antwort geben mein Rechtsbeistand und ich in den folgenden Videoaufnahmen:


Erster Teil:

video

Zweiter Teil:


video

Dienstag, 22. Dezember 2009

Rückblog 08 # 6: Rasantes Finale, Teil 2

Nur noch zwei Postings - dieses mit eingeschlossen - bis zum Ende des scheinbar endlosen Jahresrückblickes (Zitat Sarah: "Das interessiert doch keinen mehr!" - Als ob das beim Jahresrückblick ein Kriterium wäre..).

Die am liebsten gehörten Musikstücke 2008


F.A., Musikpädagoge und Organist: Richard Wagner - Karfreitagszauber (Monaco Symphonie Orchester, Jordan)

G.S., Altenpfleger: James Blunt - No Bravery

G.Z., Student (Sozialwirtschaft): Morrissey - I Have Forgiven Jesus

J.R., angehender Steuerberater: Robert Wyatt - Shipbuilding

M.G., Soundtechniker und Verbandsvizepräsident: Lotek Hifi - Percolator


P.F., Freier Journalist: Leonard Cohen - So Long, Marianne

S.B., Studentin (Mathe und Physik, Lehramt): Joy Division - Love Will Tear Us Apart



V.S., Künstlerin und Unidozentin: 1) Peter Fox - Alles neu, 2) The Ting Tings - Shut Up And Let Me Go

Eine knappe Entscheidung habe ich noch bekannt zu geben: Ich habe beschlossen, die ebenfalls erfragten "schönsten Momente 2008" wegzulassen. Diese Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen, da mir die befragten LeserInnen wirklich sehr schöne Momente genannt haben. Allerdings glaube ich, dass diese Kategorie sehr stark durch die Unmittelbarkeit des Erlebten geprägt ist. Daher ist es dafür wohl jetzt schon etwas zu spät.

Noch nicht zu spät war es hingegen dafür, unter den TeilnehmerInnen der Umfrage eine(n) Gewinner/in zu verlosen, der/die einen individuellen Preis erhält. Diese Auslosung wurde unter Aufsicht meines gestrengen Rechtsbeistandes durchgeführt und wird morgen in Form eines Videos, welches das Prozedere unbestechlich dokumentiert hat, publik gemacht.

Montag, 21. Dezember 2009

Rückblog 08 # 6: Rasantes Finale, Teil 1

Ich werde immer wieder daran erinnert, dass ich meinen Jahresrückblick auf das Jahr 2008 noch nicht abgeschlossen habe.

Es ist ja jetzt fast schon 2010 und da erscheint es doch irgendwie opportun, den Rückblick auf das Jahr 2008 so rasch wie möglich zu Ende zu bringen. Im Jahr 2010 noch auf 2008 zurückzublicken, geht irgendwie gar nicht. Da jetzt wirklich nur mehr ein paar Tage bleiben, um das zu verhindern, sind gravierende Einschnitte vonnöten.

Das bedeutet zum Beispiel, dass ihr über die Plätze 10-6 meiner Lieblingsplatten im Jahr 2008 deutlich mehr erfahren habt, als ihr über die fünf in diesem Ranking Bestplatzierten (zumindest von mir) je erfahren werdet .

Aber vorenthalten will ich sie euch dann doch nicht.

05
R.E.M. - Accelerate
Label: Warner Bros.
Jahr: 2008
Genre: Alternative Rock

Und die Augen bewegen sich noch.


04
Jethro Tull - Songs From The Wood
Label: Chrysalis
Jahr: 1977 (Remastered 2003)
Genre: Progfolkrock

Der Zauber des Waldes, zwischenzeitlich von Motorsägen gebrochen.


03
The Beatles - Abbey Road
Label: Safari/EMI
Jahr: 1969 (Remastered 1987)
Genre: Pop

Diese Straße muss jeder einmal queren, der die Popmusik achtet. Egal, ob remastered oder nicht.


02
The Indelicates - American Demo
Label: Weekender Records
Jahr: 2008
Genre: Indieartfolkrock

Dies ist keine Demo, dies ist eine Demonstration.


01
The Wombats - A Guide To Love, Loss And Desperation
Label: 14th Floor Records
Jahr: 2008
Genre: Britrock

Let´s dance to the Wombats!


Vier britische Bands voran - beachtlich. Im Jahr zuvor war kein einziger Vertreter des UK in den Top Ten.


Bleibt noch, die Ergebnisse meiner Leserumfrage zum Thema "Meine Lieblingsplatte ´08" zu präsentieren..

Bitteschön!


A.W., Werber: "Beck - Modern Guilt"

F.A., Musikpädagoge und Organist: "Richard Wagner - Parsifal (Monaco Symphonie Orchester, Jordan), sehr gefühlsintensiv."

G.P., Meteorologe: "Kann ich nicht sagen, da ich Musik im Allgemeinen nicht albenweisen konsumiere, aber die neuen Werke von den Little Ones, den White Lies, Beck, den Kings Of Leon, TV On The Radio, Fuzzman und - ja , ich weiß es ist unoriginell, aber trotzdem - MGMT würden in einer engeren Auswahl stehen."

G.S., Altenpfleger: "Tom Waits - Used Songs 1973-1980"

G.Z., Student (Sozialwirtschaft): "Beirut - The Flying Club Cup"

J.R., angehender Steuerberater: "Townes Van Zandt - Flyin´Shoes"

M.G., Soundtechniker und Verbandsvizepräsident: "Sergeij Rachmaninoff - Klavierkonzert Nr.3, Op. 30 (Martha Argerich), Martha Argerich sensationell!"

M.P., Maturant: "Falco - Out Of The Dark (Into The Light)"

P.F., Freier Journalist: "Flogging Molly - Within A Mile Of Home"

S.B., Studentin (Mathe und Physik Lehramt): "Ich weiß nicht - ich mag dein französisches Album gerne; und auch dein 1968er Album..Aber ich selber höre Musik ja selten als Album."

S.F., Pädagogin: "Christy Moore - Traveller"

T.F., Redakteur: "Bloc Party - Intimacy"

V.S., Künstlerin und Unidozentin: "Santigold - Santogold, war das einzige Album, dass ich in dem Jahr erstanden habe. Mag am Musik-Überfluss durch meinen Job beim Musikfernsehen liegen."


Demnächst: Die am liebsten gehörten Musikstücke 2008 und die große Auslosung des diesjährigen Umfragen-Gewinners!

Sonntag, 20. Dezember 2009

Freitag, 18. Dezember 2009

Willard Wigan

Jetzt wo auch die Süddeutsche Zeitung oder der ORF darüber berichten, muss man es fast schon für real halten.

Obwohl man es immer noch kaum glauben mag und sich in einer britischen Satire wähnt.


Dienstag, 15. Dezember 2009

Montag, 14. Dezember 2009

Schwäbische Einblicke

Von Donnerstag bis Samstag war ich in Vereinsangelegenheiten in Deutschland, genauer gesagt in Ludwigsburg in Baden-Württemberg. Das war für mich der erste Besuch in dieser Gegend. Wie ich überhaupt sagen muss, dass unser nordwestliches Nachbarland für mich lange Zeit eher ein grauer, unbereister Fleck auf der Landkarte war. Erst in den letzten Jahren hat sich das etwas gebessert. 2007 war ich in Hamburg, mein erster geplanter Urlaubsaufenthalt in der Bundesrepublik, 2008 für einen Tag in München und jetzt eben in Baden-Württemberg.

Dabei hat Deutschland zweifellos eine große Fülle an sehenswerten Städten zu bieten.

Zum Beispiel Ludwigsburg. Ludwigsburg, das ist zunächst ein Schloss, dass der württembergische Herzog Eberhard Ludwig ab 1704 errichten ließ. Rund um das Schloss entstand die barocke Planstadt Ludwigsburg, geprägt vor allem durch die Kasernen der Soldaten des militaristischen Herzogs. Die Vorgabe lautete dabei, dass kein Gebäude in Ludwigsburg höher als zwei Stockwerke sein dürfe - offensichtlich wollte der Landesfürst die gesamte Stadt überblicken.

Aus dieser Entstehungsgeschichte resultiert das sehr spezielle, aber reizvolle Erscheinungsbild der Stadt (elegante, niedrige Gebäude, geradlinige Straßenzüge).


Für Ludwigsburger Innenstadt-Verhältnisse fast schon ein Hochhaus, aber architektonisch durchaus repräsentativ: das Haus unweit der herzöglichen Residenz, in dem die Familie des berühmtesten Schwaben, Friedrich Schiller, von 1766-1768 lebte

Dominierend in der 87.000-Einwohner-Stadt ist aber natürlich das Schloss, eines der größten Barockschlösser Deutschlands:







Auch der verspielte Schlosspark ist einen Besuch wert.



Erwähnenswert auch der Ludwigsburger Marktplatz, an dem sich eine katholische und eine evangelische Kirche gegenüberstehen, allerdings konnte uns kein Einheimischer sagen, welche Kirche zu welcher Konfession gehört. Auch gibt es in Ludwigsburg ergänzend zum großen auch noch kleinere Schlösser, für die unsere Zeit aber leider nicht reichte.

Dafür hat unsere Zeit aber für einen Ausflug noch Stuttgart gereicht, was nachträglich betrachtet vielleicht ein Fehler war. Immerhin, man weiß jetzt, dass man da nicht mehr hinmuss. Zumindest nicht an einem grauen Dezembertag. Da präsentiert sich Stuttgart nämlich als selten unattraktiver Ort. Wenn man sich über die überfüllte, mehrspurige Stadtautobahn, die Stuttgart, die Stadt der Pferdestärken, wie ein Würgeband umschlingt, hineingekämpft hat, stößt man auf zwei graue Schlossbauten. Ansonsten bietet sich einem in der Stuttgarter Innenstadt das Bild einer Hitparade der grässlichsten Bausünden des 20. Jahrhunderts. Die ursprüngliche Stuttgarter Altstadt ist im 2. Weltkrieg von britischen und amerikanischen Bombern dem Erdboben gleichgemacht worden. In der Folge traf die Stuttgarter Kommunalverwaltung die verhängnisvolle Entscheidung, die alten Gebäude nicht mehr wieder aufzubauen (angeblich wurden sogar kaum beschädigte Straßenzüge gänzlich abgerissen), um eine "moderne" und "autofreundliche" Stadt zu erschaffen.

Das Ergebnis ist so, dass man sich beinahe einen neuerlichen angloamerikanischen Bombenangriff (unter vorherigen Evakuierung und großzügiger Entschädigung der unschuldigen Stuttgarter Bevölkerung natürlich) wünscht. Stuttgart ist jedenfalls ein Mahnmal dafür, was eine geschichtsvergessene Stadtpolitik anrichten kann.

Angeblich macht Stuttgart allerdings in der warmen Jahreszeit einen viel freundlicheren Eindruck - tatsächlich fällt auf, dass hier viele Bäume gepflanzt wurden. Und die Hügel um Stuttgart sollen lieblich und ob des milden Klimas von Weingärten bekrönt sein. Davon war an unserem Dezembertag aber jahreszeit- und wetterbedingt natürlich nichts zu sehen.

Eines der letztes Überbleibsel des alten Stuttgart im inneren Bereich der Stadt ist der denkmalgeschütze Hoppenlaufriedhof, heute ein stiller, moosbewachsener Park. Hier liegen unter anderem Gustav Schwab und Wilhelm Hauff begraben. Auch gibt es einen stark mit grünem Moos überzogenen, ansonsten aber gut erhaltenen, jüdischen Teil.








Vor der Rückfahrt nach Linz haben uns unsere sehr freundlichen Gastgeber noch eine Führung in der Zentralstelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen ermöglicht. Der Name klingt trocken und bürokratisch, aber die Führung war sehr spannend. Besonders beeindruckend waren die Schilderungen der Widrigkeiten, gegen die Staatsanwälte und Richter zu Beginn ihre Arbeit verrichten mussten - wer im Ludwigsburg der späten fünfziger Jahre Naziverbrechen aufklären wollte, musste damit rechnen, dass ihm niemand ein Zimmer vermieten würde und sich kein Taxi finden würde, dass einen zur Arbeitsstelle chauffieren würde.

Auf der Rückfahrt haben wir noch Nürnberg gestreift, ein paar Bilder von da gibt es dann voraussichtlich morgen.

Sonntag, 13. Dezember 2009

Dienstag, 8. Dezember 2009

Vorfreude

Bald ist es wieder so weit. Rund um den Globus zählen kleine und große Kinder bereits die Tage, die Vorfreude steigt, die Spannung wird täglich größer.

Am 11.6.2010 erfolgt der erste Ankick der Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika. Die Mannschaft des Gastgebers bekommt es in Johannesburg mit Mexiko zu tun. Insgesamt nehmen 32 nationale Auswahlen an diesem Turnier teil.

Irland ist nicht dabei. Und das ist gut so. Nicht, dass ich es den "boys in green" nicht grundsätzlich gegönnt hätte, ich mag den leidenschaftlichen, kämpferischen Fußball, den das irische Team spielt. Aber, wenn die Iren es nach dem französischen Skandal-Tor im letzten Playoff-Spiel tatsächlich über den Grünen Tisch oder ein Wiederholungsspiel zur WM geschafft hätten, wäre das ein fatales Signal für den Fußball gewesen.

Denn angesichts der Präzedenzwirkung einer solchen Entscheidung und der Fülle von Fußballspielen, die durch fragwürdige Schiedsrichterpfiffe entschieden werden, hätten sich die Verbände in Zukunft wohl der Begehrlichkeiten von Verlierern nicht mehr erwehren können. Es ist an sich sinnvoll und gut, dass Schiedsrichterentscheidungen Tatsachenentscheidungen sind.

Das heißt freilich nicht, dass man den Fußball nicht professioneller, besser, ja sogar spannender machen kann, indem man auf die Mittel der modernen Technik zurückgreift, um krasse Fehlentscheidungen zu korrigieren. Was sich im Eishockey, im Tennis oder im American Football gut bewährt hat, kann auch den Fußball nicht kaputt machen. Wenn jedem Trainer eine begrenzte Zahl von challenges während der Partie zugestanden wird, mit denen er eine Korrektur von Schiedsrichterentscheidungen mithilfe der Videoaufzeichnung erreichen kann, fügt das dem Spiel mit Sicherheit keinen Schaden zu, sondern vielmehr ein spannungsvolles und strategisches Element hinzu - die Entscheidung des Coaches nämlich, wann und wie von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht werden soll.

Auch der Angst vieler Hardcore-Fußballfans, dass der Fußball an Reiz verlieren werde, wenn man nicht mehr über jede Entscheidung diskutieren könne (hinter der wohl oft die unausgesprochene Angst steht, den Schiedsrichter als Projektionsfläche für negative Emotionen zu verlieren), kann leicht begegnet werden: es wird auch über die Videobeweise heftig diskutiert werden. Echte Fußballfanatiker können ohnehin nicht anders.

Jedoch vermag der Videobeweis schwerwiegende Fehlentscheidungen aus der Welt zu schaffen, was nicht nur eine Frage der Fairness ist, sondern in einer Fußballwelt, in der es nicht mehr nur um die Ehre, sondern um gigantische Geldbeträge geht, auch eine massive moralische (wenn nicht gar rechtliche) Verpflichtung darstellt. In keiner Sportart dieser Welt sind derart kleine Handlungen und knappe Entscheidungen ausschlaggebend für derart gewaltige Geldströme. Die jüngsten Wettskandale sollten in dieser Hinsicht eigentlich sämtliche Alarmglocken schrillen lassen.


Aber zurück zur Vorfreude. Ich habe ja bereits im Anschluss an die tolle Europameisterschaft 2008 gemutmaßt, dass das eine ganz große Weltmeisterschaft werden könnte. Einiges von damals ist freilich zu revidieren. So hat es bedauerlicher Weise das hochbegabte russische Team nicht zur WM geschafft, weil es unglücklich im Playoff an den zweifellos tapferen, aber fußballerisch doch eher mediokeren Slowenen gescheitert ist. Ähnliches gilt für meinen geheimen afrikanischen Favoriten, den zigfachen kontinentalen Champion Ägypten, der wieder einmal ein Opfer seiner Nerven und seiner Auswärtsschwäche geworden ist. Auch die Türkei hat sich ziemlich sang- und klanglos bereits zum Abschluss der Qualifikationsgruppe verabschiedet, hat es - wieder einmal - nicht geschafft, Kontinuität zu demonstrieren. Schade ist auch, dass Schweden es nicht gepackt hat, aber nicht wegen der schwedischen Mannschaft, sondern weil dann bei der WM keine Genieblitze von Zlatan Ibrahimovic zu sehen sein werden (dagegen tausche ich gerne eine ganze dänische Mannschaft ein..). Und schließlich steht auch hinter dem Dauer-Favoriten Argentinien ein großes Fragezeichen, werkt doch dort seit einiger Zeit ein nicht sonderlich kompetent wirkender und sich ziemlich unprofessionell verhaltender Trainer, weswegen man auch nur haarscharf an der historischen Schmach der Nicht-Qualifikation vorbei geschrammt ist.

Trotzdem - es wird eine große WM! Erstens, weil sie das erste Mal in Afrika stattfindet, was ein ungemein wichtiger und richtiger Schritt ist. Weil man dort weiß, wie man Feste feiert und wir Zeuge von großer Freude und großem Stolz werden. Weil dort großartiger internationaler Fußball zu sehen sein wird. Weil der Kreis der echten Titelanwärter groß ist, Spanien und Brasilien an der Spitze, gefolgt von Deutschland, England, den Niederlanden, Italien und vielleicht auch Argentinien (wenn Messi auftrumpft). Weil die afrikanischen Teams erstmals am eigenen Kontinent bei einer WM auftreten können und entsprechend angestachelt agieren werden, allen voran die exzellenten Selektionen der Elfenbeinküste und von Ghana, aber auch die heimischen Südafrikaner.

Ich freue mich! Und ich werde die Zeit bis zur WM natürlich auch auf diesem Blog dazu nutzen, Südafrika 2010-bezogene Einträge zu verfassen. Insbesondere werde ich eine WM-Simulation durchführen, allerdings in einer sehr speziellen Weise.

Sonntag, 6. Dezember 2009

Verunglückte Namen # 12

Diesmal mit einem sehr feinen, internationalen Beitrag:


Urheber: Dave Goodman

Der Typ, der dieses Bild gemacht hat, ist mir übrigens sympathisch. Nicht nur, dass er ein Auge für verunglückte Namen hat, er kann außerdem Katzen gut leiden und hat Onion-Videos auf seinem Blog. Außerdem ist er einer der wenigen Menschen auf diesem Planeten, die etwas zur Frage "Wer erfand das ´Undo´" beizutragen hatten..(so bin ich dann auch auf dieses Bild gestoßen).


Donnerstag, 3. Dezember 2009

Meine stillen Helden # 1

Heute: Namentlich unbekannte Programmierer der Xerox Corporation

Natürlich, es wäre schön, wenn man das Prinzip in allen Lebensbereichen anwenden könnte: zB nicht nur zurücknehmen was man gerade Dummes gesagt hat, sondern es wirklich, buchstäblich rückgängig machen. Oder: die falsche Abzweigung ungeschehen machen, die man gewählt hat, weil man wieder einmal wie ein ferngesteuerter Zombie von der Arbeit heimgeht, obwohl man eigentlich noch Zahnpasta kaufen muss. Oder: die Zeit vor dem Computer diesmal nicht vertrödeln, damit sich der Zug doch noch ausgeht.

Dass das einmal jemand erfindet, damit ist wohl doch nicht zu rechnen (und die Voraussetzungen wie Implikationen wären ohnehin zu gewaltig, als dass ich sie mir jetzt hier vorstellen möchte). Aber immerhin gibt es sie, die Undo-Funktion für den laienhaften Computeruser und sie ist eine wahre Wohltat. Wie oft ist man schon innerliche Tode gestorben, weil sich durch eine unbedachte Aktion mühsam Geschriebenes in Luft aufgelöst hat und man für eine Zehntelsekunde noch an der vermeintlichen existenziellen Gewissheit festgehangen hat, dass das was futsch ist auch futsch bleibt? Doch dann: der Moment des Triumphes, der Wiedergeburt! Der "Undo"-Button oder das Control-Z bringt das Verlorene zurück. Das ist immer wieder ein wunderschöner Augenblick- ein Hauch von Ewigkeit, der der vanitas trotzt. Herrlich.

Erfunden wurde das Control-Z von Programmierern der Xerox Corporation. Über die genaueren Umstände ist leider wenig bekannt, nicht einmal das genaue Jahr war dem Internetz zu entlocken. Das ist erstaunlich, wenn man bedenkt, was diese Erfindung der Menschheit an innerem Frieden gebracht hat. Aber immerhin kann man es nicht mehr rückgängig machen.

Dienstag, 1. Dezember 2009

Lektürismus - Reisen durch die Welt des Bücherregals # 2


Lost City Radio
von Daniel Alarcón, Wagenbach, 2008, 320 S. (Übersetzung: Friederike Meltendorf)

Was ist Geschichte? Sind es die großen Taten und kühnen Handlungen, die entscheiden, wohin die Reise geht, wie es uns die historischen Wälzer zuweilen weismachen wollen? Oder sind es nicht vielmehr die vielen kleinen Impulse, die zusammen, zunächst ganz und gar unmerklich, dem menschlichen Leben eine Richtung verleihen, die vielen kleinen Taten, die ineinander greifen und zusammen zu einem großen Bild wachsen?

Daniel Alarcón hat ein Buch über einige Jahre der Geschichte eines lateinamerikanischen Landes geschrieben. Dieses Land hat keinen Namen, es befindet sich in einem erstarrten Zustand nach einem verlustreichen Bürgerkrieg. Es wurde durch eine repressive, graue Regierung seiner historischen Identität beraubt, die alten Namen der Städte und Dörfer sind durch Zahlen ersetzt worden. Viele Menschen sind entwurzelt, über das Land verstreut. Eine Frau namens Norma moderiert eine Radiosendung, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Menschen wieder zusammen zubringen. Sie ist eine einsame Ruferin in einer mutlosen Gesellschaft. Gleichzeitig ist "Lost City Radio" ein Quotenbringer, man schreckt auch vor manipulativen Methoden nicht zurück, um der Sendung Wirkung zu verschaffen. Aber die Stimme von Norma, die Stimme die landauf, landab jeder kennt, ist ein Symbol der Hoffnung - wenn auch einer Hoffnung, die nicht konkret ist, nicht sein darf, die im Diffusen bleibt.

Rund um Norma entspinnt Alarcón sein meisterliches Panorama dieses sonderbaren Landes. Der Autor lebt in der Vereinigten Staaten und schreibt auf Englisch, ist aber ein gebürtiger Peruaner. Es erscheint nahe liegend, dass hier Peru Pate gestanden hat, aber es könnte auch irgend ein anderes Land in Lateinamerika gemeint sein, das ist letztlich auch gar nicht von Bedeutung.

"Lost City Radio" ist keine chronologische Geschichtsstunde, nicht einmal eine lineare Erzählung.
Der Autor bewegt sich gewandt zwischen den zeitlichen Ebenen, breitet sie neben einander auf und schiebt sie dann, begleitet vom Leser, kunstvoll ineinander, sodass am Ende eine stimmiges Ganzes entsteht. Das Bild, das am Ende dasteht, ist dabei womöglich gar nicht so überraschend, aber der Weg dorthin ist ungemein spannend und reichhaltig. "Lost City Radio" gleicht einem Puzzle, das man in vielen Stunden zufriedener und doch spannungsvoller Gelassenheit ineinander fügt. Und jedes Mal, wenn wieder Steine zusammen passen, entdeckt man neue Details, neue Feinheiten.

Eine überschaubare Zahl von Charakteren bevölkert dieses Buch. Sie scheinen oft wie bloße Nebenfiguren im Strom der Geschichte, die vom Bürgerkrieg in die Repression führt. Doch Alarcón gelingt es in seiner ungemein feinfühligen, gleichzeitig vielsagenden wie ökonomischen Erzählweise, aus den Schicksalen dieser Menschen so etwas wie die Seele ihres Landes und ihre Entwicklung heraus zu destillieren, eine Seele, die in ihren wesentlichen Bestandteilen universelle Gültigkeit hat. So kann man schließlich im Sendebereich des "Lost City Radio" nach dem Bürgerkrieg auch das Spiegelbild einer (post-)modernen Gesellschaft voller verlorener Individuen sehen, die rat- und mutlos nach den historischen Kämpfen der jüngeren Vergangenheit dahintreibt und nicht so recht weiß, wo sie jetzt eigentlich hin will.

Oder man genießt einfach die handwerkliche Kunst des Autors, seine Geschichte zusammenzufügen und so nebenbei die Historie eines Landes zu erzählen. Ohne große Gesten und Erklärungen, einfach aus der jeweiligen persönlichen Geschichte seiner Charaktere, mit ihren kleinen, zuweilen zufälligen, Impulsen heraus. In jedem Fall ist dieses Buch eine absolute Empfehlung.