Donnerstag, 30. Januar 2020

Rückblog 2016 (Nachtrag): Meine am liebsten gehörten Tracks des Jahres 2016, 3-1

Fortsetzung von HIER.
  •  03 Prince - FUNKNROLL (Chris Lake Edit)
Eigenartig. Da muss ein schottischer EDM-DJ und Remixer daher kommen, damit ich mit einem Prince-Song etwas anfangen kann. Zwei Welten, die mir fern sind, doch das Ergebnis konnte ich im Jahr 2016 immer wieder hören. Vibes zum Zu-Fußgehen und zum Zugfahren.





  • 02 Snooks Eaglin - Death Valley Blues
Der New Orleans-Blueser begibt sich hier auf den Spuren der wesentlichen Blues-Gestalt "Big Boy" Crudup in das metaphorische Todestal. Ein "Sterbe-Blues" zwar, aber einer von der weniger bitterernsten Seite. Ja, ein lasziv-augenzwinkernder sogar, wenn der Sänger den Frauen, die zu seinem Begräbnis erscheinen werden, noch schnell Bekleidungstipps ausrichtet. Auch ein Monatsmeister mit Anlass zur persönlichen Blues-Reflexion.




  •  01 Will Varley - King For A King 
Vier Minuten. Viel mehr braucht Will Varley nicht um die existenzielle Quintessenz eines Menschenlebens zu vertonen. Varley ist ein Meister der Miniatur, der Kunst, ein großes Thema in einem Folksong konzis abzuhandeln. Nach dem Monatsmeister gingen wir zu seinem Konzert im Wiener Chelsea. Und da meinte er, sein größter Traum sei es, einmal eine Unterlassungsaufforderung von Bob Dylans Anwälten an der Wand hängen zu haben. Braucht er gar nicht. Ist schon ein Könner in seiner eigenen Kunst.



Dienstag, 28. Januar 2020

Rückblog 2016 (Nachtrag): Meine 25 bestgehörten Tracks des Jahres 2016, 9-4

Fortsetzung von HIER.

  • 09 Shearwater - Quiet Americans
Ein Ornithologe aus Austin (Texas) singt sich, gebettet auf fantastische Sounds und grandioses Songwriting, hinauf zu einer fulminanten Anklage gegen Ignoranz und stumpfen Patriotismus in seinem Land. Klingt stellenweise wie ein dunkler Parallelwelt-Bowie im Protestsänger-Modus. Wie gesagt, es war 2016. Where Are The Americans?


  • 08 Joanna Newsom - Sapokanikan 
Joanna Newsom kommt aus einem intellektuellen Hippie-Milieu in Nordkalifornien. Mutmaßliches Hauptfach: Waldorf-Harfe. Und genauso tönt auch ihre Musik. Die ist aber auch immer wieder ganz toll. Und immer ganz Joanna Newsom.


  • 07 Mooryc - Jupiter
Dies ist aktuell die bestgehörte Nummer meiner seit 2007 laufenden Top 25 aller Zeiten (bereits auf Platz eins im Jahr 2015 und auf Platz 14 im Jahr 2014)! Warum das so ist, weiß niemand so ganz genau. Aber vielleicht gibt ja die Monatsmeister-Besprechung von Anno dazumal einen Aufschluss. 


  • 06 Marilyn Manson -Third Day Of A Seven Day Binge
Die Zeiten, als die Band und der gleichnamige Sänger noch schlichtere Gemüter schockieren konnten, sind wohl eher vorbei. Dafür kann man sich aber jetzt besser auf die Musik konzentrieren. Und die ist hier sehr passabel: klassisch-solider, bluesiger Rock mit gefühlter 90er-Schlagseite und gewohnt nicht-kalt-lassender Gesangs-Performance. Allemal besser als zum Beispiel Ozzies schwer erträgliche, späte Gothic-Lennon-Anverwandlungen.


  • 05 Jeff Rosenstock - Hey Allison! 
 Nur 1:51 Minuten dauert diese Ode an eine schmerzlich abwesende Freundschaft/Beziehung. Aber Rosenstock packt ganz viel Herz und ganz viel musikalisches Gold am Schnittpunkt zwischen viel DIY-Punk, einigem Indie, etwas Pop und, ja, fast schon Arena-tauglichem Rock (singt da jemand von der "Jersey Skyline"?!) in diese so knappe Zeitspanne. Sogar ein Gitarren-Solo geht sich aus. Und der Refrain, der Refrain. Adrenalin. Monatsmeister.


  • 04 Squarepusher - Rayc Fire 2
Dieses in jeder Hinsicht hochfrequente Soundgewitter löst beim noch ahnungslosen Novizen schlicht Fassungslosigkeit aus. Dann wird es sich beim willigen Zuhörer aber irgendwo zwischen außerkörperlichem Offenbarungserlebnis und bedenklichem Drehschwindel einpendeln. Wahnwitzig gut.


 Fortsetzung folgt mit 3-1 aus 2016 am Donnerstag.

Sonntag, 26. Januar 2020

Rückblog 2016 (Nachtrag): Die 25 bestgehörten Tracks des Jahres, 25-10 (Zusammenfassung)

Naja, ich mag keine offenen Enden. Bücher lese ich prinzipiell fast immer zu Ende. Ein Buch muss schon sehr schlecht sein, damit ich es in der Mitte weglege. Ich bleibe am Freitag lieber länger in der Arbeit, als Dinge auf Montag zu verschieben. An dem Problem arbeite ich aber.

Ironischerweise gibt  bei jenen Songs, die in den Top 25 aus 2016 auf den hinteren Rängen platziert sind, ausführliche Texte aus früheren Tagen. Die Texte sind meist viel besser als alles, was ich derzeit schreibe. Das ärgert mich, aber ich verlinke sie trotzdem.


         Hinweis: Die Tindersticks, eine der klangschönsten Livebands des Planeten sind bald im    Theater Akzent in Wien.
  •  21 Aero Flynn - Dk/Pi
  • 20 Bus - Westen (AG Penthouse Rmx)

  • 19 Eleanor Friedberger - He Didn´Mention His Mother

  • 18 Humus - When I Feel Lonely, I Dance

  • 17 Pete Seeger - If I Had A Hammer
  • 16 Esta. - Only One (Love Is King)

  • 15 The Rural Alberta Advantage Terrified

  • 14 Buck Owens & His Buckaroos - I Got A Tiger By His Tail

  • 13 The Receiver - Transit
  •  12 Sleater-Kinney - Bury Our Friends


  •  11 Hookworms - Away/Towards

  • 10 John Fullbright - Jericho


Fortsetzung mit den Plätzen 9-4 am Dienstag.

Donnerstag, 23. Januar 2020

Rückblog 2019: Forsetzung folgt..

Die Alben des Jahres sind durch.

Hier noch einmal im Überblick, schön geordnet:
 

Weil es trotz einiger Hürden und Holperer (hey, ich bin etwas außer Übung) Spaß gemacht hat, das zu schreiben, werde ich noch etwas fortfahren. Die Songs des Jahres stehen an. Aber, weil ich irgendwann im Jahr 2016 hängen geblieben bin, werde ich die letzten Jahre nachholen müssen.

Aber keine Angst, das wird nicht langwierig. Das geht diesmal zack, zack, zack. Also, demnächst halt, wenn ich dazu komme.

Stay tuned, if you like.


Sonntag, 19. Januar 2020

Rückblog 2019: Meine bestgehörten Alben des Jahres, Platz 1

Simo Lagnawi - Moroccan Fusion
2017, best foot music

Eine Qualität, die ich an Musik besonders schätze, nenne ich die Zoom-In/Zoom-Out-Qualität. Ich weiß nicht, ob den Begriff sonst schon jemand verwendet. Falls ja, pardon.

Gemeint ist: Ich kann mich in die Klangwelt hinein fallen lassen, tief vergraben, jeder Verästelung jedem Klangereignis nachgehen und dabei immer wieder neue Dinge, andere Aspekte entdecken. Ich kann die Musik aber auch im Hintergrund laufen lassen, ohne dass es irritiert. Wie eine Klangtapete im besten, im geschmackvollen Sinn.

Zoom-In/Zoom-Out ist meist besonders ausgeprägt bei instrumentaler Musik - wie bestimmten (nicht allen) klassischen Kompositionen, insbesondere aber bei gut gemachter elektronischer Musik. Die menschliche Stimme hingegen, die steht dieser spezifischen Janusköpfigkeit - genauer gesagt: dem Zoom-Out - oft eher im Wege. Zu stark ist ihre Signalwirkung, ihr Übertragen von Emotionen, ihr Wirklichkeitsbezug.

Simo Lagnawi lebt in London und ist ein Gnawa-Musiker. Die Gnawa sind die Nachfahren der einst nach Marokko verschleppten westafrikanischen Sklaven. Und so heißt auch ihre Musik. Es ist bemerkenswert, wie man im nordafrikanisch-vorderasiatischen Raum immer wieder auf solche Musikkulturen stößt (zB auch jener der Bandari im Süden des Iran). Eine weniger beachtete historische Parallellachse zu den rituellen Gesängen und den Plantation Songs der nach Amerika verschleppten Afrikanerinnen und Afrikanern.

Gnawa ist in ihrem Ursprung rituelle Musik. Eine Anrufung von Geistern und Heiligen. Ein Ritual der Heilung, ein Nachvollziehen der Schöpfung und ein Sich-dazu-in-Beziehung-setzen. Die Motive und Phrasen wiederholen sich in langen Reihen, ein Trance-artiger Zustand wird angestrebt. Die Führung hat die afrikanische Kastenhalslaute Gimbri, andere Lauten sorgen für dunklere Farben, dazu wird intensiv getrommelt und werden Kastagnetten geschlagen.


"Moroccan Fusion" ist im Rahmen des Projekts best foot music entstanden, bei dem Musik von Menschen aufgezeichnet wird, die in das UK migriert sind. Es sind Liveaufnahmen, die an einer Schule in Brighton aufgenommen wurden. Die Stimmen der Kinder sind immer wieder im Hintergrund zu hören. Der Großteil der Musik kommt aber ohne menschliche Stimme aus. Simo Lagnawis Zugang zum Gnawa ist ein offener, hier nimmt er Musiker aus Frankreich, Marokko, England und Burkina Faso mit. Sie reichern diesen wunderbar musikalischen und doch irgendwie unbändigen Jam mit ihren jeweiligen Akzenten aus Blues, Afrobeat, Reggae an.

Zu dieser Musik kann man alles machen: Tanzen, Sich-Unterhalten, Arbeiten, Denken, Sich-in-Bezug-zur-Welt-setzen, die Melodien in sich aufnehmen. Die Bewusstseinsebenen wechseln. Hinein und wieder hinaus zoomen.


 

Mittwoch, 15. Januar 2020

Amnesty informiert: Rückblick 2019. Das war gut, das hatte Erfolg!

In der Jänner-Ausgabe richtet „Amnesty informiert“ den Blick noch einmal zurück auf das abgelaufene Jahr. Und rückt das Positive in den Fokus.

Welches Unrecht wurde 2019 beseitigt? Welche MenschenrechtsverteidigerInnen kamen in Freiheit? Wie ist es dem Amnesty-Aktivismus ergangen? Was hat die Gruppe 8 in Linz getan und erlebt?

Wie schon seit einigen Jahren stehen in der Jänner-Ausgabe von „Amnesty informiert“ gute Nachrichten und ermutigender Aktivismus im Mittelpunkt. Neben menschenrechtlichen Erfolgsmeldungen aus aller Welt bringen wir auch ein Interview mit Sylvia Pumberger, die das Jahr als Gruppensprecherin der Gruppe 8 Linz begleitet hat.

Wie immer gibt es auch Musik sowie aktuelle Meldungen, diesmal alle aus Österreich.

Gestaltung und Moderation: Martin Walther


Sonntag, 12. Januar 2020

Rückblog 2019: Meine bestgehörten Alben des Jahres 2019, Platz 2

02
Sonny Rollins - What´s New?
1962 (RCA)/1994 (BMG France)

All That Jazz? Ja, 2018-2019 war die Zeit, in der ich Jazzmusik endgültig "entdeckt" und mehr Jazz gehört habe, als jemals zuvor (siehe auch schon hier). Wobei, ein kleines gallisches, pardon iberoamerikanisches, Jazz-Dorf gab es eigentlich schon vorher: den Latin Jazz.

Das dafür verantwortliche Album kam aus der recht umfangreichen Jazzplatten-Sammlung meines Vaters. Es hieß "Afro-Cuban Moods" und war ein Gemeinschaftswerk des Trompeters Dizzie Gillespie mit dem Kubaner Machito, einem der Grundsteinleger dieses Genres. Diese Musikform, die jazziges Instrumentenspiel und Phrasen mit lateinamerikanischen (hier: kubanischen) Sounds, Melodien und in die Beine gehenden Rhythmen paarte, zog mich gleich in den Bann.

Als der Tenorsaxofonist Sonny Rollins im Jahr 1962 sein Latin-Jazz-Werk "What´s New?" in New York einspielte, lagen die Anfänge dieses - weit zu verstehenden - Genres mit Machito schon gut zwanzig Jahre zurück. Diese Art des Genre-Mixing war also nicht mehr neu. Allerdings war die Bossa Nova- die Synthese aus brasilianischem Samba  und Jazz - gerade dabei, die Welt zu erobern. Das hat diese Platte geprägt.

"What´s New?" atmet folglich die helle, cool-klare, dem Leben zugewandt scheinende Tonalität der brasilianischen Musik. Und auch ein Gitarrist darf hier, Bossa-typisch, in Gestalt von Jim Hall (der übrigens hier ein sehr lesenswertes Interview gegeben hat) nicht fehlen.
Dabei sind diese Aufnahmen, die Rollins nach einer zweijährigen Kunstpause mit frischer Kraft anging, abwechslungsreich und experimentierfreudig. Nach dem schmeichelweichen Bossa-moodigen "If I Ever Would Leave You", bei dem Rollins eine Melodie aus einem Broadway-Musical ("Camelot") verarbeitet, finden wir etwa im freieren, die Songform ganz beiseite lassenden "Jungoso" die ebenfalls mitwirkende afrokubanische Conga-Legende Candido in vollem Einsatz und einen expressiveren Stil, zu dem nur mehr Ausdruckstänzer ihre Bewegungen finden würden. Und "Bluesongo" liefert, was der Titel verspricht: spätnächtlichen, bluesigen Jazz mit versonnenen Congas und einem herumspazierenden Bass. In "The Night Has A Thousand Eyes" wiederum setzt sich Rollins mit dem Motiv eines film noir aus dem Jahr 1948 auseinander, bei dem es um düstere (hellseherische) Fähigkeiten geht.

Es ist also nicht alles Tanz und Samba und Karneval, was hier abgeht. Freilich gibt es mit dem bei den Sessions entstandenen (original nicht enthaltenen) Track "Don´t Stop The Carnival" einen lupenreinen Kaneval-von-Rio-Samba-Jazz. Und ganz zum Schluss lässt sich Rollins´ Combo sogar zu einem knapp (aber gerade noch) diesseits der Kitschkante segelnden Calypso-Jazz hinreißen ("Brownskin Girls"). Aber: in ersterem Track flehen mitsingende Frauenstimmen fast inständig, die Festivität doch bitte nicht zu beenden. Und in letzterem verhandeln die Sänger die Eifersuchts-Neurosen der abfahrenden Fischer/Matrosen angesichts ihrer lebenslustigen Frauen.

Ein Balanceakt also zwischen mittel- und südamerikanischer Leichtfüßigkeit und schwerer Introspektion. Ein oft etwas übersehenes, aber hochspannendes Album. Nicht nur für Leute mit einer Schwäche für Latin Jazz.



Sonntag, 5. Januar 2020

Rückblog 2019: Meine bestgehörten Alben des Jahres 2019, Platz 3

03 (geteilt mit "Bags & Trane") 
Marc Ribot - Songs Of Resistance (1942-2018)
Anti-, 2018

Gegen hartnäckig dumme (und sogar dümmer werdende) Politik braucht es hartnäckigen (und mitunter auch härteren) Widerstand. Dachte sich der amerikanische Musiker Marc Ribot und nahm ein Album auf, eine Platte voller Protestsongs aus den Jahren 1942-2018.


Weder die Zeitspanne ist dabei zufällig gewählt, noch das Cover des Albums. Letzteres zeigt einen Mann, der auf die Trümmer eines von Bombern in Schutt und Asche gelegten Hauses blickt. 1942 war das erste volle Jahr, das die USA im Zweiten Weltkrieg verbrachten. Das Bild zeigt uns, welche Folgen autoritär-nationalistische Politik sowie populistische Spalterei und Kriegstreiberei in letzter Konsequenz haben.

Marc Ribot hat für seine "Songs Of Resistance" eine illustre Runde von MitmusikerInnen zusammen gebracht und macht mit ihnen viele verschiedene Arten von Musik. Es sind alte Lieder, neu arrangierte Lieder und neue Kompositionen.

So raspelt Tom Waits ein Ehrfurcht gebietendes "Bella Ciao". Steve Earle marschiert den Widersachern im folkigen Rock -Schritt von "Ain´t Gonna Let Them Turn Us Round" trotzig entgegen oder beklagt den Tod eines ermordeten Sikhs gemeinsam mit Ribot und Tift Merritt in schaukelndem Country ("Srinivas"). Die Neo-Soul-Vorreiterin Meshell Ngedeceollo und die Jazzsängerin Fay Victor setzen eindrucksvolle Akzente.  Und Ohene Cornelius schmäht den US-Präsidenten mittels Raps auf einem mexikanischen Pop-Beat.

Ribot ist ein musician´s musician, ein hoch geschätzter Sideman und Session-Musiker - ohne, dass er dabei selbst die ganz große Bekanntheit erlangt hätte. Einer jedenfalls, der in sehr vielen musikalischen Stilen zuhause ist, der viel Jazz, aber auch lateinamerikanische Musik, Folk, Rock, Pop, Blues, Klezmer, No Wave oder Avantgarde gemacht hat.

Das kommt der Platte zupass. "Gut gemeint" ist ja, oft genug, das Gegenteil von gut. Wenn viele KünstlerInnen zusammen kommen, die unterschiedliche Hintergründe haben und dann auch noch einiges an schon existierendem Songmaterial verarbeiten, dann kann das Ergebnis schnell wie ein etwas unausgegorener Sampler klingen. Hier nicht. Marc Ribot hält den Laden zusammen.

Einziger echter Kritikpunkt an dieser stilistisch sehr abwechslungsreichen und doch gut durchhörbaren Platte: die Lyrics, manchmal zumindest. Die sind  - qua Songwahl oder Neutextung - zeitweise gar arg martialisch und/oder stumpf-aggressiv geraten, vor allem wenn es um den amtierenden US-Präsidenten und dessen Misshandlungen der Rationalität, der Mitmenschen und des Planeten geht. Man muss ja nicht Gleiches mit Gleichem vergelten, sagt da der Verstand. Ist aber schon auch ein bisschen kathartisch, sagt das Gefühl.



Anm 1.: Stream startet mit Track 2 (warum auch immer), einmal zurück und es beginnt von vorn.
Anm. 2: Wer das Album kauft, unterstützt eine Anti-Trump-Grassroots-Organisation.

Mittwoch, 1. Januar 2020

Number One

Ein neues Jahr. Ein neues Jahrzehnt (nach gängiger Auffassung). Wird es eine Band wie die Rutles hervorbringen?

Eher nicht.

R.I.P. Neil Innes (aka Ron Nasty).

Dienstag, 31. Dezember 2019

Rückblog 2019: Meine bestgehörten Alben des Jahres, Platz 3 (geteilt)

03 (geteilt) Milt Jackson & John Coltrane - Bags & Trane
     2012 (Original 1961), Not Now Music

Ich habe mich früher mit Jazz eher schwer getan. Es gab so viel andere interessante Musik und ich hatte nicht die Muße, da hinein zu finden. Ich habe es dann einmal mit "Kind Of Blue" probiert (was sonst), aber ich muss sagen, das Album hat mich bis heute nicht erreicht.

"Bags & Trane" hingegen war schon 2018 mein "bestgehörtes" Album (übrigens vor Torres mit "TORRES", dem Stockholm Chamber Orchester unter Welser-Möst mit Mozart-Divertimenti und Bob Dylans Dreifach-Album "Triplicate"..). Und 2019 geht sich nochmals der dritte Platz aus.

 "Bags", das ist der hervorragende Vibraphonist Milt Jackson."Trane" ist, naja, Coltrane eben. Auch der Rest der Combo kann sich sehen und vor allem hören lassen: Paul Chambers - Bass, Connie Kay - Drums, Hank Jones - Piano. Das Ergebnis der Kollaboration ist ein von der ersten bis zur letzten Nummer beglückendes Erlebnis. Znächst staunt man einfach nur über die berückende Virtuosität des Dargebotenen, über die schiere Brillanz der Instrumentalisten.  Doch, wie scheinbar mühelos aus dem nahezu perfekten Spiel etwas entsteht, das so leichtfüßig daher kommt, so eloquent und unverkrampft ist, so einen unwiderstehlichen Drive entwickelt, das ist das zweite Wunder.

Wie hier die einzelnen Stimmen, allen voran das silbrigen Schimmer verbreitende Vibraphon auf der einen, das wie polierte Bronze leuchtende Tenorsaxofon auf der anderen Seite, miteinander in Dialog treten, wie sie einander antworten, sich spiegeln, einander kommentieren, das atmet den Geist eines freundschaftlich-witzigen, geistreichen Gesprächs, in dem der eine die Pointen des andere aufnimmt und um seine eigenen Akzente ergänzt. Und, jede Pointe, jeder Akzent wirkt spontan gesetzt und sitzt doch exakt am richtigen Platz.

Es passiert mir immer seltener, dass ich ein Album für mich ganz persönlich zu einem "Klassiker" ernennen kann. Eine Platte also, von der ich weiß, dass ich immer wieder zu ihr zurück kehren, dass ich sie immer wieder hören will. Warum das so ist,  kann ich hier jetzt nicht aufdröseln, nicht lösen,  es ist aber auch nicht wesentlich. Denn "Bags & Trane" ist  gerade eben so ein persönlicher Klassiker geworden.

Tracklist meiner Version des Albums:

 1 Bags & Trane
 2 Three Little Words
 3 The Night We Called It A Day
 4 Be-Bop
 5 The Late Late Blues


Sonntag, 29. Dezember 2019

Rückblog 2019: Meine bestgehörten Alben des Jahres, Platz 5 (geteilt)

05 (geteilt mit Mahalia) Rafael Puyana - Pièces de clavecin (Couperin Le Grand)
     Philips Classics Productions, 1989

Manchmal enthüllt ein genauerer Blick auf den "Beipackzettel" einer CD/ LP (gibt es eigentlich irgendeine deutsche Entsprechung für die englischsprachigen "liner notes"?) einen historischen Kontext einer Aufnahme, der ihr ein eigenes Flair verschafft.

Der kolumbianische Cembalo-Meister Rafael Puyana spielt hier. Unter seinen Händen erklingen diverse "Pièces de clavecin" des französischen Barockkomponisten François Couperin, genannt "Couperin Le Grand". Puyana tut dies in den ehrwürdigen Hallen des Pariser Konservatoriums, genauer gesagt in dessen Instrumentenmuseum. Und es ist Sommer 1968, genauer gesagt Juli 1968. Man kann sich vorstellen, dass die Aufnahmen vielleicht mehrfach verschoben werden mussten. Denn noch wenige Wochen vorher war Paris, war Frankreich im Aufruhr. Im "Pariser Mai" wurden Barrikaden errichtet, Universitäten und andere Gebäude besetzt und traten hunderttausende, ja letztlich Millionen Menschen in den Streik. Die Protestbewegung richtete sich gegen die als verknöchert empfundene Langzeit-Herrschaft des konservativen Präsidenten De Gaulle. 

Es hat seinen Reiz sich vorzustellen, wie die besonderes Atmosphäre dieses Sommers auf die Interpretation gewirkt haben mag. War es eine gewisse Entspannung, das diese Ausnahmesituation eben vorüber gegangen war, die das ganz und gar inspiriert wirkende, flink-filigrane Spiel Puyanas leitete? Oder steckte ihm doch Anspannung, Ärger, vielleicht Wut in den Fingern, wie er diese Musik spielte, die ein Hofkomponist eines anderen mächtigen Franzosen - Ludwig XIV. - zur Erbauung seines absolutistischen Fürsten geschrieben hat? Eine Musik, die Puyana nun auf einem Instrument wiedergab, das mutmaßlich die Revolutionäre von 1789 beschlagnahmt und dem Konservatorium übergeben hatten. So viel französische Geschichte (und Gegenwart) in einer Aufnahme. 

Und da ist dann noch diese Cembalo-Musik aus dem Jahrhundert des Sonnenkönigs, die einem so fremd, so wunderlich entgegen tritt. Couperins raffinierte und detailverliebte Kompositionen und das Spiel des Cembalisten kreieren in Verbindung mit den eigentümlichen Beschränkungen des alten Tasteninstruments (Tonumfang, Dynamik) eine ganz eigene Klangwelt. Wir erleben ein melodisch-harmonisches Dahingleiten in hellen Farben, das aber zugleich für heutige Ohren durchaus perkussiv daher kommt. Dazu liefert uns Couperin auch nicht die aus dem Barock vertrauten Formen höfischer Tänze. Es sind vielmehr kleine musikalische Poeme, die ein Ding, einen Zustand oder - das am häufigsten - einen Menschen oder eine Gruppe von Menschen in allen charakterlichen Besonderheiten und Sonderbarkeiten zu beschreiben suchen. Aber, paradox: gerade das so an den Klang der Zeit gebundene, zugleich nicht konventionelle Element dieser höfischen Unterhaltungsmusik lässt sie mir auch wieder modern erscheinen. Jedenfalls ganz und gar nicht verknöchert.


Halloween-Special 2025

 Es scheint wir Hexerei. Einmal im Jahr öffnet dieses Blog seine Grabplatte und gibt Zeichen von sich. Das Video zum Fest kommt diesmal aus ...